Partner mit Erwachsenen-Diagnose

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Caesi
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitrag von Caesi » 25. April 2018 17:42

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Nun dann solltet ihr die Tipps die ich in meinem Beitrag geschrieben habe mal anschauen, ob sie euch helfen, wir haben es bei uns ja umgekehrt. Ich habe ADS und mein Mann Autismus. Und nein ADS bedeutet nicht das man keinen Blick für andere hat oder haben kann.

Ich habe ja nicht nur den einen Satz geschrieben den du zitiert hast ;)

Ich wünsche euch viel Erfolg beim Zusammenraufen.
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laetitia
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitrag von laetitia » 25. April 2018 20:11

Hallo Signiert

Also...ich finde das schon noch eine wichtige Information, die das Thema in eine ganz andere Perspektive setzen.

Vielleicht müsstest du aufhören zu denken, es ginge um ihn. In Wirklichkeit geht es um dich! Hauptsächlich. Er hat ja anscheinend kaum ein Problem mit der Situation, du schon. Daher ist es eigentlich dein Problem. Dass er dein Problem nicht sieht ist aus meiner Sicht inakzeptabel. Dass es ihm egal ist. Er sich keine Gedanken dazu macht. Das finde ich schon sehr bedenklich.

Weiss er denn, dass du so viel Zeit für alles benötigst und dich das dermassen erschöpft? Dass du kein Hobby verfolgen und auch ein bisschen für dich schauen kannst deswegen? Habt ihr darüber gesprochen? Ist ihm bewusst, was seine Unordnung für dich bedeutet, auch im Lichte deiner Krankheit?

Könnte es sein, dass genau wie du sein ADS nicht nachvollziehen kannst, er deinen Autismus nicht nachvollziehen kann?

Wenn er arbeitet und du den Tag zuhause verbringst, könnte ich mir auch vorstellen, dass er nicht nachvollziehen kann, wie anstrengend es für dich ist. Falls er arbeitet, bestreitet er allein eueren Lebensunterhalt oder hast du eine Rente? Könnte es sein, dass dein Mann diese Situation als einseitig und belastend empfindet und sich daher auch nicht unbedingt mit deinen Sorgen beschäftigen möchte?

Mir scheint, dass ihr da vielleicht etwas mehr Klärungsbedarf habt. Vielleicht würde es helfen, wenn ihm ein Arzt sagt, wie es um dich steht? Die Meinung eines Experten ist manchmal einfacher anzunehmen. Könntet ihr gemeinsam eine Therapie machen, um einander besser zu verstehen und vielleicht auch besser zu kommunizieren? Da wäre eine systemische Therapie vielleicht sinnvoll. Vielleicht hättest du auch Anspruch auf eine Hilfskraft für den Haushalt?
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitrag von ULBRE » 25. April 2018 23:18

Hallo caesi,

leider kann man hier keine Sternchen vergeben, oder find ich das nur nicht ?
Dein Posting vom 20.04. ist klasse !

Auf mich wirkt der Thread so, also ob der ADHSler Rücksicht auf dein ADHS erwartet, aber nicht versteht, dass Asperger genau so viel Rücksicht in die andere Richtung benötigt.
Wenn das so bliebe hätte die Zukunft keine Zukunft.

Ich denke, eine Paartherapie könnte dieses Verständnis wecken.
Stellt Euch nur darauf ein, dass man nach dem geeigneten Therapeiuten länger suchen und einige ausprobieren muss.

Viele Grüsse

UlBre
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitrag von Caesi » 26. April 2018 08:14

Danke ULBRE :)

Ich habe heute Morgen ein intensives Gespräch mit meinem Mann gehabt über die Antworten die hier gefallen sind und mit ihm gegrübelt. Ich wollte auch gerne seine Sicht als Autist hören, wie er das ganze empfindet. Grundsätzlich finde ich es schwer die Situation einzuschätzen, da zum einen viele Informationen fehlen, die Weltsicht und das Empfinden eines jeden Menschen sehr unterschiedlich ist. Und das wichtigste, wir kennen dein Empfinden aber seines nicht. Nur das was du uns aus deiner Sicht heraus wiedergibst.

