Von "Traumfrau" zur "Friendzone"

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jmp
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Von "Traumfrau" zur "Friendzone"

Beitragvon jmp » 1. November 2017 11:23

Hallo zusammen,

Ich (27) habe vor knapp 2 Monaten einen Mann (28) kennengelernt.
Er hat mir auch ziemlich früh erzählt, dass er ADHS hat. Nach ein paar Treffen meinte er, wenn das mit uns funktionieren soll. sollte ich mich doch bitte etwas darüber informieren, damit ich verstehe warum er halt manchmal anders tickt als jemand ohne ADHS.
Das habe ich dann auch gemacht und nachdem wir darüber geredet hatten, dachte ich, ich wäre darauf vorbereitet.
Das war natürlich etwas vorschnell von mir. Ich war zwar darauf vorbereitet, dass er manchmal Dinge sagt, die er eigentlich so nicht meint, nur habe ich dann angefangen, negatives generell dahingehend abzustempeln, dass es ja eh nicht so gemeint war.
Immerhin hat er mir immer wieder gesagt wie gern er mich hat und mich seine Traumfrau genannt.
Außerdem habe ich auch schon nach so kurzer Zeit seine Eltern kennengelernt.

Jetzt zu meinem Problem:
Er ist ziemlich chaotisch und in meinen Augen ist seine Wohnung dreckig. Da ist es nichts außergewöhnliches wenn einem eine Spinne begegnet....
Ich habe ganz am Anfang mal als er arbeiten war geputzt. Vor allem das Bad und die Küche, damit ich ohne mich zu ekeln darin aufhalten kann. Abgesaugt habe ich dann auch noch überall. Das ist ihm auch aufgefallen, hat aber weiter nichts dazu gesagt.
Ich habe bei meinen recherchen über ADHS öfters gelesen, man solle Ihnen nicht hinterherräumen, weil es leicht in den falschen Hals geraten kann.
Er hat zwar nichts negatives dazu gesagt aber ich habe auch daraufhin nicht nochmal großartig bei ihm geputzt.
Ich wusste ja, dass er undordentlich ist. Hat er ja auch von Anfang an gesagt, dass er nicht gerne aufräumt oder putzt.
Irgenwann fing er an, ständig zu erwähnen, dass ich ja nichts bei ihm machen würde und wie das wohl wäre mit mir zusammen zu wohnen weil ich wäre ja so faul.
Das habe ich zu dem Zeitpunkt ignoriert und abgestempelt: "meint er ja eh nicht ernst."
Irgendwann ist das eskaliert und er sagte er hat kann verstehen warum meine Exfreunde mit mir schluss gemacht habe, weil ich wäre ja so faul und mit mir könnte man ja nicht zusammenleben.
Daraufhin haben wir diskutiert, weil ich der Meinung war ich bin nicht seine Putzfrau und räum hinter ihm her.
Das Ende davon war, ich habe eingesehen ich sollte doch mehr bei ihn machen weil ich ja ständig bei ihm bin.
(Er wollte nie zu mir, weil er meint er kann nirgendwo anders schlafen... Nur einmal war er für ein paar stunden da und ist dann wieder heim gefahren zum schlafen..)
Aufjedenfall habe ich seit dem dann bei ihm wenn wir gegessen hatten immer gespült, weil er keine Spülmaschine hat. Zum großteil habe ich bei ihm auch gekocht obwohl er an allem was ich gekocht habe was auszusetzten hatte...
Am Montag sollte eine Trocknungsfirma zu ihm kommen, weil ein Wasserschaden aus der Wohnung über ihm die Wand in seiner Küche komplett durchnässt hat.
Er bat mich ich solle ihm doch dabei helfen die Küche aufzuräumen bevor die kommen, weil immer irgendjemand jemand kennt und dann rumerzählt wird wie es bei ihm zu Hause aussieht.
Ich habe natürlich zugestimmt. Im Endeffekt habe ich Sonntag alleine während er duschen war und am ipad gespielt hat, seine komplette Küche geputzt. Mit auf den Schränken und seine Lampe... Die Sachen haben eine Ewigkeit keinen Lappen gesehen...
