Metylphenidat, Führerschein und MPU

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Ini
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Metylphenidat, Führerschein und MPU

Beitragvon Ini » 3. Juni 2016 09:43

Hallo,

spezielle Frage: wir haben für unseren Sohn eine Ausnahmegenehmigung vom Mindestalter erwirkt, d.h. er darf mit 17 1/2 J. alleine Auto fahren. Davor steht jetzt allerdings noch eine medizinisch-psychologische Untersuchung/MPU. :?

Musste da von Euch schon mal jemand durch? Bekommen wir da Probleme wegen des Medikinet? Sollten wir das überhaupt erwähnen? Aber soweit ich weiß, wird wohl ohnehin ein Bluttest gemacht, bei dem es vermutlich festgestellt würde?

Mein Mann (ebenfalls ADS) brauchte als Berufskraftfahrer diesbezüglich mal eine Bescheinigung zur Verlängerung seine Führerscheines. Sein Arzt hatte ihm damals schriftlich bestätigt, mit Vermerk auf den entsprechenden Paragraphen, dass das Führen eines Kraftfahrzeugs unter dem Einfluss von Metylphenidat erlaubt ist.

Unser Sohn muss ab Ausbildungsbeginn zum 1.9.2016 im Schicht- und Wochendenddienst arbeiten und die Schule ist 35 km weit weg. Es wäre wirklich wichtig, das er fahren darf. Sonst gurken wir uns hier alle einen Wolf. Öffentliche Verkehrsmittel gibts bei uns so gut wie gar nicht.

Vielen Dank für Antworten!

LG

Ini
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Re: Metylphenidat, Führerschein und MPU

Beitragvon Wasabi » 3. Juni 2016 13:11

Ich würde das halbe Jahr absitzen.
Wenn ihr das erwähnt, dann geht der Spass richtig los und er hat das für immer am Hals und wenn irgendwann wirklich eine MPU wegen Blödheit oder Pech ansteht, dann hat er komplett verloren.
Eine MPU hat nichts mit Fahrtüchtigkeit zu tun, es ist reine Gelddruckmaschine.
Erwähnt ihr es nicht und es kommt raus. Ebenso blöd.

Um diese menschenverachtende Einrichtung sollte jeder einen großen Bogen machen.
In der Regel wird es auch schieflaufen und dann darf er auch mit 18 nicht alleine fahren.
Deshalb mal in den sauren Apfel beissen für die paar Monate.
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Re: Metylphenidat, Führerschein und MPU

Beitragvon Elchi » 3. Juni 2016 14:45

Was sagt denn der behandelnde Arzt?
So weit ich weiß, kann man Mph nicht im Blut feststellen, aber sicher bin ich nicht. Möglicherweise aber im Urin?

Ich weiß nicht, ob man bei der MPU gezwungen wird, Medikamente anzugeben. Wenn nicht, würde ich nichts sagen.
Wenn doch, würde ich eventuell auch, wie Wasabi meinte, das halbe Jahr irgendwie überbrücken (sind ja auch noch Weihnachtsferien dabei ;) )

Es ist nicht verboten, mit Mph zu fahren. Es gibt sogar Untersuchungen (und viele Erfahrungen Einzelner), das die Fahrerei bei ADSlern mit Mph deutlich sicherer ist. Wie das aber der einzelne Polizeibeamte oder MPU-Beauftragte sieht, ist eine ganz andere Frage.
Mein Sohn hatte immer eine Kopie des Rezeptes dabei, um nachweisen zu können, dass er es offiziell nimmt. Aber er hat es nie gebraucht, deshalb kann ich nicht sagen, ob es im Ernstfall geholfen hätte.

LG
Elchi
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Re: Metylphenidat, Führerschein und MPU

Beitragvon Wasabi » 3. Juni 2016 14:57

Elchi, man kann alles und überall nachweisen. Kostet dementsprechend. ;)


Und für den Ernstfall, wenn die Polizei im Spiel ist:
Keine Ausreden, keine Erklärungen, nichts Beweisen, nicht zuvorkommend sein!

