Unbehandelte ADHS vs. anankastische Persönlichkeitsstörung

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SaschaS
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Unbehandelte ADHS vs. anankastische Persönlichkeitsstörung

Beitrag von SaschaS » 26. März 2009 11:07

Hallo liebes Forum,

langsam bin ich verzweifelt und hoffe hier vielleicht auf Hilfe :icon_rolleyes:

Vor ein paar Jahren war ich schon mal wegen Depressionen und Ängsten in Psychotherapie und bekam für einige Monate Opipramol und irgendwas zum besser Schlafen. Das habe ich dann aber irgendwann nicht mehr weiter verfolgt als es mir zwischenzeitlich besser ging.

Nachdem unser Sohn vorletztes Jahr die Diagnose ADHS bekommen hat musste ich mich zwangsläufig wieder mit diesem Thema beschäftigen. Er ist seitdem in Behandlung (bekommt Medikinet) und entwickelt sich den Umständen entsprechend gut.

Ich persönlich jedoch bin als Kind zwar erkannt aber unbehandelt geblieben da meine Eltern damals Bedenken bzgl. der Medikamente hatten. Das war vor 30 Jahren alles noch in den "Kinderschuhen". Ich habe also den typischen Werdegang eines unbehandelten ADHS´lers hinter mir, auch wenn ich mein Leben mittlerweile recht gut im Griff habe (Familie, Job, etc.). Knapp ein Jahr nach dem Behandlungsbeginn unseres Sohnes bin ich dann ebenfalls von seinem Arzt in medikamentöse Therapie genommen worden und habe das Glück von ihm Equasym (off label) zu bekommen, derzeit je nach Tagesform 5-6x 10mg verteilt über den Tag.

Trotzdem ist da in mir gefühlt noch mehr, und daher bin ich mal auf die Suche nach Ursachen für meine innere Unruhe und depressive Stimmung gegangen. Viele Dinge sind mit der Medikation wesentlich  besser geworden, aber so richtig gut ist es noch wirklich nicht. Bei Wikipedia stiess ich auf folgendes:

... anankastische PS: ... Betroffene sind oft kaum lösbaren Konflikten ausgesetzt. Sie streben ständig nach Perfektion. Auf Grund ihrer selbstgesetzten übertrieben strengen und oft unerreichbaren Normen können sie jedoch ihre Aufgaben und Vorhaben nur schwer realisieren. Tendenziell sind sie mit eigenen Leistungen nie endgültig zufrieden. Eine übermäßige Beschäftigung mit Regeln, Effizienzfragen, unbedeutenden Details oder Verfahrensfragen stört ihre Übersicht. Dadurch kann die eigentliche Aktivität in den Hintergrund treten.

Zwanghafte Persönlichkeiten nutzen ihre Zeit schlecht. Wichtige Dinge werden bis zum letzten Augenblick aufgeschoben. Auch Freizeitaktivitäten müssen exakt geplant werden. Arbeit und Produktivität werden meist über Vergnügen und soziale Beziehungen gestellt.

Oft versuchen sie, ihr Tun logisch und rational zu rechtfertigen. Emotionales bzw. affektives Verhalten Anderer wird nicht toleriert. Durch ihre ausgeprägte Unentschlossenheit werden Entscheidungen immer wieder hinausgeschoben, was Ausdruck einer übertriebenen Furcht vor Fehlern ist. Diese kann dazu führen, dass Aufträge und Vorhaben überhaupt nicht erledigt werden können.

Auch sind sie außerordentlich gewissenhaft und spielen gerne den "Moralapostel". Bei sich und anderen nehmen sie alles sehr genau, auf Kritik von Autoritätspersonen reagieren sie außergewöhnlich sensibel und verletzt. Betroffene neigen zu Depressionen und weisen oft Symptome anderer Zwangserkrankungen auf, wobei ein innerer Zusammenhang zwischen den Störungen nicht unmittelbar zu erkennen ist.

Die Fähigkeit zum Ausdruck von Gefühlen ist häufig vermindert. In zwischenmenschlichen Beziehungen wirken Betroffene dementsprechend kühl und rational. Die Anpassungsfähigkeit an die Gewohnheiten und Eigenheiten der Mitmenschen ist eingeschränkt. Vielmehr wird die eigene Prinzipien- und Normentreue auch von anderen erwartet.

