Min sagt hallo :D

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Min sagt hallo :D

Beitrag von Min » 13. April 2012 14:39

Krank oder nicht krank. Das ist hier die Frage!

Warum bin ich so verdammt ehrgeizig aber dennoch immer zu spät, vergesse Geburtstage und Termine?

Warum Studiere ich, obwohl ich so schlecht schreiben und lesen kann? 

Warum muss ich immer Anteil nehmen an Menschen die ich sogar kaum kenne?

Warum setzte ich meine kreative Gedanken nicht um?

ADHS ist für mich Kreativität und die Depression ist sein Gegenspieler.
Entsteht erst durch Methylphenidat eine Art kreative Symbiose zwischen ADHS und Komorbidität, die nicht hätte sein sollen? Oder braucht die moderne, unnachgiebige Gesellschaft ihren kreativen, chaotischen Part so dringend, dass sie nicht einmal vor Psychopharmaka zurückschreckt?

Es gilt: Normal ist der, der auf Abruf funktionieren kann! Zeit ist Geld!
Kreativität ist Risiko (Widerstandsfähigkeit = Impulsiv),  Innovation (Neukombination von Informationen= hohe Aufmerksamkeit)  und Flexibilität/Flüssigkeit (Hyperaktivität). Kreativität braucht vor allen Dingen Zeit!
Wenn ich funktioniere vernachlässige ich mich. Und wenn ich mich selber vernachlässige kann ich nicht funktionieren.

Fazit : Ich interessiere mich nicht nur aus persönlichen Gründen für ADHS, sondern auch aus wissenschaftlichen Gründen.
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Re: Min sagt hallo :D

Beitrag von No User » 13. April 2012 18:20

Dann mal ein "Hallo" zurück!

Krank oder nicht krank ist in erster Linie eine individuelle Frage.

Wenn eine Reihe von Symptomen bei dir einen Leidensdruck erzeugen, wenn sie dich einschränken, dich massiv stören, erst dann hast du eine Einschränkung, eine Störung oder eben "Krankheit" im Sinn der Definition dieses Begriffs.

Man kann auch mit Einschränkungen studieren, es gibt auch durchaus erfolgreiche zerstreute Professoren und die Umsetzung kreativer Ideen kann auch ohne ADHS schwierig sein.

Du hast entschieden, die Kreativität sei ADHS und dein(?) Bremsklotz die Depression. Was ist mit dir, ggf. dazwischen? Was sind DEINE Eigenschaften, unabhängig von Morbiditäten und Komorbiditäten?

Die "Gesellschaft" braucht zwar auch die Kreativen, aber sie wird deine Kreativität nicht unbedingt erkennen, wenn du sie nicht umsetzt. Überhaupt wirst du -realistisch betrachtet- weiten Teilen der Gesellschaft herzlich egal sein, da musst du schon selbst entscheiden, ob du vor unbehandelter ADHS zurückschreckst oder nicht.

Wer sagt eigentlich, dass es unbedingt Medikamente sein müssen?

Was ist überhaupt das Erschreckende an Psychopharmaka, konkreter an Stimulanzien, wenn sie nicht gerade Koffein oder Nikotin heißen? Sind es nicht eher die ihnen angedichteten Wunderwirkungen, die sie verteufeln lassen?

Warum erschrecken wir nicht vor Schmerzmitteln oder Antibiotika, beide kaum weniger problematisch, schaut man genauer hin.

LG
Steffchen
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EmmaGSLehrerin
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Re: Min sagt hallo :D

Beitrag von EmmaGSLehrerin » 13. April 2012 22:23

Hallo Min,

:w2:

Schön, dass du hier bist!

Ich wünsche dir eine tolle Zeit und regen Austausch.

LG Emma

PS: Tolles Profibild!  :wu:
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Re: Min sagt hallo :D

Beitrag von Min » 18. April 2012 00:53

Ich frage mich, was ist eigentlich Gesundheit?


A: Weltgesundheitsorganisation (WHO): „Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen.“ 

B: Nach T. Parson (Medizinsoziologe): „Gesundheit ist ein Zustand optimaler Leistungsfähigkeit eines Individuums, für die wirksame Erfüllung der Rollen und Aufgaben für die es sozialisiert (Sozialisation = Einordnungsprozess in die Gesellschaft, Normen- und Werteübernahme) worden ist.“

Nach dieser Definition sind..

