Verzweiflung im Berufsleben

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Nela20
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Verzweiflung im Berufsleben

Beitrag von Nela20 » 27. November 2017 18:03

Hallo allerseits! :)
Ich bin weiblich und 22 Jahre alt. Bei mir besteht ein Verdacht auf ADHS, allerdings stehe ich noch auf der Warteliste und muss ein halbes bis ein Jahr auf einen Diagnosetermin warten.

Ich habe allerdings ein Problem das nicht mehr so lange warten kann, deshalb frage ich hier, vielleicht hat jemand ähnliches erlebt.
Ich weiß natürlich nicht ob ich wirkich ADHS habe und selbst wenn ob es daran liegt:

Mit 17 habe ich die Schule beendet. Ich habe unzählige Praktika hinter mir, zwei abgebrochene Ausbildungen und ein abgebrochenes Studium und viele Gelegenheitsjobs.
Ich bin nicht faul, eher ehrgeizig und perfektionistisch. Abgesehen von meinem Abitur und dem Studium war ich sogar ziemlich gut in dem was ich gemacht habe. Mir ist ein unabhängiges Leben und ein regelmäßiges Einkommen auch wirkluch wichtig!
ABER jedes Mal wenn ich eine Tätigkeit länger ausüben muss, manchmal schon nach einem Tag, manchmal nach einem Jahr, bekomme ich das Gefühl verrückt zu werden. Ich kann nicht stil sitzen und zuhören, dann werde ich hibbelig, fange an mich zu kratzen oder zu zittern und glaube ich würde durchdrehen.
Genauso fühlt es sich an wenn ich Aufgaben im Beruf ausüben muss. Das Wissen morgen wieder zur Arbeit zu gehen und wieder das "Gleiche" oder was ähnliches machen zu müssen, lässt mich durchdrehen. Ich werde so wütend innerlich und unruhig. Irgendwann kommt die Angst dazu und wenn ich es nicht mehr aushalte und denke "morgen muss ich wieder hin und übermorgen und überübermorgen", dann kündige ich Hals über Kopf.
Ich habe Angst meinen aktuellen Job zu verlieren. Ich stelle mich schon echt doof an, mache ständig Leichtsinnsfehler und bin sehr unruhig, aber dazu kommt noch dass ich nach zwei Monaten wieder glsube durchzudrehen wenn ich das noch länger machen soll.

Kennt das jemand von euch?

Danke im Voraus!
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Chaos-Weib
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Re: Verzweiflung im Berufsleben

Beitrag von Chaos-Weib » 3. Dezember 2017 04:39

Hallo Nela,

herzlich willkommen in unserem Forum.
Schade, dass dir noch keiner geantwortet hat.

Leider habe ich keinen Lösungsvorschlag für dich. Aber ich möchte dir mitteilen, dass du mit dem Problem nicht alleine dastehst. Mir geht es ähnlich wie dir. Falls ich endlich mal einen Job gefunden habe, bei dem ich mir am Anfang vorstellen kann, das bis zur Rente vollends durchzuhalten, bin ich schon nach kurzer Zeit vollkommen verzweifelt und halte es keinen einzigen Tag länger mehr aus. Gekündigt habe ich bisher aber nur meine Minijobs. Die Vollzietstellen werden immer von der Arbeitgeberseite beendet, weil ich zu viele Fehler mache und zu langsam bin. Mein Arbeitsleben ist geprägt von Angst und Panik. Je länger ich in einer Firma arbeite, desto mehr Angst bekomme ich, dass irgend ein Fall kommt, den ich nicht bewältigen kann.

Viele Grüße von einer Mitbetroffenen
Nela20
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Re: Verzweiflung im Berufsleben

Beitrag von Nela20 » 4. Dezember 2017 18:27

Hallo Chaos-Weib,

Ich bin schon unglaublich erleichtert, dass es jemandem so geht wie mir!
Ich habe ja leider keinen Berufsabschluss und weiß auch nicht wie man sowas packt :o Bis jetzt war nach spätestens einem Jahr Schluss
Darf ich fragen was du gelernt/studiert hast und was du arbeitest?
Du kannst mir gerne auch privat antworten :)

Nela
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Chaos-Weib
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Re: Verzweiflung im Berufsleben

Beitrag von Chaos-Weib » 5. Dezember 2017 10:20

Hallo Nela,

ich habe dir eine PN geschrieben.