Sie sind nicht in der Lage, sich von abgetragenen oder nutzlosen Dingen zu trennen, auch wenn sie keinen Erinnerungswert haben, und geizen mit Geld.

Es ist anzumerken, dass die zwanghafte Persönlichkeitsstörung sich deutlich von der Zwangsstörung unterscheidet und Zwangsgedanken und Zwangshandlungen, die diese definieren, nicht einschließt. Obwohl die Verwendung der beiden ähnlichen Begriffe nahe legt, dass die beiden in Beziehung zueinander stehen, ist es nicht klar, dass sie das tun.

Nach einer verbreiteten Theorie ist die zwanghafte Persönlichkeitsstörung oft Folge von unbehandeltem ADHS, da Betroffene ihre Desorganisiertheit häufig dadurch zu kompensieren versuchen, dass sie sich zur Ordentlichkeit und Strukturiertheit regelrecht zwingen, um mit ihrer Detail- und Planungsversessenheit Fehler und Misserfolge zu verhindern.


Die entsprechenden ICD und DSM Klassifizierungen erfülle ich nach eigener Beurteilung mit jeweils ca. 6 von 8 Punkten  :icon_redface:

"Glücklicher Weise" entdecke ich bei mir nicht die Formen für eine "Zwangsstörung bzw. Zwangsgedanken" (kein Mr. Monk)...

Was kann ich jetzt tun ? Dieser ganze Mist hat massive, negative Auswirkungen auf meinen Job, meine eigene Verfassung, meine Ehe, meine Familie - also rundum. Habt ihr Erfahrungen mit dieser "Kombination" ? Leider sind die PS Klassifizierungen teilweile so schwammig, dass ich auch einige Punkte für Borderline oder BPS erfüllen würde, jedoch nirgendswo mit einer solchen Deutlichkeit wie bei der oben beschriebenen APS.

Für sachdienliche Hinweise, Ratschläge, Erfahrungsberichte oder einfach nur Verständnis wäre ich sehr dankbar  :icon_eek:
Zuletzt geändert von SaschaS am 26. März 2009 11:18, insgesamt 1-mal geändert.
Gnubbel
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Re: Unbehandelte ADHS vs. anankastische Persönlichkeitsstörung

Beitrag von Gnubbel » 27. März 2009 01:51

Hallo Sasha, ich gebe zu, dass ich erstmal ganz schön erschrocken war, als da - kaum dass ich mich von dem Asperger erholt hatte - schon wieder was von einer Persönlichkeitsstörung zu lesen war. Aber ich glaube, dass auch hier nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht ist. Was sie mir in den letzten zehn Jahren so für abenteuerliche "Diagnosen" bescheinigt hatten, da könnte ich mir heute ans Hirn langen. Auf das Einfachste bin ich dann selbst gekommen...

Wir Zweibeiner tun uns halt ein bisschen schwer mit "Abweichungen von der Norm". Die Frage ist doch vielmehr: Was ist eigentlich die "Norm", wer bestimmt, was "normal" ist? Über Jahrhunderte haben wir uns fürchterlich schwer getan, Homosexualität als "normal" zu empfinden. Dass ein Politiker sich vor dem Plenum als schwul outen muss, um einer Rufmordkampagne der Presse zuvorzukommen, zeigt doch, dass wir mit dem Thema noch lange nicht durch sind. Komisch - im antiken Griechenland war die "Knabenliebe" ein fester Bestandteil der Kultur derjenigen Männer, die sich das leisten konnten. Die griechische Mythologie ist so brechend voll davon, dass man sich fragt, wie die das eigentlich mit dem Kinderkriegen hinbekommen haben. :zwink:

Ich denke, auch beim Thema Persönlichkeitsstörung macht die Dosis das Gift. Ich meine, wenn ich mir ab und zu ein Haar rausreiße, bin ich doch noch lange kein Selbstverletzer. Und wenn ich mich nur schwer von liebgewordenen Gegenständen und Gewohnheiten trennen kann, bin ich doch auch noch kein Messie. Man ist schnell bei der Hand, jemanden in eine Schublade zu schmeißen. Ist ja so schön einfach: lochen, heften, ablegen, vergessen...

