Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

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Hanghuhn
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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von Hanghuhn » 1. Dezember 2012 17:41

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Vielleicht sah der Reporter, der über den Freispruch berichtete, die Einweisung in die Forensik als "Freispruch" an. Ich kriege das sonst irgendwie nicht zusammen. Wenn man der Aussage Edward Brauns nachgeht, stehen auch die Körperverletzung und die Reifenstecherei auf dem Prüfstand.

Meistens ist ja alles viel verwickelter, als man denkt. Aber ich habe es so verstanden, dass Mollath wg. Körperverletzung und Reifenstecherei vor Gericht stand. Erst seine "Wahnvorstellungen" über die Schwarzgeldgeschäfte brachten ihn in die Psychiatrie.

[quote="Falschparker"]
[quote="Hanghuhn"]Ein solches Gebahren macht mir Angst, weil das noch viel schneller (mit weniger Beteiligten) zu gehen scheint als bei einem Gerichtsverfahren.[/quote]

Verstehe ich nicht, das Urteil war doch das Ergebnis eines Gerichtsverfahrens.  [/quote]

Nein, es war nur Teil eines Gerichtsverfahrens. Gereicht hatten Gutachten - zugegeben - mehrerer Psychiater, die nicht darüber zu befinden hatten, ob etwas an der Geschichte mit den Schwarzgeldern dran ist, aber davon ausgingen. Wäre es zu einem Verfahren zu den Schwarzgeldern gekommen, hätten noch ganz andere Beteiligte aussagen müssen.

Für die Körperverletzung und die Reifenstecherei, so sie denn wirklich stattgefunden haben, wäre Mollath wahrscheinlich schon längst wieder aus dem Knast entlassen.
Zuletzt geändert von Hanghuhn am 1. Dezember 2012 17:47, insgesamt 1-mal geändert.
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Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von No User » 1. Dezember 2012 18:51

Falschparker, die Frage nach der Medienente hast du mit deiner Erklärung positiv beantwortet. "Freispruch" wäre demnach Quatsch.

Leider beantwortet das meine übrigen Fragen kein Bisschen und beruhigen kann mich das auch nicht.

Denn damit stellt sich ja nur die nächste Frage: Anhand welcher Beweise sah der Richter Mollaths Schuld als ZWEIFELSFREI erwiesen an? Bei Aussage gegen Aussage. Ist eine Bankerin per se glaubwürdiger als ein Angeklagter? Oder eine Frau glaubwürdiger als ein Mann? Auch im Rosenkrieg (obwohl die Wahrheit immer erstes Kriegsopfer ist)?

Bis jetzt "durfte" ich die Unwägbarkeiten vor Gericht nur in einem Zivilverfahren erleben und habe mich entnervt mit einem Vergleich diesem Zirkus entzogen. Mir ähnliches im Strafrecht vorstellen zu müssen, wo es um menschliche Existenz geht, finde ich wenig vertrauenerweckend.

Dabei muss der Richter gegen kein Gesetz verstoßen haben, er darf ja Glaubwürdigkeit von Zeugen irgendwie einschätzen und dass die Frau damals bzgl. Schwarzgeld gelogen und in dem Zusammenhang auch Interesse an weiterem Lügen gehabt hat, muss er nicht gewusst haben. Mich stört trotzdem, wie wenig da nachgebohrt wurde.

Befangenheit muss sich auch nicht auf Korruption beziehen, das Problem, ggf. eigene Fehler einzugestehen reicht da völlig aus. Das ist eine nicht wegzudiskutierende menschliche Eigenschaft, vor der Richter und ein ganzes Strafrechtssystem nicht weniger betroffen sind als etwa Ärzte und Kliniken.

Ich hatte übrigens gehofft, in meinen ersten vier Beiträgen in diesem Fred die Ironie so dick aufgetragen zu haben, dass ich sie nicht extra kennzeichnen muss.

LG
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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von Hanghuhn » 1. Dezember 2012 19:37

Zuletzt geändert von Hanghuhn am 1. Dezember 2012 19:58, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von Falschparker » 1. Dezember 2012 19:47

[quote="Hanghuhn"]Für die Körperverletzung und die Reifenstecherei, so sie denn wirklich stattgefunden haben, wäre Mollath wahrscheinlich schon längst wieder aus dem Knast entlassen. [/quote]

Das ist das Tückische am Maßregelvollzug. Bei einer Haftstrafe weiß man, wann man wieder raus darf.  :upsi:

[quote="Hanghuhn"]Vielleicht sah der Reporter, der über den Freispruch berichtete, die Einweisung in die Forensik als "Freispruch" an.[/quote]

Ich habe inzwischen nachgelesen- und muss mich korrigieren.  