* Alte Menschen krank, weil sie altersbedingte Gebrechen haben und nicht arbeiten können.

* Sind Harz IV Empfänger krank, weil sie unproduktiv und unwirksam sind.

* Sind pubertierende Kinder krank, weil sie  labil, durcheinander und irrational sind.

u.s.w. ...


So wie es scheint ist der Mensch im Laufe seines Lebens nur selten gesund. In unserer Zeit ist "Krank sein" häufiger; fast schon ein Dauerzustand und wird dadurch zum Normalzustand.

Krankheiten ist demnach nichts unnatürliches, sondern Norm und Legitimation zugleich. 
Die Definition von Krankheiten dient zur Etablierung einer allgemeingültigen, institutionalisierten Richtschnur. Der menschliche Körper wird zum Austragungsort gesellschaftlicher Auseinandersetzung.

ADHS ist mehr als eine "Krankheit".
ADHS beschreibt eine Bevölkerungsgruppe, die von Geburt an, den Anforderungen einer modernen Gesellschaft nicht entsprechen kann. Das heißt, sie besitzen eine bestimmte Eigenart, die sich deutlich von der „herrschenden“ Kultur abgrenzt.
Enorme Gesellschaftlicher Erwartungen und bessere DiagnoseMethoden ermöglicht, dass ADS häufiger schon im frühen Lebensalter diagnostiziert wird. Der„identifikatorischen“ Wert mit der "Störung-ADS" wird dadurch größer. ADS wird mehr mehr zur einer Art gegenkultureller Lebensart. Es entstehen vermehrt Orte, Vereine oder Websites auf denen sich ADS-Menschen treffen und organisieren können. ADHS wird zur Subkultur.

"Mein Körper ist eine gnadenlose Topie. Und wenn ich nun das Glück hätte, mit ihm wie mit einem Schatten zu leben? Wie mit alltäglichen Dingen, die ich gar nicht mehr wahrnehme, weil das Leben sie hat eintönig werden lassen? Wie mit den Schornsteinen und Dächern, die sich abends vor meinem Fenster aneinander reihen? Aber jeden Morgen dieselbe Erscheinung, dieselbe Verletzung. Vor meinen Augen zeichnet sich unausweichlich das Bild ab, das der Spiegel mir aufzwingt: mageres Gesicht, gebeugte Schultern, kurzsichtiger Blick, keine Haare mehr, wirklich nicht schon. Und in dieser hässlichen Schale meines Kopfes, in diesem Käfig, den ich nicht mag, muss ich mich nun zeigen. Durch dieses Gitter muss ich reden, blicken und mich ansehen lassen. In dieser Haut muss ich dahinvegetieren. Mein Körper ist der Ort, von dem es kein Entrinnen gibt, an den ich verdammt bin."
[Michel Foucault: Der utopische Körper]

Anstatt zu akzeptieren das er krank sei, entschied sich Michel Foucault, für die Methode der Nichtexistenz.
Homosexualität war zu seiner Zeit eine "Krankheit". Anstatt jedoch ein Leben im Schatten zu führen stellte er sich die Frage. Was wäre wenn Homosexualität keine Krankheit wäre? Welche wahre Geschichte, Bedeutung verbirgt sich hinter diesem "Zustand". Gibt es eine andere Antwort auf seine Existenz als die einer Abnormalität?

Anders als die Homosexuellen, können die meisten ADSler ihre "Sonderbarkeiten" nicht verstecken. Je höher der Leistungsdruck desto offensichtlicher unsere Abnormalität. Die Gefahr für Soziale Ausgrenzung und Stigmatisierung im Alltag steigt. Und Komorbidität wird Teil unseres Persöhnlichkeit.

Die Frage ist, warum sind diese kreativen, chaotischen, innovativen Menschen "krank"? Warum müssen ADS Menschen Medikamente nehmen?
Kinder bekommen Psychopharmaka, um leistungsfähig zu sein. Völlig legal und ohne moralischen Konsequenzen; obwohl die Neurologie, im Bereich der Hirnforschung, erst in den Kinderschuhen steckt. Anstatt dass sich die Gesellschaft den Menschen anpasst, zwingt sie den Mensch sich ihren unnachgiebigen Strukturen anzupassen.

