ADHS und Kaufmännische Berufe

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Nico_73
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Re: ADHS und Kaufmännische Berufe

Beitrag von Nico_73 » 8. August 2013 10:07

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Darf ich ehrlich sein ?

Für mich klingt das einfach nur von Neid und Missgunst zerfressen ?
Du jammerst aber änderst nichts. WAS ist an Zeitarbeit bitte so verkehrt ? Sieh es doch mal von der Seite dass sie ein Super Einstieg in eine Festeinstellung sein kann. Und selbst wenn es nicht so ist hat es trotzdem viele Vorteile. Hast du mal bei den Unternehmen in denen du im Einsatz warst hinter die Kulissen geguckt ? Da ist auch nicht alles rosarot da gibt es auch Mobbing, Lästereien, umsatzdruck und Kündigungen.

Ich habe 10 !!!!! Jahre in einem Zeitarbeitsunternehmen gearbeitet. Mit Absicht weil ich ein Ziel vor Augen hatte das ich erreichen wollte. Durch die ZA hatte ich die Möglichkeit mir ein unheimlich breites Wissen anzueignen und wahnsinnig viel zu lernen sowohl über verschiedene Wirtschaftsbereiche als auch verschiedene Unternehmensbereiche.

Letztendlich bin ich dahin gekommen wo ich hinwollte. Als gelernte Arzthelferin bin ich nun endlich am Ziel angekommen ich arbeite als persönliche Assistentin der Geschäftsführung festangedtellt bei einem der groesseren Maklerunternehmen Europas. OHNE Zeitarbeit und das wissen das ich dort erwerben konnte hätte ich das NIEMALS erreicht.

Ich finde du machst es dir etwas einfach damit nur auf alle und alles zu schimpfen wenn du etwas ändern willst dann zu es es liegt nur am dir allein.
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Re: ADHS und Kaufmännische Berufe

Beitrag von Eule » 8. August 2013 11:07

Auch in Bayern ist nicht alles Gold was glänzt. Weder die Lebensart noch die Jobsituation. Das alles ist so lange toll wie man nur die Schokoladenseiten sieht weil man da Urlaub macht oder sich irgendwelche schicken Imagefilmchen ansieht.

Und was die Sonne und das Superwetter angeht: Den Vergleich mit Freiburg das bekanntermaßen die meisten Sonnenstunden Deutschlands hat vergiß mal lieber. ICH hbabe Hamburg immer gemocht.die diversen größeren Gewässer mitten in der Stadt, die Nähe zur See, und auch das kneipen- und Nachtleben. Man ist schnell mal am Wochenende aus der Stadt raus, ohne sich gleich mit fiesen steigungen beim Radeln oder Wandern rumärgern zu müssen, das umland ist durchaus attraktiv, und wenn man will kann man auch mal für eine Kurzflucht nach Dithmarschen, Nordstrand oder so zwecks Kopf freipusten und die Weite der See genießen.

Aber wenn du das alles scheixxe findest, mußt du halt dein Gerümpel packen und nach bayern auswandern. Übrigens ist gerade die von dir angepeilte Gegend im Frankenland dank großen Pleiten wie Quelle und der Nähe zu den neuen Bundesländern bzw für einige Branchen auch zu Tschechien in Sachen Lohn/arbeitslosenquote ziemlich unattraktiv. Mußt du halt wissen ob dir das wichtiger ist als deine Freundin. Und wenn du entscheidest daß die Freundin wichtiger ist, solltest du auch so konsequent sein, eine Verbesserung/Veränderung der Situation für dich in HH anzuschieben.

Wobei da, nach meiner Meinung Schritt eins wohl definitiv mehr mit dir selbst als mit deinem Job zu tun hat.

Wenns dich tröstet: Du bist nicht der einzige Mensch auf erden, der eine unbefriedigende Arbeitssituation hatte oder hat, und nun dafür Lösungen finden muß.

Vielleicht ist ja ein Weg, erst mal an deinem Freizeitverhalten was zu ändern. sich frustriert und biersaufend vor die Glotze zu hängen beschert in den seltensten Fällen positive erlebnisse. ein romantischer Abend bei Lagerfeuer/Kerzenschein am Wasser vielleicht schon - und sowas gibts fast kostenlos.

