Schöne Schmerzen?!

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Cryin Angel
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Re: Schöne Schmerzen?!

Beitrag von Cryin Angel » 9. März 2009 14:11

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@ qc:
ja, sehr sogar. Gerade beim Tätowieren ist mir das stark bewusst geworden.

Andererseits trifft es bei mir auch zu, dass äusserlicher Schmerz den Seelenschmerz übertönt und somit als "angenehmer" empfunden wird.
"Ich wurde nicht in diese Welt geboren, um so zu sein wie ihr mich gerne hättet!"
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Re: Schöne Schmerzen?!

Beitrag von Nucklchen » 9. März 2009 16:09

ich denke es kommt immer auf die art des schmerzes an. wenn ich zum artzt zum blut abnehmen muss, flenne ich wie nen kleines kind. geht gar net. :icon_redface:
ich werde dann immer müde belächelt. grad weil ich von kopf bis fuß tattoowiert und gepierct bin  :breitgrinse1:
das piercen und tattoowieren, tat nie weh. egal welche stelle. aber sobald mir jemand mit ner nadel in die ven will, geht der terror los. genauso wie beim zahnarzt. da wird gejault ohne ende.
aber dann schneid ich mir auf der arbeit ausversehen(mal wieder) fast nen ganzen finger ab und merke davo null.
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Re: Schöne Schmerzen?!

Beitrag von Cryin Angel » 9. März 2009 16:53

Hey nuckelchen  :zwink: das mit den Spritzen kenn ich auch  :breitgrinse1:
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Re: Schöne Schmerzen?!

Beitrag von Nucklchen » 9. März 2009 17:04

der witz is ja. hab haufen weise piercings, tat keins weh. immer wieder gern, aber kommt ne spritze. lauf ich amok. das mein ich auch mit es kommt auf die art des schmerzes an.
manch schmerz ist unangenehm und mancher schmerz gefällt uns oder wir merken ihn gar net erst.
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Re: Schöne Schmerzen?!

Beitrag von Cryin Angel » 9. März 2009 17:11

Piercing war für mich auch kein Problem.

Ich glaube die Sache mit den Spritzen hat etwas mit der Unfreiwilligkeit zu tun. Jemand anderes bestimmt, einem weh zu tun. Man hat es nicht selbst in der Hand.
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ophelia41
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Re: Schöne Schmerzen?!

Beitrag von ophelia41 » 9. März 2009 18:04

hallo,

ich kann das in bezug aufs tätowieren auch sagen, habe drei, eines davon ist riesengross und zieht sich über den ganzen rücken....piercings habe ich auch.

ich habe weder eine sado-maso ader noch bin ich schmerzunempfindlich...als kind hatte ich vor allem angst, selbst vorm ohrlochstechen!

bei meinem rückentatoo sass ich zweimal 4 stunden...jeder sagt, es täte scheissweh...mich hat es nach einiger zeit dann beruhigt....hab ich selbst nicht verstanden...
maerenthaler
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Re: Schöne Schmerzen?!

Beitrag von maerenthaler » 9. März 2009 21:26

[quote="Cryin Angel"]
@maehrenthaler

das war die erste Nachricht eines Herzinfarktes, bei der ich laut lachen musste. Ich hoffe, du nimmst mir das nicht übel  :zwink: . Ich bin mir über die Tragik und Gefahr, in der du warst sehr wohl bewusst, aber ich hab mir das grad bildlich vorgestellt...  [/quote]

Warum sollte ich Dir böse sein?

Ich lache doch selber drüber!

Nur was mir in dem Zusammenhang durch den Kopf geht...

Meinen letzten Bandscheibenvorfall
hatte ich während eines Ausbildungslehrgangs in Willebadessen.
Ich war 36 Jahre alt.
Ich bin am gleichen Tag, ein Mittwoch,
mit dem eigenen PKW ca 3 Std nach Hause gefahren,
auf direktem Weg in ein Koblenzer Spezialkrankenhaus.
Dort angekommen weinte ich wie ein kleiner Junge
und verlangte sofortige Hilfe unter Androhung von Suicid bei Verweigerung.
Und das meinte ich wirklich ernst, jedenfalls glaubte ich das.
Die Schmerzen waren einfach unerträglich.

