Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

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Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von Shadow » 1. Dezember 2012 00:00

Es steht super in der Süddeutschen, bei Hr. Mollarth bezweifelt man nun schon sehr stark, ob das wirklich ein Fall für die Psychiatrie  ist.
Es könnte gut sein, dass so elegant ein unliebsamer Zeuge beseitigt wurde.

http://www.sueddeutsche.de/bayern/hinte ... -1.1534996
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Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von No User » 1. Dezember 2012 01:04

Na, das ist ja auch gemeingefährlich: In der Öffentlichkeit zu behaupten, es gäbe so etwas wie Steuerhinterziehung und dann auch noch stur bei diesen Schwarzgeld-Phantasien bleiben. Ein Glück, dass man solche Leute so einfach lebenslang wegsperren kann. Dazu braucht man ihn noch nicht mal untersuchen, allein vom Hörensagen: Wer behauptet, seriöse Banken könnten Beihilfe zur Steuerhinterziehung leistet, der muss ja paranoid sein.

Was sonst noch an Vorwürfen durch den Raum waberte, war Aussage gegen Aussage, zusammen mit bemerkenswertem Zeitabstand, so dass auf entsprechende Verletzungen nicht mehr untersucht werden konnte. Und Indizien für Reifenstecherei. Ich möchte gar nicht wissen, wo manche Richter, Staatsanwälte und Ärzte ihr Geld angelegt haben.

Es gibt eine Zeugenaussage, wonach dies ein Vorgang mit Ansage war: Mollaths Frau hatte vor, ihn ruhigzustellen. Auch interessant: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/f ... 70264.html

Das ganze mag in Wahrheit komplizierter sein, trotzdem wirft es ein ganz schlechtes Licht auf das Rechtssystem und dem Image der Psychiatrie tut es auch nicht gerade gut. Mit dieser Intransparenz erhält die Rechtstaatlichkeit eine Hintertür. Warum Psychiater sich schwer tun, angeblich gefährliche Patienten für unbedenklich zu erklären, wird an anderen Fällen klar. Gesellschaft und Medien erwarten von ihnen, ihren Patienten mit absoluter Sicherheit in den Kopf und in die Zukunft zu schauen, womit sie freilich überfordert sind.

Diese Einschätzung kann ja sowieso nur falsch sein: Begutachten sie sie als gefährlich, bleiben sie in der Geschlossenen und können die vorhergesagten Verbrechen (wie öffentliches Reden über Schwarzgeld) nicht begehen. Entlässt man sie als ungefährlich, könnten sie aber z.B. einen Verkehrsunfall bauen. Wer kann das schon verantworten?

LG
Steffchen

PS: beim Antworten wird hier mit "Re:.." der Betreff zu lang (Fehler). Das ist wohl "originell" programmiert.
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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von Shadow » 1. Dezember 2012 01:25

PS: beim Antworten wird hier mit "Re:.." der Betreff zu lang (Fehler). Das ist wohl "originell" programmiert.
Bei mir klappt es jetzt  :zwink:
Zuletzt geändert von Shadow am 1. Dezember 2012 01:26, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von No User » 1. Dezember 2012 02:00

Komisch, in IE10 kann ich es reproduzieren, aber nicht immer, in Chrome gar nicht? Es rahmt den Betreff rot ein und meckert im Popup was von mehr als 80 Zeichen.

Aber Menno, jetzt mache ich mir Sorgen. Denk ich an Bayern in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht...

Stell dir jetzt mal vor: Verbrecherische Bankdatendiebe rauben (kopieren) Daten der Schweizer Geldanlagen unserer ehrenwerten Leistungsträger (altmodisch auf CD), darunter vllt. diverse Richter, Psychiater und Justizministerinnen. Vor allem aber mit Fakten, die aus "Paranoia" einen detailverliebten Perfektionismus machen. Was wird dann mit dem Gustl?

Entlassen? Der kann ja jetzt gar nicht mehr klar kommen in der Irrenanstalt da draußen. Eurokrise, Bankenrettung, Alternativlosigkeit, mobiles Internet, iPhone, iPad und Co,... Der Mann hatte über sechs Jahre kein Internet, kein Telefon, keinen Sex, keine Bewegungsfreiheit, keine Perspektive, der war in der Psychiatrie, kann der jetzt noch dicht sein? Ungefährlich?

