Adhs (und Computersucht(?))

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olli-.-
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Adhs (und Computersucht(?))

Beitragvon olli-.- » 17. Januar 2018 15:34

Schönen Tag allerseits,
Ich habe auch einen etwas längeren Weg hinter mir, 33 Jahre alt Depressionen und Computersucht diagnostiziert, bin zwischenzeitlich schon öfter an ADHS gestoßen hatte mich aber nur oberflächlich damit beschäftigt bis Oktober letzten Jahres.
Weil soviel nicht stimmt, ich irgentwie so gut wie nichts was ich anfange zuende bringe oder gar vorgenommenes anfangen kann und meine vergesslichkeit und mein Antrieb wieder dramatisch werden habe ich wieder recherchiert und bin wieder dem ADHS übern Weg gelaufen.
Es trifft so viel zu, für mich fast unglaublich viel. (habe mich da über monate doch schon reingesteigert mit online recherche..)
Bin daraufhin auch wieder zu meiner Psychaterin gegangen und habe mir addressen geben lassen, nen Termin gemacht. Als das vorgespräch näher gerückt war wurde ich immer nervöser, was wenn man dir nicht glaubt etc... Auch so warn die wochen sehr nervös und unausgeschlafen, die nacht vor dem Termin konnte ich auch gar nicht schlafen.
Ich habe das Gefühl das erste Gespräch lief nicht besonders denn als ich gefragt wurde warum ich ADHS habe konnte ich nur sehr bruchstückig und so Antworten. Im nachhinein etwas wie ein Blackout... Auch denke ich kam nicht so gut an das die Initiative von mir aus kam durch "googledoc" wie er zwischenzeitlich sagte.
Ich hätte mir wohl eine liste vorbereiten sollen? oder was meint ihr? Aber was genau soll man sagen?
Ich will jetzt keine beschreibung wie "sag dies und das und man bescheinigt dir adhs", sondern irgentwie trete ich auf dem schlauch wenn ichs erklären will.
Am ehesten könnte ichs erklären wenn ich eine Ausführliche beschreibung zu ADHS nehme als Textvorlage und jeden Punkt wo ich mich wiederkenne erkläre, vielleicht mit Beispielen, wo ich mich da sehe..

Ansonsten und da sind wir jetzt wieder zurück zur Überschrift, hat er im grunde gleich eher ausgeschlossen mph zu verschreiben da ich eine sucht habe (Computersucht) und da dann das Risiko für Missbrauch groß wäre. Ich habe nie Drogen genommen weder gekifft noch trinke ich regelmäßig oder überhaupt viel. Da habe ich die Angst dass mir da eine Chance verbaut wird...
Er hatte 3 medikamente genannt:
Venlafaxin- Hatte ich bereits (nachdem ich vorher Citalopram nahm das eigentlich gar nichts machte) - es wirkte ein wenig:
es half das ewige ausschweifende gedankenkreisen einzudämmen machte aber auch irgentwie träge. Das absetzen war echt eklig. Und ich habe auch nun etwas mehr über Nebenwirkungen zur Potenzkram (muss hier mal raus).

Strattera bzw wie auch immer die Stoffbezeichnung dazu ist. Ich habe da in Foren gelesen weiß aber auch noch nicht recht ob es richtig ist damit anzufangen. Dafür sprechen würde ,wenns denn wirkt, das es wohl strukturierter wäre und vergessen der einnahme nicht sofort kritisch wäre- (was bei mir schon mit Antidepressiva häufig ein Problem war und auch dazu führte das ich venlafaxin nicht ausgeschlichen hatte, ich habe ständig vergessen ob ich die Tabletten schon genommen hatte oder nicht, und meine Systeme haben nicht funktioniert). Anderseits muss es auch erstmal über Wochen einwirken, dass erschreckt mich ziemlich da ich auch angst habe dass ich auf der Arbeit ernsthafte Probleme bekomme, so wie ich im moment "Funktioniere".

Mph -Mediknet. wäre also nur die dritte Möglichkeit nach meiner Recherche sowas wie der Heilige Gral für ADHS, wahrscheinlich glorifiziere ich zu sehr (bestimmt sogar), aber es ist auch das am längsten getestete Medikament mit relativ wenigen Nebenwirkungen. Außerdem muss wirkt es ja wesentlich schneller, keine einwirkphase. Dafür gibt es wohl eher Rebounds etc.

Eigentlich sollte ich mich natürlich erstmal um die Diagnose kümmern als über die Medikamente, aber "EIGENTLICH", ich kann manche Gedanken nicht einfach abstellen und ich springe immer wieder zu solchen Sachen.

Ich bin mir auch wieder sehr unsicher ob dieser Text hier Sinn ergibt. Aber ich muss mal auch sowas loswerden sonst lösche ich alles und nichts passiert. Außerdem ist natürlich wieder alles auf dem letzten Drücker.. die eigentliche 3 Stündige Diagnostik ist übermorgen und ich habe noch nicht einmal nach den Zeugnissen geschaut, habe auch große Angst diese nicht zu finden...

Wenn jemand Anregungen hat, bitte her damit. Kommt mir im Moment so vor als ob ich mir auch hier selbst im Weg stehe.

Vielleicht ergänze ich später noch etwas.