-> Einfach die Fresse halten und freundlich Lächeln :)
Egal was ihr sagt, es wird euch daraus ein Strick gedreht. Wenn man schweigt, dann hat der Anwalt vollen Spielraum um Schadensminimierung zu betreiben.

Es ist unerheblich ob es Heroin oder Asperin ist, wenn man angibt Medikamente zu nehmen, dann gibt man den Beamten die Erlaubnis genauer nachzusehen, zu hinterfragen und wenn die wollen, auch den Lappen einzuziehen, da die der Meinung sind, dass ihr eine Gefahr darstellt und erstmal mit MPU oder anderen Gutachten das Gegenteil zu beweisen. In der Zeit kann man aber sein gesammtes aufgebautes Leben verlieren.
Deshalb Elchi, lieber nichts im Auto haben. Es bringt nichts, nur Ärger ;)
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Re: Metylphenidat, Führerschein und MPU

Beitragvon Ini » 3. Juni 2016 16:07

Naja - raus kommen wir aus der Nummer jetzt eh nicht mehr.

Die Genehmigung der Erlaubnisbehörde haben wir ja schon, außerdem sind bereits alle Gebühren bezahlt - inkl. der MPU. Die waren übrigens mit 225,-- € all in, bislang sogar noch im Rahmen. Also was das betrifft, wäre es uns das schon wert, wenn er denn dann wirklich unabhängig wäre.

Also im Moment tendiere ich dazu ihm zu raten, eben so wenig wie möglich zu sagen und sein ADS überhaupt nicht zu erwähnen.

Das Medi ist der einzige Knackpunkt, ansonsten denke ich nicht, das er Probleme haben wird. Es wird ja wohl abgeklopft wie leichtfertig und risikofreudig die Person u.U. ist und wie sie Alkohol und Drogen gegenüber steht. Da ist bei ihm aber alles im grünen Bereich.

Ich werde noch mit seinem Arzt Kriegsrat halten aber der weilt noch im Urlaub. :roll:
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Re: Metylphenidat, Führerschein und MPU

Beitragvon Wasabi » 3. Juni 2016 16:12

Ist Abstinenz für 2 Wochen, bzw bis MPU vorrüber ist eine Option?

MPH ist im Blut und Urin nach wenigen Tagen nicht mehr nachweisbar.
Niemals einer Haarprobe zustimmen.
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Re: Metylphenidat, Führerschein und MPU

Beitragvon Ini » 3. Juni 2016 16:28

Der Termin ist schon am Donnerstag nächste Woche. Aber das ist auf jeden Fall einen Versuch wert, denke ich. Dann soll er das jetzt mal weglassen. Er macht ein FSJ - das geht auch mal ohne..

Und danke für den Tipp mit der Haarprobe. Da werde ich ihn noch impfen!
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Re: Metylphenidat, Führerschein und MPU

Beitragvon Wasabi » 3. Juni 2016 16:28

Achja, "so wenig wie möglich" ist der falsche Ansatz. Das sind Spezialisten in Sachen von Ausreden und merken schnell, wenn man denkt, man kann die austricksen. Das einzige was wirklich geht, garnichts davon sagen! Ich habe KEINE Krankheiten, ich nehme KEINE Medikamente regelmässig. Punkt aus.
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Re: Metylphenidat, Führerschein und MPU

Beitragvon Ini » 3. Juni 2016 16:52

:!: Ok. Verstanden. Danke Dir!
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Re: Metylphenidat, Führerschein und MPU

Beitragvon Elchi » 3. Juni 2016 17:12

Da er ja Mph jetzt absetzt (für ein paar Tage ;-) nimmt er ja keine Medis regelmäßig und lügt dabei noch nicht mal.
Haarprobe werden die nicht machen, warum sollten sie denn. Er ist ja noch nicht mit Drogengebrauch aufgefallen und will jetzt seine Abstinenz nachweisen. Wenn die bei allen eine Haarprobe machen wollten, die zur MPU kommen, das wäre doch viel zu aufwändig.
Dafür gibt es ja den Psychologen, der herausfinden soll, ob er geeignet ist.
Möglicherweise sollte er auch Mph für die MPU nehmen, damit er dort eben nicht auffällig wird.

