Der Gelehrte macht es sich wieder einfach

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Padla
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Der Gelehrte macht es sich wieder einfach

Beitrag von Padla » 28. Oktober 2013 07:56

Gestern gab es bei Spon folgendes Interview  über Dyskalkulie zu lesen.
http://www.spiegel.de/schulspiegel/wiss ... 28038.html

falls ihr die Zeit haben solltet, könnt ihr euch ja noch ein wenig im dazugehörigen Forum umtun. Es ist faszinierend wie einfach für manch einen die WElt ist.  "Ich habe es nicht, also gibt es dies auch nicht"
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Re: Der Gelehrte macht es sich wieder einfach

Beitrag von Brummilator » 28. Oktober 2013 20:44

Idioten unter sich, da würde unsereins nur stören :breitgrinse1:
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EmmaGSLehrerin
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Re: Der Gelehrte macht es sich wieder einfach

Beitrag von EmmaGSLehrerin » 29. Oktober 2013 15:08

Also im Forum habe ich jetzt nicht gelesen, und bei so mancher Aussage von Herrn Meyerhöfer habe ich auch mit den Augen gerollt, das gebe ich zu.

Aber gerade bei der LRS- und Dyskalkulie-Diskussion gibt er einen wichtigen Denkanstoß. Lest das Interview mal so:

Warum müssen Schüler, die schwach in einem Fach sind, sich erst eine Diagnose erkämpfen, um eine Art "Absolution" zu erhalten?

Und vor allen Dingen:

Was ist mit all den Schülern, die diese Diagnose nicht bekommen?
Wie oft erlebe ich als Lehrerin, dass Schüler sich in Deutsch und Mathe abstrampeln, üben was das Zeug hält... und sie erzielen auch Erfolge... aber eben kleine.

Und ich muss dann als Lehrerin doch wieder die doofe 5 unter die Arbeit schreiben.  :108:

Alle Tests ergeben aber definitiv, dass keine LRS/ Dyskalkulie vorliegt.

Un nü?

Und:
Was ist eigentlich mit all den Kindern, die tatsächlich nicht mit allzu viel Intelligenz ausgestattet wurden?

Die haben gefälligst mit ihren schlechten Noten zu leben, weil...die sind ja eh doof, die merken das bestimmt nicht so...?!



Ich würde mir so sehr wünschen, dass all die Energien und Gelder, die in externe Diagnostiken und Therapien fließen, in der Schule gebündelt würden. Damit wir den Kindern mit ihren Problemen einfach besser helfen könnten.

Diese Grundbotschaft lese ich auch aus dem Interview von Herrn Meyerhöfer heraus. Sowohl wenn er die heutigen Diagnosepraktiken kritisiert (7% haben eine Störung. Alle anderen, die trotzdem ein Problem haben, haben Pech gehabt)
Als auch bei den Denkanstößen, wie Abhilfe geschaffen werden könnte.
Er meckert nicht nur, er erarbeitet ein Programm, um rechenschwachen Erwachsenen zu helfen.

Wie gut!
Zuletzt geändert von EmmaGSLehrerin am 29. Oktober 2013 15:14, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Der Gelehrte macht es sich wieder einfach

Beitrag von Brummilator » 29. Oktober 2013 22:17

Boah ich finds grad wieder nicht- aber gibt es nicht eine Verordnung vom Schulamt von 2008 dass man bei Kindern die länger als 6 Monate schlechter als ausreichend haben einen Nachteilsausgleich machen kann?

So ein Schrott- wir hatten es nämlich drüber. Das gibt Lehrern die Möglichkeit die Rechtschreibung anders zu gewichten, also den Anteil runterzusetzen.

Eine Freundin war bei einem Vortrag wo jemand vom Schulamt und Regierungspräsidium Karlsruhe da war.

Ich muß sie mal fragen- wenn ich dran denk :Möhrchen:

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Re: Der Gelehrte macht es sich wieder einfach

Beitrag von Brummilator » 29. Oktober 2013 22:21

Ach nochwas- der gute Herr schiebt ja die Schuld der Lehrerschaft zu- wenn die Kinder keine Mathe kapieren liegts am Lehrer- wie wäre es denn wenn er das mal selbst beweist?

Es gibt doch bestimmt ein paar Kinder mit Dyskalkulation, oder Leute die man überreden könnte mal den Weg auf sich zu nehmen und sich von dem Herrn Mathe beibringen zu lassen.

