Neuer Job wieder nach der Probezeit futsch und das bei einem guten Arbeitgeber

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Belmont
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Neuer Job wieder nach der Probezeit futsch und das bei einem guten Arbeitgeber

Beitragvon Belmont » 13. Juni 2015 00:51

Ich hatte seit Januar, nach 3 Monaten $Arbeitslosigkeit wieder einen Job. Dieses war in der Kategorie: Great Place to Work. Sprich man konnte seine Arbeitszeiten selber eintragen, das führte dazu dass man hier mal da eine Überstunde eingetragen wurde. Gute Kollegen. Kreativer netter Chef. Freiraum. Umsonst Kickern während der Arbeit. Es war in einem Ingenieurbüro. Ich war in den ersten 2 Monaten wie auf Wolke 7. Jedoch begann dann das erste Projekt und da meinte dann mein Chef: "Also ist nicht so prall was du an Wissen so hast". Ich habe ihm nicht von meinem ADS erzählt. Naja es ist ein Ingenieurbüro für die Pharmaindustrie, mit vielen Standorten in DE, Schweiz usw... Ich war zuerst bei einer kleineren Firma, die so Naturheilmittel herstellt und sollte einige Dokumente schreiben. In Unterstützung mit meinem Chef habe ich das so hinbekommen.

Als ich dann jedoch nach weiteren 4 Wochen das erste Mal alleine hinsollte traf ich mich zum Meeting mit den Leiterin. Das Meeting lief nicht so gut, da ich nicht wußte was die von mir wollten. Ich fragte mehrfach nach und hatte so im Hinterkopf gehört: "Boah , der muss ja unterstützt werden."

Am nächsten Tag klingelte mein Handy und ich bekam Ärger nach dem Motto: " Gab es da Differenzen mit Frau ....". 1 Tag später sagte mein Chef: Wenn dann solle ich nur mit meinem Chef dorthin und nicht alleine. Laut seiner Meinung müssten aber junge Ingenieure das können, wenn sie eingearbeitet sind.

Währenddessen bekam ich das 2te Projekt. Diesmal in einer kleineren mittelständischen Firma. Am Anfang ein großes Projektmeeting mit ca 15 Leuten. Ich hörte erstmal zu und notierte die Dinge, die zu organisieren bzw zu tun sind. Im Laufe des Projektes bekam ich Rechner und Arbeitsplatz. In den weiteren 4 Wochen gab es dann richtig viel zu tun, sodass ich schlecht hinterherkam, wenn mein Chef mit befahl was zu tun war und anderseits knallte es mal so richtig mit meinem Chef, als er mir ein größeres Dokument gab, wehelcs ich bearbeiten sollte. Dann kam es zu einem richtigen Knall unter 4 Augen, da er mir vorwarf, warum ich das nicht kann.

Jetzt muss ich aber sagen: bei meinem ADS ist es so, dass ich Aufgaben kann, wenn ich ein Ziel bekomme. Und für jede Unterziele auch und natürlich die Zeit jeden Schritt zu üben. Mein Chef sagte mir, dass wir keine Zeit haben und hat das Dokument selber geschrieben. Das war mir unangenehm. Als ich das Dokument vor mir sehen lag und ich das auf andere Anlagen adaptieren sollte gelang mir dies auch. Weil ich ja wie eben geschrieben das Ziel vor Augen habe und die Struktur des Dokumentes kenne und dies eben nur an manchen Dingen ändern muss. Und dann bemängelte mein Chef mir fachliches Grundlagenwissen, welches laut seiner Meinung nach nicht vorhanden war. Ja irgendwie habe ich dann die chemischen Rechnungen, die er in den Dokumenten hatte nicht nachvollziehen können ohne seine Hilfe. Er meinte: "Lies nach" und gab mir Bücher. Ich habe aber auch nur gelesen, dass was mein Chef mir sagte jedoch nie aus Eigeninitiative.

Weiterer Punkt war, ich kam öfters um 9 Uhr zu Arbeit obwohl er bereits um 7 Uhr da war. Ich hatte da was missverstanden, weil ich achte die Fahrtzeit gehört auch mit dazu. Ihr müsst wissen, dass ich täglich 60km gefahren bin, was vom Arbeitgeber bezahlt wurde. Also zum Kunden. Und bei diesem Kunden tauchte ich dann eben erst um 9 Uhr auf. z.B. aus Gründes des Staus usw.. Ich bräuchte 1 Stunde und bin so um 8 Uhr losgefahren. Alle andere waren um 7 Uhr da, okay sie wohnten dort auch. Mein Chef meinte bei meiner Kündigung: Ja Gott, dann wäre ich um 5 aufgestanden, weil du ja in der Probezeit bist und da besonders ein Auge drauf geworfen wird.

