Erziehungsberatung - was kann man da erwarten?

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minime
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Erziehungsberatung - was kann man da erwarten?

Beitrag von minime » 9. Oktober 2015 09:05

Hallo zusammen!

Ich habe mich dazu durchgerungen für meinen 13-jährigen 8.-Klässler eine Erziehungsberatung in Anspruch zu nehmen. Ich weiß nicht mehr weiter  :w:
Sein "Absturz" hat sich langsam eingeschlichen ab der 6. Klasse.
Es ging letztlich los mit dem Nichtlernenwollen von Vokabeln ... dafür hat er es ganz schön weit gebracht ohne Versetzungsgefährdung. Er rebelliert zwar nie offen, entzieht sich aber allen schulischen Pflichten immer so geschickt wie ein Aal.
Diese Verweigerungshaltung der einfach keiner Einhalt gebieten kann hat sich nun verfestigt. Ich meine auch leichte Schwänzer-Tendenzen zu erkennen.
Weder ich, noch Latein-Nachhilfe-Lehrer, noch Psychologin konnten ihn weder im Guten noch im Bösen dazu bewegen hier einsichtiger zu werden.
Es wurden alle möglichen Hilfsangebote gemacht und Hilfestellungen bereitgestellt - Nichts! Es wurden Konsequenzen durchgedrückt -Nichts!

In der 8. Klasse ist es nun so, dass offensichtlich (oder auch nicht?!?) es keine Schulhefte für jedes Fach mehr gibt .... sein Ranzen ist das pure Chaos - nur lose Blätter, auf denen teilweise pro Blatt die Einträge von 2 Fächern stehen. Bücher liegen wie am ersten Schultag noch immer auf demselben unveränderten Stapel. Den Ranzen packt er nie. Er bleibt grundsätzlich an der Eingangstüre liegen und am nächsten Tag wird er dort eben ungeöffnet auch wieder aufgenommen. Auf Fragen ob er nichts zu lernen hätte reagiert er gereizt und antwortet IMMER, dass er das schon getan hätte.
Briefe von der Schule habe ich noch nicht bekommen, aber so ganz kann ich diesem Frieden nicht trauen.
Kurz nach Beginn des Schuljahres haben mein Mann und ich beschlossen und es Kind so auch mitgeteilt, dass wir ab jetzt nur noch einmal was sagen was schief läuft - das ist unsere Pflicht als Eltern, aber ganz sicher nicht mehr gegen ihn erfolglose und nervenaufreibende Kämpfe führen werden.
Sollte sein "System" allerdings zum 1. HJ sich als nicht tragfähig erweisen, werden wir ohne sein Einverständnis Maßnahmen ergreifen, die wir dann für sinnvoll erachten. Kommt auf das Ausmaß des Desasters drauf an. Das kann alles umfassen: Rechnereinzug, Handyeinzug, tägliche HA-Kontrolle mit Einbeziehung der Lehrer (da weiß ich nicht ob die mitmachen in so hohen Klassen), Umschulung auf eine Ganztagsschule (gibt es in der Nähe keine öffentliche), Internat. Dem hat er natürlich zugestimmt.

Was kann an der Stelle von der Erziehungsberatung erwartet werden? Bin ich dort überhaupt richtig?
Hat da jemand Erfahrung mit so etwas?

LG, minime.
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Re: Erziehungsberatung - was kann man da erwarten?

Beitrag von ADHDgoesto11 » 9. Oktober 2015 09:19

[quote="minime"]
Was kann an der Stelle von der Erziehungsberatung erwartet werden? Bin ich dort überhaupt richtig?
Hat da jemand Erfahrung mit so etwas?
[/quote]

Meiner Erfahrung nach nicht. Die Angebote, die ich bisher gesehen habe, sind eher auf Eltern ausgerichtet, die mit der Erziehung eines eigentlich normalen Kindes Probleme haben.

Tochter *2007 ... ADHS
Sohn *2005 ADHS+Autismus
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Re: Erziehungsberatung - was kann man da erwarten?

Beitrag von minime » 9. Oktober 2015 09:30

:bj: :bj: :bj:

Na, dann bin ich goldrichtig mit meinem komplett unnormalen Kind (ADS erst mit 12 diagnostiziert und in Therapie, Pubertätsbeginn ab 10 und HB).

Also Du meinst für "schwere" Fälle ist die Erziehungsberatung nicht gedacht - da müssen die Experten-Eltern alleine durch. Für leichtere Fälle, da kann man ja mal mithelfen ....

