Studienabbruch als Irrtum.

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stilloslachen
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Studienabbruch als Irrtum.

Beitragvon stilloslachen » 18. Februar 2018 20:00

Hallo ihr,

Ich weiß nicht ganz ob ich hier richtig bin, aber da der Forenbereich für Studium und Bildung gedacht ist...schien es mir passend.
Seit bei mir als Kind ADHS diagnostiziert wurde habe ich mich geweigert Medikamente dagegen zu nehmen. So langsam glaube ich aber nicht mehr darum herumzukommen...
Folgendes ist passiert: Ich hatte einen passablen Studienplatz für Mediendesign, es war nur ein sehr kleiner Studiengang, nicht übermäßig inspirierend aber sonst vollkommen in Ordnung. Die Aufgaben haben mich teilweise in ihrem Aufwand und ihrer gleichzeitigen Eintönigkeit frustriert...und wo ich mich einfach mal hätte durchbeißen sollen, entwickelte ich die fixe Idee den Studiengang zu wechseln. In Germanistik. Tja, die Realität hat mich jetzt wieder.
Ich will eigentlich nichts studieren, was so aussichtslos ist, so sehr mich das Fach auch interessiert und noch dazu müsste ich viel zu weit von zuhause weg.
Und der Mediendesign Studiengang war wirklich in Ordnung! Ich verstehe mich selbst nicht...und andere tun das natürlich noch weniger...
Wie konnte ich so eine impulsive und unüberlegte Entscheidung treffen? Ich habe die letzten vier Wochen des ersten Semesters verpasst und jetzt muss ich vermutlich bist zum Herbst warten, bis ich wieder anfangen kann. Dadurch geht mir ein ganzes Jahr verloren und ich bin schon 22 ...
Ich fühle mich wirklich wie ein absoluter Idiot und Versager momentan...aus dem Heulen komme ich auch irgendwie nicht mehr raus...und meine Eltern sind zwar auf meiner Seite aber sie verstehen mich nicht wirklich. Ich verstehe mich ja selbst nicht....Herrgott.

Um das Studium erfolgreich zu bewältigen denke ich, wäre es langsam wirklich mal Zeit es mit einer medikamentösen Behandlung zu versuchen...
Aber das war gar nicht mein Anliegen...ich wollte einfach mal meine Gedanken loswerden, an einem Ort wo man mich vielleicht zumindest etwas nachvollziehen kann.

Momentan sehe ich total schwarz...ich bin wie in einem Loch und weiß gar nicht so recht was ich tun soll.
Natürlich offensichtlich, bis zum Herbst warten und weiterstudieren. Aber diese lange Wartezeit macht mir Angst..und ich schäme mich für die Zeit die ich verloren habe..
laetitia
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Re: Studienabbruch als Irrtum.

Beitragvon laetitia » 18. Februar 2018 21:39

Hi stilloslachen

Willkommen im Forum.

Hm...ja, manchmal treffen wir doofe Entschedungen...ist aber nicht das Ende der Welt. Mit 22 hast du noch alle Wege offen, glaub mir. Ja, konnte ich mir damals auch nicht vorstellen und es nervte mich immer, wenn jemand meinte: Ja, du bist ja noch jung! Heute weiss ich...die hatten Recht!

Ich habe zwar alle Ausbildungen abgeschlossen, die ich in Angriff genommen habe, aber am Ende war es doch nicht das Richtige, weil ich mich zuwenig kannte und eher eine Idee von mir lebte. Ich machte erstmal eine Ausbildung im Einzelhandel. Dazu wurde ich von meiner Mutter überredet und war überhaupt nicht meins. Dann fand ich, dass ich jetzt mache, was ich will und machte einen gestalterischen Vorkurs und dann studierte ich Grafik Design. Es packte mich allerdings nie so richtig, was ich mir nicht ganz erklären konnte. Vielleicht hätte es besser geklappt, auch mit Jobsuche danach, wenn ich damals schon eine Diagnose und Medis gehabt hätte. Denn vieles lag auch an meinem Selbstvertrauen und der fehlenden Struktur sowie der fehlenden Disziplin an etwas dran zu bleiben. Die Kreativität hätte ich eigentlich schon gehabt und die Begabung auch. Aber auch mit Begabung braucht es halt Übung...und da haperte es gehörig. Weil es ja langweilig war, länger am gleichen Projekt zu sitzen. Das war auch in der Ausbildung so...Anfangs voller Elan dabei, dann Langeweile und irgendwie durchbeissen, am Schluss nochmals ein Flash weil Zeitdruck, Arbeit abgeben und das Gefühl, ich hätte eigentlich was besseres machen können oder wenn was tolles raus kam, dass es Zufall war, dass ich gerade eine tolle Idee hatte...Ich glaube, dass das mit Medis anders gewesen wäre.

