AD(H)S und Flugbegleiterin

Dieses Board ist auch für Gäste sichtbar!
Antworten
Sel10
Forummitglied
Beiträge: 1
Registriert: 26. Juli 2018 01:48

AD(H)S und Flugbegleiterin

Beitrag von Sel10 » 27. Juli 2018 18:24

Hallo Leute, ich bin total am verzweifeln. Ich bin 32Jahre alt und habe nach langer Zeit nun endlich meinen Traumjob gefunden und bekomme ihn einfach nicht hin. Bin trotz aller Bemühung schlecht organisiert, kann mir die Abläufe nicht merken, komme in keine Routine, die ich brauche und vergesse einiges oder verzähle mich. Ich habe so viele Jobs schon hinter mir, ich will einfach nichts anderes mehr.

Der Job selbst gefällt mir, abgesehen davon dass ich gerne mit Menschen arbeite und aktiv bin, nicht wegen der Tätigkeit selbst, sondern weil ich das erste mal mich nicht dazu gezwungen fühle, da die Rahmenbedingungen so toll sind. Ich habe die direkte Belohnung nach einem Flug, habe viel mehr Freizeit als die meisten Menschen(ca.3-4 Flüge im Monat), in den Wintermonaten noch weniger. Ich habe frei, arbeite und dann hab ich dort sozusagen wieder "bezahlten Urlaub" und sehe dabei zudem auch noch die Welt, zurück wieder arbeiten und schon wieder zu Haue frei. Ich komme öfter an die Sonne und raus aus dem, sonst so grauen& kalten Deutschland. Es ist einfach optimal für mich. Ich liebe das!!! Ich schlafe sogar besser und kenne so etwas wie einen Jetlag nicht, für mich ist das mit der Zeitverschiebung nur eine fiktive Zeit.

Doch da ich die notwendigen Erwartungen nicht erfülle komme ich seid langem nicht klar. Die Kollegen sid oft genervt, ich werde zum Teamchef gerufen, muss mich dauernd vor allen rechtfertigen und kann nicht sagen was die Ursache ist und keiner versteht mich. Das macht mich echt fertig, weil ich in so einer krassen Zwickmühle stecke. Ich zweifle immer mehr an mir, verliere stark an Selbstbewusstsein und will danach nichts anderes mehr. Es gibt nichts was mich anspricht. Arbeiten ist für mich der Horror. So eine Arbeit wie diese, mit solchen tollen Rahmenbedingungen gibt es meines Wissens nach nicht.

Ich bin schon lange in Therapie, in einer Klinik war ich bereits auch schon. Ich weiß nicht mehr weiter... :glas: :(
Falschparker
Foruminventar
Beiträge: 5012
Registriert: 28. Mai 2008 13:37
Wohnort: Kleinstadt
Alter: 52

Re: AD(H)S und Flugbegleiterin

Beitrag von Falschparker » 27. Juli 2018 18:37

Hallo und herzlich willkommen,

seltsam finde ich, dass du diesen Beruf so beschreibst, wie ihn sich manche Unbeteiligte vorstellen- viel Freizeit, die Welt sehen usw. Soweit ich weiß finden die meisten sonst dort Tätigen, auch die Nicht-ADHS-ler, diese Arbeit durchaus sehr anstrengend und sind sehr genervt über die Zeitverschiebung und die tote Zeit. Zumal das Publikum auch mitunter anspruchsvoll bis unverschämt ist.

Aber es kann ja sein, dass eine der positiven Seiten deiner ADHS ist, dass du den Stress dieses Berufes gut hinnehmen kannst. Jetzt müsstest du "nur" mit den negativen Umständen der ADHS umgehen.

Nimmst du denn Medikamente? Eine gute und und zeitlich weit reichende medikamentöse Abdeckung wäre ja erst einmal die Grundvoraussetzung.

Und kannst du Strategien entwickeln, dir Sachen zu merken? Ich meine, nicht jeder kann das. Für mich wäre dieser Beruf definitiv nichts, obwohl ich Medikamente nehme und obwohl ich sehr gerne mit Menschen, auch schwierigen, arbeite. Aber die lange Zeit auf engem Raum, die unregelmäßigen Zeiten, die enge Zusammenarbeit im Team, das würde ich ganz sicher nicht hinkriegen.

In einem Großraumbüro können die allermeisten ADHS-ler auch nicht arbeiten. Und ein Flugzeug ist doch mindestens so eng und so laut wie ein Großraumbüro?

Viele Grüße
Falschparker
Lioness417
Forummitglied
Beiträge: 1
Registriert: 4. September 2018 05:40

Re: AD(H)S und Flugbegleiterin

Beitrag von Lioness417 » 6. September 2018 18:07

Hallo, ihr Grossartigen!

Die Antwort auf die Frage von Falschparker würde mich ebenfalls brennend interessieren. Nimmst du Medikamente?
Ebenfalls interessieren würde mich, ob die Diagnose und evtl. medikamentöse Behandlung bei deinem Arbeitgeber bekannt ist.

Ich bin ebenfalls Flugbegleiterin. Ich lebe und liebe diesen Job seit 19 Jahren.
Seit Mai diesen Jahres bin ich diagnostiziert und auf Medikinet Adult eingestellt, was zur Folge hatte, dass mir meine Flugtauglichkeit entzogen wurde, um deren Wiedererlangen ich gerade löwenhaft kämpfe... Deshalb die o.g. Fragen, aber zurück zu deinem Thema.

Deinen Zwiespalt und deine aktuelles Horrortrip-Gefühl kann ich, glaube ich, sehr gut nachempfinden, oder sagen wir 'mitempfinden'. Auch wenn ich nicht das komplette Ausmaß deiner Geschichte nicht kenne, so bin ich doch sicher, dass ich dich unterstützen kann, deinen Weg in diesem -in unserem- Job zu finden. Und das möchte ich dir hiermit anbieten, sofern du das möchtest.

Liebe Grüsse,
die Löwin
Antworten

Zurück zu „ADHS im Studium und Berufsleben*“