(ergänzung nach nicht mal 5 min?) Ich habe auch nichts gegen eine Therapie hatte ja auch schon einige die letzte habe ich irgentwann wegen Überschneidungen mit der Arbeit aufgegeben, bzw aus Scham dass ich mich nicht gemeldet hatte etc. (andere Baustelle).
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Re: Adhs (und Computersucht(?))

Beitragvon Signiert » 18. Januar 2018 15:22

Hallo Olli, herzlich willkommen hier.

Ich finde nicht das eine Liste nötig gewesen wäre. Die Frage warum du meinst das du ADHS haben könntest finde ich normal und ich finde es auch gar nicht schlimm, wenn man darauf keine perfekte Antwort abliefern kann. Der Arzt wird auch das, wie du darauf geantwortet hast (bruchstückig) als Einschätzung über deine Probleme und als Beurteilung deines Verhaltens mit nutzen.

Wenn dir nachträglich noch Infos eingefallen sind die dir für die Diagnostik wichtig wären, kannst du das vielleicht dem Arzt noch per E-Mail mitteilen.

Nach den theoretischen Beschreibungen der Medikamente kann man sich nicht immer eindeutig orientieren. Bei meinem Mann half Medikinet kaum bis gar nicht, auch nicht bis zur Tages-Höchstdosis. Wichtig ist das du etwas findest das dir hilft und mit dem du zurecht kommst.
Du hast schon Recht, es macht ohne Diagnose keinen Sinn sich über die Medikamente Gedanken zu machen. Nach Erhalt einer ADHS Diagnose sollte dir dann auch der behandelnde Arzt dabei helfen ein für dich passendes Medikament zu finden und dich von der Dosierung gut einzustellen.
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Re: Adhs (und Computersucht(?))

Beitragvon larigyo » 18. Januar 2018 21:44

Hallo;
Die Art, wie du schreibst klingt das schon recht nach ADHS ;) .

Mit Medikamenten kenn ich mich ned so aus, nehme ich nicht (obwohl ich da immer wieder hin- und her gerissen bin) (oder vielleicht noch mehr meine Frau, falls ich gerade recht anstrengend bin ;) )

Mit computer(spielen) habe ich auch ein recht ambivalentes VERhältnis:
Einerseits ist das eines der Dinge, wo ich wirklich runterkomme, und die mir keinerlei giestige "Arbeit" abverlangen.
Andererseits steegere ich mich auch leicht mal rein, so dass ich kein ende mehr finde. Als ich jünger war konnte das dann schon mal ein paar Tage mit kurzen Schlafpausen anhalten; heute spiele ich (selten) mal bis halb drei nachts bevor ich den "Stop-Knopf" finde.
Der Stop-knopf ist bei mir meist meine Familie, weil die mir ja wichtig ist, und ich für die da sein will und nicht total fertig sein will am Morgen.
Früher habe ich mich öfter mit Meditieren aus allem möglichen raus geholt; da kann man so richtig schön in sein Leiden rein gehen ;-).

Vielleicht gehts Dir da ähnlich?!?
Mich würde auch interessieren, wie Andere hier mit Ihrem Drang zum daddeln umgehen, sofern das öfter vorkommt, was ich mir gut vorstellen könnte?!?

Mittlerweile ist das mit dem daddeln nicht mehr so schlimm, weil ich mit meiner Familie etc. einen wichtigen GEgenpol habe.

Ich habe auch wie du immer mal wieder depressive Anwandlungen, wobei das vorübergeht, also keine "richtige" deppression ist.

Ach ja:schreib doch für den Arzt mal einen "Lebenslauf", inkl. früher Kindheitsgeschichten. Dafür musst du vielleicht deine Eltern o.ä. mal fragen, das kann auch recht aufschlussreich für einen Arzt sein und lässt sich recht leicht bewerkstelligen. Suche doch auch mal alte Zeugnisse und die Bemerkungen raus. Falls Du ADHS hast lassen sich da drin auch aft recht deutliche hinweise finden.
ICh sollte das damals für meinen Arzt machen, und das allein hat dann schon ein ziemlich deutliches Bild ergeben.
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Re: Adhs (und Computersucht(?))

Beitragvon olli-.- » 19. Januar 2018 10:15

Sitze gerade noch im wartetaum. Habe mir die falsche zeit eingetragen. Eine halbe stunde zu spät. Jetzt verliere ich noch weitere 6 wochen. Es tut einfach weh durch solch dumme Fehler wieder zurückgeworfen zu werden.

Das mit dem runterkommen am pc ist bei mir auf jeden fall auch so. Hätte meine krisen wohl auch kaum anders bewältigen können.

Wollte eigentlich nach dem Termin zur arbeit.. das schaffe ich grad nicht. Alles dämlich...
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Re: Adhs (und Computersucht(?))

Beitragvon larigyo » 19. Januar 2018 11:16

Oh, ja, das ist ärgerlich, vorallem wenns immer wieder passiert.
Aber versuch wenns geht trotzdem nicht allzu deprimiert zu sein.
Falls du Adhs hast ist das ein Ausdruck deiner Art zu sein, und dass du nicht anders kannst, als immer mal wieder Termine zu verschwitzen.

Ich bin jetzt gerade unterwegs zum Bäcker gewesen und habe natürlich meine wiederverwertbare Kaffeetasse vwrgessen, die ich mir so schön bereit gestellt hatte...

Hast du vielleicht eine nahestehende person, die dir bei wichtigen Terminen helfen kann?

Bei mir checkt z.b. bei wichtigen Sachen meine Frau gegen, ob ich alles richtig ein getragen habe.