Wie die anderen sagten wird eine Therapie die beste Möglichkeit sein und dabei ist die Krux einen Therapeuten zu finden der sich mit Autismus auskennt. Wieviel da schief gehen kann, haben mein Mann und ich in den letzten Jahren gemerkt. Genauso wenn man einen Therapeuten erwischt der sich mit ADS nicht auskennt. Wir hatten bei seiner Therapeutin Glück das sie sich mit beidem auskannte, obwohl ihr Steckenpferd der Autismus ist. Und durch meinen Sohn hatten wir eine Ärztin die für ADS, aber auch für Autismus zuständig ist in der Klinik und daher ihm die Welt eines ADSlers erklären konnte.

Mir hat es sehr geholfen das seine Therapeutin mir erklärt hat wie seine Welt aussieht, was er leisten kann und was nicht. Das konnte ich von ihr auch besser annehmen, als durch alles einlesen in das Thema oder von ihm direkt. Nicht weil ich ihn nicht ernst nehme, sondern weil zwischen Partnern das Gespräch immer auf einer persönlichen Ebene abläuft. Da spielen Emotionen mit, die im Gespräch mit einem Therapeuten weniger Gewicht haben. Der Weg dauerte dennoch einige Zeit, denn auch wenn man das theoretische Wissen hat, ist es dann noch etwas anderes, das ganze im Alltag umzusetzen.

Ich weiß nicht ob du therapeutisch Betreut wirst/wurdest, aber vielleicht wäre das eine Lösung für den Anfang für euch. Damit er mehr Bewusstsein für dich entwickeln kann, weil er sieht das du Hilfe benötigst indem Moment wo du sie dir holst und ihn mit ins Boot holst.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitrag von Signiert » 12. Mai 2018 14:28

laetitia hat geschrieben:Könnte es sein, dass genau wie du sein ADS nicht nachvollziehen kannst, er deinen Autismus nicht nachvollziehen kann?
Darüber habe ich mich wie gesagt im Laufe der Jahre mehrfach mitgeteilt. In Gesprächen, ausführlichen Gesprächen. Später auch schriftlich zum Nachlesen und anschließend mit ihm darüber gesprochen, weil er meinte er kann sich den Inhalt nicht lange merken.

Ein Problem bei uns ist auch, das mir 1000 Details mehr auffallen im Haushalt, die ich dann auch erledige. Wobei es aus meiner Sicht "normale" Dinge sind, die zum normalen Haushalt führen dazu gehören.
Wie das man gelegentlich den Kühlschrank auswischt, die Abzugshaube mal sauber macht, Spülmaschine und Waschmaschine ab und zu auch sauber machen sollte. Regalböden oder Oberflächen, Schreibtisch mal abwischen, den Mülleimer für Plastikmüll innen sauber machen wenn was ausgelaufen ist. Auch mal unter dem Bett und in der Sofa Ritze saugen, usw.

Er sieht nur offensichtliches, z.B. wenn viel Geschirr im Waschbecken steht und denkt, ich hätte nur die offensichtlichen Dinge zu erledigen im Haushalt. Mir ist bewusst das er es nicht nachempfinden kann wie es bei mir ist, deshalb habe ich mich oft bemüht mit ihm darüber zu reden, und habe ihm auch alles was mir auffällt gezeigt.

Bei ihm ist leider auch ein Problem, während ich mir zu viel merke, (auch vieles unnötiges, noch Infos weiß die jemand vor 3 Jahren gesagt hat) bleibt das bei ihm nicht lange im Gedächtnis. "Aus den Augen aus dem Sinn" so zusagen. Er nimmt deshalb mich extra mit zu Terminen (Arzttermine z.B.) das ich mir merke, was der Arzt zu ihm sagt.
Für ihn ist es vielleicht gut, das ich mit meinen "Besonderheiten" vieles von ihm ausgleichen kann. Dadurch kann ich ihn im Alltag viel unterstützen, mir Dinge merken, organisieren, usw. Dadurch bin ich aber 100% für ihn da, ohne Kapazität das ich mich zumindest noch selbst um meine eigenen Probleme kümmern könnte.

* *

Momentan probiert er Strattera aus, erst 40mg/Tag, jetzt 60mg. Die 40er brachten gar nichts, bei den 60er war es für die ersten 2 Tage der Einnahme super (so das er mir normal vorkam. Er merkte wenn es mir schlecht ging, interessierte sich auch dafür, konnte sich Dinge merken, nahm viel mehr wahr und war auch von der Stimmung normal) aber ab dann wieder als ob er nichts nehmen würde.

