Landtagswahl

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Hanghuhn
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Landtagswahl

Beitragvon Hanghuhn » 13. März 2016 23:40

Ich sitze an meinem Computer, und neben mir läuft der Fernseher mit den Wahlergebnissen zu den aktuellen Landtagswahlen. Da erwartet uns ja eine tolle Bundestagswahl nächstes Jahr!
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Roosvelt
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Re: Landtagswahl

Beitragvon Roosvelt » 14. März 2016 05:30

ja, das befürchte ich leider auch :cry:
Eule
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Re: Landtagswahl

Beitragvon Eule » 14. März 2016 10:37

Tja, da bleibt nur zum einen selber wirklich wählen gehen, und zum anderen auch was sagen, wenn mal wieder jemand im eigenen Freundeskreis erwägt diesen unsäglichen Verein zu wählen weil der ja als einziger was gegen die Flüchtlinge machen will.

Eigentlich darf man die gar nicht wählen.

Schon gar nicht wenn man selber aus welchem Grund auch immer alleinerziehend ist, wenn man Unterhaltsansprüche oder -pflichten gegen einen Ex-Partner hat oder eine Scheidung im Bereich des vorstellbaren liegt, wenn man in seinem Umfeld Menschen mit Behinderung hat die man schätzt, wenn man ein niedriges Lohn-Einkommen oder gar HartzIV bezieht, wenn man mit seinem Chef zusammen 50/50 die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung bezahlt (was eigentlich jeder im Lohn-/Angestellten-Verhältnis tut) und noch so einiges mehr.

Und das kann man den Leuten die glauben dass das die richtige Idee ist gar nicht oft genug sagen. In diesem Programm steht verdammt vieles drin, was es gerade für die Leute die jetzt schon zu den "Benachteiligten", "Armutsgefährdeten" gehören noch schlimmer macht. Aber das verrät dieser tolle Verein ja nicht, sondern trommelt lieber mit dieser blöden Stimmungsmache rum. Unabhängig davon bleibt zu hoffen dass sich auch die sogenannten etablierten Parteien endlich angemessen und lösungsorientiert statt mit hohlen Phrasen um das Thema Flüchtlinge, und auch um Themen wie Sozialleistungen, bildung, Kultur und sonstige Unterstützung besonders für Einkommensschwache oder sonstwie "Gefährdete" kümmern, die aufgrund ihrer begrenzten Möglichkeiten nur wenig Zugang dazu haben.
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Roosvelt
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Re: Landtagswahl

Beitragvon Roosvelt » 14. März 2016 11:15

Wählen gehen sollte man auf jeden Fall. Schon allein weil es ein Recht ist. Und ich bin fest überzeugt, dass wenn viele Leute dieses Recht dauerhaft nicht benutzen, irgendwann wird irgendwelche Partei uns das Wahlrecht entziehen. Erst dann wenn man was verloren hat, weiß man wie wichtig es eigentlich war.
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Re: Landtagswahl

Beitragvon Hanghuhn » 14. März 2016 18:33

Mir kommt dieser Jubel und die Freude darüber, dass nun endlich jemand etwas gegen die Flüchtlinge mache, unsäglich vor.

Europa ist dabei, kläglich zu versagen. Osteuropäische Länder schließen sich zusammen und verschanzen sich gemeinsam mit immer mehr europäischen Stammländern hinter dem Argument, die EU sei keine Werte-, sondern eine Vertragsgemeinschaft. Dass Europa eines Tages von einem Strom von Menschen, die ums nackte Überleben kämpfen, überrollt wird, hatte bei der Gründung der EU keiner auf dem Schirm.
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Re: Landtagswahl

Beitragvon EmmaGSLehrerin » 14. März 2016 20:08

Mich packt beim Anblick von dem, was an der Grenze zu Mazedonien passiert, die nackte Wut.
Für mich ist das auch überhaupt nicht "weit weg". Ich bin einmal pro Woche in der Notunterkunft vor Ort und arbeite mit den Kindern.
Für mich ist das ganz nah, die Vorstellung, dass genau diese Kinder nun in Indomi im Zelt sitzen und frieren.

