Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Dieses Board ist auch für Gäste sichtbar!
Signiert
Pagemaster
Beiträge: 59
Registriert: 13. Januar 2018 10:50

Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 7. Februar 2018 10:51

Meine Thesen sind alles Versuche mir das irgendwie zu erklären. Das alle als Wiederaufnahmehemmer funktionierenden probierten Medikamente keine Wirkung zeigten muss sich auch irgendwie begründen lassen. Beim Einnehmen war ich außer der mittaglichen MPH Dosis anwesend, auch bei den anderen Medikamenten.

Eine Aufnahmestörung wird es nicht sein, auch andere Mittel wie Ginko oder Johanniskraut (erst in zeitlich langem Abstand nach Absetzen eines Medikaments und unter ärztlicher Rücksprache) haben gewirkt. Deutlich besser als die Wiederaufnahmehemmer. Johanniskruat hatte aber z.B. nur seine Ausgeglichenheit erhöht aber den Aufmerksamkeits-Defizit nichts gebracht. Daher war das auch keine dauerhafte alleinige Lösung.

Ich habe mir schon in Eigenrecherche alles in Frage kommende rausgeschrieben. Mit Zulassungen für Deutschland für die Behandlung für Erwachsene und mit jeweiliger Wirkung.
Da wir vom letzen Psychiater mit der Antwort abgespeist wurden, es gäbe zu Medikinet Adult keine alternativen Medikamente, und ich es jetzt besser weiß, werde ich mich von den nächsten Psychiatern sicher nicht mehr so veräppeln lassen.

Strattera wirkt auch als Wiederaufnahmehemmer, wie auch Bupropion, Strattera zwar als NARI und Bupropion als BDRI, aber wenn ich richtig recherchiert habe wäre Bupropion vergleichbar mit der Wirkung von Medikinet Adult (Noradrenallin und Dopamin). Elvanse oder etwas anderes aus der Amphetamin-Gruppe wäre aufgrund der Wirk-Art sinnvoll, Buspiron (eigentlich ein Angstlöser) soll ebenfalls sehr wirksam bei AD(H)S (zu 70-90%) sein.

Möglichkeiten zur weiteren/genaueren Diagnostik und auch alternative Ursachen/Komorbiditäten (wie z.B. SCT, KIDD und ähnliches was er ggf. auch zusätzlich haben könnte und symptomatisch passt) habe ich auch alles ausführlich notiert.
laetitia
Foruminventar
Beiträge: 1030
Registriert: 18. Februar 2015 20:35

Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon laetitia » 7. Februar 2018 12:49

Also zu den Wiederaufnahmehemmern...ich meine, da gibt es soooo viele, die alle an unterschiedlichen Rezeptoren andocken und als Agonisten, Antagonisten oder beides wirken. Gerade bei Antidepressiva gibt es unzählige Wirkstoffe, die als SSRI an ganz unterschiedlichen Orten wirken. Manche sind anregend, andere sedierend...Und bei jedem Mensch ist es unterschiedlich, ob und wie das eine oder das andere wirkt. Das AD das ich nehme hat bei mir ausser Mundtrockenheit keine Nebenwirkungen. Eine Kollegin hat damit zugenommen, obwohl dieses AD dafür bekannt ist, dass man eben nicht zunimmt. Bei meinem Ex hat eine Dosis von 50mg unretardiert bereits gereicht, damit er durchschlafen konnte. Ich brauche 150mg retardiert. Ein anderer Kollege gar 200mg. Bei SSRI‘s, die im Hirn wirken sollten, ist zudem umstritten, ob diese die Hirnblutschranke überwinden können. Meins wirkt hauptsächlich im Darm.
Und für die Antidepressive Wirkung braucht es ein Paar Wochen, damit diese spürbar wird.

Daher wäre ich vorsichtig, solche Thesen aufzustellen. Er hat ja sicher nicht alles durch, was auf dem Markt ist.

Johanniskraut ist bekannt dafür, dass es mit anderen Medikamenten kontraindiziert. Sprich, es kann die Wirkung mindern oder gar unwirksam machen. Sollte er in der gleichen Zeit Johanniskraut genommen haben, in der er den Versuch mit Medikinet machte, könnte auch das ein Grund für den Fehlversuch sein.
Benutzeravatar
Maya18Max
Foruminventar
Beiträge: 527
Registriert: 6. März 2016 14:59
Wohnort: in einem schwäbischen Dorf
Alter: 35

Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Maya18Max » 7. Februar 2018 13:35

Zum Thema Johanneskraut etc. Möchte ich auf diesen Beitrag aufmerksam machen: viewtopic.php?f=39&t=51769&p=627322&hilit=paradoxe+wirkung#p627322

Was die Antidepressiva angeht wäre ich auch sehr vorsichtig. Namhafte Experten raten auch davon ab.

Ich sehe es ähnlich wie Falschparker mit den Medikamenten und der Fachperson für ADHS. Schaut nach dem richtigen Medikament evtl auch nach Elvanse. Das soll (habe ich gehört, aber noch nix offizielles gefunden ) im Laufe des Jahres auch für Erwachsene "offiziell" freigegeben werden.
Eine völlig Chaotische Familie:
Und immer geht es Berg und Tal, wie bei einer Achterbahn :mrgreen:
Signiert
Pagemaster
Beiträge: 59
Registriert: 13. Januar 2018 10:50

Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 13. Februar 2018 15:24

Beim Informieren über das Thema Helfersyndrom ist mir ein wichtiger Satz begegnet.

"Der Betroffene ist auf das Helfen angewiesen, um sein intrapsychisches Gleichgewicht aufrechtzuerhalten und gerät dabei in eine abhängige Position oder schafft wechselseitige Abhängigkeiten, indem er die Hilfeempfänger unselbständig erhält und Schuldgefühle erzeugt."

Seine Mutter hat mit ihrem Helfersyndrom meinen Mann unselbstständig gehalten. Das ist aber nichts, was durch ADS Medikamente geändert wird. Ich bezweifle auch dass das im Rahmen von normalem "selbstständig werden" (wie es normal ist wenn man auszieht) zu lernen ist. Er kennt es von klein auf nicht anders, das ist sein Weltbild was für ihn normal ist und ich denke es ist extrem schwer, das komplett umzulernen.
Signiert
Pagemaster
Beiträge: 59
Registriert: 13. Januar 2018 10:50

Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 2. März 2018 08:51

Die letzen Wochen habe ich verschiedenes ausprobiert.

Ich bin mit gutem Beispiel voran gegangen, um unabhängig davon was er im Haushalt nicht macht/sieht eine Art Grundstruktur vorzugeben. Dabei habe ich auch die Dinge erledigt, die ich von ihm hätte erwarten können (sein Frühstücksgeschirr weg räumen, etc.) weil ich mir dachte, vielleicht hilft es ihm wenn man es ihm vormacht/vorlebt.
Leider hat es nichts gebracht, es führte nur dazu das die Dinge, die ich dadurch mehr erledigte nicht Mal beachtet wurden. Er hat ADS ok, aber es hat bei mir dennoch das Gefühl hinterlassen das es selbstverständlich sei das ich das erledige.

Dann habe ich es mit einer To-Do Liste versucht, aber die moderne Version davon. Es gibt eine Handy App die sich mit allen verbundenen Geräten (Computer, anderen Handys) synchronisiert. Wenn ich ihm etwas auf die Liste schreibe, bekommt er am Handy und am Computer eine Benachrichtigung darüber. Man kann ein Datum dazu schreiben, es gibt eine Erinnerungsfunktion und einzelne Einträge kann man einer Person direkt zuteilen.
Er bekommt die Einträge zwar mit, aber das Problem ist das er sich eher zu Aufgaben motivieren kann die in seinem Interesse sind. Wc putzen ist doof und langweilig, somit bleibt der Eintrag einfach unerledigt auf der Liste stehen.
Wir nutzen die Liste auch anders herum, er kann sich auch selbst Aufgaben aufschreiben, er kann mir Aufgaben zuteilen und er bekommt durch die Synchronisation auch mit, wenn ich Aufgaben von meiner Liste erledige.

