AD(H)S bei Kleinkind?

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QueenF
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AD(H)S bei Kleinkind?

Beitragvon QueenF » 2. Januar 2018 19:56

Hallo, ich schreibe aufgrund eines Verdachtes.

Mein Kleiner wurde im 7. Monat (SSW 30+0) per Kaiserschnitt auf die Welt geholt, da er zu klein und leicht war, nur 995 Gramm schwer. Er war 2 Monate auf der Frühchenstation, bis auf einen Leistenbruch inkl. OP war aber alles ok soweit.

Er war ein sehr unruhiges Baby, hat sehr viel geschrien und geweint und war nur - wenn überhaupt - im Tragetuch ruhig. Den Kinderwagen haben wir so gut wie nie verwendet, da er darin nur geweint hat. Wir waren mit ihm direkt im SPZ angebunden, weil man uns dies auf der Frühchenstation empfohlen hat, da dort alle Kinder mit einem Geburtsgewicht unter 1500 Gramm angebunden würden. Im SPZ meinte die Ärztin, er könne sich schlecht regulieren und ginge schon in Richtung Schreibaby. Ich fand die Diagnose damals aber nicht gut, da sie ihn dort ja nur ganz selten für eine kurze Untersuchung sehen und er dabei ja mit diversen Vojta-Griffen durch die Luft geschleudert wurde. Für mich war es kein Wunder, dass er schrie wie am Spieß. Ich wusste, dass er sehr viel weint, aber für mich war das irgendwo für ein Baby - gerade eine Frühchen - auch normal. Auch dass er so extrem viel Nähe im Tragetuch braucht, hat mich nicht weiter beunruhigt. Vom SPZ aus hat er nur Physiotherapie gemacht (wir haben uns für Bobath entschieden, obwohl man Votja empfiehl, da er eh immer schon die meiste Zeit schrie und ich Bobath nur noch mehr belastend fand).

Er ist ein extrem anhängliches Kind und wir haben es bereits mit Kinderkrippe versucht im August 2017 (da war er korrigiert 13 Monate). Er hat fürchterlich geschrien und die Methoden des Erziehers waren unmöglich und er selbst mir auch mega unsympathisch, sodass ich ihn wieder abgemeldet habe dort. Es war ja Sommer und ich bin immer mit ihm raus und auch öfters ins Freibad. Unruhig war er immer und auch direkt trotzig, wenn es nicht so lief, wie er wollte. Ich hatte das Gefühl, dass bei ihm die Trotzphase bereits mit 11 Monaten begonnen hat. Ich dachte jedoch, dass es daran liegt, dass er noch nicht selbstständig laufen konnte und es ihn frustriert. Wie vor jedem Entwicklungsschritt dachten wir, dass es besser wird und er sich auch mal selbst beschäftigen kann, sobald der nächste Schritt erreicht ist. Er konnte dann mit 18 Monaten (korrigiert 16 Monaten) selbstständig ohne Hilfe laufen. Er ist dadurch aber nicht unabhängiger oder selbstständiger geworden. Ich weiß, er ist natürlich noch sehr klein (jetzt ist er 20 Monate alt), aber er spielt wirklich absolut nie mit seinem Spielzeug auch nur einen kurzen Moment alleine. Er bekommt immer sofort wegen jeder Kleinigkeit Wutanfälle und ist extrem unruhig. Ein Buch kann man sich auch nicht in Ruhe mit ihm anschauen, geschweige denn etwas vorlesen. Er kann sich einfach nicht darauf konzentrieren und blättert wild durch die Seiten. Er liebt aber Musik und tanzt direkt, sobald welche ertönt. Ansonsten hängt er aber wirklich nur an mir dran. Er will ständig getragen werden, schreit viel rum und dann ständig diese Tobsuchtsanfälle, wenn es nicht nach ihm geht. Sie kommen immer wie aus heiterem Himmel und niemand weiß, was überhaupt Sache ist. Er ist dann eigentlich nicht zu beruhigen, lässt überhaupt nicht mit sich reden. Er rennt wie wildgeworden los und man muss ständig aufpassen, dass er sich nicht verletzt. Er ist so extrem anstrengend. Natürlich sind das alle Kleinkinder, aber wenn ich ihn in Gegensatz zu den anderen Kleinkinder sehe, merke ich, dass er extrem ist und mache mir ernsthaft Sorgen, dass etwas nicht mit ihm stimmt. Wir haben ihm nun auch ein BobbyCar geschenkt, er kann nicht damit fahren und ist direkt frustiert und steigt ab oder wütet rum. Man kann es ihm ständig zeigen, es bringt nichts.