Noch ein weiterer Punkt. ich kam oft mit nicht gebügelten Hemd zur Arbeit. Irgendwie war ich halt eben in so einer: LMMA Einstellung dort ( Leck mich am Arsch Einstellung) . Dies Hemd hatte oft Krümeln usw und mein Chef meinte: So wirkst du nicht sauber und ungepflegt.

Weiterhin war meine Sozialkompetenz = 0. Keiner wollte so wirklich mit mir zusammenarbeiten. Ich habe oft geschwitzt weil ich dick bin und war nicht so sehr gesprächig. Zu den Leuten, die ich nett fand bzw auf gleicher Augenhöhe war konnte ich reden. Aber eben nicht mit Leuten, die dümmer waren als ich oder eben die genormt waren.


Und genau heute am Freitag, bekam ich meine Kündigung in die Hand gedrückt.Mein Chef meinte die Summierung aller Sachen, die passiert waren waren so der Auslöser. Nachdem ihr das alles so gelesen habt: Meint ihr, ich hätte den Job retten können. Warum habe ich mich nicht sehr gepflegt und mein Hemd nicht gebügelt und warum bin oft spät auf Arbeit gekommen. Ich kann mir die Fragen ja selber nicht beantworten.
.Mein Chef meinte ja ich war / bin EInzelgänger.. Oder ist es doch so die Jobumgebung bzw der falsche Job. Ihr, die ihr den Text lest, meint was dazu. Ich bin für jede Kritik offen.

Ich als Akademiker bin jetzt das 2 te Mal nachdem ich mein Studium beendet habe gekündigt worden. Finde ich noch ein Job in meiner Branche?
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Re: Neuer Job wieder nach der Probezeit futsch und das bei einem guten Arbeitgeber

Beitragvon laetitia » 13. Juni 2015 01:20

Nun ja, Akademiker zu sein reicht noch nicht, um seinem Job auch gewachsen zu sein. Mir scheint da, dass du dir allerdings etwas wenig Mühe gegeben hast. Du hättest deine Hemden ja auch in einer Wäscherei bügeln lassen können. Im Allgemeinen orientiert man sich bei der Arbeit auch an den anderen. Das heisst, am ersten Arbeitstag darf man ruhig etwas overdressed daher kommen. Dann sieht man sich die anderen Mitarbeiter an und merkt, was drin liegt und was nicht. Alle mit gebügelten Hemden? Also gebügeltes Hemd. Obwohl gleitende Arbeitszeiten alle bereits um 7h im Büro? Also um 7h im Büro...oder ein Gespräch mit dem Vorgesetzten, in dem man ihn nett fragt, ob es auch OK sei, wenn man um 9h ins Büro komme und dafür die Abendzeiten abdecke.

Auch sonst denke ich, ein Gespräch mit dem Chef hätte vielleicht was gebracht. Der kann ja keine Gedanken lesen, weiss nicht, wo du schwimmst und muss erst noch erkennen, welches deine Stärken sind. Wenn du ein Ziel brauchst, dann fragen, auf wann und in welcher Weise er was gerne hätte. Du weisst ja, dass du das brauchst, er noch nicht und wenn du es ihm nicht sagst, dann kann er das auch nicht wissen. Falls er von dir erwartet, dass du selbstverantwortlich und mit Eigeninitiative arbeitest, dir das aber über den Kopf wächst, bist du vielleicht auch eine Stufe zu weit oben in der Hierarchie eingestiegen.

Und man kann auch mit den Mitarbeitern reden, wie sie die Projekte angehen und auch über sonstige ungeschriebenen Gesetze wie eben die gebügelten Hemden und Arbeitszeiten. Die sind etwas neutraler und die Unterhaltung gestaltet sich etwas entspannter als mit dem Chef.

LMMA-Einstellung geht sowieso nicht, wenn du wirklich daran interessiert bist, einen Job zu halten. Vielleicht musst du dieser mal auf den Grund gehen. Hat dich der Job interessiert? Nicht wirklich? Dann versuche etwas zu finden, das dich interessiert. Versuche zu verstehen, wie du tickst, was du brauchst und wo du das finden kannst. Dann entwerfe eine Strategie, wie du dieses Ziel erreichst.
Hat er dich interessiert, was war der Grund für diese Stimmung?