Ich bin voller Optimismus !!! :fünf: :fünf:
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Re: Erziehungsberatung - was kann man da erwarten?

Beitrag von ripley » 9. Oktober 2015 09:30

Hi minime!

Woanders schriebst Du über das Schätzchen ...
er schwimmt auf einem Notendurchschnitt, der ihm maximalen Komfort beschert - nicht zu schlecht um was ändern zu müssen nicht zu gut um Erwartungen zu wecken.
Jo, darin wird das Problem liegen. Warum SOLLTE er was ändern, wenn es doch auch so geht?

Und, nein, ich kann Dir nicht sagen, ob und wie viel Dir die Erziehungsberatung helfen kann. Ich denke aber, sie SOLLTE Euch im Idealfall helfen können, Eure (!) Erziehungsprioritäten zu setzen und dann festzulegen, wie man die umsetzen kann.

Übrigens: Meiner hier (ist ja auch HB x ADHS) war von der Grundeinstellung schulisch genauso drauf. Ich lasse ihn aber erst seit Eintritt in die Oberstufe selbst schalten und walten. Vorher war er, sowohl was HAs als auch was Strukturierung und Ordnung von Schulsachen und Schul-Bezogenem insgesamt anging, unter meiner Fuchtel - erst eng, dann nach und nach lockerer. Und, nein, drum GEBETEN hat er nicht. Wahrlich nicht. Aber öfter mal angemerkt, dass das doch "ganz gut" gewesen sei.
Vielleicht HÄTTE er es auch ohne geschafft. Weiß ich nicht. War mir zu riskant. Oder ich zu zwanghaft. Such's Dir aus. Jetzt haben wir noch ein halbes Jahr vor uns ... und dann hat er sein Abi. Oder auch nicht. Mal schauen. Kann ich JETZT. Also das "mal schauen". in der 8. wäre das (für mich!) undenkbar gewesen.
Zuletzt geändert von ripley am 9. Oktober 2015 09:35, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Erziehungsberatung - was kann man da erwarten?

Beitrag von ADHDgoesto11 » 9. Oktober 2015 09:34

[quote="minime"]
Also Du meinst für "schwere" Fälle ist die Erziehungsberatung nicht gedacht -
[/quote]

Ja, äh, doch. Für schwere Fälle, bei denen das Problem bei den Eltern liegt. Also wenn die Eltern überhaupt keinen blassen Schimmer haben, was sie mit ihrem (eigentlich normalen) Kind machen sollen oder wenn sie gar Dinge komplett falsch angehen.

"Erziehungsberatung" ist dann angesagt, wenn der Grund für die Probleme im Verhalten der Eltern zu finden ist.

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Sohn *2005 ADHS+Autismus
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Re: Erziehungsberatung - was kann man da erwarten?

Beitrag von ripley » 9. Oktober 2015 09:40

Und warum sollten Eltern von ADHSlern oder gar von ADHS/HBlern KEINE Fehler machen? Warum sollten die NICHT dazulernen können?

Sorry, aber mir geht diese in meinen Augen ÜBER-Pathologisierung in diesem Forum immer mehr gegen den Strich.

Ja, unsere Schätzelchen HABEN das eine oder andere Problem. Unbenommen. dennoch sind sie auch - und das nicht nur im Nebenjob - Individuen, Kinder bzw. Jugendliche, die geführt und erzogen werden wollen und müssen. Von uns Eltern ... und nicht ausschließlich von Superduper-Experten.

Mein Sohn zumindest war und ist ein Junge / junger Mann mit bisl überdurchschnittlich Grips und bisl suboptimal funzendem Hirnstoffwechsel. Er ist NICHT eine Krankheit mit bisl Patient drumrum!
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Re: Erziehungsberatung - was kann man da erwarten?

