Gestern auf der Fortbildung

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EmmaGSLehrerin
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Gestern auf der Fortbildung

Beitrag von EmmaGSLehrerin » 1. März 2016 06:29

Referentin so: "Wissen Sie, zwei Drittel aller Kinder bekommen MPH zu Unrecht."

Ich so: "Oh, das ist ja interessant. Gibt es dazu Untersuchungen, ja?"

Referentin so: "..."

Ich so: "Das würde mich sehr interessieren."

Referentin so: "Wissen Sie, da gibt es sooo viele unterschiedliche Ansichten und Untersuchungen, und jeder Forscher kommt zu einem anderen Schluss..."

Ich so: "..."

Referentin so: "Wissen Sie, überlegen Sie mal, wenn Michel von Lönneberga..."

Ich so: "Wenn ich für Michel von Lönneberga den Lehrer Fragebogen im Rahmen der ADHS-Diagnose ausfüllen müsste, würde ich bei den allermeisten Punkten "unauffällig" ankreuzen".

Referentin so: "Kennen Sie eigentlich das Almprojekt von Gerald Hüther?"

:emma:
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Menolly
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Re: Gestern auf der Fortbildung

Beitrag von Menolly » 1. März 2016 06:37

:kk:
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EmmaGSLehrerin
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Re: Gestern auf der Fortbildung

Beitrag von EmmaGSLehrerin » 1. März 2016 16:11

Hab mich heute mit einer Kollegin drüber gemailt.

Sie kennt nicht viel von Hüther, traf aber trotzdem ins Schwarze, was seine Reden angeht:
wenn alle jubeln und alles sooooo eindeutig ist bin ich ja immer misstrauisch ...
:ichboss:
Zuletzt geändert von EmmaGSLehrerin am 1. März 2016 16:12, insgesamt 1-mal geändert.
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ADHDgoesto11
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Re: Gestern auf der Fortbildung

Beitrag von ADHDgoesto11 » 1. März 2016 16:54

[quote="EmmaGSLehrerin"]

Referentin so: "Kennen Sie eigentlich das Almprojekt von Gerald Hüther?"

[/quote]

Haha.

"Das Almprojekt, das bei den meisten Beteiligten zu keiner Verbesserung geführt hat?"  :breitgrinse1:

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EmmaGSLehrerin
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Re: Gestern auf der Fortbildung

Beitrag von EmmaGSLehrerin » 1. März 2016 17:34

Das wurde ja nie untersucht, welche Langzeitwirkungen erzielt wurden.

Das ist eben das, was mich bei Hüthers Reden so auf die Lampe setzt: Seine ideologisierte Argumentation, die sich von Anekdote zu Anekdote hangelt und diese Anekdoten als Beweisführung verkauft,statt dass er seine Thesen mit empirischen Untersuchungen unterfüttert.
Ich komme aus einer Familie von Naturwissenschaftlern und mir rollt sich da ALLES auf.

Das ist übrigens etwas, das Hüther und Winterhoff gemeinsam haben: Sie verfolgen mit ihren "Forschungen" einzig das Ziel, ihr in sich geschlossenes Weltbild immer wieder zu bestätigen. Denn DAS ist einfach, und einfach lässt sich verkaufen!

Deshalb fand ich den Satz meiner Kollegin auch so treffend!

Beide in einen Sack und draufhauen - du triffst immer den Richtigen.
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Falschparker
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Re: Gestern auf der Fortbildung

Beitrag von Falschparker » 1. März 2016 18:28

Hallo Emma,

welche Langzeitwirkungen sollen denn erzielt werden? Das Ganze funktioniert, wenn überhaupt, solange die Kinder auf der Alm sind. Denn kommen sie wieder, haben sie dadurch doch keine andere Hirnchemie.

Außer vielleicht, dass die Kinder die Erfahrung gemacht haben, dass es ihnen mit viel Bewegung und wenig Mediennutzung besser geht. Dafür braucht es aber nicht so ein aufwändiges Projekt, und das ist auch kein Entweder-Oder im Verhältnis zu Medis.