LG
Steffchen
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Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von No User » 1. Dezember 2012 02:16

Das tritt (im IE10) erst ab einem zweiten Klick auf Vorschau auf, beim ersten geht's noch.
Hier mal einen Screenshot von der Fehlermeldung angehängt:
Dateianhänge
80_Zeichen.jpg
Zuletzt geändert von No User am 1. Dezember 2012 02:19, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von No User » 1. Dezember 2012 02:38

Die Psychiatrie ist aber auch nicht mehr, was sie mal war. Da lässt sich ein Revisionsbericht über viele Jahre zurückhalten, doch der Patient kann sich auch nach Jahren noch an die Vorgänge erinnern.

Wenn sie also nicht mehr hilft, Querulanten und Informanten zuverlässig kaltzustellen, brauchen wir andere Wege.

Da unsere Nachrichtendienste mit Shreddern ausgelastet sind, müssen wir das vllt. outsourcen, sagen wir mal an den Mossad. Im Gegenzug enthalten wir uns dann der Stimme wenn es in der Uno um die Anerkennung eines Palästinastaates geht.

LG
Steffchen
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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von Shadow » 1. Dezember 2012 02:57

Stell dir jetzt mal vor: Verbrecherische Bankdatendiebe rauben (kopieren) Daten der Schweizer Geldanlagen unserer ehrenwerten Leistungsträger (altmodisch auf CD), darunter vllt. diverse Richter, Psychiater und Justizministerinnen. Vor allem aber mit Fakten, die aus "Paranoia" einen detailverliebten Perfektionismus machen. Was wird dann mit dem Gustl?
Wenn einer diese Daten klaut, dann kauft die doch Deutschland sofort und fördert damit das Verbrechen. Mehrmals gingen schon solche  Cd`s über den Ladentisch, ich sehe hier den Staat in der Rolle des Hehlers. Da waren die Moneten wichtiger, als eine klare, saubere Linie.

Der Gustl ist ein armer Hund, weil die Jahre kann ihm keiner wieder geben, sollten sie ihn nun doch frei lassen.
Das ist auch nicht gewiss, denn der Gustl könnte mittlerweile ja wirklich krank sein.  7 Jahre in der Geschlossenen, ohne Aussicht auf Begnadigung, das ist wirklich irre.

Recht haben und Recht bekommen sind leider völlig verschiedene Dinge.

Wir  haben bald eine Wahl und daher ist der öffentliche Druck jetzt ein wenig kontraproduktiv. Die Zeitungen schreiben darüber und die CSU erscheint da nicht im rechten Licht.
Das kommt einer Gotteslästerung gleich.

Das kostet jedenfalls auch in Bayern Wählerstimmen, auch wenn die CSU weiter den Ministerpräsidenten stellen wird.

Ich bin schon sehr gespannt auf das Ergebnis der laufenden Untersuchungen zum Fall Gustl M., da weiß    man echt noch nicht, was vom Baum herunter fällt, wenn man nur kräftig schüttelt.

Die Nachrichtendienste werden sich damit eher nicht beschäftigen, ich denke die Justiz hat selber einen gr. Reißwolf.  :ichboss:
Zuletzt geändert von Shadow am 1. Dezember 2012 02:59, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von Hanghuhn » 1. Dezember 2012 09:24

[quote="Shadow"]
Der Gustl ist ein armer Hund, weil die Jahre kann ihm keiner wieder geben, sollten sie ihn nun doch frei lassen.
Das ist auch nicht gewiss, denn der Gustl könnte mittlerweile ja wirklich krank sein.  7 Jahre in der Geschlossenen, ohne Aussicht auf Begnadigung, das ist wirklich irre.  [/quote]

Naja, der Gustl soll ja schon vorher psychisch krank gewesen sein. Aber das heißt ja noch nicht, dass er gemeingefährlich war. Ein Weib, das einen hinter dicken Mauern sehen will, könnte ich mir sehr wohl als Auslöser einer Depression vorstellen. Man muss nicht verrückt sein, um ein solches Weib in einem Wutanfall zu würgen (er hatte ja von ihr abgelassen), und jemandes Autoreifen zu zerstechen, der mit diesem Weib sympathisiert. Sonst bräuchten wir keine Gefängnisse mehr, sondern nur noch Irrenanstalten.