Auch versucht habe ich, ihm die Situation aus meiner Sicht zu beschreiben. Ohne Vorwürfe, ohne Erwartungen, ohne Kritik, nur wie ich mich fühle, wie es mir geht, was ich brauche oder für mich wichtig ist und was mir helfen würde. Ganz neutral, objektiv und sachlich.
Er hat sich dann bemüht nach Lösungen zu suchen...Lösungen für mich was ich an mir ändern könnte, damit ich die Probleme nicht mehr habe.
Mein Eindruck war, das er sich selbst und sein Verhalten anders wahrzunehmen scheint als es ist. Ich bin mir aber nicht sicher, ob es auch mit "es sich nicht eingestehen wollen/können" zu tun hat.

Er hat ein sehr großes Problem damit, jegliche Kritik, auch konstruktive, anzunehmen oder überhaupt damit umzugehen. Sofort kommen nur Ausreden oder Rechtfertigungen als Reaktion oder er versucht stattdessen, Fehler bei der kritisierenden Person zu finden. Was aber letztlich nichts an seinen gemachten Fehlern ändert. Vermutlich wird er erst Mal den Umgang mit Kritik lernen müssen, bevor er anfangen kann an seinen ADS Problemen zu arbeiten.
Signiert
Pagemaster
Beiträge: 59
Registriert: 13. Januar 2018 10:50

Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 2. März 2018 09:15

(Sorry ich kann den vorherigen Beitrag nicht mehr ändern)

Letztlich habe ich noch einen Kompromiss versucht, wenn ich z.B. alle Dinge im Haushalt übernehme, das er beispielsweise dann das getrocknete Geschirr (Sache von 1-2 Minuten) weg räumt. Dann habe ich zumindest das Gefühl, das ich nicht wie Aschenputtel oder seine Putzfrau bin.
Gestern habe ich es ihm gesagt, das es mich enttäuscht hat das er es am Tag davor nicht gemacht hat. Er hatte es eingesehen...Heute steht das gewaschene Geschirr von gestern wieder unberührt da. Es verärgert mich dann, das er stattdessen an den Computer sitzt und spielt.

Seine dreckigen Schuhe hat er auch wieder auf der Treppe abgestellt, obwohl 2 Stufen weiter die Unterlage dafür ist. Ich bin aber diejenige, die den Flur fegt. Auch jemand mit ADS müsste es doch schaffen seine Schuhe 2 Stufen weiter auf die Unterlage zu stellen. Ich habe ihm die Schuhe dann in den Schuhschrank im Keller gestellt, mit der Idee das er dann darauf achtet sie auf die Unterlage zu stellen, um den weiten Weg in den Keller zu vermeiden.
Es hat überhaupt nicht funktioniert, weil er nur motzend darauf reagierte. Er suchte Ausreden warum seine Schuhe auf der Treppe standen, und Fehler die er mir vorhalten konnte. Ich würde mein Auto dafür verwetten, das seine Schuhe spätestens morgen wieder auf der Treppe stehen anstatt auf der Unterlage.

Was soll ich machen wenn alle meine Bemühungen, Versuche, Kompromisse, etc. keinen Erfolg haben?

Es gab am Dienstag eine Situation, in der er plötzlich um 180 Grad verändert war. Nachmittags war er im Schwimmbad, also körperliche Betätigung. Um 19 Uhr kam er nach Hause und erledigte in 30 Minuten mehr Aufgaben als davor die letzten Wochen. Aufgaben die er Wochen lang vor sich her schob erledigte er plötzlich eine nach der anderen, das ich kaum hinterher kam.
Agatha
Pagemaster
Beiträge: 51
Registriert: 19. Januar 2018 10:13

Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Agatha » 2. März 2018 14:45

Signiert hat geschrieben:Was soll ich machen wenn alle meine Bemühungen, Versuche, Kompromisse, etc. keinen Erfolg haben?

Ich sehe nur drei Varianten:
- Er geht zur Verhaltenstherapie
- Du akzeptierst es so wie es ist
- Du verlässt ihn

Deine Bemühungen werden nichts ändern. Er braucht Methoden, die für Menschen wie ihn hilfreich sind und zu seinem Gehirn passen. Mit Vorwürfe, Bestrafungen und Vereinbarungen wirst du nichts erreichen. Es gibt 30 Jahren Forschung über verzweifelte Eltern um es zu beweisen. Er muss zur Verhaltenstherapie. Bei jemanden, der sich mit ADHS auskennt.

Und dann ist er mit Versuche, Bemühungen, usw. dran, bis es besser funktioniert. Du kannst ihn höchstens helfen und unterstützen, wenn er fragt.

Signiert hat geschrieben:Es gab am Dienstag eine Situation, in der er plötzlich um 180 Grad verändert war. Nachmittags war er im Schwimmbad, also körperliche Betätigung. Um 19 Uhr kam er nach Hause und erledigte in 30 Minuten mehr Aufgaben als davor die letzten Wochen. Aufgaben die er Wochen lang vor sich her schob erledigte er plötzlich eine nach der anderen, das ich kaum hinterher kam.

Sport ist eine sehr effiziente (wenn auch kurzfristige) Art und Weise Symptome zu kontrollieren. Es führt zu mehr Dopamin, Norepinephrin und Serotonin. Für die meisten Leute nicht ganz so effizient wie Medis, aber definitiv hilfreich.
Benutzeravatar
Maya18Max
Foruminventar
Beiträge: 527
Registriert: 6. März 2016 14:59
Wohnort: in einem schwäbischen Dorf
Alter: 35

Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Maya18Max » 4. März 2018 15:46

mhm, ich sehe deinen Leidensdruck und finde toll, was für Möglichkeiten du alles ausprobiert hast.

Grundsätzlich ist es ja so, dass AD(H)Sler die 8-16 Fache Zeit brauchen um Dinge zu automatisieren. Sprich, wenn du einmal etwas vorlebst, dann bringt das überhaupt nix. Auch nicht für eine Woche oder so. Dazu kommt, dass AD(H)Sler selbstbestimmt sein wollen/müssen. Es muss ihr innerstes bedürfnis (Leidensdruck) sein, etwas zu ändern. Solange sie den Zusammenhang und den Sinn dahinter nicht sehen, wird es schwer. Wir können es ihnen nicht aufdrücken.

Signiert hat geschrieben:Was aber letztlich nichts an seinen gemachten Fehlern ändert. Vermutlich wird er erst Mal den Umgang mit Kritik lernen müssen, bevor er anfangen kann an seinen ADS Problemen zu arbeiten.

Das ist ein Problem! Kritik erfahren AD(H)Sler schon ihr Leben lang. Sie blenden es aus, versuchen es irgendwie zu verdrängen oder rasten aus bzw. geben es in einer Form zurück. Hinzu kommt die verschobene Selbstwahrnehmung. Sie erleben es womöglich sogar anders, wie "Normalos".

