Verhalten bei ADHS

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Denise mit Maxim
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Verhalten bei ADHS

Beitrag von Denise mit Maxim » 4. November 2018 20:45

Hallo
Ich bin auch neu, gerade gestern erst angemeldet.
Ich erhoffe mir dass ich bin euch evtl erfahren kann wie ich mit gewissen Verhaltensweisen meines Kindes besser umgehen kann, mich vor allem in ihn einfühlen oder von wem ich Hilfe bekommen kann. Mein Sohn wird im Februar 6 Jahre alt und wir haben die Diagnose ADHS. Er bekommt auch seit Mai medikinet. Das morgendliche anziehen, sowie frühstücken, Zimmer aufräumen und all solche Sachen bringen mich und meinen Mann zur Weißglut. Ist es vielleicht normal dass er unsere Erwartungen nicht erfüllen kann. Was können wir tun dass es besser läuft... all diese Fragen beschäftigen uns. Ich fühle mich hier total allein gelassen von Ärzten oder wem auch immer. Gibt es für Eltern eine Fortbildung, ein Training oder ähnliches. Wir machen es sofort. Wir möchten ihn einfach verstehen können warum er Dinge so macht wie er sie macht.

Wir haben mehrere Fragen und können uns nicht erklären warum beispielsweise das morgendliche anziehen zur Geduldsprobe wird. Und das JEDEN Morgen.
Ebenso das frühstücken der reinste Horror ist. Unser Sohn kann nicht sitzen bleiben. Er muss ständig auf Toilette.

Sobald er ein Nein von uns hört flippt er total aus. Er ist total aggressiv, knallt Türen, und schreit. Ich weiß in solchen Momenten überhaupt nicht wie ich mit ihm umgehen soll. Ich schreie zurück...(vermutlich genau das falsche)
Er ist total uneinsichtig wenn er einen Fehler gemacht hat und man Versucht mit ihm darüber zu reden.
Das aufräumen das Kinderzimmers, sowie täglich Jacke Mütze Schuhe wenn er vom Kindergarten nach Hause kommt funktioniert nicht.

Er singt und summt den ganzen Tag und wenn er etwas spielt, zb Lego hört er am liebsten ein Hörspiel oder laute Musik. (Verwirrt einen das nicht noch mehr???? Diese ganzen Reize...)
Mich selber nervt das ehrlich gesagt schon ziemlich. Dieses konstante Gesumme den ganzen Tag.
Kennt das jemand?
Wir haben auch ehrlich gesagt keinen liebevollen Umgang mehr weil ständig Ärger und Streit unseren Alltag bestimmen. Wir versuchen es immer wieder aufs neue aber fühlen uns total allein gelassen....
ich freue mich über Info und hauptsächlich Erziehungstipps was wir besser machen könne oder ob es überhaupt Sinn macht sich jeden Tag aufs neue darüber aufzuregen dass gewisse Sachen nicht klappen. Soll ich dann die Dinge für ihn aufräumen und mich damit abfinden, dass er es sich Eindach nicht merken kann....
Sind diese Dinge NORMAL wenn man ADHS hat????

Liebe Grüße
Denise
Falschparker
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Re: Verhalten bei ADHS

Beitrag von Falschparker » 5. November 2018 00:06

Hallo Denise,

doch, diese Dinge sind normal wenn jemand ADHS hat, wenn das nicht da wäre gäbe es ja kein Problem. Und nein, natürlich hat es keinen Sinn sich jeden Tag neu aufzuregen.

Es liest sich allerdings etwas wie jemand mit unbehandelter ADHS. Du sagst er bekommt Medikinet (Retard oder nicht Retard?), aber stimmt die Dosis und wirkt dieses noch wenn du diese Beobachtungen machst? Für dein Kind (und euch) ist es schon am Besten, eine lückenlose Wirkung bis zum frühen Abend zu haben, und natürlich auch an Wochenenden und Ferientagen.