Vielleicht kannst du die 6 Wochen ja nochmal irgendwie gut nutzen?
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Re: Adhs (und Computersucht(?))

Beitragvon Agatha » 19. Januar 2018 12:55

In seinem Buch "Driven to Distraction", Dr. Hallowell schreibt "Von den Menschen, die aufgrund ADHS zu mir kommen, ungefähr die Hälfte ist beim ersten Termin zu Spät, oder verpasst den Termin vollständig. Ich habe gelernt, es zu erwarten."

Ich warte auch auf meinem Termin. Ich bin 34, und bin auf das Thema gestoßen, weil bei meinem Sohn ebenso ADHS vermutet wird. Seitdem habe ich ein bisschen obsessiv Artikeln, Bücher und Forschungsberichte gelesen.

Der Arzt sagt, dass du kein Medikinet wegen Suchtrisiko haben darfst: Methylphenidat wird leider als Betäubungsmittel klassifiziert. Da sind Ärzte extra vorsichtig. Die Forschung zeigt allerdings, dass bei Menschen mit ADHS die Behandlung mit Methylphenidat das Suchtrisiko reduziert! Wenn du eine Diagnose hast, und falls du mit der Behandlung unglücklich bist, kannst du vielleicht einen Arzt suchen, der auf ADHS spezialisiert ist und sich mehr auskennt. Aber sprich während der Diagnose erstmal nicht weiter über Medikamente. Wenn der Arzt den Eindruck bekommt, du bist hier nur um legal an Drogen ranzukommen, wird er sehr schlecht reagieren. Und Psychiater haben leider oft mit solchen Verhalten zu tun.

https://www.additudemag.com/children-on ... use-drugs/
https://www.additudemag.com/adhd-medica ... -drug-use/

Persönlich habe ich für mein Gespräch mit dem Psychiater eine Liste vorbereitet. Unter solche Voraussetzungen bin ich immer sehr gestresst. Dazu kommt, dass manche Ärzte ein bisschen aggressiv in der Gesprächsführung sind: sie unterbrechen häufig, lassen nicht zu Ende reden. Da vergesse ich schnell, was ich sagen wollte. Also habe ich meine wichtigste Probleme aufgeschrieben, und sortiert unter Schule, Arbeit und Privatleben. Das muss man natürlich nicht tun, aber wenn es dir hilft, mach das. Der Arzt kann es schnell überfliegen und dazu seine Fragen stellen.

Meine Zeugnisse werde ich nicht mitbringen. Wenn es sie noch gibt, sind sie irgendwo in einem Karton im Keller bei meinen Eltern, 2000 km von hier... Dafür habe ich so spezifisch wie möglich erklärt, welche Schwierigkeiten ich schon im Kindesalter hatte. Hoffentlich reicht das.
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Re: Adhs (und Computersucht(?))

Beitragvon Murmel » 19. Januar 2018 13:56

olli-.- hat geschrieben:Sitze gerade noch im wartetaum. Habe mir die falsche zeit eingetragen. Eine halbe stunde zu spät. Jetzt verliere ich noch weitere 6 wochen. Es tut einfach weh durch solch dumme Fehler wieder zurückgeworfen zu werden.

Das mit dem runterkommen am pc ist bei mir auf jeden fall auch so. Hätte meine krisen wohl auch kaum anders bewältigen können.


Das ist natürlich sehr ärgerlich. Vielleicht trägst du in Zukunft solche Termin einfach eine halbe Stunde früher ein, so hast du
noch einen Puffer. So mache ich es immer, weil ich mich ja schon gut kenne und meistens viel zu spät mich auf den Weg
zum Termin. mache.

LG Murmel
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Re: Adhs (und Computersucht(?))

Beitragvon larigyo » 19. Januar 2018 14:00

Ich fands für mich persönlich dann auch recht Aufschlussreich mich so intensiv (und eben z.t. auch belegbar ) mit meiner Vergangenheit zu beschäftigen. Z.b. Habe ich erst durch Gespräche mit meiner Mutter erfahren, dass ich einmal den Kindergarten wechseln musste, weil die mich nicht "handeln " konnten, oder dass ich als baby zeitungsrascheln nicht ertragen habe .
Und auch die meine Zeugnisse aus diesem Blickwinkel zu lesen fand ich sehr interessant.
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Re: Adhs (und Computersucht(?))

Beitragvon olli-.- » 23. Januar 2018 11:00

Die Zeugnisse habe ich gefunden. Zumindest einen Teil davon. Nichts aus der Grundschule, sind wohl irgendeiner Aufräumaktion meiner Eltern zum Opfer gefallen.... Wären die Sachen bei mir gelegen, wäre es wahrscheinlich noch schlimmer.
Jedenfalls in den Köpfen der Zeugnisse steht ausnahmslos immer wieder das Selbe. Unkonzentriert und Abgelenkt... Entweder warn die Lehrer zu faul sich was auszudenken oder es ist wirklich sehr offensichtlich was dahinter..
Dazu erzählen kann ich auch, dass ich eigentlich immer Probleme mit Notenabzügen durch Rechtschreibung bekommen habe, Flüchtigkeitsfehler, ich wußte eigentlich fast immer wie es sein muss. (ist auch bitter gewesen regelmäßig in fächern wie Mathe eine Note abgestuft zu werden wegen Rechtschreibfehlern...)