Beitrag von minime » 9. Oktober 2015 09:52

[quote="ripley"]
Mal schauen. Kann ich JETZT. Also das "mal schauen". in der 8. wäre das (für mich!) undenkbar gewesen.
[/quote]

Es ist schön, dass Du Dein Kind noch so unter der Fuchtel halten kannst. Vielleicht verrätst Du mir einen Trick wie ich das machen kann.
Prügeln, Brüllen, Strafen, Konsequenzen, Belohnen, Termine setzen, Qualitätsansprüche setzen, täglich den Ranzen auseinandernehmen funktioniert nicht - das bestätigt im Übrigen auch die Psych - er ist im wesentlichen unbelehrbar und es funktioniert leider nur über Selbsterkenntnis und Einsicht. Sie ist auch der Meinung, dass Sohn auch durch irgendeine Peer-Group (Geschweige denn durch Eltern, Lehrer und sonstigen Autoritäten) nicht sonderlich in seiner Meinung beeinflussbar wäre! Er besitzt eine äußerst gefestigte Perönlichkeit! (Das kann ich allerdings bestätigen - hat auch sein Gutes!) Mir hat diese Aussage geholfen, weil ich der Meinung war, ich wäre besonders schlecht als Mutter, es verhält sich aber andersrum, er ist ein außerordentlich unlenkbar/unbelehrbares Exemplar.
Und dazu fällt mir leider gar nichts ein, wie ich Selbsterkenntnis und Einsicht provozieren / beschleunigen kann. Ich kenne da nur einen Weg: gegen die Wand mit Vollcaracho laufen lassen. Ich bin aber im Zweifel ob aus so einem Desaster dann auch die richtigen Schlüsse gezogen werden.

LG, minime.
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Re: Erziehungsberatung - was kann man da erwarten?

Beitrag von Menolly » 9. Oktober 2015 10:00

"Erziehungsberatung" ist dann angesagt, wenn der Grund für die Probleme im Verhalten der Eltern zu finden ist.
Hä?  :108: Wie kommst du da denn drauf?

minime, du hast Probleme mit deinem Kind, und siehst das du mit deiner Erziehung da nicht weiter kommst.
Ja, genau dafür ist diese Beratungsstelle gedacht. Sie kann dir dabei helfen vielleicht andere Wege zu gehen, die man selber gar nicht auf dem Zettel hatte.
Auch kann sie dem Kind in mancher Hinsicht die Augen öffnen, wohin das verhalten im schlimmsten Fall hinführen kann.

Meine Schwester hatte mit ihrer Tochter große Probleme wärend der Pubertät, und hat sich auch dort hilfe geholt. Und nein, meine Schwester ist keine "Erziehensversagerin".

Gerade in der Pubertät kommen wir Eltern oft an unsere Grenzen, eben weil die lieben Kleinen gerne dann auf die schiefe Bahn geraten. Dafür sind diese Beratungsstellen gedacht.

Liebe Grüße
Menolly
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Re: Erziehungsberatung - was kann man da erwarten?

Beitrag von ripley » 9. Oktober 2015 10:04

Minime, bei UNS hat das über eine gehörige Portion Penetranz (dranbleiben, dranbleiben, dranbleiben!) und "Dominanz" ("Genau JETZT!") meinerseits funktioniert. Ja, durchaus auch mal mit phonstarken Ansagen (hey, ich bin auch nur ein Mensch!). Irgendwann ist er dann zur Einsicht gekommen "Ich muss das ja eh machen, oder?" - "Jupp, du musst!" (das ist übrigens ein Dialog, der bei uns mit beidseitigem Grinsen öfter mal wörtlich exakt so geführt wird).

Ich habe aber auch von - meine heutige Sicht - vormals zu viel Laissez-Faire auf "strenge Mama" umgeschaltet, als er in der vierten oder fünften war. Einfach, weil da bei uns schon ein Karren deftig gegen die Wand gefahren WAR (nicht der Leistungskarren). Und dann hat sich das nach und nach etabliert.
a) Mutter bittet, schlägt vor oder rät - da kann und soll Sohn überlegen und dann entscheiden, ob er dem mütterlichen Ansinnen nachkommt.
b) Mutter gibt Anweisung - da ist KEIN Ermessens-Spielraum gegeben.
Seitdem verstehen wir uns meist gut.
Das Sohn fast 18 ist, überwiegt Option a) inzwischen bei weitem.

Aber ... woher soll ich wissen, ob und wie das bei EUCH funktioniert oder auch nicht?
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Re: Erziehungsberatung - was kann man da erwarten?

Beitrag von Menolly » 9. Oktober 2015 10:04

Er ist NICHT eine Krankheit mit bisl Patient drumrum!
Sorry OT aber....  :breitgrinse1:  :top:
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Re: Erziehungsberatung - was kann man da erwarten?