Der erste, genauso wie der zweite Herzinfarkt dagegen schmerzte zwar auch,
mit Sicherheit auch nicht viel weniger, als der Bandscheibenvorfall,
aber ich (mein "ich", daß ich seitdem völlig anders bewerte),
nahm diese Schmerzen völlig anders wahr.

Der Schmerz wurde wohl irgendwie registriert,
aber völlig überlagert von einem Bewußtsein der Lebesbedrohung,
die ich nie jemals zuvor ähnlich registrierte,
auch nicht in Situationen, aus denen ich mit einem
"Mensch, da haste aber nochmal richtig Schwein gehabt" rausgekommen bin,
in denen ich durchaus wahrscheinlicher hätte mein Leben verlieren können als andersrum.

Bei meinem ersten Herzinfarkt hatte ich (mit eigenem PKW) eine Odyssee hingelegt,
selbst ein Kardiologe wollte mich nach Hause schicken (alles nur muskuläre Verspannungen),
und es hat 3 Tage harnäckig darauf Bestehen gekostet,
bis man den Herzinfarkt tatsächlich diagnostiziert und behandelt hatte.

Als ich dann meinen zweiten Infarkt hatte,
wußte ich, genau, wie auch schon bei dem ersten, was los ist,
aber ich hatte aus dem ersten Procedere gelernt,
und daher auch das entsprechende Auftreten.

Ich wurde wegen der Schmerzen hernach (übrigens in beiden Fällen) mit Morphium behandelt,
weil sie so stark waren.

Aber bis ich endlich soweit war, daß ich behandelt wurde,
hat mein Hirn diese Schmerzen ignorieren können
(oder wie auch immer ich das ausdrücken soll),
gerade, um in dieser lebensbedrohlichen Situation alle Sinne nutzen zu können,
eine entsprechende Behandlung auch abzufordern und herbeiführen zu können.

Der Arzt bestätigte mir noch während der Kathederuntersuchung,
daß auch nur wenig später schon alles hätte zu spät sein können.

Und so kann ich heute eigentlich 2 Mal lachen,
zum einen wegen der Situationskomik,
zum anderen aber auch, weil ich's tatsächlich überlebt habe.

:winken:

LG
Christian
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Re: Schöne Schmerzen?!

Beitrag von Cryin Angel » 10. März 2009 12:48

Hallo Christian,

gehts dir dann evtl. auch so, dass du dich nicht ernst genommen fühlst, wenn dir wirklich etwas Ernsthaftes fehlt?

Bei mir z.b. ist es so, dass ich Kollegen sehr ernst nehme, wenn sie krank sind. Sei es nur eine normale Erkältung oder auch Schmerzen sonst wo. Im Nachhinein denke ich mir dann: hey, mir gings schon viel mieser, aber trotzdem renn ich wie ein Depp in die Arbeit und lass mir nichts anmerken.
Einmal war es dann wirklich nicht zum Aushalten, ich konnte kaum sitzen vor lauter Bauchkrämpfen. Hab mich dann entschieden, nach Hause zu gehen. Als ich den Kollegen bescheid sagte, dass ich für den Rest des Tages nicht da bin, weil es mir mies geht, kam dann: "Ach ich bräuchte noch schnell diese Liste... und könntest du noch grad jedes... " :aufsmaul_2:
Da flogen bei mir alle Sicherungen und ich "brachte präzise zum Ausdruck", dass ich sagte, mir ginge es mies und dies auch genau so meinte. Ich mache nichts mehr und gehe sofort nach Hause.
Es wurde sofort still, verstörte Blicke... und Einsicht.
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Re: Schöne Schmerzen?!