[quote="steffchen"]
Die Psychiatrie ist aber auch nicht mehr, was sie mal war. Da lässt sich ein Revisionsbericht über viele Jahre zurückhalten, doch der Patient kann sich auch nach Jahren noch an die Vorgänge erinnern.

Wenn sie also nicht mehr hilft, Querulanten und Informanten zuverlässig kaltzustellen, brauchen wir andere Wege.  [/quote]

Ja, z. B. eine Fellkappe mit Polonium auszustatten. Die muss dann der Gustl beim nächsten Test auf seinen Geisteszustand aufsetzen.
LG Hanghuhn
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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von No User » 1. Dezember 2012 11:53

Dann jetzt mal ernsthaft:

Herr Mollath mag ja eventuell psychische Probleme gehabt haben oder jetzt erst recht haben, ob wir die nun Macke, Störung, Krankheit oder Behinderung nennen, egal. Irgendwie anders zu ticken, sollten wir ja nachvollziehen können. Oder reaktiv der Umstände wegen seltsam werden. Soweit ich gelesen habe, war das mit dem Würgen aber wohl auch noch nicht erwiesen, oder?

Doch es ist noch immer ein gewaltiger Unterschied, ob jemand therapeutischer Hilfe bedarf oder zum Schutz der Allgemeinheit und/oder zum eigenen Schutz auf unbestimmte Zeit weggesperrt werden muss. Wo sind denn für diese Gefährlichkeit Beweise, wo sind die Rechtsmittel dagegen, wo ist ein faires Verfahren, wenn dagegen keine Verteidigung möglich ist? Wo ist die Unschuldsvermutung und wo kommen wir hin, wenn die Unschuldsbehauptung zum "Beweis" für fortbestehende Gefährlichkeit umgedeutet wird?

Obwohl, genau das ist im Strafvollzug auch nicht anders. Weil Justizia angeblich blind und deshalb unfehlbar ist (was für eine Logik!), können strafrechtlich Verurteilte, die weiter auf ihre Unschuld beharren, auch nicht auf vorzeitige Haftentlassung zur Bewährung hoffen, im Gegensatz zu denen, die zu ihren Taten stehen (und zum Teil sogar noch stolz darauf sind, was sie aber vor der Strafvollstreckungskammer nicht ausbreiten werden). Vielleicht wird es mal noch Fälle geben, wo Justizirrtümer genau deswegen nach Verbüßung der Haft gemäß Urteil auch noch in Sicherungsverwahrung kommen.

Das mit der staatlichen Hehlerei ist tatsächlich problematisch. Weil man natürlich gerade an den Staat eine besonders hohe Erwartung an Rechtstreue richten darf und muss. Mein Fokus ist allerdings ein anderer, und da weiß ich nicht so recht, wo genau man "Staat" von "Gesellschaft" abgrenzen könnte. Sind wir nicht alle ein Bisschen Staat?

Da schaue ich mir jetzt die Honoratioren dieses Staates an, die einflussreichen, "ehrbaren" und angesehenen -weil reichen- Bürger, Unternehmer, Vorstände, Aufsichtsräte, Verbandspräsidenten,... Unmöglich, denen pauschal kriminelle Energie zu unterstellen und selbst im Einzelfall nicht unbedingt an persönlicher Unanständigkeit festzumachen, wenn deren Geldquellen an der Basis übel riechen. Aber trotzdem hat es System, ist kein Einzelfall, das Beispiel der damals reichsten deutschen Unternehmerfamilie, für die ich arbeitete:

Ich hatte sogar mal zu denen Kontakt und da sind die an der Spitze umgänglicher als so manches mittlere Management. Doch beim Generieren der Gewinne in diesem System hat der Markt seine eigenen Gesetze und diesen Gesetzen wird oft mehr Beachtung geschenkt als solchen, die der Staat erlässt. Letztere sind dazu da, umgangen zu werden. Mit unangenehmen Folgen für Kunden und Mitarbeiter.