Ich wäre nicht sicher, ob Michel aus Lönneberga unauffällig wäre. Es geht ja größtenteils um ein Vorschulkind, die Geschichte hört mit der Einschulung (und dem Kuss der Lehrerin) auf, jedenfalls in den Filmen (geht es in den Büchern weiter?). Dann wird noch erzählt, Michel wurde später Bürgermeister. Vermutlich war er in der Schule tatsächlich unauffällig. Die geduldige Mutter und der verständnisvolle Knecht tragen sicher zur Kompensation bei, außerdem kann er sich viel bewegen. Aber viele Kinder haben oder hatten nicht so viel Glück.

Zu denken, heute würde Michel mit ADHS etikettiert und mit Ritalin ruhiggestellt werden, und das wäre sehr grausam, ist romantisierend. Sich als Opfer seiner Impulsivität zu erleben, ist in diesem Fall lustig anzusehen, aber eine schöne Kindheit geht anders, wenn man bedenkt wie viele Auseinandersetzungen es mit dem Vater gibt und wie viele Stunden und Tage er im Schuppen verbringt.

Sauer macht mich, dass Leute mit so unreflektierten Standpunkten nicht nur bei Kaffeekränzchen mitplaudern, sondern Lehrerfortbildungen machen.  :beiss:
Zuletzt geändert von Falschparker am 1. März 2016 18:30, insgesamt 1-mal geändert.
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Yogamaus
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Re: Gestern auf der Fortbildung

Beitrag von Yogamaus » 1. März 2016 18:59

Hallo an Euch,
Zusatz zum Almprojekt. Abgesehen davon, dass alle nach einiger Zeit oder gleich wieder ihre Medikation und andere Therapien wieder aufgenommen haben, gab es ja noch einen viel schlimmeren Vorfall.
Einer von den Betreuern bzw. Erlebnispädagogen  hat sich an einem Jungen vergriffen, als sie auf der Alm waren, welch traumatische Erfahrung!!  Dieser Pädagoge hat sich auch noch als "Alibi" mit der Mutter versucht eine Beziehung anzufangen, um auf diese Weise den Jungen weiter im Kontakt zu haben. Hüther und sein Team wollten wohl das unter den tisch kehren, aber als sich der junge anvertraut hat, kam es dann doch zur Anzeige. ich hatte gelsen, dass sich die katholische Kirche in Bayern u.a. sich davon in distanziert hat. keiner durfte das Projekt publizieren. Googelt mal nach. denke man findet noch was drüber auf älteren Seiten.



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Falschparker
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Re: Gestern auf der Fortbildung

Beitrag von Falschparker » 1. März 2016 19:45

Was war denn eigentlich Thema der Fortbildung?
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Ilayda
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Re: Gestern auf der Fortbildung

Beitrag von Ilayda » 1. März 2016 20:30

Und das Schlimmste: Es gibt mit Sicherheit Kolleginnen von Dir, die sich nicht so intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt haben (man kann ja auch nicht in allen Themen zu 100% fit sein), und die - weil es ja eine qualifizierte Fortbildung von einer qualifizierten Schulungskraft ist - der Referentin dann glauben und mit genau diesem Bild in den Schulalltag zurückkehren...  :icon_eek: :schäm:
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Re: Gestern auf der Fortbildung

Beitrag von ADHDgoesto11 » 2. März 2016 08:18

[quote="EmmaGSLehrerin"]
Das wurde ja nie untersucht, welche Langzeitwirkungen erzielt wurden.
[/quote]

Wenn man mal die bekannte Fernsehdokumentation zu dem Projekt bis zum Ende ansieht, dann merkt man auch, warum: Schon die Kurzzeitwirkung ließ sehr stark zu wünschen übrig; eine Untersuchung der Langzeitwirkung erübrigte sich.

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EmmaGSLehrerin
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Re: Gestern auf der Fortbildung

Beitrag von EmmaGSLehrerin » 2. März 2016 21:23

[quote="Ilayda"]
Und das Schlimmste: Es gibt mit Sicherheit Kolleginnen von Dir, die sich nicht so intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt haben (man kann ja auch nicht in allen Themen zu 100% fit sein), und die - weil es ja eine qualifizierte Fortbildung von einer qualifizierten Schulungskraft ist - der Referentin dann glauben und mit genau diesem Bild in den Schulalltag zurückkehren...  :icon_eek: :schäm:
[/quote]

Also, halbwegs erfahrene Kollegen verdrehen bei der Michel aus Lönneberga-Nummer auch nur noch die Augen. :icon_rolleyes:

Die transportiert ja auch das Bild vom Lehrer, für den alle Kinder 08-15 sein müssen, sonst schickt er sie sofort zum Arzt.



