Sind ADHSler wirklich als behindert anzusehen??

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BlackLady
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Sind ADHSler wirklich als behindert anzusehen??

Beitrag von BlackLady » 8. Oktober 2011 17:37

Da ich in letzter Zeit gehäuft lesen muß, das ADHS-Kinder als "behindert" anzusehen sind, frag ich mich so langsam, ob das wirklich so ist, und nur meine Wahrnehmung verschoben ist, oder ob die anderen vllt ne andere Definition für "behindert" haben, wie ich, oder ob das ganze dramatisiert wird?
Oder ob das vllt deswegen so bezeichnet wird, weil es dann ne Erklärung für Außenstehen ist die besser akzeptiert wird, wie ADHS?

Sorry, bin grad total verwirrt.


Ich selbst habe ADHS.
Mein Sohn eine sehr ausgeprägte Form von ADHS mit Störung des Sozialverhaltens und oppositionellem Verhalten.
Meine Tochter ist wahrscheinlich auch betroffen.

Sind wir nun alle behindert?
Sind nur ADHS-Kinder behindert, oder auch Erwachsene?


Wie genau definiert ihr "behindert"?

Mein Kind ist vllt in manchen Dingen noch nicht so fit, in anderen dafür viel weiter als Gleichaltrige.
Aber nur weil er mehr Anleitung bei manchen Dingen braucht, seh ich ihn nicht als behindert an.

Bin nun gespannt, wie ihr die Sache seht.



(Achja ich mein jetzt nicht die drohende seelische Behinderung durch ADHS)
Ich habe ein Motivationsproblem - solange bis ich ein Zeitproblem hab....


Wer mich für KOMPLIZIERT hält,
hat nur keine Lust
sich mit meiner EINZIGARTIGKEIT
auseinander zu setzen
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Angie
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Re: Sind ADHSler wirklich als behindert anzusehen??

Beitrag von Angie » 8. Oktober 2011 17:43

[quote="BlackLady"]

(Achja ich mein jetzt nicht die drohende seelische Behinderung durch ADHS)

[/quote]

Ausser jetzt das ^^ meine ich nein.
Ich habe mal dort etwas dazu geschrieben  http://www.adhs-anderswelt.de/http://lo ... 09#p509709

Solange ich nicht die Hilfe anderer brauche, oder als besondert gehändelt werde muss, fühle ich mich nicht als behindert.
Zuletzt geändert von Angie am 9. Oktober 2011 06:51, insgesamt 1-mal geändert.
Ich habe nix Schlimmes, ich habe....eij gugg mal nen Eichhörnchen.
hyper .
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Re: Sind ADHSler wirklich als behindert anzusehen??

Beitrag von hyper . » 8. Oktober 2011 23:31

keine ahnung kommt auf die definition von behindert an

wikipedia definert behinderung so:  http://de.wikipedia.org/wiki/Behinderung  demnach sind adhsler wohl nur teilweise oder nur manche als behindert an zu sehen, aber was ist auch behindert. das kind mit der brille ist auch total behindert , weil es ohne hilfsmittel also brille echt probleme hat....

ich würde sagen es ist eher ein so wenn man das wort behinderung benutzt muss jeder darauf rücksicht nehmen spiel
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Lumi
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Re: Sind ADHSler wirklich als behindert anzusehen??

Beitrag von Lumi » 9. Oktober 2011 01:40

Huhu,

neben meinem Autismus ist das ADHS auch eine Behinderung für mich, im Sinne einer Beeinträchtigung.

AD(H)S kann, so denke ich, definitiv auch eine “soziale Behinderung” sein (ich glaube, das haben die Amerikaner definiert?), bei der ein AD(H)Sler durch sein Umfeld in Punkten be-hindert oder ge-hindert wird, mit denen er unter anderen Umständen nicht mehr oder nicht viel schwierigere Probleme hätte, als die meisten anderen in anderen Punkten.