Wikipedia schreibt: Der Freispruch vom Vorwurf einer Straftat bedeutet lediglich, dass keine schuldhafte Tatbegehung festgestellt werden konnte. Der Täter kann daher dennoch mit Maßregeln der Besserung und Sicherung beschwert werden, wenn festgestellt wird, dass der Angeklagte die Tat zwar begangen hat, aber schuldunfähig war.

Die SZ hat den Begriff also doch nicht falsch verwendet. :tü:

In der Frankfurter Rundschau (die wir als Papierausgabe beziehen- noch  :upsi: ) las ich während des Abendessens, dass der begründete Verdacht bestehe, der über den Maßregelvollzug entscheidende Richter sei befangen gewesen. Da scheint eine gründliche Überprüfung tatsächlich berechtigt.

Ich zitiere mich mal selbst:  
[quote="Falschparker"]so wie manche von uns bizarre Meinungen über Dinge haben, von denen wir nichts verstehen. Gut dass uns niemand danach fragt und das dann abdruckt- 10 Jahre später wäre es tödlich peinlich.  :811:[/quote]
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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von Hanghuhn » 1. Dezember 2012 20:12

Ich habe mir den Artikel im Spiegel noch einmal angeschaut. Mollath hatte schon so eine Ahnung, was mit ihm passieren soll. Wenn er das auch noch vor Gericht geäußert hat, war das wahrscheinlich ein Indiz mehr für seinen angeblichen Wahn.

Fragt sich jetzt, was passiert, wenn 'rauskommt, dass an den Vorwürfen seiner Frau doch etwas dran ist, oder wenn das Gericht einfach daran festhält. Mollath hat ja noch nicht eingesessen (vielleicht in U-Haft).

Wenn nicht (ich persönlich glaube, dass das mit der Reifenstecherei stimmt - eine Verzweiflungstat, aber alles andere?), wird er dann entschädigt. Ja, natürlich. Aber wie? Wer hat eigentlich das Geld für sein versteigertes Haus, Möbel, Autos und alles andere gekriegt?
Zuletzt geändert von Hanghuhn am 1. Dezember 2012 20:16, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von No User » 1. Dezember 2012 23:14

Haftentschädigung gibt's nur mit vielen Wenns und Abers, und dann wären das 25€ pro Tag Freiheitsentzug, wovon dann z.B. noch Kosten für Betreuung und Verpflegung in der Haft wieder abgezogen werden. Das dauert natürlich so wie die Mühlen der Justiz malen und wenn am Ende überhaupt was raus kommt, dann ist es eher eine Beleidigung als wirklich eine Entschädigung.

Übliche Erfahrung rechtlich rehabilitierter Justizirrtumsopfer ist zudem, dass es keiner je fertig bringt, sich bei ihnen zu entschuldigen.

Aber es geht ja vor allem so vieles kaputt, was mit Geld sowieso nie zu ersetzen ist. Letzendlich bleibt dem Betroffene ein heftiger Kollateralschaden einer Justiz, deren Qualitätsmanagement auch mal hinterfragt werden sollte.

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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von maerenthaler » 2. Dezember 2012 15:17

Es wird keine Haftenschädigung geben, alleine,
weil er nicht inhaftiert ist.

Und wenn man der bayerischen Justizministerin zuhört,
kann man sich auch klar werden, wie wenig Chancen dieser Mensch hat,
jemals wieder ein normales Leben führen zu dürfen,
geschweige denn führen zu können:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/kanalueb ... -Justiz%22
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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von No User » 2. Dezember 2012 15:50

Soviel zum Politiker-Deutsch.

Ist euch ihr Freud'scher Versprecher bei Minute 05:35 aufgefallen?[quote="Beate Merk"]... weil Justiz auf Rechtsprechung keinen Einfluss nehmen nehmen darf.[/quote]Nun, [Ironie] in Bayern mag es ja auch genügen, wenn Politik auf Rechtsprechung Einfluss nimmt, wozu sollten da noch Richter und Gerichte, Staatsanwaltschaften usw., die den Kern der Justiz / der Judikative darstellen, eigenen Einfluss nehmen dürfen? [/Ironie]

LG
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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von Hanghuhn » 2. Dezember 2012 17:46

Danke, Christian, für den Link!