Hilft mir ja auch nicht sehr da ich noch 5 1/2 wochen warten muss.. Yuhuu..
Die ersten Monate waren schon schlimm. Die Wartezeit in der Schwebe ist nicht gut für mich, ich schaukle mich da oft hoch. Analysiere mich und schiebe Dinge dem ADS zu, dass führt schon dazu das es im Kopf schon als ausrede benutzt wird.
Macht mir alles sehr zu schaffen, wenn ich mal nicht aus den Gedanken reiße...

Ich weiß nicht ob eine Therapie so schnell was ändern würde aber meine Desorganisation und fehlende Anleitung (ich werde zu sehr allein gelassen damit) wird sich bald bemerkbar machen. Es sei denn ich krieg natürlich alles wenns kritisch wird ratz fatz hin...
Ich muss eine Dokumentation zu einem technischen Projekt Anfertigen. Eine ziemlich genaue Fleißarbeit. Etwas was mir schon so überhaupt nicht liegt. So ein Fall wo ich nicht weiß wo ich anfangen soll und dann selbst blockiert bin.
Dann habe ich noch den Rechner wo keiner was mitbekommt und ich mich natürlich im Internet ablenke.
Gibt natürlich auch die Probleme mit der Ordnung zuhause. Bei mir ist das Aufräumen schon eher ein Projekt über Wochen...
Und über soziales möchte ich noch nicht Schreiben.

Wo kann man Anfangen um diese Verplantheit anzugehen? Ohne Medis, dauert halt noch.
Einen Planer führen habe ich bisher nie geschafft, habs öfter probiert, meist eine stattliche TODO liste geschrieben und aus Frustration dann nie wieder draufgeschaut da dann halt höchstens mal was aus Zufall davon gestrichen werden konnte.
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Re: Adhs (und Computersucht(?))

Beitragvon Falschparker » 23. Januar 2018 21:36

Mach dir mal keine Gedanken, dass du hättest dir eine Liste zurechtlegen müssen. Ein erfahrener Arzt stellt die richtigen Fragen. Es kann sein dass du an einen der "ADHS-Verhinderer" geraten bist. Darauf lässt beispielsweise die etwas seltsame Erklärung, warum du keine Medikamente bekommen sollst, schließen.

Sowas habe ich nämlich noch nie gehört. Eine stoffgebundene Sucht, ja, die wäre ein Grund. Aber Computersucht? Im Gegenteil, die würdest du mit medikamentöser Unterstützung doch eher überwinden können als ohne? :shock:

Also lass dich nicht erschüttern und nimm das was der Arzt sagt nicht als Evangelium. Also wenn du eine ADHS-Diagnose bekommst, aber keine Medis, wärest du wenigstens einen Schritt weiter. Mit dieser Diagnose auf Papier kannst du ja zu einem anderen Arzt gehen, der das mit den Medis anders sieht. Kann natürlich aber auch sein, dass der Arzt dir in ein paar Monaten doch noch Medis verschreibt, sobald er dich besser kennt.

Und wenn du keine ADHS-Diagnose kriegst, würde ich auch woanders hingehen. Damit sage ich nicht, dass ich sicher bin, dass du ADHS hast, das kann ich ja nicht einschätzen. Aber ich würde mir die Begründung dafür genau ansehen und ob sie plausibel ist.

Viele Grüße
Falschparker
larigyo
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Re: Adhs (und Computersucht(?))

Beitragvon larigyo » 24. Januar 2018 09:55

ToDo - listen finde ich eine schwierige Sache.

Zumindest wenn man es als "To Do" ansieht!
Bei mir zumindest erzeugt das einen Druck, der erstens dazu fürhrt, dass ich noch mehr vergesse und zweitens fühlt man sich nur schlechter.

Ich mache jedoch auch so etwas, sehe es jedoch eher als Erinnerung an Sachen, die ich machen möchte.

Gerade wenn ich nicht gut drauf bin und rumhänge (also Zeit hätte), fallen mir oft schlicht und einfach die Sachen nicht mehr ein, die ich eigentlich erledigen möchte.

Wie gesagt, ich betrachte die Liste als Erinnerung und nicht als VErpflichtung etwas zu tun.

Ich habe z.B. so ein smartphone mit integriertem Stift, da schreibe ich mir die Sachen auf einen elektronischen Notizzettel.
So sieht das dann aus (siehe Anhang).

Hast du denn Möglichkeiten an INformationen zu Deiner Vor-schul-Zeit (also von GEburt bis Schule zu kommen?
WEnn Du AD(H)Sler bist müsste sich das schon (oder gerade) da bereits in Deinem VErhalten auf irgendeine Weise abbilden.

Ich würde erstmal gar nicht so sehr auf MEdikamente hoffen und allzu viel drauf bauen; Vielleicht verträgst Du sie ja gar nicht, oder es dauert lange bis man das richtige findet?

Jetzt mal unabhängig von ADHS: Auch ohne ADHS ist man immer der Mensch der man ist und kann nur in sehr begrenztem Maß aus seiner Haut raus. Vielleicht machts das ein bisschen einfacher, wenn man es sich von Zeit zu Zeit vor Augen führt. Das beste an Therapien fand ich eigentlich so angenommen zu werden wie ich bin.
Ich weiss nicht wie es anderen da geht: Man bleibt ja trotzdem der Mensch der man ist, d.h. VErhaltensweiseen lassen sich nur in einem gewissen Rahmen ändern; ADHSler bleibt trotzdem ADHSler, die Haupthilfe finde ich liegt daran zu lernen sich selbst auch mit den "Schwächen" möglichst gut an zu nehmen.
Es liegt halt viel an unserer Zeit, wo die Stärken der ADHSler nicht sehr von BEdeutung sind. (Wenn wir vor 10000 Jahren leben würden sähe es vielleicht ganz anders aus?!?).