Ein einfacher Weg seine These 100 % zu beweisen.

Ob er sich trauen würde??

B
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Re: Der Gelehrte macht es sich wieder einfach

Beitrag von Hanghuhn » 30. Oktober 2013 08:42

@Emma  :top:

@Brummilator, auch die Lehrer sind an einen Lehrplan gebunden.

Ich habe mich als Mutter darüber gewundert, dass den Kindern schon in der 2. Klasse "Strategien" beigebracht wurden, um schneller rechnen zu können (eine "Strategie fand ich besonders hirnrissig, dafür mussten die Kinder die Quadratzahlen auswendig wissen und daraus { a x ( a - 1) } bilden). Meine Kinder waren in der GS sehr gut in Mathe, aber mit den "Strategien" konnten sie nichts anfangen. Sie haben halt die Aufgaben gelöst. Die Lehrerin, mit der ich kurz darüber sprach, sagte, nach ihrer Erfahrung legten sich die Kinder sowieso ihre eigenen Strategien zurecht. Das wäre von Kind zu Kind verschieden.

Ich frage mich, was es für einen Sinn macht, Kindern, die gerade mal die Grundlagen erlernen und damit evtl. Schwierigkeiten haben, mit irgend welchen Strategien zu kommen. Sie haben gar keine Zeit, die Grundlagen zu verfestigen.
LG Hanghuhn
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Re: Der Gelehrte macht es sich wieder einfach

Beitrag von EmmaGSLehrerin » 30. Oktober 2013 10:25

Hallo Brumminator,

[quote="Brummilator"]
Boah ich finds grad wieder nicht- aber gibt es nicht eine Verordnung vom Schulamt von 2008 dass man bei Kindern die länger als 6 Monate schlechter als ausreichend haben einen Nachteilsausgleich machen kann?
[/quote]

Von einer solchen "Noten-Flatrate" habe ich noch nichts gehört und hielte sie in dieser Form auch für seltsam. Aber da müsste ich genau wissen, was das Gesetz in dem Bundesland, in dem es gilt, tatsächlich vorsieht.

Ich denke, es braucht schon etwas mehr als "Ein halbes Jahr unter 4 und der Nachteilsausgleich wird gewärt".

Ich kann in dem Interview nicht erkennen, dass der schwarze Peter den Lehrern zugeschoben wird. Vielleicht lese ich es anders als du. Für mich wird klar, dass die Rahmenbedingungen für die Lehrer nicht gut genug sind, damit sie allen Kindern helfen können. Kann ich jetzt so nix gegen sagen.

Und eine Rechentherapie entwickelt der gute Mann bereits.
Vielleicht das Interview nochmal in Ruhe lesen und aus dem Forum fernhalten (auf den ersten Seiten geht ja wirklich eine unsägliche Diskussion ab, diese Stammtischdiskussion wird den sachlichen Aussagen des Interviews m. E. nicht gerecht  :icon_rolleyes:).
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Re: Der Gelehrte macht es sich wieder einfach

Beitrag von Brummilator » 30. Oktober 2013 17:16

"Das hilft aber nur Lehrern und Eltern, die sich ihrem eigenen Versagen in Bezug auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder nicht stellen müssen"

Also ich les das so, dass wenn das Kind versagt Lehrer und Eltern Schuld sind.

Auch schön.

Es muß doch für dich frustrierend sein zu sehen dass es manchen Kindern- das müssen noch nicht mal besonders sympathische sein,- Mathe zufliegt, und anderen die kämpfen und sich anstrengend und versuchen  nix auf die Reihe kriegen.

Nicht nur Mathe , sondern das zieht sich doch durch alle Fächer. Kinder die kämpfen müssen und die Du trotzdem mit schlechten Noten abstrafen mußt, egal wie sie sich bemühen.

Es wäre schön wenn es wirklich die Lösung für zumindest das Matheproblem geben würde.

Bin gespannt .