Da zuzuhören - da habe ich mir etwas angetan! Ich musste meinen Impuls unterdrücken, einfach vom Computer aufzustehen, um mir das Geschwätz zu ersparen. Warum wundert mich die Reaktion der Dame nicht? Wahrscheinlich weil nichts anderes zu erwarten war. Sie versucht, mit den gleichen Erklärungen wie vor 7 Jahren die damalige Rechtsprechung zu verteidigen, und ignoriert sämtliche Anmerkungen des Reporters, die auf die Wahrheit von Mollaths Aussagen zielen. Ist das Altersstarrsinn? So alt ist die Dame doch gar nicht!

... und man folgert messerscharf,
dass nicht sein kann, was nicht sein darf.

Der Herr Mollath wird 's wirklich nicht leicht haben. So, wie es die Justizministerin darstellt, muss Herr Mollath froh sein, wenn er es nach 7 Jahren überhaupt schaftt, wieder freigelassen zu werden. Bleibt zu hoffen, dass die Vernunft siegt. "Wenn die Vernunft schläft, kommen die Ungeheuer hervor".

Der Fall interessiert mich immer mehr. Weiß jemand, ob bei dem Revisionsverfahren nur die Einweisung in die Psychiatrie auf dem Prüfstand stehen wird, oder ob es auch darum gehen wird, ob die Anschuldigungen der Ehefrau wahr sind? Offenbar scheinen alle davon auszugehen, dass die Körperverletzung usw. stattgefunden haben. So sicher scheint mir das aber nicht zu sein.
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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von maerenthaler » 2. Dezember 2012 17:55

[quote="steffchen"]
Ist euch ihr Freud'scher Versprecher bei Minute 05:35 aufgefallen?  [/quote]

Johhhh!

nur ändern an Mollaths Situation tut das auch nix!  :baw:
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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von nixe » 2. Dezember 2012 18:05

Das ist kein Freud´scher Versprecher. Das nennt sich richterliche Unabhängigkeit. Ein Richter ist nicht weisungsgebunden.

http://de.wikipedia.org/wiki/Richter_%28Deutschland%29
Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar. (Ingeborg Bachmann)
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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von maerenthaler » 2. Dezember 2012 18:05

[quote="Hanghuhn"]
Da zuzuhören - da habe ich mir etwas angetan! Ich musste meinen Impuls unterdrücken, einfach vom Computer aufzustehen, um mir das Geschwätz zu ersparen. [/quote]

Sei mir bitte nicht bös', das ist kein Geschwätz,
sondern bittere Warheit und reales Leben,
für Herrn Mollath
und für ungezählte nicht genannte auch!
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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von Martin Winkler » 2. Dezember 2012 18:23

Wenn man sich auf der Webseite von Mollath umschaut (und bedenkt, dass seine Ex-Frau jetzt als "Geistheilerin" verrückt spielt) und die bekannten Daten zu den ganzen Ereignissen sammelt, so wird einem Angst und Bange.

Der ganze Fall beruht ja nur auf den Aussagen von dieser Frau, die ja selber Beschuldigte in der Schwarzgeldgeschichte ist. Dann eine Ärztin bzw. wahrscheinlich ihre Sprechstundenhilfe, die Monate nach der angeblichen Körperverletzung ein Attest ausstellen kann. Während die gute Ehefrau aber noch "brav" bei ihrem angeblich prügelnden Gatten bleibt.
Dann wird eine Psychiaterin gefunden aus Erlangen, die mal eben eine Fernbeurteilung macht, es könnte eine psychische Störung vorliegen.

Die Begutachtungen sind dann praktisch alle ohne Mitwirken von Mollath, meist als Aktenstudium entstanden. Ich frage mich ernsthaft, wie man da eine wahnhafte Störung diagnostizieren kann. Ein Wahnsystem, das nun sich nur auf "Steuer bzw. Schwarzgeld" bezieht, ist doch an sich schon ungewöhnlich. Typische Wahnthemen wären religiöser Wahn, finanzielle Probleme mit Schulden, Schuldwahn jeder Art ... Das wären typische Themen, die aber gar nicht vorliegen. Genausowenig finden sich typische Denkstörungen, die man ja schon in der Exploration findet.