Unserem großen Sohn haben wir die erste Tablette im Schulalter noch im Bett liegend gegeben, damit sie schon wirkt wenn er sich fertig machen muss. Ansonsten wäre jeder Morgen sehr anstrengend gewesen, für uns und für ihn.

Mit einem ADHS-ler in der Situation oder kurz danach etwas nachzubesprechen bringt nichts, das verlegt man besser auf Zeiten wenn sich die Emotionen abgekühlt haben. Die Uneinsichtigkeit ist auch keine böse Absicht, ADHS-ler haben eine verzerrte Selbst- und Fremdwahrnehmung, sie glauben (meist) das was sie dann sagen, auch wenn es absurd klingt.

Zurückschreien und auf etwas beharren bringt nichts, wie du selbst schon erkennst, besser ablenken und dem Thema die Emotionalisierung nehmen. Cordula Neuhaus spricht von der "kaputten Schallplatte", das heißt man sollte wichtige Punkte ruhig und in einer neutralen Tonlage wiederholen, aber auf keinen Fall immer zorniger.

Viele ADHS-ler brauchen eine Geräuschkulisse wie Musik oder ein Hörspiel als Grundrauschen, auch wenn es von außen aussieht als verhindere das Konzentration.

Zu Fortbildungen oder Informationen für Eltern habe ich in dem anderen Thread schon etwas geschrieben.

Viele Grüße
Falschparker
ULBRE
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Re: Verhalten bei ADHS

Beitrag von ULBRE » 5. November 2018 00:38

Hallo Denise,

Falschparker hat recht. Völlig...

Was Ihr tun könnt - lest alles, was Ihr über AD(H)S in die Finger kriegt. Nicht nur die ersten ein zwei verdaulichen Strassenhandlungsbücher, in denen überall das selbe steht. Werdet echte Experten. Es wird sich lohnen - ihr werdet lernen, ihn zu verstehen. Es ist unglaublich wichtig,trennen zu können, was von ihm selbst und was aus dem ADHS kommt (für das er nichts kann).

Therapie am Kind in dem Alter bringt nichts.
Wenn, schaut, wie Ihr Euren Umgang mit ihm optimieren könnt. Das fordert Kraft, nerven - und viel verstehen und dann umdenken.

Literaturempfehlungen ?
Hier: https://www.adxs.org/wissenswertes-zu-a ... zialisten/

Wenn ihr Euch durch ein paar Bücher durchgekämpft habt, könnt Ihr auch Elterngruppen besuchen.
Warum erst die Bücher ? Um dort unterscheiden zu können, ob jemand, der was was erzählt, weiss wovon er spricht, oder ob er esoterischen Unsinn erzählt (z.B. Heilung ohne Pillen), den jeder gerne hört, der aber leider...
Dann aber sind Elterngruppen eine grosse Erleichterung. Es hilft, zu verstehen, dass Ihr nicht alleine seid.

Alles Gute Euch

UlBre
„Wenn ein unordentlicher Schreibtisch einen unordentlichen Geist repräsentiert, was bedeutet dann ein leerer Schreibtisch ?“ Albert Einstein
Ich hab einen eher wissensorientierten Schreibstil. Als eine Stimme im Chor find ich das ganz ok. Mehr soll das auch nicht sein.
Denise mit Maxim
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Re: Verhalten bei ADHS

