Zu spät?

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Eva
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Zu spät?

Beitrag von Eva » 28. November 2006 21:54

Viele ADSler haben ihre Diagnose erst sehr spät ... nach jahrzehntelangem Kampf, Verdrängungen, Schauspielereien und vielen Resignationen ... erhalten.

Endlich eine Erklärung für so unendlich vieles! Und nun?

Die Kinder sind erwachsen, Die Partnerschaft .... falls sie noch besteht .... verharrt in gegenseitiger Resignation oder tagtäglichem Kampf. Beruflich ist kaum noch etwas möglich, selbst wenn man plötzlich das Richtige fände .... am richtigen Ort zur richtigen Zeit wäre! Der Mut ist vielleicht weg, oder die Kraft. Einfach aufgebraucht!

Zu allem Überfluss das Bewusstsein des "Älterwerdens". Schon für Nicht - ADSler kein leichtes Thema.

Diagnose Mitte 40 oder später! Tränen der Wut, der Hilflosigkeit, der Ohnmacht?

Nein, besser spät als nie!

Helft Euch gegenseitig "durchzustarten". Helft Euch ein "richtiges" Leben und Verständniss für Euch zu finden.
Zuletzt geändert von Eva am 28. November 2006 21:56, insgesamt 1-mal geändert.
Alles über Deichhöhe ist überflüssig! :winy:
Marianne
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Re: Zu spät?

Beitrag von Marianne » 28. November 2006 22:28

Hallo Eva,
stimmt, diese Gefühle hatte ich absolut! Nicht zum ersten Mal in einem Leben, dies aber sehr gründlich. Tränen der Wut, Verzweiflung, Hilflosigkeit, allerdings nicht Hoffnungslosigkeit.

Irgendwie hatte ich in der Vergangenheit ja auch mein Leben gemeistert und durchaus aus Sicht meiner Umwelt relativ zufriedenstellend. Im übrigen finde ich, wenn ich mein Leben rückblickend betrachte, habe ich auch einiges geschafft, vielleicht auch aufgrund des "chronisch oppositionellen" Verhaltens, welches man uns ADHS-Lern ja auch nachsagt.

Ich weiss auch nicht, ob ich besser dran gewesen wäre, wenn ich es früher gewusst hätte. Vermutlich hätte ich mich kränker gefühlt. So konnte ich zumindestens rückblickend sagen: Du (ich natürlich) hast es dennoch geschafft, Dir einen Teil Deiner Wünsche zu erfüllen".

Außerdem bin ich mir trotz aller Verdrängungen und Schauspielerei "im Kern" treu geblieben.

"Mädel`s und Jungen`s", nicht aufgeben! Ich war im übrigen 53, als mir dämmerte, was da noch sein könnte.
LG Andreanne
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Marianne
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Re: Zu spät?

Beitrag von Marianne » 29. November 2006 01:00

Hallo eva,
ja, ich bin besonnener, überlegter geworden und dieses nach vielen Stunden - in der Vergangenheit  - der Beschäftigung mit etlichen "Problemen!".

Ich sehe heute zu, dass ich die wichtigen Dinge, die ich zu erledigen habe, mit dem Bewusstsein erledige: "diese Aufgabe habe ich mir ausgesucht. Wenn ich diese nicht bewältige, dann muss ich mir dieses auch anlasten."

aber schwer ist es trotz alledem!

LG Andreanne
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Siri
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Re: Zu spät?

Beitrag von Siri » 29. November 2006 04:14

Meine Mum (56 Jahre) hat sich jetzt auch in die Mühle der Diagnosestellung begeben. (Resultat steht noch aus.)

Ich bin 30 Jahre jünger als sie und empfinde meine Diagnose trotzdem als spät.
Das ist wohl alles sehr relativ.

Sie sagt sie sehe nun vieles viel klarer (auch besonders in Hinsicht auf die gescheiterte Ehe mit meinem Dad). Aber natürlich kommt auch bei ihr oft der Gedanke, "warum das alles erst jetzt"... und das macht sie auch traurig, genauso wie mich.