Ich bin der Meinung, dass nicht jedes ADHS eine Behinderung sein muss, weil es eine Diagnose ist, die wie ein Spektrum aufgebaut ist. Einige (alle?) der Symptome sind als “Eigenschaften” in Menschen zu finden, die keine AD(H)S Diagnose und die diese schwach ausgeprägten Eigenschaften selten bemerken. Das wird ab und zu als Argument getarnt, wenn jemand zeigen will, dass AD(H)S keine Störung beschreibt. Ich finde, das vergisst natürlich etwas. Es kann eben ein riesiger Unterschied sein, sich den Eigenschaften als klinische Symptome jeden Tag gleich mehrfach gegenüber zu sehen, die dann auch noch große, tägliche Auswirkungen auf die Lebensqualität zu haben.

Ich weiß nicht, was kann Behinderung heißen?

Das man etwas sehr schwieriges doch irgendwie noch hinkriegen und bewältigen kann, heißt für mich nicht, das genau das, was es einem so schwierig gemacht hat, keine Behinderung ist.

Denn was heißt denn, wenn ich beeinträchtigt bin und dadurch behindert? Ich kann etwas nicht, aber ich kann eben nicht “gar nichts”. Gibts ja nicht, das jemand “gar nichts” kann und deshalb “gar nichts” zu geben hat, jeder kann etwas – und was an “Können” oft ganz wichtig ist, ist das man mit dem, was man kann und wer man ist, anderen was geben kann.

Vielleicht vergisst man es ab und zu, wenn man es in seinem Alltag nicht vor Augen hat, aber:

auch ein riesiges, glückliches Lachen trotz eingeschränkter oder ganz fehlender Fähigkeit, in Worten oder Gebärden das Lachen zu erklären, ist eine Fähigkeit, die bestimmen anderen Menschen etwa gibt. Es ist eine Fähigkeit, die nicht jeder Mensch genau so teilt und wenn ein anderer Mensch auch so Lachen würde, kann er den Menschen, die “ihr” Lachen von “ihrer” Person brauchen, vielleicht nicht genauso viel geben oder sogar ganz ganz wenig. Man kann andere ja meist nicht ersetzen oder einfach wen austauschen, wenn der jemand anderem was bedeutet.

Also, für mich ist das ADHS eine Behinderung, eben weil behindert sein nicht heißt, dass man gar nichts kann, sondern das man eine “wichtige” “grundlegende” Sache (oder einige oder ganz viele Sachen) nicht kann.

Das ist echt eine schwammige Aussage. Man könnte fragen, ob es einen allgemeinen Unterschied macht, ob jemand die Fähigkeit zu einer Sache später erwirbt, nie erwirbt, teilweise erwirbt, jemand einen anderen Weg findet, ohne genau die gefragte Fähigkeit trotzdem ans Ziel zu kommen und ob es einen Unterschied in der Beurteilung seiner Schwierigkeiten oder einen Unterschied für die Semantik macht, wie er dies schafft. Ob es einen allgemeinen Unterschied darstellt, welche Anzahl von Fähigkeiten beeinträchtigt ist und ob es allgemein einen geltenden Unterschied macht, wie leicht oder stark eine Fähigkeit jeweils beeinträchtigt ist – und wie man individuelle Bewältigungsstrategien und Unterstützungen anderer, die die aus der Beeinträchtigung resultierenden Schwierigkeiten verändern, verschlimmern oder verbessern kann, berücksichtigt.

Und vielleicht käme man dann zu einer allgemein gültigen und richtigen Definition, was Behinderung für alle ist.

Mir geht dazu das hier nicht aus dem Kopf. Zu Beginn der ersten Klasse hatte ich eine unangenehme Situation, die daraus entstand, dass meine Sitznachbarin zu einer Förderschule wechselte, was uns in peinlichen, furchtbar unpassenden Worten erklärt wurde.