Er quengelt den kompletten Tag rum und man kann nie etwas kurz ungestört machen. Wenn ich z.B. Schriftkram am PC erledigen muss, kommt er ständig quengelnd an, will an die Tastatur und Maus. Will ich kurz am Handy eine Nachricht beantworten, reißt er es mir aus der Hand. Man kann ungelogen nicht mal kurz eine WhatsApp-Nachricht beantworten (und ich bekomme nicht den ganzen Tag welche). Er will immer genau das haben, was man in dem Moment hat. Er spielt nicht mit seinem Spielzeug, stattdessen quengelt er in einer Tour. Ich kann und will aber nicht den kompletten Tag mit ihm spielen, sondern auch mal kurz Ruhe bzw. muss ich auch den Haushalt erledigen oder mal was kochen. Wenn ich dusche, wartet er im Bad auf mich (mache dann immer Radio an, da er ja gerne Musik hört und tanzt), da quengelt er zum Glück nicht ganz so extrem (außer wenn ich wieder raus aus der Dusche bin).

Andere Kinder in dem Alter spielen doch auch mal kurz alleine, oder? Wir haben hier auch leider keine Großeltern oder sonstigen Verwandten, die mal für Entlastung sorgen könnten.

Ich finde ihn echt nur noch unglaublich anstrengend und belastend, obwohl ich ihn natürlich über alles liebe. Ich kann mir mein Leben ohne meinen Kleinen nicht vorstellen, aber ich hätte gerne mal einen Tag Ruhe. Er war noch nicht einen Tag seit Geburt ohne seine Eltern. Babysitter geht ja auch nicht, da er wirklich wie am Spieß schreit, sobald ich nicht mehr in Sichtweite bin. Bin echt gespannt, wie es mit der Krippe klappen soll. Wir sollen bald einen Krippenplatz haben, in einer anderen Krippe. Ich hoffe, die Eingewöhnung klappt und dass er einfach nur mehr Auslastung benötigt und sich alles normalisiert.

Sind das schon Anzeichen für ADHS? Also dass er sich nicht alleine beschäftigen kann, ständig in ohrenbetäubender Lautstärke schreit und Wutanfälle bekommt, eine niedrige bis gar keine Frustationsgrenze hat etc? Mir macht es echt Gedanken... Mit 2 wird er ins SPZ eingeladen, ich werde es da auch mal ansprechen. Oder sollte ich es schon vorher? Sind ja noch 4 Monate. Kann man ADHS bei Kleinkindern überhaupt schon diagnostizieren?

Sorry, ich weiß, ich habe viel geschrieben, aber es ist einfach alles zu viel momentan... Und ich hab auch echt ein schlechtes Gewissen und frage mich manchmal, ob es an uns liegt... Danke schon mal für Antworten und euch allen ein gesundes und frohes neues Jahr.
QueenF
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Re: AD(H)S bei Kleinkind?

Beitragvon QueenF » 2. Januar 2018 20:32

Achso, noch eine Info, aber ich weiß nicht, ob sie irgendwas nützt oder irgendwas begüngstigt haben könnte... In der Schwangerschaft, vor allem in den ersten 5 Monaten, hatte ich wirklich extreme Hyperemesis. Also ich musste auch mehrmals ins Krankenhaus zur Infusionstherapie. Dadurch war auch meine Schwangerschaft ein einziger Horrortrip, ich habe extrem gelitten und als es mir endlich besser gingt, wurde sie ja direkt durch die Frühgeburt beendet. Kann sich dieser Schwangerschaftsstress auch so auf ihn ausgewirkt haben? Obwohl ADS bzw. ADHS ja eine genetische Erkrankung ist, oder?
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Hanghuhn
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Re: AD(H)S bei Kleinkind?