Aber wir lassen uns nicht unterkriegen, genauso wenig wie vor der Diagnose, denn wir haben es auch so schon recht weit gebracht. Für andere mag es nicht viel sein, aber im Rahmen unserer Möglichkeiten haben wir viel erreicht. Jetzt, wo ich vieles besser erkenne, warum maches in meiner Kindheit so gelaufen ist wie es gelaufen ist, kann ich schon sagen, dass ich auf meine Mum sehr stolz bin.

Sie hat mich ADHS-Kind (was in der Schule von Anfang bis Ende nur Probs hatte und eine große Kratzbürste war und ist) und sich nebenbei auch noch immer abwechselnd jeden erdenklichen Knochen im Körper gebrochen hat, praktisch ohne Vater großgezogen, ist ganztags arbeiten gegangen und hat den Haushalt nebenbei geschmissen und hat das alles geschafft, obwohl sie auch (sehr sehr wahrscheinlich) ADHS hat!


Wir beide sehen unsere Diagnose einfach als Heilmittel alter Wunden und als Hilfe für Veränderungen in unseren Leben in der (nahen) Zukunft an.

Vom daher kann ich mich nur anschließen... besser spät als nie!!!

@ Eva... Find's richtig klasse, dass du das Thema so positiv angesprochen und rübergebracht hast! :smt023:
BildEver tried? - Ever failed? - No matter. - Try again. - Fail again. - Fail better. (Samuel Beckett)
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Timothy
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Re: Zu spät?

Beitrag von Timothy » 29. November 2006 04:40

hmm,
auf die Idee bin ich das erste Mal vor ca. 10 Jahren gekommen.
Da es ja hiess, das sei eine "Kinderkrankheit", blieb ich eine Weile
an einem Umgeschulten Linkshänder hängen, was letztlich aber nur
eine halbe Erklärung gewesen wäre, aber keine Lösung.
Es schlief ein, denn für eine Rückschulung bin ich zu bequem
und m.E. zu wenig Linkshänder. Ich bin also Beidhänder.
Damit war das Thema vorerst durch.

Vor 5 Jahren bin ich dann das erste Mal zu "meinem" Doc.
Aber das was ich brauchte konnte er mir nicht geben und das was er brauchte konnte ich ihm nicht geben.
Er gab mir die Einschätzung ich sei Addler mit auf den Weg.

Dann war ich vor einem Jahr wieder dort und er hatte dazu gelernt und kam mir entgegen, sodaß wir uns in der Mitte treffen konnten.
Das Ergebnis war ein MPH Rezept.
Somit fing ich an, auch durch die Erkenntnis das MPH bei mir wirkt wie es bei Addlern wirken "soll", zu akzeptieren das die Wahrscheinlichkeit zu dieser "Spezies" zu gehören mehr als gegeben ist.

Ich habe mich dabei erwischt traurig und wütend gewesen zu sein, daß es hätte auch anders laufen können.
Aber wie mal jemand sehr treffend sagte: Es hat sich ausgehättet.
Deshalb bemühe ich mich es aus einer anderen Perspektive zu sehen, und mich darüber zu freuen und stolz drauf zu sein, daß ich es trotz allem immer wieder schaffe irgendwie auf die Beine zu kommen und das deshalb, weil ich bin wie ich bin.

Ich lebe und habe jetzt wieder die Chance mich und mein Leben wieder auf die Beine zu stellen....

Ach ja, weshalb fühle ich mich angesprochen? meine sterbliche Hülle zählt 45 Lenze.

Der Schreibstil muss an der Uhrzeit liegen.  :icon_wink:

Nu, ist aber gut, also schnell noch ein paar Stündchen schlafen..

Bild

lg
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Zuletzt geändert von Timothy am 29. November 2006 04:54, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Zu spät?

Beitrag von nicole111 » 30. November 2006 11:33

Hach seid ihr alle sonnig  :icon_rolleyes:

Nein, freu mich ja für euch, dass ihr damit gut umgehen könnt.

Mir hat die späte bzw. Nicht-Diagnose das Leben und meiner Meinung nach auch den Charakter versaut. Und ich denke nicht das nochmal einholen zu können - ich werde immer nur einen Bruchteil von dem umsetzen können, was eigentlich angelegt gewesen wäre...Tschä.

