Mit Kollegen offen über ADHS Problematik sprechen

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teddy1213
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Mit Kollegen offen über ADHS Problematik sprechen

Beitragvon teddy1213 » 16. Juni 2016 21:02

Hallo,
vor ca.9 Jahren wurde bei mir ADHS diagnostiziert. Ich bin mittlerweile sehr gut medikamentös eingestellt und seit über drei Jahren bei meinem jetzigen Arbeitgeber beschäftigt. Auch schaffe ich es die meisten ADHS typischen Probleme sehr gut zu kompensieren. Jedoch merke ich seit ca. 3 Monaten, dass ich an meine Grenzen stoße, ich fühle mich überfordert. Dies auch weil ich auch oft nicht Nein sagen kann. Nun war heute wieder so ein Fall wo ich von einer Kollegin gefragt wurde, ob eine Arbeit erledigt sei. Ich sagte, nein das ist Sie nicht und das doch andere Sachen erstmal vorrangig waren. Sie gab mir Recht beschwerte sich aber darüber, dass ich oft "aufgeschobene" Aufgaben vergesse. Auch kam die Aufforderung ich solle doch mehr Struktur entwickeln und Prioritäten setzen.
Dies ist alles richtig und meistens schaffe ich das ja, nur eben Sachen die ich als unwichtig erachte bleiben gerne liegen. Entweder sofort oder nie, ist oft der Fall.(ADHS Typisch)
Daher meine Frage, würdet Ihr bei einem sonst gutem Betriebsklima Euch öffnen und den Kollegen sagen was los ist oder nicht ?
lenilein
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Re: Mit Kollegen offen über ADHS Problematik sprechen

Beitragvon lenilein » 17. Juni 2016 11:29

Ich würde es nicht tun.

Ich denke das würden der Situation nur sehr bedingt helfen.

Und ich persönlich bin ein viel zu großer Angsthase und befürchte immer negative Reaktionen. Damit könnte ich nicht wirklich umgehen.
Falschparker
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Re: Mit Kollegen offen über ADHS Problematik sprechen

Beitragvon Falschparker » 17. Juni 2016 12:08

Nein, besser nicht.

Lieber umschreiben, d. h. sagen dass das Aufschieben und Vergessen Schwächen von dir sind und nicht böse gemeint.
Jekaterina
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Re: Mit Kollegen offen über ADHS Problematik sprechen

Beitragvon Jekaterina » 17. Juni 2016 12:19

Auch wenn ich es einmal gezwungenermaßen tun musste und zum Glück (!) bisher keine negativen Reaktionen darauf folgten, würde ich davon abraten. Denn die Folgen für dich sind nicht absehbar. Auch ein "gutes Betriebsklima" bedeutet nicht unbedingt Vertrauenswürdigkeit oder Verständnis für bestimmte Erkrankungen.
archi
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Re: Mit Kollegen offen über ADHS Problematik sprechen

Beitragvon archi » 17. Juni 2016 16:45

Sehe ich auch so. Einmal wird es von vielen als Mode-"Krankheit" angesehen, die nehmen das Thema nicht ernst.

Und dann wird man Deine Probleme ab dem Tage immer schön mit den bekannten Symptomen abgleichen. Deine Kollegen werden in jedem Fall mehr ADS-Defizite sehen, wie früher. Und auch, wenn es nicht fair ist, sieht man dann in Dir schnell einen Minderleister und nicht dein Potential.

Lg, Archi
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Alina Licht
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Re: Mit Kollegen offen über ADHS Problematik sprechen

Beitragvon Alina Licht » 17. Juni 2016 18:50

Nun ja, das kommt immer auf deine Kollegen an und das kann man vorher nun mal kaum wissen, besonders, da wir deine Kollegen ja auch nicht kennen.
Umschreiben könntest du es natürlich, z.B. als "Stoffwechselstörung im Gehirn, welche sich negativ auf deine Konzentrationsfähigkeit auswirkt" oder so etwas. Da werden die meisten wahrscheinlich nicht direkt an ADHS denken und dann könnten diese Vorurteile ausbleiben.
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Re: Mit Kollegen offen über ADHS Problematik sprechen

Beitragvon Eule » 17. Juni 2016 19:43

das jeweilige ADHS-Problem als Schwäche bezeichnen und lieber nicht mit irgendeiner Art von erkrankung oder Störung um die Ecke kommen dürfte sinnvoller sein.