@Sheherazade

*zustimm* - auch wenn ich zugeben muß daß es nicht immer leicht ist aus der "ich hab alle guten Dinge verpaßt und nun steh ich da mit der Sch***" - Denkspirale auszubrechen. Dümmstenfalls braucht man dann eben fachkundige Hilfe dazu, in Form von Psychologe, Sozialarbeiter, Beratungsstelle, wasauchimmer.
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Re: ADHS und Kaufmännische Berufe

Beitrag von Sheherazade » 8. August 2013 11:36

Stimmt, leicht ist das bestimmt nicht, das hat aber auch niemand behauptet. Der schwerste Punkt ist, das Problem erstmal zu erkennen und sich dann -ggf. mit Hilfe anderer Menschen- Lösungen zu erarbeiten.

Meine Mutter hat mir jahrelang vorgeheult "Was hätte alles aus dir werden können .....". Verstehe ich nicht, aus mir ist doch was geworden, ein zufriedener, ausgeglichener Mensch (wenn auch nicht reich), der sich sein Leben -trotz aller gemachter Fehler oder vielleicht auch wegen der gemachten Fehler- anders als es jetzt ist gar nicht vorstellen mag.  :ja1:

Wahrscheinlich habe ich nur nicht IHRE Träume erfüllt.  :breitgrinse1:
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Re: ADHS und Kaufmännische Berufe

Beitrag von BarryWhite » 9. August 2013 05:03

Stimmt, rumjammern bringt natürlich nichts. Außerdem soll ich ja "gefälligst das Maul halten und malochen."
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Re: ADHS und Kaufmännische Berufe

Beitrag von Nico_73 » 9. August 2013 07:00

Sagt wer? Besonders konstruktive war dein letzter Beitrag ja nun nicht. Reagierst du im " echten Leben " auch so wenn jemand nicht so reagiert wie du es dir erwartest / erhoffst ?

Des weiteren lässt du dein AD( H) S in irgendeiner Form behandeln ?
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Re: ADHS und Kaufmännische Berufe

Beitrag von BarryWhite » 9. August 2013 16:01

Das ist nur die Spiegelung meiner Umwelt. So wie ich das wahrnehme...
Okay, dann bin ich halt ein schwer verhaltensgestörter Sonderling, weltfremder Spinner, naiver was weiß ich.
Ich finde mich eigentlich ganz okay, zumindest wenn ich nicht gerade im Job bin.

Ich weiß nicht bei welchem Zeitunternehmen Du warst aber im Normalfall ist es auch wirklich nur ein Sprungbrett, um Zeit zu überbrücken, Zwischenstation zwischen Ausbildung und Studium, etc.
Wenn Zeitarbeit zum Dauerzustand wird, dann kann es (so ist es bei mir) zu einem gewaltigen Problem werden. Es sei denn, man kommt an wirklich gute Einsätze ran. Bei Airbus herrscht nämlich Equal Payment, also dort sind Festangestellte und Zeitarbeiter zumindest gehaltlich gleich gestellt.

Ich kann mich auch nicht ganz beschweren, denn immerhin hatte ich in diesem Monat allein wieder zwei Vorstellungstermine, die ich aber habe sausen lassen. Mir wurde das nach all den Absagen einfach zu viel und ich hatte einfach nicht die Kraft positiven Schwung mit hineinzu nehmen. 
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Re: ADHS und Kaufmännische Berufe

Beitrag von BarryWhite » 9. August 2013 16:11

Und ja ich bin derzeit in Therapie, was mir auch sehr gut tut.

Um beim nächsten (hoffentlich wird es das auch geben) Bewerbungsgespräch einen richtig guten und positiven Eindruck machen zu können, benötige ich positive Erfahrungen aus dem derzeitigen Arbeitsverhältnis und genau hier ist die Schieflage.

Ich kann es keinem potenziellem Arbeitgeber plausibel und klar machen, dass ich trotz Patchwork-Lebenslauf, vielen, vielen Berufsstationen jetzt auf einmal .... aber bei Ihnen wird natürlich alles ganz anders, Sie werden mich die nächsten 15 Jahre als Mitarbeiter behalten und.....

