Der Beruf des Schriftstellers

Madmartin
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Re: Der Beruf des Schriftstellers

Beitrag von Madmartin » 31. März 2008 00:15

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Gerade gestern wieder das alte ADS-Problem,

wollte an meiner Story weiterschreiben und wollte wieder vorher mal kurz in ein Forum schauen.
Das ging dann gleich wieder den ganzen Tag. Ich könnte mein Buch normalerweise schon längst fertig haben.

Was ist das bei euch?
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Re: Der Beruf des Schriftstellers

Beitrag von Dude » 25. April 2008 16:46

Schriftsteller zu sein ist für einen ADSler ideal. Und die absolute Pest. Das könnt ihr mir glauben. Ich arbeite seit vielen Jahren als freier Autor, habe vier Romane veröffentlicht, die mir im Schnitt pro Jahr ein Einkommen von ca. 300 Euro bescheren (vor Abzug der Steuern natürlich). Die Idee, von Romanen zu leben, kann man sich getrost abschminken. Ich zahle meine Miete durch meine Drehbücher fürs Fernsehen. Das hört sich vielleicht verlockend an, hat auch durchaus seine guten Seiten, aber: das Wichtigste bei einem Drehbuch ist die Struktur. Struktur, sagte ich, genau...da laufen die ersten ADSler schon schreiend davon, was? Und: du bist allein am Schreibtisch und mußt deine Arbeit selbstverantwortlich organisieren und entsprechende Zeitpläne entwickeln. Das gelingt mir als ADSler natürlich nie und deshalb ist jedes Buch der absolute Stress und bedeutet, sich die Nächte um die Ohren zu schlagen, um die Termine einzuhalten. Mein einziger Trost: ich sage mir einfach, dass ich auf diese höllentourmäßige Art am besten schreiben kann.
Also: Vorsicht an der Bahnsteigkante, wenn jemand Schriftsteller werden will. Und natürlich trotzdem:viel Glück!
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Re: Der Beruf des Schriftstellers

Beitrag von Madmartin » 3. Juni 2008 12:22

Moin liebe Schreiberlinge,

mag ja sein, dass ein paar von euch ganz fit in Deutsch sind.
Ich bin es nicht mit einer 4.

Meine Frage:
Was kann ein Lektor/Korrektor üblicherweise für eine DIN A4 Seite verlangen?

Liebe Grüße von Madmartin
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Re: Der Beruf des Schriftstellers

Beitrag von Bleu-de-Q » 4. Juni 2008 09:52

Hey, dieser Thread ist ja hochinteressant!
Nachdem mir zweimal ein begonnenes Manuskript flöten gegangen ist (fragt lieber nicht, wie & wie weit ich war) habe ich es aufgegeben, ein drittes Mal zu beginnen und ein paar Kurzgeschichten von mir online gestellt, die ganz gut ankamen.
Mehr hat sich nicht mehr ergeben, leider.
Da ich dachte, Romane sind brotlose Kunst, war ich demotiviert. Wenn ich aber über Bücher wie "Feuchtgebiete" lese und mir dazu Leseproben reinziehe, werde ich doch sauer. So einen Schwachsinn kann ich locker übertreffen - mein begonnener Roman war auch provokant, aber autentisch und mit mehr Niveau. Aber bestimmt druckt es keiner ab, denn ich habe keinen Bekanntheitsgrad. Sei die Lektüre noch so seicht, solange es kein Nobody schreibt, gehts in Druck... ganz schön bitter.
Guten Tag! Mein Name ist Fingerspitze und ich bin auf der Suche nach dem passenden Gefühl...
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Re: Der Beruf des Schriftstellers

Beitrag von Mjöllnir » 4. Juni 2008 20:45

Wahre Worte, Bleu-de-Q!
Soweit ich das abschätze verdient ein Korrektor das fünf- bis fünfundzwanzigfache an einer Seite gegenüber dem Autor. Das glaube ich allerdings deshalb, weil ich von einem Lektor weiß, der "arsch-reich" ist, weil er sein Germanistik-Studium in die richtigen Berufsbahnen geführt hat. Genaueres und Fundiertes dazu kann ich leider hier nicht einreichen. Bin auf andere Antworten mit klaren Fakten ebenso gespannt wie du, Madmartin.
So long, der Mjöllnir

wer schreibt, der bleibt
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Re: Der Beruf des Schriftstellers

