Einem Nicht-ADHS`ler unsere Reizüberflutung erklären

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Daydreamer
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Einem Nicht-ADHS`ler unsere Reizüberflutung erklären

Beitrag von Daydreamer » 16. September 2018 19:34

hi zusammen

die Überschrift deutet es ja schon an: ich frage mich seit gestern, wie erklärt man jemandem ohne AD(H)S eine Reizüberflutung und was das für uns bedeutet?

Gestern habe ich mit einer Bekannten geschrieben, die sagte, das Problem habe sie auf Arbeit auch gerade ... aber sie meinte eigentlich "Stress".

Wie würdet ihr das erklären?

Lg, Daydreamer
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Chrüsi
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Re: Einem Nicht-ADHS`ler unsere Reizüberflutung erklären

Beitrag von Chrüsi » 16. September 2018 20:57

Hallo Daydreamer

Also ich würde erklären, das wir ADHSler eine Reizfilterschwäche haben und uns dadurch sehr viel mehr Reize erreichen als "normal" ist. Und wir deshalb schneller "überflutet" sind und an unsere Grenzen stossen und entsprechend unserem Typ und Persönlichkeit reagieren.

Und Stress kann die Folge der äusseren und/oder inneren Reizüberflutung sein....mmmh... oder so in etwa? ;)

Liebs Grüessli,
Chrüsi
Zuletzt geändert von Chrüsi am 16. September 2018 21:01, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Einem Nicht-ADHS`ler unsere Reizüberflutung erklären

Beitrag von Daydreamer » 16. September 2018 21:00

Hm, schwierig. Das Ding ist ja, dass viele dann sagen dass das jeder kennt, dass das "normal" ist. Mir ging es halt primär nicht um die Reizüberflutung an sich, sondern unsere Reaktion darauf ...

Also schon beides irgendwie. Wie definiert man denn "viel mehr Reize als normal" ?
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Re: Einem Nicht-ADHS`ler unsere Reizüberflutung erklären

Beitrag von Chrüsi » 16. September 2018 21:24

Daydreamer hat geschrieben:
16. September 2018 21:00
Wie definiert man denn "viel mehr Reize als normal" ?
Hm.... ja, das ist noch schwierig. Also diese Reizfilterschwäche haben auch die "nur" Hochsensiblen und davon soll es ja zwischen 15 - 20 % geben, also das wäre jeder 5.

Nicht alle Hochsensiblen haben eine ADHS aber viele oder die meisten(?) ADHSler sind auch Hochsensibel (oder hypersensibel, eine andere Bezeichnung). Bei ADHS kommen weitere Symptome und Schwierigkeiten dazu.
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Re: Einem Nicht-ADHS`ler unsere Reizüberflutung erklären

Beitrag von Chrüsi » 16. September 2018 21:28

Aber ich bin sicher, jemand kann hier noch eine bessere Erklärung geben..? :? ;)

Bei Wikipedia steht noch was drin zu Reizüberflutung:
https://de.wikipedia.org/wiki/Reiz%C3%BCberflutung


LG Chrüsi
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Re: Einem Nicht-ADHS`ler unsere Reizüberflutung erklären

Beitrag von ULBRE » 16. September 2018 22:10

Hallo,

ich beschreibe das ganz gerne so:
Stell Dir vor, Du hast einen Bürojob. Schreibtisch, Computer, Telefon, manchmal nervige Kollegen, manchmal stressiger Chef, pipapo, so der ganz normale Durchschnittswahnsinn.
Reizfilterschwäche ist, wenn der Schreibtisch dann nicht hinten rechts im Grossraumbrüro, sondern an der belebtesten Ecke der Fussgängerzone steht, direkt neben den Strassenbahnschienen, und es unterhalten sich nicht nur 2 Kollegen über Deinen Tisch hinweg während Du versuchst zu telefonieren, sondern es laufen jeden Tag zehntausend Menschen vorbei. Dazwischen klingelt und rumpelt alle 4 Minuten eine Strassenbahn, so dass Du die Kaffeetasse festhalten musst, damit Dir der Kaffee nicht über die Tastatur kippt.

Wie gut könntest Du Dich auf Deinen Job konzentrieren und in welchem Zustand kämst Du Abends nach Hause ?
DAS ist die typische Reizfilterschwäche von AD(H)S.

Beste Grüße

UlBre
„Wenn ein unordentlicher Schreibtisch einen unordentlichen Geist repräsentiert, was bedeutet dann ein leerer Schreibtisch ?“ Albert Einstein
Ich hab einen eher wissensorientierten Schreibstil. Als eine Stimme im Chor find ich das ganz ok. Mehr soll das auch nicht sein.
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Re: Einem Nicht-ADHS`ler unsere Reizüberflutung erklären

Beitrag von Stefan SRO » 17. September 2018 10:07

ULBRES Beschreibung ist bestimmt gut nachvollziehbar.