Naja er war dann überrascht das ich schon fertig war als er mir endlich helfen wollte und was denn mit mir los sei weil so kenne er mich ja gar nicht. ich meinte nur zu ihm, dass ich ansich schon etwas pingelig bin beim putzen und bei mir zu Hause herrscht Ordnung, nur dass ich halt nicht einfach so bei anderen putze. Dazu muss man sagen, dass mein Ex mich mal angemckert hat weil ich ohne ihn zu fragen einfach bei ihm geputzt habe. Seitdem mach ich das nicht gerne bei anderen, weil das doch mal falsch verstanden werden kann. So habe ich es ihm auch gesagt.
Gestern ist er dann ausgerastet. Wir waren bei seinen Eltern seine Reifen wechseln, worauf ich eigentlich keine Lust hatte, ihm aber sagte wenn er meine Hilfe will dann komme ich mit. Habe ihm dann auch etwas widerwillig geholfen aber hatten auch spaß dabei. Dabei fing er aber schon an als zu mir zu sagen, ich drifte langsam in die Friendzone ab weil ich ja nicht selbständig ihm helfen kann ohne das er mich dazu auffordert. Habe mir erstmal nichts großartig dabei gedacht und erstmal wieder schön ignoriert.
Als ich dann sein Serviceheft im Auto vergessen hatte, woran ich ihn erinnern sollte als wir wieder bei ihm waren, rastete er aus und meinte ich würde immer alles vergessen. Er sei ja schon vergesslich aber mit mir ist das ja nur noch anstrengend. Habe das Ding dann aus dem Auto geholt und mich entschuldigt.
Nachdem ich für uns essen gekocht hatte und dachte es wäre wieder alles gut, fragt er mich wo ich denn sein Ladegerät hin habe. Als ich meinte ich hätte es ihm im Auto gegeben, rastete er wieder aus das es ja nicht stimmt und das ich mir immer ausreden einfallen lassen würde.
Das Thema Beziehung kann ich vergessen. Ich wäre ja so unselbständig und er kann nicht mit jemand zusammen sein der wie ein Kind ist. Er wird mich jetzt nur noch so behandlen wie seine beste Freundin weil er mich ja schon mag aber wenn er mit mir zusammen wäre, würde er mich wahrscheinlich irgendwann umbringen (seine Worte)
Ich war schockiert und wollte mit ihm reden, was aber keinen Sinn hatte. Ich hoffte dann, dass er es vielleicht doch nicht ernst meinte und später alles wieder gut wäre. Er meinte ja auch ich kann gerne die nacht bei ihm bleiben aber nur als Freundin und mehr nicht.
Das tat ich dann auch, natürlich in der Hoffung es war nicht so ernst gemeint.
Tja falsch gedacht... Er behandelte mich von jetzt auf gleich wie einen Kumpel während ich am liebsten losgeheult hätte. Was ich dann auch in der Küche tat.
Wieder im Wohnzimmer meinte er ich solle nicht so schmollen er hätte noch eine Überraschung für mich. Eigentlich wollrte er mir das erst morgen sagen aber er mache es doch gleich.
Er hatte mir die Hausschuhe bestellt die ich so toll fand... Als wir dann im Bett lagen (ja zusammen aber nur als Freunde er habe damit ja kein Problem und seine Couch ist auch viel zu klein) nahm er meine Hand und sagte nach ein paar Minuten: "schon blöd, jetzt verhütest du und hast keinen mehr mit dem du Sex haben kannst." Ich natürlcih meine Hand weggezogen bei so einem blöden Spruch, woraufhin er sie aber wieder nahm und er mit meiner Hand in seiner eingeschlafen ist.
Normalerweise wäre ich schon bei seiner Aussage er will nur Freundschaft mit mir heim fahren sollen, aber ich habe mich so in ihn verknallt, dass ich aus Hoffnung er ändert seine Meinung bei ihm geblieben bin, was naürlich einfach nur dumm von mir war.
Ich musste etwas später auf die Arbeit als er also war er heute morgen schon weg. Habe dann heute Vormittag von ihm ein bescheuertes gif per Whatsapp bekommen, was wir uns gegenseitig ständig geschickt haben vor der ganzen Sache aber jetzt ist es einfach nur bescheuert. Kein Wort, nix.. Nur das blöde gif....

