ADHS und Stärken (hier: im Kontext des Entrepreneurship) - Lasst euch nicht verarschen!

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Igomir
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ADHS und Stärken (hier: im Kontext des Entrepreneurship) - Lasst euch nicht verarschen!

Beitragvon Igomir » 17. August 2015 18:56

Hallo zusammen!

Ich bin schon länger hier angemeldet, aber habe meistens nur mitgelesen. Jetzt habe ich das Glück, in meinem Studium meine Masterarbeit über das Thema ADHS schreiben zu können (In dem Zusammenhang würde ich mich vielleicht auch nochmal hier melden  :winken: ).
Da ich denke, dass es euch vielleicht auch interessiert, möchte ich euch kurz davon berichten.

Konkret habe ich versucht mein Thema so zu wählen, dass es sich mit den positiven Aspekten von ADHS auseinandersetzt. Ich studiere Psychologie und die größte Schwäche unseres Faches ist der negative Winkel durch den der Mensch betrachtet wird. Ich weiß nicht warum, aber anscheinend tendieren wir Psychologen unser Forschungsinteresse eher auf negatives, als auf positives zu richten.
Eine typische Frage im ADHS Kontext wäre: Haben ADHS ler Schwierigkeiten in XY? Es gibt so gut wie kaum Studien, die fragen, worin ADHSler denn gut sind. Das ist umso erstaunlicher, als das die meisten "Schwächen" in anderen Kontexten als Stärken wirken können.
Naja, ich will es hier nicht zu langweilig machen.
Ich habe also über 2 Monate nach positiven Aspekten der ADHS, die wissenschaftlich untersucht wurden gesucht. UND DABEI FAST NICHTS GEFUNDEN!!?? Und das obwohl die Bücher von angewandten Experten nur so überquillen von positiven Aspekten. So gut wie niemand in der wissenschaftlichen Welt kam auf die Idee, diese Ansätze auch nur zu testen!!! Das ist krank! Ich möchte mich hier keinen Verschwörungstheorien hingeben, aber das ist mir doch sehr sauer aufgestoßen. Warum das euch auch betrifft: Es existiert ein Bild der ADHS, dass auf einseitigen Forschungsansätzen aufbaut (und nur die Schwächen von ADHSlern auslotet). Da solch ein Bild dann von Experten in die Gesellschaft getragen wird, wirkt es dann auch dort weiter. DIESES BILD IST FALSCH! Es ist deswegen schlimm, da es uns entmutigt, wenn jeder meint ADHSler sind einfach nur underperformer und wenn überhaupt sind sie mit vielen Stimulantien und Therapie in der Lage zumindestens halbwegs ihr Leben auf die Reihe zu kriegen. Ich finde das schade. Es gibt unzählige Beispiele von ADHSlern die wegen und nicht trotz ihrer Besonderheiten Erfolg haben. Dabei möchte ich nicht behaupten, dass es ein leichter Weg ist.
Ich fand es jedenfalls so krass, wie negativ der ADHSler dargestellt wird, welche Gedankensperren in der Foruschung zu bestehen scheinen, dass ich zumindestens ein paar der halbwegs erforschten Themen publik machen möchte. Ich hoffe ich kann damit zumindestens ein Gegengewicht zur vorherrschenden Meinung anbringen. Ihr könnt euch die Seite ja mal anschauen und vielleicht habt ihr noch Tipps für mich. Sie soll eigentlich nur ein Beispiel für einen ersten Anstoß sein und hat deswegen noch kaum elobierten Inhalt. Wenn ihr mögt, könnt ihr mir gerne Feedback geben dazu (bitte gerne auch negatives).

Noch kurz zur Seite und meiner Arbeit.
Konkret geht es darum, dass ADHSler in allen Bereichen der Arbeitswelt Probleme haben (da seht ihr wieder die negative Schlagseite der Psychologie). Sie verdienen weniger, erreichen bei gleichen Abschlüssen niedrigere Positionen, sind generell in den niedrigeren Positionen zu finden. Man ist mit ihnen unzufrieden und sie selbt berichten auch über niedrigere Zurfriedenheitswerte als nicht-adhsler).
So weit so schlecht. Es wird jedoch argumentiert, dass dies an den starren Strukturen des Arbeitskontext liegen könnte. ADHSler sollten demnach in der Selbständigkeit relativ gesehen mehr Möglichkeiten haben, auf ihre Stärken zu fokussieren und die schwächen ggf zu delegieren. Außerdem ist es in der Selbständgkeit leichter, eigene Strukturen zu errichten. Meine Arbeit wird untersuchen, ob es für ADHSler überhaupt möglich sein wird, Erfolg zu haben in dem Kontext der Selbständigkeit und vor allem unter welchen Bedingungen dies gelingt.

Die Seite, die ich als ersten Entwurf mal online gestellt habe ist folgende:
http://adhd-entrepreneur.jimdo.com/

Ich habe nicht viel Zeit rein gesteckt und nur die Kernstärken und Schwächen kurz angeschnitten. Das aktuelle Ziel ist eher Interesse zu wecken und ein Bewusstsein zu schaffen, dass es in diesem Kontext schon ein paar Leute gibt, die mit ihrem ADHS darn gut zurechtkommen. Außerdem habe ich noch 2 Gedankenanstösse zu Kernproblemen und möglichen Lösunegn angestoßen.

Mittelfristig würde ich gerne mehr zu dem Thema online bringen, weil ich denke, dass es vielen von uns helfen könnte, auch mal die positiven Aspekte beleuchtet zu kriegen und zu wissen, dass es auch gut gehen kann (der nächste schritt für eine HP sollte dann eine sammlung an hilfestellungen in die richtung sein). Ich bin mir nicht sicher, ob eine homepage das überhaupt schaffen kann oder ob nicht ein buch besser geeignet wäre, aber (vor allem auch weil ich keine ahnung von php programmierung habe  :grübel: ), aber zumindestens ist eine Homepage für jeden verfügbar und hat dadurch einen weiteren Wirkungskreis.


Falls euch das Thema auch wissenschaftlich interessiert lege ich euch noch folgende 2 Studien ans Herz:

http://poseidon01.ssrn.com/delivery.php ... 23&EXT=pdf

http://www.researchgate.net/profile/Joh ... 7192b3.pdf

Ich freue mich auf eure Kritik!

Liebe Grüße


P.s.: Auch wenn ich hier in meiner Arbeit die Selbständigkeit als positiven Faktor untersuche möchte ich damit niemanden entmutigen.
Es ist nur EIN möglicher Kontext, um das Thema zu untersuchen. Auch in einem Angestelltenverhältnis haben ADHSler erfolg (auch dazu gibt es Studien, ist halt nur nicht mein Thema). Generell sollte man in Angestelltenverhältnissen mit ADHS dann besonders erfolgreich sein, wenn es einem gelingt gleichzeitig hohe Freiheit bei der Bearbeitung zu haben, gleichzeitig aber auch einen Mentor hat, der einen "on track" hält und immer wieder abstimmt. Das heißt: keine überwachung des Prozesses (den muss man sich nämlich individuell wählen), sondern des (teil)Ergebnisses.

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