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Re: Der Gelehrte macht es sich wieder einfach

Beitrag von Zweifachmama » 30. Oktober 2013 21:04

Die gesetzlichen Regelungen für den Nachteilsausgleich in Baden-Württemberg kann man hier nachlesen: http://www.landesrecht-bw.de/jportal/?q ... =true#ivz4. Dort steht im Abschnitt 2.3.2
"Bis Klasse 6 gelten in den Fächern Deutsch und Fremdsprache für Schüler, deren Leistungen im Lesen oder im Rechtschreiben dauerhaft, d. h. in der Regel etwa ein halbes Jahr, geringer als mit der Note ausreichend bewertet wurden, additiv oder alternativ folgende Formen der Leistungsmessung und Leistungsbewertung ... [es folgt eine Liste möglicher Maßnahmen]" und weiter "Ab Klasse 7 gilt dies nur in besonders begründeten Ausnahmefällen, wenn davon auszugehen ist, dass die Lese- oder Rechtschreibschwäche nicht auf eine mangelnde allgemeine Begabung oder auf mangelnde Übung zurückzuführen ist, sondern ein komplexes Feld an Ursachen für einen gestörten oder verzögerten Schriftspracherwerb vorliegt oder die Lese- oder Rechtschreibschwäche eine auf medizinischen Gründen beruhende Teilleistungsstörung ist." Die Entscheidung trifft die Klassenkonferenz.

Bei besonderen Schwierigkeiten im Fach Mathematik wird zwar prinzipiell auch auf die Möglichkeiten des Nachteislausgleichs verwiesen. Dieser Bereich liest sich für mich aber deutlich weniger konkret was zu treffende Maßnahmen angeht.

Welche Art des Nachteilsaugsgleichs gewährt wird, scheint darüber hinaus im Ermessen der Lehrkraft zu liegen. Eine betroffene Mutter klagte über eine Äußerung der KL in dem Sinne dass das Knind dann eben keine fünf  sondern eine vier bekönme, besser können man mit in Anspruch genommenem Nachteilsausgleich ohnehin nicht sein.

Das Interview im Spiegel habe ich auch eher mit Emmas Brille gelesen, aber da muss man schon sehr genau hinschauen und sein Statement zu ADHS geht für mir doppelt am Thema vorbei.Dumm nur, dass die Leserbriefe genau das aufschnappen und sich vergallopieren sich leider in den bekannten Stammtischparolen.
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Re: Der Gelehrte macht es sich wieder einfach

Beitrag von EmmaGSLehrerin » 31. Oktober 2013 14:43

[quote="Brummilator"]

Es muß doch für dich frustrierend sein zu sehen dass es manchen Kindern- das müssen noch nicht mal besonders sympathische sein,- Mathe zufliegt, und anderen die kämpfen und sich anstrengend und versuchen  nix auf die Reihe kriegen.

Nicht nur Mathe , sondern das zieht sich doch durch alle Fächer. Kinder die kämpfen müssen und die Du trotzdem mit schlechten Noten abstrafen mußt, egal wie sie sich bemühen.

Es wäre schön wenn es wirklich die Lösung für zumindest das Matheproblem geben würde.

[/quote]

Ja, aber die Lösung kann m. E. nicht lauten: Die einen müssen mit den schlechten Noten leben, die anderen nicht.

Ich persönlich löse den Konflikt, indem ich den Kindern ganz klar sage:
"Ich sehe, dass du dir Mühe gibst. Das ist alles, was zählst. Guck mal, du hast dich hier, hier, hier und hier schon verbessert."

Und ich sage den Kindern auch klipp und klar:

"Manchmal finde ich Noten geben als Lehrerin ganz schön scheiße."

Kinder sind nicht doof. Die kapieren das. Ich hab noch keinen Schüler erlebt, der sich auf diesen Worten ausgeruht hat nach dem Motto: "Na, wenn Noten egal sind...".
Kindern werden total wach, wenn sie spüren, dass ich ihre individuellen Fortschritte sehe.
Wenn die Eltern am selben Strang ziehen, wird die stetige fünf dann auch nicht zum Desaster.



Und sonst?
Es wird so oft behauptet, Noten seien wichtig. Eltern wollten Noten. Kinder wollten Noten. Lehrer, die keine Noten wollen, sind Kuschelpädagogen.

Ich behaupte: Eltern und Kinder wollen keine Noten, sie wollen gute Noten.