Ich verstand nicht, warum die meisten am Tag nach der Verabschiedung meinten, die Kinder von “der Spezialschule” sind behindert, weil die “dümmer” in Deutsch, Mathe und Sachunterricht sind als “wir” und nicht mal richtig sprechen könnten oder sich anziehen könnten. Und das heißt “geistig behindert”, das hätten die Eltern von einem erklärt.

Da fragte ich die Lehrerin in der Pause, wie das funktionieren kann, weil doch die anderen (in meiner Klasse) alle “dumm” sind, die aber nicht “geistig behindert” genannt werden, obwohl sie nicht Lesen können und nicht so richtig die ganz neuen Aufgaben erledigen, wie ich und sich die Schuhe nicht so schön binden können, wie ich das schon kann. Ich habe damals die (aus meiner Sicht) fehlende Reaktion nicht verstanden, aber ich behaupte guten Gewissens heute, dass die Dame nicht so angetan gewesen sein wird!

Ich war Zuhause noch sauer und meinte, eigentlich wären sie ja sogar “dümmer”, als der K. aus dem Kindergarten, denn der “dürfe” ja zwar auch gar nicht zur “normalen Schule”, aber der war ein “richtiger Musiker” (im Vergleich zu andern) und hat beigebracht bekommen, Kuchen immer genau bei der Hälfte zu teilen.

Und dann wäre ich ja auch dumm, weil sogar der K. sich öfter schneller anziehen konnte, auch wenn der manchmal so durcheinander kam, wie ich. Und der T. aus der Schule, der nur nach oben oder unten guckt und manchmal laut kreischt, aber diese Jahreszahlen zu Kriegen kennt und ständig aufsteht und anfängt zu erzählen, der ist behindert, was niemand laut sagen soll, aber der ist ja auch klug!

Ich verstehe mich heute schon noch (und deshalb weiß ich es noch), auch wenn das jetzt was her ist.

Und ich weiß nun mittlerweile auch, dass es Jüngere so jung wie I-dötzchen mit anderen Störungen, mit dem vielseitigen Förderschwerpunkt Lernen und eben auch aus dem Bereich der geistigen Behinderung gibt, die obwohl ich definitiv durch Alter und Fähigkeiten viel mehr kann, weniger beeinträchtigt sind in einigen Bereichen, in denen ich durch ADHS und Autismus beeinträchtigt bin. 

Das ist mir eine wichtige Erfahrung geworden und sie ist deshalb auch dann für mich präsent, wenn “Behinderung” zur Sprache kommt und wenn von “Fähigkeiten”, “Potenzial” und “Intelligenz” gesprochen wird.

Und jetzt denke ich nur noch, dass mir das Thema schwierig ist und es plötzlich zweieinhalb Stunden später ist, als vorhin.  :eusa_doh:

LG
Lumi
reneh

Re: Sind ADHSler wirklich als behindert anzusehen??

Beitrag von reneh » 9. Oktober 2011 09:03

Ich halte das für ausgemachten Unsinn.
Hier wird ein Plakat verwendet um für alles eine Ausrede zu haben:

@BlackLady: Mit den folgenden Aussagen meine ich NICHT Dich!!  :winken:

"Das Kind schreit und ist nicht zu bändigen"?
Es hat AD(H)S und ist behindert.
"Das Kind prügelt sich"?
Es hat AD(H)S und ist behindert.

Soziale Inkompentenz, verursacht durch mangelhafte Erziehung? AD(H)S=behindert.

Da werden Kinder zum Kinderarzt gezerrt, weil die Eltern nicht klarkommen. Die Eltern haben sich schon im Vorfeld "informiert" und drücken den, in dieser Sache nicht kompetenten, Kinderarzt in Richtung Diagnose=AD(H)S.

Bei Erwachsenen nicht anders.

Alles so schön einfach.
Ich kann nichts dafür/mein Kind kann nichts dafür. Es hat AD(H)S. Es ist behindert.
Ich muss nichts ändern, IHR müsst damit leben.
  :108:

Ich habe nach 40 Jahren meine Diagnose (nach unendlich vielen Voruntersuchungen etc) erhalten und bin froh darüber.