Wir sprechen immerhin von 4-5 % der Bevölkerung. Psychopharmaka für so viele Menschen??

Zuviel meiner Meinung nach..
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Re: Min sagt hallo :D

Beitrag von No User » 18. April 2012 08:40

Das "vollkommen" in o.G. WHO-Definition macht Gesundheit zur Utopie, ansonst könnte so verstandene Gesundheit ein vernünftiges Ziel sein. Sich also nicht nur "Krankheit und Gebrechen" vom Leib (und von der Seele) zu halten, sondern sich vor allem in der eigenen Haut und unter Mitmenschen wohl zu fühlen.

Tja, die Sprache, Gedanken- oder Glaubenswelt von was-auch-immer-Soziologen muss ich nicht verstehen. Bei der Parson-Definition muss man ja eher aufpassen, dass man vor lauter Optimierung der Leistungsfähigkeit und Anpassung an aufgezwungene Rollen nicht krank wird. Wenn man Sozialisation so passiv sieht ("...worden ist") drängt sich auch auf, von Außenstehenden als "krank" abgestempelt zu werden, wenn man die erwartete Rolle nicht perfekt spielen kann oder will. Kein Wort über Lebensqualität, keines über Leidensdruck?

Doch selbst bei diesen Definitionen bleibt die Logik, mit der daraus auf das Nachfolgende geschlossen werden soll, einem Informatiker unzugänglich.

Die Gesundheit lässt mit dem Alter freilich nach, Krankheiten und Gebrechen nehmen zu, aber ist es die Rolle alter Menschen, zu arbeiten?

Sind Hartz IV-Empfanger nicht auch ein Stück weit in diese Rolle sozialisiert worden? Besonders gesund sind ihre Lebensumstände aber einerseits nachweislich nicht (v.a. psychisch) und andererseits birgt gerade Krankheit ein hohes Risiko, in Hartz IV zu geraten bzw. dort stecken zu bleiben. Auch ein Teufelskreis.

Zu pubertieren gehört zur gesunden Entwicklung von Kindern bzw. Jugendlichen. Wo in den Definitionen steht, dass "labil, durcheinander und irrational" Krankheit bedeutet?

Wolltest du mit Säuglingen fortsetzen, weil die unproduktiv und wenig leistungsfähig sind (i.S. von Erwerbsarbeit, nicht von Entwicklung und Lernen - da sind sie von Natur aus faszinierend leistungsfähig)?

Bei aller Normalität von Krankheit, wieso haben die Menschen so ein Problem mit dem Begriff "Krankheit", damit, sich als "krank" zu bezeichnen. Wollen sie lieber "unnormal" sein?

ADHS'ler als Bevölkerungsgruppe, die von "Geburt an den Anforderungen einer modernen Gesellschaft nicht entsprechen kann"? Boah, das ist krass. Zum Glück ist die "herrschende" Kultur ziemlich heterogen, zum Glück kommen auch viele ADHS'ler ziemlich gut klar, zum Glück (Darf man das so sagen?) trifft es nicht nur ADHS'ler, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein.

Selbsthilfe als Subkultur? Hört sich für mich mehr nach Holunder-Geschwurbel an als nach wissenschaftlich begründetem Interesse. Immer schön von außen voller Unverständnis auf Betroffene herabblicken und sich in wirren Interpretationen auf deren Kosten gut fühlen...

ADHS = Psychopharmaka??? Widerspricht wie immer bei dem Geschwurbel jeder Lebenserfahrung. Drei AD(H)S'ler in meiner Familie, davon einer aktuell in medikamentöser Behandlung. Wegen der Leistungsfähigkeit??? Nächstes Vorurteil. Ich sch... auf deine "Leistungsfähighkeit", finde es aber unmoralisch, dem Kind jede Chance auf Teilhabe zu verwehren, es unnötig leiden zu lassen wie in den Jahren vor der Therapie.

Der Stimulanzien-Anteil in meiner "Subkultur": Ich will nicht behaupten, genaue Prozentzahlen zu kennen, aber von den AD(H)S-Diagnostizierten, die ich persönlich kenne, sind deutlich weniger als die Hälfte in medikamentöser Therapie. In den Medien sieht das oft anders aus, aber dass die Realität anders aussieht als eine "Reality"-Show, weiß man auch ohne AD(H)S.