Ich wollte das nicht mitmachen und war wahnsinnig genug, aushangpflichtige Gesetze zum Arbeits- und Gesundheitsschutz tatsächlich auszuhängen. Autsch! Könnte ja jemand lesen. Nun, es gibt noch andere Druckmittel als die Psychiatrie. Ich habe das Unternehmen dann verlassen, doch auch anderswo geht es nicht ohne Kompromisse, auch wenn es um Gesetze geht.

Die Psychiatrie jedoch war sich schon mal sicher, dass unser Sohn eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellen würde. Warum, blieb ihr Geheimnis. Unser Glück war, dass hier kein Richter auf eine solche Fachmeinung nur gewartet hatte und Junior deshalb Gelegenheit bekam, zu beweisen, keine Gefahr zu sein. Die Beweislastumkehr ist aber auch hier merkwürdig.

LG
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Falschparker
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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von Falschparker » 1. Dezember 2012 12:30

Ein Mangel bei der Berichterstattung ist hier aber, dass ständig Unterbringung und Maßregelvollzug vermischt wird. Der hier Angesprochene wurde nicht wegen seines Wahns in der Psychiatrie öffentlich-rechtlich untergebracht, sondern er ist nach einer Straftat, also den Angriffen auf seine Frau, im Maßregelvollzug. Das ist aber ein Riesenunterschied.

Daher kann von einem "Freispruch" auch nicht die Rede sein, sondern das Gericht ordnete statt einer Haftstrafe den Maßregelvollzug an. Es hatte also keinen Zweifel an den Taten selbst.
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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von No User » 1. Dezember 2012 12:35

Wieso wurde er dann von Körperverletzung und Sachbeschädigung freigesprochen? Oder ist dieser simpel zu recherchierende Fakt eine Medienente?
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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von No User » 1. Dezember 2012 13:01

Ich habe eigentlich nicht den Eindruck, dass SPON hier besonders reißerisch berichtet, oder einen großen Skandal inkl. politischer Verschwörung konstruiert. Die erwähnen auch ganz nüchtern und differenziert durchaus auch gründliche Untersuchungen, Indizien für seine Gewalttätigkeit, für psychische Krankheit, für Sachbeschädigung.

Doch in Deutschland wären Staatsanwälte (anders als im Amiland) auch verpflichtet, entlastenden Indizien nachzugehen, das stellt sich hier aber ganz anders dar.

Und ich frage mich ja nicht, ob ich meine Hand für seine Unschuld ins Feuer legen möchte, sondern wie es ums Beweisen bestellt ist, bevor man Menschen jahrelang wegsperrt. Nicht nur im Fall Mollath. Wie sich Gefährlichkeit definiert. Und wenn wir es Maßregelvollzug nennen, nicht Therapie, wie dann die Haft-Maßregelvollzugs- Dauer im Verhältnis zur Schwere der Taten steht (wenn man die als bewiesen gelten lassen will). Andere sitzen für Totschlag kürzer (und schon gar nicht auf unbestimmte Dauer).

Lesenswert: http://www.spiegel.de/panorama/gustl-mo ... 68445.html

LG
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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von Shadow » 1. Dezember 2012 13:02

Im kompletten Verfahren sind seltsame Dinge passiert, da aber das Verfahren neu aufgerollt wird, wird man sich diese Dinge genau ansehen müssen.
So richtig harte Beweise lagen da nie vor, Indizien waren es und Aussagen der Ehefrau, die ihren Liebhaber ehelichen wollte. Was so etwas Wert ist, darüber kann man streiten.
Die ist mit diesem übrigens jetzt auch verh. Die Zusammenhänge erscheinen in einem merkwürdigen Licht und einige Argumete für die weitere Anhaltung in der Klappse sind jetzt einfach zerbröselt, weil sie kein Hingespinst sondern Tatsachen sind. Die Innenrevision der HVB  hatte diese Fakten schon lange ermittelt, nur geheim gehalten und damit billigend in Kauf genommen, dass der Mann weggesperrt wurde.

Das muss jetzt die Staatsanwaltschaft mal alles prüfen, die Medien können das nicht, die haben nur den Boden für diese Untersuchung bereitet.
Im Grunde steht in Bayern das Justizsystem am Prüfstein ..... .