Endlich weiss ich, warum ich so bin und kann endlich gezielt dagegen vorgehen.

Behindert es mich?
NEIN!
Das Wissen um die Tatsache, ereichtert es mir.
Ich kann etwas dagegen tun. Ich kann mir und meinem Umfeld den Umgang mit mir erleichtern, verbessern.
Ich muss mich nicht mehr für alles entschuldigen, sondern kann im Vorwege schon zu Massnahmen greifen, die meine Symptome verringern.
Ich kann Situationen vermeiden oder abschwächen. Denn ich weiss nun um meine Schwäche und wie ich sie händeln kann.

Wer auch nur einen Funken Eigenverantwortung in sich trägt, wird sich gegen das Stigma wehren.
Und zwar mit aller Kraft.
Aussenstehenden erkläre ich gar nichts. Denn ICH habe die Diagnose, nicht die anderen.

Ich habe habe nur ADHS.
Ich habe nicht das Gefühl, lachend in eine Kreissäge laufen zu müssen.

Mein linkes Knie ist durch einen Motorradunfall nie wieder gesundet.
DAS behindert mich sehr oft, denn dagegen kann ich nichts mehr machen.
Eugenie

Re: Sind ADHSler wirklich als behindert anzusehen??

Beitrag von Eugenie » 9. Oktober 2011 09:43

Ein ganz interessanter Link zu diesem Thema:

http://behinderung.org/definit.htm

Ich tendiere aber mehr dazu den Begriff "Behinderung" aus systemisch/konstruktivistischer Sicht zu betrachten:

http://systemischestudien.de/fileadmin/ ... derung.pdf

Zitat daraus:
Konstruktivistisch betrachtet liegt die „Behinderung“ nicht in dem Phänomen und nicht in der Schädigung, sondern in der Frage der Passung, der Bedingungen aller Beteiligten. So gesehen ist die „Behinderung“ erst in der Beziehung bzw. in der sozialen Situation konkret und damit als Prozess zu verstehen. „Behinderung“ ist keine stabile, unveränderbare Größe, sondern entsteht immer wieder neu und unterliegt ständiger Veränderung. Dass ein Mensch blind ist, sich anders bewegt oder verhält, Zusammenhänge anders sieht, Stimmen hört oder ähnliches, ist aus konstruktivistischer Sicht keine „Behinderung“, sondern es sind spezielle Bedingungen, die die Personen in den Kommunikationsprozess mit einbringen.
„Behinderungen“ entstehen so betrachtet durch Unterscheidungen vom Beobachter...
...Ohne Personen, die als Beobachter ein bestimmtes Individuum als „geistig behindert“ beschreiben, gibt es keinen geistig behinderten Menschen.


...dass die „Behinderung“ keine Eigenschaft oder ein Defizit des Menschen ist, sondern systemisch gesehen eine konstruierte - und materialistisch gesehen eine gesellschaftliche Bedingung.
Zuletzt geändert von Eugenie am 9. Oktober 2011 09:52, insgesamt 1-mal geändert.
No User
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Re: Sind ADHSler wirklich als behindert anzusehen??

Beitrag von No User » 9. Oktober 2011 09:59

Ich verstehe den Streit nicht. Obwohl, einen gewissen Zorn angesichts des weit verbreiteten Missbrauchs als Ausrede kann ich schon nachvollziehen. Aber:

Genausowenig wie AD(H)S sollte Behinderung als Ausrede missbraucht werden. Genauso wie AD(H)S ist Behinderung viel mehr eine Herausforderung, die bewältigt werden will.

AD(H)S als Behinderung? Es gibt nicht DIE AD(H)S, es gibt sehr viele sehr verschiedene AD(H)S. Nach dem gängigen Sprachgebrauch für Behinderung erscheint es mir für die meisten Fälle von AD(H)S viel zu dick aufgetragen, AD(H)S pauschal als Behinderung zu bezeichnen.