Mit Kritik kommt man leider nicht sehr weit bei AD(H)Slern, da das ihr sowieso schon kaputtes Selbstwertgefühl weiter mindert. Neben der Akzeptanz und einer Aufklärung über ADHS inkl. i.d.R. einer Medikamentösen Therapie (sonst kann man es nicht umsetzen, Theorie klappt, aber der Rest...) und einer wohlwollenden Begleitung und mit Sicht auf die positiv gelaufenen Dinge (auch Kleinigkeiten UND Anstrengungsbereitschaft loben!!!), sowie der Sicherheit, dass die Person einen trotz der "Fehler" liebt/annimmt, kann/wird es Fortschritte geben.

Auch wenn es nicht von AD(H)S handelt. Das Buch von Gary Chapman "Die 5 Sprachen der Liebe" gibt hilfreiche Tipps im Umgang mit dem Partner.

Mir hat dieses Buch sehr geholfen. Damals wusste ich von ADHS noch nichts. Zusätzlich ist es wichtig zu wissen, dass man Dinge nicht persönlich nehmen sollte und Dinge nicht hinterfragen. Seit dem ich gewisse Dinge akzeptiere, weil ich auch weiß, dass es "nicht absichtlich" passiert, ist das Zusammenleben um einiges harmonischer.
Eine völlig Chaotische Familie:
Und immer geht es Berg und Tal, wie bei einer Achterbahn :mrgreen:
ULBRE
Spezial User
Beiträge: 274
Registriert: 8. Februar 2018 22:08

Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon ULBRE » 4. März 2018 16:37

Signiert hat geschrieben:Als ich meine Sachen nicht weg räumte sah er das und schaffte es auch überraschend gut das aufzuräumen. Das lässt das bei mir die Frage aufkommen, warum er das bei seinen Sachen nicht schafft.


Hallo,

das Phänomen wird von Katrin Passig und Sascha Lobo in deren Buch über Prokrastination (bei AD(H)S) "Dinge geregelt kriegen ohne einen Funken Selbstdisziplin" als ziemlich typisch dargestellt.
Ein herrliches Buch, unterhaltsam und intelligent geschrieben und ausserdem durchaus hilfreich zum Thema.

Es ist also keine spezifische Bosheit, sondern eher eine auf den ersten Blick recht wunderliche aber typische AD(H)S-Folge.

Passig und Lobo schlagen halb augenzwinkernd halb ernsthaft vor, dass sich AD(H)S-Betroffene ihre Prokrastinationsthemen gegenseitig erledigen könnten: "Mach Du meine Post, die ich nicht gebacken kriege, dafür räum ich bei Dir auf..."

Ich glaube, dass das was mit einer veränderten Art der Motivation zu tun hat. AD(H)S hat Verlagerung der Motivation hin zu intrinsischer Motivation (die bis zum Hyperfokus führen kann) und weg von extrinsischer Motivation (was die Taskwechselprobleme verursacht).
Aktivierung folgt bei AD(H)S einem Muster von akutem überlebensbedrohlichem Stress (obwohl gar kein solcher Stressor besteht). Was nicht jetzt sofort wichtig ist, kann warten. Wer gerade ums Überleben kämpft tut ja durchaus gut daran, das Nüssesammeln für den Winter auf später zu verschieben, weil Überleben erst mal wichtiger ist - insofern ist das ist eine recht gesunde Stressreaktion, die bei AD(H)S unter dem Begriff Delay Accounting bekannt ist. Dinge, die eine sofortige Belohnung versprechen, sind genau so interessant und aktivierend wie für Nichtbetroffenen, doch je weiter die Belohnung weg ist, desto uninteressanter werden sie und desto weniger motivieren sie zur Handlung.
Bis hierher bin ich mir der Zusammenhänge sicher.

Dass man für andere leichter etwas tun kann als für sich selbst könnte mit dem Mass an Interesse für den anderen zu tun haben.
Aber dieser Erklärungssatz befriedigt mich noch nicht so ganz.

Hat jemand ein besseres Bild ?

Viele Grüsse

UlBre
„Wenn ein unordentlicher Schreibtisch einen unordentlichen Geist repräsentiert, was bedeutet dann ein leerer Schreibtisch ?“ Albert Einstein
Selma08
Forummitglied
Beiträge: 1
Registriert: 4. März 2018 17:58

Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Selma08 » 4. März 2018 19:17

Hallo Ihr Lieben, ich bin neu hier und freue mich mit euch auszutauschen und möchte mich jetzt schon für Schreibfehler entschuldigen. Deutsch ist meine 3 Fremdsprache und damit nicht Perfekt...bin Selma, 45 Jahre alt und Alleinerziehende Mutter von 2 wunderbare Wesen 17 und 16 Jahre jung. Diagnose ADS ist erst gekommen als es bei meinem Sohn dignostiziert wurde. Ich wusste immer das ich anders war/bin und das Chaos im Kopf habe ich ganz früh mit systematische Organisation bekämpft. mein Kinder waren die Herausforderung, dass ich mich emotional unter Kontrolle zu halten, und sie von "mir" zu beschützen. wenn einer Tipps braucht da bin ich Profi :lol:
Um zu dein Problem zurück zukommen, die Alltag Situationen wie du sie beschreibst sind wirklich harmlos, und könnten mit ein wenig Ruhe und Geduld behoben werden. Immer vor der Augen haben, dein Partner ist nicht durch ADS/ADHS zu definieren, klar ist er betroffen, aber er hat auch ein Charakter und tolle Eigenschaften die durch den Schleier ADS bedeckt sind und damit leider die meisten Probleme zurück zu führen sind. ADSler hassen Ratschläge und Vorwürfe, und dann recht. ich habe eine 20 Jahre Ehe hinter mir und mein Ex Mann war extrem was Alltag Ordnung und Sauberkeit angeht und er hat kein ADS sondern ich. Einfach mit Ruhe und beziehe ihm liebevoll an den Aufgaben mit ohne negativ aufzufallen. Nie ihm auf der Anklagebank drücken und mit dem Zeigefinger auf ihm zeigen. Er macht dicht und mit der Zeit stumpft er ab, und kann dir seine Gefühle nicht mehr zeigen , da ist vertrauen was verloren geht. Er erkennt seine Defizite und leidet drunter da muss ihn keiner darauf hinweisen. ADSler stehen mit ihren Problem allein, Medikamente und Therapien oder Ärzte sind nur eine kleine Hilfe, das meiste muss aus der Umfeld kommen. Also die Partner sind hier gefragt, alte Muster an Verhalten durchzubrechen, also Werkzeuge und Mechanismen entwickeln um Lösungen zu Finden. und nie vergessen, der ADSler leidet am meisten, immer ihm umsorgen mit Mitgefühl und nicht mit Zorn oder Mitleid. Hilfe schaffen anstatt das Leben zu vergiften mit Alltag Dinger "Klo, Küche, Haushalt..." nimmt vieles mit Humor und lasst Eure ADSler den Raum sich Positiv zu entwickeln, nicht mit Ratschläge und To do Listen sondern mitwirken und denkt dran warum ihr zusammen seid. In Guten wie in Schlechten Zeiten . Liebe und Respekt zeigt sich am meisten wenn es kriselt, ADSler sind sehr sensible Wesen, und nicht Kompliziert wie oft leider beschrieben wird, das Gegenteil würde ich jetzt behaupten. Wer Liebt steht über Tollpatschigkeiten und Schwächen und lobt die Stärken und das Selbstbewusstsein. ADSler haben Probleme sich im Alltag zu orientieren und sich zu finden, da soll vielleicht der Partner das Positive reflektieren und die Ängste wegnehmen durch Lob und Motivation. Erwachsene ADSler kann man nicht heilen, neue Wege schaffen, Ansichten ändern . ich weiß aus Erfahrung, dass Sport und Bewegung kann vieles gerade biegen. Das bringt Struktur und Ordnung, und vielleicht mehr als 1 mal die Woche. Ausgepowert kann ein ADSler besser schlafen und auch durchschlafen, Partys im Großen Stil meiden da ist zu viel Reizüberflutung . Freundeskreis beschaulich halten, ADS nie als Öffentliches Thema machen. Probleme nie Abends ansprechen, wenig Zeug in der Wohnung halten, damit sich der Chaos welches Innen befindet, sich nicht nach Außen überträgt. Von Alkohol oder Drogen ihm fernhalten, zu mindest versuchen.Das Leben einfach ein Sinn geben, da wird er die sehr dankbar sein und du wirst ihm ganz anders erleben, diese Tipps können auch nicht ADSler davon profitieren und eine Lebensqualität erlangen ...wünsche euch alles Gute.. Selma
Signiert
Pagemaster
Beiträge: 59
Registriert: 13. Januar 2018 10:50

Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 6. März 2018 20:58

Agatha hat geschrieben:Sport ist eine sehr effiziente (wenn auch kurzfristige) Art und Weise Symptome zu kontrollieren.