Beitrag von minime » 9. Oktober 2015 10:16

[quote="ADHDgoesto11"]
Für schwere Fälle, bei denen das Problem bei den Eltern liegt. Also wenn die Eltern überhaupt keinen blassen Schimmer haben, was sie mit ihrem (eigentlich normalen) Kind machen sollen oder wenn sie gar Dinge komplett falsch angehen.

"Erziehungsberatung" ist dann angesagt, wenn der Grund für die Probleme im Verhalten der Eltern zu finden ist.
[/quote]

Mir ist es egal wer da mehr oder weniger unfähig ist in der Erziehungskonstellation, ich, mein Mann, das Kind. Das Kind wird von sich aus in absehbarer Zeit nicht erziehungsfähiger, also wäre es schick wenn die Eltern ein paar Tipps / Hilfen an die Hand bekämen das trotzdem irgendwie hinzubekommen.
Wenn es nach mir ginge würde und ich wüsste, dass es IHM damit besser auf lange Sicht geht, würde ich ihn morgen abgeben und sämtliche Rechte (und Pflichten  :up_to_something:) gleich mit - ich befürchte nur es geht nicht. Dann müsste ich mir diese Vollcaracho Fahrt gegen die Wand nicht jeden Tag angucken!  :baw:

Egal nächste Woche habe ich zunächst den Termin mit der Dame, vielleicht kommt doch was brauchbares heraus.
Wenn die aber anfängt bei den frühesten Anfängen mit Verstärkersystemen dann werde ich umgehend aufstehen und gehen! Das haben die Erz im KiGa schon sehr früh ehrlich erstaunt und um eine Erfahrung reicher als definitiv erfolglos abgestellt. - Da war ich dann mal nicht der Erziehungs-Versager.
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Re: Erziehungsberatung - was kann man da erwarten?

Beitrag von kaffeetasse » 9. Oktober 2015 10:26

Ich kenn das gar nicht... Erziehungsberatung... Also klar, ich weiß, dass es das gibt (im KiGa sind Infoplakate mit dem Angeboten vom Bezirksamt), aber ich hab sowas nie gemacht.

Und ehrlich, ich wüsste auch nicht, was es Eltern, die immer hinterher sind, dass es den Kindern "gut" geht, bringen soll... (Zumal wir ja in engem Kontakt mit den Therapeuten / Ärzten stehen und dort ja auch einiges von außen betrachtet und eingeschätzt wird.). Ich glaub daher auch eher, dass das Angebote für Eltern sind, deren Kinder zwar "schwieriger" sind, aber nicht für ADHS-ler...

Nichtsdestotrotz finde ich es gut, dass du das Angebot wahrnimmst und hoffe, dass es dir hilft.
Große Tochter (2001): ADHS, isolierte Rechtschreibschwäche, Dykalkulie u.a.

Kleine Tochter (2011): Frühchen

Ganz kleine Tochter (2014): ...
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Re: Erziehungsberatung - was kann man da erwarten?

Beitrag von Menolly » 9. Oktober 2015 10:35

Ich glaube das ist hier gerade ein Missverständnis in der Begrifflichkeit "Erziehungsberatung"

Dort wird man sich nicht nur auf die Erziehung der Eltern Konzentrieren.
Tatsächlich gucken die Leute dort auf das ganze, auch was die Probleme des Kindes sind. Dann haben sie eine größere Auswahl/Möglichkeit Angebote zu bekommen, die man so gar nicht so einfach bekommt. Auch und gerade über das Jugendamt.

minime, gehe hin und guck was die da so anbieten.
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Re: Erziehungsberatung - was kann man da erwarten?

Beitrag von minime » 9. Oktober 2015 10:38

ripley hat geschrieben: Ja, durchaus auch mal mit phonstarken Ansagen (hey, ich bin auch nur ein Mensch!). Irgendwann ist er dann zur Einsicht gekommen "Ich muss das ja eh machen, oder?" - "Jupp, du musst!"
Die Grenzen der phonstarken Kommunikation sind bei uns bei WEITEM überschritten worden - erfolglos. Die nächste Stufe wäre wirklich des Hauses verweisen (bei 11-jährigen ab 21:00 hätte die Polzei wohl auch eine Meinung dazu) , oder  wirklich mit schweren Gegenständen schlagen.
Im Gegenteil jeglich Machtdemonstration führt eher zur Verhärtung von Fronten bis zur Selbstaufgabe.