Beitrag von chriss » 5. Juni 2008 07:48

[quote="Bleu-de-Q"]

Da ich dachte, Romane sind brotlose Kunst, war ich demotiviert. Wenn ich aber über Bücher wie "Feuchtgebiete" lese und mir dazu Leseproben reinziehe, werde ich doch sauer.
[/quote]

Buchverkauf ist ein Geschäft. Die meisten Leser sind keine Literaturliebhaber. Die meisten Buchkäufer sind keine Leser, sondern Buchverschenker. Die meisten gekauften Bücher werden nie gelesen.

Aus Sicht eines Verlegers hat das ein paar heftige Konsequenzen. Es gibt eine Menge Autoren, die wirklich gut schreiben. Aber selbst wenn die so organisiert sind, ein ganzes Buch fertig zu kriegen und dann noch einen Verleger finden, ist das Buch noch lange nicht verkauft. Theoretisch sollte der Verlag Exemplare zur Rezension verschicken, wenn es gut ist Zeitungen gute Rezensionen abdrucken und daraufhin Leute das Buch kaufen, was die Buchläden dazu brächte, es prominenter auszustellen.

Praktisch ist es schwer, überhaupt irgendwo mal eine Rezension zu bekommen, die dann auch noch wenige lesen. Also muss der Verleger ordentlich Werbung machen, was die kleinen Verlage schon rein finanziell meist nicht können. Viele Autoren kümmern sich daher selbst um Lesungen, um selber die Werbetrommel zu rühren.

Aber auch die erreichen nicht den Kunden in der Buchhandlung, der schnell noch ein Geschenk braucht. Der kauft was er kennt. Und deshalb sind Charlotte Roche und diverse Fußballer, die nicht mal einen Satz ohne Ghostwriter selber hinkriegen würden, so attraktiv: sie garantieren Verkaufszahlen. Sie garantieren, dass sich all der Aufwand auch auszahlt. Und sie verkaufen Unmengen, oft mehr als erfolgreiche Autoren, die sich durch die Qualität ihrer Bücher hochgearbeitet haben.

Promi-Bücher mit normaler Belletristik anhand ihrer Qualität zu vergleichen ist entsprechend Unsinn. Wer das ungerecht findet, der soll halt selber irgendwie berühmt werden, dann kann er auch Bücher verkaufen. Man kann auch mit Bücher schreiben berühmt werden, nur ist das eben mindestens genauso aufwendig. Richtig beschweren kann man sich auch nicht, denn solche garantierten Erfolge erlauben es den Verlegen u.a. Geld in gute, aber unbekannte Autoren mit hohem Verlustrisiko zu investieren.

Bleu-de-Q: Nur nicht in den Rinderwahnsinn treiben lassen.
Die anderen: Da gibt es diese tolle Erfindung namens Google.

Erster Treffer bei Google: Online Lektorat Rechner, berechnet Kosten für das Lektorat in Abhängigkeit von Textlänge, Fachbegriffen und danach, ob nur Rechtschreibung oder auch Stil korrigiert werden soll. Ist aber m.E. recht teuer und auch mehr für Einzelseiten wie Pressemitteilungen gedacht.

Zweiter Treffer bei Google: Internet-Lektor, EUR 3,99 pro Seite, EUR 1,99 für Studenten.