Meiner Meinung nach gehören solche Sachen, wie du sie zitiert hast, zur Überlebensstrategie, um nicht in dem Chaos zu versinken, mit dem einen die Umwelt tagtäglich konfrontiert. Erst wenn sich solche Verhaltensweisen verselbstständigen und einen echten Leidensdruck erzeugen, lohnt es sich, über eine Diagnose oder eine Therapie nachzudenken.

Und auch dabei ist es eigentlich ziemlich wurscht, welcher Professor sich welchen Namen für welches Leiden ausgeknobelt hat. Ich habe zusammen mit Magersüchtigen, Borderlinern und was weiß ich noch in der Gruppe gesessen und irgendwie hatten wir alle so ziemlich den gleichen Frust, nur jeder hat es für sich anders ausgelebt.

Mein Tipp: Vergiss den ganzen Kram mit den Schubladen, der bringt dich eh nicht weiter. Wenn du in Not bist, dann sag den Jungs in den weißen Kitteln, dass sie dafür bezahlt werden, dir da rauszuhelfen. :aufsmaul_2: Und dann lass sie darüber grübeln, was sie dir für eine Diagnose aufdrücken, und konzentriere ich darauf, dass es dir besser geht. :ja:
Der guten Menschen Hauptbestreben
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Frosch
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Re: Unbehandelte ADHS vs. anankastische Persönlichkeitsstörung

Beitrag von Frosch » 27. März 2009 13:15

Hallo Sascha,

ich denke auch das du dir nicht soviele Gedanken mache solltest, denn letzlich richtet man sich sein Leben so ein, wie man am besten klar kommt, und wenn Du das SO tust, ist es doch egal, oder? Man kann sich doch nicht vollkommen verändern nur weil man in so ein Persönlichkeitsprofil paßt, und wenn Du die anderen PS Profile mal durchliest, wirst du dich sicher auch noch öfter wieder finden. Diese Profile sind allgemein bezogene Verhaltensweisen, die auf jeden zutreffen, auf den einen mehr, auf den anderen weniger.
Ist doch nur ein Problem wenn DU NICHT klarkommst, so wie es ist. Aber wenn DU so zurecht kommst, und nicht darunter leidest, mußt Du dir den Schuh auch nicht anziehen, gibt schlimmeres.
Nimm doch einfach mal als Beispiel ein paar Leute aus deinem Umfeld, und versuch sie mal zu "analysieren" und schau mal ob DIE "normal" sind, einfach nur so zum Spaß, Du wirst sehen, die passen auch in die PS Profile, und haben die damit ein Problem? Sicherlich nicht. Dich wird das im Moment mehr beschäftigen, weil Du jetzt von Deinem ADHS weißt, was lange nicht der Fall war, und da ist es logisch das Du Dich mit Dir auseinanderseztz, und alles hiinterfragst, aber deswegen bist Du noch lange nicht unnormal. Du bist so wie Du bist, und versuchst nun Dein Leben anders zu organiesieren, damit das was Schwierigkeiten macht, nicht mehr passiert, das ist alles.
Ich habe ganz am Anfang meiner Diagnose auch gedacht das ich der unnormalste Mensch auf Erden bin, bis ich mich auseinandergestzt habe, und viel über ADHS gelernt habe, heute frag ich mich mittlerweile, ob nicht alle anderen unnormal sind, ist aber auch egal, wenn ich so klar komme, mit meiner Struktur, und meinen Ansichten, etc. dann ist es doch ok so, und wem es nicht paßt hat Pech gehabt, ICH muß damit Leben, also bestimme ICH auch wie das am besten geht.
LG
yadesu
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Re: Unbehandelte ADHS vs. anankastische Persönlichkeitsstörung

Beitrag von yadesu » 16. Dezember 2010 17:54

hallo Sascha :mm:
ist schon ein alter beitrag.Ich habe die anankastische störung.Da es ziemlich selten ist,konnte ich bis jetzt auch nicht viel in erfahrung bringen.
Frosch
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Re: Unbehandelte ADHS vs. anankastische Persönlichkeitsstörung