[quote="Falschparker"]
Was war denn eigentlich Thema der Fortbildung? [/quote]

Die FoBi hatte eigentlich das Thema "Fallberatung". Zum Einstieg gabs einen fiktiven Schüler, zu dem wir einen Förderplan in Gruppenarbeit erstellen sollten.
Der Schüler hatte Schwierigkeiten im familiären Umfeld (Mutter alleinerziehend mit häufigen Partnerwechseln und Umzügen) und war in der Schule verhaltensauffällig bei weniger engen Bezugspersonen (Fachlehrer, 400 Euro Kräfte in der OGS)
Es gab zusätzlich eine ADHS Diagnose + Behandlung mit MPH.
Der Junge ging in die OGS und in der Fallbeschreibung stand, dass seine Medikamente gegen 14:00 Uhr aufhören zu wirken, die OGS Kräfte stellten aber keine Veränderung fest (von 13:30 bis 14:30 wurden die Hausaufgaben mit den Kindern gemacht).

Beim Ausarbeiten des Förderplans hatten wir Lehrer uns auf die pädagogischen Fragen konzentriert. Unserer Ansicht nach hatte das Kind aufgrund der häufigen Bindungsabbrüche ein Problem damit, sich auf neue Bezugspersonen einzulassen. Und wurde verhaltensauffällig, um neue Personen auf ihre Zuverlässigkeit hin zu testen.
Wir haben dann einen Schlachtplan ausgearbeitet, wie das Kind den Kreis der Personen, denen es Vertrauen schenkt, langsam erweitern kann.

Das fand die Referentin genau richtig. ABER sie war auch der Ansicht (und das war ihr gaaanz wichtig), dass mit dem Arzt gesprochen werden solle: Wenn die Medikamente in der OGS aufhörten zu wirken, und beim Kind keine Veränderung festzustellen sei, dann sei die ADHS Diagnose wahrscheinlich falsch und die Medikamente müssten abgesetzt werden.

Wir Lehrer waren hingegen der Ansicht, dass erstmal die Bedingungen im schulischen Umfeld stabilisiert werden müssten, und DANN könne man gemeinsam mit Mutter und Arzt immer noch über einen Auslassversuch nachdenken.
Und nicht alles auf einmal, wenn sich das Kind eh gerade schwertut.

Das sahen meine Kollegen aber alle ähnlich wie ich.
Zuletzt geändert von EmmaGSLehrerin am 2. März 2016 21:23, insgesamt 1-mal geändert.
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Ilayda
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Re: Gestern auf der Fortbildung

Beitrag von Ilayda » 2. März 2016 22:50

:top:
lenilein
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Re: Gestern auf der Fortbildung

Beitrag von lenilein » 2. März 2016 23:16

[quote="ADHDgoesto11"]
[quote="EmmaGSLehrerin"]
Das wurde ja nie untersucht, welche Langzeitwirkungen erzielt wurden.
[/quote]

Wenn man mal die bekannte Fernsehdokumentation zu dem Projekt bis zum Ende ansieht, dann merkt man auch, warum: Schon die Kurzzeitwirkung ließ sehr stark zu wünschen übrig; eine Untersuchung der Langzeitwirkung erübrigte sich.
[/quote]

das krasseste an der Geschichte ist, die Doku ist bis zum Ende nicht mehr zu finden. Auf YT gibt es ein Video mit drei zusammengeschnittenen Dokus eben auch der bekannten von der Alm und das Ende wurde einfach rausgeschnitten  :108:

Zum Thema wollte ich euch aber auch noc an höchster Kompetenz teilhaben lassen:

In der Uni haben wir einige Seminare oder Praktika zusammen mit Lehramtsstudenten höherer Fachsemester. Ein kommilitone hat vor dem Studium ein FSJ gemacht und beichtete von einem Schüler, der wirklich positive mit MPH behandelt wurde. Worauf hin der Lehramtsstudent meinte: es ginge ja gar nicht, dass man einem UNSCHULDIGEM Kind Drogen verabreiche, sobald er Lehrer wäre, würde er ja dafür sorgen,dass seine Schüler diesen Müll nicht bräuchten!

