Bewerbung: wie erkläre ich mein schlechtes Abitur

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aschnor
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Bewerbung: wie erkläre ich mein schlechtes Abitur

Beitragvon aschnor » 15. Dezember 2015 16:15

Hallo,

ich habe mein Studium praktisch beendet, ich warte lediglich noch auf die Beurteilung meiner Diplomarbeit, welche ich vor zwei Wochen abgegeben habe.
Ich bin da ganz guter Dinge, denn ich habe bisher einen Schnitt von 1,7 bei den schriftlichen und mündlichen Prüfungen erreichen können.
Bis ich meine Diplomurkunde erhalte dauert es noch ca. 8-10 Wochen. Ich möchte die Zeit trotzdem schon für Bewerbungen auf eine erste Arbeitsstelle nutzen.

Mit Bewerbungsschreiben habe ich generell keine Probleme. Allerdings lese ich in Ratgebern hierzu unterschiedliches, ob man das Abiturzeugnis bei der Bewerbung mitschicken soll oder nicht. Ich dachte bisher, dass nur Nachweise über den bisher höchsten Abschluss eingereicht werden müssen (bei mir dann Vordiplomszeugnis und Nachweise über meine bisherigen Prüfungsleistungen im Diplom).

Ich schicke ungern mein Abiturzeugnis mit. Mein Abiturschnitt ist nämlich eher schlecht (3,5). Ich war früher definitiv fauler als heute, habe aber damals auch noch nichts von meiner ADHS gewusst und hatte Depressionen und litt unter Angsstörungen, wodurch meine Leistung sehr beeinträchtigt war.

Andererseits kann es evtl ein Nachteil sein, wenn man das Zeugnis nicht beilegt.

Auch sehe ich Probleme, wenn ich in einem zukünftigen Bewerbungsgespräch auf meine schlechten schulischen Noten angesprochen werde, egal ob ich das Zeugnis von Anfang an beilege oder nachreiche.
Ich kann doch nicht sagen, dass ich ADHS habe und Dyskalkulie (Mathenote 5 im Abitur), und außerdem damals Depressionen und Angsstörungen hatte?

Hat jemand Erfahrung oder einen Rat für mich? Wie soll ich einem potenziellen Arbeitgeber meine schlechten Schulnoten erklären? Soll ich einfach sagen, dass ich faul war?
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Hanghuhn
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Re: Bewerbung: wie erkläre ich mein schlechtes Abitur

Beitragvon Hanghuhn » 15. Dezember 2015 23:33

[quote="aschnor"]
Soll ich einfach sagen, dass ich faul war?
[/quote]
Bloß nicht! Kein Arbeitgeber möchte jemanden einstellen, der faul ist Wenn Dich niemand fragt, musst Du auch nichts erklären.

Eine alles erschlagende Antwort kann ich Dir nicht geben.Wahrscheinlich hängt es auch vom Arbeitgebervertreter ab, ob und wenn überhaupt was für Fragen gestellt werden.

Eine 5 in Mathe haben auch Leute ohne Dyskalkulie, ist also nicht sooo ungewöhnlich Am besten ist es, etwas als Grund zuzuigeben, was Du offensichtlich (siehe gute Studien-Leistungen) schon ändern konntest (ADHS und Dyskalkulie bleiben, das also eher nicht angeben). Depressionen würde ich nur angeben, wenn mir nichts anderes Erleuchtendes einfällt. Schule ist nichts für Dich, zu viel Gängelei, anderes Tempo. Irgend einen Grund musst Du ja angeben, wenn jemand sehr hartnäckig ist.
Zuletzt geändert von Hanghuhn am 15. Dezember 2015 23:36, insgesamt 1-mal geändert.
LG Hanghuhn
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Re: Bewerbung: wie erkläre ich mein schlechtes Abitur

Beitragvon Elchi » 15. Dezember 2015 23:48

Also, "faul" würde ich auch nicht gerade sagen. Aber, dass Du die Schule damals nicht ernst genommen hast und duch das schlechte Abi "aufgewacht" bist, kannst Du ja ruhig durchblicken lassen.
Immerhin kannst Du mit den jetzigen Noten ja beweisen, dass Du zu besseren Leistungen in der Lage bist.

Die ganzen Diagnosen würde ich auch nicht erwähnen, sonst besteht für die Arbeitgeber die Gefahr, dass das irgendwann wieder "durchbricht" und er dann einen kranken Arbeitnehmer nicht wieder los wird (also stellt er ihn lieber erst garnicht ein).

LG
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Sheherazade
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Re: Bewerbung: wie erkläre ich mein schlechtes Abitur

Beitragvon Sheherazade » 16. Dezember 2015 05:28

[quote="aschnor"]
Mein Abiturschnitt ist nämlich eher schlecht (3,5). [/quote]

Brust raus, Bauch rein und dazu stehen. Es wird dich keiner fragen, die meisten Personaler haben genug Erfahrung um aus den vorliegenden Unterlagen zu erkennen, dass du ein bißchen Spätzünder warst und erst während des Studiums gereift bist.

Jede gestammelte Entschuldigung macht dir mehr kaputt als dein Abi-Zeugnis.
Zuletzt geändert von Sheherazade am 16. Dezember 2015 05:30, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Bewerbung: wie erkläre ich mein schlechtes Abitur

Beitragvon Menolly » 16. Dezember 2015 09:38

Ich würde da auch locker rein gehen.
Mein Mann hatte in Deutsch ne Grotten schlechte Note ( nicht weil er wirklich so schlecht war, sondern weil die Lehrerin ihn auf den Tot nicht leiden konnte  :kk: )
Das hat auch keinen Interessiert.

