Was zur Hölle ist denn nun die Hauptkrankheit ???

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cajo81
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Was zur Hölle ist denn nun die Hauptkrankheit ???

Beitrag von cajo81 » 12. April 2011 14:35

Hi ihr Lieben !


Ich muss euch ehrlich sagen dass ich in letzter Zeit total durch den Wind bin.
Ich war in den letzten Monaten bei verschiedensten Ärzten - war wohl ein Fehler von mir - und habe jetzt so eine Masse an Diagnosen gestellt bekommen dass ich so langsam den Eindruck habe dass die Ärzte selber nicht wissen was ist.

Vor vier Jahren hieß es ich würde unter sozialer Phobie und Angststörungen aufgrund einer Depression leiden.
Als Auslöser dafür wurden gewisse Erlebnisse meines Lebens genannt.

Vor einem Jahr (oder sind es schon zwei Jahre - egal :fr:) kam die ADS Diagnose dazu. ADS sollte an meinen psy. Problemen "Schuld sein"
Vor ein paar Monaten kam dann noch eine Asperger-Diagnose hinzu und die neuste bestätigt ich hätte Schizophrenie.
Wohlgemerkt alle Diagnosen wurden von Ärzten nach einer ausführlichen Untersuchung gestellt (Fragebögen beantworten, Hirnfunktionen testen etc.)

Und obwohl ich jedem Arzt von den anderen Diagnosen erzählt habe beharrt jeder dass seine Diagnose die "die einzig wahre Diagnose" sei und der Ursprung allen Übels.
Das kotzt mich an !  :aufsmaul_2:
Ich habe echt so langsam das Gefühl dass die Hirnforschung eher auf Glauben als auf wahrer Wissenschaft beruht.  :108:

Und ich als Patient stehe da und bin im Endeffekt noch verwirrter als ich vorher eh schon war.
Ich meine echt ich hätte deutlich mehr Verständnis wenn ein Arzt mir wenigstens ehrlich sagen würde dass er im Endeffekt keine Ahnung hat was ich wirklich habe.


Kennt ihr so eine Situation ?
Wie geht ihr mit ihr um ?
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Menolly
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Re: Was zur Hölle ist denn nun die Hauptkrankheit ???

Beitrag von Menolly » 12. April 2011 14:50

Hallo.
:Hi:
sorry aber mir ist einfach nicht klar warum du in 4 Jahren zu 4 verschiedenen Ärzten gegangen bist.  :fr:
Gab es zwischendurch auch Therapien?
Ich meine man sucht ja einen anderen Arzt auf wenn man mit der Diagnose nicht "einverstanden" ist, aber so wie es aussieht passt dir keine von denen die dir gestellt wurde.  :108:

Also, was hat dich bewogen überhabt mal zum Arzt zu gehen?

Liebe Grüße
Menolly
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cajo81
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Re: Was zur Hölle ist denn nun die Hauptkrankheit ???

Beitrag von cajo81 » 12. April 2011 15:48

[quote="Menolly"]
Hallo.
:Hi:
sorry aber mir ist einfach nicht klar warum du in 4 Jahren zu 4 verschiedenen Ärzten gegangen bist.  :fr:
Gab es zwischendurch auch Therapien?
Ich meine man sucht ja einen anderen Arzt auf wenn man mit der Diagnose nicht "einverstanden" ist, aber so wie es aussieht passt dir keine von denen die dir gestellt wurde.  :108:

Also, was hat dich bewogen überhabt mal zum Arzt zu gehen?

Liebe Grüße
Menolly
[/quote]


Nun, die erste Diagnose Depression (vor 4 Jahren) wurde bei mir in erster Linie psychologisch behandelt nachdem ich mich nach 6 Jahren Horror, Frust und Selbstmordgedanken endlich durchrang zum Arzt zu gehen. Von Medikamenten wurde mir erst abgeraten da die psycho Therapie anfangs gut ansprach. Als dann die Depri aber trotz zweijähriger Therapie in einigen Bereichen nicht besser wurde bekam ich SSRI verschrieben die aber mehr Nebenwirkungen hatten als sie halfen.
Über meine Selbsthilfegruppe welcher ich parallel zur Therapie beigetreten war wurde ich dann auf ADS angesprochen wovon ich bis dato nichts gehört hatte.