Ansonsten schließe ich meinem Vorredner an: GEhe im Zweifelsfall noch zu einem anderen Arzt, falls Dir so vorkommt, er sei nicht kompetent um ADHS zu diagnostizieren. Irgendwo gabs mal im Netz eine Liste, wo ADHS-Ärzte (spezielle auch "ADHS im ERwachsenenalter) aufgeführt waren. Ich weiss nicht, obs die noch irgendwo gibt'
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Agatha
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Re: Adhs (und Computersucht(?))

Beitragvon Agatha » 28. Januar 2018 22:37

olli-.- hat geschrieben:Ich muss eine Dokumentation zu einem technischen Projekt Anfertigen. Eine ziemlich genaue Fleißarbeit. Etwas was mir schon so überhaupt nicht liegt. So ein Fall wo ich nicht weiß wo ich anfangen soll und dann selbst blockiert bin.
Dann habe ich noch den Rechner wo keiner was mitbekommt und ich mich natürlich im Internet ablenke.
Gibt natürlich auch die Probleme mit der Ordnung zuhause. Bei mir ist das Aufräumen schon eher ein Projekt über Wochen...
Und über soziales möchte ich noch nicht Schreiben.

Wo kann man Anfangen um diese Verplantheit anzugehen? Ohne Medis, dauert halt noch.
Einen Planer führen habe ich bisher nie geschafft, habs öfter probiert, meist eine stattliche TODO liste geschrieben und aus Frustration dann nie wieder draufgeschaut da dann halt höchstens mal was aus Zufall davon gestrichen werden konnte.


Ich erkenne mich sehr in deine Probleme wieder.

Was ich tue beim "Wo soll ich anfangen" Problem: ich versuche die große Aufgabe in kleine Aufgaben zu zerstückeln, bis ich etwas finde, was ich machen kann: eine Mail schreiben, eine Frage an XY stellen, die aktuelle Wordvorlage finden. Irgendwas, was klein und machbar ist. Viele kleine Schritte sind deutlich einfacher zu begreifen.

Die TODO-Liste Problematik: Schreib eine Liste, auf die nur fünf Sachen stehen. Wenn man immer zu Spät ist, hat man einen Riesenberg an Sachen die alle irgendwie wichtig sind, und die man hätte letzten Monat machen sollen. Hilft nix, den ganzen Berg auf Papier zu bringen. Das schafft man ohnehin nicht, es stresst total, und wo soll man da überhaupt anfangen? Fünf ToDos für den Tag, punkt. Danach shmeißt du die Liste weg, getan oder nicht getan. Morgen früh machst du eine neue Liste. Mit fünf Dinge drauf.

Die Angst, eine andere Aufgabe zu vergessen, kann dabei ablenken, also kann man auch zwei Listen schreiben: die Große Liste, und die kleine Liste. Die Große Liste ist nur da, um etwas darauf zu schreiben und wieder in einer Schublade zu verschwinden. Es ist geschrieben, man muss für den Moment nicht mehr daran denken. Nur die kleine Liste zählt.

Die Internet-Ablenkung:
- Ich nutze die Pomodoro Technik. Man stellt ein Timer auf 25mn und arbeitet so lange. Dann stellt man ein Timer auf 5mn für eine kleine Pause. Dann wieder 25mn Arbeit. Es gibt jede Menge Apps, die es sehr einfach machen. Der Timer hilft mir, fokussiert zu bleiben. Beim Drang, Facebook zu öffnen, schaue ich auf mein Timer und denke "gleich, nur noch 12 Minuten".
- Ich höre Musik, wenn ich arbeite, vor allem bei Fleißaufgaben. Ich nutze die App "Study Music", aber es gibt da auch jede Menge andere. "White noise" wie Regen oder andere Hintergrundsgeräusche helfen mir auch, den Internet-Drang zu reduzieren.
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Re: Adhs (und Computersucht(?))

Beitragvon Sternchen81 » 8. Februar 2018 04:29

Ich kann das leider nicht nachvollziehen. Selbst wenn mich Dinge sehr interessieren oder mir Spaß machen, wird mir nach einer "exzessiven" Phase plötzlich langweilig und ich verliere gänzlich das Interesse. Ganz egal ob es sich um Sport, Spiele aller Art, kochen, "Substanzgebrauch" oder was auch immer handelt. Ich kann mir NICHTS vorstellen, dass mich über Jahre begeistern könnte.