Ja das stimmt, es hatte nicht lange gehalten. Aber ich empfand es als, wenn auch kurzzeitigen, Lichtblick wie es mit ihm/uns sein würde/könnte, mit richtiger Hilfe für seine Probleme und Symptome.

Maya18Max hat geschrieben:Neben der Akzeptanz und einer Aufklärung über ADHS inkl. i.d.R. einer Medikamentösen Therapie

Ich habe auch den Eindruck, das er ein Medikament braucht als Unterstützung, um überhaupt, unabhängig davon was er versucht oder wie er sich versucht zu bemühen, selbst etwas ändern zu KÖNNEN.
An den Tagen nach dem Sport schien ihm einiges überhaupt erst möglich zu sein umzusetzen zu können. Ohne die nötige Dosis an Dopamin & Co. (Ob durch Sport, ein Medikament, etc.) sehe ich bei ihm nicht die Möglichkeit das überhaupt zu können, egal wie sehr er es will, oder versucht.

Auch denke ich, das ohne diese Unterstützung (Medikament, Sport) als Grundlage ein weiterer Therapieversuch auch wieder genau so scheitern würde. Bei einer Therapie, auch wenn der Therapeut sich mit ADS auskennt, wird mein Mann auch den Antrieb und die grundlegende Fähigkeit brauchen, um die Tipps der Therapie überhaupt umsetzen und anwenden zu können.

Selma08 hat geschrieben:Er erkennt seine Defizite und leidet drunter da muss ihn keiner darauf hinweisen. und nie vergessen, der ADSler leidet am meisten, immer ihm umsorgen mit Mitgefühl und nicht mit Zorn oder Mitleid. Hilfe schaffen anstatt das Leben zu vergiften mit Alltag Dinger "Klo, Küche, Haushalt..." nimmt vieles mit Humor und lasst Eure ADSler den Raum sich Positiv zu entwickeln, nicht mit Ratschläge und To do Listen sondern mitwirken und denkt dran warum ihr zusammen seid.

Da würde ich sagen, jain. So wie es einerseits sicher berechtigt ist, in gewisser Weise die Probleme des ADS im Alltag zu berücksichtigen, so würde ich gleichermaßen auch sagen, er hat auch "nur" ADS.
Ich denke jemand mit ADS kann ebenso gewisse Aufgaben im Alltag erledigen, vielleicht braucht man als Partner einen anderen Weg damit er die Aufgaben erledigt bekommt. Aber komplett die Person nur in Mitleid einpacken finde ich auch nicht richtig. Der Person dabei zu helfen sich zu entwickeln und im Alltag zurecht zu kommen halte ich sogar für sinnvoller, anstatt der Person (generell gesprochen) kompletten rahmenlosen Freiraum zu lassen. Ein gewisser Rahmen aus Struktur und festen Regeln soll meines Wissens für Betroffene mit ADS für den Alltag auch nicht allzu verkehrt sein.

Momentan hat zumindest die regelmäßige körperliche Betätigung sehr angenehme und positive Auswirkungen auf sein ADS im Alltag. Dadurch komme ich auch und die Situation zu Hause gut zur Ruhe. Noch ist er bisher dran geblieben, ich hoffe das er es zumindest bis zu den Psychiater Terminen im April beibehält.
Es ist für uns beide eine angenehme Veränderung momentan, ihm selbst geht es auch dadurch besser, das er Erfolgserlebnisse hat (in dem er es schafft, Dinge erledigen zu können anstatt immer zwangsläufig zu scheitern).
Signiert
Pagemaster
Beiträge: 59
Registriert: 13. Januar 2018 10:50

Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 11. April 2018 14:13

Leider verliefen die Psychiater Termine nicht so erfolgreich.
Die eine Psychiaterin hatte total die Hosen voll, was das Verschreiben von Amphetamin angeht. Andere vorgeschlagene Alternativen lehnte sie alle ab, weil diese nicht für die Behandlung von ADS zugelassen wären.

Was aber Unsinn ist, es muss nicht zwingend ein für ADS zugelassenes Medikament sein, wenn ihm beispielsweise Bupropion (zur Behandlung von Depressionen, kann aber auch zur Behandlung von ADHS eingesetzt werden) helfen könnte. Selbst manche Hausärzte verschreiben Antidepressiva ohne eindeutig vorliegender Depression.

Ein anderer Psychiater war zumindest nicht abgeneigt gegenüber Amphetamin, meinte aber mein Mann soll das erst mit einer ADS-Ambulanz abklären. Und wenn die das OK geben für Amphetamin, würde er es dann verschreiben.
ULBRE
Spezial User
Beiträge: 274
Registriert: 8. Februar 2018 22:08

Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon ULBRE » 11. April 2018 15:04

Hallo Signiert,

wenn die Psychiaterin Schiss hat, muss man sie damit lassen. Wenigstens erzählt sie nicht was falsches, sondern nur, dass sie sich nicht traut.
Einfach markieren und aus der Liste der geeigneten AD(H)S-Behandler löschen.

Elvanse erst nach sorgfältiger Diagnose zu geben halte ich für absolut vertretbar und spricht für mich für die erforderliche Sorgfalt.
Ganz besonders wenn es sich um einen ganz neuen Patienten handelt.

Bis dahin könntet Ihr mit NIkotinpflastern experimentieren. Sind rezeptfrei aber halt auch sauteuer.
Link über die Hintergründe dazu stelle ich gerne ein, falls das jemanden interessiert.

Ein Hausarzt könnte auch alte trizyklische Antidepressive in Minimaldosen verschreiben - Imipramin, Nortrilen (leider nur noch als Hollendreimport, der schlechter wirken soll als frühere deutsche Ware), Desipramin oder Trimipramin (letzteres vor allem Abends zum schlafen 5 - 10 Tropfen, tagsüber eher nur 1 bis 2). Nutzt aber auch nix, wenn der Dich keine Erfahrung damit hat, wie man das für AD(H)S dosiert (nämlich viiieeeeeel geringer als als AD).

Wie immer gilt: was der Doc sagt zählt, ich hab nur meine Meinung.


Danebn gibt es aber auch noch die nichtmedikamentösen Methoden, die ohnehin dazu gehören sollten: Ausdauersport (auspowern), Achtsamkeitstraining und langfristig achtsamkeitsbaiserte Verhaltenstherapie oder Neurofeedback.