Man kann aber auch behindert sein und zusätzlich AD(H)S haben.

Doch was heißt schon "behindert"? Die Definition bei Wikipedia ist auch nur EINE der möglichen Definitionen. Und auch die ist dehnbar. Interessant ist hier der Aspekt, dass insbesondere ungünstige Umweltfaktoren (Barrieren) wie auch soziale Faktoren wie Einstellungen der anderen Menschen behindernd wirken.

Ab wann ist eine dauerhafte Beeinträchtigung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Teilhabe "gravierend"? Denn dort liegt die verschwommene Grenze zwischen AD(H)S  (Diagnosekriterien!) und "Behinderung".

Behinderung ist nicht immer die Unmöglichkeit, Barrieren zu überwinden sondern oft nur eine Erschwernis.

Nach der sozialrechtlichen Definition in D. (auch bei Wikipedia nachzulesen) wäre eine diagnostizierbare AD(H)S zumindest im Kindesalter mit Entwicklungsverzögerung in Teilbereichen eigentlich eindeutig eine Behinderung. Hier wird erst in den Detailregelungen wieder zurückgerudert.

Interessant auch (immer noch dieser Wikipedia-Artikel) die "Schwierigkeiten der Definition". Geht es uns wie vielen Gehörlosen, dass höchstens die nicht betroffene Außenwelt unsere Eigenart als Behinderung abstempeln will?

Wobei ist man behindert, wovon wird man behindert? Ist nicht jeder irgendwie behindert? Ich zum Beispiel bin sehr gerne in den Bergen unterwegs. Oberhalb von 4000 m bekomme ich aber regelmäßig Probleme. Wahrscheinlich könnte ich nie Achttausender besteigen, aber die sind mir auch nicht wichtig, ich interessiere mich nicht für Extremalpinismus. Bin ich deshalb höhenbehindert? Vielleicht ließe sich diese "Behinderung" mit extrem viel Training überwinden, doch lieber finde ich das, was ich in den Bergen suche auf Höhen um die zwei- bis dreitausend Meter. Für höhere Expeditionen würde ich wahrscheinlich für das Team zur Behinderung werden.

LG
Steffchen 
Zuletzt geändert von No User am 9. Oktober 2011 10:01, insgesamt 1-mal geändert.
Eugenie

Re: Sind ADHSler wirklich als behindert anzusehen??

Beitrag von Eugenie » 9. Oktober 2011 10:07

@steffchen:

Interessant auch (immer noch dieser Wikipedia-Artikel) die "Schwierigkeiten der Definition". Geht es uns wie vielen Gehörlosen, dass höchstens die nicht betroffene Außenwelt unsere Eigenart als Behinderung abstempeln will?

Gerade die Gehörlosen geben ein sehr sehr gutes Beispiel ab.
Viele gehörlose sehen die Hörenden als Behindert an, weil sie die Gebärdensprache nicht verstehen.
Ich habe viel mit Gehörlosen zu tun und keiner von denen würde sich selbst als behindert bezeichnen.  Vielmehr haben sie das Problem dass ihnen die "Behinderung" von außen aufgedrückt wird.
Zuletzt geändert von Eugenie am 9. Oktober 2011 10:32, insgesamt 1-mal geändert.
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Liz
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Re: Sind ADHSler wirklich als behindert anzusehen??

Beitrag von Liz » 9. Oktober 2011 10:13

[quote="Eugenie"]
@steffchen:
Viele gehörlose sehen die Hörenden als Behindert an, weil sie die Gebärdensprache nicht verstehen.
Ich habe viel mit Gehörlosen zu tun und keiner von denen würde sich selbst als behindert bezeichnen.  Vielmehr haben viele das Problem dass ihnen die "Behinderung" von außen aufgedrückt wird.
[/quote]

Kann ich voll verstehen und unterschreiben, geht mir persönlich mit meinem ADHS genauso.

