Was genau wird gestestet?

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TinaC
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Was genau wird gestestet?

Beitrag von TinaC » 15. März 2018 21:36

Hallo,

wir sind auf Verdacht mit unserem Sohn zum SPZ geschickt worden. Da hatten wir auch 2 Termine, waren fast 1 Jahr lang bei der Ergotherapie bis jetzt entdlich ein Platz bei einer Heilpädagogin frei wurde.

Uns ist allerdings nie richtig mitgeteilt worden, ob er ADHS hat. Die Heilpädagogin hat uns dann gesagt, dass er dies hätte. Mir ist nur nicht klar, ob die bei SPZ überhaupt einen Test gemacht haben. Die Frau damals war zwar auch mit unserem Sohn alleine, dies war aber nie lange.

Was wird denn überhaupt alles gemacht? Wir haben gerade das Problem, dass er in der Schule nicht still ist, immer reinquasselt usw. Er ist in der 1. Klasse. Wir haben am Montag wieder einen Termin beim SPZ und wüsste gerne vorher, wie umfangreich eigentlich so ein Test ist, damit ich abschätzen kann, ob die überhaupt einen gemacht haben. Bekommt man da auch einen Brief oder so was? Wir haben nichts schriftliches. Oder macht den Test nur ein Kinderspychologe?

Am Dienstag habe ich auch ein Gespräch mit der Lehrerin, die ist super nett, weiß von der ADHS aber noch nichts. Wir hängen gerade auch noch in der Luft. Bin dabei, mich auch so zu informieren, weil vom SPZ haben wir so gut wie nichts bekommen.

Ich hätte gerne eine vernünftige Diagnose, einen Brief oder was auch immer, dass man auch mal vorlegen kann, wenn man was beantragen muss oder so. Ich werde beim SPZ auf jeden Fall nachfragen.

Gruß
Tina
Agatha
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Re: Was genau wird gestestet?

Beitrag von Agatha » 16. März 2018 08:50

Ich kann dir sagen, was mir die Kinderpsychiaterin erzählt hat (Diagnose läuft bei uns derzeit)

Es gibt keinen "ADHS Test" den man durchführen kann. Der Arzt versucht diese Fragen zu beantworten:
- Hat das Kind genug Symptome, um eine ADHS Diagnose zu stellen?
- Können die Symptome besser durch andere Syndrome / Ursachen erklärt werden?

Dafür kann folgendes gemacht werden:
- Kind wird beobachtet von Arzt / Psychologue
- Die Beobachtungen von Eltern und ev. Erzieher / Schule werden aufgenommen
- Tests werden ev. durchgeführt, um andere Ursachen für das Verhalten auszuschließen

Bei uns wird zuerst ein Intelligenztest gemacht (inkl. Beobachtung durch Psychologin) + ein Besuch beim Augenarzt und HNO-Arzt (Augen und Hörvermögen werden getestet). Je nach Alter und Symptome kann der Arzt unterschiedliche Sachen testen. Und alle Ärzte haben auch ihre eigene Arbeitsweise und ihre Erfahrung. Es ist nicht standardisiert.

Wenn eine Diagnose gestellt wird, solltet jemand es euch klar kommunizieren und erklären. Aber geht nicht davon aus, dass die Leute ordentlich arbeiten... Ich musste einmal (als Erwachsene!) direkt bei der Krankenkasse eine Diagnose verlangen, die mir meinen Orthopäden nicht mitgeteilt hatte. Für ihn war es ausreichend, mir die Rezepte zu geben. Als Patientin hatte ich seiner Meinung nach nicht zu verstehen, was ich eigentlich hatte. Fragt auf jeden Fall nach. Ihr habt Anspruch auf die Information.
Falschparker
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Re: Was genau wird gestestet?

Beitrag von Falschparker » 16. März 2018 22:51

Liebe Tina,

herzlich willkommen im Anderswelt-Forum! :willkommen:

Ja, es scheint zum System mancher SPZen zu gehören, sich eben nicht auf eine Diagnose festzulegen. :shock:

Habe ich hier leider schon öfter gelesen. Ich meine, in einem Jahr gab es ja wohl genug Gelegenheiten dazu! Also wollen sie es wohl nicht bzw. man muss als Eltern sehr entschieden auftreten, um etwas Konkretes in die Hand zu bekommen!

Ich meine, so wird ja auch verhindert, dass zielgerecht geholfen wird. Die meisten ADHS-Betroffenen sollten auch medikamentöse Unterstützung bekommen, nur Ergo- und andere Therapien alleine bringen ja nicht unbedingt sehr viel, es sollte schon zusammenwirken. Aber wenn euer Sohn in der 1. Klasse ist, ist vermutlich noch nicht so viel (ohne Behandlung) schief gegangen.

Und logisch, solange du nichts Greifbares hast, kannst du es ja auch nicht der Lehrerin mitteilen. Und selbst dann musst du genau überlegen was du wem sagst, das entscheidet ja ihr als Eltern, da zwingt euch niemand zu. Manche Lehrer sind auch sehr voreingenommen.