Ich denke man darf durchaus zugeben dass man etwas bestimmtes nicht gut kann, und im Zweifelsfall auch sagen "Leute, ich weiß das ist ein Schwachpunkt von mir, und ich will da auch dran arbeiten - aber ich habe bisher nix gefunden was ich tun kann um das in den Griff zu kriegen. Habt ihr einen Tipp, kann mir jemand dabei helfen, ein funktionierendes System aufzubauen um diese Sachen nicht aus dem Auge zu verlieren?"
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Alina Licht
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Re: Mit Kollegen offen über ADHS Problematik sprechen

Beitragvon Alina Licht » 17. Juni 2016 20:21

Das wäre die andere Möglichkeit.
Allerdings habe ich persönlich da die Erfahrung gemacht, dass dann Kommentare kommen wie "Stell dich nicht so an./Lass die dummen Ausreden./Du bist einfach zu faul/unzuverlässig./Jaja, du versuchst es?! Davon seh ich nix./..." Aber das kann bei anderen natürlich anders sein...
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Re: Mit Kollegen offen über ADHS Problematik sprechen

Beitragvon Eule » 17. Juni 2016 20:40

Wichtigster Tipp dabei: einen Kollegen fragen der ähnlich "tickt" wie man selber und den man sympathisch findet. Auch wenn der in einer anderen Abteilung arbeitet und vielleicht mit anderen Themen zu tun hat. Eigentlich gibts in jedem Job diese "das schieben wir jetzt mal auf, und machen es später weil grad fett Arbeit da ist" - Sachen die dann aus den Augen verloren werden. Also hat irgendwie jeder das Problem dass er dafür eine Strategie finden muss.

Dass die Strategien für "Normalos" die gar nicht kapieren wo das Problem ist nicht wirklich hilfreich sein werden ist zu erwarten. Aber gerade wenn ein ADHSler sagt er findet das Betriebsklima gut, ist es sehr wahrscheinlich dass da noch mehr ADHSler (diagnostiziert, undiagnostiziert, mehr oder weniger gut kompensiert) unterwegs sind, und dass vielleicht einer davon eine Lösung für das Problem gefunden hat, die auch für den Threadstarter mit kleinen Anpassungen anwendbar ist. Oder dass er so jemanden findet der das gleiche Problem hat, und die beiden sich gegenseitig erinnern in halbwegs sinnvollen Abständen die Ablagekörbe in denen diese Aufgaben landen durchzusehen und in Leerlaufphasen etwas davon aufzuarbeiten.
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Alina Licht
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Re: Mit Kollegen offen über ADHS Problematik sprechen

Beitragvon Alina Licht » 17. Juni 2016 21:02

Ja, stimmt, da hast du wahrscheinlich Recht. :)
(Ich kenne so etwas aus meinem Sportverein: Wir verstehen uns alle ziemlich gut und siehe da, drei diagnostizierte ADHSler und bei mindestens zwei anderen könnten wir darauf wetten, dass die auch was abbekommen haben. Wer weiß, vllt hat der eine sogar ne Diagnose, wir haben noch nie nachgefragt. :lol: )
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Re: Mit Kollegen offen über ADHS Problematik sprechen

Beitragvon Jekaterina » 18. Juni 2016 15:19

Allerdings habe ich persönlich da die Erfahrung gemacht, dass dann Kommentare kommen wie "Stell dich nicht so an./Lass die dummen Ausreden./Du bist einfach zu faul/unzuverlässig./Jaja, du versuchst es?! Davon seh ich nix./..."


Diese Erfahrungen habe ich auch schon gemacht, nämlich in der 1. Ausbildung und dann auch privat. Und ich habe ADHS damals noch gar nicht erwähnt, weil ich ja die Diagnose auch noch nicht hatte.
Und privat hörte ich, dass "heutzutage immer viel zu schnell ADHS diagnostiziert wird" (meine Mutter), dass "sie nicht glaubt, dass ich ADHS habe" (meine Hausärztin, sie glaubte eher an Depressionen und Ängste, womit sie ja auch nicht Unrecht hatte).

Gerade im Arbeitsleben, wo man in der Regel 5 Tage pro Woche jeweils 8 Stunden mit den Kollegen und dem Chef auskommen MUSS, kann jemandem aus einer Erkrankung, Schwäche, etc. ein Strick gedreht werden. In der 1. Ausbildung wurde u.a. meine schlechte Konzentration und mein unüberlegtes Verhalten kritisiert. Immer wieder. Das setzte sich danach in verschiedenen Jobs auch so fort. Und ich konnte es nie abstellen. Wäre ich aber mit "ADHS" gekommen hätten viele Arbeitgeber das sicher auch als "Ausrede" empfunden. Die Entlassung bekam ich oft sowieso.
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Re: Mit Kollegen offen über ADHS Problematik sprechen

Beitragvon Psychotic_Black_Rabbit » 20. Juni 2016 06:37

Wow ich bin total beeindruckt von den bisherigen Antworten und schließe mich den bisherigen Aussagen ausnahmslos an.
Die bessere Alternative ist eindeutig die Problematiken durch die Blume zu verschlüsseln ohne direkt auf das AD(H)S hin zu weisen
und um Verständnis zu bitten sowie darum zu bitten dich freundlich darauf aufmerksam machen wenn dir da etwas entgleitet.