Wir haben aber bisher keinen Arzt gefunden, der überhaupt bereit wäre Amphetamin zu verschreiben. Trotz dass der Arzt der AD(H)S Ambulanz wo er diagnostiziert wurde, es als Alternative schriftlich vorgeschlagen hat. Der bisherige Arzt wäre nicht Mal bereit, Bupropion als Alternative zu verschreiben. Er meint, das wäre nur für Depressionen zugelassen und kein Mittel zur Behandlung bei ADS.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitrag von Caesi » 12. Mai 2018 15:53

Das mein Mann sich Dinge nicht merkt das Problem haben wir auch XD Er merkt sich nur was für ihn als wichtig eingestuft wird. Ich vergesse auch einiges, aber mehr so Alltagssachen, die ich erledigen wollte. Gesprächsinhalte behalte ich mir allerdings. Bei ihm ist es umgekehrt. Alltagsdinge die zu erledigen sind behält er sich, Gesprächsinhalte vergisst er oder verdreht sie vollkommen.

Da bei uns er der Autist ist und ich ADS habe, weiß ich nicht ob das nicht einfach ein normales Problem zwischen Mann und Frau ist.

Aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen, das nicht alles leicht zu verstehen ist, oder nachzuvollziehen, was den Autismus oder auch das ADS angeht. Wer es nicht hat, wird sich bei einigen Dingen einfach schwer tun sie nachzuvollziehen und zu verstehen, einfach weil er die Gefühle und das was dahinter steckt nicht aus eigener Erfahrung kennt. das ist keine Böswilligkeit, sondern rein Psychologisch leicht zu erklären mit unserer Wahrnehmung zu der wir fähig sind. Was wir nicht kennen können wir uns nicht vorstellen und entsprechend schwer nachvollziehen. Zudem wir unter der selben Beschreibung oft unterschiedliche Vorstellungen haben. Klassisches Beispiel "Wir treffen uns an der Bank" der eine steht an der Bank, den Finanzinstitut, der nächste an der Bank im Park. Weil ein jeder gerade ein anderes Bild im Kopf hatte, bei der Absprache.

Das es im Haushalt dinge gibt die immer gemacht werden müssen, und Dinge die man nur mal zwischendrin macht, ist normal, hat aber bei jedem eine unterschiedliche Priorität. Meine Idee um ihn da im Boot zu haben, wäre: leg doch Tage in der Woche fest, wo ihr immer abwechselnd verschiedene Aufgaben macht die nicht zum täglichen Haushalt gehören. Jede Woche ein anderer Raum. Weil die aufgaben die du aufzählst muss man nicht jede Woche erledigen, im Schnitt alle 3-4 Wochen reicht vollkommen, jenachdem teilweise sogar weniger. Kommt immer darauf an wie viel Schmutz angefallen ist. Bei uns gibt es den Samstag als allgemeinen Putztag, wo wir uns an solche Dinge machen, gemeinsam alle zusammen, dann geht es auch viel schneller.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitrag von laetitia » 13. Mai 2018 00:47

Hi Signiert

Also ich würde der Sache mit dem Strattera etwas Geduld und Zeit entgegenbringen. Strattera ist, anders als Methylphenidat-Präparate, ein Spiegelmedikament. Das heisst, es entfaltet seine volle Wirkung erst nach ein paar Wochen. Da kannst du nach zwei Tagen noch kein wirkliches Urteil fällen. Wenn dein Mann gut auf Strattera anspricht, sollte das genau so gut wie Amphetamine sein. Wobei ich es schon etwas seltsam finde, dass die Ärzte sich da queer stellen. Hatte er denn mal Drogenprobleme?

Wenn dein Mann nicht ganz nachvollziehen kann, wie es dir geht und was du alles tust etc. könnte es hilfreich sein, das mal mit einem Psychologen zusammen anzuschauen. Auch wenn wir manchmal denken, wir hätten uns klar ausgedrückt, alles gesagt, schriftlich, mündlich etc...ist es trotzdem möglich, dass man aneinander vorbeiredet. Eine Fachperson kann das erkennen und helfen, auf eine weise zu kommunizieren, dass jeder verstanden wird. Gerade bei so ausgeprägten Persönlichkeiten wie bei euch, kann ich mir vorstellen, dass es helfen könnte.