Beitragvon Hanghuhn » 2. Januar 2018 22:03

Der Kleine ist wirklich anstrengend. Ob ALLES an ADHS liegt, kann Dir allerhöchstens der Arzt sagen. ADHS-Kinder sind ogt auch sehr anhänglich. Aber vielleicht vermisst Dein Kleiner immer noch die Mutter, weil er zu früh geboren wurde.

Wie ist es denn mit Deinem Mann? Kann er ihn mal für eine halbe Stunde oder Stunde nehmen?

Ich sehe, dass Du springst, sobald der Kleine etwas will. Das ist auch ganz lange richtig so. Aber irgend wann muss auch er merken, dass sich nicht ALLES um ihn dreht.

Für mich sieht das so aus: Der Kleine schreit, und Du springst (Wenn Dein Mann da ist, springt er mit, rennt er 'raus, oder was mach er sonst?), Du bringst im das Schreien bei. Wenn Du mal nicht springst, weil Du ganz bestimmt nicht permanent neben ihm stehst und Dich ja auch nicht zu ihm hinbeamen kannst, meint er, dass er noch mehr schreien muss, damit Du springst.

Du warst die ersten Monate mit ihm allein. Was hat Dein Mann in dieser Zeit gemacht? Ab und zu mal "dudu" reicht nicht, um seine Rolle als Vater einzunehmen. Ich glaube, dass der Kleine so auf Dich fixiert ist, weil er auch kaum etwas anderes kennt. Deinen Mann hat er nicht als zweite verlässliche Person kennen gelernt. Sehe ich das richtig? Er spielt die Rolle des Gastes, der ab und zu mal "mucks" machen darf, sonst nichts. Schreib, wenn es anders ist!

Mein Kind war in einigen Punkten ähnlich. Ich habe ganz bestimmt nicht alles richtig gemacht. Mir war es immer wichtig, meinen Mann zu beteiligen. Männer können komisch sein.
LG Hanghuhn
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Re: AD(H)S bei Kleinkind?

Beitragvon Addy haller » 3. Januar 2018 00:10

QueenF hat geschrieben:Sind das schon Anzeichen für ADHS? Also dass er sich nicht alleine beschäftigen kann, ständig in ohrenbetäubender Lautstärke schreit und Wutanfälle bekommt, eine niedrige bis gar keine Frustationsgrenze hat etc? Mir macht es echt Gedanken... Mit 2 wird er ins SPZ eingeladen, ich werde es da auch mal ansprechen. Oder sollte ich es schon vorher? Sind ja noch 4 Monate. Kann man ADHS bei Kleinkindern überhaupt schon diagnostizieren?

Nach dem, was du schilderst, verstehe ich deine Sorgen. Was spricht dagegen, sich jetzt schon ans SPZ zu wenden?
Gutemiene
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Re: AD(H)S bei Kleinkind?

Beitragvon Gutemiene » 7. Januar 2018 23:13

Der Schilderung nach liegt es sicher nicht nur an "richtigen" oder "falschen" Erziehungsmethoden.
Der Kleine ist ja verbal noch nicht in der Lage, irgendwas zu äußern, was seine Wutanfälle erklären könnte.

Da kann die Mutter nur raten und dann versuchen, ihn zu beruhigen.

Ich kann mir vorstellen, dass die Situation zu permanenter Überforderung führt und damit auch zu Schuldgefühlen . So kann man es ja auch keinem recht machen, vor allem nicht sich selber....

Möchte dringend dafür werben, sich Unterstützung einzuholen.
Wie schon geschrieben, weshalb nicht dringend ein Termin im SPZ ?

Früher gab es Mütterberatung im Gesundheitsamt.
Gibt es bei euch Selbsthilfegruppen für Frühchen-Eltern?
Für Schreibabys?
Ich würde jeden Strohhalm ergreifen, der sich bietet.

Und bei alledem bedenken, dass er mit 20 Mon. noch sehr jung ist. Es kann sich noch viel entwickeln, aber du brauchst jetzt Unterstützung!
"Mach' GUTEMIENE zum Besenspiel" :lol:
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Sonnenblume123
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Re: AD(H)S bei Kleinkind?

Beitragvon Sonnenblume123 » 8. Januar 2018 14:19

Hallo!

