Könnte es ADS sein ?

Erwachsene u. Kinder
Dieses Board ist auch für Gäste sichtbar!
Antworten
Conscript1991
Andersweltler
Beiträge: 23
Registriert: 4. Juli 2018 11:44

Könnte es ADS sein ?

Beitrag von Conscript1991 » 4. Juli 2018 15:32

Hallo,

ich bin 27 Jahre alt und habe eine sehr lange Krankheitsgeschichte mit verschiedensten Diagnosen hinter mir.
Dementsprechend mache ich seit meinem 6. Lebensjahr (mit einigen Pausen) durchgehend Therapie.
Zunächst bei einer Kinder- und Jugendpsychotherapeuten. Jetzt seit gut 4 Jahren eine analytisch
fundierte/tiefenpsychologische Therapie. Stationär war ich das erste mal mit 13 und in den letzten
Zehn Jahren weitere 6 mal. Medikamentös behandelt werde ich ebenfalls seit 10 Jahren.

Aktuelle Diagnosen sind: Ängstlich-Vermeidende Persönlichkeitsstörung und rezidivierende Depression

Ausprobiert wurde Citalopram, Cipralex, Trimipramin, Mirtazipin, Seroquel prolong, Venlafaxin, Duloxetin, Pregabalin und Quilonum
Bisher helfen alle nur sehr gering. Ohne geht es gar nicht mehr.

Ich war als Kind sehr ängstlich, mit 13 hat sich eine Angst- und Panikstörung entwickelt. Mit 17 wurde daraus
zunächst eine Zwangsstörung und dann eine depressive Störung

Als Kind hatte meine Grundschullehrerin mal den Verdacht auf ADS geäussert.
- In der Grundschule habe ich häufig nicht aufgepasst
- Im Unterricht war ich verträumt oder habe mit meinem Kuscheltier gespielt
- Ich konnte nicht gut still sitzen und habe den Unterricht gestört
- auf der Weiterführenden Schule mit höherem Unterrichtsniveau hatte ich sehr schlechte Noten

Heute als Erwachsener quält mich vor allem folgendes:
- Antriebslos. Kann mich oft nicht überwinden Dinge zu tun.
- Erschöpft. Immer Müde, kann immer schlafen, kann nicht lange stehen
- Gleichzeitig innerlich Unruhig. Immer mit Bein wippend, auch im Bett.
- Grübelzwang. Grübeln über Zukunft, bildliche Vorstellungen
- Kann nicht lange zuhören, wenn es mich nicht interessiert,
- wechsel schnell zwischen den Themen, Falle anderen ins Wort.
- Kann Bücher nicht länger als ein paar Seiten lesen.
- Oft sehr kindisch und albern
- Kann mich nur schwer organisieren und schiebe vieles auf
- In Filmen und Serien verstehe ich die Zusammenhänge oft nicht so schnell
und man muss sie mir erklären
- Starke Stimmungsschwankungen nach unten meist mit Auslöser.
- Stark schwankende Interessen. Ein Thema für das ich mich heute brennend interessiere
kann mir mrgen schon wieder total egal sein

Ich frage mich mittlerweile, da ich schon so viele stationäre Aufenthalte hinter mir habe,
schon so lange Therapie mache und schon so viele Medikamente ausprobiert habe, warum
ich trotzdem mein Leben immer noch nicht im Griff habe. Besonders auffallend finde ich,
dass die Antidepressiva nicht wirken. Könnte es sich bei mir nicht tatsächlich um ADS im
Erwachsenenalter handeln ? Das würde doch auch völlig anders behandelt werden...
ULBRE
Spezial User
Beiträge: 497
Registriert: 8. Februar 2018 22:08

Re: Könnte es ADS sein ?

Beitrag von ULBRE » 4. Juli 2018 15:45

Hallo Conscript,

erst einmal willkommen im Forum.
Was Du schreibst könnte auf ADS hindeuten, muss es aber nicht sein. Dazu müssen wir ein wenig tiefer schauen.