Alles Gute und viel Erfolg

UlBre
„Wenn ein unordentlicher Schreibtisch einen unordentlichen Geist repräsentiert, was bedeutet dann ein leerer Schreibtisch ?“ Albert Einstein
Signiert
Pagemaster
Beiträge: 59
Registriert: 13. Januar 2018 10:50

Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 13. April 2018 11:52

Er hat die Diagnose in einer ADS Ambulanz bekommen, bzw. in 2 verschiedenen ADS Ambulanzen, eine davon war das ZI in Mannheim. Der Psychiater will aber nicht selbst entscheiden ob er meinem Mann Amphetamin verschreibt, sondern er will dass die Ambulanz es entscheidet. Dann kann mein Mann sich das Rezept aber auch bei der Ambulanz ausstellen lassen.

Ich bin andererseits auch dankbar, wenn ein Arzt uns andernfalls auch von Medikamenten abrät. Es geht uns schließlich nicht darum, das verschrieben zu bekommen was wir wollen (oder von dem wir meinen das es richtig wäre) sondern einen Arzt zu finden, der aufmerksam ist und selbst mitdenkt. Ein Arzt der leichtfertig alles verschreibt was der Patient haben möchte, kann genau so in die falsche Richtung gehen.

Aber was sind letztlich "erst" 3 durchprobierte Psychiater, immerhin ist jetzt Mal Bewegung in die Sache gekommen. Und wer weiß, vielleicht bekommt er letztlich in der Ambulanz das Ok für Amphetamin.
Murmel
Pagemaster
Beiträge: 190
Registriert: 21. Oktober 2017 09:18

Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Murmel » 14. April 2018 10:41

Schön zu lesen, dass sich jetzt etwas bei deinem Mann getan hat.
Ich selbst wurde damals auch in einer Ambulanz diagnostiziert und dort auch medikamentös eingestellt. Mein Rezept hole ich mir
auch immer dort ab.
Dein Mann sollte auch über eine Psychotherapie nachdenken. Am besten wäre da eine Verhaltenstherapie.
Drücke euch weiterhin die Daumen.
ULBRE
Spezial User
Beiträge: 274
Registriert: 8. Februar 2018 22:08

Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon ULBRE » 15. April 2018 15:32

Murmel hat geschrieben:Am besten wäre da eine Verhaltenstherapie.


Wollja.
Wobei achtsamkeitsbasierte Verhaltenstherapie bei AD(H)S kognitiver Verhaltenstherapie deutlich überlegen ist.

Bei der Gelegenheit - ich hab von einer schönen Untersuchung gehört (sie aber noch nicht gefunden), dass man schon in der ersten Stunde messen kann, ob die Therapie nach 3 Jahren erfolgreich sein wird, und zwar unabhängig von der Therapieform.
Patienten und Therapeuten wurden in der ersten Therapiestunde gefilmt.
Wenn eine positive, annehmende Stimmung zwischen T und P herrschte, war die Therapie nach 3 Jahren häufig erfolgreich. Wenn eine kühle, distanzierte Stimmung herrschte, eher nicht.
Wohlgemerkt: auf die Art der Therapie kam es dabei weniger an.

Warum trotzdem achtsamkeitsbasierte VT ?
Erstens gibt es neben dem P-T-Verhältnis auch noch Wirksamkeitsfaktoren von Therapieformen, und achtsamkeitsbasierte Therapieformen haben bei AD(H)S erheblich bessere Wirkamkeitsergebnisse als kognitive VT.
Zweitens kann man vieles von dem, was man in einer kognitiven VT über den Umgang mit AD(H)S lernen kann, sich mit Fleiss auch selbst anlesen (z.B. mehrere Bücher zum Thema lesen, in Foren unterwegs sein) und in Selbsthilfegruppen mitbekommen. Worauf muss ich achten, welche Tricks gibt es, was ist normal, was nicht. Achtsamkeit kann man dagegen schlechter lernen und besser üben...

Dabei gibts ausserdem noch unterschiedliche Einsatzzwecke von Achtsamkeitstherapie oder Achtsamkeitstraining je nach Subtyp:
Bei ADHS ist Achtsamkeit geradezu zwingend um überhaupt erst mal Therapiefähigekeit zu erreichen. ADHS (mit Hyperaktivität) hat einen dauerhaft erhöhtes Stresslevel, das nie runterschaltet. Es ist so erhöht, dass Achtsamkeit (MBCT, MBSR, Meditation, Yoga ...) geradezu aversiv ist - und was geradezu in die Erholungsunfähigkeit führt (oder diese aufrecht erhält, denn sie ist dann recht zuverlässig das Ergebnis) und man sich da erst mal reinzwingen muss, bis man den Stresslevel so weit runtergekriegt hat, dass man Entspannung innerlich überhaupt erst einmal annehmen und zulassen kann.
Bei ADS schaltet das Stressystem dagegen durchaus auch wieder ab, schlägt aber beim nächsten Stressor wieder voll zu und schaltet das Hirn auf langsam.
Bei ADS ist Achtsamkeit vor allem als Stressprophylaxe erforderlich, bei ADHS zum Stressabbau.


Gedankenspiel am Rande:
Wenn das mit dem Patienten-Therapeuten-Verhältnis stimmt, wäre es schlau, Schulen so zu organisieren, dass sich Schüler ihre Lehrer aussuchen könnten, denn dann wäre das Schüler-Lehrer-Verhältnis der wichtigere Faktor als die Unterrichtsform (frontal, koedukativ, wissensstufenbasiert oder wie das alles heisst). Dass es also verschiedene Mathe-/Deutsch-/Englisch-/Wasauchimmerlehrer gäbe, die je Klassenstufe immer gleichzeitig unterrichten so dass die Schüler der Klassenstufe alle gleichzeitig Mathe haben, aber eben bei dem Lehrer, mit dem sie am Besten können. Kennt man ja auch, dass Kinder in einem Fach nix auf die Reihe kriegen und nach einem Lehrerwechsel auf einmal schwuppdiwupp durchstarten...
Würde auch dazu führen, dass Lehrer sich mehr Gedanken darüber machen, wie sie mit ihren Schülern umgehen...
Ist jemand Lehrer und kann was dazu sagen ?

Viele Grüsse

Ulbre
„Wenn ein unordentlicher Schreibtisch einen unordentlichen Geist repräsentiert, was bedeutet dann ein leerer Schreibtisch ?“ Albert Einstein
Caesi
Pagemaster
Beiträge: 97
Registriert: 6. April 2017 13:36
Wohnort: RheinMain-Gebiet

Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Caesi » 20. April 2018 11:06

Nach langem Lesen muss ich gestehen, das Thema hat mich sehr berührt auf vielerlei Art. Das ein oder andere Aha!-Erlebnis war dabei, aber auch viel Abwehr, wenn ich die ein oder andere Äußerung gelesen habe. Ich konnte nicht alles erfassen und vergesse vermutlich wieder die hälfte der Gedanken die mir beim lesen durch den Kopf gingen... dennoch versuche ich meine Gedanken zusammen zufassen und hoffe das sie ein wenig weiterhelfen. Ich schreibe auch bewusst mein Erlebnis des Themas, weil spekulieren über die Gedanken anderer selten genau diese Gedanken trifft, aber mit viel Glück in meiner Empfindungs-/Gedankenwelt etwas verborgen ist, das euch hilft.