Und ich habe selbst ein Baby und einen Vierjährigen zu Hause, das macht das Distanzieren nicht wirklich einfacher.

Und nein, ich bin deshalb keine, bei der man "ja GAR nix sagen darf". Aber gewisse Dinge, die sind einfach indiskutabel. Und die AfD gehört dazu.

Und wenn ich dann sowas sehe... https://www.facebook.com/jungundnaiv/ph ... =3&theater

WARKS! *kopfklatschsmilie*
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Re: Landtagswahl

Beitragvon Ilayda » 14. März 2016 21:59

Emma, ich bin ja weit davon entfernt, AfD wählen zu wollen, ich bin eher deutlich links gerichtet.

Vielleicht daher auch eher der Versuch einer Interpretation...
Ich glaube, dass tatsächlich viele Wähler AfD gewählt haben, da sie sich von der Politik nicht mitgenommen fühlen.
Angela Merkels "Wir schaffen das" hat Ratlosigkeit hinterlassen, weil keiner wusste, WAS sollen wir schaffen, WIE wollen wir es schaffen? Und dabei noch
-> in welchem Umfang wollen wir Flüchtlinge aufnehmen?
-> wo ist die faktische Grenze, die unsere (Volks-)Wirtschaft verkraften kann?
-> Wie wollen wir die Integration schaffen, sowohl bei der Bildung (Lehrer-/Erzieherstellen), in der inneren Sicherheit (Polizeiplanstellen), auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt? Wie ist das finanziell zu stemmen? Was kommt da auf mich persönlich an finanzieller Belastung zu? (Und es soll mal keiner behaupten, dass das Ganze zum Nulltarif zu haben ist... Da erwarten die Menschen und auch ich Offenheit)
-> Wie wollen wir mit tatsächlich vorhandenem patriarchischem Denken bei den Flüchtlingen umgehen, das in der soziokulturellen Prägung begründet liegt? Wie mit darauf resultierenden Verhaltensweisen, die bei uns kulturell nicht legitim sind?
-> Wie wollen wir unsere Werte behalten, die unsere Land zu dem machen, was es ist? Und zwar gleichzeitig mit einer Willkommenskultur, die aber, wie allen klar sein muss, nicht grenzenlos sein kann?
-> Wie wollen wir Parallelgesellschaften verhindern, was leider in der Vergangenheit nicht verhindert wurde? Welches Konzept bietet Politik hier?

Leider wurde da - und wird weiterhin - von unseren etablierten Parteien einfach zu wenig Profil geboten.
--> Nochmal: Ich bin NICHT der Meinung, dass die AfD da mehr Antworten bietet, das ist von vielen der Wähler eine Flucht! --> Wenn keiner weiß, wie es MIT den Flüchtlingen weitergeht, dann doch lieber ganz OHNE Flüchtlinge. (zumindest denke ich, dass genau das dahinter steht. Angst vor dem Unbekannten und niemand macht das Unbekannte bekannt)

Also: Wenn die etablierten Parteien die Bürger zurückholen wollen, dann müssen sie Antworten geben, und das mag unbequem sein, aber das gehört zu Politik und Demokratie dazu. Die Politik muss zu den Menschen kommen und nicht die Menschen zu der Politik.
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Re: Landtagswahl

Beitragvon EmmaGSLehrerin » 15. März 2016 06:10

Mir geht da auch vieles viel zu langsam. Da rennst du bei mir offene Türen ein.