Generell scheint 10-15 Seiten pro Stunde, EUR 30-40 pro Stunde für freie Lektoren ein normaler Wert zu sein. Ein Verlag mit festen Lektoren kriegt das mit Sicherheit noch um einiges billiger hin, selbstangeheuerte Germanistikstudenten kosten auch deutlich weniger. Bitte bedenken, dass man manchmal mehrere Lektoratsrunden braucht, bis die Macken aus dem Text sind.
Zuletzt geändert von chriss am 5. Juni 2008 07:54, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Der Beruf des Schriftstellers

Beitrag von Bleu-de-Q » 5. Juni 2008 12:13

Am Lektor sollte es nicht scheitern, das ist nicht das Problem. Das Nichts beginnt auch nach dem Lektor.
Guten Tag! Mein Name ist Fingerspitze und ich bin auf der Suche nach dem passenden Gefühl...
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Re: Der Beruf des Schriftstellers

Beitrag von Mjöllnir » 8. Juni 2008 22:19

hallo chriss,
für mich ist es ein Hoffnungsschimmer, dass man den Lektor nur auf die Rechtschreibung bzw. Zeichensetzung ansetzen kann, denn ich möchte meinen Schreibstil behalten und nicht von jemandem, der meint ihn ändern zu müssen, mein Buch verdreht bekommen.

Danke für die Fachinfo, abermals.
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Re: Der Beruf des Schriftstellers

Beitrag von Madmartin » 9. Juni 2008 14:03

[quote="Mjöllnir"]
hallo chriss,
für mich ist es ein Hoffnungsschimmer, dass man den Lektor nur auf die Rechtschreibung bzw. Zeichensetzung ansetzen kann, denn ich möchte meinen Schreibstil behalten und nicht von jemandem, der meint ihn ändern zu müssen, mein Buch verdreht bekommen.

Danke für die Fachinfo, abermals.
Mjöllnir
[/quote]

Mjöllnir,

das ist nicht sein Job.

Sobald man die Kunst exakt berechnen kann, ist die Kunst am Ende.
Der Künstler handelt eigenverantwortlich für das was er auf die Menschheit loslässt.

Hier ist noch eine Adresse für Lektoren.
www.vfll.de

[quote="chriss"]
[quote="Bleu-de-Q"]

Da ich dachte, Romane sind brotlose Kunst, war ich demotiviert. Wenn ich aber über Bücher wie "Feuchtgebiete" lese und mir dazu Leseproben reinziehe, werde ich doch sauer.
[/quote]

Buchverkauf ist ein Geschäft. Die meisten Leser sind keine Literaturliebhaber. Die meisten Buchkäufer sind keine Leser, sondern Buchverschenker. Die meisten gekauften Bücher werden nie gelesen.

...

Aber auch die erreichen nicht den Kunden in der Buchhandlung, der schnell noch ein Geschenk braucht. Der kauft was er kennt. Und deshalb sind Charlotte Roche und diverse Fußballer, die nicht mal einen Satz ohne Ghostwriter selber hinkriegen würden, so attraktiv: sie garantieren Verkaufszahlen. Sie garantieren, dass sich all der Aufwand auch auszahlt. Und sie verkaufen Unmengen, oft mehr als erfolgreiche Autoren, die sich durch die Qualität ihrer Bücher hochgearbeitet haben.

...

[/quote]

Tolles Posting Chriss,

meine Frage: Wie bist du zu diesen Erfahrungen gekommen?

Gruß Madmartin
Zuletzt geändert von Madmartin am 9. Juni 2008 14:08, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Der Beruf des Schriftstellers

Beitrag von MacHippo » 9. Juni 2008 14:19

      MacHippo

Man sollte immer eine kleine Flasche Whisky dabei haben - wegen der Schlangenbisse.
Und man sollte immer eine kleine Schlange dabei haben
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Re: Der Beruf des Schriftstellers

Beitrag von Mjöllnir » 9. Juni 2008 20:46

[quote="Madmartin"]

Sobald man die Kunst exakt berechnen kann, ist die Kunst am Ende.

[/quote]

Hallo Madmartin, irgendwie sagt mir dieser Spruch sehr zu! Darf ich dich an anderer Stelle in diesem Forum zitieren (Thread zu "Adlerkunst")?
Gruß, Mjöllnir
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Re: Der Beruf des Schriftstellers

Beitrag von Madmartin » 14. Juni 2008 20:02

Hallo Schreiberlinge,

klappern gehört ja zum Handwerk. Logo das man anfängt die vielen Schreibforen unsicher zu machen.