Vielleicht versuchst du es tatsächlich mal. Ich hatte bereits vor zehn Jahren den Verdacht, ich könnte ADHS haben. Vor drei Jahren hatte ich dann den Mut, mich abklären zu lassen. Dann kam der erste Versuch mit Medis, erstmal Methylphenidat (Ritalin und Concerta). Damit machte ich aber ziemlich schlechte Erfahrungen, so dass ich fast zwei Jahre brauchte, um es nochmals zu wagen. Vor einem Jahr habe ich nochmals ein Studium angefangen. Das erste Semester ging noch ganz gut, beim zweiten Semester merkte ich dann aber, dass es so nicht mehr geht. Darum ging ich endlich nochmals zum Psychiater, um nochmals den Versuch mit Medis zu machen. Weil ich Medis mit Methylphenidat nicht vertrug, habe ich jetzt Elvanse. Damit bin ich ganz gut unterwegs. Ich kann plötzlich ganz gut an etwas dran bleiben und auch sonst hat es positive Wirkung auf mein gesamtes Leben. Ich möchte jetzt nicht Werbung machen oder so. Nur sagen, dass es wirklich Wert ist, einen Versuch zu machen mit Medikamenten. Ich wäre froh, hätte ich schon vorher damit angefangen. Ich bin jetzt 40...

Nun zu deiner Situation. Wie schon gesagt, 22 ist noch kein Alter. Ein Jahr zu "verlieren" ist da wirklich kein Drama. Wenn du den Mediendesiger abschliessen möchtest, rede doch mit der Schulleitung, welche Möglichkeiten du da hast. Wenn du tatsächlich erst im Herbst weiter machen kannst, könntest du bis dahin ein Praktikum machen. Dazu hast du im ersten Jahr sicher schon ein paar Arbeiten, die du in dein Portfolio tun kannst. So hast du auch Zeit, dich mit Medis auseinanderzusetzen und einen Versuch damit zu machen. Im Herbst hast du dann neuen Elan und, sofern es mit einem Praktikum klappt, auch etwas Erfahrung im Gepäck, was dir für dein weiteres Studium und die Jobsuche danach sicher helfen wird.

Wenn dich ein Germanistikstudium aber mehr anspricht und die fehlenden Aussichten der einzige Grund sind, es nicht zu machen, dann würde ich eher mal überlegen, warum du denkst, dass dieses Studium in deinen Augen keine Aussichten hat. Ich denke nämlich, wenn man etwas studiert, was einen tatsächlich interessiert und man auch entsprechend begabt ist in dem Gebiet, dass es dann auch Möglichkeiten gibt.

Vielleicht kannst du auch mal einen Termin bei einer Berufsberatungsstelle machen, falls es in Deutschland sowas gibt.

Auf jeden Fall...um den Kopf hängen zu lassen, bist du eindeutig zu Jung. Der Zug bezüglich Ausbildung ist noch lange nicht abgefahren.

Liebe Grüsse
laetitia
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Hanghuhn
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Re: Studienabbruch als Irrtum.

Beitragvon Hanghuhn » 18. Februar 2018 22:08

Es gibt einige Leute, die denken, ohne Medikamente leben zu können. Es drückt ja auch kein Schuh, man hustet sich nicht die Seele aus dem Leib, man hat keine Kopfschmerzen und es ist einem auch nicht schwindelig oder so was.

Ich habe auch ein Kind, das gerade studiert, das auch nie Medikamente nehmen wollte und bis jetzt nicht genommen hat. Man kann einem Kind die Tabletten nicht einflößen.

Mein anderes Kind nimmt die Medikamente. Verpeilt ist es trotzdem, aber es geht einiges besser als ohne.

Der Wechsel des Studienfaches ist kein Beinbruch. Problematisch wird es erst, wenn ein Studienfachwechsl auf den anderen folgt. Ich glaube, das geht auch nicht unbegrenzt oft.

Deshalb finde ich es auch wichtig, dass du dir genau überlegst, welches Studienfach du studieren möchtest. Und versuch zu analysieren, warum du beim Mediendesign-Studium so unmotiviert warst!

Du solltest dir dein nächstes Studienfach genau auswählen. Was erwartest du während des Studiums? Was erwartet dich nach Ende des Studiums? Welche Fähigkeiten brauchst du? Hast du diese Fähigkeiten? Setzt du diese Fähigkeiten auch gern ein? Ein vorübergehendes Motivations-Tief finde ich normal. Du darfst bloß nicht wieder von einem Motivations-Tief zum anderen hüpfen, wie es dir in deinem letzten Studium passiert ist.

Um dein neues Studium ernsthaft anzugehen, fände ich es tatsächlich erforderlich, dich mit dem Thema Medikation zu beschäftigen. Gut wäre es, wenn du bis zum Beginn des Studiums deine individuelle Dosis gefunden hättest.

Jetzt ist mir laetitia zuvor gekommen. Ich schicke meinen Beitrag trotzdem ab unter der Gefahr, dass höchstwahrscheinlich schon vieles von laetitia geschrieben wurde.
LG Hanghuhn
Murmel
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Re: Studienabbruch als Irrtum.

Beitragvon Murmel » 20. Februar 2018 08:29

Hallo und herzlich Willkommen.

Ich denke, du solltest es mit Medikamenten versuchen. Sicher die Einstellung wird eventuell nicht einfach sein, aber danach
geht es dir definitiv besser.

LG Murmel

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