Nach welcher selbstgefälschten Statistik sprichst du von 4-5 % der Bevölkerung? Worauf soll sich diese Zahl überhaupt beziehen, außer auf große mediale Wirkung? Sind es Personen, die aktuell mit Psychopharmaka behandelt werden, oder je in ihrem Leben damit Kontakt hatten? Meint es Psychopharmak im Allgemeinen oder Methylphenidat im Besonderen?

LG
Steffchen
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Re: Min sagt hallo :D

Beitrag von lilian 74 » 18. April 2012 13:39

@Min

AD(H)Sler sind in meinen Augen nicht "krank".Ich weiss nicht,ob ich AD(H)S habe(es spricht vieles dafür,aber ich lebe damit so wie es eben geht-mal besser,mal schlechter),aber ich kenne da jemanden,der hat AD(H)S und lebte damit eher schlecht als recht.

Diesem Jemand gebe ich Psychopharmaka(geil es mal so direkt auszuschreiben :breitgrinse1:),denn es ermöglicht ihm erstmalig seit neun Jahren zu spielen und zu sitzen und an Gesprächen teilzunehmen und seine Umwelt mitzubekommen und in zwischenmenschlichen Beziehungen etwas zu empfinden u.es ausdrücken zu können(im positiven wie negativen)und ein liebevoller,teilnehmender grosser Bruder für seinen kleinen Bruder zu sein und Freundschaften aufzubauen und neue Hobbys zu "entdecken"und klarere,besser durchdachte eigene Entscheidungen zu treffen U.S.W.

Das wars auch schon.Muss leider los z.Kita.....
Eva
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Re: Min sagt hallo :D

Beitrag von Eva » 18. April 2012 15:51

@Min ... ich denke das gehört inzwischen nicht mehr in unser Vorstellungsboard. Entscheide Dich bitte für ein entsprechendes Board.

Gruß Eva
Alles über Deichhöhe ist überflüssig! :winy:
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Kann man eigentlich Gesund sein?

Beitrag von Min » 19. April 2012 20:30

Da hast du aber was falsch verstanden. Ich denke wir reden auch aneinander vorbei.

< Das "vollkommen" in o.G. WHO-Definition macht Gesundheit zur Utopie, ansonst könnte so verstandene Gesundheit ein vernünftiges Ziel sein. Sich also nicht nur "Krankheit und Gebrechen" vom Leib (und von der Seele) zu halten, sondern sich vor allem in der eigenen Haut und unter Mitmenschen wohl zu fühlen. >

Der Teil:  "sich vor allem in der eigenen Haut und unter Mitmenschen wohl zu fühlen" fehlt ja. Die Who Definition ist nicht als vernünftiges Ziel formuliert (so wie du es vorschlägst) sondern als realer Zustand,den man erreichen kann.

Bei dieser Definition geht es um die :

*"vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens" 
*" Zustand optimaler Leistungsfähigkeit"

Warum? Um gesellschaftlich funktionsfähig zu sein. Fertig!

Weswegen auch alte Menschen oder auch teenies (die höchste Selbstmordrate liegt im Teenager Alter) laut dieser definition krank sind. Das ist ja das kuriose was ich damit sagen will. Keiner ist wirklich komplett gesund. Deswegen ist diese Definiton so absurd. Eine Gesellschaft voller kranker?!?!
Wir sind doch keine scheiß Computer denn man an und aus macht. Und dessen kaputte Einzelteile durch neue ersetzt werden können.

Lies dir doch die Klassifizierung nach ICD, DSM und die der Bundesärztekammer durch. Da wird ADHS als Krankheit definiert. Symptome, komorbidität, Ritaln, irgendwelche Studien, Therapien, sozial Auswirkungen.....e.t.c.

Kein Schwein redet da von "nicht jeder ADSler wird krank" , "Positive Charakteristikas sind...". "kann auch eine Bereicherung sein, weil auch Einstein/mozart ads hatten"


Da ist ja meine Kritik.... wenn schon allgemeingültige Definition (Also was ist "Gesundheit") nicht stimmig, also unrealistische sind , wie realistische ist dann, dass ADS=Krankheit Konzept?
Ich bin der Meinung das ADS erst zu einer Krankheit wird, wenn sich darauf aufbauend, Folgeerkrankungen entwickelt haben. Erst wenn der ADSler Komorbiditäten hat, geht er zum Arzt.