Wir haben einen großen und einen kleinen ADHS-ler. Und mich selbst natürlich.

Viele Grüße
Falschparker
TinaC
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Re: Was genau wird gestestet?

Beitrag von TinaC » 17. März 2018 20:56

Hallo,

danke für die Antworten. Also einen Intelligenztest wurde meines Wissen nicht gemacht.

Unsere Lehrerin ist sehr nett und sorgt sich sehr um die Kinder. Sie hat jetzt bei einem anderen auch das Jugendamt eingeschaltet und nicht einfach weg geschaut. Ich werde das Gespräch mal auf mich zukommen lassen.

Probleme haben wir nur insoweit, dass er nicht zuhört, immer am Sprechen ist, nicht ruhig sitzen kann und auch schon einfach die Jacke ausgezogen hat und einem anderen Kind damit geschlagen hat. Außerdem beleidigt er gerade gerne. Das große Problem in der Schule ist, dass er immer redet, nicht fertig wird weil er sich immer ablenken lässt. Ansonsten kommt er gut mit.

Ganz schlimm ist es auch, z.B. mit der Bahn zu fahren. Man muss ihn ununterbrochen beschäftigen, wir sind teilweise fix und fertig. Auch beim Fußball gibt es Ärger, weil er nicht am Rand wartet bis er dran ist sondern dauern abhaut und andere Dinge macht, da hat sich der Trainer auch schon beschwert. Aber er weiß auch nichts von dem ADHS.

In 2 Wochen ist er in einer neuen Ferienbetreuung. Wie haltet ihr das? Sagt ihr da gleich Bescheid? Ich habe Angst, dass er da auch nicht zurhört und dauernd stört. Ich habe schon überlegt, ob ich sie bitte, beim Stuhlkreis ihn bei sich zu haben, wenn er am Sprechen ist, ist es ganz gut, ihn kurz am Arm zu berühren, damit er mit dem Quasseln aufhört. Schimpfen bringt eh nichts.

Ist es sinnvoll, zu einem Psychiater zu gehen, wenn das SPZ sich nicht festlegt? Aber wie findet da man wieder einen guten?

Gruß
Tina
Falschparker
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Re: Was genau wird gestestet?

Beitrag von Falschparker » 17. März 2018 21:22

Dann ist die Zeit jetzt reif für einen Versuch mit Medikamenten, denke ich. Es wäre für ihn nicht zu verantworten, da weiter abzuwarten, er kriegt ja ständig negative Rückmeldungen.

Wie begründet denn das SPZ, ihm keine Diagnose und damit keine Medikamente geben zu wollen?

Ja, wenn die das nicht wollen, solltet ihr zu einem niedergelassenen Facharzt gehen. Aber zuerst solltet ihr die SPZ-Mitarbeiter klar konfrontieren, dass ihr jetzt einen Schritt weiter gehen wollt.
Agatha
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Re: Was genau wird gestestet?

Beitrag von Agatha » 20. März 2018 08:36

TinaC hat geschrieben:In 2 Wochen ist er in einer neuen Ferienbetreuung. Wie haltet ihr das? Sagt ihr da gleich Bescheid? Ich habe Angst, dass er da auch nicht zurhört und dauernd stört. Ich habe schon überlegt, ob ich sie bitte, beim Stuhlkreis ihn bei sich zu haben, wenn er am Sprechen ist, ist es ganz gut, ihn kurz am Arm zu berühren, damit er mit dem Quasseln aufhört. Schimpfen bringt eh nichts.
Ja, ich würde seine Schwierigkeiten erklären, und Tipps geben, man damit am Besten umgeht. Dafür musst du keine Diagnose erwähnen.

So machen wir es mit der Lehrerin derzeit. Wir besprechen Probleme und Lösungen, ADHS verdacht haben wir bisher für uns behalten. Es funktioniert ganz gut.

Mach am Besten jetzt schon einen Termin beim Kinderpsychiater, denn man muss häufig ewig auf einem Termin warten. Gleichzeitig kannst du mit dem SPZ reden. Falls du alles mit dem SPZ klären kannst, kannst du den Kinderpsychiater-Termin absagen.

Ich habe einen Arzt über unseren regionalen ADHS Netz gefunden: http://www.zentrales-adhs-netz.de/regionale-netze.html Hier im Forum kann man auch nach Empfehlungen fragen.
TinaC
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Re: Was genau wird gestestet?

Beitrag von TinaC » 20. März 2018 18:41

Hallo,

wir hatten gestern das Gespräch mit dem SPZ und auch einen Brief. Sie hat uns auch Tipps für die Schule gegeben.