Zunächst einmal zur Abgrenzung zwischen ADS und Depression:
Eine leichte chronische Depression ist ein typisches AD(H)S Symptom. Die leichte chronische Depression heißt dann Dysphoprie oder Dysthymie und tritt bei AD(H)S insbesondere bei Inaktivität auf (eines der Wender-Utah-Kriterien für AD(H)S bei Erwachsenen)
Von einer echten (mittleren bis schweren) Depression unterscheidet sie sich, indem sie bei Dingen, die einem Spaß machen, die einen interessieren, wie weggeblasen ist, aber zuverlässig wiederkommt, sowie man inaktiv wird. außerdem besteht sie über Jahre oder - AD(H)S-typisch - schon eher das Leben lang. Leichte Depression heißt, dass das Leben grau ist.
Eine echte (mittlere bis schwere) Depression Tritt dagegen eher Phasenhaft auf, also über Wochen, Monate oder vielleicht mal ein Jahr und dann wird alles richtig dunkel bis hin zu schwarz. Es gibt keine Differenzierung mehr zwischen Dingen die einem Spaß machen und die keinen Spaß machen: alles ist uninteressant.

AD(H)S hat viele mögliche Symptome.
Ich betrachte sie allesamt als „funktionale“ Stresssymptome. Sie sind zum Überleben in einer möglichen Stresssituation durchaus hilfreich (im Gegensatz zu disfunktional gewordenen Stresssymptomen, wie bei einer "echten" Depression, bei der die Dysphorie so stark geworden ist, dass man sich nicht mehr rühren kann, der Angst bei einer Angststörung, die nicht mehr nur die erhöhte Sorge bei funktionalem Stress ist oder den Zwängen einer Zwangsstörung, die weit über die erhöhte Vorsicht bei funktionalen Stress hinausgehen.

Jeder Mensch hat einzelne dieser Symptome häufig, also auch wenn er kein ADHS hat. Der Unterschied ist, dass AD(H)S-Betroffene sehr viele dieser Symptome häufig haben.
Du kannst Dur ja mal die Liste meiner Sammlung von Symptomen anschauen:
https://www.adxs.org/symptome-von-adhs/ ... ngsformen/
Wenn Du bei mehr als der Hälfte das deutliche Gefühl hast, dass sich das betrifft (natürlich mit Ausnahme von Hyperaktivität), Spricht einiges für ADS.
Wenn es deutlich weniger sind, aber auch mehr als - sagen wir mal - 10 %, dann kann das damit zusammenhängen, dass auch andere Störungen funktionale Stresssymptome auslösen.


Viele Grüsse

UlBre
„Wenn ein unordentlicher Schreibtisch einen unordentlichen Geist repräsentiert, was bedeutet dann ein leerer Schreibtisch ?“ Albert Einstein
Ich hab einen eher wissensorientierten Schreibstil. Als eine Stimme im Chor find ich das ganz ok. Mehr soll das auch nicht sein.
Conscript1991
Andersweltler
Beiträge: 23
Registriert: 4. Juli 2018 11:44

Re: Könnte es ADS sein ?

Beitrag von Conscript1991 » 4. Juli 2018 16:02

Hallo,

vielen Dank für deine schnelle Antwort.
Was du beschreibst klingt total nach dem was ich bei mir erfahre.
...bei Dingen, die einem Spaß machen, die einen interessieren, wie weggeblasen ist, aber zuverlässig wiederkommt, sowie man inaktiv wird.
Selbst wenn es mir schlecht geht, gibt es meist immer noch Dinge die mich interessieren. Neulich hatte ich eine Phase von etwa 3 Wochen in der die Stimmung ziemlich schlecht war, aber an dem Wochenende an dem ich Freunde in einer anderen Stadt besucht habe, war davon nichts zu merken.
Eine echte (mittlere bis schwere) Depression Tritt dagegen eher Phasenhaft auf, also über Wochen, Monate oder vielleicht mal ein Jahr und dann wird alles richtig dunkel bis hin zu schwarz.
Die depressiven Phasen bei mir dauern selten länger als 2-4 Wochen und in dieser Zeit bin ich immer noch sehr Mitschwingungsfähig.
Es gibt für die depressiven Phasen auch immer einen Auslöser. Mein Therapeut schafft es auch jedes mal mich aus dem Tief raus zu holen. Und manchmal verschwindet die depressive Phase wie von selbst wenn ein Problem gelöst wurde oder sich neue Möglichkeiten ergeben.