Ich würde auch jeden Strohhalm greifen, den man bekommt. Und wenn man merkt, dieser oder jene endet in einer Sackgasse.. umdrehen und anderen Weg gehen, weiter suchen. Weiter beobachten.
Ich selber war mit meinem Sohn über 10 Jahre lang komplett alleine, so dass mehr als "Dudu.. " von seitens des Vaters nicht vorhanden war. Hier war es immer wichtig, Hilfe zu haben. Sei es von Freunden, Verwandten,.. Selbsthilfegruppen.. und wenn es nur mal ein Telefonat war, wenn nichts mehr ging. Rückblickend war viel umsonst, aber das nach Jahren zu wissen, ist keine Kunst. Man weiss manchmal nicht, was kommt. Wir haben so viel durch.. Ergo, verschiedene Psychologen, Heilpraktiker, Ambulanz, teilstationäre Therapie,.. Selbsthilfegruppen..verschiedene Kinderärzte.. :shock:
Ein ganz großer Schritt war der sehr glückliche Umstand, dass wir sehr früh eine Tagesmutter mit 5 eigenen Kindern hatten. Dort lief er als einer von vielen mit und war komplett unauffällig. Er lernte Regeln, lernte sich zurück zu nehmen, sich zu beschäftigen.. all das, was in einer 2er-Konstellation zuhause oftmals nicht immer durchsetzbar ist, das weiss ich nur zu gut.

Aber wie schon gesagt wurde, er ist noch nicht so alt. Wenn Du allerdings das Gefühl hast, es geht nicht mehr, hol Dir Hilfe. Manchmal ist schon das Gefühl, "dass man was tut", erleichternd.

( Meiner lief erst mit 21 Monaten und rastete regelmäßig aus, wenn er merkte, dass sein Kopf weiter war als sein Körper es zuliess.. )

Viel Glück und lass nicht den Kopf hängen. So oder so - jeder Weg lohnt sich.

:D
Falschparker
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Re: AD(H)S bei Kleinkind?

Beitragvon Falschparker » 10. Januar 2018 00:32

Nein, diagnostizieren kann man ADHS mit knapp 2 nicht. Aber Tendenzen sehen natürlich.

Wir waren bei unserem Jüngsten in diesem Alter schon ziemlich sicher, aber auch deswegen weil wir das mehr oder weniger erwartet hatten wegen meiner eigenen ADHS und der unseres älteren Sohnes. Bei der Kinderpsychiaterin waren wir mit ihm das erste Mal als er vier war, und medikamentös behandelt wird er nun seit er, warte mal, vier Jahre und sieben Monate ist.

Und auch das ist schon extrem früh, das macht kaum ein Arzt.

Kennst du das einschlägige Buch von Cordula Neuhaus?
https://www.herder.de/leben-shop/hat-unser-kleinkind-ad(h)s-taschenbuch/c-28/p-3629/

Viele Grüße und alles Gute
Falschparker
ADHDgoesto11
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Re: AD(H)S bei Kleinkind?

Beitragvon ADHDgoesto11 » 10. Januar 2018 09:13

Falschparker hat geschrieben:Bei der Kinderpsychiaterin waren wir mit ihm das erste Mal als er vier war, und medikamentös behandelt wird er nun seit er, warte mal, vier Jahre und sieben Monate ist.


Je nach Intensität der Symptome kann es die Diagnose auch ziemlich früh geben. Bei Sohnemann war nach den ersten beiden Wochen im Kindergarten der erste Termin beim SPZ angesagt; die medikamentöse Behandlung begann auch mit 3.5 - 4 Jahren (muss ich mal nachsehen, das ist mittlerweile auch schon 8 Jahre her). ;)

Tochter *2007 ... ADHS
Sohn *2005 ADHS+Autismus
Schimmeline
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Re: AD(H)S bei Kleinkind?