Dieser Fall ist übrigens kein Einzelfall .....

update: Steffchen du warst schneller :-) , in deinem Link steht es jetzt auch so ähnlich ...
Zuletzt geändert von Shadow am 1. Dezember 2012 13:05, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von No User » 1. Dezember 2012 13:16

[quote="Shadow"]Dieser Fall ist übrigens kein Einzelfall .....[/quote]Genau das ist das hüpfende Komma der springende Punkt. Das Besondere -und Positive- an diesem Fall ist, DASS er neu aufgerollt wird. Denn bis sich unser Justizsystem mal da hintragen lässt, muss schon SEHR viel passieren. Zugunsten des Rechtsfriedens sind nämlich hohe Hürden für ein Wiederaufnahmeverfahren zu überwinden.

Warum beschäftigt mich das Thema überhaupt?: Weil "weggeräumt und stillgestellt" durchaus auch ein rund um ADHS nicht ganz unbekanntes Phänomen sein dürfte.

LG
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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von Falschparker » 1. Dezember 2012 13:32

[quote="steffchen"]Wieso wurde er dann von Körperverletzung und Sachbeschädigung freigesprochen? Oder ist dieser simpel zu recherchierende Fakt eine Medienente?[/quote]

Steffchen, ja, die SZ benutzt den Begriff "Freispruch", aber der gibt hier keinen Sinn:
Mollath wird vom Vorwurf der Körperverletzung und Sachbeschädigung freigesprochen. Das Gericht sieht die Taten zwar als erwiesen an, macht sich aber das Gutachten eines Sachverständigen zu eigen.

Tatsächlich ordnete das Gericht Maßregelvollzug an, und das geht ja nur wenn die Taten selbst erwiesen sind:
§ 63 Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus
(1) Hat jemand eine rechtswidrige Tat im Zustand der Schuldunfähigkeit (§ 20) oder der verminderten Schuldfähigkeit (§ 21) begangen, so ordnet das Gericht die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an, wenn die Gesamtwürdigung des Täters und seiner Tat ergibt, daß von ihm infolge seines Zustandes erhebliche rechtswidrige Taten zu erwarten sind und er deshalb für die Allgemeinheit gefährlich ist.


Wenn du durch eine psychische Störung oder Krankheit für die Allgemeinheit eine Gefahr bist, kannst du nach Landesgesetz untergebracht werden, aber in den Maßregelvollzug kommst du nur nachdem du eine Straftat begangen hast, die bloße Möglichkeit reicht dafür nicht.

Es mag sein, dass hier nicht alles richtig gelaufen ist, ich kenne die Beteiligten ja nicht. Aber zu konstruieren, der Mann werde wegen seines Insiderwissens in der Psychiatrie festgehalten, ist geradezu abenteuerlich. Das behauptet auch nicht Heribert Prantl in seinem Kommentar in der SZ.
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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von Shadow » 1. Dezember 2012 14:29

Aber zu konstruieren, der Mann werde wegen seines Insiderwissens in der Psychiatrie festgehalten, ist geradezu abenteuerlich.
Man soll hier nicht konstruieren bzw behaupten, man muss diese Sache genau überprüfen.
Mit unbefangenen neuen Leuten, die sie vielleicht auch mit Korruption auskennen und einfach den Fall von Neuem ausrollen.
Das hat sich der Herr Mollath sicher verdient.

Der berühmte 63 er, ist dringend sanierungsbedürftig, die Experten wissen das, nur seitens der Politik gab es bislang kein Interesse.
Das könnte sich mit diesem Fall ändern, sollte hier tatsächlich eine Bombe platzen.

Hier steht die Glaubwürdigkeit des Justizsystem in Frage, mit "nicht alles richtig gelaufen" kommt man hier nicht mehr weiter.
Zuletzt geändert von Shadow am 1. Dezember 2012 14:47, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von Hanghuhn » 1. Dezember 2012 15:22

Er wurde wg. seiner Wahnvorstellungen freigesprochen, obwohl das Gericht die Taten als erwiesen angesehen hat. D. h.. er konnte "froh" sein, dass er frei gesprochen wurde (vielleicht war er das zunächst tatsächlich), bis er in die Psychiatrie eingewiesen wurde.