Aber ... woher soll ich wissen, ob und wie das bei EUCH funktioniert oder auch nicht?
Das war allerdings jetzt Selbsterkenntnis.
Wenn man in seiner Soße sitzt und die nun mal kennt ist es sonst nicht überall dieselbe Soße. Und offensichtlich kennst Du keine Verweigerungshaltung (was ich auch keinem wünsche!) und wie man in solch einer Situation damit umgeht.

Ich werde den denkwürdigsten Elternabend aller Elternabende nie vergessen, als in der 6. Klasse eine Mutter ganz erzürnt war über andere Eltern, die nicht im Stande wären die Kinder mit vollständige HAs zur Schule zu schicken. Es war ihr unerklärlich, wie es sein kann dass Kinder bei angesagten Vokabeltests in Latein es immer wieder zu einer 6 brächten.

Die KL und ca. die Hälfte der Eltern war erstaunt über die Erwartungen der Mutter an andere Eltern und die Latein-Lehrerin war erstaunt darüber, dass nicht alle Eltern täglich mit den Kindern Latein-Vokabeln pauken. So unterschiedlich sind Erwartungen und Möglichkeiten!!!
Ich bin auch der Meinung, dass Eltern durchaus die Pflicht haben, die Kinder dahin zu erziehen ihren Pflichten nachzukommen, worunter HAs fällt. Mit welchem Einsatz und mit welchen Maßnahmen die das dann machen bestimmen sie nicht immer nur alleine ....
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Re: Erziehungsberatung - was kann man da erwarten?

Beitrag von minime » 9. Oktober 2015 10:43

Menolly hat geschrieben:
Er ist NICHT eine Krankheit mit bisl Patient drumrum!
Sorry OT aber....  :breitgrinse1:  :top:
Das sehe ich allerdings auch so.  Therapeutisch und diagnostisch halte ich unsere Situtuation nun für ausgereizt ....
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Re: Erziehungsberatung - was kann man da erwarten?

Beitrag von ripley » 9. Oktober 2015 11:43

Minime, drück doch mal bitte "Voll Caracho an die Wand fahren" konkreter aus. Was GENAU befürchtet Ihr Eltern? Dass er sitzenbl ... ähh ... die Klasse wiederholen muss? In Gänze schulisch versagt? Gerade mal eben in die nächste Klassenstufe versetzt wird?

Ich gebe es offen zu: Mich selbst nervt es massiv an, wenn ich sehe, wie Junior mit schlichtem "In-der-Schule-geistig-halbwegs-anwesend-sein-aber-sonst-KEI-NEN-Strich-Tun" sein geistiges Potenzial vergeudet und auf ein munteres 3er-Abi - oder eben Wiederholung der 13. - zusteuert. Hätte ich diesem Treiben länger zusehen müssen als "nur" diese (dann) drei Jahre Oberstufe, müsste ich die Haare deutlich öfter und intensiver färben, die wären dann nicht angegraut, sondern schneeweiß.

Aber nochmal ... vielleicht kommt er so (schlunzig, chaotisch, stockefaul, nimm gerne eigene Begriffe dazu!) ja AUCH durch? Ich habe immer wieder die Ohren angelegt (na, ob DAS gutgeht?!) und jahrelang ist der Herr Sohn durch die Schule geflutscht wie'n eingeölter Hering. Nie "gut", aber auch nie ernsthaft versetzungsgefährdet. Hab ich nie verstanden, wie, aber es hat funktioniert(e).
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Re: Erziehungsberatung - was kann man da erwarten?

Beitrag von minime » 9. Oktober 2015 12:32

Hallo!

der zunächst maximale Schaden ist Sitzenbleiben (halte ich aber fast für unmöglich, nicht weil ich ihn für so unantastbar und gut halte, aber das Beispiel anderer Schüler zeigt es mir und IHM leider auch, dass diese Schule eher human ist).
Sollte es doch zum Sitzenbleiben kommen, wäre das allerdings in seinem Fall eine Katastrophe. Wegen der deutlich zu jung eingetretenen Pubi-Zeit ist er jetzt schon seit 3 Jahren fehl am Platze in der Klasse - das ist nicht nur mein Eindruck sondern auch der der Lehrer. Er ist von der Entwicklung / Reife (na ja  :icon_eek:) 2 Jahre zu weit fürs biologische Alter! Trotzdem kann das als Entschuldigung für gar nichts dienen. Ab da habe ich die Befürchtung, dass es erst recht abwärts gehen wird und es eben nicht der allerletzte Weckruf wäre. Alterstechnisch wäre das kein Problem, zumal er auch noch in G8 steckt.
Ich halte seine Verhalten nicht NUR für Schlunzigkeit sondern wirklich für komplette (Leistungs-/)Funktionsverweigerung. Wäre es Schlunzigkeit, na dann würde er sich hin und wieder mal überreden lassen was zu machen ...