Beitragvon Schimmeline » 12. Januar 2018 14:18

Mein Sohn ist ADSler. Die Diagnose wurde mit 10 Jahren gestellt. Er war schon bei der Geburt anders.. Dazu schrie er die ersten zwei Lebensjahre fast durch. Er war sehr abwehrend, hatte Entwicklungsverzögerungen in Sprache und Motorik. Er war immer nass geschwitzt vom Schreien, schlug seinen Kopf permanent an das Holzkopfteil seines Betts. Extrem geräuchempfindlich. Das Schreien und Abwehren war sehr belastend. Er klammerte sich z.B. morgens, wenn ich zur Arbeit fuhr, klammerte er sich beim aussteigen ans Auto. Im Kindergarten hatte er glücklicherweise einen Erzieher, der gut mit ihm zurechtkam. Aber da schrie er immer extrem laut. Spielte auch nicht so wie andere. Andere Jungens waren ihm zu wild, mit Mädchen ging es. Qualvoll war die Ernährung. Als Baby absolut schlecht. 100 ml in 30 min. Später weiter wenig und nur bestimmte Sachen. War immer leicht. Quälerei in der Schule. Als er im dritten Schuljahr war, konnte er noch nicht lesen und schreiben. Da erst wurde mir eine Diagnose empfohelen. Legasthenie und ADS. Diagnose war im psychatrischen Klinikum für Kinder und Jugendliche in Aachen. Ich, als Mutter wurde auch intensiv befragt. Ich hatte immer intuitiv gehandelt, das war wohl das Richtige, das kann ich auch anraten im Umgang mit so einem Kind. Für das wie mein Kind war, konnten auch keine Ursachen festgemacht werden. Er bekam speziellen Förderunterricht im Schreiben. Medikamente wollte er nicht. Ich schickte ihn auf die Gesamtschule, kann ich nur empfehlen für AD(H)sler. Für uns zwei meinen Sohn und mich, ich war alleinerziehnde, war es gut, das er seit seinem 15ten Lebensmonat bei einer hervorragenden Tagesmutter war. Er sagte selber, das es nicht gut ist, wenn wir zu lange zusammen sind. Er war dort 10 Jahre lang, hatte dort Tagesgeschwister. Kann ich auch empfehlen. Kann aber nur eine sehr ausgeglichene Person sein. Ich kann da auch nur Mut machen, es war sehr schwer, natürlich gab es auch schöne Momente. Aber es war eine Herausforderung. Und das Lernen war auch schlimm. Ich habe meinen Sohn aber trotzdem nicht gezwungen, was sowieso nicht ging. Und er hat seine Nische gefunden. Er ist heute 28 Jahre alt und ist beruflich erfolgreich. heute gibt er mir auch zu verstehen, das seine Kindheit nicht so schlecht war.
So ein Kind verlangt Durchhaltevermögen und Disziplin. Wichtig war ein strukturierter Tag. Auch wenn es langweilig klingt, jeden Tag derselbe Ablauf, das gab ihm Stabilität. Es ist schwierig mit einem solchen Kind, aber es lohnt sich. Und eins noch, nicht von irgendwelchen Dummschwätzern und Besserwisser, die keine Ahnung haben, irritieren lassen. Als Mutter hat man normalerweise auch ein gutes Gefühl dafür, was gut für sein Kind ist.

Viele Grüße
Schimmeline
Shahana
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Re: AD(H)S bei Kleinkind?

