extreme Angst vor dem verlassen werden

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MamaChaos
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extreme Angst vor dem verlassen werden

Beitragvon MamaChaos » 14. November 2010 13:01

Hallo ihr Lieben

Heute suche ich bei euch Rat bei einem sehr akuten Thema (für mich) ich habe darüber bereits viel mit meinem Therapeuten gesprochen aber irgendwie gehen schon wieder alle guten Vorsätze den Bach runter.

Zur Erklärung eine "kurze" Vorgeschichte.

Ich habe einen sehr liebevollen und verständnisvollen Partner seit nun 1 Jahr.
Kenengelernt haben wir uns an Halloween letzten Jahres.Es hat bei uns beiden eingeschlagen (sofort als wir uns sahen)
Wir haben dann beide unseren damaligen Ehepartnern gestanden das wir jemanden kennengelernt haben und unsere bestehenden Beziehungen beenden wollen.
Im Februar zog mein Schatz dann zu mir.Er verließ seine Familie (Ehefrau,Tochter und Verwandte) und zog 500 Km weit weg zu mir und meinen Kindern.
Das allein sollte mir ja beweisen das er mich wirklich liebt,eigendlich.
Naja,Nach einigen Wochen gestand er mir das er sich das etwas anders vorgestellt hatte.Er hatte ein massives Problem mit dem Lärm den 5 Kinder machen (noch dazu lauter ADHSler und ADSler) das ständig von allen alles liegen gelassen wurde,nur halb erledigt wurde ect. (auch von mir)
Unsere Beziehung ging damals fast wieder auseinander weil er mir ganz klar sagte..."Ich möchte nicht im Chaos leben,ich brauche ein ruhiges geregeltes Leben wo auch jeder mit anpackt damit man mehr Zeit für einander hat"...

Kurz darauf fuhr er in seine Heimatstadt um sene kleine Tochter zu besuchen.
Da seine Noch-Ehefrau seiner Mutter sehr zur Seite steht wurden an diesem Wochenende alle eingeladen ins Restaurant sprich er,seine Noch-Frau die Kleine und 2 seiner Verwandten.
Ich wusste davon nichts,erfuhr es erst danach und bin voll abgedreht.
Ich hatte Angst das er bei solchen Gelegenheiten feststellt das er seine Frau doch noch liebt und das er zurück geht und mich verlässt.

Seine Mutter führte immer wieder Situationen herbei (auch bei späteren Besuchen) wo alle dabei sind,eben auch seine Frau.

Ich sitze dann hier und meine Gedanken kreisen ständig darum das er jetzt in diesem Moment neben seiner Frau sitzt.Ich merkte das mir die Gedanken nicht gut taten aber ich konnte sie nicht aufhalten.
Und so steigerte ich mich immer extremer hinein.
Wenn er dann anrief,reagierte ich teilweise ziemlich bösartig und machte ihm so das Leben sehr schwer.

Beim letzten Mal als er allein fuhr und es wieder eskalierte,sagte er mir knallhart...kommt das noch einmal vor bin ich weg.Ich liebe dich aber das halte ich nicht mehr aus,ich lasse mich nicht fertig machen...

Nun bin ich die letzten 2 Mal mit gefahren,tagsüber haben wir gemeinsam etwas mit seiner Kleinen gemacht,abends fuhr er mich zu meiner Pflegemutter die nur 50 min. von seiner Heimatstadt entfernt lebt.Ja wir stammen aus der gleichen Gegend  :ja:

Es war jedesmal wunderschön und durch die Unterhaltungen mit meiner Pflegemam war ich gut abgelenkt.

So,nun zu meinem aktullen Problem.
Vor 1 Stunde ist er wieder allein gefahren (wir haben Schule und meine Kids müssen versorgt werden,unter der Woche findet sich da keiner weil die meisten arbeiten müsse) also bin ich hier geblieben.
Er kommt erst am Mittwoch wieder und mich packt bereits jetzt die Angst,ich tieger hier herum und kann nichts tun,ich nehme etwas weg um es aufzuräumen und stelle es stattdessen irgendwoanders wieder ab.

Meine Gedanken nehmen wieder den schon gewohnten Spiralgang nach unten und ich kann es nicht stoppen.
Aber ich muss mich zusammen reissen sonst verlier ich ihn und das will ich unter keinen Umständen.

Könnt hr mir helfen,mir Tipps geben..vielleicht sogar aus eigener Erfahrung?

Ich denke mal es ist mein mangelndes Sebstbewusstsein.Weil ich nicht in der Lage bin alles so gut im Griff zu haben wie seine Frau.Ich bin nicht so gut wie sie.
Ich bin doch nur eine kleine dumme Hausfrau deren Aufgabe es ist sich um den Haushalt und die Kinder zu kümmern und nicht einmal das schaffe ich richtig,hier ist schlicht Chaos.Auch wenn es dank meiner Hausarbeitsliste schon viel besser ist.
Manchmal traue ich mich gar nicht mit ihm über aktuelle Themen zu reden weil ich Angst habe er lacht über meine Einstellung oder mein mangelndes wissen (abgebrochene Schule damals,ebenso wie abgebrochene Lehre)
Was findet er an mir,wenn er doch vorher eine Frau hatte die ganztags arbeiten ging,den Haushalt im Schuss  hatte und mit ihm viele Reisen unternahm.Von denen er mit mir nur träumen kann weil bei 5 Kids das Geld einfach knapp ist.