Und sobald die guten Noten ausbleiben und sich bei allen Bemühungen nicht einstellen wollen, geht das Gerangel um die Diagnosen los. Und das ist dann was anderes als die böse Kuschelpädagogik?
Das ist doch bizarr. Von einer Diagnose hat noch kein Kind lesen, schreiben und rechnen gelernt.
Zuletzt geändert von EmmaGSLehrerin am 31. Oktober 2013 14:50, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Der Gelehrte macht es sich wieder einfach

Beitrag von Falschparker » 31. Oktober 2013 19:39

[quote="EmmaGSLehrerin"]
Diese Grundbotschaft lese ich auch aus dem Interview von Herrn Meyerhöfer heraus. Sowohl wenn er die heutigen Diagnosepraktiken kritisiert (7% haben eine Störung. Alle anderen, die trotzdem ein Problem haben, haben Pech gehabt) [/quote]

Ich hab jetzt den Artikel (noch) nicht gelesen, aber 7% ist doch ganz schön viel, oder? Ich meine, wie hoch ist denn der Prozentsatz der Kinder die in Mathe dauerhaft schlechte Noten schreibt? Wenn der höher ist als 7%, kann man doch sagen dass der/die Lehrer/in es nicht schafft, die große Mehrheit der Kinder mitzunehmen?
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Re: Der Gelehrte macht es sich wieder einfach

Beitrag von EmmaGSLehrerin » 31. Oktober 2013 19:52

7% entspricht ca. 1,5 Kindern pro Klasse.

Immer noch "ganz schön viel"?  :zwink:
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Re: Der Gelehrte macht es sich wieder einfach

Beitrag von Falschparker » 31. Oktober 2013 20:03

Doch, ich habe gesagt "dauerhaft" und schließe die Kinder die in einer sie sowieso überfordernden Schulform sind da nicht ein.
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Re: Der Gelehrte macht es sich wieder einfach

Beitrag von Falschparker » 31. Oktober 2013 20:18

7% sind 1,5 Schüler in einer Klasse mit 21,43 Schülern.

In einer Klasse mit 28,57 Schülern sind es schon 2. Zwei Schüler die dauerhaft nicht über 'ne 5 in Mathe kommen- und es wird auch nicht besser wenn man es ihnen intensiv erklärt und sie sind auch nicht im Gymnasium obwohl sie dort fehlplatziert sind- finde ich viel.
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Re: Der Gelehrte macht es sich wieder einfach

Beitrag von Brummilator » 31. Oktober 2013 21:13

". Von einer Diagnose hat noch kein Kind lesen, schreiben und rechnen gelernt."

Sorry, aber da muß ich ganz klar meinen Sohn 1 dagegenhalten.

Sobald wir wußten was los ist und gezielt dagegen vorgehen konnten ging es-

Sobald mein Cousin seine Diagnose hatte wurde er gezielt gefördert und er blühte auch in anderen Fächern auf, weil der STempel :" Dumm" weg war.

Auch sonst sehe ich in meinem Umfeld Kinder denen richtig Felsen von den Schultern fallen weil sie jetzt wissen das nicht faul, dumm, keine Mühe geben, nicht fest genug versuchen der Grund ist.

Du siehst es doch selbst wie so eine Schwäche ein Kind auch in anderen Bereichen runterzieht.
Das Selbstvertrauen wird zerstört, der Spaß am lernen geht flöten.

Was bei uns immer wieder aufgefallen ist-wir wußten was los ist und haben uns auch über eine 4 im Diktat gefreut, auch die Lehrerin hat druntergeschrieben- klasse Du wirst besser.
Tja, was glaubst Du hat er von den Klassenkameraden zu hören bekommen????

Da gab es eben auch Kinder die haben Ärger gekriegt wenns nur ne 2 war. Wie die den Frust weitergegeben haben kannst Du Dir ja vorstellen.

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Re: Der Gelehrte macht es sich wieder einfach

Beitrag von Padla » 31. Oktober 2013 23:48

jetzt habe ich die Antwort schon seit Tagen geschrieben und wieder gelöscht usw. Und weiß eigentlich immer noch nicht, was jetzt hierbei rumkommt, aber einen Versuch ist es wert.
Als allererstes: Wer eine Diagnose als "Absolution" ansieht, der hat sie nicht mehr alle.
Es ist wahr, von einer Diagnose hat noch kein Kind lesen, schreiben oder rechnen gelernt.
Aber die Diagnose sollte der Startschuß für alle Beteiligten sein, den ganzen Lernprozeß zu überdenken und an die jeweiligen Erfordernisse anzupassen. MMn.  liegt der Hauptanteil an dieser Arbeit bei den Eltern.
Von diesem Standpunkt aus, hat der Herr Prof. sicherlich recht, wenn er meint, die Eltern hätten einen Großteil der Schuld. Es wäre zwar schön, wenn man sich diesen Löwenanteil gerechter mit den Lehrern teilen könnte, aber Lehrer haben dummerweise noch mehr Kinder während des Unterrichtes zu betreuen.