Die Sache ist einfach dass für unbetroffene AD(H)S ein total schwammiger und interpretationsfreudiger Begriff sein wird.
Wenn du die Problem Bereiche einfach spezifisch adressierst werden Normalos viel ehr etwas damit anfangen können und auch wahrscheinlicher bereit sein Verständnis zu zeigen.

Ich kann mir vorstellen dass du total gern deine Defizite entschuldigen möchtest weil sie mit einer Kondition zusammenhängen für die du einfach nichts kannst.
Aber bedenke dass du mit diesem "outing" nicht nur all deinen Kollegen sondern auch dir selbst eine "AD(H)S Filterbrille" aufsetzt.
Das würde wie schon erwähnt mit großer Wahrscheinlichkeit damit enden, dass man deine Schwächen viel stärker wahrnimmt weil man bei dir verstärkt auf die Symptome achteten wird und dadurch schwächen überinterpretiert und deine Stärken weniger wahrnimmt.

Und wie gesagt funktioniert diese Filterbrille dann beidseitig, also auch auf deiner Seite, wodurch du selbst mit hoher Wahrscheinlichkeit verstärkt darauf achten wirst in wie fern du bezüglich des AD(H)S anders behandelt wirst.
Eule
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Re: Mit Kollegen offen über ADHS Problematik sprechen

Beitragvon Eule » 20. Juni 2016 08:15

Je nachdem wie sehr man mit einem Problem schon "angeeckt" ist kann es eine Idee sein einen ausgewählten Kollegen (wie auswählen: siehe oben) von dem man den Eindruck hat dass er das gut drauf hat auch fragen, ob er bereit ist seinen "Trick" zu verraten.

Solange es noch möglich ist eine witzige aber gerade noch gut gegangene Anekdote zu etwas "übersehenem" zu schildern und zu sagen "Das kann auch in die Hose gehen, ich glaube es wäre hilfreich wenn ich da eine bessere Taktik habe - verrätst du mir bitte wie du solche Dinge handhabst?" oder "Ich hab das soundso gemacht, hast du eine Idee welchen Veränderung des Ablaufs helfen könnte es besser zu machen?", klingt das ganze nach "ich will lernen / mich verbessern" und "ich bin fähig meine Schwierigkeiten konkret zu benennen" - was natürlich erst mal sehr viel besser aussieht als Klappe halten bis es irgendwo "knallt". Kommt vor allem in der Einarbeitungszeit meistens noch positiv an, je nach genauem "Problem" kann man da evtl auch noch sagen man hat es übersehen weil es im bisherigen Job nicht oder weniger zu den eigenen Aufgaben gehörte, vielleicht auch eine gute IT-Lösung für das Problem im alten Betrieb vorhanden war, die es im neuen nicht gibt oder es hier nun eine wichtige Aufgabe gibt die man bisher kaum hatte so dass man sich so auf dieses neue Ding konzentriert hat um das gut zu machen dass das andere hinten runter gefallen ist.

Schafft man es das ganze zu einem frühen Zeitpunkt zu erwischen, und es als "ich will meine Fähigkeiten verbessern/was dazulernen" zu verkaufen, wird meist recht positiv darauf reagiert. Allerdings bedeutet das auch dass bei ausbleiben des "Lernerfolgs" evtl doch noch das altbekannte "du willst ja nicht wirklich" oder die Aussage "du beherzigst meine Tipps ja gar nicht, willst du mich veralbern?" nachfolgen. Daher sollte man gut überlegen wegen was man nachfragt etc.

Auch schauen was man aus Sicht der Kollegen besonders gut kann und ggf dabei anderen Hilfe anbieten - je nachdem wieviel Gestaltungsspielraum man hat sind Tauschgeschäfte der Sorte "Ich helfe dir bei jener Sache, und hätte selber gern Hilfe bei dieser" eine gute Idee.
Tila
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Re: Mit Kollegen offen über ADHS Problematik sprechen

Beitragvon Tila » 16. Juli 2016 21:46

Hallo an alle!
Ich denke, dass alles hängt von dem Kollektiv. Aber ich würde nicht auf ein gemeinsames Verständnis rechnen. Negative Beziehung können nicht sogleich, und später zeigen sich. Das ist ein ernstes Risiko.

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