Die Vergangenheit hängt natürlich nach, viele ungünstige Arbeitsverhältnisse, etc. das kann ich nicht so einfach wegwischen und sagen.
Hey, bei Ihnen, Maschinenbaufirma XY in der Exportabteilung da bin ich auf einmal ein ganz anderer Mensch....

Ach verdammt, ich bin einfach fix und foxy und jetzt ist ENDLICH Wochende.
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Re: ADHS und Kaufmännische Berufe

Beitrag von BarryWhite » 9. August 2013 16:33

Ach so, fällt mir noch ein.
Bei meinem jetzigen Zeitarbeitseinsatz sehe ich auch sehr deutlich, dass ich nicht der einzige „Arsch“ in der Mannschaft bin. Auch die Kollegen stehen ganz gewaltig unter Feuer und werden täglich von der Vorgesetzten auf Performance abgecheckt.
Es ist ein asiatisches Unternehmen, welches die Abteilung, in der ich mich gerade befinde, nach Outsourcing ganz deutlich im Personal heruntergefahren hat. Das Tagesgeschäft macht ein Dienstleister im Ausland. Da herrscht ein schroffer, menschenverachtender Ton...mein lieber Scholli.
Also da möchte ich ganz gewiss nicht als Festangestellter arbeiten.

Was ich aber sehe: die meisten Angestellten haben gewisse Überlebensstrategien im Betrieb/Unternehmen, welche ihre Arbeit sichern.

Wenn man irgendwo neu anfängt, dann ist NETWORKING, das Bilden von sozialen Kontakten, merken und verstehen wie die Kollegen sozial ticken, wie sie drauf sind, welche Rituale und ungeschriebene Gesetze sie haben, etc. von erster Priorität.
Mein größtes Problem war IMMER die schlimme Einarbeitungsphase und Probezeit, wo ein Neuling extrem unter Beobachtung steht.
Wie reagiert er auf Stress, wie interagiert er mit Kollegen, Kunden, etc.

Exakt diese hochsensible Phase der Einarbeitung, wo man möglichst schnell alles richtig machen muss, exakt alles mitschreibt, etc. ist für mich der absolut maximale Stress, die Hölle auf Erden, was sich bei mir in Schlaflosigkeit (72 Stunden hintereinander, etc.) und vielen üblen Nebenwirkungen äußert.
Ich habe nun mal keine schnelle Auffassungsgabe, ich kann Sachen, Arbeitsprozesse, etc. nicht so schnell begreifen… bei mir dauern diese einfachen, simplen Dinge sehr, sehr lange.
Nur ein Moment der Unachtsamkeit und schon ist es fast schon vorbei. Diese schlimme Phase der Einarbeitung, bei der ich mit Pauken und Trompeten, jedes Mal wieder aufs Neue, unterging, hat sich bei mir traumatisch eingegraben….

Ich habe alle meine Mitschriften aus langer Berufspraxis alle archiviert und wenn ich nach einiger Zeit darauf schaue, dann graust es mir. Purer Horror. Handschriftliche Notizen, krakelig, unlesbar, wie bei jemanden, der auf der Flucht ist oder dem die Hände so dermaßen zittern, dass man meinen möchte, der geht JETZT GERADE AUF DEN ELEKTRISCHEN STUHL.
Kaputte Mitschrift, unverstandene Dinge und das Resultat sind Fehler, unzufriedene Kollegen und Vorgesetzte: Kündigung innerhalb der Probezeit.
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Re: ADHS und Kaufmännische Berufe

Beitrag von BarryWhite » 9. August 2013 16:37

Bei mir ist das erfolgreiche Bestehen der Probezeit allein davon abhängig, wie geduldig die Kollegen, die Personen, die mich einarbeiten sind.
Sind sie es nicht und sagen schon am zweiten Tag "Aber das habe ich Ihnen doch schon gestern gesagt" dann habe ich verloren.
So ziemlich alles, was man mir mündlich sagt, ist bei mir in dieser Stress-Situation verloren und vergessen.