Ich kann allerdings meinen Alltag sehr gut strukturieren, vielleicht hilft dir das:
Zuerst teile ich alles in "MUSS erledigt werden da unangenehme Konsequenzen" (zB Rechnungen zahlen, Steuererklärung machen, Unterlagen vor Fristablauf versenden, etc) und "KANN erledigt werden, hat aber Zeit" (zB neue Jeans kaufen, Masterarbeit schreiben, Buch lesen, Film ansehen, etc).
Dann unterteile ich die "MUSS" Dinge in kleine Portionen, ich nenne es Nah- und Fernziele. ZB
1. Steuerprogramm bestellen und installieren (easy)
2. Belege für Steuer zusammensuchen (dauert, aber kein Hexenwerk)
3. Belege sortieren (schön viele Stapel anlegen)

Wenn ich es bis hierhin geschafft habe, habe ich eine Art Erfolgsgefühl und Motivation für

4. Daten eingeben (habe ja schon meine Stapel)
5. Ausdrucken, absenden und gut ist.

Wenn ich mit 4 und 5 nicht gut voran komme, denke ich an 1-3 und freue mich über den Teilerfolg und fühle mich nicht wie ein Versager. Die Schritte können dabei Stunden, Tage oder ganze Wochen in Anspruch nehmen. Ist mir aber egal, ich bin schließlich keine Maschine.

Steuer ist nur ein Beispiel (und wohl jedem ein Graus), das Vorgehen funktioniert hervorragend für andere Dinge. Denn Enttäuschung beginnt mit Erwartungen, daher nicht zu viel vornehmen und in Teilschritten denken.

Für KANN-Dinge setze ich mich nur noch selten unter Druck. Wenn es keinen Zwang gibt sie zu erledigen, dann gibt es auch keinen Misserfolg oder Stress wenn sie unerledigt bleiben.
Life is a bitch and then we die.
Symmetrie
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Re: Adhs (und Computersucht(?))

Beitragvon Symmetrie » 8. Februar 2018 09:10

Für Hausarbeiten wie Aufräumen, Küche putzen, Wäsche machen usw. die regelmäßig erledigt werden müssen, benutze ich dieses System:

Ich schreibe jede Tätigkeit auf eine Karteikarte. Dabei schreibe ich die so klein auf, wie ich es schaffe, statt "Zimmer aufräumen", was mich überfordert weil es einfach so viel ist, habe ich z.B. "Schreibtisch aufräumen" als einen Punkt oder "Regale aufräumen"...

Die Karteikarten mische ich und ziehe jeden Tag verdeckt eine Karte und das mache ich dann. Manchmal ziehe ich die erst, wenn ich denke: So, jetzt ein bisschen was machen (was auch in einer Pause von einer anderen Arbeit sein kann). Wenn ich danach noch in Laune bin, ziehe ich noch eine zweite Karte.

Irgendwann sind alle Karten aufgedeckt, dann wird neu gemischt und das Spiel beginnt von vorne.

Das hilft mir besser als ein Plan, der mir sagt, dass ich Donnerstag um 15 Uhr Wäsche machen soll und Freitag um 17 Uhr die Toilette putzen!

Für To-Do-Listen:
Das System von Sternchen81 ist toll. Meine To-Do-Liste funktioniert ähnlich: Ich schreibe an jeden Eintrag einen Buchstaben A-B-C. "A" bedeutet "Super dringend, noch heute". "B" bedeutet "wichtig, in der nächsten Zeit erledigen". Und "C" bedeutet "irgendwann mal, wenn du Lust hast".
Da habe ich auch nichts aufgeschrieben, was auf meinen Karteikarten stand!
Meine erste To-Do-Liste war auch sehr lang. Aber nach und nach ist sie kürzer geworden, weil ich mehr erledigt habe, als neu dazu kam. Es hilft auch zu sehen, was man schon durchgestrichen hat, finde ich (andere nutzen eine Tafel und wischen dann weg, da sieht man immer nur was man noch vor sich hat und nicht, was man schon geschafft hat).

Beide Konzepte habe ich aus einem Buch: ADHS im Erwachsenenalter: Strategien und Hilfen für die Alltagsbewältigung im Kohlhammer Verlag von D'Amelio und anderen. Die sind da auch noch etwas ausführlicher (und teils etwas anders) erläutert, das Buch fand ich generell ganz hilfreich. Es gibt dort auch verschiedene andere Übungen. Mir funktionierten die Sachen teils zu sehr mit Tabellen usw., ich habe mir alles etwas einfacher gemacht da ich dachte wenn ich erstmal anfange solche Tabellen zu machen, dann mache ich total begeistert die Tabellen, aber habe keine Lust die so detailliert auszufüllen....
olli-.-
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Re: Adhs (und Computersucht(?))

Beitragvon olli-.- » 19. März 2018 11:18

Hallo da bin ich wieder.
Ich hatte bisher den Termin, es war auch alles ziemlich entspannt. Wir sind den Fragenkatalog durchgegangen und konnten feststellen wie vage alles wird wenn man aussagen zur Kindheit machen muss..
Jedenfalls habe ich gepunktet.. auch in der hyperaktivität, obwohl ich nicht damit rechnete.
Ich war auch diesmal ausgeschlafen und entspannt, der Arzt war auch weniger vorsichtig und hat auch MPH empfohlen.
Es fehlt noch "Gegenprüfung" (ein Termin um gegen Asperger und Co. abzusichern) und ein Termin darauf um mit der Behandlung anzufangen.
Das alles natürlich wieder 6 Wochen darauf...
So viel zeit wird verloren, habe immernoch das Gefühl das alles unter mir zusammenbricht, nicht mehr so akut...
Ich will halt funktionieren... habe wahrscheinlich auch zu viel Hoffnung.
Mein Wunsch im Moment ist halt meinem Vater noch zu zeigen das ich alles geregelt bekomme... Er hat leider krebs, und es wurde gerade erst wieder eine ecke ernster :? .