Wer Gesund oder nicht Gesund ist entscheidet der Arzt oder auch der Lehrer. Beispiel: Lehrer kommt mit dem hypie Kind/oder depressivem Kind nicht klar und schickt ihn zum Schularzt. (Der Lehrer / Arzt wiederum, lernt während seiner Ausbildung was gesund oder ungesund ist, kann sie daher erkennen und bennen)
Und da die meisten Eltern "gute Bürger" sind, vielleicht ein Tag davor noch super nanny gekuckt haben, schicken sie den Jungen zum Arzt. Wenn der Junge Glück hat, sind die Eltern so schlau, dass sie ihn vielleicht auf eine besondere Schule bringen. Für die meisten hartz IV ADS-Familien heißt es wahrscheinlich aber : Pille!
Aber was ist wenn der  Hyperaktive Junge gar keine Folge Schäden entwickelt hätte? Es nur eine Phase ist! Jetzt hat er aber den Stempel ADS/Krankheit und muss sein leben lang mit der Tatsache klar kommen das er krank ist. Behindert! DU BIST ANDERS!

Bei so vielen "kranken" Kindern (ADS als häufigste neurobiologische Störung im Kinder/Jugendalter) müsste doch eigentlich der Staat sich darüber Gedanken machen was da eigentlich schief läuft. (Kleinere Klassenzimmer, bessere Ausbildung der Lehrer, Lösung des Betreuungs Problems, Schulreform, Stop medialer Überflutung im Alltag. usw )
Ich denke das Ritalin billiger ist!

Schwul sein, ist auch eine Art genetischen "Abnormalität"; genau so  wie ADS. Jahrzehnte lang galt man, wenn man schwul war als krank. Es gab sogar eine Definition diese Krankheit und wurde bis in die 1970er Jahre als psychische Erkrankung diagnostiziert. Homosexuelle konnten sogar auf unbestimmte Zeit freiheitsentziehend in einer forensischen Psychiatrie untergebracht werden. Wenn du schwul warst, wusstest du, das du krank bist. Tust aber so als wäre nichts, weil du Angst vor den Reaktionen der anderen hast. Und tada - Komorbidität!!  Heutzutage undenkbar.

Was ich damit sagen will ist, dass die Definition  b.z.w der gesellschaftliche Umgang mit ADHS von vielen vielen unterschiedlichen, sehr komplizierten Faktoren beeinflusst wird. Dazu gehören Z.b.:
* wirschaftliche interessen (Pharma-Industrie),
* Kirche (DU DARFST NICHT LÜGEN, DU DARFST NICHT JEMAND ANDEREN WEIB BEGEHREN e.t.c.),
* sozial-politische Interessen(Der Staat der durch die globalisierung unter Druck steht)
* gesellschaftlich Entwicklung (Emanzipation der Frau / verlorene Familienwerte).


Es gibt viel Gründe (auch vernünftige) warum ADS, zum jetzigen Zeitpunkt, in dieser Gesellschaft eine Krankheit ist.

Ich denke das ADS mehr als nur eine Krankheit ist. Irgendwie symbolisieren ADSler gewisse Fähigkeiten/Unfähigkeiten die in der heutigen Gesellschaft wichtig zu sein scheinen. Indirekt findet eine Art Auseinandersetzung statt. (Vielleicht betrifft es auch alle chron. Krankheiten)

daher auch der Vergleicht mit einer Subkultur...

mal gucken.. ich wollte keinen langweilen hier.. waren nur meine Gedanken..
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EmmaGSLehrerin
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Re: Min sagt hallo :D

Beitrag von EmmaGSLehrerin » 19. April 2012 20:51

Hallo Min,

welche Definition von Gesundheit hältst du für geeignet?

LG
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Re: Min sagt hallo :D

Beitrag von No User » 20. April 2012 02:02

Das kommt vor, dass man aneinander vorbeiredet oder dass ich was falsch verstehe, ist nicht böse gemeint.