Aber wo gibt es das schon: ausgearbeitete Prozesse, schriftliche Handlungsanweisungen....danach richte ich mich und alles ist gut?
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Re: ADHS und Kaufmännische Berufe

Beitrag von Eule » 9. August 2013 16:40

Um beim nächsten (hoffentlich wird es das auch geben) Bewerbungsgespräch einen richtig guten und positiven Eindruck machen zu können, benötige ich positive Erfahrungen aus dem derzeitigen Arbeitsverhältnis und genau hier ist die Schieflage.
Positive Erfahrungen = Erfolge?!

Wenns im Job keine Erfolge gibt, gibts die wenigstens im Privatleben? Auch sowas kann helfen wieder in eine positivere Richtung zu kommen.

Such in der Therapie einen Weg raus aus deinem Negativdenken und deiner Selbstabwertung!

Spielt bei dir womöglich Perfektionismus eine Rolle?

Oder übernommenes und verinnerlichtes "Du bist nicht gut genug denken" von anderen Leuten? Sowas verschiebt die Selbstwahrnehmung.
Ich kann es keinem potenziellem Arbeitgeber plausibel und klar machen, dass ich trotz Patchwork-Lebenslauf, vielen, vielen Berufsstationen jetzt auf einmal .... aber bei Ihnen wird natürlich alles ganz anders, Sie werden mich die nächsten 15 Jahre als Mitarbeiter behalten und.....
Wie kommst du darauf daß man einem möglichen AG im Vorstellungsgespräch erklären muß daß man nun für die nächsten 15 Jahre zur Klette mutieren will? Womöglich will der ja auch gar keine Klette, sondern vor allem einen interessierten, für neues aufgeschlossenen Mitarbeiter, der zum Erfolg eines ihm interessant erscheinenden Betriebs beitragen will?

im übrigen: EINE Personalleasingfirma ist auch genau EINE Berufsstation. Da schreibt man dann halt dazu "Firma X hat mich bei ihren Kunden im Bereich Vertrieb und Kundenservice eingesetzt." Feddich. Bloß nicht jeden einzelnen Einsatz von jeweils weniger als einem Monat listen. Im Zweifelsfall steht auch in deinen Verträgen drin, daß du die Kunden und konkreten Einsätze gar nicht nennen darfst. Allenfalls vielleicht noch die Branche.

Und was bitte sind ungünstieg Arbeitsverhältnisse? Haben die Firmen einen schlechten Ruf? Oder waren die Jobs nicht deiner Qualifikation entsprechend und das ist aus den Zeugnissen ersichtlich? Auch nicht schlimm, du hattest keine Lust arbeitslos zuhause zu hängen, sondern lieber was getan, und dann aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis heraus nach weiteren Verbesserungen gesucht. Allerdings klappt diese Argumentation nur schwer, wenn in zu vielen Zeugnissen ersichtlich ist daß man dir gekündigt hat weil irgendwas nicht zufriedenstellend war.

Nochmals: Mach erst mal weiter Therapie und tu etwas gegen deinen Negativ-Tunnelblick. Je nachdem auch mit medikamentöser Unterstützung, falls du die noch nicht hast. Wobei du die Möglichkeiten dafür am besten mit dem Psychiater/Neurologen besprechen solltest der die Diagnose gestellt hat.
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Re: ADHS und Kaufmännische Berufe

Beitrag von Sheherazade » 9. August 2013 16:52

[quote="BarryWhite"]
Wenn man irgendwo neu anfängt, dann ist NETWORKING, das Bilden von sozialen Kontakten, merken und verstehen wie die Kollegen sozial ticken, wie sie drauf sind, welche Rituale und ungeschriebene Gesetze sie haben, etc. von erster Priorität.
Mein größtes Problem war IMMER die schlimme Einarbeitungsphase und Probezeit, wo ein Neuling extrem unter Beobachtung steht.
Wie reagiert er auf Stress, wie interagiert er mit Kollegen, Kunden, etc.
[/quote]

Und genau deshalb arbeite ich tausend Mal lieber in Klein- und Kleinstbetrieben, auch wenn es dafür weniger Geld gibt.
Zuletzt geändert von Sheherazade am 9. August 2013 16:53, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: ADHS und Kaufmännische Berufe

Beitrag von BarryWhite » 9. August 2013 16:54

Mein Gott, wie soll ich den Leuten das denn klar machen?
Ja, ich habe die Chance heute an meinem ersten Tag einer von Euch zu werden. Eine gute Perspektive, gutes Geld, etc. Ich will auf jeden Fall, bin bereit Opfer zu geben, bin sehr loyal und wenn Ihr mich richtig eingearbeitet habe, dann bin ich einer von Euch und Ihr werdet verdammt viel Freude an mir haben?