Es ist aber auch so, dass ich es nicht aushalte, lange krank geschrieben zu sein. Mir fällt es schon immer schwer das Wochenende zu überstehen, weil ich da nichts zu tun habe und keine Struktur von aussen kommt. Meist werde ich dann Lust- und Antriebslos und bleibe im Bett, bin dort aber angespannt und hibbellig

Es ist auch tatsächlich so, dass man sich bei mir mit der Diagnose schwer tut, weil es von allem etwas, aber dann doch nicht genug ist.
Auf jeden Fall Fühle ich mich dauerhaft gestresst und angespannt.
Conscript1991
Andersweltler
Beiträge: 23
Registriert: 4. Juli 2018 11:44

Re: Könnte es ADS sein ?

Beitrag von Conscript1991 » 6. Juli 2018 13:32

Ich hätte auch noch ein paar Fragen.

Ich habe einen Termin in der AD(H)S Ambulanz in meiner Stadt gemacht, aber die Wartezeit beträgt fast 6 Monate.
Diese wollen mit mir an insgesamt 3 Terminen verschiedene Tests machen. Ich habe aber auch gelesen, dass die Diagnose
AD(H)S dort lieber nicht gegeben wird anstatt se zu geben. Gleichzeitig habe ich heute aber gelesen, dass 90% der AD(H)S
Diagnose falsch sein.

Ausserdem habe ich noch gelesen, dass es eigentlich ganz einfach sei herauszufinden ob jemand AD(H)S hat, indem man ihm
einfach testweise entsprechende AD(H)S Medikamente gibt, die bei gesunden dann anderst wirken als bei AD(H)S erkrankten.
Ich frage mich aber, wenn es so einfach ist, warum ich dann an drei verschiedenen Terminen aufwändige Tests machen muss ?
Ist da wirklich was dran ?

Mir ist auch noch mehr an Symptomen aufgefallen bei mir. Wenn zum Beispiel jemand im selben Raum mit mir redet, fällt es mir extrem schwer etwas zu lesen und mich darauf zu konzentrieren. Eigentlich ist es nahezu nicht möglich.

Ausserdem habe ich oft das Gefühl, vor allem wenn ich alleine bin, dass ich nicht richtig wach bin, dass ich meine Umwelt nicht richtig warnehme. Als wären meine Augen nach innen in den Kopf gedreht und ich kann, auch wenn ich es versuche, nicht richtig wach und aufmerksam meine Umgebung warnehmen. Das ändert sich aber sobald ich mit anderen Menschen in Interaktion trete.
Stefan SRO
Foruminventar
Beiträge: 574
Registriert: 21. Juni 2018 06:52
Wohnort: Thüringen
Kontaktdaten:

Re: Könnte es ADS sein ?

Beitrag von Stefan SRO » 6. Juli 2018 15:04

Hallo Conscript1991,

fast alles was Du beschreibst ist bei mir auch so, nur habe ich es geschafft, trotzdem etwas vorwärts zu kommen.

Ich war schon Stationär, hatte schon eine Psychotherapie nach Burnout und hatte davor auch schon Stimmungsaufheller wegen Depressionen bekommen. Alle haben sich nur um Symptome gekümmert.

Am 04.06.2018 kam dann das AHA! mit der Diagnose. Ja ich musste auch viele Monate warten aber die drei Sitzungen mit EEG, verschiedenen Psychologen und die Blutuntersuchung waren 100% eindeutig.

Bleib dran!
Wir hatten in der Familie und bei Bekannten schon je einen Suizid, bei dem ich rückblickend von AD(H)S ausgehe. (Vermutung!! da ähnlich drauf wie ich.)

Bleib dran!