Ich ging also, im Hinterkopf die bisherige unerfolgreiche Therapie und Medikamentation zu einer ADS-Fachärztin. Diese diagnostizierte nach vier Stunden Untersuchung tatsächlich ADS (HYPOaktiver Typ -also sehr stiller Typ) und verschrieb mir MPH. Ich muss zum besseren Verständnis sagen dass ich extra zu der fachärztin 150km angreist war da sie mir zu diesem Zeitpunkt empfohlen wurde.

MPH ist für mich Fluch und Segen zugleich; Konzentration und innere Ruhe sowie Reizüberflutung werden besser, depressive gedanken werden aber oft schlimmer und 10 mg MPH wirken nur ca. eine Stunde - kein Scherz.
Aufgrund dieser Problematik und der Tatsache dass meine ADS-Fachärztin zu weit von mir entfernt war machte ich mich kundig und suchte einen Neurologen mit dem Spezialinteresse ADS aus um die Medikamentation VOR ORT einzustellen zu lassen.
Tja, und was sagte dieser als ich dort alles schilderter :
Auch aufgrund der tatsache dass ich MPH problemlos in riesigen Mengen ohne körperliche Nebenwirkungen vertragen würde sei er der Meinung ich hätte Asperger. Dieses würde leider oft mit ADS verwechselt.
Dann untersuchte er mich richtig und festigte aufgrund dieser seinen Standpunkt ich hätte nicht ADS sondern Asperger. Diagnose Nr.3 war geboren.

Diagnose Nr.4 entstand dadurch dass ich mich aufgrund Dder Asperger-Diagnose an eine Autismus/Asperger-Selbsthilfegruppe wand. Diese empfanden mich aber in den Sitzungen als viel zu "emotional" für einen Asperger.
Außerdem kamen Ungereimtheiten raus die mich stark beschäftigten. Z.B. habe ich nie Probleme gehabt die Mimiken/Gesichtszüge anderer Menschen zu verstehen was bei Aspergern eher selten auftritt.
Desweiteren gab es ein paar Anzeichen die zeigten dass ich in meiner Jugend durchaus in der Lage war gut die Gefühle anderer zu verstehen; mit Menschen gefühlsmäßig mitlitt.
Auch konnte ich mich z.B. bis zu meinem 23. lebensjahr problemlos in Frauen verlieben, hatte starke sexuelle Gelüste usw. Alles Dinge die bei Aspergern eher selten der Fall sind.

Das hat mich alles gedanklich so bewegt dass ich mich von mir aus zu einem weiteren Neurologen begab um mich einfach abzusichern.
Ich habe diesem Arzt also wieder meine ganzen bisherigen offiziellen Diagnosen aufgelistet und er meinte dann dass all dies auf Schizophrenie hindeuten würde.
Schizophrenie würde nämlich durchaus oft auch ADS- und Autismus-Syndrome mitbringen; würde aber als solche aber von vielen Ärzten nicht erkannt.



Natürlich spielt meine andauernde Grübelei bei all dem eine große Rolle. Ich kann halt einfach nicht mit dem Nachdenken aufhören.
Und wenn ich MPH nehme dann hört zwar die unstrukturierte Grübelei auf aber leider konzentriere ich mich dann oft - ist wohl eine Zwangsstörung von mir - immer auf meinen psychischen "Werdegang" und wie ich meine Krankheit in den Griff kriege. Und obwohl ich ganz offen und selbstkritisch mit den Ärzten über diese Einstellung spreche bringen sie mich durch ihre unterschiedlichen Diagnosen  nur noch mehr durcheinander.  :eusa_doh:
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Re: Was zur Hölle ist denn nun die Hauptkrankheit ???