Ich glaube nicht, dass die da so ein riesen Ding draus machen. Immerhin darf man ja den Führerschein schon vor 17 machen und dann begleitet fahren. So riesig ist der Unterschied dann ja auch nicht mehr.
Und der Psychologe wird ja wissen, warum er zur MPU kommt (eben nicht, weil er aufgefallen ist).

Auf jeden Fall würde ich nochmal mit dem Arzt sprechen, vielleicht kann der auch eine Bescheinigung ausstellen, dass Mph hier angebracht ist.
Diese Bescheinigung würde ich dann aber in der Tasche lassen und nur rausrücken, wenn die Sprache auf Medis kommt und explizit nachgefragt wird. Vielleicht kann man sie so allgemein halten, dass sie nicht erkennbar für die MPU ausgestellt wurde. Dann könnte Sohni sie z.B. schon bekommen haben, als er mit dem Führerschein angefangen hat. Der Arzt wollte eben sicher gehen, dass er keine Schwierigkeiten bekommt (dann muss sie aber entsprechend zurück datiert sein). Dass er sie bei der MPU einstecken hat ist nuuuuur Zufall.

LG
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Re: Metylphenidat, Führerschein und MPU

Beitragvon Wasabi » 3. Juni 2016 17:42

Ich weiss nicht Elchi.
Denke es spricht, jetzt mal von der voreingenommen Seite, nicht für die Fahreignung, dass in der Fahrschule das nicht angegeben hat und nun mit einer psychischen Krankheit und einem verkehrsfähigem BMT unterwegs sein will.

Er ist ja 17 und kein Kleinkind, welches sofort Auffällig wird, wenn die Wirkung nachlässt.
Ich bin immer der Meinung, man soll sich selbst nicht belasten. Auch durch Erfahrungen mit den wörterverdrehenden "Freund und Helfer".

Als ich in einer Verkehrskontrolle angab MPH genommen zu haben und letzte Einnahme lag 24h zurück... Da wurde mir sofort unterstellt, dass ich ein Junkie bin und sollte Hampelmann spielen und Drogentests machen und bla und blubb. Erst nach der Aussage habe ich begriffen was los ist und sofort Anwalt angerufen und dieser hat mich telephonisch begleitet und rausgebracht.

Denn diese Hampeltests werden subjektiv interpretiert und sind nicht gerade einfach perfekt zu meistern. Wenn man die perfekt besteht, entlastet das einen trotzdem nicht, wird auch nirgends erwähnt später.
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Re: Metylphenidat, Führerschein und MPU

Beitragvon Falschparker » 3. Juni 2016 23:01

Wasabi hat geschrieben:Ich bin immer der Meinung, man soll sich selbst nicht belasten.


Woran liegt denn jetzt die Belastung, wenn jemand verschriebene Medikamente nimmt, mit denen man selbstverständlich Auto fahren kann? Er will doch nicht Raumschiffe steuern oder zum GSG9?

Ich denke wenn man da eine große Sache draus macht und auch noch vorher absetzt, gibt man ihm erst das Gefühl dass er etwas nicht Astreines macht. Und dann wird er nervös, was die riechen.
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Re: Metylphenidat, Führerschein und MPU

Beitragvon Wasabi » 3. Juni 2016 23:31

Warte ab.
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Re: Metylphenidat, Führerschein und MPU

Beitragvon Ini » 4. Juni 2016 09:12

Ich habe inzwischen per Mail den Arzt erreicht und er will uns eine Bescheinigung ausstellen. Dann werde ich auch mal abklären, was er für das bessere Vorgehen hält - mit offenen Karten spielen oder eben das Thema gar nicht zu erwähnen.

Wenn ihr mögt, melde ich nächste Woche mal rück, was daraus geworden ist.
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Re: Metylphenidat, Führerschein und MPU

Beitragvon ripley » 4. Juni 2016 10:34

Ini, ganz ehrlich? Ich würde da einfach mal einen Anwalt befragen, was sinnvoll ist und vor allem, wie weit die Zulassungsstellen gehen DÜRFEN, um über die Sondergenehmigung zu entscheiden.