VG
Stefan
"Mein Hirn kann nicht still sitzen..."
-
Was heute noch logisch und klar erscheint, ist morgen schon undurchsichtig rätselhaft.
-
-Mal Einstein und mal taube Nuß.-
-Was man nicht all´s ertragen muß.-
Falschparker
Foruminventar
Beiträge: 5120
Registriert: 28. Mai 2008 13:37
Wohnort: Kleinstadt
Alter: 52

Re: Könnte es ADS sein ?

Beitrag von Falschparker » 6. Juli 2018 16:30

Conscript1991 hat geschrieben:Gleichzeitig habe ich heute aber gelesen, dass 90% der AD(H)S
Diagnose falsch sein.

Ausserdem habe ich noch gelesen, dass es eigentlich ganz einfach sei herauszufinden ob jemand AD(H)S hat, indem man ihm
einfach testweise entsprechende AD(H)S Medikamente gibt, die bei gesunden dann anderst wirken als bei AD(H)S erkrankten.
Jeder kann im Internet jeden Unsinn schreiben. Diese beiden Behauptungen kenne ich auch, sie sind beide falsch.
Ich habe einen Termin in der AD(H)S Ambulanz in meiner Stadt gemacht, aber die Wartezeit beträgt fast 6 Monate.
Diese wollen mit mir an insgesamt 3 Terminen verschiedene Tests machen. Ich habe aber auch gelesen, dass die Diagnose
AD(H)S dort lieber nicht gegeben wird anstatt se zu geben.
Hier musst du mal gucken, wer das geschrieben hat und wie es begründet wird. Ja, es gibt ADHS-Ambulanzen, wo quasi nach Gründen gesucht wird, eine positive Diagnose zu verwehren. Ob eure auch dazu gehört, weiß ich natürlich nicht.

Es gibt aber auch niedergelassene Psychiater, die ADHS diagnostizieren und behandeln. Die Warteliste dort ist allerdings nicht kürzer. 6 Monate gehen eigentlich.
ULBRE
Spezial User
Beiträge: 497
Registriert: 8. Februar 2018 22:08

Re: Könnte es ADS sein ?

Beitrag von ULBRE » 6. Juli 2018 23:16

Conscript1991 hat geschrieben: Mir ist auch noch mehr an Symptomen aufgefallen bei mir. Wenn zum Beispiel jemand im selben Raum mit mir redet, fällt es mir extrem schwer etwas zu lesen und mich darauf zu konzentrieren. Eigentlich ist es nahezu nicht möglich.
Das ist die AD(H)S-typische Hochsensibilität.
Es gibt kein AD(H)S ohne Hochsensibilität (AD(H)S hiess auch mal Reizfilterschwäche), es gibt allerdings auch Hochsensibilität ohne AD(H)S.

Du wirst nicht drum herum kommen Dich selbst mit AD(H)S intensiv zu beschäftigen. Das Fachwissen der Ärzteschaft ist teilweise wirklich lausig. Es gibt auch guue, aber die muss man erst mal finden...

Hast Du Dir die Symptomliste mal durchgeschaut ? Wieviel passte da bei Dir ?

Viele Grüsse

UlBre
„Wenn ein unordentlicher Schreibtisch einen unordentlichen Geist repräsentiert, was bedeutet dann ein leerer Schreibtisch ?“ Albert Einstein
Ich hab einen eher wissensorientierten Schreibstil. Als eine Stimme im Chor find ich das ganz ok. Mehr soll das auch nicht sein.
Conscript1991
Andersweltler
Beiträge: 23
Registriert: 4. Juli 2018 11:44

Re: Könnte es ADS sein ?

Beitrag von Conscript1991 » 7. Juli 2018 22:29

Ich habe mir die verlinkte Symptomgesamtliste jetzt schon öfter angeschaut aber ich empfinde diese als extrem
verwirrend mit den vielen Unterpunkten. Ich habe jetzt schon mehrfach versucht sie für mich zu gliedern und die
eigentlichen Symptome heraus zu schreiben um sie gesondert zu betrachten aber verzweifle jedes mal ein wenig.
Also im oberen Drittle ist zumindest auch einiges dabei was bei mir nicht wirklich zutrifft.