Ich gestehe das mich das ärgert, wenn ich ein rausreden auf die Krankheit höre. Weil jeder sein Leben selbst in der Hand hat. Wenn die Nichte meines Exmannes früher auf die Äußerung "Nun bleib doch mal still sitzen" mit dem Satz "Geht nicht ich hab mein Medikament noch nicht genommen" antwortete, hab ich innerlich gekocht. Mir kamen dann Gedanken in den Sinn wie: "Ja sorry das ich den Typen ermordet hab, ich hab mein Medikament noch nicht genommen" sind ja auch keine Ausreden und verhindern die Strafe nicht. Eben weil ein jeder Mensch Eigenverantwortung trägt. Die kann einem niemand abnehmen. ABER! auch wenn ich keine Diagnose hatte, hatte ich mein Leben lang schon einen gewissen Leidensdruck im Alltag und das einzige was mich davor rettete war meine kleine eigene Welt. Ich hatte immer das Gefühl nicht her zu gehören, auf dem falschen Planeten geboren worden zu sein. Oft habe ich das Gefühl das der andere gar nicht versteht was ich versuche ihm zu sagen, oder was in mir vor sich geht, und oder es auch gar nicht verstehen WILL. Ob dem so ist, weiß ich natürlich nicht. Aber das ist eben ein Problem das sicher noch mehr Menschen mit AD(H)S oder anderen Erkrankungen haben und ob dem so ist oder nicht, sobald dieses Gefühl da ist, macht man dicht, denn es ist für die entsprechende Person real in diesem Moment, das schlimmste was man dann tun kann ist ihr dieses Gefühl abzusprechen, was besser hilft, ist zu schauen was hat dir dieses Gefühl vermittelt.

Was dazu kommt, ich weiß nicht ob es anderen Menschen mit ADS auch so geht, ist dieses Gefühl keine Worte zu finden für das was gerade in einem vor sich geht. Oder sie kommen erst nach stundenlanger Diskussion um den heißen Brei ans Tageslicht.Warum das wichtig ist kommt später zu tragen in meinem Text.

Zuerst ich finde es gut das du deinen Mann verstehen möchtest! Aber ich lese auch viele Dinge heraus die meiner Ansicht nach schlichtweg zu weit gehen. Bitte entschuldige meine harten Worte, aber dein Mann ist ein Erwachsener Mensch, kein Kind. Teilweise klingen die Beiträge als suchst du für dich Rechtfertigungen, die dein Verhalten als Richtig erklären. Auch wenn Sätze wie "Mich stört es nicht" von ihm sicherlich nicht korrekt sind und ich verstehe das diese einen gewaltig ärgern, basiert eine Beziehung auf zwei Seiten. Zwei Menschen mit ihren Eigenheiten, die sich irgendwie zusammen raufen müssen und einen Weg für sich finden müssen wie sie ein harmonisches Zusammenleben führen können. Du kannst für dich schauen was du tun willst, wie du leben möchtest und mit ihm darüber sprechen, aber respektiere das auch er seine Vorstellung von einem guten Leben hat.

Ich kenne deine Situation in einem anderen Kontext. Mein Mann ist Asperger-Autist. Die Diagnose bekamen wir erst im Erwachsenenalter. Es gab als Kind schon einen Verdacht, aber seine Familie ist dem nie nachgekommen und da er seine eigenen Überlebensstrategien entwickelt hatte, hat es auch seine Exfreundin, die Pflegerin in der Psychiatrie ist nicht bemerkt. Erst im Familienleben mit Kindern fiel auf das da einiges im Argen liegt, denn da funktionierten die ganzen Strategien nicht mehr. Durch einen Film über Asperger kam damals bei ihm dann der "Klick" als ihm auffiel das es ihm in vielen Dingen genauso ergeht. Wir ließen es abklären und bekamen den Verdacht bestätigt. Ab da ging es bei mir erstmal vorrangig um die Frage "kann ich damit leben? Es ist nicht einfach nur schlechte Erziehung, sondern etwas das bleibt. Etwas das er nicht einfach so "weg therapieren" kann. Natürlich kann man Strategien entwickeln für den Alltag, aber er ist eben wie er ist. Erst als ich die Frage ob ich damit leben kann und dies respektieren kann mit einem klaren "ja" beantworten konnte, ging es dann daran, wie können wir den Alltag für alle bestreiten, das es funktioniert und keiner zu kurz kommt. Es gibt Dinge die KANN er als Autist schlicht nicht leisten. Zum Beispiel kann er beim Familienspieleabend anwesend sein, das es ihm aber auch Spaß macht und in nicht stresst, das können wir nicht erwarten. Ergo haben wir hier den Kompromiss er ist für ein-zwei Runden dabei und darf sich dann zurück ziehen. Wir haben das Glück das er einer der wenigen Autisten ist die äußern können wie ihre Welt aussieht und daher konnten wir mit Hilfe einer Therapeutin eben auch unsern Alltag danach strukturieren.

Zu beginn war ich wie du, hab mich eingearbeitet und gesucht und gekämpft und mich dabei abwechselnd zurück gestellt oder eben auf bockig geschaltet. Ich habe angefangen ihn mehr zu bemuttern, als das ich uns als ebenbürtige und gleichwertige Erwachsene ansah. Erst als bei mir der Zusammenbruch kam, weil ich energetisch total am Ende war, kam das Bewusstsein auf, das es so nicht funktionieren kann. Ich fing an mich nicht mehr auf seine Defizite zu konzentrieren, sondern mehr und mehr auf seine Stärken. So übernimmt er zum Beispiel inzwischen Amtsgänge oder Arztgespräche, bei denen ich zu emotional reagiere. Ich musste lernen ihm dabei zu vertrauen und er zeigte mir auch das ich es kann. Er geht dabei unglaublich sortiert vor und kann mir alles wichtige Detailliert erklären, nach dem Besuch. Meine Ordnung wird er nie einhalten können, er sortiert Grundsätzlich Dinge anders ein als ich es tue, weshalb wir zum Beispiel am Kühlschrank einen Zettel hängen haben, wo was hingehört. Dennoch schreit er immer nach mir, wenn die Butter am richtigen Platz steht, weil er sie nicht sieht, weil sein Kopf sie woanders hinpacken würde. Das ist aber eine Kleinigkeit und darüber rege ich mich nicht auf, sondern reiche sie ihm dann schmunzelnd. Und das ist das Zauberwort! Schaue ob die Dinge wirklich den Stress wert sind. Sortiere die Dinge aus die nicht so wichtig sind und konzentriere dich lieber auf wirklich wichtiges. Lerne über das ein oder andere Hinweg zu sehen, das Ärger nicht wert ist. Mein Mann vergisst zum Beispiel ständig seinen Rasierer weg zu räumen, so mache ich das eben einfach, weil es nicht wichtig ist sich drüber zu ärgern, sondern viel wichtiger ist, das er weg ist und die Kinder sich nicht verletzen können. Vergessen tut ers das nächste mal sowieso wieder, aber ich habe mehr Stress wenn ich mit ihm zank deswegen anfange, als ihn einfach weg zu räumen. So übergebe ich ihm lieber die Aufgaben die er viel besser kann als ich. Und jeder Mensch hat solche Aufgaben die ihm besser liegen, als dem Partner. Wenn man Aufgaben nach Fähigkeiten und nicht nach Geschlecht oder Gesellschaftlichen Vorgaben sortiert, ist das zusammen leben ruhiger und entspannter.

Wir haben uns zum Beispiel erstmal zusammen getan und geschaut was dem einzelnen jeweils wichtig ist. Das nach Rang sortiert und dann den Alltag danach strukturiert. Und da ich alles kann nur keine Struktur auf dauer aufrecht erhalten, weil ich mich schnell langweile, ist es seine Aufgabe die Pläne am laufen zu halten und mich daran zu erinnern. Das ganze funktioniert deshalb, weil wir ungeachtet von irgendwelchen Diagnosen den andern so nehmen wie er ist, ohne an ihm rumdoktern zu wollen.