Beitrag von Frosch » 16. Dezember 2010 18:57

Hallo Yadesu,

schau mal hier, vielleicht, hilft Dir das etwas weiter.

http://de.wikipedia.org/wiki/Zwanghafte ... %C3%B6rung

LG
Enia
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Registriert: 28. August 2011 07:03

Re: Unbehandelte ADHS vs. anankastische Persönlichkeitsstörung

Beitrag von Enia » 8. September 2011 00:03

Huhu

Bei mir wurde auch die anankastische Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Ich finde, es hat schon auch viel mit der Konzentration zu tun. Schon im Kindesalter wurde bei mir festgestellt, dass diese bei mir sehr unterschiedlich ist, mal ganz schwach, dann wieder sehr intensiv, aber nicht regelmäßig, und schon da hatte ich anankastische Kennzeichen, um mich und auch meine Konzentration zu kontrollieren, muss aber sagen, dass der Hauptgrund meines Kontrollbedürfnisses in einer beängstigenden Kindheit liegt. Ich weiß noch, dass ich immer nur Gott vertrauen konnte, aber nie den Menschen um mich. Menschen machen Fehler, lassen im Stich, sind nicht zuverlässig, sind nicht verlässlich, bedrohen, vergewaltigen, töten, überfahren, schlagen, sind dumm, beschützen ihre Kinder zu wenig, sehen nicht die Gefahren, können ihre Leute nicht beschützen, versagen, behüten ihre Kinder zu wenig, lassen so viel Schreckliches geschehen, lassen Kinder in der Dritten Welt verhungern, ermorden ganze Volksstämme, lügen, betrügen, sind egoistisch, triebhaft, macht- und geldgierig, machen diese Welt zu einem unsicheren Ort voller Gefahren und erkennen diese nicht einmal.

Ich konnte meine Schwester nicht beschützen, als sie mich wirklich brauchte. Wenn ich nur mehr überlegt hätte, sie nicht allein gelassen hätte. Wäre ich nur gewissenhafter gewesen. Ich hätte es ahnen müssen, vorausschauend die Gefahr erkennen müssen. Dies hat stark mitgewirkt an meiner jetzigen anankastischen Persönlichkeitsstörung, aber auch der Kampf mit meiner Konzentration.

Lieben Gruß
Enia
Zuletzt geändert von Enia am 8. September 2011 00:07, insgesamt 1-mal geändert.
Enia
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Re: Unbehandelte ADHS vs. anankastische Persönlichkeitsstörung

Beitrag von Enia » 20. November 2012 17:58

Hallo da bin ich wieder mal!  :breitgrinse1:

Ich las immer wieder von der Kombi ADHS mit der zwanghaften Persönlichkeitsstörung, weil die (unbehandelte) ADSH dazu zwingt, exakt zu werden und so auszugleichen. Deshalb hatte ich mich hier auch angemeldet vor einiger Zeit, um dem nachzugehen, weil ich mich oft nicht konzentrieren kann, auch der Kontext zur Chronic Fatigue. Na ja.

Übrigens an alle mit einer diagnostizierten anankastischen bzw. zwanghaften Persönlichkeit (wie bei mir): Es gibt im englischsprachigen Raum eine aktive interne Community zur anankastischen Persönlichkeit. Es sind über 300 Leute, die aber nicht alle aktiv sind. Einfach OCPD forum eingeben in die Suchmaschine (das ist die Abkürzung des englischsprachigen Begriffs, wobei unbedingt das P mit dabei sein muss), dann wird man schnell fündig. Weiter bin ich interessiert am Kontakt zu Leidensgenoßen mit ebenfalls zwanghafter Persönlichkeit aus dem deutschsprachigen Raum, habe auch ein paar kennengelernt oder in Foren gesichtet. Es gibt also welche. Wenn sich genug melden, können wir uns evtl. zu einer Community zusammenschließen.

Ich setze mich übrigens gerade für einen Jungen ein, der ADHS hat. Er hat mächtig Probleme, leider, er nimmt auch die Medis nicht. Aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls dreht sich vieles bei mir um ADHS.

Lieben Gruss
Enia
Zuletzt geändert von Enia am 20. November 2012 17:59, insgesamt 1-mal geändert.
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