Ich will nicht nur mit ihm befreundet sein, dass kann ich auch nicht einfach von jetzt auf gleich wie er.
Aber ich will auch nicht den Kontakt einfach komplett abbrechen, dafür mag ich ihn auch als Mensch zu sehr.

Kann ich irgendwas machen, dass er vielleciht doch nochmal alles überdenkt?
Mit ADHS ändert man öfters spontan seine Meinung, habe ich zumindest jetzt schon oft gelesen.
Also besteht dann nicht die Chance, dass es doch nochmal eine Beziehung wird?
Ich weiß, dass sind Fragen die kann keiner wirklich beantworten, aber vielleicht könnten ja ein paar ADHS´ler mal beschreiben wie es bei Ihnen so ist/war, ob sie Ihre Meinung zu jemanden auch schon spontan geändert haben?

Wäre für jegliche Antwort dankbar, weil ich weiß einfach nicht wie ich mich ihm gegenüber jetzt verhalten soll oder einfach einen Haken an die Sache und den Kontakt abbrechen...

jmp
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Re: Von "Traumfrau" zur "Friendzone"

Beitragvon laetitia » 1. November 2017 12:59

Umm...ok...sorry, aber da wär ich schon lange weg...
...warum rennst du dem noch hinterher?

In die „Frienzone“ beförderst du dich selbst. Du kannst ihm klar sagen, dass du nicht dafür zu haben bist.

Für die Zukunft: Wann immer dir ein Mann sagt, er habe ADHS oder sonst eine Störung, mit dem Zusatz, dass du dich (doch gefälligst) darüber informieren sollst, damit du wüsstest, warum er in manchem andrs tickt...nicke höflich, lächle und vergiss ihn...Im Ernst: ADHS ist kein Freipass, ein Arschloch zu sein! Ich bin auch unordentlich und im Moment sieht es bei mir ziemlich übel aus. Ich würde aber nie auf die Idee kommen, einen Partner für die Ordnung und Sauberkeit in meiner Wohnung verantwortlich zu machen. Natürlich nehme ich Hilfe gerne in Anspruch. Aber nie würde ich diese einfach erwarten oder gar einfordern. Und...ich warne die Leute immer vor und bin bereit, zum Anderen zu gehen statt zu mir, weil ich mein Chaos nicht jedem zumuten will...auch nicht einem Partner.

Dein Typ nimmt seine Diagnose als Entschuldigung für alles...halte dich fern von solchen Menschen! Und ganz ehrlich, ich sehe da auch ein bisschen narzisstische Tendenzen in seinem Verhalten.

Sei dir mehr wert als sowas!
jmp
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Re: Von "Traumfrau" zur "Friendzone"

Beitragvon jmp » 1. November 2017 17:40

Danke für deine schnelle Antwort.

Ich renne ihm wohl deswegen nach, weil er bis vor einer Woche noch wie ein anderer Mensch zu mir war.
Da war er noch nicht so drauf. Es fing ja aufeinmal an das er nur noch am meckern war und ich ihm nichts recht machen konnte.
Davor die ganze zeit war er ganz lieb und hat andauernd irgendwelche Sachen für mich gemacht. Zum Beispiel mir ein Schaumbad mit Kerzen eingelassen und so.
Deswegen verstehe ich ja auch nicht warum er auf einmal so zu mir ist.
Wäre das von Anfang an so gewesen oder schon länger so, wäre ich schon längst weg. Aber so weiß ich einfach nicht was das aufeinmal soll.
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Re: Von "Traumfrau" zur "Friendzone"

Beitragvon laetitia » 1. November 2017 18:01

Naja, das mit der Aufforderung, dich zu ADHS zu informieren um zu verstehen, warum er manchmal anders tickt, war eher zu beginn der Geschichte? Das wär so eine Red Flag. Auch alles, was er auf dich abschiebt...egal was er für dich tut. Eine Beziehung ist doch kein Leistungsaustausch...es gibt Regeln des Respekts, die nicht durch Leistung wett gemacht werden können.