Der Satz er hat ADS, aber es ist "nur ADS" hat mich ehrlich gesagt etwas verstört. Sicher soll man sich nicht auf die Krankheit rausreden, aber es gibt nunmal Schwierigkeiten die nicht einfach so verschwinden und es gibt Themen die bleiben ein ewiger Kampf, auch wenn man Strategien entwickelt um besser damit umzugehen. Die Kraft für diesen Kampf muss man erstmal haben und der Mensch neigt auch ohne ADS dazu erst zu reagieren, wenn der Leidensdruck zu groß wird, denn dann erst wird es als Problem wahrgenommen. Solange bisherige Strategien funktionieren, wenn auch nicht zu einem guten Ergebnis führen, werden sie beibehalten und es gibt keinen Grund daran etwas zu ändern. Erst muss die Selbsterkenntnis kommen, von sich selbst heraus, von außen nimmt man es selten wirklich effektiv an, bevor die Bereitschaft da ist etwas zu tun. Dann hilft eine positive Begleitung und Bestärkung und vor allem Rückhalt Zuhause, vorher wird es aber als Stressfaktor empfunden, auch wenn es noch so liebevoll gemeint ist. Wenn etwas nicht funktioniert, bemerkt man das durchaus auch alleine und der ärger über sich selbst ist schon schlimm genug, weshalb jedes "darauf stupsen" von Außen die Sache noch schlimmer macht. Dann reagiert man ausweichend, rechtfertigend auch wenn es noch so absurd ist und man sich selbst bewusst ist, wie dumm das gerade ist. Selbst neutrale Fragen wie "Wann machst du XY?" können da schon triggern, weil man in dem Moment merkt "Mist ich hab es wieder vergessen" Was nicht bedeutet das man diese Fragen lassen soll, sondern das man sich eben im Bewusstsein hält, das solche Reaktionen oft einen anderen Hintergrund haben als es scheinen mag und versucht die Reaktion dann nicht auf sich selbst zu Beziehen, sondern sich bewusst macht, das war eine Reaktion auf die Situation, nicht auf mich. Das nimmt viel Stress raus und hilft bei sich selbst zu bleiben und hilft vor allem das Vertrauen aufrecht zu halten.

Es ist gut wenn du deinem Partner vermittelst was dich stresst in eurem Alltag, aber überlasse ihm die Entscheidung ob und was er dagegen machen möchte. Entscheidet er sich dafür nichts zu tun, dann musst du entscheiden ob das eine Partnerschaft ist die du führen magst. Sagt er von sich aus, er würde gerne, weiß aber nicht wie, biete ihm Hilfe an, begleite ihn in dem Maß das er als Angenehm empfindet und selbst bestimmt. Ich habe zum Beispiel meinen Partner gebeten, selbst wenn ich mit Unmut reagiere, wieder un wieder nachzufragen ob ich XY schon erledigt habe. Er weiß das mein Unmut nicht ihm gilt, sondern der Sache und das ich diesen Druck benötige. aber ich kann ihn nur annehmen, wenn ich selbst darum bitte. Kommt er ungebeten, schalte ich auf Stur, wie vermutlich so gut wie jeder andere Mensch, egal ob AD(H)S, Autismus, sonstige Leiden oder Normal.

In jeder Partnerschaft ist gegenseitiger Respekt und Kommunikation das A und O. Manchmal muss man erst einen Weg finden wie die Kommunikation gut stattfinden kann, dafür gibt es mehrere Wege. Die gewaltfreie Kommunikation ist allerdings diejenige mit der ich die beste Erfahrung gemacht habe in meiner Beziehung. Da mein Partner im direkten Gespräch aber dazu nicht in der Lage ist haben wir ein "besonderes" System. Ich schreibe meine Gedanken und Empfindungen in ein Tagebuch, das er lesen darf, dadurch kann er diese Wertfrei annehmen und reflektiert darüber nachdenken. Eben weil man ja in ein Tagebuch intime Gedanken reinschreibt und er sich bewusst hält das dies mein Bereich ist. Ich benötige das Mittel nicht, sondern kann direkt nachhaken was in ihm vor sich geht. Und wenn er das Gefühl hat ich gehe nicht angemessen auf ihn ein frage ich nach "Wie kann ich dir das Gefühl vermitteln, was benötigst du gerade?" für mich ist das Tagebuch aber auch der Bereich wo ich leichter meine Innenwelt in Worte fassen kann, wo mir im direkten Gespräch die Worte entgleiten. Weil ich den Gedankenfluss ungefiltert einfach niederschreiben kann. Vielleicht würde das ihm auch helfen. Ich schreibe nicht jeden Tag rein, sondern dann wenn ich Emotional gerade bewegt bin egal in welche Richtung, auch schönes. Das Selbstbild ist unglaublich wichtig! Wenn man ständig mit negativem konfrontiert wird, dem ärger über sich selbst, weil was nicht geklappt hat, oder weil Druck von außen kommt, sackt es in den Keller und es dauert bis es wieder heile ist. sich selbst bewusst zu machen wo schöne Dinge passiert sind und was toll gelaufen ist, hilft dabei ungemein. Vor allem baut es unglaublich viel Stress ab und kann in Zeiten wo die Energie nicht so da ist einen hübschen Motivationsschub geben.

Zum Thema Haushalt: ich habe gemerkt das ich meine Aufgaben im Haushalt am besten Abends erledigen kann, über Tag hab ich einfach nicht den Nerv dafür. Meine Familie ist daher inzwischen gewohnt das es manchmal eben abends um 22 Uhr nochmal rumpelt, weil ich dann beginne zu Spülen oder das Badezimmer zu putzen usw. vielleicht nimmt es auch euch Stress raus, wenn du nicht die Zeiten festlegst, sondern er die Zeiten festlegen darf, wann er am Produktivsten ist. Zu sagen "Erst Haushalt, dann PC wirkt nicht unbedingt. Wenn ich zum Beispiel gerade ein Häkelwerk oder Bild im Kopf habe, dann kann ich mich nur noch darauf konzentrieren und alles andere sind nervige Störfaktoren. Dann muss ich erst das erledigen bevor ich mich an das eigentlich wichtige machen kann.

Allerdings habe ich auch schnell gemerkt, das dieses ständig am Smartphone erreichbar sein zu können unglaublich viel Energie zerrt. Ich habe mich von Facebook und Co daher gelöst, weil sie mir keinen wirklichen Spaß bereitet haben. Aber diese Erkenntnis kam aus mir selbst heraus, von außen hätte ich sie nur sehr schwer annehmen können. Ich selbst hab den Druck verspürt und dadurch immer mehr genervtheit darüber, bis ich dann sagte "Schluss, der Mist nervt mich nur" und dann den Konsum eindämmte.

Was das gemeinsam Zeit verbringen geht, wäre eine Möglichkeit das du Morgens fragst ob er am Abend Lust hat mit dir XY zu machen, das du ihn nicht so spontan aus seinem Abendprogramm auf das er sich eingestellt hat raus reißt. Dann kann er sich vorbereiten darauf.

Das war jetzt viel Text *uff* Ich hoffe wirklich das was hilfreiches dabei war.
"Habe den Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen" (Immanuel Kant)
Signiert
Pagemaster
Beiträge: 59
Registriert: 13. Januar 2018 10:50

Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Signiert » 25. April 2018 14:37

Der Satz er hat ADS, aber es ist "nur ADS" hat mich ehrlich gesagt etwas verstört. Sicher soll man sich nicht auf die Krankheit rausreden, aber es gibt nunmal Schwierigkeiten die nicht einfach so verschwinden und es gibt Themen die bleiben ein ewiger Kampf,

Es ist verständlicher, wenn noch ein paar mehr Hintergrund-Infos da sind. Aber mir war das eigentlich zu persönlich zum Erzählen und ich dachte auch, das es nicht wirklich nötig wäre weil es hauptsächlich um ihn geht.