Beitrag von Denise mit Maxim » 5. November 2018 01:26

Zuerst einmal danke für eure Nachrichten...
ich hab mir das schon gedacht dass wir da Umdenken müssen und das ist wahnsinnig schwierig für uns. Meist schaukelt sich alles nur hoch, aber ruhig bleiben können wir nicht mein Mann und ich. Also gut... wir müssen an uns arbeiten.
Das was du mit dem Medikament schreibst hab ich schon so als Spaß zu meinem Mann gesagt. „Am besten geben wir ihm seine Tablette während er noch im Bett liegt.“ weil ohne geht da morgends so gut wie gar nichts.
Die Dosis sollten wir übrigens laut Kinderärztin selbst austesten. Haben das dann auch so nach ihrer Anweisung gemacht. Für uns die richtige Dosis war morgends 1x und mittags 1x
Es ist kein retardmedikamtent, dh die Wirkung hält nur 4 Stnden. Nachdem wir vom Kindergarten rückgemeldet bekommen haben, dass er seeeehr ruhig und verträumt wäre, sollten wir weniger „testen“. So bekommt er morgends eine halbe Tablette und mittags eine ganze. Laut Kinderärztin ist die perfekte Dosis wenn er sich gut konzentrieren kann und sein Verhalten sich deutlich ändert. Wenn es beim hochdosieren in halben Schritten wieder schlimmer wird ist die Dosis zu viel????
Also ich meine ich hatte sowieso ein wenig Angst vor dem Medikament und wir hatten überlegt ob wir es ihm überhaupt geben sollten, aber nach aussagen wie „wenn er Diabetiker wäre würde es gar keine Wahl geben, er braucht das medikament.“ sind wir zu dem Schluss gekommen es mal zu probieren, um auch wieder ein NORMALES Familienleben führen zu können. Puuuuh naja vielleicht muss wirklich nochmal geschaut werden ob das medikinet das passende Medikament für ihn ist...

Liebe Grüße
Raupi
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Re: Verhalten bei ADHS

Beitrag von Raupi » 5. November 2018 08:15

Ich kann mich den vorherigen Beiträgen nur anschließen...

... und dann kommt ja auch noch die Frage der starken Vererblichkeit dazu...

Andere beschreiben hier die Problematik, mit den Kindern angemessen umgehen zu können, wenn Eltern selber betroffen sind. Insofern kann es evtl. auch noch hilfreich sein, da zu schauen.

Nachdem wir in unserer Familie alle auf den ersten Blick meinen Mann und seine Schwester als ADHS ler "erkannten" , habe ich auf den zweiten Blick für mich meine Mutter und meinen Bruder "diagnostiziert", als Arbeitshypothese sozusagen... und damit über mich und mein Leben nachgedacht und wieso ich eigentlich immer so angestrengt von allem schon als junger Mensch war... Viele kleine Details... und jetzt fühle ich mich seit 15 Jahren komplett ausgebrannt... und dann habe ich sogar festgestellt, dass es meinem Vater offenbar lebenslang ähnlich ging wie mir. ADS ohne H ist halt sehr unauffällig und Ehen aus je einem Partner mit ADHS mit H und einem Partner ohne H scheinen laut Forum ganz gut zu funktionieren... was, wie ich finde, auf meine Ehe und die meiner Eltern passt...

Ich habe, obwohl mein Mann es verrückt findet, eine Diagnostik angefangen und bin gespannt auf das Ergebnis. Ich kann mir die Erschöpfung einfach nicht mehr anders erklären, denn viele andere Ursachen wurden schon untersucht und viele Pillen haben nicht geholfen.
LG, Raupi
Denise mit Maxim
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Re: Verhalten bei ADHS

Beitrag von Denise mit Maxim » 5. November 2018 09:13

Das ist lustig...
Mein Mann hat schon immer gesagt ich wäre so ein kleiner „Monk“ und dass er denkt dass Maxim das von mir hat.
Und ich sage im Gegenzug schon länger dass er sich mal untersuchen lassen soll, weil er ständig müde ist… Ich werde mich mal schlau machen wo man den Test für Erwachsene machen kann.
Wenn ich meinen Vater anschaue könnte ich auch meinen dass er es hat...🤭
Raupi
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Re: Verhalten bei ADHS

Beitrag von Raupi » 5. November 2018 09:19

... na denn... bin ich ja froh, nicht in ein Fettnäpfchen getreten zu sein... vielleicht ist es auch eine Hilfe für alle, wenn die Eltern sich selber ehrlich betrachten... ob jetzt eine Diagnose in jedem Fall nötig ist... hängt wohl auch davon ab, wie stark man betroffen ist und ob man Medikamente bräuchte... ohne Medis kann man sicher auch von einer Psychotherapie profitieren, und wenn sie auch "bloß" fürs Kind ist, aber wie schon gesagt wurde, die Eltern müssen arbeiten, solange die Kinder noch klein sind...
LG, Raupi
Falschparker
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Re: Verhalten bei ADHS