LG vom heulenden Elend
graffiti
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Re: extreme Angst vor dem verlassen werden

Beitragvon graffiti » 14. November 2010 15:36

gegenfrage:
wie willst du rauskommen aus diesem minderwertigkeitsgefühl, wenn du deinen partner unter druck setzt?
du wirst dann nie wissen, ob er mit dir zusammen ist, weil er das möchte oder weil er im interesse seines seelenfriedens nachgibt.

zweiter punkt:
er möchte vermutlich den kontakt zu seiner tochter nicht verlieren - & damit das verhältnis zwischen den beiden gut bleibt, braucht er den goodwill seiner exfrau.
(& sowohl er als auch seine tochter können sich glücklich schätzen, wenn der vorhanden ist - du letztendlich auch, denn aus eigener erfahrung kann ich dir sagen, daß es für eine beziehung auch ganz schön belastend ist, wenn der partner um seine verlorenen kinder trauert.)

das sind dinge, die dir im kopf vermutlich klar sind.
wie du sie aus dem kopf in den bauch kriegst?
keine ahnung, wie das bei dir ist.

bei mir (mein mann hat sogar die beziehung mit mir nach 1,5 jahren beendet & nochmal einen versuch mit seiner exfrau gemacht, weil ihm seine kinder so gefehlt haben) lief es so, daß ich einfach so lange nach meinen vernunftvorgaben gehandelt habe, bis sie tatsächlich auch in den bauch gesackt sind.
meine emotionalen austicker habe ich mir zugestanden, um nicht verrückt zu werden vor lauter druck - aber ich habe drauf geachtet, daß ich sie dann habe, wenn ich allein bin & ich mir nichts dadurch kaputt mache ... weil ich ja wußte, daß das mein eigener film ist, der mit meinem mann nichts zu tun hat.

chaos & lautstärke haben damit nichts zu tun - zunächst einmal.
wenn du das von deiner angst / eifersucht abkoppeln kannst, dann kannst du anfangen, was zu verändern - denn daß diese atmospäre schwierig ist für jemanden, der eigentlich eine geordnete natur hat, ist klar.
(bißchen mehr struktur kann ja auch nicht schaden bei 6 adslern  :breitgrinse1: )

für mich waren die zentralen lerninhalte in dieser phase:
- entweder er will mich, wie ich bin oder es hat eh keinen sinn (auch & gerade für mich nicht).
- es gibt dinge, die ihn an mir stören (& es gibt dinge, die mich an ihm stören).
da müssen wir aushandeln, wie wir damit umgehen.
diese dinge haben nichts mit unserer grundsätzlichen entscheidung füreinander zu tun.
- seine kinder haben ein recht auf seine loyalität.
ich auch.
- alles, was bei mir im zusammenhang mit exfrau (& auch seinen kindern, die natürlich mama-anwalt gespielt haben) an wut, eifersucht, verletzung hochkocht, muß ich mir erst einmal in ruhe anschauen, bevor ich es ihm weitergebe - weil ich erst auseinanderklamüsern muß, was meine nicht durchgearbeiteten dinge sind & was er tatsächlich ändern muß, weil es mir zusteht (wenn ihm an mir gelegen ist).

einfach waren diese jahre nicht.
ich habe aber unglaublich viel lernen dürfen - gerade in puncto selbstwertgefühl.
bin ich froh, daß ich mir diese nachdenk-zigarette nicht angezündet habe, als ich die gasleitung abgemäht habe :icon_mrgreen:<br />oder: alles wird gut.
MamaChaos
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Re: extreme Angst vor dem verlassen werden

Beitragvon MamaChaos » 14. November 2010 16:57

Hallo graffiti,

Vielen Dank für deine Antwort.Sie war genauso wie ich es gehofft hatte eine Mischung aus Verständnis,welches man einfach braucht in so einer Situation...und ein gewisser Tritt in den Allerwertesten  :ja: damit man nicht in Selbstmitleid versinkt)

Ja du hast recht,mein Kopf ist absolut einverstanden mit seinen Fahrten in die Heimat.Und das er heute gefahren ist war "meine"Schuld.
Eigendlich wollte er am Dienstag erst fahren und am Mittwoch mit seiner kleinen Tochter ( 5 Jahre) wieder hier her kommen (sie kommt das erste Mal zu uns für 1 Woche.Bisher hat er von uns erzählt Bilder gezeigt und ich habe sie nun 2. Mal gesehen als ich mit fuhr)
Naja,letzte Woche erzählte seine Mutter ihm von einem Arztbesuch und von der wirklich schlimmen Diagnose die gestellt wurde.
ICH habe ihm dann gesagt das er fahren soll und enige Tage mit ihr verbringen soll.Ich hab doch gespürt das es das war was er gern getan hätte.
Ausserdem hab ich ihm versprochen das es kein Theater geben wird,das ich mich zusammenreissen werde wenn e fährt.