Ich möchte keine Ferndiagnose stellen oder so. Aber vielleicht könntest du dich über die narzisstische Persönlichkeitsstörung und antisoziale Persönlichkeitsstörung etwas informieren und schauen, ob da was passt. Es ist eine gängige Masche, eine Frau zu umgarnen bis man sie emotional an sich gebunden hat, um dann sein wahres Gesicht zu zeigen und sie fertig zu machen.

Aber auch wenn es nicht passt...für mich würde das so nicht mehr stimmen und wenn er sich ändern will, müsste er dies ohne mich tun.
Falschparker
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Re: Von "Traumfrau" zur "Friendzone"

Beitragvon Falschparker » 2. November 2017 10:01

Irgendwann ist das eskaliert und er sagte er hat kann verstehen warum meine Exfreunde mit mir schluss gemacht habe, weil ich wäre ja so faul und mit mir könnte man ja nicht zusammenleben.


Also Chaos und verzerrte Wahrnehmung kommen durchaus von ADHS.

Aber solche Unverschämtheiten musst du dir nicht anhören. Ich habe ADHS, also musst du alles machen und dir jede Beleidigung gefallen lassen, das ist ja bequem für ihn, oder?

Er will offenbar keine Freundin, sondern eine Haushälterin für umsonst, sexuelle Dienstleistungen eingeschlossen. Da muss er sich eine andere Dumme suchen.

Sieh es mal positiv: Schön, dass das jetzt schon deutlich wird. Und nicht erst, wenn du mit Kind und grün und blau geschlagen ins Frauenhaus flüchten musst.
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Re: Von "Traumfrau" zur "Friendzone"

Beitragvon ripley » 2. November 2017 14:49

Falschparker hat geschrieben:Sieh es mal positiv: Schön, dass das jetzt schon deutlich wird. Und nicht erst, wenn du mit Kind und grün und blau geschlagen ins Frauenhaus flüchten musst.


Och naja, wenn sie noch deutlich länger bei dem Mann bleibt, stehen die Chancen dafür gar nicht schlecht...


JMP, ganz im Ernst: Ob der Kerl ADHS oder sonstwas für eine psychische Problematik hat, ist völlig wurscht. Du bist nicht seine Therapeutin. Oh, wennn wir gerade dabei sind..., eigentlich bist du auch nicht seine Haushälterin, oder? Mal ganz abgesehen davon, dass man auch eine Haushälterin nicht so behandelt.

Und "aber er kann ja auch so lieb sein" ändert nix daran, dass er fähig und willens ist, dich mit ungefähr demselben Respekt zu behandeln wie einen abgenudelten, vollgesifften Putzlappen.

Sowas KANN man sich gefallen lassen, aber es tut nicht gut.

Weißt du, ich hab so eine Schei*e auch mal mitgemacht. Viel zu lange. Und mit großen Gefühlen eine ganze Reihe dinge entschuldigt, die ganz einfach unentschuldbar sind. Aber im Endefffekt läuft es immer auf die gleiche Frage hinaus: "BRAUCHE ich jemanden, der mich psychisch missbraucht und klein macht - oder traue ich mich, mich selbst wertzuschätzen und mich selbst mit eben dieser Wertschätzung zu behandeln?"

Oder, kürzer: Bleib - oder geh. DEINE Entscheidung.
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Maya18Max
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Re: Von "Traumfrau" zur "Friendzone"

Beitragvon Maya18Max » 2. November 2017 17:24

Hallo jmd,

wo fange ich an?

jmp hat geschrieben:Er hat mir auch ziemlich früh erzählt, dass er ADHS hat. Nach ein paar Treffen meinte er, wenn das mit uns funktionieren soll. sollte ich mich doch bitte etwas darüber informieren, damit ich verstehe warum er halt manchmal anders tickt als jemand ohne ADHS.

Super! Finde er hat richtig reagiert, dass er dich darüber informiert hat. Was allerdings NICHT zu einer Entschuldigung und zu einer Ausrede führen darf!

jmp hat geschrieben:Das habe ich dann auch gemacht und nachdem wir darüber geredet hatten, dachte ich, ich wäre darauf vorbereitet.

