ADHS und Approbation / Psychologiestudium

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chaotin124
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ADHS und Approbation / Psychologiestudium

Beitrag von chaotin124 » 21. August 2018 19:59

Hallo zusammen!

Ich studiere derzeit Psychologie und bin bald mit meinem Bachelor fertig. Ich habe das Studium aus der Intention heraus begonnen, mal psychotherapeutisch tätig zu sein, allerdings habe ich mir das schnell wieder aus dem Kopf geschlagen, da es Schwierigkeiten mit der Approbation geben kann. Habe ich jedenfalls immer so gehört, allerdings interessieren mich konkrete Erfahrungsberichte. Hat einer von euch eine Approbation bekommen bzw. ist gerade PiA?

Alternativ dazu: Ich interessiere mich auch brennend für Kognition, Neuropsychologie u.ä. Arbeitet zufällig jemand von euch in dem Bereich? Wenn nicht, welche Berufe habt ihr Psychologen eingeschlagen, falls es überhaupt ADHSler unter euch gibt?
Ich verzweifle so langsam und denke, dass ich mir das falsche Studium ausgesucht habe.. :|
Falschparker
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Re: ADHS und Approbation / Psychologiestudium

Beitrag von Falschparker » 21. August 2018 21:04

Hallo Chaotin,

ich gehe davon aus dass unter Psychologen ADHS überrepräsentiert ist, wie in so ziemlich allen sozialen Berufen. D. h. statistisch wäre mehr als jeder 25. deiner Kollegen/innen ADHS-ler.

Wie beruflich erfolgreich sie sind, hängt natürlich vom Ausprägungsgrad und der Behandlung ab. Eine Diagnose zu haben ist ja schon mal gut, die meisten erwachsenen ADHS-ler wissen ja (immer noch) nichts von ihrem "Glück".

Warum sollte es Schwierigkeiten mit der Approbation geben?
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undjetzterst
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Re: ADHS und Approbation / Psychologiestudium

Beitrag von undjetzterst » 22. August 2018 06:58

Hey Chaotin,
Zum Thema Approbation kann ich dir leider keinen Tipp geben, aber den Master musst/möchtest du vermutlich sowieso erst machen? Oder wäre ein Beruf für Psychologinnen mit Bachelorabschluss auch eine Option?
Ich werde jetzt dieses Wintersemester mit dem Bachelor Psychologie beginnen und freue mich riesig darauf!
Kognition und Neuropsychologie finde ich auch extrem spannend. Ich hatte auch überlegt, "Philosophie-Neurowissenschaften-Kognition" zu studieren, das gibt es in Magdeburg.

Da ich mir für mich persönlich kaum einen sozialen Beruf vorstellen kann (bin auch im Autismus-Spektrum, wie ich dieses Jahr feststellen durfte), zieht es mich eher in den Bereich Wissenschaft/Forschung/Lehre. Da muss man wahrscheinlich auch ziemlich organisiert sein, von wegen zerstreuter Professor und so ist heutzutage schwierig, sagte man mir :?
Du kannst dich ja unter Psychologen mal umhören (bei einem Kongress für Therapeuten oder so?). Ich weiß nicht genau, warum ADS ein Ausschlusskriterium für eine Approbation sein sollte.
Auf jeden Fall viel Glück dir!
ich schreibe nen Blog über Nachhaltigkeit, Neurodiversität und Nonsens ;o)
Stefan SRO
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Re: ADHS und Approbation / Psychologiestudium

Beitrag von Stefan SRO » 22. August 2018 07:49

Hallo,

Dr. Johannes Streif ist Deutschlands bekanntester Psych. mit ADHS.

https://www.adhs-deutschland.de/Home/Ue ... eif-4.aspx

Von Ihm findest Du "unendlich" viele Schriften und auch Mediendateien.

Dr. Eckart von Hirschhausen ist zwar bekannter, aber allg. Med.
https://www.adhspedia.de/wiki/Bekannte_ ... n_mit_ADHS

Vlt. hilf Dir das weiter.

VG
Stefan
"Mein Hirn kann nicht still sitzen..."
-
Was heute noch logisch und klar erscheint, ist morgen schon undurchsichtig rätselhaft.
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-Mal Einstein und mal taube Nuß.-
-Was man nicht all´s ertragen muß.-
Stefan SRO
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Re: ADHS und Approbation / Psychologiestudium

Beitrag von Stefan SRO » 22. August 2018 07:56

Von wegen "Lehre"...

Ich habe einige Zeit in der Aus- und Weiterbildung für Energiewirtschaftler + SAP gearbeitet.

Zwar waren alle Schüler begeistert von meinem bunten und lebhaften Unterricht, doch leider hat mich die Tätigkeit "aufgefressen".
Zum Abend war ich immer aufgewühlt und total erschöpft zugleich, so dass ich den Job wieder abgegeben habe.

Also, wer unsere "Gabe" hat, sollte die Fähigkeit zu unterrichten zuerst mal eine Zeit testen, bevor es zum Beruf wird.