Und ja...wenn es um Ordnung und Sauberkeit geht, da hat halt jeder seine eigene Vorstellung. Mein Ex sagte manchmal Sachen wie: Ja, ich bin auch nicht der ordentlichste. Das brachte mich auf die Palme, weil bei ihm zuhause wirklich alles an seinem Platz ist. Wenn er sagt, er sei nicht der ordentlichste tönt das für mich, als würde die amtierende Miss Schweiz sagen: Ja, ich bin auch nicht die schönste...

Da habe ich nicht den Anspruch an mich, seiner Ordnung nachzustreben. Ich bin zufrieden, wenn nichts auf dem Boden liegt, was dort nicht liegen sollte, das Geschirr sich nicht stapelt in der Küche, es einigermassen sauber ist...aber wenn halt mal Schuhe im Eingang liegen, bisschen Papierkram auf dem Tisch liegt etc. so what. Wäre ich mit meinem Ex zusammengezogen, hätte ich mich schon mühe gegeben, Ordnung zu halten und auch zu putzen, aber ich hätte nicht den Anspruch an mich gehabt, seinem Ordnungsanspruch zu genügen. Da gibt es halt auch einen Mittelweg. Und ich habe einfach auch noch anderes zu tun, als Ritzen im Sofa auszusaugen und so weiter...Regale in der Küche putze ich einmal im Jahr oder so, oder wenns dreckig ist und mir gerade auffällt.

Was für meinen Ex normal ist, ist für mich weit über meinen Ansprüchen...und was für mich normal ist, für ihn wohl halt weit unter seinen Ansprüchen. Da müssten beide einen Kompromiss machen...und nicht bloss derjenige, der halt weniger hohe Ansprüche hat.

Habt ihr denn auch mal darüber gesprochen, was für ihn normal ist und wie er über deine Vorstellung von normal denkt? Vielleicht überfordert ihn dein Anspruch auch, so dass er es gar nicht erst versucht. Bei meinem Ex würde es mir so gehen...wenn er Bemerkungen machte darüber, wie er immer gleich alles wegräumen würde, hat das bei mir nur bewirkt, dass ich die Sachen erst recht nicht wegräumte. Also bei mir zuhause.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitrag von Signiert » 5. Juni 2018 11:15

Vielleicht bringen ein paar Beispiele etwas.

Filter-Fach vom Trockner:
https://picload.org/view/doiglpri/p1080033.jpg.html

Waschmittel-Fach der Waschmaschine:
https://picload.org/view/doiglprw/p1080047.jpg.html
https://picload.org/view/doiglpdr/p1080057.jpg.html

Rand von der Tuschtür:
https://picload.org/view/doiglpda/p1080122.jpg.html
https://picload.org/view/doiglpdl/p1080125.jpg.html

Abfluss der Dusche:
https://picload.org/view/doiglpdi/p1080130.jpg.html

Bei aller Nachsicht, solche Szenarien KANN ich nicht ignorieren. Das finde ich eklig und unhygienisch, gerade was die Waschmaschine und Dusche betrifft. Wenn ich das sehe kann ich nicht warten, bis es ihm vielleicht irgendwann selbst auffällt. Für mich hat DAS auch nichts mit "jeder hat eigene Vorstellungen von Sauberkeit" zu tun. Mir bleibt da nur gezwunger Maßen übrig es selbst sauber zu machen, weil ich SO nicht wohnen kann. Bilder vom Klo, oder auch der Spülmaschine kann ich gerade nicht liefern.

Tiefkühler und Kühlschrank:
https://picload.org/view/doiglwgl/p1080136.jpg.html
https://picload.org/view/doiglwgi/p1080138.jpg.html

Das im Tiefkühler war ihm schon 3x selbst aufgefallen. Letzens z.B. nach dem Einkaufen, weil er seine Pizza nicht in das dreckige Fach legen wollte. Es bleibt dann aber so lange dreckig, bis ich es zwangsläufig sauber mache. Im Kühlschrank und Tiefkühler werden Lebensmittel aufbewahrt, das sollte dort SO mit Sicherheit nicht aussehen. Und da finde ich mich auch nicht übertrieben pingelig wenn ich so etwas kritisiere.
Ich mache jedes Mal vorher ein Foto bevor ich es letztlich sauber mache, um ihm zu zeigen wie es aussieht. Nicht als Vorwurf, sondern um ihn darauf aufmerksam zu machen wenn ihm solche Stellen möglicher Weise nicht auffallen.