Genau das werden Sie nicht sagen, sondern: Wir haben Dich/Sie für teures Geld eingekauft und wollen am besten heute noch Resultate dafür sehen. Wie Du das machst ist uns scheißegal. Aber wir wollen Zahlen, Performance, positive Ergebnisse auf der Scorecard sehen. Alles andere geht uns am Arsch vorbei.

Überspitzt gesagt ist es so. Dinge, die ein 20jähriger in einer Stunde begreift und versteht – ich brauche dafür 3 Monate und diese Zeit gibt man mir nicht.
Wenn ich ehrlich bin, dann ist diese kaufmännische Leistungsgesellschaft „Time is Money“ einfach nichts für mich. Aber wo ist denn mein Platz – ich weiß es nicht.
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Re: ADHS und Kaufmännische Berufe

Beitrag von Weil » 9. August 2013 17:07

Tu was du kannst, mit dem was du hast.
huschwusch

Re: ADHS und Kaufmännische Berufe

Beitrag von huschwusch » 9. August 2013 17:17

Vielleicht braucht BarryWhite neben medizinischer/psychologischer Hilfe noch eher einen Seelsorger oder philosophischen Berater. Ich kann ihn letztlich ein Stück weit verstehen. Mit 50 Jahren merkt man doch schon, dass die vitalsten Jahre hinter einem liegen. Und dass die Möglichkeiten, völlig unabhängig von dem, was die Gesellschaft noch an Perspektiven bietet, allein durch die eigene Befindlichkeit schrumpfen.

Viele Leute nutzen in dem Alter gewissermaßen den Anfangsschwung um z.B. im Berufsleben die restlichen 10-15 Jahre noch befriedigend zu gestalten. Oder sie wenden sich ihren Hobbies zu und machen das, was bisher zu kurz kam.

Dagegen ist das, was BarryWhite nach meinem Empfinden vorschwebt, eher der letzte Versuch noch einmal grundlegend das Steuer herumzureißen.

Wenn man in dem Alter sich mit anderen vergleicht, die bereits davor stehen, gewissermaßen die Ernte ihres Lebens einzufahren, dann hat man tatsächlich einen ziemlich objektiven Grund für Depressionen. Das Leben ist mit 50 nicht vorbei. Aber nicht alles ist mehr möglich, was mit 20, 30 und auch 40 Jahren möglich war. Um damit fertig zu werden, ist eventuell eine religiöse bzw. philosophische Neuausrichtung wichtiger, als ein besseres Antidepressivum. Vielleicht ist es wichtiger, seine Wünsche an die Realität anzupassen, als zu versuchen die Träume einer vergangenen Lebensphase zu verwirklichen.

Es ist schon bitter sich eingestehen zu müssen, dass man aufgrund eigener Unzulänglichkeiten nicht die Position und den Platz in der Gesellschaft erreicht hat, den man vielleicht für angemessen hält. Leichter und ja auch nachvollziehbarer ist es, schuldige Umstände irgendwo da draußen zu finden. Aber es führt nicht weiter.
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Sheherazade
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Re: ADHS und Kaufmännische Berufe

Beitrag von Sheherazade » 9. August 2013 18:15

[quote="huschwusch"]
Vielleicht ist es wichtiger, seine Wünsche an die Realität anzupassen, als zu versuchen die Träume einer vergangenen Lebensphase zu verwirklichen.
[/quote]

Nicht nur vielleicht.  :ja1:
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Re: ADHS und Kaufmännische Berufe

Beitrag von Eule » 9. August 2013 23:20

Ich weiß nicht was du in deiner Therapie tust.