Heute war ich jetzt bei der Lehrerin und sie ist echt super. Mit dem Lernstand ist sie zufrieden, er ist bei den Besten. Sie hat auch schon was auf den Tisch geklebt, damit er lernst zu strecken, das funktioniert wohl sehr gut. Wir haben noch besprochen, was man noch tun kann. Sie sieht zwar dass er gewisse Probleme hat, ist auch froh, dass wir darüber gesprochen hat, dass er ADHS hat. Ihr Cousin hat es wohl auch sehr schlimme gehabt. Sie wird sich auch mit der Therapeutin absprechen, was sie in der Schule noch machen könnte. Wir haben auch besprochen, dass er nach den Osterferien vorne alleine sitzen darf (war auch sein Wunsch). Wir haben mit der Lehrerin echt Glück. Für sie ist er aber trotzdem gut händelbar und wir kommen daheim auch klar, so dass wir vorerst keinen Medikamente verschreiben lassen. Wir bleiben in guten Kontakt und wenn es in der Schule zu schwierig ist, werden wir zeitnah darüber sprechen.

Gruß
Tina
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Re: Was genau wird gestestet?

Beitrag von Falschparker » 21. März 2018 21:22

Für sie ist er aber trotzdem gut händelbar und wir kommen daheim auch klar, so dass wir vorerst keinen Medikamente verschreiben lassen.
Ich weiß nicht, ob ihr damit eurem Kind einen Gefallen tut.

Es kommt bei der Entscheidung für oder gegen Medikamente doch gar nicht (oder jedenfalls nicht vorwiegend) darauf an, ob ihr mit ihm zurecht kommt. Oder ob die Lehrerin mit ihm zurecht kommt.

Sondern er muss mit sich zurecht kommen. Es ist wirklich sehr belastend, sich nicht richtig steuern zu können, ich weiß das aus meiner Kindheit.

Natürlich ist es gut und richtig, überall Hilfen und Eselsbrücken einzubauen, um mit der Störung umzugehen. Besser ist es doch aber, wenn er selbst sich besser sortieren kann und auch ausgeglichener ist.

Die Medikamente können nichtmedikamentöse Maßnahmen nicht ersetzen, klar. Aber umgekehrt auch nicht. Ein wirklich gutes Management der ADHS sollte beides einbeziehen.

Denn es wird auch viele Situationen geben, wo weder eure Rücksichtnahme noch die der Lehrerin helfen werden. Beim Umgang mit seinen Mitschülern beispielsweise. Wenn er von denen ausgegrenzt wird, könnt weder ihr noch die Lehrerin das verhindern.

Ich hatte als Kind meine größten Schwierigkeiten nicht bei den Schulleistungen, sondern im sozialen Bereich. Ich fühlte mich immer als Außenseiter und versuchte das durch Clownereien zu kompensieren, was die Sache aber eher verschlimmerte.

Medikamente sind nicht so schlimm, dass man sie möglichst vermeiden sollte. Ich glaube, viele Eltern und Ärzte sind tendenziell zu zurückhaltend mit (ADHS-) Medikamenten. Das ist aber für die Kinder nicht gut, die erleben dann immer wieder, dass ihnen das Leben schief geht.

Ich habe die Medikamente erst als Erwachsener bzw. bei meinen Kindern kennen gelernt, aber ich denke dass Vieles in meiner Kindheit und Jugend hätte besser laufen können.

Viele Grüße
Falschparker
ULBRE
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Re: Was genau wird gestestet?

Beitrag von ULBRE » 22. März 2018 00:00

Ich schliesse mich Falschparker vollständig an.

Der Glaube, AD(H)S-Medikamente zu vermeiden sei etwas positives, hat schon viele Betroffene bittere Jahre gekostet.
Bei Kindern sind sie kaum aufholbar, denn Sicherheit und Vertrauen in sich selbst und in die Umwelt lernt man nur in den frühen Jahren. Alles Wissen (Mathe, Sprachen, pipapo) kann man sein Leben lang lernen. Die Gewissheit, OK zu sein, dazu zu gehören, richtig zu sein - das gibt es nur einmal.

AD(H)S-Medikamente verändern nicht, sie machen einen mehr zu sich selbst.
Sie manipulieren nicht, sondern die beheben ein Neurotransmitterdefizit.
Medikamente bei AD(H)S zu verweigern ist das selbe wie Insulin bei Diabetes zu verweigern.
Es noch nicht einmal auszuprobieren ist noch schlimmer.

Sorry, dass ich das so deutlich aussprechen muss.


Viele Grüsse

UlBre
„Wenn ein unordentlicher Schreibtisch einen unordentlichen Geist repräsentiert, was bedeutet dann ein leerer Schreibtisch ?“ Albert Einstein
Murmel
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Re: Was genau wird gestestet?

Beitrag von Murmel » 25. März 2018 10:55

Ich kann mich da auch nur meinen Vorschreibern anschließen.
TinaC
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Re: Was genau wird gestestet?

Beitrag von TinaC » 30. März 2018 19:47

Hallo,

ich bin mir nicht sicher, was wir machen sollen. Ich bin nicht prinzipielle dagegen, Medikamente zu geben. Ich werde mich weiter informieren und auf jeden Fall mit dem SPZ darüber sprechen.

Gruß
Tina
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