Ich persönlich sehe mich nicht als Behinderte an.

Im Gegenteil. manchmal tun mir die nicht ADHSler regelrecht leid, weil ihnen so viel verschlossen bleibt, was für mich ein offenes Buch ist.

Gruß
Liz
Zuletzt geändert von Liz am 9. Oktober 2011 10:32, insgesamt 1-mal geändert.
Wünsche nicht, das nicht zu sein, was du bist, sondern wünsche, das Recht zu sein, was du bist.

Franz von Sales, (1567 - 1622), italienischer Ordensgründer der Salesianerinnen, Bischof von Genf, Heiliger
reneh

Re: Sind ADHSler wirklich als behindert anzusehen??

Beitrag von reneh » 9. Oktober 2011 10:17

[quote="steffchen"]
Ich verstehe den Streit nicht.
[/quote]

Welchen Streit?
*such*
ööhhhh...
Nix gefunden...
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Re: Sind ADHSler wirklich als behindert anzusehen??

Beitrag von No User » 9. Oktober 2011 10:24

Den Streit gibt es jenseits von diesem Fred bzw. jenseits von diesem Forum tatsächlich. Darfst du mir jetzt einfach mal glauben. Ist nämlich nicht alles zitierfähig, was man da zu hören bekommt.

"behindert" als Schimpfwort - der abwertende Gebrauch von "Behinderung" ist wohl die wichtigste Motivation, warum i.d.R. immer nur die anderen "behindert" sind.

LG
Steffchen
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Re: Sind ADHSler wirklich als behindert anzusehen??

Beitrag von No User » 9. Oktober 2011 10:35

Ich denke, wenn man erst mal die abwertende Auffassung von "Behinderung" verinnerlicht hat, dann ist es keine gute Idee, sich selbst als behindert zu betrachten.

Ich würde dann aber auch nicht empfehlen, vorschnell andere in diese Schublade zu packen. Mag sein dass es manchem gut tut - wer's braucht. Ich bin aber überzeugt, dass das regelmäßig auf den Betroffenen zurückfällt. Nur mancher merkt's nicht mal - dann geht's ihm entweder auch wieder gut oder er begreift nicht, warum alle so böse zu ihm sind...

LG
Steffchen
reneh

Re: Sind ADHSler wirklich als behindert anzusehen??

Beitrag von reneh » 9. Oktober 2011 10:40

[quote="steffchen"]
Den Streit gibt es jenseits von diesem Fred bzw. jenseits von diesem Forum tatsächlich.
[/quote]

Das ist mir schon klar. Ich hatte das aber nur auf diesen Fred bezogen und Dich somit falsch verstanden.
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Re: Sind ADHSler wirklich als behindert anzusehen??

Beitrag von No User » 9. Oktober 2011 11:23

Übrigens viel Spaß beim Abgrenzen chronischer Erkrankung von Behinderung.

Und da wären wir wieder bei der Diskussion, ob man mit AD(H)S vielleicht krank oder gestört sein könnte. Ist m.E. nicht wirklich OT in einem Fred über AD(H)S als Behinderung.

Denn "krank" und "gestört" sind ebenso negativ besetzt wie "behindert", so dass man lieber auf die anderen "Kranken", "Gestörten" und "Behinderten" herabblickt, als sich selbst so zu verstehen.

Da bleibt seit Jahren meine Frage unbeantwortet, warum Leute zum Arzt gehen, dem was vorjammern und sich eine "Störung" genannte Krankheit diagnostizieren lassen, um hinterher aller Welt zu erklären: "Ich bin doch nicht krank oder gestört. Ich bin etwas Besonderes!" Und gegen (?) ihre Besonderheit machen sie dann Therapie bzw. nehmen Pillen. Natürlich auf Kosten der Besonderenkasse.

Also ich bin wirklich was besonderes.

Für mich.

Weil ich ich bin, das ist sonst niemand.

Meine ADHS dagegen ist nichts besonderes. Haben schleßlich viele.