Beitrag von Falschparker » 5. November 2018 10:12

Denise mit Maxim hat geschrieben:
5. November 2018 01:26
Das was du mit dem Medikament schreibst hab ich schon so als Spaß zu meinem Mann gesagt. „Am besten geben wir ihm seine Tablette während er noch im Bett liegt.“ weil ohne geht da morgends so gut wie gar nichts.
Ja, das ist eine gute Lösung und nicht nur Spaß. Am Besten zusammen mit einem kleinen Stückchen zu essen (mein Sohn bevorzugt Dinkelknabberstangen), weil der nüchterne Magen ja noch empfindlich ist.
Die Dosis sollten wir übrigens laut Kinderärztin selbst austesten. Haben das dann auch so nach ihrer Anweisung gemacht. Für uns die richtige Dosis war morgends 1x und mittags 1x
Es ist kein retardmedikamtent, dh die Wirkung hält nur 4 Stnden. Nachdem wir vom Kindergarten rückgemeldet bekommen haben, dass er seeeehr ruhig und verträumt wäre, sollten wir weniger „testen“. So bekommt er morgends eine halbe Tablette und mittags eine ganze.


Wobei das mit den vier Stunden schon sehr optimistisch ist!! Es ist bei Jedem/r anders, bei Manchen hört es schon nach knapp drei Stunden auf.

Gerade bei kleinen Kindern sollte man eher in kleinen Schritten variieren. Bei unserem kleinen Sohn war es so, dass eine Vierteltablette kaum spürbar war, mit einer halben wurde er schon zu ruhig! Also drittele ich die Tablette- das geht, indem ich zunächst ein Stück quer zur Rille abbreche und dann das übrige größere Stück an der Rille teile. :lol:

Auf euch übertragen- halbe zu wenig, ganze zu viel- könnte es bedeuten, probiert doch mal drei Viertel (7,5 mg)!

Dann könnte der Rebound auch noch ein Problem sein. Rebound heißt übersetzt Rückstoßeffekt, also die Zeit wenn das Medikament nachlässt ist besonders schlimm, das wäre bei euch der spätere Nachmittag. Der Rebound ist leider um so heftiger je höher die Dosis ist, also 10 mg und danach gar nichts mehr ist nicht ganz ideal.

Dem könnt ihr begegnen, indem ihr rechtzeitig, also du beobachtest wann es normalerweise nachlässt und gibst nicht erst dann, sondern eine halbe Stunde davor noch eine kleine Dosis. Eine Viertel genügt dafür höchstwahrscheinlich schon!
Also ich meine ich hatte sowieso ein wenig Angst vor dem Medikament und wir hatten überlegt ob wir es ihm überhaupt geben sollten, aber nach aussagen wie „wenn er Diabetiker wäre würde es gar keine Wahl geben, er braucht das medikament.“ sind wir zu dem Schluss gekommen es mal zu probieren, um auch wieder ein NORMALES Familienleben führen zu können.


Ja. Ihr müsst immer schauen, was wäre die Konsequenz wenn man nichts macht. Eine unbehandelte ADHS macht nicht nur Schulversagen und Außenseiter-sein, sondern vor Allem auch Unfälle aus Unachtsamkeit wahrscheinlicher! Ein großer Teil der Kinder und Jugendlichen in den Krankenhausambulanzen sind unbehandelte bzw. unentdeckte ADHS-ler. :oops:

Viele Grüße
Falschparker
Stefan SRO
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Re: Verhalten bei ADHS

Beitrag von Stefan SRO » 5. November 2018 10:58

Bevor ich diagnostiziert wurde, haben sich die Emotionen zwischen mir und meinem Sohn immer hochgeschaukelt.