Aber ich denke daß genau diese Art Zweifel an deinen Möglichkeiten, deine Suche nach einem Platz und einem Ziel für dein weiteres leben durchaus dort Thema sein können.
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Re: ADHS und Kaufmännische Berufe

Beitrag von Hanghuhn » 10. August 2013 09:27

[quote="BarryWhite"]
Die Frage ist, was KANN ich noch leisten und womit will ich vor einem Arbeitgeber den proklamierten Durchschnittslohn gerechtfertigen? Schwächen habe ich ohne Ende.
• Belastbarkeit: sehr gering
• Multitasking: nicht möglich
• hohe Konzentration über einen längeren Zeitraum hinweg: kaum
• Auffassungsgabe: minimal, oft scheitert es in der Einarbeitungsphase (für mich die sensibelste und schlimmste Phase überhaupt), Verständnis von mündlich erklärten Arbeitsprozessen und –abläufen gleich Null, Mitschrift in all der Hektik und Panik nicht lesbar oder nicht eindeutig, mehrfaches Nachfragen – immer noch nicht verstanden. Gravierende Fehler, die sich wiederholen – Konsequenz Kündigung innerhalb der Probezeit – Die einfachsten Dinge fallen mir unendlich schwer
• Flexibilität: sehr schwach ausgepägt
• Abstraktionsvermögen: rudimentär
• Zahlenverständnis: stark defizitär

Stärken habe ich auch aber nichts, was mich von der Masse abhebt. Präsentationen, Textgestaltung, kreatives Schreiben, formulieren, konzipieren, lehren, beraten sind Dinge, die ich gerne mache, sehr gerne sogar. Die oben genannten Schwächen sind zu dominierend, um mit den kleinen Stärken etwas daraus zu machen. Und genau das macht mich stark depressiv.
[/quote]
Schon beim Aufzählen Deiner Stärken und Schwächen (oder soll ich sagen "Deiner Schwächen und Stärken") ist mir etwas aufgefallen. Die Schwächen sind toll untereinander aufgelistet, Deine angeblichen oder wirklichen Defizite sind schön anzusehen.

Deine Stärken sind nur im Text aneinander gereiht.  Ich liste sie mal auf:
  • Präsentationen,
    Textgestaltung,
    kreatives Schreiben,
    formulieren,
    konzipieren,
    lehren,
    beraten.

Wenn man den Text nicht genau liest, sieht man nur Deine Schwächen. Du kannst doch präsentieren. Diese Präsentation würde ich Dir, wäre ich Dein Chef, um die Ohren hauen. Sie entspricht aber allem, was Du hier geschrieben hast. Dass Du Dich in Therapie befindest, dass Du eine Freundin hast, was ich als positiv empfinden würde, kommt hier so nebensächlich daher, bzw. wird nur auf Anfrage erwähnt.

[quote="Eule"]
Ich weiß nicht was du in deiner Therapie tust.

Aber ich denke daß genau diese Art Zweifel an deinen Möglichkeiten, deine Suche nach einem Platz und einem Ziel für dein weiteres leben durchaus dort Thema sein können.
[/quote]

:top:
Zuletzt geändert von Hanghuhn am 10. August 2013 09:38, insgesamt 1-mal geändert.
LG Hanghuhn
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Re: ADHS und Kaufmännische Berufe

Beitrag von BarryWhite » 23. Dezember 2015 17:29

Hallo Nico,

mag sein, dass ich jammere und es mag auch sehr gut sein, dass es andere Leute noch sehr viel härter trifft. Ich habe jetzt schon ein enorm breites Spektrum an Zeitarbeit hinter mir und wirklich alle Facetten, die denkbar sind erlebt.