(Nachtrag :Natürlich werden jetzt viele denken ich sollte auch Antidepressiva nehmen etc.. Ich will das nicht, ich glaub nicht mehr dran, zu viel Recherche, zu viele Nebenwirkungen, belastende Absetzerscheinungen. Außerdem will ich auch von dem was passiert nichts ungefiltert wahrnehmen, es ist wichtig für mich dabei dann auch zu leiden. Mir kommen gerade feuchte Augen was mich eigentlich freut da ich schon dachte meine Emotionen sind irgendwie erkaltet.
PS: nicht suizidgefährdet)


Außerdem denke ich dass ich mir die Probleme auch größer mache dadurch das ich bewusst/unterbewusst immer Adhs als Begründung vorschiebe.

Zum Ordnungsproblem:
Es ist im Moment so das ich erst wenns schlimm wird dazu komme wieder aufzuräumen und das auch nur wenn die Stimmung passt.
Bei mir ist es generell immer so gewesen, dass wenn ich irgendwo etwas habe wo ich nicht vorankomme, alle anderen Vorhaben total blockiert sind.
Alles was nicht in kurzzeitige Ablenkung mündet.
Ich habe letztens erst bemerkt das ich im Grunde meine Adhs Gedankengänge ausnutze. Bei der Arbeit wo es halt nicht vorangeht geh ich auf Seiten in der Hoffnung das mich die ständigen Themenwechsel und Ideen davontragen.
Ich weiß nicht was ich hier im Moment erwarte. Vielleicht will ich nur nicht das es einer der Threads wird wo sich der Author nie mehr meldet.
Ich möchte den Text nicht nochmal gegenlesen, entschuldigt das Chaos.
olli-.-
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Re: Adhs (und Computersucht(?))

Beitragvon olli-.- » 3. April 2018 10:15

Gerade wurde mir gekündigt, sogar völlig zu recht.
Ich funktioniere schon länger nicht. Kombination aus dem was schon immer besteht mit zusätzlichem Stress und den Mist mit dem Krebs.
War alles ziemlich nett, wurde sogar eine wiedereinstellung in den Raum gestellt wenn ich mich in den griff bekomme. "Aufwachen aus der Traumwelt" etc..
Kann da auch nicht anfangen und sagen "Hey mir wurde vor kurzem ADHS diagnostiziert und es wird bald alles besser", das wäre sicher gelogen. Anfang der Behandlung in 2 Wochen..
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Re: Adhs (und Computersucht(?))

Beitragvon ULBRE » 3. April 2018 23:04

olli-.- hat geschrieben:(Nachtrag :Natürlich werden jetzt viele denken ich sollte auch Antidepressiva nehmen etc.. Ich will das nicht, ich glaub nicht mehr dran, zu viel Recherche, zu viele Nebenwirkungen, belastende Absetzerscheinungen. Außerdem will ich auch von dem was passiert nichts ungefiltert wahrnehmen, es ist wichtig für mich dabei dann auch zu leiden. Mir kommen gerade feuchte Augen was mich eigentlich freut da ich schon dachte meine Emotionen sind irgendwie erkaltet.
PS: nicht suizidgefährdet)


Hallo Olli,

ich glaube nicht so recht an Antidepressiva bei AD(H)S.
Bei einer richtigen, echten, heftigen Depression, wenn alles schwarz ist und nichts mehr geht - dann ja. Dann steht aber definitiv die Depression im Vordergrund der Symptoime und pber AD(H)S jammert jemand, der das am Hals hat, kaum noch.
AD(H)S geht typischerweise mit einer chronioschen leichten Depressuin einher - Dysphorie genannt. Dauerhaft, eigentlich schon immer da gewesen (während echte Depressionen eher phasenweise (einige bis etliche Monate) kommen und gehen), alles eher grau als schwarz, und es gibt immer noch Dinge, die Spass machen und bei denen die Dysphorie vergesse ist.

Ich glaube, das Dysphorie ein recht normales Stressymptom ist, so wie alle AD(H)S-Symptome Stressymptome sind (wobei bei AD(H)S die Stressysteme, voran die HPA-Achse, überaktiviert sind, d.h. es gibt keinen für den Stress angemessen ursächlichen Stressor, sondern die HPA-Achse reagiert über).
Diese Dysphorie verstehe ich bei schwerem Stress als einen eigentlich ganz gesunden Mechanismus - sie sagt: Dein bisheriges Verhalten war nicht gut, schau, jetzt sind wir in eienr beschissenen, bedrohlichen Situation. Finde das ja nicht gut, aktiviere Deinen Drang, Dich besser zu fühlen, mach was gegen diese Situation, wolle da raus.
Das ist ganz sinnvoll, wenn man durch dysfunktionale Verhaltensweisen in die Sch... geschlittert ist.
Es ist ziemlich spannend, wenn man die ganzen AD(H)S/Stressymptome einmal daraufhin anschaut, was die eigentlich für einen NUtzen haben um echte Bedrohungen zu meistern.

Nur nutz der Nutzen bei AD(H)S nix, weil da ja keine dysfunktionale Verhaltensweise den Mist verursacht hat, sondern die HPA-Achse ehre grundlos Amok läuft.
Was haben wir davon ? Naja, wenn man weiss, dass das Stresslevel die Achillesferse ist, kann man erstens ein bisschen leichter Frieden damit schliessen und zweitens versuchen, Stress zu vermeiden und das Stresslevel zu senken.