Viele Grüße
laetitia
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Re: Verzweiflung im Berufsleben

Beitrag von laetitia » 5. Dezember 2017 13:55

Hi Nela20

Nö, da bist du nicht allein...erst recht nicht hier :mrgreen: .

Mir ging es nach meiner Erstausbildung ganz ähnlich. Meine Erstausbildung habe ich auch nur abgeschlossen, weil ich extreme Angst hatte, wie meine Eltern darauf reagieren würden. Aber die Ausbildung war der Horror. Ich fuhr jeden Tag da hin mit dem Wunsch, nicht aus dem Zug steigen zu müssen und dort hin zu gehen.

Ich hatte danach einige Temporärjobs, was mir gut passte, weil ich die einfach endeten, ohne dass irgendwer kündigen musste. Allerdings hat mir das dann auch nicht geholfen, weil wenn so viele Kurzjobs im Lebenslauf drin sind, denken die interessanten Arbeitgeber, dass man eh nach zwei Monaten wieder weg ist...

An meiner jetzigen Stelle bin ich seit fast acht Jahren, was ich selber nicht so wirklich glauben kann. Ich hatte schon unzählige Krisen und wäre am liebsten gegangen, hab mich dann zusammengerissen und so halt von Krise zu Krise durchgehalten. Was mir dann auch geholfen hat ist, dass ich nebenher noch meine Uni-Zulassung machte und dann angefangen habe zu studieren. Dabei musste ich feststellen, dass ich bisher immer in Jobs gearbeitet hatte, die eigentlich weit unter meinen Fähigkeiten und Kompetenzen liegen, einfach weil ich mir gar nicht mehr zutraute...da ich immer als dumm galt und das trotz Gegenbeweis irgendwie immer noch tief sitzt.

Langsam verstehe ich aber, dass ich eine Arbeit brauche, bei der ich denken darf und muss. Auch muss es eine Arbeit sein, die sich immer wieder verändert. Daher strebe ich als nächstes an, eine Arbeitsstelle zu finden, wo man in Projekten arbeitet.

Vielleicht hilft es dir, mal aufzuschreiben, was dich genau verrückt macht. Was dieses Gefühl auslöst.
Ich hatte mal einen Job, wo ich Täglich den gleichen Serienbrief ausdrucken, verpacken und zur Post bringen musste. Nach zwei Monaten kam ich ins Büro und sah die farbigen Umschläge und musste mich fast übergeben. Das war dann der Moment, wo ich mir was neues suchte und ging. Heute ist mir klar, dass das auch anders gegangen wäre. Ich hätte zum Beispiel mal mit dem Chef sprechen können, ob er mir auch etwas anspruchsvollere Arbeit hätte. Eventuell hätte ich mir so eine gute Stelle schaffen können. Aber ja, im Nachhinein kann man das halt so sagen...

Wichtig denke ich ist, dass du für dich herausfindest, wie du tickst, was du brauchst um die Motivation halten zu können. Das ist nicht so einfach...ich bin jetzt 40...und weiss erst seit gut einem Jahr, was das für mich heisst. Aber ich habe lange auch nicht darüber nachgedacht. Weil irgendwie ging es halt immer...
johnny_91
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Re: Verzweiflung im Berufsleben

Beitrag von johnny_91 » 22. September 2018 13:19

Hallo zusammen. Bin hier total neu und hab soeben den Thread gefunden und dachte dass er für meine Frage super passt. Ich bin seit langem im Berufsleben habe aber immer wieder Schwierigkeiten in Organisation Koordination und vorallem Konzentration gehabt. Mittlerweile bin ich in meinem Beruf für Lager/Versand eines Onlinehandels tätig. Leider passiert es mir immer wieder, vorallem auch unbewusst, dass ich Pakete mit den total falschen Labels beklebe. Die Labels sind mit den Artikelbezeichnungen beschriftet also vollkommen "Idiotensicher" allerdings bekomm ich es nicht auf die Reihe fehlerfrei zu arbeiten. Dazu komm wie gesagt die Tatsache dass es total unbewusst passiert und ich mir dessen überhaupt nicht bewusst bin. Als hätte ich ein Blackout.