Nur mal als Beispiel:
Wir (Ehrenamtler) haben kürzlich versucht, eine Irakerin nach der Zuteilung in unseren Kreis zurückzuholen. Sie hatte in der Notunterkunft quasi den Kinderspieleraum im Alleingang mit ein paar anderen Bewohnern nutzbar gemacht. Die äußeren Rahmenbedingungen (Raum, Spielzeugspenden, etc.) kamen natürlich nicht von ihr, aber sie hat quasi die gesamte Organisation gewuppt, da die eigentlich zuständige Person dafür etwas zu... musisch veranlagt war.
Und immer, wenn wir Ehrenamtler etwas organisieren wollten (Ausflüge, Bastelaktionen...), haben wir uns an diese Irakerin gewandt: "Könntest du X Kinder zusammentrommeln, könntest du eine Liste machen, wer alles..., könntest du dafür sorgen, dass die morgen alle mit vernünftigem Schuhwerk an Treffpunkt Y stehen, wir brauchen X Eltern unter den Bewohnern, die uns begleiten..." etc. Im Gegensatz zu der Person, die da eigentlich dafür bezahlt wurde, konnte man sich nämlich bei dieser Irakerin nämlich zu 100% darauf verlassen, dass das dann auch genau so passierte!

Das Jobangebot bezog sich auf eine Stelle, in der sie Flüchtlingskinder beim Ankommen an deutschen Schulen begleitet hätte. Und: Wir hätten für sie und ihre Familie auch sofort eine Wohnung an der Hand gehabt!

Leider hätte das Jobangebot SOFORT eine unbefristete (!!!) Stelle beinhalten müssen, mit der sie ihre 5-köpfige Familie (!!!) aus dem Bedarf hätte holen müssen! *kopfklatschsmilie*

Verdammt noch mal, DAS sind GENAU die Menschen, die als Bindeglied fungieren könnten, um den weniger "Integrationskompetenten" Türen zu öffnen!

Und diese Frau versauert jetzt irgendwo auf dem platten Land erstmal 2 Jahre mit vollen Hilfsbezügen - da könnt ich um mich hauen! (auch als Steuerzahlerin!)
Und solche Leute haben wir mit jedem Schwung neuer Bewohner. Dieses Potential müssten wir ganz dringend NUTZEN, anstatt die Leute erstmal alle aufs Abstellgleis HARTZ 4 zu stellen, bis der Asylantrag durch ist!


SO wird das natürlich NIX mit der Integration!
Du hast ganz recht: Wir haben in der Vergangenheit gesehen, wie Integration NICHT funktioniert. Und jetzt sind wir auf dem besten Wege, diese Fehler zu wiederholen, da der gesamte Apparat zu lahmarschig ist, um neue Wege zu gehen.

Trotzdem ist nach meinem Demokratieverständnis immer noch jeder für sein Kreuzchen selbst verantwortlich.
Das heißt nicht, dass ich dir nicht zustimme, aber das ist der Grund, weshalb mich das Wahlergebnis so wütend macht.

Wahrscheinlich hast du da den vernünftigeren Ansatz. Ich sollte mir bei diesem Thema vielleicht ein paar Schlappohren zulegen und das Ganze etwas buddhamäßiger betrachten. 8-)
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Re: Landtagswahl

Beitragvon Ilayda » 15. März 2016 07:19

Emma, da hast Du voll und ganz recht!
Dieses ständige Verwaltungs-Verhinderungshandeln ist der absolute Hemmschuh für die Integration.
Ich würde mir auch wünschen, dass das alles deutlich unkomplizierter ginge, auch mit dem Spracherwerb.

Ich sehe das Abschneiden der AfD vielleicht auch deswegen nicht so emotional, weil ich davon überzeugt bin, dass unsere Demokratie das aushält. Ich bin absoluter Gegner jeglicher rechtsextremer, rassistischer, antisemitischer etc. Strömungen und vor den tatsächlichen Nazis unter den AfD-Wählern habe ich Angst bzw. sehe sie als Demokratiefeinde an. Das sind aber bei weitem nicht alle, die die gewählt haben und die vernünftigeren unter denen werden über kurz oder lang bemerken, was sie da für eine Scheiße gebaut haben.

Viel bedenklicher finde ich, dass SPD/CDU das Wahlergebnis ja sogar noch als Bestärkung sieht ("über 80% der Bevölkerung sind für unseren Kurs") und daher die Tendenz, die Ängste, die Besorgnis und vor allem die Verunsicherung ob der offenen Fragen NOCH IMMER nicht realisieren und darauf vernünftig reagieren. Denn DAS könne für eine Verhärtung und Ausweitung dieses rechten Randes führen. DAS macht mich wütend.

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