Bevor ich von meiner ADHS wusste, war ich reichlich depri, weil ich das ernsthafte und nicht ganz unbegründete Gefühl hatte, zu "verblöden" angesichts heftiger Schübe von Konzentrationsproblemen und Vergesslichkeit. Oder als konkreteres Schreckensbild etwa an Alzheimer zu leiden, was dann doch eine ziemlich finale Behinderung wäre.

So gesehen ist AD(H)S (die Diagnose) für mich mehr eine Entwarnung als eine Behinderung. Man kann so viel dagegen und damit tun, dass die fehlende "Heilbarkeit" hier beinahe bedeutungslos erscheint. 

LG
Steffchen
reneh

Re: Sind ADHSler wirklich als behindert anzusehen??

Beitrag von reneh » 9. Oktober 2011 11:48

[quote="steffchen"]
So gesehen ist AD(H)S (die Diagnose) für mich mehr eine Entwarnung als eine Behinderung. Man kann so viel dagegen und damit tun, dass die fehlende "Heilbarkeit" hier beinahe bedeutungslos erscheint. 
[/quote]

Das sehe genauso.
Wie bereits geschrieben, die Tatsache zu "wissen" erleichtert mir mein Leben.

Krankheit, Behinderung, Störung...
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Re: Sind ADHSler wirklich als behindert anzusehen??

Beitrag von gismor2 » 14. August 2012 16:19

ich hab auch ADHS. und ich sehe es nicht als behinderung an es ist doch so, das ist zwar eine einschränkung oder manchmal auch vorteil! weil ich zum beispiel kein alk wie andere brauche um richtig hamma abzugehen.das können nicht viele aber ich finde  auch so das man die menschen mit ADHS nicht ausgrenzen weil sie sind genau solche menschen wie andere auch und man darf da keine unterschiede machen denn wo kommen wir denn dahin wenn das jeder soo machen würde. es würde auf einmal nur einzelkämpfer geben und das ist in unseren gesellschaftlichen schichten nicht grade förderlich oder wie seht ihr das ??

LG gismor !! :ja1:
hey leute ich bin total krass cool drauf. hab aber trotzdem viele sorgen ängste und panik hab Borderline und adhs. könnt mich gerne kennenlernen bin für alles offen. traut euch es lohnt sich..
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Re: Sind ADHSler wirklich als behindert anzusehen??

Beitrag von No User » 14. August 2012 20:32

Ich sehe zwar überhaupt keinen  Grund, jede ADHS pauschal als Behinderung anzusehen, allerdings kann ich in deiner Argumentation, gismor2, auch keinen Unterschied zu Behinderung erkennen. Es ist ja gerade auch unter Behinderten weit verbreitet, dass deren Behinderung sie zwar mehr oder weniger einschränkt, manchmal aber auch von Vorteil ist.

Denke mal z.B. an Blinde, deren andere Sinne dafür viel besser trainiert sind. Oder Taube mit Fähigkeiten wie Lippenlesen oder Gebärdensprache. Und selbst die Einschränkungen der Behinderten müssen trotz unumstrittener Behinderung keineswegs drastisch sein oder einfach hingenommen werden. Da kommt es auf geeignete Hilfen an und auf ein soziales Umfeld, das diese Einschränkungen nicht verschärft, sondern reduzieren hilft.

Du hast vielleicht bei Olympia Oscar Pistorius gesehen, der als doppelt Unterschenkelamputierter nicht etwa bei den Paralympics antritt, sondern unter Normalo-Olympioniken an den Start ging. Auf seinen Prothesen hat er es im 400 Meter-Lauf immerhin ins Halbfinale geschafft.

Offensichtlich ist er durch seine Behinderung auch eingeschränkt, sagen wir mal z.B. beim Schwimmen. Bzw. bräuchte er dafür andere Prothesen. Beim Laufen dagegen kann man kaum von einer Einschränkung reden, wenn jemand im Olympia-Vorlauf den zweiten Platz belegt.