:klatsch2:
bin ich außergewöhnlich, bin ich anders, bin ich besonders, nein ich bin einfach ich jeder, der das nicht so sieht, der ist es nicht!
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Re: Gestern auf der Fortbildung

Beitrag von Falschparker » 2. März 2016 23:25

EmmaGSLehrerin hat geschrieben:Unserer Ansicht nach hatte das Kind aufgrund der häufigen Bindungsabbrüche ein Problem damit, sich auf neue Bezugspersonen einzulassen. Und wurde verhaltensauffällig, um neue Personen auf ihre Zuverlässigkeit hin zu testen.
Ist das nicht ein Bisschen viel Interpretation- bei einem Kind das niemand von euch gesehen hat?
in der Fallbeschreibung stand, dass seine Medikamente gegen 14:00 Uhr aufhören zu wirken, die OGS Kräfte stellten aber keine Veränderung fest (von 13:30 bis 14:30 wurden die Hausaufgaben mit den Kindern gemacht).

(...)

ABER sie war auch der Ansicht (und das war ihr gaaanz wichtig), dass mit dem Arzt gesprochen werden solle: Wenn die Medikamente in der OGS aufhörten zu wirken, und beim Kind keine Veränderung festzustellen sei, dann sei die ADHS Diagnose wahrscheinlich falsch und die Medikamente müssten abgesetzt werden.
Ach so? Das ist doch in sich unlogisch. Wenn es keine Veränderung gibt, endet die Wirkung, wenn es eine gibt, offenbar vorher oder nachher, aber eben nicht während dieser Zeit. War denn klar, dass die Dosis (noch) die Richtige war?

Medikamentenwirkung bis 14:00, wenn die Hausaufgabenbetreuung bis 14:30 geht, ist sowieso eine bescheuerte Idee.
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Falschparker
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Re: Gestern auf der Fortbildung

Beitrag von Falschparker » 2. März 2016 23:27

@Leni: Medikamente ab sofort nur noch für schuldige Kinder!
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Eule
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Re: Gestern auf der Fortbildung

Beitrag von Eule » 2. März 2016 23:28

Eine Referentin die glaubt die Lehrer sollten den ARZT ansprechen hat aber irgendwie den Schuss nicht gehört. Die allererste Adresse sind die Eltern, in diesem konstruierten Fall die Mutter. 

Ich finde eure Lösung sinnvoll, das Kind hat eindeutig eine ganze Menge weitere baustellen außer ADHS.

Nebenbei: Wie kommt diese Referentin auf die idee dass die Mediwirkung um 14h endet ohne dass das merkbar ist? Theoretisch ist das möglich wenn man von einer nicht ganz unüblichen Wirkdauer und einer Einnahme zwischen 7h und 7.30h ausgeht. Es ist aber ebenso möglich, dass es noch eine halbe Stunde länger wirkt. Oder dass die Fähigkeit sich auch ohne Mediwirkung zusammenzureißen grad so für diese halbe Stunde Hausaufgaben noch ausreicht, und danach ein etwas ADHS-kompatibleres Programm in der Betreuung läuft so dass es gut geht. Aber daraus gleich zu folgern die Medis würden unberechtigt gegeben ist ein Unding.

Da ist es richtig erfreulich zu sehen dass es auch Lehrer gibt die sinnvollere Ideen haben als Klischee- MPH-Bashing kombiniert mit Hüthers ideologisch vermurxtem Anti-Psychiatrie-Zirkus und offenbar auch mehr Klischeevorstellungen als echtes Wissen darüber um was es sich bei ADHS handelt.

Leider funktioniert aber diese Art von Fehlinformation  - und es gibt in meinem Umfeld etliche Lehrer in verschiedensten Schulformen, von denen nur die allerwenigsten eine Ahnung haben was ADHS tatsächlich bedeutet oder wie hilfreich Medikamente sein können.
Falschparker
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Re: Gestern auf der Fortbildung

Beitrag von Falschparker » 2. März 2016 23:32

Übrigens, wie alt ist das Kind? Einerseits kann sich gerade ein ADHS-ler schlecht lange am Stück auf Hausaufgaben einlassen, andererseits hat er dann gerade alles ausgepackt, dann ist die eine Stunde schon vorbei, oder?