Eine Übersichtlichere Liste nur mit den symptomen, ohne Text gibt es wohl nicht ? :S
ULBRE
Spezial User
Beiträge: 497
Registriert: 8. Februar 2018 22:08

Re: Könnte es ADS sein ?

Beitrag von ULBRE » 7. Juli 2018 23:50

Hallo,

danke für die Anregung.
Wollte ich schon immer mal wieder bauen, als Fragebogen, bin aber noch nicht so recht dazu gekommen.
Ich hab eine Exceldatei, die könnte ich Dir mailen, wenn Du mir eine Mailadresse als PN schicken magst.

Viele Grüsse

UlBre
„Wenn ein unordentlicher Schreibtisch einen unordentlichen Geist repräsentiert, was bedeutet dann ein leerer Schreibtisch ?“ Albert Einstein
Ich hab einen eher wissensorientierten Schreibstil. Als eine Stimme im Chor find ich das ganz ok. Mehr soll das auch nicht sein.
Conscript1991
Andersweltler
Beiträge: 23
Registriert: 4. Juli 2018 11:44

Re: Könnte es ADS sein ?

Beitrag von Conscript1991 » 8. Juli 2018 15:27

Ich hab mal meine Grundschulzeugnisse rausgekramt. In der Zeit kam der Verdacht auf ADS ja auch auf.
Zumindest in der 1. und 2. Klasse lesen sich einige Hinweise:

1. Klasse
- geht auf Mitschüler aktiv zu, doch es gibt des öfteren Missstimmungen, da ihn Übergriffe auf seine abgesteckten Grenzen sehr stören
- ambivalentes Verhältnis zur Lautstärke im Klassenraum. Normaler Lärmpegel störte bei der erledigung von Aufgaben und bei leisen
Arbeitsphasen sorgte er für eine Geräuschuntermalung
- er ist oft nicht bereit seine Interessen zurückzustellen um in Partner- oder Gruppenarbeit zu arbeiten
- Es fällt ihm nicht leicht vereinbarte Klassen- und Gesprächsregeln einzuhalten
- Mit seinen Arbeitsmitteln könnte er noch sorgfältiger umgehen.
- schriftliche Aufgaben erledigt er selbstständig und besonders zügig, jedoch nicht immer ordentlich und konzentriert

2. Klasse
- Gruppenorientiertes Arbeiten fällt ihm schwer
- Muss noch lernen seine Mitteilungsfreude während des Unterrichts zu zügeln
- muss noch lernen konzentrierter und weniger hastig die Aufgaben zu erledigen
- er schreibt rasch und flüchtig, dabei sehr ungleichmäßig und nicht immer formklar
- Die gelernten Regeln wendet er kaum an

Allerdings verschwinden diese in der 3. Klasse langsam und die Noten sind bis auch Rechtschreibung, Sport und Mathe (befriedigend)
alle sehr gut.

Ich weiß aber, dass diese dann in der 5. Klasse extrem eingebrochen sind und ich gerade in Deutsch und Mathematik extreme Probleme hatte.
Conscript1991
Andersweltler
Beiträge: 23
Registriert: 4. Juli 2018 11:44

Re: Könnte es ADS sein ?

Beitrag von Conscript1991 » 9. September 2018 10:23

Hallo zusammen !

Ich wollte mich nach einiger Zeit mal zurück melden und bedanken.
Die letzten Wochen war ich mal wieder stationär aufgrund depressiver
und antriebsloser Zustände. Dort hatte ich auch meinen Verdacht auf
ADHS angesprochen und es wurden dementsprechende Tests in die
Wege geleitet.

Ergebnis: Eindeutig ADHS

Dass dies in den letzten 27 Jahren lediglich von meiner Grundschullehrerin vermutet
wurde und die unzähligen Therapeuten und Ärzte nicht mal ansatzweise den Verdacht
geäußert haben finde ich ziemlich erschreckend und ärgerlich, weil ich mein Leben
so vielleicht schon früher hätte in den Griff kriegen können.