Mit der Diagnose habe ich gelernt ruhiger zu bleiben und seit ich selbst Ritalin bekomme, fällt es mir deutlich leichter nicht in die Luft zu gehen. Ich glaube es ist seither nie wieder passiert. Im Gegenteil. Nun ist meine Frau am Limit.
Also ruhe bewahren und zur Not das Zimmer verlassen (ohne die Tür zu knallen)


Übrigens haben wir von der Kinderpsych den Tipp bekommen, dem Zwerg noch vor dem Aufstehen ein KLEINES Stück Schokolade zu geben. Dann hat er den nötigen Energieschub zum anziehen.

Dann beim Frühstück still sitzen geht auch nicht. Wir lassen ihn dann auch aufstehen aber zum essen und trinken muss er sitzen, sonst wird die Sauerei zu groß. Wenn er sich zwischendurch bewegen kann ist er auch weniger tollpatschig.

Wir sind nun schon mehrere Monate in der Anamnese und Diagnostik. Erst wenn wir alles untersucht haben, wird beschlossen ob und welches Medikament es wird. Mit Sicherheit kommt dann auch eine Ergotherapie, das das Schriftbild massiv von ADS beeinflusst ist. Er kann den Stift zur Zeit einfach nicht anders halten und führen.

Auch die Leserei ist eine Katastrophe aber er hat Freude daran und wir lassen ihn lesen, ohne ihn zu unterbrechen. Sonst geht er in die Luft und er würde negative Emotionen mit dem Lesen verknüpfen, was noch viel schlechter wäre. Vermutlich gibt es auch hier ein Problem mit dem "funktionellen Lesen". D.h. er erkennt jeden Buchstaben aber "erkennt" das Wort falsch. Das hat nicht direkt was mit Legasthenie zu tun und wird nur von wenigen Ärzten überhaupt erkannt. Der Wortschatz an gesprochenen Worten und dem gesprochen Satzbau ist exzellent. Er kann es nur nicht zu Papier bringen. (bzw. lesen)

Noch ein Beispiel: Gedichte kann er in kürzester Zeit sogar mir exakter Betonung. Aber nur wenn er sie gehört hat und immer wieder mündlich übt. Dann hat er das Gedicht als Geschichte im Kopf aber benutzt hin und wieder ein falsches Wort mit der selben Bedeutung (Eichhörnchen statt Eichhorn, Fuchs statt Reinicke)

Wenn er Lego spielt singt er vor sich hin und hat nebenher Musik oder Hörspiele laufen. Wenn es Musik ist funktioniert das sogar mit uns zusammen in einem Raum.

Versucht mal das "nein" mit weniger Lautstärke und ruhigem Tonfall. Dabei die Augenbrauen nicht hoch ziehen. Der Ausbruch wird mit der Zeit kleiner. Wenn "nein" dann auch mit wenigen Worten schlüssig begründet wird, lernt er , dass es begründet ist und wird mit der Zeit immer seltener in die Luft gehen.
Zumindest ist es bei uns so.
Und ganz wichtig ist der Tonfall und die Mimik. "Negative Wellen" fühle ich selbst auch und kann dann nicht arbeiten oder konstruktiv mit dem Gegenüber reden. Wenn es bei meinem Sohn auch so ist, wird das die Ursache für Versagen oder "nicht wollen können" sein.

VG
Stefan
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Denise mit Maxim
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Re: Verhalten bei ADHS

Beitrag von Denise mit Maxim » 5. November 2018 12:21

Ja, ich entdecke wahnsinnig viele Gemeinsamkeiten, wenn ich das so lese...
Er kann sich auch brutal gut Lieder Texte, sogar aus Büchern Passagen merken. Aber die einfachsten Dingr im Alltag bekommt er nicht hin.... VERRÜCKT 🤷🏻‍♀️
Nochmal zum Medikament. Ich würde ihm gerne früher die nächste Tablette geben, aber er ist in der Zeit noch im Kindergarten (8.00-13.30 Uhr) Das ist zeitlich gar nicht möglich. Er bekommt die für mittags bereits um 14 Uhr und die hält dann wieder nicht bis abends. Er geht um halb acht ins Bett. Ich muss mich dringend mit der Ärztin in Verbindung setzen oder jemandem der es genauer „einstellen“ kann. Das was bisher läuft ist mir einfach zu wenig 😔
Falschparker
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Re: Verhalten bei ADHS