Und ja ich kann mir Verweigerung nicht noch 5 Jahre ruhig angucken. Insbesondere sehe ich schwarz, dass er mit dieser Verweigerung  nirgendwo "unterkommt". Der Betrieb müsste noch erfunden werden .... und das ist wirklich ernst gemeint. Er wird nie arbeitsfähig sein und für sich selber sorgen können. Er wird auch keine Sozialhilfe bekommen, weil er das Formular nie ausgefüllt abgeben werden kann!
Ach so, er hat immer noch alle Schulbücher seit der 5. Klasse ausgeliehen. Du meinst ja nicht, ich hätte sie ihm nicht jährlich schon in die Hand gedrückt um sie in die Schule zu bringen ... die Antwort ist Schweigen und die Tat ist "NEIN". Was zum Geier ist denn dafür der Hinderungsgrund????
Ich könnte ja selber zur Schulbib gehen und sie abgeben, will ich aber nicht - ist nicht mein Job (sofern man das ernsthaft als Job bezeichnen kann.). Es geht also nicht nur um Schule, es geht um Verweigerung jeglichen Handgriffs, der nicht Spaß bedeutet.

LG, minime.
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Re: Erziehungsberatung - was kann man da erwarten?

Beitrag von Sheherazade » 9. Oktober 2015 14:53

[quote="minime"]
Es geht also nicht nur um Schule, es geht um Verweigerung jeglichen Handgriffs, der nicht Spaß bedeutet.
[/quote]

Bei unserem älteren Sohn (14 Jahre, 8. Klasse) war das ähnlich, wenn auch nicht so ausgeprägt. Wir haben lange gebraucht um herauszufinden, dass ihm die Motivation fehlte. Er wusste einfach nicht, warum er z. B. lernen soll bzw, sich in der Schule und bei allem, was damit zu tun hat, einbringen soll. Seit einigen Monaten hat er ein Ziel und jetzt läuft das bei ihm. Alles, was ich ihm jahrelang vorgebetet, befohlen und hinterhergetragen habe, kommt von alleine. Er ist sich noch nicht mal zu schade dafür, in der Schule den Streber zu geben.  :icon_eek: 

Mir ist aber so, als wäre dieser Schub zeitgleich mit dem Schulabschluß und der Aufnahme einer Ausbildung seiner Schwester gekommen, er hat sich alles (von den Abschlußarbeiten bis über Bewerbungen, Vorstellungsgesprächen, Einstellungstest und Ausbildungsvertragsunterzeichnung genau angeguckt und gespeichert. Auch jetzt beäugt er seine Schwester genau und stellt offensichtlich fest, dass es ihr gut geht, trotz 6-Tagewoche mit 38,5 Arbeitsstunden. Und besonders gut geht es ihr logischerweise am Monatsende.  :breitgrinse1:

Er hat sich mittlerweile eine Praktikumsstelle für das Betriebspraktikum Ende Februar 2016 gesucht und die dingfest gemacht. Seit Ende letzten Jahres hat er diesen Betrieb bzw. diesen Ausbildungsberuf im Auge. Er ist stolz wie Bolle auf sich, dass er der erste in der Klasse ist, der schon eine Praktikumsstelle sicher hat. Irgendetwas als erster oder auch nur in vorderster Reihe zu tun, war ihm immer zu wider, seine Lieblingsstelle war immer das Schlußlicht, der Nachzügler zu sein. Als nächstes Ziel hat er sich gesetzt, als erster seiner Klasse einen Ausbildungsvertrag zu unterschreiben. Ihm ist bewusst, dass er dafür ein gutes Abschlußzeugnis braucht und er tut so einiges dafür um genau das zu erreichen.

Wäre dieser Umschwung nicht gekommen, hätte ich ihn vor die Wand laufen lassen, d. h. er hätte dann das 8. oder 9. Schuljahr (je nachdem wie lange er gebraucht hätte um sich völlig in den Keller zu wirtschaften) wiederholen müssen.
Zuletzt geändert von Sheherazade am 9. Oktober 2015 15:08, insgesamt 1-mal geändert.
Sohn *2003 - Autist mit komorbider ADHS
Sohn *2001 - ADS
2 Töchter *1998 und * 1989
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Re: Erziehungsberatung - was kann man da erwarten?