Ich habe vor ca. 1,5 Jahren die Diagnose Asperger-Autismus bekommen. Ordnung ist mir EXTREM wichtig, weil jedes Bisschen Unordnung, herumliegende Dinge etc. für mich zusätzliche visuelle Reize sind. Was mein Mann zu wenig wahrnimmt, nehme ich um mich herum zu viel wahr. Zusätzlich dazu bin ich körperlich eingeschränkt, ich habe eine Autoimmun-Erkrankung seit 2015 (noch vor seiner Diagnose) weshalb ich schneller erschöpft bin tagsüber. Das was ich täglich mehrere Stunden an Zeit und Energie brauche um die Ordnung zu machen die ich brauche, wäre für ihn ein Aufwand von maximal 20-30 Minuten am Tag.

Mein Alltag jeden Tag besteht darin, das ich von ca. 9 Uhr morgens bis ca. 12 Uhr, und dann noch Mal von ca. 13 Uhr bis 15 Uhr zu Hause Ordnung mache. Alltägliche Arbeiten, Wäsche in die Maschine, Staubsaugen, aufräumen, etc.
Ich schaffe es nicht Mal in den Stunden mit allem fertig zu werden, und wir haben nur ca. 70qm Wohnfläche und keine Kinder. Dann kommt er nach Hause und innerhalb weniger Stunden sieht es zu Hause wieder so aus, als hätte ich den ganzen Tag NICHTS gemacht. Am nächsten Tag kann ich dann wieder bei null von Neuem anfangen. Weil meine ganze Mühe und Arbeit am Vortag im Prinzip umsonst war.

Das ist 7 Tage die Woche 365 Tage im Jahr der Hauptteil meines Alltags, weil ich durch seine Unordnung nie damit fertig werde, das wirklich alles ordentlich und sauber ist. Wenn ich meinem Mann mitteile, das mich das belastet, kommt von ihm die besagte Antwort, ihn Stört die Unordnung nicht.
Ich habe dadurch weder Zeit für Hobbies, noch Zeit für mich selbst. Wenn ich an einem Tag einen Arzttermin oder anderen nicht lange dauernden Termin habe ich noch weniger Zeit, zu Hause Ordnung zu schaffen. Wenn ich ihn dann darum bitte, darauf zu achten seine Socken nicht auf dem Boden liegen zu lassen, oder seinen Frühstücksteller ins Waschbecken zu stellen, weil mir das weniger Arbeit macht und es mir körperlich eine Erleichterung ist, finde ich das nicht zu viel verlangt.

Ich habe Verständnis dafür, das ihm die Aufmerksamkeit fehlt die Probleme und auch meine Beschwerden wahrzunehmen. Aber auch das ich mich ihm mehrfach mitgeteilt habe, wie gesagt auch schriftlich das er es nachlesen kann wenn er die Hälfte vergisst, wie es mir geht und was mir helfen würde, hat nichts geändert.
Langfristig gehe ich daran kaputt, ich habe weder Zeit für Hobbies als Ausgleich, noch für mich selbst, jeden Tag den Stress und nicht Mal ein Umfeld in dem ich mich entspannen kann weil mir die Ordnung fehlt.

Wenn es nach ihm ginge, bräuchte sich vermutlich nichts ändern. Für ihn ist es ordentlich genug zu Hause, er hat alles was er braucht und, läuft soweit. Daher vermutlich auch die fehlende Motivation. Auch wenn ich es enttäuschend finde, das es als Motivation nicht auszureichen scheint, das es mir schlecht geht und ich zu Hause seine Hilfe bräuchte.
Aber das ist wohl der Sch*** wenn man jemanden liebt, dann bleibt man trotzdem...
Benutzeravatar
Maya18Max
Foruminventar
Beiträge: 527
Registriert: 6. März 2016 14:59
Wohnort: in einem schwäbischen Dorf
Alter: 35

Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Maya18Max » 25. April 2018 15:03

Hallo Signiert,

wow! Toller Bericht. Besuchreibst du uns zu Hause?! :shock: :o

Deine Beschreibung könnte original von mir kommen. Einmal jeschreibst du meinen/deinen Mann und zum anderen mich/dich :(

Ich habe “nur“ die Diagnose ADHS und auf alle Fälle eine Unterfunktion der SD evtl Hashimoto sowie Fibromyalgie. Mein Mann hat ebenso ADHS und Sohne mann ADHS UND Autismus. Jetzt ist die Frage, ob ich nicht auch Autismus mit dabei habe.

Ich profitiere definitiv, wie Sohnemann auch, von einem Amphetamin (Elvanse), was im Gegensatz zu MPH/Ritalin den Reizfilter noch besser abschirmt. Mein Mann würde auch von MPH profitieren, nimmt es aber unregelmäßig, nicht Tagesabdeckend ein. Ich würde eine weitere Besserung mit Elvanse sehen, auch wg der massiven Impulsivität. Er braucht sie jedoch, behauptet er. Verstehe ich zwar Nicht, kann es aber nicht ändern. Vermutlich stimmt die Dosis nicht, sonst würde er anders damit umgehen können. Und Arzt weigert sich momentan Elvanse zu rezeptieren.

In einer Phase, wo er die Medis regelmäßiger genommen hat, ist es uns Hause besser gegangen. Er konnte mehr erledigen und hat mich mehr unterstützt. Jetzt suche ich auch verzweifelt Möglichkeiten, dass es besser wird, er seine Medikamente nimmt und besser strukturiert ist, auch im Hinblick auf Sohn.

Tja, nun ist guter Rat teuer... und ich bin durch eine massive Grippe momentan außerstande alles zu übernehmen und jeden Tag genau das gleiche Spiel wie du plus das ganze Organisatorische und Papierkrieg sowie Sohnemanns Therapien, die Schulprobleme und meine Arbeit mit 30 StundenWoche unter einen Hut zu bringen.

Lösungen habe ich bisher keine gefunden. Fakt ist, dass ich denke, dass Trennung nichts bringt. Wir haben große Schritte in die richtige Richtung gemacht mit Aufklärung, so dass er es versteht. Dazu zwingen geht leider nicht. Selbstbestimmung lautet das Zauberwort, auch wenn es noch so schwer ist. :cry:

Ich denke insgesamt, seit ihr auf einem guten Weg. Aber ich verstehe dich sehr gut, oft ist es einfach zu viel und man wünscht sich ein klitzekleines bisschen Verständnis und Anerkennung!
Eine völlig Chaotische Familie:
Und immer geht es Berg und Tal, wie bei einer Achterbahn :mrgreen:
Caesi
Pagemaster
Beiträge: 97
Registriert: 6. April 2017 13:36
Wohnort: RheinMain-Gebiet

Re: Partner mit Erwachsenen-Diagnose

Beitragvon Caesi » 25. April 2018 17:42

@Signiert

Nun dann solltet ihr die Tipps die ich in meinem Beitrag geschrieben habe mal anschauen, ob sie euch helfen, wir haben es bei uns ja umgekehrt. Ich habe ADS und mein Mann Autismus. Und nein ADS bedeutet nicht das man keinen Blick für andere hat oder haben kann.

Ich habe ja nicht nur den einen Satz geschrieben den du zitiert hast ;)

Ich wünsche euch viel Erfolg beim Zusammenraufen.
"Habe den Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen" (Immanuel Kant)

Zurück zu „Board für Nicht – ADSler, Interessierte, Freunde und Partner*“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 22 Gäste