Das kann man nie sein! Schon gar nicht, wenn man sich erst kurz mit dem Thema beschäftigt.

jmp hat geschrieben:Das war natürlich etwas vorschnell von mir. Ich war zwar darauf vorbereitet, dass er manchmal Dinge sagt, die er eigentlich so nicht meint, nur habe ich dann angefangen, negatives generell dahingehend abzustempeln, dass es ja eh nicht so gemeint war.

Es ist verdammt schwer zu erkennen, wie und wann der ADHS Partner was im "ernst" sagt, oder ob da "Trigger" zugrunde liegen! Vieles wird auch womöglich aus anderen "Konflikten mit nach Hause gebracht", was sich dort entladen kann. Nach über 10 Jahren Ehe kann ich das aus Erfahrung sagen. Und i.d.R. nimmt man zunächst einmal alles persönlich, was einem an den Kopf geworfen wird, weil es auf einen projeziert wird.

Fakt ist, wenn man sich auf so eine Beziehung einlässt, dann müssen beide Seiten !!! sich mit ADHS auseinander setzen UND sich entsprechende Kommunikationsmuster aneignen, die sinnvoll sind um einen respektvollen Umgang miteinander pflegen zu können.

Wichtig: Formuliert Eure Wünsche (und Erwartungen), sprecht direkt über eure Gefühle. Worte wie "Müssen, Sollen" sind Beziehungskiller bei ADHS. Benutzt viele Ich-Botschaften: Ich fühle mich so..., weil...

Das ADHS-Gegenüber sollte "Selbstbestimmt" handeln und Entscheidungen treffen.

jmp hat geschrieben:Er ist ziemlich chaotisch und in meinen Augen ist seine Wohnung dreckig. Da ist es nichts außergewöhnliches wenn einem eine Spinne begegnet....
Ich habe ganz am Anfang mal als er arbeiten war geputzt. Vor allem das Bad und die Küche, damit ich ohne mich zu ekeln darin aufhalten kann. Abgesaugt habe ich dann auch noch überall. Das ist ihm auch aufgefallen, hat aber weiter nichts dazu gesagt.
Ich habe bei meinen recherchen über ADHS öfters gelesen, man solle Ihnen nicht hinterherräumen, weil es leicht in den falschen Hals geraten kann.
Er hat zwar nichts negatives dazu gesagt aber ich habe auch daraufhin nicht nochmal großartig bei ihm geputzt.
Ich wusste ja, dass er undordentlich ist. Hat er ja auch von Anfang an gesagt, dass er nicht gerne aufräumt oder putzt.
Irgenwann fing er an, ständig zu erwähnen, dass ich ja nichts bei ihm machen würde und wie das wohl wäre mit mir zusammen zu wohnen weil ich wäre ja so faul.
Das habe ich zu dem Zeitpunkt ignoriert und abgestempelt: "meint er ja eh nicht ernst."

Das hört sich grundsätzlich für mich nach Kommunikationsproblem an. Oft "denkt" man, man hätte etwas gesagt, vor allem auch ADHSler, und hat es nur gedacht, aber nicht gesagt.
Du hast zunächst geputzt, es dann aber laut Recherche auch korrekt ist (!), gelassen. Weil
1) sollte man ADHSler nicht in ihrem (NICHT-)Tun (dauer-)unterstützten.
2) du ihn mit deinem Handeln nicht mehr "überfahren" möchtest.

Bei ihm kam aber womöglich nur an, die Putzt, aber warum tut sie es jetzt nicht mehr?! Indem du jetzt genau in die Defensive gingst, um ihn ja nicht zu "reizen" ist genau das andere extrem entstanden. Du hälst dich bei ihm auf, er sieht nur, dass du nichts machst und sieht nur das.

ADHSler leben im Hier und Jetzt. Sie sind gefühlsmäßig auf einer Achterbahn. Daher hat er das so gesehen in diesem Moment und aber nicht darüber nachgedacht, dass du ihm schon einmal die Bude geputzt hast und kam nicht auf die Idee mit dir Vereinbarungen zu treffen, wie ihr das denn "koordiniert".