Beitragvon Shahana » 10. Februar 2018 08:16

Hmm, mein Kind ist und war sehr ähnlich. Er wurde termingerecht nach 18 Stunden lang versuchter normaler Geburt, was ein absoluter Horror war, per Notkaiserschnitt geboren. Er war von Anfang an extrem unruhig, sogar die Hebamme im Wochenbett wollte ihm Beruhigungsmittel geben und meinte, es wäre ja nicht auszuhalten. Wenn er nicht geschlafen oder getrunken hat, hat er geschrien, den ganzen Tag, jeden Tag, über 1 Jahr lang. Er ließ sich auch nur im Tragetuch beruhigen und hat dort auch nur geschlafen, wenn ich mich permanent bewegt habe (außer nachts, da ging es recht gut, sogar in seinem Bett). War auch immer ein totales Mama-Kind, sein Vater hat mich bezüglich der Betreuung/Entlastung vollkommen im Stich gelassen, weil es ihm zuviel war. Oma und Opa wollen ihn nicht nehmen, weil es ihnen zu anstrengend ist. Der Kleine dreht durch, sobald es eine Veränderung gibt, er merkt auch sofort, wenn z.B. die Bettwäsche gewechselt wurde und schläft dann 3 Nächte sehr schlecht. Und und und... könnte hier ewig von den Problemen berichten, die wir hatten. Jedenfalls war es immer fast unmöglich, in Krabbelgruppen oder ähnliches zu gehen, er war immer das EINE Kind, das negativ aufgefallen ist und ich im Dauerstress. Anfangs dachte ich dran, er könnte Autist sein, aber er wurde immer aufgeschlossener Menschen gegenüber. An ADHS hab ich auch öfters gedacht. Inzwischen auch das nicht mehr. Früher war er genauso, dass er nicht zuhören konnte, sich mit nichts beschäftigen. Inzwischen ist er 3 Jahre und 3 Monate alt. Es hat sich vieles verändert. Er ist immer noch ein sehr schwieriges Kind, allerdings glaube ich inzwischen eher, dass seine Probleme hauptsächlich von seiner Hochsensibilität kommen. ADHS-Symptome hätte er aber auch einige.
Insgesamt heißt es jedenfalls nix, wenn Dein Kleiner jetzt so ist. Meiner ist jetzt mit seinen 3 Jahren äußert schlau, er liebt inzwischen lange Bücher und kann sehr gut zuhören (wenn keine Ablenkung da ist), er merkt sich den Text von Büchern oder auch Liedern sehr schnell und gibts alleine wieder. Er kann inzwischen auch recht gut mit anderen Kindern, hauptsächlich Mädchen, spielen. Alleine beschäftigen ist immer noch nicht sooo leicht, es ist so geblieben, dass ich abends dermaßen ausgelaugt bin und erst dann Mails und ähnliches schreiben kann. Im Kindergarten hat er auch große Probleme und hängt jeden Morgen an meinem Bein und sagt, er will da nie wieder hin.
Du siehst, es bleibt wahrscheinlich schwierigier als mit anderen Kindern, bei uns ist das so und ich bin mir sicher, wird auch so bleiben, ABER ich sehe auch immer mehr seine Besonderheiten, wie weit er mit vielen Dingen ist und dass er inzwischen auch positiv auffällt. Das gab es bis 2,5 halt überhaupt nicht und genau das hat es so schwer gemacht. Was kommt, weißt Du nicht, aber gib im die Chance, Dir zu zeigen, wie viel in ihm steckt
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Hanghuhn
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Re: AD(H)S bei Kleinkind?

Beitragvon Hanghuhn » 10. Februar 2018 12:56

Ich wollte nur mal klarstellen, dass ich nichtz meine, dass du Erziehungsfehler machst. Aber gerade weil unsere Kinder so speziell sind, deins durch die Frühgeburt noch etwas spezieller, musst du dir auch Hilfe innerhalb der Familie suchen.

Auch wenn Männer manchmal seeehr komisch sein können, sie sind nicht unfähig zu erziehen, für das Kind da zu sein, es in bestimmten Situationen zu trösten. Viele Frauen, die ich kenne, ziehen es noch nicht einmal in Erwägung, ihren Mann mit einzuspannen. Auch wenn er hart arbeitet (er sieht sich in fast allen Fällen als Ernährer), das tust du auch auf deine Weise, und du brauchst dringend Abwechslung, kann er dir ab und zu den Kleinen abnehmen. Lass dir vor allem nicht das Kind andrehen, wenn es weint. Er ist der Vater und kann auch trösten. Je früher ihr das einführt (ich nehme an, dass da schon eine Schieflage besteht), desto eher gewöhnt sich der Kleine, gewöhnt aber auch ihr euch, daran. Du bleibst anfangs natürlich in der Nähe.

Du bist mit keinem Wort darauf eingegangen, evtl. deinen Mann mit ins Boot zu holen. Ist das für dich so abwegig?

Wenndu zu Familienberatungsstellen o. ä. gehst, was hier auch vorgeschlagen wurde, nimm deinen Mann mit! Es nutzt nichts oder zumindest wenig, wenn du allein Fortschritte machst, vielleicht schon erste Erfolge siehst, und er in alte Erziahungsmethoden verfällt (was ich mal nicht hoffe). Je älter dein Kleiner wird, umso mehr spielt auch die Rolle des Vaters mit. Erlebte Abwesenheit des Vaters ist für Kinder nicht gut.
LG Hanghuhn

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