Ich bekomme jetzt Metylphenidat, welches zuletzt auf 30mg morgens erhöht wurde.
Was mir hierbei allerdings auffält ist, dass ich die Wirkung manchmal sehr deutlich merke
und manchmal überhaupt nicht.

Heute morgen war ich zum Beispiel sehr Antriebs- und Hoffnungslos depressiv, wollte
schon alle Termine absagen und ca. 20-30min nach der Einnahme war ich plötzlich
hochmotiviert, gut gelaunt und bin aus dem Bett gehüpft. In der Klinik geht es mir nach kurzer Zeit
meist durch die Struktur, Sicherheit und vor allem Gesellschaft der Mitpatienten ohne Medikamente
relativ gut. Da bemerke ich den Wirkeintritt meist gar nicht, bin aber auch gut abgelenkt.

Manchmal fühle ich mich nach Einnahme auch aufgedreht und hab das Gefühl ich rede viel mehr.
Aber auf Rückfrage sagten mir die Mitpatienten dass ich nicht viel mehr rede als sonst auch.
Oft hab ich auch ein Zittern in den Armen und Händen. Es fühlt sich an als hätte ich plötzlich
total viel Energie und wüsste gar nicht wie ich damit umgehen soll, könnte die nicht richtig
bündeln. Ich drücke mich zwar immer noch vor unangenehmen Tätigkeiten aber es ist tausend
mal leichter sich zu überwinden. Ich habe auch manchmal noch negative Gefühle wie Trauer
oder Sorge aber die fühlen sich plötzlich so richtig an. So als ob man sie auch gerne auslebt und
es gut tut und nicht mehr wie der negative bedrohliche Gefühlsbrei den man lieber verdrängt.

Ich hatte zwischenzeitlich schon Angst ich habe gar kein ADHS und das ist eine Fehldiagnose, weil
die Ärzte auch meinten, dass das Medikament eigentlich nicht die Stimmung anhebt und eher entspannt
als aufdreht. Ich weiß aber auch nicht wie es bei gesunden Menschen wirkt. Und wie gesagt, manchmal
bemerke ich die Wirkung auch gar nicht richtig. Vielleicht mach ich mir auch einfach zu viele Gedanken.

Wie ist das mit dem Medikament, was habt ihr da für Fachwissen bzw. Erfahrungen ?
Conscript1991
Andersweltler
Beiträge: 23
Registriert: 4. Juli 2018 11:44

Re: Könnte es ADS sein ?

Beitrag von Conscript1991 » 9. September 2018 11:35

Edit: Ich habe das Gefühl mehr zu reden, aber mein Umfeld bestätigt das nicht... Vielleicht fällt es mir dann nur mehr auf
EinMax
Pagemaster
Beiträge: 102
Registriert: 1. Juli 2018 15:31

Re: Könnte es ADS sein ?

Beitrag von EinMax » 9. September 2018 12:11

Hallo Conscript1991,

Erstmal herzlichen Glückwunsch! Schade, dass es anscheinend einen Depressionsschub gebraucht hat, die Diagnose doch noch etwas früher zu kriegen, aber umso besser, dass sie jetzt da ist und die Medikation anscheinend schon anschlägt.

Ich versuche mal, deine Fragen aus meinem (begrenzten) Erfahrungsschatz zu beantworten: Metylphenidat wirkt auf ADHS-Gehirne tatsächlich meist anders als auf normale, aber auch innerhalb unseres Spezialfelds gibt es immer noch eine Menge Unterschiede. Bei einigen von uns wirkt Amphetamin besser, bei enderen eher weniger aufputschende Mittel, bei noch anderen gar nichts. Deshalb (mit Blick auf eine deiner Fragen im Juli) eignet sich eine Medikation auch nicht zur Diagnose: Wenn's wirkt, okay, aber wenn nicht, sagt das erstmal gar nichts aus.