Dabei hast du ihn wiederum nicht "ernst" genommen. Was er jedoch definitiv gefühlt hat. Dabei hat er sich womöglich abgelehnt gefühlt und der innere Konkflikt bei ihm ging los.

Natürlich kann/darf/muss man nicht alles ernst nehmen, was ein ADHSler sagt. Aber meine Erfahrung ist, dass es lange dauert, bis man tatsächlich dahinter gekommen ist, wann man sowas "überhören" darf und wann es aber "ernst" gemeint ist.

Du siehst, gar nicht so einfach. Vor dem Hintergrund, dass ADHSler auch bei Mimik, Gestik usw. reagieren wird es noch schwerer. Situationen, die sie einmal als negativ erlebt haben, wurden negativ gespeichert und werden, auch wenn du noch so viel Mühe und gute Absichten dahinter hast, sofort erneut negativ bewertet.

jmp hat geschrieben:Er bat mich ich solle ihm doch dabei helfen die Küche aufzuräumen bevor die kommen, weil immer irgendjemand jemand kennt und dann rumerzählt wird wie es bei ihm zu Hause aussieht.

Das ist ein mega Vertrauensbeweis! Wer bittet seine "neue" Freundin mit diesem Nebensatz darum, ihm zu helfen?!

jmp hat geschrieben:ch habe natürlich zugestimmt. Im Endeffekt habe ich Sonntag alleine während er duschen war und am ipad gespielt hat, seine komplette Küche geputzt. Mit auf den Schränken und seine Lampe... Die Sachen haben eine Ewigkeit keinen Lappen gesehen...
Naja er war dann überrascht das ich schon fertig war als er mir endlich helfen wollte und was denn mit mir los sei weil so kenne er mich ja gar nicht.

Hier hat er sich womöglich ganz schön schlecht gefühlt, da du ihm "gespiegelt" hast, dass er nicht fähig ist, seine Wohnung aufzuräumen und sowieso nichts auf die Reihe bringt.

jmp hat geschrieben:Dabei fing er aber schon an als zu mir zu sagen, ich drifte langsam in die Friendzone ab weil ich ja nicht selbständig ihm helfen kann ohne das er mich dazu auffordert. Habe mir erstmal nichts großartig dabei gedacht und erstmal wieder schön ignoriert.

Auch das liest sich für mich nach Kommunikationsproblem und nicht ernst genommen werden. Siehe oben.

jmp hat geschrieben:Er behandelte mich von jetzt auf gleich wie einen Kumpel

Vielleicht als Schutz vor zurückliegende Enttäuschungen?! Negative Erfahrungen prägen ADHSler extrem! Was natürlich KEINE Entschuldigung ist.

jmp hat geschrieben:Wieder im Wohnzimmer meinte er ich solle nicht so schmollen er hätte noch eine Überraschung für mich. Eigentlich wollrte er mir das erst morgen sagen aber er mache es doch gleich.

Das war die Entschuldigung für die "schlechte Behandlung" eben. Viele ADHSler (bei Kindern auch sehr gut zu beobachten) können sich nicht "verbal" entschuldigen. Sie zeigen es in irgendeiner Form von Zuwendung oder einem "Gefallen" dem sie einem tun. Sie müssen/können lernen sich zu entschuldigen. Denn es tut ihnen hinterher verdammt leid, wenn sie merken, dass sie sich verrannt haben oder jemanden verletzt haben. Vor allem, wenn man die Person liebt!

jmp hat geschrieben:Mit ADHS ändert man öfters spontan seine Meinung, habe ich zumindest jetzt schon oft gelesen.

Ja ADHSler wechseln manchmal die Meinung wie andere ihre Unterhosen. ABER: Manchmal/Manche bleiben auch bei ihrer Meinung/Entscheidung. Das ist individuell und Situationsabhängig. Ich kenne alle Varianten!

Ich denke, ich habe nun einiges etwas versucht aufzudröseln. Das sind meine Gedanken zu dem ganzen, was ich gelesen habe. WICHTIG ist aber dennoch, dass keiner sich ausnutzen/benutzen lassen muss, und ADHS nicht als Ausrede herhalten darf! Es ist wichtig, dass es DIR gut geht in der Beziehung und DIR bewusst ist, dass es nicht leicht ist mit einem ADHSler zusammen zu sein, aber auch sehr bereichernd sein kann.