Danke schon mal im Voraus und falls es einen geeigneten Thread gibt wechsel ich gerne.

lg johnny
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Chaos-Weib
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Re: Verzweiflung im Berufsleben

Beitrag von Chaos-Weib » 22. September 2018 16:33

Hallo Johnny,

Herzlich willkommen im Forum ;)

Du musst deine Fragen nicht an einen anderen Thread anbringen. Du kannst deinen eigenen eröffnen. Das ist auch wegen der Übersicht sogar besser. Sonst geht es leicht unter.
Dazu musst du einfach auf "neues Thema" klicken und schon gehts los ;)

Liebe Grüße und ich hoffe, es kann dir jemand helfen (ich hab leider das gleiche /ähnliche Problem und finde keine Lösung).
Raupi
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Re: Verzweiflung im Berufsleben

Beitrag von Raupi » 22. September 2018 18:23

Also ich finde es gut, dass du auf den alten Thread geantwortet hast, weil du so nicht jedes Detail wieder neu aufschreiben musst und das Problem mir beim Lesen so plastischer wird.

Ich kenne auch jemanden der auf mich sehr wie ein ADHS Lee wirkt. Er hat auch einen Job, in dem immer in anderen Teams in Projekten arbeitet, zu völlig unregelmäßigen Arbeitszeiten. Und er muss relativ viel reisen.

Ich könnte das Reisen und diese Arbeitsweise nicht, aber ihm ist es auf den Leib geschrieben. Er sagt, er könne nicht Tag für Tag mit denselben Leuten gegenüber sitzen und die gleiche Arbeit machen.

Von daher könntest Du auch überlegen, ob das Reisen Dir Spaß machen würde und dadurch die Eintönigkeit wegfallen würde. Vielleicht gibt es ja irgendsoeinen Job... bei der Bahn im Zug, oder irgendwas anderes. Vielleicht kannst du eine Berufsberatung aufsuchen und noch eine Fortbildung machen und dann geht's los... Vielleicht gibt es auch im Kulturbereich was... bei einer Band oder Theatergruppe... die brauchen ja auch Mitarbeiter und das stelle ich mir dann vielleicht günstig vor, wenn zwar die Arbeit ähnlich ist, aber der Einsatzort wechselt und dadurch neue Reize entstehen

Also ich drücke Dir die Daumen, dass Du etwas für Dich passendes findest!
LG, Raupi
johnny_91
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Re: Verzweiflung im Berufsleben

Beitrag von johnny_91 » 23. September 2018 20:14

Vielen Dank schon mal für eure Antworten. Bei mir ist es eben das große Problem, dass ich bereits eine starke medikamentöse Einstellung habe. Zum einen 54mg Concerta (Metylphenidat) und zusätzlich 150mg Venlafaxin (SSRI). Ich steh aufgrund der beruflichen Situation folglich unter großem Druck und bereits unter Beobachtung. Ein schwerwiegendes Problem ist auch, dass ich mir die Fehler größtenteils auch nicht erklären. Es kommt mir eben so vor, als wären es Blackouts. Wenn ich mir die Fehler im Nachhinein betrachte, sind sie mir unerklärlich. Letztes Jahr war ich 2 Monate auf einer ADHS Reha und hatte gehört, dass eintönige Arbeiten für ADHS-Patienten ein Rotes Tuch sein sollen, aufgrund der Monotonie und der daraus resultierenden Gefahr, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsausfälle zu bekommen. Mittlerweile habe ich schon mit Ausbildungen und festen Stellen, genug negative und kritische Erfahrungen gesammelt und dachte dort einmal mit beiden Beinen fest im Berufsleben stehen zu können. Beim Vorstellungsgespräch, hatte ich meine gesundheitliche Lage ausführlich erläutert und bekam dafür hohe Wertschätzung entgegen. Die Bewerbung war ursprünglich für die Filiale, aber aufgrund meiner Situation wurde es dann der Onlineversand.

Bei der Jobwahl ging ich darauf aus, eine Stelle im Büro zu erhalten, leider erhielt ich allerdings eine Stelle im Versand/Lager. Leider gibt es für mich innerbetrieblich keine andere Stelle, obwohl ich schon für meine Qualitäten im Kundensupport mehrmals stark gelobt wurde (Artikulation in Kundenemails etc.)

ich erläutere hier einmal ein Beispiel zur Veranschaulichung.

Kunde bekommt einen großen Artikel, der eigentlich nur mit Bändern umrandet wird.
Ich packe das Label allerdings auf ein kleinen Artikel den ein anderer Kunde bekommt.

Ich lese die Labels natürlich davor immer genau, um eben keine Fehler zu begehen, aber trotzdem passieren sie.

Vielleicht hat ja der ein oder andere hilfreiche Gedanken.

/Johnny
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