Mit dem ADS hat man ja eine Menge Phantasie und eine Menge Fehler.
Also bei mir ist es so, ich stelle mir eine tolle Story vor und fange an die inneren Bilder in mir deutlich zu sehen. So deutlich, dass ich nicht sehe wie ich falsch schreibe.

Eine einfache Frage. Wie weit soll man den auf Rechtschreibfehler den Rücksicht nehmen?

Euer Madmartin
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Re: Der Beruf des Schriftstellers

Beitrag von Neh-Neh » 18. Juni 2008 20:14

Neh-Neh will auch zu diesem Thema  was sagen!

Seit dem ich hier auf diesen Seiten umhergeistere sehe ich mein ADS gar nicht mehr als schlimm an, eher schon fast als Chance. Bevor ich vorgestern auf diese Seite gestoßen bin, hatte ich die Idee mal ein Buch zu schreiben. Ein Buch über ein Kind mit Ads in Geschichtenform erzählt wie man sich so fühlt wenn man unerkannt und verkannt ist. Weniger um das große Geld zu verdienen sondern vielmehr um aufzuklären und Mut zu machen. Witzig oder ???? :icon_wink:Würde mich interessieren, was ihr so von der Idee haltet und ob jemand Lust hat mitzumachen. Vielleicht kann jemand gut malen und die Geschichten skizzieren?Vielleicht können wie es verkaufen oder wir finden Spender und können es in Praxen auslegen. So von wegen: Von uns für euch oder so. Boh ich hab schon wieder Visionen. Tschüßi eure Neh-Neh
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Re: Der Beruf des Schriftstellers

Beitrag von Madmartin » 17. Juli 2008 13:43

Hallo liebe Schreiberlinge,

bin zur Zeit gerade dabei ein paar Literaturforen zu durchstreifen.
Und habe da natürlich einen AD(H)S auf freier Wildbahn entdeckt.
Der ist heftig, das könnt ihr mir glauben. :00000285:
Aber auch ein weiterer Beweis, das unsereins auf diesem Gebiet eine ordentliche Figur
abgibt.

Euer Madmartin
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Re: Der Beruf des Schriftstellers

Beitrag von Carlambolage » 4. September 2008 14:49

Oh man ist das spannend! Auf dieser Seite finde ich doch tatsächlich alles, was mich in meinem Leben so bewegt - primär in Sachen Beruf. Wie erwähnt probiere ich zur Zeit mein Abi nachzuholen. In der letzten Woche warf ich mir eine Tablette ein, weil ich mal wieder merkte, dass die Konzentration anderweitig nicht zu holen war, wartete eine halbe Stunde (bis zur Wirkung) und setzte mich an mein altes Biologiebuch. Es sprang mir der Titel "Von der Zygote bis zum Mehrzeller" ins Auge und prompt saß ich die nächsten 4 Stunden hochkonzentriert an meinem Winword und schrieb 10 volle Seiten als Anfang eines Buches. Ich schaffe es seither jeden Tag 1-5 Stunden in dieses Buch zu investieren plus ein Cartoon für jedes Kapitel. Es handelt sich um Kurzgeschichten á la Horst Evers oder Herr Lehmann (kennt die wer? wer kennt sie? empfehlenswert!) und glücklicherweise habe ich eine schlaue ADSfreie Mutter, die als Journalistin tätig ist und meine Arbeiten Korrektur liest. Sie wird nach Abschluss des Erstschreibens mit mir die Überarbeitung durchführen. Ich hatte mir u.a. den Eichbornverlag ausgeguckt, an den ich das "Exposé" schicken möchte. Ich wiege mich jetzt nicht in der Vorstellung einen Beststeller zu produzieren oder davon ansatzweise leben zu können, doch bin ich dankbar für jede Möglichkeit, die sich für mich auftut, um irgendwie eigenständig Geld verdienen zu können - man fühlt sich weniger als Depp der Nation.

:catlove: ... Katze streicheln lenkt auch ab... hier sind aber auch so viele Katzen...