Beachtlich finde ich auch das, was Hrn. Edward Braun widerfahren ist. Bloß weil er den juristischen Weg, der ihm nicht bekannt war, nicht einhielt, bekam er eine Zahlungsaufforderung über 60€. Mit Brauns Aussage kann auch die Tat bezweifelt werden, derentwegen Mollath überhaupt erst mal vor den Richter gestellt wurde.

Eigentlich hat Mollaths Ex-Frau das bestmögliche Ergebnis erreicht. Dabei kann sie wahrscheinlich gar nichts für das, was danach kam. Dass jemand über Schwarzgelder berichtet, reicht lt. diesem Verfahren aus, in die Psychiatrie eingewiesen zu werden, weil das ja nur Wahnvorstellungen sein können.

Ein solches Gebahren macht mir Angst, weil das noch viel schneller (mit weniger Beteiligten) zu gehen scheint als bei einem Gerichtsverfahren.
LG Hanghuhn
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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von Falschparker » 1. Dezember 2012 16:37

[quote="Hanghuhn"]Dass jemand über Schwarzgelder berichtet, reicht lt. diesem Verfahren aus, in die Psychiatrie eingewiesen zu werden, weil das ja nur Wahnvorstellungen sein können.[/quote]

Nein, in den Maßregelvollzug kommt wie gesagt nur, wer eine Tat bereits begangen hat.

[quote="Hanghuhn"]Ein solches Gebahren macht mir Angst, weil das noch viel schneller (mit weniger Beteiligten) zu gehen scheint als bei einem Gerichtsverfahren.[/quote]

Verstehe ich nicht, das Urteil war doch das Ergebnis eines Gerichtsverfahrens.
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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von Falschparker » 1. Dezember 2012 16:45

[quote="Shadow"]
Man soll hier nicht konstruieren bzw behaupten, man muss diese Sache genau überprüfen.
Mit unbefangenen neuen Leuten, die sie vielleicht auch mit Korruption auskennen und einfach den Fall von Neuem ausrollen.[/quote]

Wer "neue Leute, die sich mit Korruption auskennen" fordert, unterstellt doch bereits dass die Gutachter oder die Richter sich haben korrumpieren lassen.  :icon_eek:
Zuletzt geändert von Falschparker am 1. Dezember 2012 16:46, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Der Fall Mollath, ein Justizskandal ? - gemeingefährlich oder mundtot gemacht ?

Beitrag von Hanghuhn » 1. Dezember 2012 17:41

Vielleicht sah der Reporter, der über den Freispruch berichtete, die Einweisung in die Forensik als "Freispruch" an. Ich kriege das sonst irgendwie nicht zusammen. Wenn man der Aussage Edward Brauns nachgeht, stehen auch die Körperverletzung und die Reifenstecherei auf dem Prüfstand.

Meistens ist ja alles viel verwickelter, als man denkt. Aber ich habe es so verstanden, dass Mollath wg. Körperverletzung und Reifenstecherei vor Gericht stand. Erst seine "Wahnvorstellungen" über die Schwarzgeldgeschäfte brachten ihn in die Psychiatrie.

[quote="Falschparker"]
[quote="Hanghuhn"]Ein solches Gebahren macht mir Angst, weil das noch viel schneller (mit weniger Beteiligten) zu gehen scheint als bei einem Gerichtsverfahren.[/quote]

Verstehe ich nicht, das Urteil war doch das Ergebnis eines Gerichtsverfahrens.  [/quote]

Nein, es war nur Teil eines Gerichtsverfahrens. Gereicht hatten Gutachten - zugegeben - mehrerer Psychiater, die nicht darüber zu befinden hatten, ob etwas an der Geschichte mit den Schwarzgeldern dran ist, aber davon ausgingen. Wäre es zu einem Verfahren zu den Schwarzgeldern gekommen, hätten noch ganz andere Beteiligte aussagen müssen.

Für die Körperverletzung und die Reifenstecherei, so sie denn wirklich stattgefunden haben, wäre Mollath wahrscheinlich schon längst wieder aus dem Knast entlassen.
Zuletzt geändert von Hanghuhn am 1. Dezember 2012 17:47, insgesamt 1-mal geändert.
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