Freue mich aber über meine Nichte, deren Mama mit offenen Augen auf sie achtet, ohne Krankheitsstigmata aber sie hat´s im hinterkopf - der Kleinen wird´s mal nicht so gehen wie mir, und das ist schön :)
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Timothy
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Re: Zu spät?

Beitrag von Timothy » 30. November 2006 13:55

Und ich denke nicht das nochmal einholen zu können


das kann ich mit sicherheit auch nicht, aber ich kann das beste daraus machen und mich nicht über verschütteten Tee grähmen....

beim nach hinten sehen, verdrehe ich mir nur den Kopf...  :icon_wink:

wie sagen die Chinesen so schön, schau der Sonne entgegen dann fallen die Schatten hinter dich...  :icon_wink:

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Timothy
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Re: Zu spät?

Beitrag von Timothy » 30. November 2006 14:17

Ich verstehe gut Deinen Frust und Deine Traurigkeit und Deine Verbitterung, weil ich dieselben Gefühle auch habe.


das verstehe ich auch gut, aber ich habe auch das Gefühl, das ich da possitiv rangehen muss, sonst werde ich mir irgendwann am liebsten die Kugel geben.
Und da werde ich mich nicht wieder hinlassen.

Ich habe lange Jahre immer wieder Therapie gemacht und denke jetzt erneut über eine nach. Aber frage mich allen ernstes WOZU??
was habe ich davon?
ist über z.B. VT in meinem Alter wirklich noch soo viel änderbar??

Meine Mutter ist mit 53 noch in eine Klinik gegangen (Esstörungen).
Ich hatte es ihr vorgemacht (langzeittherapie wg. Can.)
und wahrscheinlich dachte sie ihr hilft es so wie es mir geholfen hat.
Danach kam sie gar nicht mehr klar und starb 3 Monate nach dem Klinikaufenthalt.

OK, ich bin nicht sie, und es ist 17 Jahre her, aber es macht mich immernoch rasend, wenn ich daran denke, und mich frage was die da gemacht haben.

lg
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Re: Zu spät?

Beitrag von Stoppelbart » 30. November 2006 21:52

Hallo Eva,
ich ( erst 51 Jahre alt ) hatte heute meinen ersten Termin für die ADS Diagnose. Das Ganze ist mir mehr an die Nieren gegangen, als ich mir vorher gedacht hab. Beinahe hätte ich im Verlauf  des ersten Gespräches geheult. Und ich hatte mich doch für einen richtig harten Kerl gehalten.

Zu spät ?  -  Nein, zu spät gibt es nicht, auch wenn ich als vermutlichem ADSler eine katastrophale berufliche Karriere hinter mir habe.
Aber ich habe statistisch gesehen noch mindestens 20 Jahre vor mir. Ich will noch viele Berge besteigen, viele schöne Photos machen, nächstes Frühjahr einen Baum pflanzen, meinen dicken Bauch wegtrainieren, lernen meine Wohnung ordentlich zu halten, und... und... und...

Mann braucht halt Ziele und Aufgaben. Und wenn mann mal traurig ist, dann zwingt er sich halt zu einer fröhlichen Perspektive. Ich bin davon überzeugt, daß eine positive Einstellung jedem hilft.

Allerdings kann ich gut reden. Meine Probleme sind klein im Vergleich zu dem, was manche von euch mit dieser Störung ( das Wort Krankheit gefällt mir nicht ) mitmachen.

Aber den Gedanken "zu spät" sollte man nicht aufkommen lassen. Dann hat man sich doch schon aufgegeben, oder?

Alles Gute                          Stoppelbart
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Timothy
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Re: Zu spät?

Beitrag von Timothy » 1. Dezember 2006 08:55

meinen dicken Bauch wegtrainieren, lernen meine Wohnung ordentlich zu halten, und... und... und...


Oh ja, das will ich auch...  :)

Mann braucht halt Ziele und Aufgaben. Und wenn mann mal traurig ist, dann zwingt er sich halt zu einer fröhlichen Perspektive. Ich bin davon überzeugt, daß eine positive Einstellung jedem hilft.


Ich, als Weibliche sehe das auch so....  :icon_wink:

Aber den Gedanken "zu spät" sollte man nicht aufkommen lassen.