Hätte er weiter gewonnen, wären übrigens schwierige Fragen aufgetaucht: Hat er nicht vielleicht einen Vorteil den anderen Läufern gegenüber, weil seine Waden nicht ermüden, schmerzen, in der Spannkraft nachlassen? Weil ihm andere technische Hilfsmittel erlaubt und möglich sind als den anderen Sportlern?

Besonders wichtig wäre mir, dass man gerade Behinderte nicht ausgrenzen sollte, auch wenn ich das mit dem "Unterschiede machen" etwas anders sehe. Ob mit oder ohne Behinderung, mit oder ohne ADHS sind die Menschen ja nie alle gleich. Um ihnen gerecht zu werden, muss man auch Unterschiede machen. Man kann nicht alle über einen Kamm scheren.

Und um ehrlich zu sein sind wir auch nur Menschen. Wir sind nicht in der Lage, jede Einschränkung anderer auszugleichen oder auch nur zu dulden, zu ertragen, auszuhalten. Nehmen wir z.B. mal Personen mit narzistischer Persönlichkeitsstörung. Oder extreme Hypochonder. Also auch ich würde Kontakt zu solchen lieber meiden, um nicht runtergezogen zu werden. Deswegen bin ich noch lange kein Einzelkämpfer.

LG
Steffchen
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Re: Sind ADHSler wirklich als behindert anzusehen??

Beitrag von gismor2 » 15. August 2012 15:54

steffchen besser hät ichs nicht sagen können aber genau das meine ich wusste nur nicht wie ichs sagen sollte.  :smt023:
hey leute ich bin total krass cool drauf. hab aber trotzdem viele sorgen ängste und panik hab Borderline und adhs. könnt mich gerne kennenlernen bin für alles offen. traut euch es lohnt sich..
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Re: Sind ADHSler wirklich als behindert anzusehen??

Beitrag von fachaela » 9. September 2012 13:00

ich hab mich vor vielen jahren mal mit einer dame virtuell in der wolle gehabt, weil sie der meinung war, ich würde meinen sohn nicht optimal unterstützen, da ich mich weigerte und es heute noch tue, ihm mit der ads-diagnose einen behindertenausweiss zu beantragen.

ich hab nichts dagegen, wenn sich ein ads-ler als behindert empfindet oder sich durch sein verhalten als behindert einschätzt.
aber ich geh auf die barrikaden, wenn ich höre, wie leichtfertig heute alle, die früher als seltsam und leicht der schwer schwierig galten, als behindert gelabelt werden!

es gibt einfach zu viele leute, die behinderten weniger zu trauen, als "normalos" und vor diesen leuten möchte ich mich und meine kinder auch schützen und gegen deren pauschalurteil verwahr ich mich entschieden!!
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Re: Sind ADHSler wirklich als behindert anzusehen??

Beitrag von No User » 9. September 2012 13:59

Aber auch das ist ein Pauschalurteil. Die ADHS-Fälle unterscheiden sich doch individuell extrem stark.

Während ich für mich und meinen (durchaus heftig betroffenen) Sohn gar nicht auf die Idee komme, einen Behindertenausweis zu beantragen, gibt es einen (kleinen) Anteil von ADHS-Fällen, bei denen der offizielle Behindertenstatus angemessen und auch hilfreich ist.

Anders herum gibt es auch Menschen, denen man als Außenstehender rein gar nichts von einer Behinderung ansieht, so dass man extrem überrascht ist, wenn man von ihrem Behindertenausweis erfährt. Manch ernsthafte Einschränkung ist durchaus relevant in Beruf und Alltag und dennoch nicht offensichtlich.

Was ist das eigentlich für eine Behauptung, dass "heute alle, die früher als seltsam und leicht der schwer schwierig galten," leichtfertig "als behindert gelabelt werden"? Das trifft auf die meisten der Fälle, die ich persönlich kenne, nicht zu.

LG
Steffchen
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