Was mich jeden Tag runterzieht ist folgendes:
• Ungleichheit der Löhne: ein Festangestellter verdient mindestens +25%, wenn nicht sogar DEUTLICH mehr als ich und leistet (meiner Meinung nach) auch deutlich weniger, darf weniger fehlen (Krankheitstage) und hat einfach nur jeden Tag zu funktionieren.
• Bei Festangestellten ist das selbstverständlich anders, die sind schon 10, 15 Jahre in dem Unternehmen und dürfen sich jede Menge Freiheiten herausnehmen
• Commitment mit Kollegen und Arbeit mangelhaft, weil alle Beteiligten wissen, dass es nur für eine bestimmte Zeit ist, man sich offenbar keine Mühen geben muss und es sich deshalb nicht lohnt, irgendwelche Umgangsformen anzunehmen
• Momentan bin ich in einem Einsatzunternehmen, wo ganz deutlich stigmatisiert wird. Zeitarbeiter holen sich morgens beim Pförtner eine Karte mit der Aufschrift AUSHILFE ab, die sie beim Verlassen der Firma wieder abzugeben haben
• Es ist nicht die Rede von Hr. Meier, Hr. Schulz, sondern das ist die „AUSHILFE“
• Diskrimination im Sinne von der ZA/“die AUSHILE“ ist quasi ein menschliches Ersatzteillager mit der einzigen Funktion für das Wohlbefinden der „Zuckerpüppchen“ von FESTANGESTELLTEN, welche bei Neueinstieg in der Firma mit großem Tamtam, überbordenden Blumenstrauß und allen sozialen Vergünstigungen, die man sich nur vorstellen kann, vorgestellt werden.
• Eine Aushilfe von der Zeitarbeit ist teuer und hat deswegen zu entlasten, Arbeitsberge wegzuarbeiten, ist aber nicht zur Weihnachtsfeier oder irgendwelcher sozialen Vergünstigungen etc. eingeladen
• Fast schon so wie das indische Kastensystem: Manager, Festangestellte und die Harijan/die „Unberührbaren“, die Zeitarbeiter, nach dem Motto „Der Mohr hat seine Schukdigkeit getan, der Mohr darf gehen“

Positiv ist: ich mag meine Arbeit und auch die Kollegen in meiner winzigen Gruppe – und das selbst bei meinem geringen Stellenwert und nicht vorhandener Wertschätzung. Die Arbeit ist gut beherrschbar und das neue EDV-System ist mir gut bekannt. Ich telefoniere SEHR GERNE auch mit schwierigen Kunden, erkläre unsere Situation, etc. Ich denke auch ich kann sehr viel mehr, vor allem in vorgefertigten Strukturen. Feste Arbeitsabläufe sind mein Bonus, in Projekten, überall dort, wo Neuland und eine allgemeine Unsicherheit herrscht bin ich eher fehl am Platz.

Ich bin verdammt nochmal ADSler, liebe vorgegebene Strukturen, dokumentierte Arbeitsabläufe (die ich natürlich innerhalb der kurzen Zeit schneller erlernen muss als so manch ein Festangestellter sie nicht in 10 Jahren lernt), meinetwegen nur Aufträge anlegen, Rechnungen schreiben, nur mahnen, etc.
Aber es ist bekannt, je einfacher strukturiert die „übertragbaren Aufgaben“ sind, desto ersetzbarer ist natürlich auch der Mensch und im Zweifelsfall gehen diese Jobprofile an einen Dienstleister nach Polen, so wie bei fast allen großen Unternehmen.

Ja natürlich liegt es an mir. Im Laufe meines langen und wechselhaften Berufslebens hat man mir aufgrund meines Studiums schon „große“ (zumindest für meine Begriffe) Aufgaben zugetraut. Komplexe Tätigkeiten, verschachtelte Projekte mit jeder Menge Schnittstellen, Kommunikationsbedarf, etc. und ich bin mit Bausch und Bogen bei allem gescheitert – andernfalls wäre ich jetzt schon Projektleiter mit min. EUR 70.000,-/Jahr.

Aber gut, das muss ich mir eingestehen. Ich kann es einfach nicht. Ich bin sofort komplett überarbeitet und kann – Telefon, Mail, Messenger, Meeting – dann nicht einmal die einfachsten Sachen regeln, das ist ganz einfach zu viel für mich.
ICH BIN 50+, KEINE 20, ICH PACK DAS EINFACH NICHT!!!!

Ja verdammt, es ist bitter, ich weiß auch, dass ich mehr kann als viele andere aber ich kann  das einfach nicht einbringen, nicht an den Mann bringen, verkaufen….und allein das ist der Grund, warum ich wohl den Rest meines Berufslebens als HILFSARBEITER verbringen muss.