Beitrag von Falschparker » 5. November 2018 16:38

Ich würde ihm gerne früher die nächste Tablette geben, aber er ist in der Zeit noch im Kindergarten (8.00-13.30 Uhr) Das ist zeitlich gar nicht möglich. Er bekommt die für mittags bereits um 14 Uhr und die hält dann wieder nicht bis abends. Er geht um halb acht ins Bett. Ich muss mich dringend mit der Ärztin in Verbindung setzen oder jemandem der es genauer „einstellen“ kann. Das was bisher läuft ist mir einfach zu wenig 😔
Hallo Denise,

es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten, nämlich eine Expertin finden oder zur Expertin werden! ;)

Experten finden ist kurzfristig schwierig, auf längere Sicht ist es natürlich besser, einen Arzt oder eine Ärztin zu haben der oder die noch etwas mehr weiß. Aber kurzfristig ermutige ich zum Experimentieren und sich selbst Wissen aneignen.

Zur Expertin werden kommt mit der Zeit von selbst, in wenigen Monaten weißt du logischerweise darüber, wie dein Sohn auf welche Dosis des Medikamentes reagiert, besser Bescheid als jeder Arzt. 8-)

Ich verlinke mal zu einem alten (2003) aber sehr guten Text von Meinrad Ryffel:
http://www.hansguckindieluft.ch/website ... assung.pdf

Damals gab es noch nicht wie heute die Retardkapseln! Das ist aber speziell für dich jetzt nicht schlimm, da ihr eh die Tabletten habt (Medikinet 10 mg ist identisch mit den im Text auftauchenden Ritalin 10 mg).

Ich habe aber noch nichts Besseres gelesen, Ryffel bringt es einfach auf den Punkt- wie variabel Dosis und Wirkungslänge sind (keineswegs immer 4 Stunden) und was genau das Medikament verändern kann (Aufzählung auf Seite 5). Meinrad Ryffel ist einer der Pioniere- einen Vorläufer dieses Textes gab es im Internet schon im Jahr 2000 (!!), wovon wir bei unserem Großen sehr profitiert haben.

Du bist nicht auf zwei Medikamentengaben eingeschränkt. Wenn du mittags bspw. eine Dreiviertel Tablette gibst und zwei bis drei Stunden danach noch eine Viertel, ist die Gesamtdosishöhe dieselbe, aber vielleicht kommt dein Junge viel besser zurecht? Und falls die Gesamtdosis doch höher wird, ist es auch kein Beinbruch, dafür solltest du dich aber natürlich bei eurer Ärztin rückversichern (je nachdem wie der Rahmen ist in dem sie euch das Ausprobieren erlaubt hat).

Im Kindergarten kannst du nichts nachgeben, logisch. Also entweder eine Erzieherin ist dazu bereit, oder eure Ärztin verschreibt dafür Retardkapseln. Die haben immer die doppelte Dosis einer Tablette und wirken dafür doppelt so lange, d. h. eine 10-er Kapsel ist wie eine 5-er Tablette sofort und eine 5-er Tablette später. Es gibt Medikinet Retard, hier muss man beachten dass man dazu immer frühstücken muss; Ritalin LA hat diesen Nachteil nicht und ist ansonsten (fast) das Gleiche (also doppelte Dosis, doppelte Wirkdauer).

Und man kann selbstverständlich Kapseln am Vormittag und Tabletten am Nachmittag kombinieren.

Viele Grüße
Falschparker
zoraya
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Re: Verhalten bei ADHS

Beitrag von zoraya » 5. November 2018 20:06

Denise mit Maxim hat geschrieben:
4. November 2018 20:45
Gibt es für Eltern eine Fortbildung, ein Training oder ähnliches. Wir machen es sofort. Wir möchten ihn einfach verstehen können warum er Dinge so macht wie er sie macht.