Das müssen totale Idioten gewesen sein, die die Gutachten geschrieben haben. Oder aber sie haben Anweisungen gehabt.
Ich vermute, dass sich da dann Ärzte und Juristen einig waren, dass es schon stimmen wird, was da behauptet wird. Ohne es zu überprüfen.

Eigentlich hatte aber Frau Mollath (oder Marx ?) ein Netzwerk von Unterstützern aus der Banken- und Poliktikszene, die dann die richtigen Deppen unter den Ärzten herausgesucht haben.

Unverständlich, dass Prof. Kröber aus der Forensik der Charite bzw. die anderen beteiligten Gutachter da offenbar noch ruhig schlafen können. Hier müsste eigentlich auch berufsrechtlich geprüft werden, was da die Ärzte und Juristen verbrochen haben.

Natürlich kann ich nicht beurteilen, ob Mollath psychisch krank ist oder war. Aber selbst wenn : Für Körperverletzung dieser Art  und Reifenstechen kommt man nicht in die Forensik. Dafür bekommt man bei uns in Deutschland eine Geldbusse bzw. Sozialstunden.
Wenn man sich nicht gerade mit der CSU bzw. den Banken anlegt.

Schauerlich !
http://adhsspektrum.wordpress.com
ADHS-Spektrum Dr. Martin Winkler bloggt ...

Ab 1.8.2013 Saale Klinik 1 Psychosomatik in Bad Kösen mit ADHS-Bereich
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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von Hanghuhn » 2. Dezember 2012 18:32

[quote="maerenthaler"]
Sei mir bitte nicht bös', das ist kein Geschwätz,  ...   [/quote]

Warum sollte ich Dir böse sein?

Klar, für Hern Mollath bitterer Ernst.

Stimmt, im Wiktionary steht für "Geschwätz":

abwertend: dummes, belangloses Gerede

Ich hatte eigentlich nur die erste Eigenschaft (dumm) gemeint. die zweite Eigenschaft (belanglos) trifft nicht zu, weil, wie Du schon richtig schriebst, es für Herrn Mollath "bittere Warheit und reales Leben" ist.

P. S.: Martin Winkler war schneller als ich.
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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von Hanghuhn » 2. Dezember 2012 18:42

[quote="Martin Winkler"]
Wenn man sich auf der Webseite von Mollath umschaut (und bedenkt, dass seine Ex-Frau jetzt als "Geistheilerin" verrückt spielt) und die bekannten Daten zu den ganzen Ereignissen sammelt, so wird einem Angst und Bange.  [/quote]

Schön, dass sich hier mal einer vom Fach äußert!  :6121:

Sollte sich herausstellen, dass sowohl bei der Untersuchung von Mollaths Geisteszustand, als auch bei der Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Reifenstecherei schlampig recherchiert wurde ( so sieht 's ja aus), wäre Herr Mollath noch nicht einmal "vorbestraft", obwohl er wirklich genug gestraft wurde.
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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von No User » 2. Dezember 2012 18:51

Mollath hin oder her, mich gruselt allgemein diese Einstellung bzw. Logik:

Da wurde jemand eines Verbrechens für schuldig befunden -verurteilt eben- also IST er auch ein Verbrecher. Rechtsfrieden eben. Recht, ruhe in Frieden!

Nur sind juristische Beweise eben keine mathematischen Beweise und es gibt da keine absolute Sicherheit und die kann es auch nicht geben.

Würden wir absolute Sicherheit verlangen, würden die meisten Verbrecher davonkommen und könnten weitere Verbrechen begehen.

Es gibt aber Wege zu höherer Sicherheit und es ist mehr als bedauerlich, wenn diese Wege nicht vollständig gegangen werden.

Menschen machen Fehler. Punkt. Sie zu vermeiden, Fehlerquellen und systematische Fehler zu finden und auszutrocknen setzt voraus, Fehler einzugestehen und über Fehler zu reden. Genau daran hapert es. Es fehlt die Kritikfähigkeit. Die Justiz wendet nicht die gleichen Maßstäbe auf sich selbst an wie auf die, über die sie urteilen soll.

Ich wiederhole mich: Das gilt für Justitia auch nicht anders als für Ärzte und Kliniken mit ihren Kunstfehlern und Hygieneproblemen, für Softwareentwickler, Lebensmittelhersteller,...