Gruss und schönes WE!
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Re: ADHS und Kaufmännische Berufe

Beitrag von Menolly » 23. Dezember 2015 17:44

Ich musste jetzt 3 mal hinsehen. Das ganze hier ist schon 2 Jahre alt.  :grübel:
Mal so nebenbei gefragt. Hast du auch schon mal MPH bekommen?
Oder sonst etwas in der Richtung in den letzten 2 Jahren?
Du sollst Deine Freunde nicht trocknen und rauchen.
Wer in die Fußstapfen anderer tritt, hinterlässt keine eigene Spur.
Wilhelm Busch
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Re: ADHS und Kaufmännische Berufe

Beitrag von BarryWhite » 23. Dezember 2015 17:57

Hi Menolly,

sorry, hatte nur gelesen, dass ich auf dieses Thema noch nicht geantwortet hatte.
MPH kenne ich nicht.
Ich habe dieses Jahr Medikinet adult 30mg genommen, bis es zu derartigen Schlafstörungen geführt hat, dass ich es absetzen musste. Du weißt, SCHLAF ist die halbe Miete, 72 Stunden ohne Schlaf und dann arbeiten, das halte ich nicht aus.
Aber dann habe ich festgestellt, dass sich extreme Schlafstörungen auch ohne Medikamenteneinnahme einstellen. Bislang…toi, toi, toi – kann sich aber auch ganz schnell wieder ändern.
Es reicht eine kleine Veränderung am Arbeitsplatz, eine winzige Störung im Tagesablauf und ich kann -1 bis max. -3 Tage lang nicht schlafen – die Folgen kann man sich lebhaft vorstellen.

Mein alter Kumpel noch aus den Schultagen sagte mir immer: „Das ist Deine fehlende Sozialisierung, Du packst es einfach nicht, Dich in einer Gruppe sinnvoll einzubringen, Dich zu integrieren und Dich damit nach vorne zu bringen. Kein Chef der Welt würde Dich mit Deinen kaputten Minderwertigkeitskomplexen einstellen, weil Du es einfach nicht schaffst, einfach mal MIT den Wölfen zu heulen. Einfach mal Smalltalk zu halten, mit dem Arschloch von Chef ein paar nette Worte zu wechseln, auf einer Geburtstagsfeier dabei zu sein, Geselligkeit, Weihnachtsfeier, etc.
Warum ist das so? Ich habe seit meiner Schulzeit eigentlich immer erfahren, wie schlecht ich bin. Der mit Abstand Schlechteste in Mathematik, Physik ganz zu schweigen. Der Loser, der Außenseiter, der nichts auf die Kette kriegt… Es sind die vielen Menschen, die tagein, tagaus mit Bus, U-Bahn zum Arbeitsplatz streben, die zig Fußgänger, allein das reicht schon, um den Arbeitstag beschissen zu starten…
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Re: ADHS und Kaufmännische Berufe

Beitrag von BarryWhite » 23. Dezember 2015 18:14

Ich sehe eigentlich immer mein ganz persönliches Paradies in einer kleinen gemütlichen Kleinstadt, meinetwegen irgendwo in der Lüneburger Heide, dort wo eigentlich niemand hinwill – ich schon allein wegen der paradiesischen Ruhe und Stille wegen, in einer Firma, die händeringend nach Mitarbeitern sucht und die wie ich nach BESTÄNDIGKEIT und KONTINUITÄT in ihrem Personalbestand sucht, der ganz bestimmte Aufgaben zuverlässig (oh ja, das bin ich in der Tat, jeden Tag Punkt 07:00 morgens) abarbeitet. Ich brauche nicht viel zum leben – eine bezahlbare Eigentumswohnung (im LK Uelzen durchaus machbar), einen ALDI-Supermarkt, den ich noch mit dem Stock erreichen kann und vielleicht noch einen örtlichen Schützen-/Fußball- und v.a. Angelverein und ich wäre der glücklichste Mensch der Welt.
Leider braucht meine Freundin dieses Gewimmel hier in der Großstadt und sie würde sich niemals auf die Provinz einlassen.
Ich liebe meine Freundin, weiß, dass sie das Gewimmel hier braucht und deswegen bleibe ich hier weiter im Pisspott an der Elbe….
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