Es gibt den "ADHS Elterntrainer" online und "Triple P" gibts einige Folgen auf Youtube.
Ich persönlich bin nicht so fan davon, da es mir zu viel Gewicht auf den Konsequenzen liegt. Für euch aber wäre das sicher mal gut reinzuschauen, weil man da einen Plan macht für die Konsequenzen. Dann weiss man die Strafe schon im Vorherein und muss dann nicht rumschreien.
Ich finds trotzdem immer besser das Gewicht auf die erwünschten Verhalten zu legen mit Verstärkerplänen usw und jeweils alternativverhalten anbieten.
lg zoraya
ULBRE
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Re: Verhalten bei ADHS

Beitrag von ULBRE » 6. November 2018 02:13

Falschparker hat geschrieben:
5. November 2018 16:38
Ich verlinke mal zu einem alten (2003) aber sehr guten Text von Meinrad Ryffel:
http://www.hansguckindieluft.ch/website ... assung.pdf

Hallo Falschparker,

der Link ist supersuperklasse zur Medikamenteneinstellung von Methylphenidat oder Amphetaminmedikamenten.
(Schreib ich hier so explizit, damit man das über die Forumssuche finden kann.)
Den Link sollte sich jeder einmal runterladen, der sich oder andere mit Stimulanzien einstellt.

Danke Dir !!!

Viele Grüsse

UlBre
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Re: Verhalten bei ADHS

Beitrag von Stefan SRO » 6. November 2018 07:39

Medikamente und Wirkdauer:

Bei dem von Dir beschriebenen Problem sehe ich vor allem den zwischenzeitlich beginnenden Rebound (die Zeit mit deutlich nachlassender Wirkung + div. Nebenwirkungen), wenn die nächste Dosis noch nicht wirkt.
Ritalin LA (oder Retardierte Medikamente überhaupt) könnte da evtl. passen (Problematik ausreichende Nahrungsaufnahme beachten)

Schau Dir hier mal die Kurven zum Wirkverlauf an:
https://www.adhspedia.de/wiki/Medikamente
(viele Ärzte kennen die nicht, soviel zum Thema Experte werden...)

Ich persönlich komme mit retardiertem Ritalin am besten zurecht, da es in etwa zu meinem Tagesablauf passt. In der Regel fällt der Rebound weit in die Zeit nach Feierabend, so dass ich 6 Uhr eine Kapsel nehme und zwischendurch nicht nachnehmen muss.
Mir hilft zum Rebound viel Bewegung, um ihn nicht zu sehr zu spüren. Wenn Euer Zwerg zu diesem Zeitpunkt auf dem Spielplatz herum tobt, durch den Wald rennt oder Fahrrad fährt könnte das ähnlich wirken.

Totale Stille oder ruhige Konzentration im Rebound würde bei mir nicht funktionieren. Es wäre die Hölle.

VG
Stefan
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Re: Verhalten bei ADHS

Beitrag von Denise mit Maxim » 6. November 2018 15:27

Wie meinst du das mit der Nahrungsaufnahme? Ich weiß ja dass eine Nebenwirkung weniger Appetit sein kann. Und das ist bei uns auch so.
Also extrem schwierig mit dem Essen grade.... meintest du das allgemein oder gibt es noch mehr zu beachten.

Und was ich noch für eine Frage habe...
wir sind grad dabei uns über die Weihnachtsgeschenke Gedanken zu machen. Ihr habt ja auch Kinder. Was könnten wir denn für unseren 6 jährigen besorgen. Er liebt LEGO und kann sich da auch echt mal verweilen, aber leider geht da bei den Wutausbrüchen auch mal was kaputt. Genauso mag er Bücher Hörspiele etc. sind das die richtigen Dinge für ADHS ler oder habt ihr noch Ideen?
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Re: Verhalten bei ADHS

Beitrag von flori1994 » 6. November 2018 15:41

Lego Bücher usw hatte ich auch. Und ja da flog von Zeit zu Zeit auch mal ne Kreation (also meistens nen Schiff) gegen die Wand. Manchmal tauchten die "Trümmer" wieder auf, manchmal auch nicht. :lol:
Furcht ist der Gegner, der einzige Gegner.