Ich frage mich nur, welche Alltagsrelevanz diese Definitionen haben. Die Umgangssprache versteht "krank" sowieso ganz anders. "Du bist doch krank!" ist mit der passenden Betonung weder eine Beileidsbekundung, noch ein Hinweis auf notwendige Schonung, sondern eine eindeutige Beleidigung. Wobei - in Zeiten, wo auf Grundschul-Pausenhöfen Sexismus und Homophobie angereichert mit Fäkalsprache und Beleidigung der Familienehre in einem einzigen Standard-Kraftausdruck vereint werden - ist "krank" schon wieder fast schmeichelhaft milde.

Abgesehen davon wird mit "Krankheit" meist akute Erkrankung verbunden. Wer betrachtet den gut eingestellten oder vernünftige Diät einhaltenden Diabetiker als krank? Wer den Allergiker ("Keine Sorge, ich bin nicht krank, das ist nur der Heuschnupfen").

Wenn ich eine Grippe habe, dann bin ich krank und fühle mich auch so und ja, das ist nochmal ein deutlicher Unterschied zu Zeiten, in denen gewisse Definitionen mich "nur" wegen ADHS als krank einordnen wollen. Damit werde ich aber im Alltag nicht konfrontiert. Bei meinem Sohn ist das etwas anderes. Der wird und vor allem wurde (mit nachlassender Tendenz) schon lange vor irgendeiner Diagnose als "krank" abgestempelt und als noch einiges mehr. Das ist für mich ein ganz wichtiger Punkt: Kommt der "Stempel" wirklich von der Diagnose, die wir nur sehr sparsam kommunizieren, oder eher von dem offensichtlichen Anders-Verhalten?

Dabei geht es mir nicht um verschämtes Verstecken dieser Diagnose, sondern es ist ganz normal wie bei jeder anderen Diagnose auch, dass ich Diagnosen nicht auf einem Schild vor mir hertrage.

Du sprichst aber tatsächlich ernsthafte Probleme rund um den Umgang mit ADHS an. Diese Diskussion, deine Gedanken finde ich auch keineswegs langweilig. Natürlich sehen wir Details unterschiedlich und so wie ich gestrickt bin, konzentriere ich mich gerne auf das, was meinen Widerspruch erregt. Auch wenn ich nicht denke, dass du komplett auf dem Holzweg wärst.

Es ist sehr vereinfachend, z.B. eine Klassifizierung nach ICD als Einordnung als Krankheit anzusehen. Etwas makaber ist, dass der ICD schon ICD hieß, als der im 19. Jh. noch ein Todesursachenkatalog war (International List of Causes of Death). Heute finden sich darin Kategorien wie Z38.2: "Einling, Geburtsort nicht näher bezeichnet Inkl.: Gesundes Neugeborenes o.n.A." Na, wenn das mal keine Todesursache ist! Immerhin ist Geburt ja notwendige Voraussetzung für Tod, oder? Dabei fängt die ICD schon beim Schwangerschaftstest (Z32) an und geht mit Vorsorgeuntersuchungen bei normaler Schwangerschaft (Z34) weiter. Komisch nur, das auch Verhütung (Z30.-) im ICD klassifiziert ist.

Aber der ICD nennt sich zwar heute "Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme" ("International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems"), ist aber eher der Versuch, alles abzudecken, weswegen sich Patienten an das Gesundheitswesen wenden, um es abbrechnen, vergleichen, dokumentieren, statistisch erfassen usw. zu können. Das sind wirklich nicht alles Krankheiten darin.

Ganz besonders ist der entsprechende Schlüssel für ADHS (F90.0) ganz ausdrücklich NICHT unter Krankheiten (Diseases) eingeordnet, sondern unter "Psychische und Verhaltensstörungen" ("Mental and behavioural disorders"). Aber Natürlich ist "Störung" nur ein Feigenblatt, denn was heißt es schon anderes als Krankheit?

Was ist dann mein Problem damit, ADHS als Nicht-Krankheit zu verstehen? Weil ich mich dagegen wehre, "Krankheit" so abwertend zu sehen. Weil für mich auch Krankheit zum Leben gehört, ganz normal.

Ich habe so meine Zweifel, ob ausgerechnet das Hartz-Milieu besonders schnell den Weg zum Arzt findet.