Beitrag von ripley » 10. Oktober 2015 10:15

[quote="minime"]
der zunächst maximale Schaden ist Sitzenbleiben (halte ich aber fast für unmöglich, nicht weil ich ihn für so unantastbar und gut halte, aber das Beispiel anderer Schüler zeigt es mir und IHM leider auch, dass diese Schule eher human ist).
Sollte es doch zum Sitzenbleiben kommen, wäre das allerdings in seinem Fall eine Katastrophe. Wegen der deutlich zu jung eingetretenen Pubi-Zeit ist er jetzt schon seit 3 Jahren fehl am Platze in der Klasse - das ist nicht nur mein Eindruck sondern auch der der Lehrer. Er ist von der Entwicklung / Reife (na ja  :icon_eek:) 2 Jahre zu weit fürs biologische Alter! [/quote]

Und damit hat er Euch Eltern "im Sack", richtig?
Will sagen, es ist für EUCH weit wichtiger, dass er nicht sitzenbleibt, als es IHM ist. Nun ist das durchaus verständlich und irgendwie ist es ja auch unsere Pflicht, die Kinderlein nicht nur als Kleinkinder davon abzuhalten, vor den nächsten Laster zu laufen, sondern sie auch später auf ihrem schulischen Weg zu führen und zu geleiten, aber ... er sitzt da momentan am deutlich längeren Hebel, richtig?

Ich hab da keine "Patentlösung", wirklich nicht.

Ich schlage aber vor, Ihr guckt Euch diesen Hebel lange und intensiv an. Und dann überlegt Ihr, ja, klar, durchaus auch mit Hilfe der Erziehungsberatung, ob man dem Kerlchen diesen Hebel nicht .. weiß nicht ... wegnehmen? madig machen? umlegen? ... was auch immer kann. Vielleicht findet Ihr beim Drüber-Nachdenken ja auch einen Hebel, mittels dessen Ihr den JUNIOR noch bewegt bekommt?

Möglicherweise hilft es auch, darüber nachzudenken, welche Versorgungsleistungen Ihr als Eltern aufbringen und zur Verfügung stellen MÜSST ... und wo die "Extras" anfangen, die das Kerlchen so täglich nutzt bzw. konsumiert. Möglicherweise kann man exakt diese Extras ja davon abhängig machen, dass er sie sich auch VERDIENT?
Zuletzt geändert von ripley am 10. Oktober 2015 10:23, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Erziehungsberatung - was kann man da erwarten?

Beitrag von Hanghuhn » 10. Oktober 2015 10:26

@minime, ich kann Dir zwar keine Antwort auf Deine Frage geben, aber ich kann Dich bestärken, dass ADHS  + HB + frühe Pubertät keine einfache Kombi sind. Einem Pubertier, auch wenn es erst 10 Jahre alt ist, kannst Du nicht mit Kinderkram kommen, dann macht es nämlich endgültig dicht. Trotzdem muss es möglich sein, einen Zugang zu ihm zu finden. Vielleicht hilft Dir da ja wirklich eine Erziehungsberatung.

Bei meinem Kind war es ähnlich. Bis ich mitgekriegt habe, dass das Kind Frühentwickler ist, war schon einiges den Bach 'runter gelaufen, weil man einen Frühentwickler nicht genauso behandeln kann wie ein anderes Kind im gleichen Alter, es funzen einfach nicht die gleichen Sachen. Darauf ist man auch nicht einfach so vorbereitet, das Kind ist erst 10 und reagiert tw. wie ein Erwachsener! Es lässt sich nicht mit den gleichen Dingen begeistern wie andere Kinder.

Deshalb halte ich auch die mangelnde Motivation für den Hauptauslöser eines solchen Verhaltens. Pubertätsmäßig wird alles, was die Eltern wohlmeinend anbringen, abgelehnt. Es hat aber bis zu seinem jetzigen Lebensalter nicht so viel gelernt (ich meine an Lebenserfahrung) wie normale Pubertiere, die erst mit 12, 13, 14 in die Pubertät kommen. Darin sehe ich die Hauptschwierigkeit.
Zuletzt geändert von Hanghuhn am 10. Oktober 2015 10:43, insgesamt 1-mal geändert.
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