Ich gebe zu, ich bin da Laie, aber MPU ist so ein Ding, das bei mir extrem negativ besetzt ist. Auch ohne eigene Erfahrung (jaja, kann man jetzt grinsen). Und irgendwie sehe ich nicht ein, was die bringen soll.

Denn später heißt es ja auch weiterhin und unabhängig vom Anlass: "Der war schon mal bei 'ner MPU", was im Volksmund nahezu so einen Ruf hat wie "der war schon mal in der Klapse".
Diesen MPU-Akten-Eintrag würde ich für meinen Sohn vermeiden wollen. Zum Glück macht er ja auch erst jetzt, mit 18, den Führerschein ...
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Re: Metylphenidat, Führerschein und MPU

Beitragvon Eule » 4. Juni 2016 10:54

@Wasabi

Da bei dieser MPU untersucht werden soll, ob der Betroffene schon vor dem eigentlich zulässigen Alter die nötige Reife, das Verantwortungs- und Gefahrenbewusstsein hat, um alleine, ohne Anwesenheit der Eltern mit unter 18 fahren zu können , ohne dass man befürchten müsste er würde Rollator-Omis, Kindergarten-Kids oder Nordic-walkende Stockenten erlegen, und es keine Vorgeschichte mit Verkehrsvergehen, Rauschmittelkonsum, Drogen etc gibt, ist die LAge wohl doch etwas anders als wenn es sich um einen Menschen handeln würde, der schon durch riskantes Fahren, Rotlichtverstöße, "Rowdytum", massive wiederholte Geschwindigkeitsverstöße oder gar Verursachen von Sach- und Personenschäden aufgefallen ist.

Naivität im Stil "ich hab doch nix getan, also hab ich auch nix zu verbergen und erzähle aus freien Stücken meine gesamte relevante und nicht relevante Biografie" ist da sicher genauso fehl am Platze wie das "Mauern" frei nach dem Motto "Mehr als die Personalien und ein paar Ja/Nein - Aussagen kriegen sie nicht von mir. Ich glaube dass es da wichtiger ist sich als klar denkend und verantwortungsbewusst zu präsentieren.

Außerdem findet eine solche MPU nicht vor einem Polizeibeamten oder TÜV-Menschen statt, sondern vor einem Psychiater oder Psychologen mit entsprechender Zusatzqualifikation. Und der hat in diesem fall eben nicht vorab schon eine Akte mit der polizeilichen Dokumentation der Vergehen in möglichst vereinfachter schwarz/weiß-Formulierung da liegen, sondern die Info dass es sich um einen jungen Menschen handelt, der aufgrund einer speziellen Situation schon während seiner Ausbildung etwas früher als "normal" alleine Auto fahren möchte.

Insofern würde ich wohl nicht unbedingt freiwillig erzählen dass ich MPH einnehme, um die Diskussion erst gar nicht aufkommen zu lassen. Aber wenn eine konkrete Frage nach Medikamenten kommen sollte, ist lügen sicher auch nicht ok.

Einen recht interessanten Artikel dazu gibts hier, am besten auch die im Text verlinkten weiteren Artikel dazu lesen: http://blog.beck.de/2011/10/30/mit-rita ... rf-man-das

Andererseits gibts natürlich auch ziemlich bekloppte Überreaktionen wie hier: http://www.haz.de/Nachrichten/Der-Norde ... diotentest Ich habe jetzt nicht geschaut ob der ADHS Deutschland der ja da offenbar schon mit im Boot war die weitere Entwicklung und die Ergebnisse eines eventuellen Rechtsstreits auf seiner HP darstellt, aber grundsätzlich habe ich die Artikel die dort zu diesem Thema online sind so in Erinnerung dass es sogar Verweise auf Untersuchungen gibt die eine Verbesserung der Fahrtüchtigkeit durch MPH schildern.

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