P.s: Aus dem Lernen ist seitdem auch nichts geworden.
Das Biobuch liegt auf meinem Schreibtisch heute noch genauso unberührt wie vor einer Woche.
Zuletzt geändert von Carlambolage am 4. September 2008 14:52, insgesamt 1-mal geändert.
Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die oh guck mal, ein Bonbon von gestern, wer den wohl liegengelassen hat? Ich müsste mal wieder Nachschub kaufen, ist ja fast leer die Tüte. Dann kaufe ich auch gleich noch Brot.
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Re: Der Beruf des Schriftstellers

Beitrag von Unhold » 9. September 2008 08:44

Hallo,
hier ein paar News von mir in bezug auf das Thema. Da seit anfang September meine Zweijährige in die Kita geht und Sohni bis 4 im Hort ist, habe ich wieder angefangen zu arbeiten. Meine Arbeit ist, ein Sachbuch zu schreiben (der Verlag hat mir den Auftrag gegeben). Im Frühjahr soll das Buch erscheinen. Bin in der Phase des Materialsammelns, verbringe also meine Arbeitszeit in der Unibibliothek. Alle Bücher die ich brauche, sind leider in der Sondersammlung und nur im Lesesaal zu verwenden. Ich muss sagen, dass mich das ganzschön anstrengt im Lesesaal zu arbeiten. Daher mache ich ganz viele Kopien (wo ich doch sooo knapp bei Kasse bin im Moment....).
Irgendwie finde ich, dass das ein ganzschönes Pensum ist: Kinder morgends fertigmachen und in die Einrichtungen verfrachten, dann zuhause saubermachen, in die Stadt fahren, Bücher bestellen, die dann 2 Stunden später da sind, dann im Lesesaal alles durchforsten, wobei ich dann irgendwann merke, dass es Zeit ist, die KInder abzuholen.....
Wenn ich alle Literatur gelesen habe, dann geht es ab ins Stadtarchiv und sonstige Ämter, bei denen man was rauskriegen kann zu meinem Thema. Ich freue mich schon auf die Phase, wo ich zuhause alles zusammenschreiben kann!
Wünsche euch allen viel Kraft und Inspiration und Durchhaltevermögen!
Tschö!
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Re: Der Beruf des Schriftstellers

Beitrag von Mjöllnir » 14. September 2008 20:54

Achtung Schreiberkollegen/innen, Vorsicht vor den sogenannten "Eitelkeitsverlagen"!

Zitat aus folgendem Link zur Gewerkschaft ver.di: http://publik.verdi.de/2008/ausgabe_05/ ... seite_6/A0

Jeder des Lesens Fähige müsste sich also wundern, wenn er auf Anzeigen stößt, in denen es heißt, Verlage suchen Autoren. Wie denn das? Indem diese Autoren viel Geld für ein Buch mitbringen: Sie bezahlen ihre Veröffentlichungen selbst. Für jeden Titel muss ein - oft fünfstelliger - Betrag auf Konten überwiesen werden, deren Inhaber sich so klangvoller Namen wie Goethe, Schiller oder Fischer bedienen. Eitelkeit wie Mitteilungszwang der Schreibenden drängen die Vernunft zurück. Die Autoren[...]gehen also eine Geschäftsbeziehung mit einem "Druckkosten"-, "Selbstzahler"- oder "Pseudoverlag" ein. Doch dieses Geschäft dient materiell dem Verlag. Denn das versprochene Lektorat, die aufsehenerregende Gestaltung, die beharrliche Werbung und der Vertrieb unterbleiben.


Lest den Artikel und fallt nicht auf die tollen Anzeigen rein.
Gruß von Mjöllnir
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Re: Der Beruf des Schriftstellers

Beitrag von Madmartin » 15. September 2008 13:57

Gut Mjöllnir,  :smt023:

daß du das hier hereingesetzt hast.
Diese Eitelkeitsverlage verstehen es nur zu gut, einen Schriftsteller richtig heiss zu machen sein ganzes Erspartes und noch Gepumtes denen in die Flosse zu drücken.
Davor hat auch dieser Wilde, den ich weiter oben erwähnte, gewarnt.

Verlag kommt nämlich von vorlegen.
Und das aus gutem Grund.
Wenn man als Schriftsteller schon komplett Vorkasse gemacht hat,
schwindet beim Verlag der Anreiz das Werk auch richtig zu vermarkten.