Beitrag von Menolly » 12. April 2011 16:29

hm, ok da würde ich auch ne Krise bekommen.  :icon_rolleyes:
Wobei ADS und Depressionen sich nicht gegenseitig ausschließen.
Aber das hier..
Auch aufgrund der tatsache dass ich MPH problemlos in riesigen Mengen ohne körperliche Nebenwirkungen vertragen würde sei er der Meinung ich hätte Asperger.

ist der Knaller.  :108:

Es gibt tatsächlich ADSler da wirken die Medis nicht.
Und auch das sie bei dir so schnell "durch" sind ist gar nicht so selten.

hm, also Sex hat jetzt weniger mit Gefühlen als mit Trieben zu tun.  :ichboss:  :up_to_something: ( ist nur Spaß  :wu: )

Tja was würde ich an deiner stelle machen?
Wahrscheinlich erst einmal gucken was ich als erstes als so gravierend empfinde, das es zuerst Behandelt werden sollte.
In deinem Fall wohl die Depression.
MPH schön und gut, aber dabei kann es nicht helfen, und wenn es dich dazu bringt noch weiter hinein zu rutschen macht es auch keinen Sinn es vorerst weiter zu nehmen.

Was glaubst du was für dich am "schlimmsten zu ertragen ist" zur Zeit?

Liebe Grüße
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Re: Was zur Hölle ist denn nun die Hauptkrankheit ???

Beitrag von Angie » 12. April 2011 18:13

Na irgendwie kann ich dich verstehen. Ich habe mich mal ironischer Weise als F-Sammler bezeichnet. F halt diese ICD-Codes vor den Diagnosen. Ich hatte mal 5 Stück.  :whis:
Nach etlichen Testungen haben sich 4 Ärzte auf 2 Diagnosen gesichert.  :eusa_doh:
Ich habe nix Schlimmes, ich habe....eij gugg mal nen Eichhörnchen.
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Re: Was zur Hölle ist denn nun die Hauptkrankheit ???

Beitrag von Daniel 83 » 13. April 2011 10:08

Ich finde das allles Sonderbar. Wie kann es angehen das 4 Ärzte 4 verschiedene Diagnosen stellen. Die gehen doch nach den ICD-10 Richtlinien!
Wie kann dann immer etwas verschiedenes herauskommen. Das gibt es ja gar nicht.
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speedy
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Re: Was zur Hölle ist denn nun die Hauptkrankheit ???

Beitrag von speedy » 13. April 2011 12:22

[quote="Daniel 83"]
Ich finde das allles Sonderbar. Wie kann es angehen das 4 Ärzte 4 verschiedene Diagnosen stellen. Die gehen doch nach den ICD-10 Richtlinien!
Wie kann dann immer etwas verschiedenes herauskommen. Das gibt es ja gar nicht.
[/quote]
:108: oh doch, das geht  :108:
Habe auch die verschiedensten Diagnosen...von verschiedenen Ärzten / Kliniken...
Mittlerweile denke ich mir, der Mensch dahinter ist wichtig, net die Diagnose..

Wünsche Dir alles Gute!

lg
Speedy
Sobald du dir vertraust, so bald weißt du zu leben jwg
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Re: Was zur Hölle ist denn nun die Hauptkrankheit ???

Beitrag von Frosch » 13. April 2011 13:29

@ Cajo 81,

ich habe nicht alle Antworten durchgelesen, nur "überflogen" also beantworte ich Deine ursprüngliche Frage.  :zwink:

Zitat: Cajo
Und obwohl ich jedem Arzt von den anderen Diagnosen erzählt habe beharrt jeder dass seine Diagnose die "die einzig wahre Diagnose" sei und der Ursprung allen Übels.


Ich denke, da Du bei jedem der Ärzte aus anderen "Verdachtsmomenten" warst, hat auch jeder auf Deinen Verdacht hin seine Untersuchung geführt.
Und dem enstprechend eine Behandlung eingeleitet.

Besser wäre sicherlich gewesen, von Anfang an, einen Arzt zu haben, der von allem Kenntnis hat. Der hätte sicherlich auch eine umfangreichere Diagnose stellen können. Nur, das geht sicher auch nicht von heute auf Morgen.