Beitrag von Frosch » 10. März 2009 13:39

@ Crying Angel,

das kenne ich, habe schon so oft gedacht, was jammern die alle wegen jedem Scheiß, mir gehts wirklich nicht gut, sage kein Wort und muß alles machen.
Und wenn es wirklich eng wird, mit meinem befinden, werde ich nicht ernst genommen, frei nach dem Motto: Stell Dich nicht so an. Aber dann ist meistens schon das spichwörtliche Kind iin den Brunnen gefallen.

LG Frosch
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Re: Schöne Schmerzen?!

Beitrag von Cryin Angel » 10. März 2009 14:20

@ Frosch:

Wir müssten unseren Mund ja nur auch aufmachen. Genau dort liegt eben der Hund begraben. Wie sollten die anderen es wissen, wenn wir nichts sagen.
Die Jammerlappen fahren am Ende immer am Besten. Sie werden bemitleidet, wenn sie mit tropfendem Näschen in der Arbeit sind und sie werden gelobt, weil sie trotzdem arbeiten.
Bei uns ist das Standard, ausserdem haben wir es doch so gut - wir sind schliesslich NIE krank.

Aber weisst du, erstens denke ich jedesmal, soooooooo schlecht gehts mir auch wieder nicht, ich empfinde es tatsächlich als normal.
Und zweitens würde es mir elend auf den Keks gehen, wenn mich jemand bemitleidet.

Was mich eben stört, ist, dass ich erst mit der Faust auf den Tisch schlagen muss, damit es kapiert wird, wenn es tatsächlich mal ernst ist.
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Frosch
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Re: Schöne Schmerzen?!

Beitrag von Frosch » 11. März 2009 13:22

@ Crying Angel,

kann mich da anschließen. Ich mag gar nicht als ewig jammerndes "Weibchen" durch die gegend laufen, bei manchen Leuten egal ob Frau oder Mann, geht mir dieses ewige gejammer auf die Nerven, nicht nur wenn sie krank sind, wie bei einem Schnupfen, sondern auch wenn sie was heben, sollen, oder was machen sollen, frei nach dem Motto, das ist mir aber zu schwer, Nein, das kann ich nicht, oder Nein, da werde ich aber schmutzig, grrr! Da bekomme ich echt zuviel, wenn man was nicht versucht oder "aushält", kann man es ja auch nicht Wissen, und ständig auf andere oder deren Mitleid angewiesen sein? Ist echt nicht mein Ding.
Aber ärgern tut es mich schon ziemlich, vor allem wenn ich mal soweit in was zu sagen, dann ist es auch so, und ich werde nicht ernst genommen.
Klar einfach den Mund aufmachen, und jamern, oder sich mitteilen, wäre die Lösung, aber wenn ich das mal versuche (hab mal so einen Probelauf für mich gestartet :up_to_something:, klappt sowieso nicht), also kannn ich es auch lassen, Oder?

LG Frosch
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Re: Schöne Schmerzen?!

Beitrag von maerenthaler » 11. März 2009 21:47

[quote="Cryin Angel"]
Bei mir z.b. ist es so, dass ich Kollegen sehr ernst nehme, wenn sie krank sind.
Sei es nur eine normale Erkältung oder auch Schmerzen sonst wo.  [/quote]

Ich möchte gerne von meinen Mitmenschen ernst genommem werden,
also muß ich sie auch ernst nehmen.
Und das gilt gleichermaßen, wenn sie Grund zur Freude haben,
als auch, wenn sie "jammern", daß und weil es ihnen schlecht geht.

Nun....
das mit dem Jammern ist aber eine ziemlich subjektive Sache.