Manchmal kommt er aber doch, und dann überzeuge ich mich davon das dem nicht so ist. Klappt, meistens zumindest.  :icon_wink:

lg
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Re: Zu spät?

Beitrag von workaholic » 1. Dezember 2006 15:33

Es gibt nie ein "zu spät".
Der Rest des Lebens beginnt heute.
Tägliche Veränderung, immer etwas Neues, das Leben hält für uns viel Schönes bereit, vielleicht habe ich nicht richtig hingeschaut.
Viel Tränen vergossen, über die Zeit die vergangen ist, aus der ich so viel hätte machen können,
aber
jetzt ist eine neue Zeit.
Die Zeit des Wandels und der Neuorientierung.
Also Mut und Durchhaltevermögen für uns alle

lg workaholic
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Re: Zu spät?

Beitrag von Ariane » 6. Dezember 2006 13:13

Hallo allerseits,

ich habe mir so Eure Gedanken durchgelesen... und habe den Eindruck, dass es eher vom Nachteil sein kann, dass man soooo spät diese Diagnose erhält... wir sind so, wie wir sind... chaotisch und kreativ, laut und phantasievoll, hektisch und doch für jedermann ein offenes Ohr... ich könnte es weiter fortführen...  :)

Ich denke eher:
ich weiß, was mit mir los ist... und kann ggf. etwas dagegen tun... es gibt soooo viele andere Dinge, die einem das Leben richtig schwer machen können wie monatelang nach einer Diagnose suchen und die Ärzte wollen einen auf die Psycho-Schiene stellen, weil sie zu faul sind zum Suchen... (mache ich gerade durch... Cortison hilft mir bei meinen Muskelnschmerzen zur Beschwerdefreiheit und sie sagen, dass es psychosomatisch ist...) - das zermürbt...

Mein Chaotentum wird sich dadurch nicht ändern, ebenso wenig wie meine Musikalität oder Kreativität.. auch meine Hörwahrnehmung ("Schatz, was hast Du gesagt?" wenn er mal wieder irgendetwas zu mir sagt und ich es nicht aufnehme... und ich wie ein wildgewordener Handfeger zu ihm rase  :icon_wink:) . Leider haben mein 2. Kind (jetzt 18 J, Tochter) sowie mein 3. Kind (4 Jahre, Sohn) von mir es mitbekommen... Gut, damit müssen wir nun alle leben.. und es wird garantiert nicht langweilig hier... :icon_mrgreen:.

Wenn ich es tatsächlich mal schaffe, dann werde ich mit Sicherheit auch das abklären lassen, dazu bin ich viel zu neugierig, aber diese Diagnose wird mein Leben nicht verändern.. übrigens ich bin 43 Jahre alt und 4fache Mutter (+ 1 Sternenkind).

Ich wünsche Euch allen eine wunderschöne und kreative Weihnachtszeit
Liebe Grüße
Ariane
Liebe Grüße
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Re: Zu spät?

Beitrag von Stoppelbart » 6. Dezember 2006 21:34

Hallo Ariane,
vielleicht darf ich mich noch gar nicht zu dem Thema äußern, da ich mitten in der Diagnose bin. Aber ich nehme mir doch die Freiheit:

Natürlich wäre es besser gewesen, wenn man schon als jüngerer Mensch von dem Problem etwas gewußt hätte. Aber die Wissenschaft weiß doch auch erst seit kurzem von diesem Phänomen, und sogar den meisten Hausärzten ist das bis heute noch unbekannt.

Ich meine, man muß es so nehmen, wie es ist.

Besser eine späte Diagnose, als gar keine Ahnung zu haben, was mit einem los ist. Mit einer späten Diagnose kann man sich eben erklären, was mit einem passiert ist im Leben. Und vielleicht gelingt es mir, die eine oder andere Eigenart zu korrigieren.

LG        Stoppelbart
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Re: Zu spät?

Beitrag von lola57 » 2. Januar 2007 15:41

Hallo ChaotInnen,

auch noch mein Senf zum Thema...

die Geschichte, wie ich zu meiner Diagnose mit 49 gekommen bin, gehört in einen anderen thread - kommt aber sicher noch. Jedenfalls hat schon die Beschäftigung mit dem Thema bei mir einiges geändert. Mein Leben war und wird immer ein K(r)ampf sein, aber wenigstens fühle ich mich dabei nicht mehr als Montag-Modell!