Zurück zu Antidepressiva:
Gerade SSRI haben bei AD(H)S einige Nachteile. Sie erhöhen die Anzahl der Dopamintransporter, von denen ADHS viel zu viel zu viele hat und ADS auch noch überversorgt ist.
Escitalopram als SSRI erhöht zudem die Cortisolantwort auf akuten Stress. Das kann bei ADHS noch hilfreich sein, wäre bei ADS aber ganz fatal, weil die dort ohnehin schon zu gross ist.

Eine Dysphorie kann bei AD(H)S durch Stimulanzien abnehmen, wobei Amphetaminmedikamente da wesentlich besser helfen als MPH.

Viel Erfolg

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Re: Adhs (und Computersucht(?))

Beitragvon ULBRE » 3. April 2018 23:20

Nachtrag:

olli-.- hat geschrieben:Es ist im Moment so das ich erst wenns schlimm wird dazu komme wieder aufzuräumen und das auch nur wenn die Stimmung passt.


Das ist auch so ein Stressnutzen. In Zeiten echter Bedrohung will der Stressmechanismus uns dazu bewegen, nur die wirklich wichtigen Dinge zu tun. Unwichtiges kann und muss warten. Erst mal überleben, damit man es bis zum Winter schafft, dann dürfen wir auch wieder wieder Nüsschen für den Winter sammeln.
Für die erfahreneren hier: das ist die Übersetzung von "Sofortige Belohnung wird bevorzugt" (Delay Accounting). Weiter entfernte Belohungen werden sehr deutlich abgewertet, weil der Stressmechanismus die Aufmerksamkeit auf die Gegenwart lenkt. In echten Gefahrensituationen hilft das beim Überleben.
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Re: Adhs (und Computersucht(?))

Beitragvon olli-.- » 20. April 2018 09:44

So da bin ich mal wieder.

Ich bin inzwischen unter Medikation. Hat auch lange genug gedauert, natürlich war auch ich das Problem mit verschusselten Terminen... sogar einer in der Letzten Woche.

Da ich immer nach den Erfahrungen gesucht habe in den zurückliegenden Monaten möchte ich auch mal was berichten.

Mein Mittel ist 10mg Medikinet adult (also retard), morgens eingenommen. Ich soll es ein zwei Wochen nehmen und dann höher dosieren (20mg) um einzustellen (Arzt meint es wirkt immer besser bis es immer schlechter wirkt, also langsam dosieren und abschätzen).

Ich habe in der Hektik die Erste Tablette in der Arbeit genommen, ich wartete auf den "AHA" Moment dass der "Schleier fällt".
Fehlanzeige.
Aber ich bemerkte Veränderungen viel subtiler, ich wurde nicht plötzlich zum Arbeitstier (aber ich wurde gefeuert, da muss man auch erst Überwindung aufbringen anständig zu arbeiten), stattdessen hab ich viel gesurft und ein Browsergame gespielt (Stichwort Problematik).
Später ist mir aufgefallen wie gebannt ich war, ich habe wenig reagiert auf andere Einflüsse, wenn ein Kollege was gefragt hatte war ich früher sofort weg vom Thema (egal was) und dann beim Kollegen, musste mich dann erst neu konzentrieren auf das was ich machte (wobei dann auch andere Sachen sofort wichtiger erschien). Jetzt war es "normaler" oder was ich als Beobachter als normal befunden hatte: wenn ich gefragt wurde musste ich mich erst losreißen, die Frage beantworten oder was auch immer, und bin sofort zurück.

Nach der Arbeit war ich noch bei den Eltern hab paar Sachen sofort erledigt, kein abwägen einfach gemacht (nichts besonderes aber sonst hab ich es erst auf später verschoben und eventuell gar nicht gemacht)
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Re: Adhs (und Computersucht(?))

Beitragvon Casanova » 20. April 2018 11:14

Moin Oli,

mit dem Inhalt der 19 Posts oben lässt sich ja schon fast ein Therapieplan erstellen!

@Sternchen81: Hervorragend!!! :D

Die Therapie-Vereinbarung entspricht beinnahe einem Rezept-Anhang, da die Medikamente nur helfen, den der Absprung (vom Spielen) oder Aufsprung (zum Ordnen) benötigt immer noch Beschleunigung (die Änderung des Bewegungszustands eines Körpers) :ugeek:
Leicht gesagt, schwer getan. Sport war mein Schlüssel weg vom Computer zu kommen (by the way: was hast du am meisten gezockt? :D ), kauf dir ein Fahrrad...

Aber deine jüngste Beschreibung von der Arbeit passt auch ziemlich auf meine Wirkung von Methylphenidat!

DAs mit dem langsam die richtige Dosis zu finden war ehrlich gesagt mein größtes Problem, bzw. ist immer noch mein größtes. Wenn ich hier lese von TAgeshöchstdosis muss ich mich schon fragen ob ich morgen vielleicht mal 5 x 10 Ritalin adult einwerfe anstelle bis lang maximal 3 - die mich, zu den leicht positiven Effekten super nervös machen!

But lets see, don't waste time, try new stuff and look forward to your nightcap! Im Bett ist meistens alles besser! ;)
Könnten wir uns mit einer Mücke verständigen, so würden wir vernehmen, daß auch sie mit dem Pathos durch die Luft fliegt und in sich das fliegende Zentrum der Welt fühlt!

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