Tja,ich hab es mir fest vorgenommen...

Der erste Punkt den ich mit meinem Psychologen abgesprochen habe ist schon mal gelungen...wenn es mir schlecht geht und ich ständig weinen muss und meine Gedanken nicht kontrolliert bekomme dann soll ich eine Schlaftablette nehmen und sclafen.
Da ich hier heute nur meine 3 "großen Kinder" im Alter von 10-16 Jahren da hatte.Hab ich ihnen das gesagt,mir gehts nicht gut ich nehm ne Tablette und schlafe etwas.

Ich habe geschlafen und mir gehts etwas besser.
Gleich kommt mein Exmann und bringt die Kleinen wieder ( 6 Jahre und 19 Monate) da ist dann erst mal HalliGalli bis sie versorgt und im Bett sind.

Ab morgen Früh habe ich eine Liste mit all den Dingen die erledigt werden müssen.Anrufe die endlich mal getätigt werden müssen ect. die übliche Haushaltsliste ,die zu dem Punkt der bearbeitung gehört das Chaos in den Griff zu bekommen.Mein Schatz hat  hat mir dabei geholfen und einiges wieder gestrichen was ich drauf hatte damit ich mich nicht überlade und dann frustriert bin wenn ich es nicht schaffe.(eigendlich doch ein Zeichen dafür das er mich liebt,ebenso wie das Lob welches er immer ausspricht wenn er heim kommt und alles ordentlich und nicht chaotisch ist.

Ich möchte ihn diesmal nicht anrufen sondern ihn anrufen lassen,ich möchte nicht vorwurfsvoll klingen am Telefon und ich mchte ein schönes gemtliches,sauberes Zuhause vorweisen können wenn er am Mittwoch mit seinem kleinen Filuo zu uns kommt.

Wenn ich mich die nächsten Tage mich hier vielleicht ein wenig ausheulen darf????
Mir hat deine Antwort wirklich sehr geholfen.
In meinem Umfeld stoße ich auf absolutes Unverständnis.
Das führt dann oft zu dem Gefühl allein und isoliert zu sein was dann oft alles noch Verstärkt.
Das letzte Mal stand ich kurz vor einem Suizit.
Soweit will ich es diesmal gar nicht erst kommen lassen.

LG MamaChaos
graffiti
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Re: extreme Angst vor dem verlassen werden

Beitragvon graffiti » 14. November 2010 17:26

ich wünsch euch beiden kraft & klarheit ... & geduld.

beim folgenden geh ich von mir aus:
mir hätte es in diesen jammertälern nichts geholfen, wenn ich mich anderen mitgeteilt hätte - dafür habe ich immer viel zu sehr im selbstmitleid gebadet.
großes selbstmitleid erzeugt kein feedback, mit dem ich viel anfangen kann.

was mir wirklich geholfen hat:
hochemotionale, selbstmitleidige anklagen aufzuschreiben, wie sie mir grade in den sinn kommen.
sie - um himmels willen - nicht an meinen mann weiterzugeben.

aus diesen anklagen nach & nach selber rauszufieseln, was wirklich der knackpunkt hinter so viel emotion ist.
bisher bin ich noch immer drauf gekommen &
- konnte dann entweder weitergeben, daß da wirklich etwas ist, mit dem ich nicht klarkomme (& zwar nicht anklagend oder im gefühlschaos, sondern verständlich).
- oder ich bin bei einer meiner eigenen baustellen um einiges weitergekommen.
- oder auch beides  :icon_mrgreen:
bin ich froh, daß ich mir diese nachdenk-zigarette nicht angezündet habe, als ich die gasleitung abgemäht habe :icon_mrgreen:<br />oder: alles wird gut.
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Re: extreme Angst vor dem verlassen werden

Beitragvon MamaChaos » 16. November 2010 13:24

Vielen Dank für deine Antwort.

Jööö ich hab gar nicht jammern müssen *stolz bin*
Ich habe mir ja eine Liste für meinen Tag (Hausarbeit) gemacht und dabei mal wieder gesehen das diese Listen mir absolut gut tun.
Mein Schatz fehlt mir sehr,aber ich kann gerade tatsächlich damit umgehen wie eine Erwachsene  :froi1:.Er fehlt mir und ich lasse diese Sehnsucht zu aber ich halte mich  auch gerade sehr penibel an meine Liste und gebe meinem Tag damit eine Struktur.
Es ist eine Mischung aus Tagesplan,Beschäftigungstherapie,Kalender.
Mit jeder Aufgabe rückt die Rückkehr von ihm immer näher,und das hilft mir gerade ungemein.
Er ruft mich am Tag 3-4 Mal an und abends schreiben wir über einen Messenger und sehen uns per Cam.

Ich würde sagen,die Liste hilft mir sehr bei der Zeitüberbrückung und gibt mir Sicherheit.Und ich denke auch meine Verhaltenstherapie zeigt langsam etwas Wirkung. :ja:

Ich glaube ich gönne mir heute Abend zur "Belohnung" ein Entspannungsbad mit allen Extras. :smt023:

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