@ Emma: Zu deiner Frage: Was passiert mit Kindern die keine Diagnose bekommen, aber trotzdem unterdurchschnittliche Leistungen bringen?
Dazu müssten wir jetzt eine Grundsatzdebatte führen, ob nur theoretische Kenntnisse und Fähigkeiten einen Menschen oder ob auch handwerkliche Fähigkeiten einen Menschen kostbar machen. Denn oftmals sind gerade diese Kinder, welche im "schlechten" Notenbereich rumstolpern, wahre Meister wenn es darum geht, etwas mit den Händen zu erschaffen. Warum ist uns diese Fähigkeit so wenig wert, das wir sie komplett aussen vor lassen.
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Re: Der Gelehrte macht es sich wieder einfach

Beitrag von EmmaGSLehrerin » 1. November 2013 06:58

Hallo,

@ Falschparker:
Falschparker hat geschrieben: In einer Klasse mit 28,57 Schülern sind es schon 2. Zwei Schüler die dauerhaft nicht über 'ne 5 in Mathe kommen- und es wird auch nicht besser wenn man es ihnen intensiv erklärt und sie sind auch nicht im Gymnasium obwohl sie dort fehlplatziert sind- finde ich viel.
Also erstmal: Du machst es dir ziemlich passend, denn das ist ein sehr konstruierter Fall. Nicht jedes Dyskalkuliekind ist ein potentieller Gymnasial-Kandidat. Gleich zwei davon in einer Klasse sitzen zu haben ... oookay, das ist viel... aber was du schilderst ist nicht der Alltag.

Und mir geht es um deine Behauptung, "wenn mehr als 7% der Kinder dauerhaft in Mathe schlechte Noten haben, dann hätte der Lehrer versagt."

In einer Klasse mit knapp 30 Kindern können durchaus 3 bis 4 Kinder dauerhaft Probleme mit dem Rechnen haben, ohne das der Lehrer versagt hat. In einer Brennpunktschule sind es übrigens oft locker 7 bis 8. Bedenke, dass sich das stark auf die Gesamtstatistik auswirkt.

Außerdem wehre ich mich gegen die Idee, Schüler Nr. 3 und 4 müssten mit ihren schlechten Noten leben, weil sie leider keine Diagnose haben.


@ Brumminator:
Brummilator hat geschrieben: ". Von einer Diagnose hat noch kein Kind lesen, schreiben und rechnen gelernt."

Sorry, aber da muß ich ganz klar meinen Sohn 1 dagegenhalten.

Sobald wir wußten was los ist und gezielt dagegen vorgehen konnten ging es-
Und? Wars die Diagnose, die ihn therapiert hat?  :zwink:
Auch sonst sehe ich in meinem Umfeld Kinder denen richtig Felsen von den Schultern fallen weil sie jetzt wissen das nicht faul, dumm, keine Mühe geben, nicht fest genug versuchen der Grund ist.
Und dann auch hier nochmal: Dann können diese Kinder drei Kreuze machen, dass sie eine Diagnose bekamen! Stell dir mal vor, sie hätten keine bekommen, weil sie "nur" zu den schlechtesten 8% gehörten! Dann wär der Felsen mit allem zipp und zapp geblieben - juhu!

Es geht mir um ein generelles Umdenken im Umgang mit Lernschwierigkeiten, damit sich die Situation für alle Kinder verbessert.

Padla hat geschrieben:die Diagnose sollte der Startschuß für alle Beteiligten sein, den ganzen Lernprozeß zu überdenken und an die jeweiligen Erfordernisse anzupassen.
Nein, diesen Startschuss dafür sollten die Probleme in der Schule geben. Ich berate Eltern immer so, dass ich ihnen klarmache: Überlegen Sie sich sehr genau, was sich aus der Diagnose für Sie für Konsequenzen ergeben. Ich bekomme nicht mehr Förderstunden, wenn Sie mir ein Attest vorlegen. Ich fördere Ihr Kind jetzt nach Kräften und ich werds danach nicht anders machen.
Der einzige Grund für eine Diagnose ist im Prinzip, wenn man versuchen will, über §35a Hilfen zu beantragen. Bei uns werden die jedoch so gut wie nie gewährt, deshalb ist das hier auch kein wirkliches Argument.
Zuletzt geändert von EmmaGSLehrerin am 1. November 2013 07:01, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Der Gelehrte macht es sich wieder einfach