Dann verstehe ich auch nicht, wieso Diagnose und Therapie lebenslange Abstempelung und Behinderung bedeuten sollten. Genau das gilt es natürlich zu verhindern. Und so erlebe ich in dieser auch therapeutisch begleiteten Phase meines Sohnes eine Normalisierung. Das heißt, eigentlich verliert das Thema nach und nach an Bedeutung.

Ein Staat kann sich keine Gedanken machen. Wir schon. Und da würden kleinere Klassen, weniger Reizüberflutung usw. nicht nur den ADHS-Kindern helfen. Doch betroffene Familien haben eine andere Perspektive: Da weiß jeder, der nicht komplett naiv ist, dass solche gesellschaftlichen Veränderungen, wenn die sich denn überhaupt in die richtige Richtung bewegen würden, für das eigene betroffene Kind auf jeden Fall zu spät kommen würden.

Die komplizierten Faktoren sind schon spannend. Darf ich noch etwas mehr Kompliziertheit beitragen? Die Rolle der Pharma-Industrie ist klar: 1. Geld verdienen. 2. Mit dem Gesundheitswesen, das dieses Geld ausgibt im Geschäft bleiben und deshalb 3. halbwegs brauchbare Produkte als Gegenleistung für das Geld zu liefern.

Damit das wie geschmiert läuft, muss freilich auch manipuliert werden, das ist dort erträglich, wo es halbwegs transparent erfolgt. Wenn auf Pharma- Interessenvertretung auch "Pharma" draufsteht.

Aber auch die analyischen Psychotherapeuten haben Interessen, die Sozialpädagogen, Heilpraktiker, Erziehungsberater, eine gewisse Psychosekte, die Medien, ... alle kochen IHR Süppchen. Medien bedienen ihre Leserschaft, nichtbetroffene Eltern blicken auf die mit Problemen kämpfenden Familien lieber herab, statt zu verstehen, weil das ihre relativ herausforderungslose Erziehungsleistung aufwertet...

Für uns brach eine weitgehend heile Welt zusammen, als unser drittes Kind so "aus der Spur" geriet, dass es keinerlei Betreuung außerhalb der Familie mehr bekam und auch als "nicht beschulbar" abgestempelt wurde, als "Gefahr für die Menschheit" - Übrigens ohne dass es je irgendeinen Vorfall mit ernsthaften Schäden gegeben hätte - nur aus Angst vor diesem nicht normgerechten Wesen. Da war der Weg zur Diagnose noch weit, doch erst mit der da ging es wieder aufwärts.

Klar habe ich da auch so meine Schwierigkeiten, was für Kinkerlitzchen mancher heute als AD(H)S verstehen will. Weil ein Kind mit 5 nicht schulreif ist, weil ein anderes mit Mathe ein paar Probleme hat,... 

Was können wir tun, um die Situation zu verbessern?

Wenn wir einerseits wenigstens auf strenge Einhaltung der der Diagnosekriterien pochen, damit nicht vorschnell falsche Diagnosen verteilt werden, können wir nicht andererseits posthum Persönlichkeiten diese Diagnose andichten, die uns gerade angenehm sind. Erst recht, wenn viel naheliegender ist, dass diese die typischen Probleme von Hochbegabten gezeigt hatten.

Ich teile deine Wahrnehmung nicht, dass niemand über die positiven Seiten reden würde. Darüber habe ich nun schon so viel gehört und gelesen, dass es mir schon zum Hals raushängt. Da wären zum einen die viel beschworenen Risiken, z.B. von Suchtentwicklung, von Delinquenz, von Unfällen, doch Risiko heißt eben nicht Gewissheit, sondern dass es nicht jeden trifft.

Zum Anderen macht man sich doch lächerlich bei dem Versuch, Außenstehenden unsere ach so tollen Vorzüge rüberzubringen. Dabei habe ich duchaus meine Stärken, nur nicht aus dem ADHS-Diagnosekriterienkatalog.

Letztlich ist es mir egal, ob AD(H)S nun eine Krankheit sein soll oder nicht, das hängt sowieso nur davon ab, was man unter "Krankheit" versteht. 

Tja, jetzt hast du mich mit deinen Gedanken zum Nachdenken angeregt und jetzt hoffe ich, nicht zu sehr gelangweilt zu haben - obwohl: Es wird ja keiner zum Lesen gezwungen.

LG
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