Es ist jedoch gestattet ADHS durchaus mit ein wenig Humor zu besetzen, aber dabei darf wiederum kein Blosstellen pasieren.

Kommunikation ist zunächst einmal das A und O, danach die Emotionen. Wähend extremen Emotionen bringt es nichts, über wichtige Dinge zu reden. Da sollte man sich respektvoll aus dem Weg gehen und in einer ruhigen Minute weiter sprechen.


LG und alles Gute, egal wie du dich entscheidest,
Maya
Eine völlig Chaotische Familie:
Und immer geht es Berg und Tal, wie bei einer Achterbahn :mrgreen:
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Re: Von "Traumfrau" zur "Friendzone"

Beitragvon Sheherazade » 3. November 2017 07:43

laetitia hat geschrieben:Es ist eine gängige Masche, eine Frau zu umgarnen bis man sie emotional an sich gebunden hat, um dann sein wahres Gesicht zu zeigen und sie fertig zu machen.


Ich würde es eher "gefügig machen" nennen. Und für diese Psycho-Spielchen braucht es bestimmt kein ADHS.

Meine Tochter (19) ist auf so einen ....... auch reingefallen. Sie hat ein Jahr (und 3 Monate in seiner Wohnung lebend) gebraucht um das zu erkennen und sich von ihm zu lösen und sie hat das nur geschafft, weil wir Eltern hinter ihr standen und keinen Druck gemacht haben.

Ich hätte den Typ ermorden können, das Selbstwertgefühl unserer an sich selbstbewussten und starken Tochter war dermaßen im Keller, da gibt es keine Beschreibung für.

Das Muster war absolut identisch mit dem hier geschilderten.
Sohn *2003 - Autist mit komorbider ADHS
Sohn *2001 - ADS
2 Töchter *1998 und * 1989
Schmerz vergeht, aufgeben ist für immer.
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Re: Von "Traumfrau" zur "Friendzone"

Beitragvon laetitia » 4. November 2017 11:35

Sheherazade hat geschrieben:Das Muster war absolut identisch mit dem hier geschilderten.


Oh mann. Schön, dass deine Tochter es geschafft hat. Viele bleiben über Jahre in solchen Beziehungen und wenn sie es endlich schaffen, werden sie dannn weiterhin terrorisiert von ihrem ex.

Ich hatte mal so einen gedated. Irgendwann hatte ich dann mal einen Austausch mit einer seiner Exen. Die war schon über ein jahr aus der Beziehung raus, erhielt von ihm jedoch ständig Anrufe und Penisbilder...

Und weil mich die Sache so sehr beschäftigte, habe ich viele Geschichten von Frauen und Männern gelesen...und ja, das Muster ist immer dasselbe. Und die Typen haben anfangs so viel Charme...etwas Faszinierendes...so dass, wenn man die Masche nicht kennt, man alle Warnzeichen grosszügig ignoriert und alles schönredet oder entschuldigt. Ging mir bei meinem Date genauso.
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Re: Von "Traumfrau" zur "Friendzone"

Beitragvon Hanghuhn » 4. November 2017 20:18

Merkwürdigerweise passiert das sehr vielen jungen Frauen. Es ist wie ein Muster. Nicht bei allen ist das Erlebnis so heftig, weil der Kerl nicht ganz so einnehmend war.

Mein Freund vor xy Jahren hatte kein ADHS. Das Muster war trotzdem ähnlich. Ich weiß nicht, warum frau so schnell bereit ist, sich zum Eimer zu machen. Es hat vielleicht immer noch mit dem Rollenverständnis zu tun, dass frau meint, gewisse Aufgaben als Frau übernehmen zu müssen, und dabei sämtlche Alarmglocken überhört.

Wichtig ist, die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Das Vergangene kannst Du nicht rückgängig machen. Den Kerl kannst Du vergessen. Der merkt nichts. Eine Freundschaft mit ihm anzustreben, halte ich für kontraproduktiv. Du musst über Dich selbst reflektieren. Denk darüber nach, warum Dir dieser Kerl passieren konnte, warum Du nicht bei den ersten Anzeichen die Reißleine gezogen hast.