Früher wäre sicher günstiger gewesen - mit fast 50 sind die Gewohnheiten schon so festgefahren, dass Umlernen langwierig und mühsam ist. Aber grundsätzlich betrachtet kann´s eigentlich eh nur besser werden.  :icon_wink:t
Die Trampelpfade in meiner Wohnung sind jedenfalls schon breiter geworden, ich habe Kubikmeter an Altlasten entsorgt usw....

Und Selbstzweifel und Selbsthass sind weniger geworden, auch wenn ich zeitweise wieder in´s Loch runterrattere. Irgendwie pendelt sich alles langsam ein: die Hypo-Seite ist nicht mehr ganz so lahm und down, die Hypie-Seite nicht mehr so unkontrolliert spontan. (ach ja, ich bin Mischtyp).

Ein Spruch zum Thema: "Die Vergangenheit hat die beruhigende Eigenschaft, dass man sie nicht ändern kann." oder "Um hätte und wäre kann ich mir nichts kaufen."

Beide Aussagen sind übrigens durch die Regeln und Gesetze der deutschen Grammatik bewiesen. hätte und wäre sind Konjunktiv 2 oder "irrealis".

Als Mensch, der jahrelang mit depressiven Episoden gekämpft hat, kenne ich das Gefühl, wenn es nur mehr aufwärts gehen kann. Mein Galgenhumor angesichts solcher Phasen qualifiziert mich laut Coach geradezu als ADSlerin. Eine "echte" Depressive hätte nach ihrer Aussage gar nicht die Kraft und den Kampfgeist, sich immer wieder selbst aus dem Loch rauszuarbeiten.

Was ich in den paar Monaten schon gelernt habe: ich vertraue konsequent auf mein "Bauchgefühl", wenn dieses mir eindeutige Signale schickt. Ratschläge von Normalos sind deswegen nicht komplett zu ignorieren, ich muss sie nur intuitiv als sinvoll oder daneben einordnen. Dieses und andere Foren sind mir dabei mehr Hilfe als jeder Arzt oder jedes schlaue Buch. Ach ja, als ehemalige Leseratte beginne ich das Alter zu spüren - wegen der zunehmenden Altersfehlsichtigkeit kann ich Bücher inzwischen als Einschlafhilfe verwenden, so anstrengend sind kleine Schriften geworden.

Auf jeden Fall bin ich heilfroh, dass ich endlich das Gefühl habe, mich auszukennen. Das motiviert zum Weiterkämpfen. Und wenn es mir gutgeht, sieht es auch beruflich gleich viel besser aus. Das Leben ist zwar immer noch anstrengend, aber wenigstens keine Qual mehr.

Liebe Grüße von der Chaosfront

lola
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Re: Zu spät?

Beitrag von Timothy » 2. Januar 2007 18:04

wegen der zunehmenden Altersfehlsichtigkeit kann ich Bücher inzwischen als Einschlafhilfe verwenden, so anstrengend sind kleine Schriften geworden.


Öhm, wie ist es mit einer Lesehilfe? Sprich Brille, durfte ich mir neulich auch anschaffen, da das Lesen doch sehr anstrengend geworden war. Und als mir ein Freund eine Kaufhaus-Lesebrille in die Hand drückte und ich damit lesen konnte, wusste ich wo der Hammer hängt. ;)

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Re: Zu spät?

Beitrag von lola57 » 2. Januar 2007 18:09

Öhm, wie ist es mit einer Lesehilfe?


Kaufhausbrillen habe ich eine ganze Kollektion. An jedem Ort, wo ich mich öfter aufhalte, ist eine deponiert wegen meiner Vergesslichkeit.

Aber wenn ich müde bin, kann ich oft nicht einschlafen, da ist es wohl eher die Konzentration, die mich dann schläfrig macht.

Unmittelbar nach dem Aufwachen und bei großer Müdigkeit sehe ich aber eindeutig schlechter als untertags - wohl auch eine Frage der Konzentration. gg

lg

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Re: Zu spät?