Sunzi (um 500 v. Chr.), »Die Kunst des Krieges«

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Re: Verhalten bei ADHS

Beitrag von Denise mit Maxim » 8. November 2018 07:36

Aha 🙊
Und wie ist es mit Aktivitäten? Er könnte jetzt bei uns ins Fußball gehen, aber wir sind uns unsicher.
Ist es gut, weil er sich da auspowern kann,
Oder
Eher schlecht weil er durch das wilde gerenne noch aufgedrehter wird?
Wäre eher etwas wo er bei sich und seinem Körper bleibt so wie Judo oder taekwondo sinnvoller?
Oder
Sollte man solche Aktivitäten ganz lassen und eher eine Ergotherapie machen?
Ich möchte halt auch nicht dass bei ihm jeder Mittag verplant ist, das macht auch wieder nur Stress...
Stefan SRO
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Re: Verhalten bei ADHS

Beitrag von Stefan SRO » 8. November 2018 08:14

"...Nahrungsaufnahme..."
Die Nahrungsaufnahme beeinflusst mitunter die Wirkung der Medikamente. Zwischen Ritalin und Medikinet (Retard) ist das sehr deutlich.
Ich war und bin ein schlechter Frühstücker. Inzwischen esse ich zur Einnahme immer was und komme besser klar. (wobei ich Medikinet nicht mehr nehme) Das Hier braucht ab der Einnahme auch genug Energie um zu funktionieren.

"...Judo oder taekwondo ..." dazu gibt es in Fachbüchern ein klares pro. Während Mannschaftssportarten oft überfordern (zu hohe Reizfülle) sind Sportarten die die Konzentration auf eine Person fokussieren ein gutes Training.
Auch die mit den Sportarten verbunden Entspannungs- und Konzentrationsübungen gehen in die Selbe Richtung wie die Therapien für ADS-ler.

"...fliegendes Lego..." "...Weihnachten..." ... ja, kenn ich. Aber es hält sich in Grenzen. Versucht nicht zu viel Lego Technik zu schenken, sondern eher Lego-City. Also möglichst Steine in den Grundformen die man viel kombinieren kann. Ninjago, Nexo usw. sind für das Spielen von Geschichten schon. Aber auch für City gibt es sehr viele Hörspiele, die der Sproß beim Basteln aber auch so gern hört.
Sonntags sitzen wir manchmal bis Mittag in der Küche und basteln zusammen ;)

VG
Stefan
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Re: Verhalten bei ADHS

Beitrag von flori1994 » 8. November 2018 08:53

Denise mit Maxim hat geschrieben:
8. November 2018 07:36
Aha 🙊
Und wie ist es mit Aktivitäten? Er könnte jetzt bei uns ins Fußball gehen, aber wir sind uns unsicher.
Ist es gut, weil er sich da auspowern kann,
Oder
Eher schlecht weil er durch das wilde gerenne noch aufgedrehter wird?
Wäre eher etwas wo er bei sich und seinem Körper bleibt so wie Judo oder taekwondo sinnvoller?
Oder
Sollte man solche Aktivitäten ganz lassen und eher eine Ergotherapie machen?
Einfach schauen welches Hobby ihm Spaß macht. Das dürfte doch wohl das Wichtigste sein. Ich fahre zb. Rennrad weil ich da gut überschüssige Energie loswerden kann. Als ich noch regelmäßig mit dem Rad zur Uni gependelt bin ging es mir übrigens deutlich besser.
Ergotherapie alleine halte ich für zu wenig. Bei mir führten es dazu dass der Computer rund 10-12h am Tag lief. Langeweile ist viel schlimmer als regelmäßig irgendwas zu machen.
Furcht ist der Gegner, der einzige Gegner.

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