Eine Erklärung (zumindest für den Anfang) ist, dass Du Dich von seinem ADHS-Gejammer hast einwickeln lassen. Da muss ich mal eine Lanze für die ADHSler brechen. Da fällt im Streit auch schon mal ein unbedachtes Wort, ein unbedachter Satz. Aber jemandem, der kein Arschloch ist, tut das unbedacht Gesagte in der nächsten Minute leid. Dein "Freund" hat Anforderungen an Dich gestellt, die er ganz bestimmt nicht unbedacht vorgebracht hat. Er war der Meinung, dass sein Job (nämlich seine Bude aufzuräumen) eigentlich Deiner wäre.

Wieso er, bevor er eine ziemlich verdreckte Küche aufräumen und putzen möchte, noch duscht und iPad spielt, ist nicht nachvollziehbar. Ich verliere mich auch manchmal in Spielen, aber ich lasse nicht andere meine Arbeit machen, während ich spiele. Außerdem dusche ich nach dem Putzen. Dein "Freund" hat heimlich (vielleicht auch unheimlich) damit gerechnet, dass er keinen Finger mehr rühren muss.

Aber eigentlich hätten Deine Alarmglocken schon viel früher läuten müssen: in dem Moment, in dem er Dich als "faul" bezeichnete, weil Du nicht bei ihm aufräumtest (eigentlich noch früher: als er sich noch nicht einmal für Deine erste Säuberungsaktion bedankt hatte).

Wenn man mit jemandem gemeinsam eine Wohnung bewohnt, kann man schon auch mal verlangen, dass der Mitbewohner (in dem Fall Du) mit Hand anlegt. Wenn man aber nicht bereit ist, selbst einen Finger zu rühren, kann man das bei aller Aufräumphobie von niemandem anderen verlangen. Nach meiner Erfahrung (bin ja auch kein Aufräummonster) geht es am besten gemeinsam. Diese Chance hätte er gehabt, hatte sie aber nicht genutzt.

Lass Dich bloß nicht von ein paar bestellten Hausschuhen einlullen!

jmp hat geschrieben:
Also besteht dann nicht die Chance, dass es doch nochmal eine Beziehung wird?
Ich weiß, dass sind Fragen die kann keiner wirklich beantworten, aber vielleicht könnten ja ein paar ADHS´ler mal beschreiben wie es bei Ihnen so ist/war, ob sie Ihre Meinung zu jemanden auch schon spontan geändert haben?

Ob er seine Meinung noch ändert, kann ich Dir wirklich nicht sagen. Aber damit aus Eurer Beziehung evtl. noch etwas wird, musst Du Dich vollends zum Affen machen. Das kann ich Dir ganz sicher sagen.

Es ist eine Masche mancher Männer, die Selbständigkeit einer Frau/ Freundin danach zu beurteilen, wie bereitwillig sie ist, Hausarbeiten zu erledigen, natürlich am besten ohne dass Herr etwas dazu sagen muss.

Das darf frau nicht zulassen. Das ist eine ganz perfide Falle.
Wenn man Deinen Beitrag liest, fällt einem auf, dass Du in der Beziehung mehr und mehr zum Kind wirst/ zum Kind gemacht wirst. Er beurteilt Dich mehr und mehr - natürlich nach seinen Maßstäben, übernimmt für nichts die Verantwortung und findet sich rundum toll und unfehlbar (außer den paar ADHS-Ausrastern, aber dafür kann er ja nichts. Das hat er ja gleich klar gemacht.) Das sieht nach Narzissmus aus - z. Zt. gut am amerikanischen Präsidenten zu beobachten (wurde ja schon in einer anderen Antwort geschrieben).

Das Schlimme für Dich ist, dass Du die Beurteilung angenommen hast. Du hast sie nicht vollständig akzeptiert, aber Du versuchst gerade, seine Beurteilung zu Deinen Gunsten zu beeinflussen. Stark vereinfacht gesagt: Du möchtest wieder lieb sein.

Schlag Dir den Kerl aus dem Kopf und werd wieder erwachsen!
LG Hanghuhn

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