Beitrag von semperviva » 3. Januar 2007 21:32

hallo lola57,

das mit diesen depressiven Phasen, wo man immer wieder raus kommt , kenn ich auch sehr gut , wenn ich deine Ausführung lese, ist mir auch klar wieso.

Kann mir bitte jemand sagen, ob es SINN hat, zu einem Arzt zu gehen ( Timothy hat mir zwei Adressen gegeben) oder ist das sinnlos???

Muss man so Tabletten nehmen, verändert sich die Persönlichkeit? Irgendwie hab ich etwas Angst vor all dem und verdräng das gekommt schon eine ganze Weile.

Es ist zum Aus-der-Haut-fahren, irgendwie ging mein bisheriges leben immer, auf der Arbeit hab ichs voll drauf, zuhause bin ich der absolute Chaot -bescheuert alles

ach so bin eh genervt, weil meine alte Brille kaputt gegangen ist und jetzt hab ich eine neue und bei mir kommt auch die Weitsichtigkeit dazu und alles was mit Lesen zu tun hat,  nervt.

zerknirschte - aber trotzdem liebe Grüße
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Re: Zu spät?

Beitrag von lola57 » 3. Januar 2007 23:06

@semperviva

Diagnose ist mal grundsätzlich was gutes.
Tabletten ausprobieren ist nicht gefährlich. Manche brauchen sie, andere kommen besser ohne zurecht.

Wichtig ist Kontakt mit Deinesgleichen, da bist du hier ja gut aufgehoben.

Zum Drüberstreuen noch den Spruch meiner Tante: "zu Tode gefürchtet ist auch gestorben." *scherz*

lg

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Re: Zu spät?

Beitrag von semperviva » 4. Januar 2007 14:21

Hallo Lola57,

jaaa, du hast ja recht, der Spruch von deiner tante ist gut. Nur hab ich kein Vertrauen zu Ärzten - hab noch nie einen gefunden, der was taugen würde.

Naja, mal schauen.

lg semperviva
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Re: Zu spät?

Beitrag von Timothy » 4. Januar 2007 16:32

der ist ja klasse...

wie, halb getroffen ist auch vorbei.

Ich habe meine Diagnose auch erst spät ü40 bekommen. Es war eine Entwicklung von
ca. 10 Jahren, in denen ich der evtl. Antwort meiner Fragen (warum bin ich wie ich bin? warum sind die anderen wie sie sind?)) etwas näher gekommen bin.

Erst als ich Wirkung des MPH verspürte, musste ich mir eingestehen, das doch eine recht hohe Wahrscheinlichkeit bestand zu dieser "Spezies" zu gehören.
Aber es barg und birgt auch Chancen.
Zumal die Holperigkeit der "Wechseljahre" ein übriges tut.
Lange Zeit dachte ich auch, wozu? was habe ich davon eine Diagnose zu haben?
Für mich barg es die Chance auf Veränderungen, possitive Veränderungen.

Noch immer stehe ich der Sache manchmal zwiegespalten gegenüber, aber unter dem Strich war es für mich die richtige Entscheidung, auch wenn ich damit auch machmal noch so meine Schwierigkeiten habe. Sowohl mit der Diagnose wie auch mit den Medikamenten.

Aber zu spät? Nein, auch wenn ich mich das manchmal auch frage und das Gefühl habe mir läuft die Zeit weg.
Ich kann erst einmal aufhören zu suchen. Denn diese Suche hat mich ca. 20 J. und davon ca. 10 J. Therapie "gekostet". Das aufhören können zu suchen macht es ruhiger. Ich kann mich auf das Wesentliche konzentrieren und brauche nicht mehr nach einem Grund zu suchen.

Es ist dabei für mich unwesentlich wie ich das nenne oder andere dies benennen. Es ist stimmig und mit der Hilfe der "Krücke" MPH kann ich mich aus einem anderen Blickwinkel betrachten.

Überings weiss ich es seit ca. 1 Jahr oder so...
die Vermutung hatte ich schon ein paar Jahre länger, aber die Möglichkeit immer wieder negiert. Ohne die "Krücke" MPH täte ich es wohl immernoch.

lg
timothy
Zuletzt geändert von Timothy am 4. Januar 2007 16:35, insgesamt 1-mal geändert.
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