VG
Stefan
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Re: ADHS und Approbation / Psychologiestudium

Beitrag von chaotin124 » 22. August 2018 17:27

Erstmal danke für eure Antworten. :)

Einen Master werde ich sowieso machen, da man sich ohne M.Sc.-Abschluss in Psychologie nicht Psychologe nennen darf. Dieser akademische Grad kann einem sowieso nicht mehr aberkannt werden, darum geht es also auch gar nicht. Nach dem Master kann man aber eine Ausbildung zum psychologischen Psychotherapeuten machen, die mit der Approbation und der Erteilung eines Kassensitzes endet. Für die Approbation muss man laut der Approbationsordnung

"eine ärztliche Bescheinigung, die nicht älter als einen Monat sein darf, aus der hervorgeht, dass die Antragstellerin oder der Antragsteller nicht in gesundheitlicher Hinsicht zur Ausübung des Berufs ungeeignet ist"

einreichen. Das ist für mich vage formuliert und könnte sich auch auf psychische Gesundheit beziehen, worauf die ADHS ja auch Auswirkungen hat. Verschiedene Quellen sagen einerseits, dass man nur einen Arzt finden muss, der einem den Wisch unterschreibt und andererseits, dass einem mit einer psychiatrischen Vorgeschichte der Weg versperrt wird. Deswegen wollte ich nach konkreter Erfahrung fragen, die ja vielleicht einer von euch hat. :)

Forschung und Lehre würde mich sogar noch mehr reizen als der Beruf des Therapeuten. Ich liebe es, wissenschaftlich zu arbeiten und würde viel Spaß daran haben, allerdings sind die Berufsbedingungen in dem Bereich leider nicht so toll: Befristete Arbeitsverträge und die Bereitschaft, alle paar Jahre in eine andere Stadt zu ziehen. Ich denke nicht, dass mir das auf Dauer Erfüllung bieten würde. Aber einen anderen Berufszweig kann ich mir bisher noch gar nicht vorstellen, bzw. habe ich auch noch gar nicht in Erwägung gezogen. Das ist das heimtückische an diesem Studium :roll: Dass man eben so unglaublich vielfältige Berufsmöglichkeiten hat.

Es ist übrigens beruhigend zu wissen, dass es Persönlichkeiten mit ADHS in der Psychologie gibt! Das motiviert mich und verleitet mich zu einem offeneren Umgang mit dem Thema ADHS. Bisher hatte ich immer den Eindruck, dass meine Kommilitonen gar keinen persönlichen Zugang zu psychischen Erkrankungen haben und nur ihr Wissen aus Büchern kennen und deswegen es sogar verschrien ist, selber unter sowas zu leiden.

Liebe Grüße :)
ULBRE
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Re: ADHS und Approbation / Psychologiestudium

Beitrag von ULBRE » 23. August 2018 12:10

Hallo,

die Frage würde mich rein rechtlich auch interessieren.
Habe im Netz nichts gefunden, nur diesen Beitrag:

https://www.zeit.de/2013/52/erwachsener ... ettansicht

Ich bin mir bei manchen hochrangigen deutschen AD(H)S-Spezialisten, die hochqualitativ veröffentlicht haben, ziemlich sicher, dass diese selbst betroffen sind. Aber was die in ihren Approbationsantrag reingeschrieben haben weiss ja keiner...

Viele Grüsse

UlBre
„Wenn ein unordentlicher Schreibtisch einen unordentlichen Geist repräsentiert, was bedeutet dann ein leerer Schreibtisch ?“ Albert Einstein
Ich hab einen eher wissensorientierten Schreibstil. Als eine Stimme im Chor find ich das ganz ok. Mehr soll das auch nicht sein.
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Re: ADHS und Approbation / Psychologiestudium

Beitrag von ToRo » 13. Juli 2019 11:17

Ich habe mehrere approbierte Psychotherapeuten im Freundeskreis, die im Vorfeld wegen psychischen Stoerungen in Behandlung und entsprechend diagnostiziert waren (auch graviererende Stoerungen wie bipolar). Dies war kein Hinderungsgrund für die Approbation. Auch wenn die aerztliche Bescheinigung gefordert wird, habe ich in meinem Umfeld auch noch nicht gehört, dass das unter angehenden oder taetigen Psychotherapeuten als Risiko diskutiert wurde, obwohl viele vorhergehend Diagnosen psychischer Stoerungen hatten.
Es wäre wohl auch schwer nachzuweisen, dass jemand wegen einer psych. Stoerung, die das Urteilsvermoegen und die Arbeitsfaehigkeit nicht akut einschraenkt, generell nicht behandeln kann (das finanzielle Risiko einer möglichen Berufsunfähigkeit traegt der Therapeut ja selbst). Mehr eine anekdotische Info, aber vielleicht trotzdem hilfreich.
Man sollte strategisch ueberlegen, welcher Arzt einem die Bescheinigung ausstellen soll, vermute ich.
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Raupi
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Re: ADHS und Approbation / Psychologiestudium

Beitrag von Raupi » 13. Juli 2019 11:59

... nicht umsonst geht wohl auch die Rede um, Psychologie würden die meisten aus eigener Betroffenheit studieren...

... oder die meisten Psychologen hätten selber einen Knacks....

... und nicht umsonst gibt es auch die Supervision...
LG, Raupi

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Re: ADHS und Approbation / Psychologiestudium

Beitrag von ToRo » 13. Juli 2019 12:50

Ich ahnte schon, dass das Argument mit den durchgeknallten Therapeuten jetzt kommt, wollte aber meinen Beitrag durch die Vorwegnahme dessen nicht noch weiter in die Länge ziehen. Jetzt kann ich allerdings nicht widerstehen: meiner Meinung nach gibt es leidende oder bekloppte Menschen in allen Berufsgruppen, aber nicht alle sind gleichermaßen bereit, dies zu thematisieren oder sich einer Behandlung zu stellen. Ich wohne hier in einer IT- und ingenieurlastigen Gegend und kann nur sagen: Heidewitzka :)
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Re: ADHS und Approbation / Psychologiestudium

Beitrag von Raupi » 13. Juli 2019 13:59

Ja Supervision und ehrliches Feedback täte allen gut...
LG, Raupi

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