Ein Ansatz von mir:

Wahrnehmung einer Sekunde:

"Konzentrier Dich doch mal!",
>
"Auf den G65 mit dem 8-Zylinder der gerade vorbei fährt, die schöne Rose im Fenster neben an, das Pfeifen des Windes im Fensterspalt, das klappern der Schuhe auf dem Gang, das Quietschen des Schreibtischs vom Kollegen, das Ticken dier Büro-Uhr, das Summen des Lüfters am PC, die Viration des Bodens weil ein Sattelschlepper dem G65 (Mercedes) entgegen kam, der Duft der Kollgin mit den Klapperschuhen?";
>
"Ach so! Du meinst die Tabelle, die eigentlich prüfen soll."

Die Minute hat 60 Sekunden, Die Stunde 60 Minuten und der Arbeitstag 8 Stunden. Und Du fragst mich warum ich zum Feierabend totmüde bin?
"Mein Hirn kann nicht still sitzen..."
-
Was heute noch logisch und klar erscheint, ist morgen schon undurchsichtig rätselhaft.
-
-Mal Einstein und mal taube Nuß.-
-Was man nicht all´s ertragen muß.-
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Re: Einem Nicht-ADHS`ler unsere Reizüberflutung erklären

Beitrag von Clous1945 » 17. September 2018 11:46

Also schon beides irgendwie. Wie definiert man denn "viel mehr Reize als normal" ?
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Re: Einem Nicht-ADHS`ler unsere Reizüberflutung erklären

Beitrag von jenman » 25. September 2018 13:02

Versuch Dir das Gehirn bei der Aufnahme und Verarbeitung von Sinneseindrücken wie eine Autobahn vorzustellen.

Bei Menschen ohne AD(H)S hat die Autobahn 4 Spuren, die alle in die gleiche Richtung (ins Gehirn rein) führen. Für die wichtigen Informationen gibt es aller 50km eine Ausfahrt, der Rest (Unwichtiges) "rauscht" vorbei.

Bei Menschen mit AD(H)S hat die Autobahn dagegen 20 Spuren (wenn nicht noch mehr), aller 5km ein Autobahnkreuz in alle Richtungen und 25 Ausfahren auf 500m.

So lange der Verkehr flüssig läuft, der Tank voll und das Ziel klar ist, machen kleinere Verbremser meist wenig aus.
Sind aber dauerhaft zu viele (unwichtige) Informationen unterwegs, kommt es schnell zu Rückstau an den Abfahrten (Überforderung), in die dann irgendwann unweigerlich ein Raser (Wichtiges/Termine) reinknallt und das ganze Netz lahmlegt (Ausraster, Wutanfall, Erschöpfung, Depression etc).
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Re: Einem Nicht-ADHS`ler unsere Reizüberflutung erklären

Beitrag von EinMax » 25. September 2018 14:07

Hab mal, noch vor der Diagnose, einen Cartoon gezeichnet, wie ich mir das Gehirn anderer Leute vorstelle vs. wie es in meinem zugeht. (Immer noch nicht gescannt, dehalb hier nur die Beschreibung.) Im ersten Bild sitze ich in einem aufgeräumten Büro mit wohlsortierten Aktenschränken, Weltzeituhr und einer Sekretärin, die mir die neuen Aufgaben auf genau den richtigen Stapel legt. Im zweiten bin ich zwischen Papierstapeln, die umzukippen drohen, das Telefon klingelt Sturm, und Leute schreien mich von beiden Seiten an, warum ich dies noch nicht erledigt habe, oder das, das ist viel dringender etc.
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Re: Einem Nicht-ADHS`ler unsere Reizüberflutung erklären

Beitrag von Chrüsi » 25. September 2018 22:40

EinMax hat geschrieben:
25. September 2018 14:07
Hab mal, noch vor der Diagnose, einen Cartoon gezeichnet, wie ich mir das Gehirn anderer Leute vorstelle vs. wie es in meinem zugeht. (Immer noch nicht gescannt, dehalb hier nur die Beschreibung.) Im ersten Bild sitze ich in einem aufgeräumten Büro mit wohlsortierten Aktenschränken, Weltzeituhr und einer Sekretärin, die mir die neuen Aufgaben auf genau den richtigen Stapel legt. Im zweiten bin ich zwischen Papierstapeln, die umzukippen drohen, das Telefon klingelt Sturm, und Leute schreien mich von beiden Seiten an, warum ich dies noch nicht erledigt habe, oder das, das ist viel dringender etc.
Oh, das Cartoon würde ich so gerne sehen ..... bitte, bitte... ;)

Liebe Grüsse,
Chrüsi
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Re: Einem Nicht-ADHS`ler unsere Reizüberflutung erklären

Beitrag von EinMax » 25. September 2018 22:58

Hehe, dann muss ich wohl mal. Ist ja gut für die Motivation, so was! 8-)
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Re: Einem Nicht-ADHS`ler unsere Reizüberflutung erklären

Beitrag von LadyGaga » 19. Oktober 2018 08:40

Schöner Thread. Mir gefällt das Beispiel mit dem Schreibtisch in der Fußgängerzone sehr gut. Bei mir kommt dann noch dazu, dass jeder 2. der vorbeiläuft, mich anspricht, aus den Gedanken reisst und irgendwas fragt oder mir etwas erzählt.
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Re: Einem Nicht-ADHS`ler unsere Reizüberflutung erklären