Also, geh einfach locker in ein Bewerbungsgespräch und wenn doch gefragt wird, sagst du einfach, das es wohl einfach schief gelaufen ist.  :zwink:
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Re: Bewerbung: wie erkläre ich mein schlechtes Abitur

Beitragvon ADHDgoesto11 » 16. Dezember 2015 11:04

[quote="aschnor"]
Wie soll ich einem potenziellen Arbeitgeber meine schlechten Schulnoten erklären?
[/quote]

Gar nicht. Du solltest, wenn überhaupt, die Verbesserung im Studium erklären, falls das zur Sprache kommt. Und das natürlich in einer Art, die dich in einem günstigen Licht erscheinen lässt.

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Re: Bewerbung: wie erkläre ich mein schlechtes Abitur

Beitragvon minime » 16. Dezember 2015 11:59

Hallo!

Respekt zum Diplom (ist es wirklich noch ein Diplom oder ist es der Master?)! :klatsch:

Ganz ehrlich: Abi dazu packen. Schon aus formalen und Sorgfalts-Gründen solltest Du diesen Abschluss mit einem Dokument "belegen". Interessant ist es inhaltlich nur im Kontext von häufigen Klassen-Wiederholungen, diverse/häufige Schulwechsel,  vielleicht besuchtes Schulprofil (Sportgym, Musikgym,etc.), "besondere Leistungen", die irgendein Engagement vermuten lassen (Umwelt / Tierschutz / Börsenspiel, Jugend forscht), längere Abwesenheiten.
KEIN Mensch fragt nach der Leistung im Abi und schon gar nicht nach Einzelleistungen, die gar nichts mit dem Job zu tun haben.

Viel Erfolg!

minime.
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Re: Bewerbung: wie erkläre ich mein schlechtes Abitur

Beitragvon aschnor » 16. Dezember 2015 13:21

Danke für die ganzen Antworten!

Ja, ich durfte noch auf Diplom Pädagogik studieren, war aber auch eine der letzten Studiengänge in denen das noch möglich war. Mittlerweile gibt es das auch nicht mehr :)

Ich weiß, dass es sehr ungünstig ist, wenn man seine ADHS, Depression, Angsstörungen etc. offenbart, das ist mir klar und ich habe das auch nicht vor.

Ich habe nur ein flaues Gefühl, so ein schelchtes Abiturzeugnis in die Bewerbung zu packen, aber ich denke es ist vielleicht besser, als es wegzulassen.

Auch möchte ich mich innerlich darauf vorbereiten, falls gefragt wird warum mein Abischnitt bzw. die Noten so schlecht sind.
Eure Antworten haben mir schon geholfen.
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Re: Bewerbung: wie erkläre ich mein schlechtes Abitur

Beitragvon Menolly » 16. Dezember 2015 13:52

Vielleicht solltest du einfach mal davon abkommen, dein Zeugnis als schlecht darzustellen.  :zwink:
Ein Arbeitgeber guckt nicht nur auf die Noten. Dem ist auch wichtig wie der Bewerber Menschlich rüber kommt.

Steh einfach dazu, und mach dich nicht kleiner als du bist.  :zwink:
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Re: Bewerbung: wie erkläre ich mein schlechtes Abitur

Beitragvon laetitia » 16. Dezember 2015 17:47

Also mal aus meiner persönlichen Perspektive:

Besser en schlechtes Abi als kein Abi...

Ausserdem hast du dein Studium gepackt. Was soll da ein Arbeitgeber auf deinem Abi rum hacken? Wenn er es dennoch tut, lächeln und irgendwas sagen wie: "Ja damit bin ich in mein Studium gestartet. Ist das nicht bemerkenswert, dass ich nun mein Studium mit Bravour abgeschlossen habe?"

Aber, wichtiger als Zeugnisnoten sind eh Arbeitszeugnisse.

Und wie gesagt, Abi zu machen ist schon eine Leistung, egal mit welchen Noten du das gemacht hast. Du hast dein Abi bestanden.
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Re: Bewerbung: wie erkläre ich mein schlechtes Abitur

Beitragvon Eule » 16. Dezember 2015 18:24

Abi-Zeugnis gehört dazu.

Wie JEDE andere im Lebenslauf angegebene Leistung/Abschluss auch. Erst recht bei einem Berufsanfänger.

erklären würde ich es schriftlich gar nicht. Du hast Abitur gemacht, was ja die Zugangsvoraussetzung fürs Studium war, deshalb gehört es halt der Vollständigkeit halber in die Bewerbung. Thema durch.

Und als nächstes gehört da rein, weshalb du den Job willst, und welche dafür besonders nützliche Fähigkeiten du im Studium erworben hast, wegen denen man dich nehmen soll.

Wenn in einem persönlichen Vorstellungsgespräch dann doch jemand nachhakt: Je nachdem was du glaubhaft rüberbringen kannst irgendwas zwischen "Naja, da hab ich halt doch etwas länger als vernünftig gewesen wäre rum pubertiert und Schule nicht so ernst genommen" und "Allgemeine Hochschulreife beinhaltet einige Fächer die ich schwierig fand, die aber zum Glück für mein Pädagogik-Studium eher marginal waren so dass ich im Studium durch die Konzentration auf Dinge die mir besser liegen auch durchgängig gut abschneiden konnte.

Wenn du nicht sicher bist die gewählte Erklärung loslassen zu können, ohne bei evtl weiteren Nachfragen zu konkreten Fächern die dich vielleicht besonders genervt haben oder die besonders schwer fielen etwas preiszugeben das du für dich behalten möchtest, ist so eine Ein-Wort-erklärung wie "Spätzünder" das beste was du machen kannst.

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