Zitat: Daniel
Ich finde das allles Sonderbar. Wie kann es angehen das 4 Ärzte 4 verschiedene Diagnosen stellen. Die gehen doch nach den ICD-10 Richtlinien!
Wie kann dann immer etwas verschiedenes herauskommen. Das gibt es ja gar nicht.


...Ärzte müssen sich an die ICD 10 Richtlinien halten, oder auch an der DSM-IV je nachdem nach welchen Richtlinien sie Ihre Diagnose gestellt haben - (in der Regel ist es die ICD-10) sollte aber auch auf der Diagnose angegeben sein.

Da es aber 4 verschiedene Ärzte warenm, hat auch jeder eine andere Einschätzung aufgrund von den Angaben die gemacht worden sind.

*Die Richtlinie sind letztlich dafür da, das wie in dem Fall das noch ein anderer Arzt zu Rate gezogen wird ein Anhaltspunkt besteht, wonach zu schauen ist.

!00% ig wird niemand genau in eine ICD-10 (oder auch DSM-IV) Verschlüsselung passen - es ist eine "Richtlinie". Außerdem ist jeder Mensch individuell.

Und somit letztlich eine "Vereinfachung" für den nachfolgend behandelnden Arzt oder auch die KK.

Sowie sich die ganzen Diagnosen lesen, die Du bekommen hast, würde ich es so sehen (bin aber kein Arzt - nicht vergessen):

*ADS mit autistischen Zügen (oder auch mit Verhaltensweisen aus dem autistischem Spektrum)
Komorbid-(Begleit-) - Erkrankung: Depression
teilweise schizophrene Verhaltensweisen durch die autistischen Verhaltensweisen, Schizophrenie evtl. nicht ausgeschlossen

Vielleicht fragst Du mal Deinen Arzt, ob das so in etwa hinkommen könnte.

(* das wäre dann die "Anhaltspunkte" für den Arzt zur eventuellen "Weiterbehandlung" und die KK )

LG
damans

Re: Was zur Hölle ist denn nun die Hauptkrankheit ???

Beitrag von damans » 30. August 2011 20:01

Hallo cajo81,

ich bin gerade neu im forum und bin auf Deinen Beitrag gestoßen.

Ich finde 4 oder 6 Jahre mit depressiven Gedanken "rumzulaufen" schlichtweg eine Ewigkeit und kraftzehrrende Zeit dazu. Wenn es sich um ADS handeln sollte, wie bei mir, dann wurde sie zu spät erkannt. Sie beginnt nach meiner eigenen Analyse mit dem Trotzalter (2 Jahren) plus 2 Jahre, wo man anfängt sich anders zu fühlen als die anderen, zumindest fällt einen es schwer sich abzugrenzen, emotional wie gedanklich. Dies hatte bei mir zu Folge dass ich mit 6 Jahren schon melancholisch und 12 Jahren schon schwer depressiv war. Nur hatte mein Umwelt das nicht erkannt (90er Jahre) und ich wollte es verstecken oder war schon nicht mehr fähig mich emotional und gedanklich mitzuteilen (Vertrauen!!) Und war auch 7 Jahre lang im "Geheimen" schwer deppressiv.

Die Grübeleien wurden ein Selbstläufer und eigene Ziele konnte ich nicht mehr verfolgen (schon in jungen Jahren), da immer wieder was "dazwischen" kam (neue Reize) und ich es nicht für mich übersetzen konnte, was denn nun wirklich wichtig dran ist.

Verfolge ein mal den Satz: "Akzeptiere die Diagnose, aber niemals die Prognose!", vielleicht siehst Du Dir die Diagnosen einzeln noch mal an.

Dies hat mich jetzt (2011) hierher zum Forum geführt, wo ich mich wahrlich als ADS Betroffener wiedererkenne. Z.Z. bin ich seit 1999 (mit 19 Jahren) jedoch als affektiv Gestörter in Behandlung (was ich seit 2010 vorerst akzeptiert hatte und jetzt nicht mehr) So geht es einem, an dem 12 Jahre lang herum gedoktert wird und nichts hilft.

Grüße damans.
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