Klar hat dieses Kind mehr Baustellen als ADHS und eine wohl schlechte Medikation.
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lenilein
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Re: Gestern auf der Fortbildung

Beitrag von lenilein » 2. März 2016 23:37

[quote="Falschparker"]
@Leni: Medikamente ab sofort nur noch für schuldige Kinder!
[/quote]

achso ja klar. Das erscheint natürlich viel logischer  :6094:

Ansonsten finde ich es auch gut, wie die Lehrer die Situation regeln wollen würden, eine Referendarin, die einen Arzt konsultieren will, wieso genau(?), schießt meiner Meinung nach definitiv über's Ziel hinaus.
bin ich außergewöhnlich, bin ich anders, bin ich besonders, nein ich bin einfach ich jeder, der das nicht so sieht, der ist es nicht!
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Re: Gestern auf der Fortbildung

Beitrag von Elchi » 4. März 2016 10:01

Ob diese Lehrerin, die da gleich den Arzt kontaktieren will, wohl schon mal was von ärztlicher Schweigepflicht gehört hat ???
Manchmal kann man einfach nur den Kopf schütteln, auch wenn dieser Fall nur konstruiert ist  :kk:

LG
ELchi
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Re: Gestern auf der Fortbildung

Beitrag von EmmaGSLehrerin » 4. März 2016 16:46

Leute, legt doch nicht alles auf die Goldwaage bei einem konstruierten Fall.  :breitgrinse1:

Es sollte mit dem Arzt gesprochen werden, welchen "Dienstweg" das gehen sollte, SO sehr sind wir da nicht ins Detail gegangen.
Und der Weg geht IMMER über die Erziehungsberechtigen, allein schon wegen der Schweigepflicht. Aber auch, weil die Erziehungsberechtigten sowieso die ersten Ansprechpartner sind.

Und Falschparker: Als Lehrer arbeitest du mit dem, was du hast. Und das mit einer Mischung aus Beobachtungsgabe, gesundem Menschenverstand und einem gerüttelt Maß an Küchenpsychologie.

Wir sind keine Therapeuten und haben auch nicht den Anspruch, welche zu sein.

Und kein Mensch geht zur Mutter und erklärt ihr: "Wir glauben, Ihr Kind hat eine Bindungsstörung, weil Sie Ihre Partner so oft wechseln"
Sondern: "Kann es sein, dass es Ihrem Kind schwerfällt, sich auf neue Personen einzulassen? Wir schlagen vor, dass es möglichst oft mit Bezugsbetreuerin X Hausaufgaben macht, zusätzlich 2mal pro Woche mit fremder Betreuerin y. Wenn es mit y gut klappt, weiten wir den Personenkreis auf z aus..."

Soll heißen: Wir überlegen, weshalb das Kind sich MÖGLICHERWEISE so verhält, wie es sich verhält. "Therapieren" können wir es nicht. Wir können höchstens versuchen, es bei Verhaltensänderungen zu unterstützen.

Dabei ist es aber wichtig, eine Idee davon zu haben, worin die Ursache für das Verhalten liegen könnte. Ein Kind, das bei Bezugsbetreuer und Klassenlehrerin vernünftig arbeitet, und bei Fachlehrern und fremden Betreuern nicht, dem wird höchstwahrscheinlich keine Anpassung der Medikamentendosis helfen! Genauso unwahrscheinlich ist es, dass eine Anpassung des Schwierigkeitsgrades bei den Hausaufgaben hilft (wie man es tun würde, wenn man den Eindruck hat, das Kind ist überfordert). Auch Nachsitzen würde höchstwahrscheinlich keine nachhaltigen Erfolge bringen, weil dem Bedürfnis des Kindes nach zuverlässigen Bezugspersonen dadurch nicht entsprochen würde.

Ein Förderplan wird sowieso immer mit den Eltern besprochen und nach spätestens 2-3 Monaten wird in einem erneuten Gespräch überlegt, ob die Maßnahmen erfolgreich waren und wie es weitergeht.
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