Es scheint bei ihm aber nicht anzukommen, keine Ahnung warum. Das sind dann die Momente, wo ich mir nicht sicher bin, ob DAS noch mit ADS zu erklären ist. Auch mit ADS wird man doch das Bedürfnis haben, in einem sauberen Haushalt leben zu wollen. Ich bin fast permanent damit beschäftigt, hier alles sauber zu halten aber ich bin weder seine Mutter, noch seine Putzfrau. Wir wohnen beide hier und wir machen beide Dreck.
Wenn wir die Aufgaben aufteilen, so das beide einverstanden sind, erledigt er seine Aufgaben auch nur nach dem Minimalprinzip. Mit möglichst wenig Aufwand nur so oberflächlich, das es auf den ersten Blick erledigt aussieht.

Stattdessen verbringt er seine Zeit damit, Serien anzugucken oder Computer zu spielen, etc. Da er nicht darauf achtet was er an Unordnung/Dreck hinterlässt, kann ich bis zum nächsten Tag in einem anderen Raum wieder von Neuem mit sauber machen anfangen.

Ich weiß dann letztlich nicht, bzw. ich kann es nicht einschätzen, ob das "mangelnde Interesse für Sauberkeit" (beim Klo, wovon ich anfangs erzählte ist es das selbe Thema) mit seinem ADS zu tun hat, im Sinne das es ihm nicht auffällt? Aber auch dann, wenn er darauf aufmerksam gemacht wird, ODER er es sogar selbst bemerkt wie im Tiefkühler, passiert nichts.
Es gibt es einerseits das "Aus den Augen, aus dem Sinn" er hätte den Tiefkühler dann vergessen. Sowie das von euch schon genannte, das man sich dann angewöhnen sollte Dinge sofort zu erledigen um sie nicht zu vergessen. Andererseits fehlt mir bei ihm trotz allem die Bemühung. Ich gebe zu das er nur warten braucht bis ich es sauber mache, aber so eine Einstellung sollte in einer Partnerschaft, nach meinem Empfinden, nicht sein.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitrag von Signiert » 5. Juni 2018 12:10

Heute war es zum Beispiel so, das er Müsli gefrühstückt hat. Packung leer gemacht, auf dem Esstisch liegen gelassen. Das mag als Kleinigkeit rüber kommen, aber es summiert sich eben zu vielen weiteren Situationen dazu. An einem guten Tag schafft er es, die leere Klorolle im Halter gegen eine neue zu tauschen. Oftmals bleibt die leere Klorolle einfach im Halter und die neue wird dann irgendwo abgestellt wenn er fertig ist.

Sein Geschirr vom Abendessen steht mit Essensresten im Spülbecken, obwohl 1m weiter die Spülmaschine wäre. Als ich es einräumen wollte, damit keine Fliegen dran sitzen, hab ich gesehen warum er es nicht einräumte. Weil die Spülmaschine noch nicht ausgeräumt war. Entweder hat er erst gar nicht in die Spülmaschine geguckt und den Teller einfach so nicht eingeräumt. Oder er hat die volle Spülmaschine gesehen und sich dagegen entschieden, sie auszuräumen.

Ich weiß oft nicht, was ich von ihm erwarten kann. Einerseits will ich ihm nichts unterstellen, wenn er da nichts dafür könnte. Andererseits fällt es mir schwer mir vorzustellen, das ADS so sehr behindert, das man nicht Mal fähig wäre die leere Müslipackung in den Müll zu machen, oder eine neue Klorolle in die Halterung zu machen. Auch wenn es Stellenweise Kleinigkeiten sind, wie z.B. die Müslipackung, bin ich es auch irgendwann leid ihm jede Kleinigkeit hinterher zu räumen.

Wenn sich niemand freiwilliges findet der die Wäsche abhängt, würde er in den Keller gehen, sich das abhängen was er braucht und den Rest hängen lassen.
Das Fach der Waschmaschine schimmelt deshalb, weil er die fertige halbnasse Wäsche in der Maschine lässt. Ich muss ihm bei allem hinterher sein und nachgucken. Er hat auch einen Wecker, der ihn an Dinge erinnert. Den macht er dann aus wenn er klingelt und vergisst die jeweilige Erledigung trotzdem.