Beitrag von Oppelei » 19. Oktober 2018 12:13

Das Beispiel mit der Fußgängerzone ist aber missverständlich, weil ein solcher Arbeitsplatz natürlich auch für jeden Nicht-ADHSler total unerträglich und nicht-filterbar wäre.
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Re: Einem Nicht-ADHS`ler unsere Reizüberflutung erklären

Beitrag von Daydreamer » 19. Oktober 2018 12:48

Oppelei hat geschrieben:
19. Oktober 2018 12:13
Das Beispiel mit der Fußgängerzone ist aber missverständlich, weil ein solcher Arbeitsplatz natürlich auch für jeden Nicht-ADHSler total unerträglich und nicht-filterbar wäre.
Genau das ist doch damit gemeint, oder nicht? Natürlich ist das Beispiel "Fußgängerzone" so, dass es ein Nicht-ADHSler nicht ertragen könnte. Das soll ja auch nur verdeutlichen, wie ADHSler sich an einem normalen Arbeitsplatz fühlen. Solch ein Arbeitsplatz wäre vergleichbar mit den Reizen die wir an einem normalen Tag aufnehmen ;)
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Re: Einem Nicht-ADHS`ler unsere Reizüberflutung erklären

Beitrag von JamesMBarrie » 25. Oktober 2018 20:58

Hi,

Ich persönlich finde mich in einem Spruch sehr gut wieder, der lautet:

If you ever wanna know what a creativ person's (or person with ADHS's 😉) mind feels like, imagine a browser with 2879 tabs open. All. The. Time!
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Re: Einem Nicht-ADHS`ler unsere Reizüberflutung erklären

Beitrag von JamesMBarrie » 25. Oktober 2018 20:59

Hi,

Ich persönlich finde mich in einem Spruch sehr gut wieder, der lautet:

If you ever wanna know what a creativ person's (or person with ADHS's 😉) mind feels like, imagine a browser with 2879 tabs open. All. The. Time!
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Re: Einem Nicht-ADHS`ler unsere Reizüberflutung erklären

Beitrag von jenman » 5. November 2018 22:00

Aber genau so! Trifft mich absolut.
Vielen vielen Dank dafür ♡
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Re: Einem Nicht-ADHS`ler unsere Reizüberflutung erklären

Beitrag von sourcream » 11. November 2018 16:39

schwierige Frage. Ich habe auch versucht meinen Eltern zu erklären wie sich so eine Reizfilterschwäche anfühlt, ich denke sie haben es verstanden, denn sie sagen nie "los komm wir gehen auf ein Fest" weil sie wissen das sowas für mich der pure Horror ist. Sie wählen einen Ort an dem es ruhiger ist oder verzichten sogar auf etwas, oder sagen "dann tust du an dem Tag mal nix und wir gehen mal da und da hin"

Jeder Mensch mit dem ich die letzten Jahre verbracht habe, haben mitbekommen das ich damit ein Problem habe Gesprächen zu folgen wenn es laut ist, wenn zu viel los ist. Manche haben es verstanden, wir gingen in ein Cafe wo nicht viel los war oder einer meinte von sich schon aus "komm wir gehen mal in eine ruhige Ecke". Andere wiederum sagen dann "du hast was mit den Ohren, du musst mal zum Ohrenarzt" kennt sicher jeder von euch hier. Der Satz ist so alt, und ich war ja schon öfters beim HNO und ich höre sogar besser als der Durchschnitt , da wusste ich aber noch nicht wie ich so ticke.

und die Menschen die es nicht verstehen, welche ich auch kenne, die wollen es nicht verstehen und das sollte man dann auch lassen sich zu erklären.

ich fühle mich in einem ADHSLer Forum sehr wohl, auch wenn ich selten hier bin. Da treffe ich auf Mensche denen ich es nicht erklären muss warum ich jetzt so reagiere etc.

ich war jetzt so im Schreibwahn das ich das eigentliche vergessen habe :lol: also ich würde es so erklären:

"bei mir ist es so, das wenn ich zb in die Stadt gehe dann strömen die Reize alle auf mich ein, Menschenstimmen, die Menschen selbst (das Gewusel) , Parfüme, dann das grelle Licht, die ganzen Geräusche. ich bekomme alles mit. "Normale" Menschen können es ausblenden, und dann würde ich evtl fragen wie er/sie das empfindet, wie er diese Situation wahrnimmt"
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Re: Einem Nicht-ADHS`ler unsere Reizüberflutung erklären

Beitrag von EinMax » 11. November 2018 19:54

Wenn ich so drüber nachdenke, ist ADHS auch ein bisschen wie dieser Albtraum, den viele kennen, wo sie in Unterwäsche eine Klassenarbeit schreiben sollen, die sie nicht vorbereitet haben. Nur halt übertragen auf fast jede Situation.
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