In einem seriösen Verlag verlangt man in der Regel ein ordentliches Manuskript
und der Rest ist sein Bier.
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Re: Der Beruf des Schriftstellers

Beitrag von Madmartin » 19. November 2008 15:16

Hallo,

ich bin wieder da. Diesmal geht es bei um unsere wichtigen Gegenspieler:
Die Kritiker.

Sie sind besser als ihr Ruf.
Ganz egal was sie zu beanstanden haben.
Ich weiss, es ist hart. Man schreibt das Werk mit viel Liebe,
und dann kommt so ein Reich-Cranicki für Arme und redet es schlecht.

Ich habe eins erkannt und das ist für mich das Wichtigste an Kritik,
sie muß gnadenlos ehrlich sein. Mit allen Positven und Negativen.
Ich habe sie vor ein paar Monaten noch gehasst,
jetzt bin ich ihnen dafür dankbar.

Nie vergessen, Kritiker liefern wertvolle Hinweise.
Ich habe von einer armen Sau gelesen, das dieser von seinen Freunden hochgelobt wurde. Er ist dazu noch vom einem Druckkostenzuschussverlag geködert worden.
Jetzt steckt der mit ein paar tausend in der Kreide und traut sich nicht
seine mittelmäßigen Werke ins Altpapier zu tun... .

Verprellt euch keine ehrlichen Kritiker.
Vor allem durch bekommt ihr die Sicherheit, dass ihr es auch drauf habt.

Tschüss
Euer Madmartin
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Re: Der Beruf des Schriftstellers

Beitrag von freies Radikal » 2. Dezember 2008 23:35

Hi,

ich hab vor ein paar Tagen eine Anzeige bei - ich glaube - Tschibo gelesen, wo man sich für 39,- sein eigenes Buch drucken lassen kann. Man bekommt 1 Belegexemplar und wird noch bei irgendwelchen Händlern oder in Katalogen gelistet.

Ich habe gedacht: vielleicht eine schöne Geschenkidee für jemanden der gerne schreibt, aber ansonsten - bringt das jemandem was, der " auf den Markt drängt"?

Ich frage einfach mal so interessehalber, interessiert mich schon der Bereich, ich schreibe auch sehr gerne, mir fehlt nur leider die Zeit, es langt nur mal zu ner Kurzgeschichte oder einem Gedicht, daher habe ich selbst kein Manuskript in der Schublade.

Was haltet ihr von dem Angebot?

Gruss freies Radikal
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Re: Der Beruf des Schriftstellers

Beitrag von daSchäf » 3. Dezember 2008 01:55

Wenn du schreiben willst: Halt es mit Bukowskis "Don' t try". Tu es. Es gibt kein Versuchen. Tu es, oder tu es nicht. Lass fließen Alter! :icon_wink:
Nein ehrlich, wenn es ein Hobby ist, und dir das reicht, dann reicht das auch.

Ein Autor, der nur schreibt damit er was zu beißen hat, ist ein Schreiber, kein Künstler. Ein Autor, der schreibt um Ruhm zu erlangen, ist ein Scharlatan, kein erdiger, ehrlicher Verfasser.

Es dürfte auf jeden Fall ratsam sein sich in der "Geschäftswelt" zumindest rudimentär zurechtfinden zu können. Oder jemanden der uneingeschränktes Vertrauen genießt (das natürlich hart erarbeitet wurde) hinter sich zu haben, der das kann.

An die Pro' s: Hab ich Recht?

@ freies
Nettes Angebot. Für Geschenke und zum Freude machen - aber m. E. nach völlig ungeeignet um "etwas zu veröffentlichen". Entweder selfmade-Man-Style oder einen fähigen Verlag mit gefestigter Reputation heranziehen.
So treibt das Bedürfnis der Gesellschaft, aus der Leere und Monotonie des eigenen Innern entsprungen, die Menschen zueinander; aber ihre vielen widerwärtigen Eigenschaften und unerträglichen Fehler stoßen sie wieder voneinander ab.
- Schopenhauer
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