Beitrag von Falschparker » 1. November 2013 13:53

Hallo Emma,

nein, ich will nicht dich oder deine Kollegen angreifen. Tut mir leid.  :w: :fett1:

Konstruiert ist mein Beispiel nicht, denn das wäre ja die Voraussetzung für eine Dyskalkulie-Diagnose, dass das Kind weder allgemein überfordert ist noch aus didaktischen Gründen nicht mitkommt.
Außerdem wehre ich mich gegen die Idee, Schüler Nr. 3 und 4 müssten mit ihren schlechten Noten leben, weil sie leider keine Diagnose haben.
Ich auch!! Aber was heißt das denn- dauerhaft Probleme mit dem Rechnen (und zwar isoliert, d. h. ohne Intelligenzminderung), ohne dass eine Rechenschwäche vorliegt? Welche Voraussetzungen hat eine Rechenschwäche denn noch?

Mir persönlich ist dieses Feld unbekannt, daher bitte ich meine Unkenntnis zu verzeihen. Ich bin zwar selbst ADHS-ler, war aber in Mathe und Rechtschreibung immer gut bis sehr gut. Und unser großer Sohn konnte an Rechnen eh nicht teilhaben, weil er nicht mal sprechen und Sprache verstehen kann, ihm wurden in der Förderschule eher lebenspraktische Dinge beigebracht.

(Nicht dass Rechnen nicht lebenspraktisch wäre. Ich rege mich immer furchtbar auf, wie Matheinkompetenz von Erwachsenen schamlos ausgenutzt wird- Smartfon nur 1 €; Ratenkauf mit 0  % Zinsen usw.)

Viele Grüße  :winken:
Falschparker
Zuletzt geändert von Falschparker am 1. November 2013 13:59, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Der Gelehrte macht es sich wieder einfach

Beitrag von EmmaGSLehrerin » 1. November 2013 14:40

Hallo Falschparker,

ich glaube, das Problem ist, dass wir aneinander vorbeireden.
Meine wiederholten Erklärungsversuche zeigen mir ganz deutlich, wie schwierig das Umdenken ist, das ich mir für unsere Kinder wünschen würde.

[quote="Falschparker"]
[quote="Emma"]Außerdem wehre ich mich gegen die Idee, Schüler Nr. 3 und 4 müssten mit ihren schlechten Noten leben, weil sie leider keine Diagnose haben.[/quote]

Ich auch!! Aber was heißt das denn- dauerhaft Probleme mit dem Rechnen (und zwar isoliert, d. h. ohne Intelligenzminderung), ohne dass eine Rechenschwäche vorliegt? Welche Voraussetzungen hat eine Rechenschwäche denn noch?
[/quote]

Wiiieeeso zum Kuckuck müsst ihr alle auf diesem "isolierte Rechenschwäche ohne Intelligenzminderung" rumreiten?!  :grübel: :grübel: :grübel:

Warum muss die Rechenschwäche bei einem Kind isoliert sein, damit es in den Genuss von Nachteilsausgleichen und Förderungen kommen kann?!

Kinder haben auch Probleme im Rechnen,

- weil sie weniger intelligent sind
- weil sie aus irgend einem Grund die Freude am Mathematiklernen verloren haben, z. B.
- weil Mama und Papa sich gerade scheiden lassen und andere Dinge viiiel wichtiger sind als Schule
- weil sie eine schwierige Geschichte haben, die andere Dinge wichtiger machen als Schule

und, nicht zu vergessen, Kinder haben Probleme mit dem Rechnen, weil

- ach-weiß-der-Geier-warum-aber-ist-halt-so

Und Kinder haben aus denselben Gründen mitunter Schwierigkeiten in Deutsch oooder halt in Mathe und Deutsch!

Und ich persönlich halte eben diese Trennerei in "schuldige und unschuldige" schwache Kinder für bekloppt und würde mir wünschen, wir könnten mit allen Kindern einen Weg finden, der sie in ihrem individuellen Lernen vorwärts bringt, ohne dass uns dabei immer diese verdammten Noten in die Quere kommen.

Ich hoffe, es war jetzt besser verständlich, was ich meine

LG Emma  :winken:
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Re: Der Gelehrte macht es sich wieder einfach

Beitrag von graffiti » 1. November 2013 15:56

@emma:  :gp:
bin ich froh, daß ich mir diese nachdenk-zigarette nicht angezündet habe, als ich die gasleitung abgemäht habe :icon_mrgreen:<br />oder: alles wird gut.
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