Nach fast 4 Jahren denke ich auch nicht, das es ihm hilft wenn er noch mehr Zeit bekäme um zu lernen selbstständig zu werden. Für mich fühlt es sich auch nicht nach einer Partnerschaft an, sondern ich in der Mutterolle mit einem ca. 15-jährigen pubertierenden "null Bock" Teenager.

*

Bei der minimal Dosis vom Strattera mit 40 mg/Tag fand ich, das es ihn positiv entspannt hat, gelassener gemacht. Ab Erhöhung auf 60/Tag hat sich aus meiner Sicht nur die Entspanntheit erhöht, so das er oft sehr müde war und nachmittags einschlief vor Müdigkeit. Bei den 40er fand ich, das sich seine Aufmerksamkeit minimal gebessert hatte, aber zu den 60er war mir keine Steigerung der Aufmerksamkeit aufgefallen. Die jeweilige Dosis hatte er 4 Wochen lang genommen, jetzt hat er noch ein 80er Rezept bekommen.
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitrag von Signiert » 5. Juni 2018 12:34

Mittlerweile denke ich auch darüber nach, das ihr evtl. damit Recht haben könntet, das wir vielleicht einfach nicht zusammen passen. Gar nicht Mal wegen den Diagnosen, sondern von den Ansichten.
Auch wenn man z.B. ADS hat, sollte es doch in einer Partnerschaft so sein, das sich der Partner zumindest trotzdem bemüht. Das die Wünsche und Bedürfnisse des Partners/-in für einen Motivation genug sind, um sich selbst Möglichkeiten auszudenken, oder andernfalls zumindest um sich selbst Unterstützung bzgl. dem ADS zu holen. Ich kann nur von mir selbst sprechen, aber wenn mir jemand etwas bedeutet, ist es mir wichtig, das es der Person gut geht.

Als ich mal für 5 Tage alleine in der Wohnung war, hatte ich ab dem 2. Tag zu Hause Langeweile verspürt. Ich hatte alles ordentlich gemacht und es blieb dann die restlichen Tage so.
Kann es sein das er womöglich nie in der Lage sein könnte selbstständig zu wohnen?
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitrag von laetitia » 5. Juni 2018 13:56

Nja...ich zeig dir lieber keine Bilder von meinem Klo und Kühlschrank. Zwar habe ich vor, die bald mal wieder richtig sauber zu machen, aber im Moment sind andre Prioritäten. Wenn meine Prüfungen vorbei sind dann wieder. Aber ohne Medis schaffte ich es auch in stressfreien Zeiten nicht, regelmässig und gründlich sauber zu machen.

Hab jetzt nicht alles gelesen, weil ich eben in der Prüfungsphase bin und nur kurz reinschaute hier.

Ich würde mal sagen, ihr habt unterschiedliche Bedürfnisse und Ansichten, was die Sauberkeit und Ordnung betrifft. Was genau normal ist und was nicht, spielt nicht so eine Rolle. Wenn weder er noch du bereit sind, einen Schritt aufeinander zuzugehen und dem anderen entgegenzukommen (er, in dem er sich ein bisschen an der Nase nimmt und du, indem du deinen Anspruch ein wenig runterschraubst), werdet ihr eine andere Lösung finden müssen. Entweder eine Putzkraft engagieren oder separate Wohnungen...
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Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitrag von Falschparker » 5. Juni 2018 19:02

Was ist das denn?

Du machst Fotos von Dingen, die dein Mann unaufgeräumt hinterlassen hat, und stellst sie ins Internet? :-o :shock:

Sicher ist Schlampigkeit sehr schlimm, aber so ein Vertrauensbruch?
Mittlerweile denke ich auch darüber nach, das ihr evtl. damit Recht haben könntet, das wir vielleicht einfach nicht zusammen passen. Gar nicht Mal wegen den Diagnosen, sondern von den Ansichten.
Eine gewisse Sauberkeit kann man schon verlangen, finde ich, da hast du durchaus recht. Aber warum schafft ihr euch nicht, anstatt euch zu streiten, eine Haushälterin an? Das muss nicht teuer sein, fangt doch mit 2 Stunden pro Woche an, das kann euch (und vor allem eure Beziehung!) schon sehr entlasten.
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