Dann gibt's noch die Frage der Dosierung. Zu wenig bewirkt erwartungsgemäß gar nichts, aber bei zu viel kann die Wirkung umschlagen, dann kriegt man erst recht nichts auf die Reihe. (Das sind dann wohl die vollgedröhnten Kinder, von denen man in der Anti-ADHS-Prosa immer hört.) Das richtige Medikament und die richtige Dosierung zu finden, das dauert. Ich bin da seit drei Monaten dran und immer noch nicht ganz sicher, wie sich "richtig" überhaupt anfühlen soll. Oder ob überhaupt: ich habe irgendwo auf YouTube ein Video von einem Arzt gesehen, der sagte, man soll es gar nicht spüren, sondern die Wirkung nur daran merken, dass man mehr geregelt kriegt und länger aufmerksam bleibt. Sonst wär's zu viel. Wobei Du ja gerade erst anfängst. Der Körper braucht auch ein bischen, um sich drauf einzustellen.

Was die Schwankungen angeht, die habe ich auch. Ich glaube, ein Stück weit ist das normal, ich hatte vorher auch gute Tage, wo ich viel geschafft habe, und schlechte, wo gar nicht. Die Symptome können durch Schlafmangel, falsche Ernährung, zu viel Fernsehen, körperliche Inaktivität, zu wenig frische Luft und was weiß ich noch was alles beeinflusst werden, dagegen anzudosieren ist naturgemäß schwierig, denn das weiß man ja nicht alles vorher.

Habe ich das richtig verstanden, dass Du noch auf Station bist? In dem Fall erzähl einfach den Leuten da möglichst genau, wie Du die Medikation erlebst, dann könbnen sie dir sicher bei der "Feineinstellung" helfen.
Stefan SRO
Foruminventar
Beiträge: 574
Registriert: 21. Juni 2018 06:52
Wohnort: Thüringen
Kontaktdaten:

Re: Könnte es ADS sein ?

Beitrag von Stefan SRO » 10. September 2018 11:02

"Gute Zeiten, schlechte Zeiten"...

Glückwunsch Conscript1991 , Du bist um einiges weiter als ich. Zwar kam ich bisher ganz gut zurecht, doch das Alter lässt die Kräfte schwinden, die man früher zum Widerstad zur Verfügung hatte.

Viel von dem was EinMax eben gestern schrieb kann ich auch von mir sagen. Dieses Kribbeln, von dem Du schreibst kenne ich. Es ist leider sehr selten und ich fange dann mit viel Schwung Sachen an, die entweder nach 80% abbrechen oder sehr schleppend fertig werden. Es lässt sich gut mit dem ersten wirklich gesunden Tag nach langer Krankheit vergleichen.
Ich hatte es als Junger Mensch sehr oft und es nahm kontinuierlich ab, bis ich mit 41 den Burny hatte. Seither kommt es noch 2 - 3 mal im Jahr vor.

Ich kann Dir nur sehr eine Art Tagebuch ans Herz legen. Dort kommen Stimmungen usw. hinein. Das wird es Dir und den Ärzten leichter machen, Dich zu verstehen. Ich mache das schon eine Weile im Excel und gebe das Update immer an den Doc.

In die Klinik würde ich gern. Leider würde dann meine kleine Familie große Probleme bekommen, so dass ich gegenwärtig nicht aus dem Hamsterrad raus komme.
Ich würde mich sehr freuen, weiter von Dir und dem Fortgang der Behandlung hier zu lesen. Vlt, finde ich Ansätze für mich.

VG
Stefan
"Mein Hirn kann nicht still sitzen..."
-
Was heute noch logisch und klar erscheint, ist morgen schon undurchsichtig rätselhaft.
-
-Mal Einstein und mal taube Nuß.-
-Was man nicht all´s ertragen muß.-
Falschparker
Foruminventar
Beiträge: 5120
Registriert: 28. Mai 2008 13:37
Wohnort: Kleinstadt
Alter: 52

Re: Könnte es ADS sein ?

Beitrag von Falschparker » 13. September 2018 18:26

Hallo Conscript,

danke für die Rückmeldung und alles Gute!
Antworten

Zurück zu „ADHS / ADS Test und Diagnose*“