Urteile werden zu wenig hinterfragt. Da sind auch die Möglichkeiten von Revision zu gering. Und die Gesellschaft? Ein Verurteilter, der weiterhin seine Unschuld beteuert, bekommt nur zu hören "Jaja, lauter Unschuldige hinter Gittern." Wie witzig! Er wird noch dafür bestraft, da ihm Reststrafenerlass versperrt bleibt. Nachdem das fehlende Geständnis ohnehin das Urteil verschärft hat.

Was hat er für eine Wahl? Ein falsches Geständnis? Auch keine Seltenheit, aber dann gibt es auch ziemlich sicher keine Rehabilitation und ganz sicher keine Haftentschädigung. Während übrigens ggf. der wahre Täter frei herumläuft und evt. seine Mitmenschen gefährdet. Ausdrücklich: Alle Personen hier auch ohne Anhang "~Innen" geschlechtsneutral gemeint.

Hanghuhn, wenn du gerade so tapfer bist, vielleicht willst du dir noch diesen langen, aber interessanten Artikel antun: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-78689615.html Eine Kernaussage:[quote="Strafrechtsprofessor Marxen"]Justiz korrigiert sich ungern[/quote]

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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von Shadow » 2. Dezember 2012 19:07

Sperrfeuer aus den eigenen Reihen

http://www.handelsblatt.com/politik/deu ... 67860.html

Sieht gar nicht so schlecht aus.

Man hört das Regensburger Landgericht wird damit betraut, das gibt Hoffnung  :ja1:

Ein Schuldiger wurde auch gefunden ... die HVB ... passt scho! :froi1:
Zuletzt geändert von Shadow am 2. Dezember 2012 19:21, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von No User » 2. Dezember 2012 19:11

@nixe: Dass Richter nicht weisungsgebunden sind, ist mir klar. Nicht aber die Begrifflichkeit: Was wäre denn Justiz, wenn nicht Richter und Gerichte ein Teil von ihr wären? Hat ein Richter keinen Einfluss auf sich selbst?

Wichtiger wäre, auch im Kontext der Argumente von Frau Merk, dass die Politik nicht wie in Russland oder gar im dritten Reich in den Gerichtssaal hineinregieren kann.

Natürlich kann die Ministerin nicht in Urteile hineinreden. Sie ist aber Politikerin, kein Teil der Justiz. "Justiz" in ihrem Titel mag die politische Zuständigkeit ihres Ministeriums beschreiben (immerhin muss auch unabhängige Justiz teils aus Steuermitteln bezahlt werden, allein daher überhaupt die Existenz eines Ministeriums für Unabhängige). Aber die Familienministerin kann den Familien auch keine Weisungen erteilen, der Wirtschaftsminister nicht der Wirtschaft usw.

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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von Hanghuhn » 2. Dezember 2012 19:31

[quote="steffchen"]
Hanghuhn, wenn du gerade so tapfer bist, vielleicht willst du dir noch diesen langen, aber interessanten Artikel antun: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-78689615.html Eine Kernaussage:[quote="Strafrechtsprofessor Marxen"]Justiz korrigiert sich ungern[/quote]  [/quote]

Ich war nicht ganz so tapfer, weil ich den Artikel schon kannte. Aber ich war schon einmal in der Woche ab dem 30. Mai 2011 sehr tapfer. Damals habe ich nämlich den ganzen Artikel gelesen. Danke!
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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von nixe » 2. Dezember 2012 20:27

Steffchen,

ich habe den Eindruck, Du möchtest jetzt einfach dabei bleiben, dass die Justizministerin einen Freud hingelegt hat. Was sollen die Spitzfindigkeiten bringen ?

"Die Justiz" hat keinen Einfluß auf die Urteilsfindung eines Richters. Das wird nicht deshalb falsch, weil die Ministerin das in einem fragwürdigen Kontext sagt.
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Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von No User » 2. Dezember 2012 22:19

Nein, möchte ich nicht. Wenn auch langsam -tschuldigung!- so dämmert mir jetzt doch, was du mir sagen wolltest.

Jenseits irgendwelcher Nicht-Spitzfindigkeiten möchte ich mal klarstellen, dass ich im internationalen Vergleich unser Justizsystem schon für ziemlich gut halte, jedenfalls wüsste ich jetzt keines zum Eintauschen. Nur hätte ich gern, dass das auch so bleibt und weil zurückfällt, was sich nicht weiterentwickelt, braucht es sich nun auch nicht schönzureden, sondern muss sich mit seinen Fehlern auseinandersetzen.

LG
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