Mein "eigenes Leiden" ist z.B. ziemlich zweigeteilt:

Wenn ich mich z. B. mal wieder vor der Arbeit viel zu lange im Forum verloren habe,
ich dadurch total mein Zeitkonzept über den Haufen werfen
und eigentlich neu konzipieren müsste,
aber in meinem Hyperfocus unbedingt gegen jede Vernunft
alles in Bewegung zu setzen versuche, die Zeit zu überlisten,
natürlich ohne jede Chance auf Erfolg,
die Schuld aber dem Idioten auf der Kreutzung, der Ampel,
den widerspenstigen Schnürriemem meiner Schuhe und überhaupt allem,
was mich hindert, die verlorene Zeit aufzuholen, gebe,
dann stöhne ich auch erst mal nur rum, schreie, fluche,
und hadere mit meinem Leben,
am liebsten würde ich alles hinschmeißen: "sollen die doch ihren Scheiß selber machen!".

Hab ich dann irgendwann meinen Arbeitsfluss wiedergefunden,
"normalisiere" wieder in die alltägliche Routine zurück,
kann sich keiner, der mich dann erlebt, ich selbst am allerwenigsten,
ausmalen, was noch ein paar Std vorher abgegangen ist.

Nur was die, die mich in dieser Phase erlebt haben, von mir denken,
das auszumalen weigert mein Hirn sich konsequent.

Bin ich aber "wirklich" krank, Grippe, Erkältung, "ich hab' Rücken" usw.
fühle ich mich zwar auch jämmerlich, gebe das aber nicht nach außen,
sondern "ergebe" mich meiner Hyperaktivität einerseits,
meiner Uneinsichtigkeit über die Endlichkeit meiner Kräfte andererseits
und arbeite solange weiter, bis es wirklich nicht mehr geht.

Hab ich aber diesen Punkt erreicht, dann ist definitiv Schicht.

Dann wird weder argumentiert und erst recht nicht diskutiert.

Ich bin krank und brauche eine Auszeit.

Und das ist dann auch meine alleinige Entscheidung.

Diese Entscheidung fällt unabhängig von meinem Arbeitgeber,
aber auch im Grunde unabhängig von meinem Arzt:
mein Arbeitgeber wird über die Notwendigkeit der  Auszeit informiert
und meinem Hausarzt wird die Verordnung der notwendigen Auszeit abgefordert,
und meistens auch genau in dieser Reihenfolge.

Da ich bisher nie "den gelben Zettel ausgenutzt" habe,
haben sich weder mein Arbeitgeber noch meine Ärzte
über meine Handhabung in dieser Angelegenheit beschwert.

[quote="Cryin Angel"]
gehts dir dann evtl. auch so, dass du dich nicht ernst genommen fühlst,
wenn dir wirklich etwas Ernsthaftes fehlt?  [/quote]

Insofern kann ich diese Frage eigentlich nur verneinen.

Ich nehme in dieser Frage selbst das Heft in die Hand
und lasse die Möglichkeit,
mich in dieser Frage nicht ernst zu nehmen, erst gar nicht zu.

Arbeiten zu gehen wird gerne als "seinen Unterhalt verdienen" bezeichnet.

Ich finde, das ist eine sehr starke Vereinfachung eines sehr vielschichtigen Sachverhalts.

Arbeiten (Geld verdienen) ist für mich ein Teil in einer Gesamtheit meines Lebens:
vor 3000 Jahren wurde mit dem Beeren suchen nicht Schluß gemacht,
wenn Feierabend war, sondern wenn man satt war.

Und dem Hirsch, dem man hinterherjagte,
konnte man auch nicht sagen:
"Hey schau mal auf die Uhr, es ist gleich 16:15"
sondern man hat aufgegeben und schob Hunger,
oder man hat weitergemacht, und konnte seine Familie ernähren.

Ich glaube, in dieser Einstellung ist (für mich) der Grund,
warum ich in meiner Arbeit "leidensfähig" bin.

Der Treffer durch die Löwentatze bei der Jagd brachte damals auch keine Krankmeldung,
sondern man mußte sich trotz der Verletzung
nicht nur erst mal aus der Reichweite des Löwen bringen,
sondern auch am nächsten Tag wieder neu für essen sorgen,
sonst war der Exitus vorprogrammiert.

Und ich glaube, so wenig ich meine ADS auch mag,
da an der Stelle ist sie mir mal von Nutzen.

LG
Christian
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