Für die Sozialkompetenz kannst du Coachings besuchen.
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Re: Neuer Job wieder nach der Probezeit futsch und das bei einem guten Arbeitgeber

Beitragvon Hanghuhn » 13. Juni 2015 09:14

@Belmont, ich glaube, dass Du es bei Deinem derzeitigen Arbeitgeber gründlich verkackt hast.

Ich glaube, das Hauptproblem ist das, was man so gemeinhin als "Arbeitseinstellung" bezeichnet.

  • Arbeitszeiten selbst aufschreiben zu lassen, bedeutet nicht, Schummeln zu tolerieren. Bei uns wärst Du hochkant geflogen, wenn 'rausgekommen wäre, dass Du auch nur ein einziges Mal geschummelt hättest.
  • Wenn Du beim Kunden eingesetzt wirst, repräsentierst Du vor allem Deine Firma. Da kommt es ganz schlecht an, wenn Du mit ungebügeltem Hemd mit Krümeln überhäuft dort aufkreuzt.
  • Flexible Arbeitszeiten können in Deiner Firma gang und gäbe sein. Beim Kunden gelten andere Regeln. Deine Firma muss sich nicht hundertprozentig an die Regeln beim Kunden anpassen. Deine Firma kann mit dem Kunden ausmachen, dass ihr, weil ihr ja flexible Arbeitszeiten habt, nicht ganz so pünktlich da sein braucht o. ä. Darauf muss sich der Kunde nicht einlassen. Wenn Deine Firma da nichts ausgemacht hat, gelten die Bedingungen des Kunden. Ich bin der Meinung, dass Dein Chef Dir das hätte sagen müssen. Allerdings hat Laetitia recht, wenn sie meint, dass Dir das hätte auffallen müssen. Du hättest ja mal fragen können.
  • Deine Eignung: Kreativität allein reicht als Ingenieur nicht. Logisch denken zu können, ist eine wichtige Komponente in diesem Beruf. Das andere Standbein ist Kreativität, um logisch fundierte Lösungen zu finden. Nun hast Du immerhin Dein Studium absolviert, ich glaube, dass es bei Dir einfach nur etwas länger dauert, bis der Groschen rutscht. Wenn Du das als Problem erkannt hast, ist es vielleicht wirklich angebracht, darüber mit Deinem Chef zu reden. Noch besser wäre, wenn Du ihm unumwunden sagen könntest, wo Deine Stärken liegen, wie Du Deine Stärken am besten einsetzen könntest (Beispiel anbringen).
    Es wäre z. B. gut, für eine gewisse Art von Dokumenten Vorlagen zu haben. Nicht nur ADSler können nämlich den einen oder anderen Punkt vergessen, oder "aus den Augen verlieren" (meint das Gleiche, klingt aber weniger verpeilt), das wäre mit Vorlagen nahezu ausgeschlossen. Wenn Du z. B. einen solchen Vorschlag gemacht hättest, hätte Dir das Pluspunkte eingebracht.
    Du hast früher einmal gepostet, dass es Dir Spaß macht, Fehler herauszufinden. Es gibt so einen Beruf: Tester. Es gibt ihn in allen möglichen Varianten und Breichen, vielleicht auch in Deinem.

Ich habe selbst ADS und weiß, dass man sich scheut nachzufragen, weil man ja so oft nachfragen muss. Mit geht es auch oft genug so, dass ich mich scheue, Dinge nachzufragen, weil mir schon oft genug passiert ist, dass das, was ich nachgefragt habe, vor 5 Minuten gesagt wurde. Das ist peinlich. Aber noch peinlicher ist, ungeschriebene Regeln, an die sich jeder einhält, selbst nicht einzuhalten.

Wenn Du überhaupt noch eine Chance witterst, bittest Du in gebügeltem Hemd Deinen Chef um ein Gespräch. Zu dem Gespräch erscheinst Du mit gebügeltem Hemd, mit Schlips und Anzug. In dem Gespräch bittest Du um eine weitere Chance (Praktikum, Probezeitverlängerung o. ä).

I. A. wird es nicht gern gesehen, wenn sich jemand von den Mitarbeitern abkapselt. Ein erster Anfang kann z. B. das gemeinsame Mittagessen sein, Smalltalk beim Kaffeetrinken, ...

Du schreibst, dass Du oft müde bist. Wenn es Dir passiert, dass Du ungewollt einschläfst, könnte das auch krankhaft sein. Da gibt es viele mögliche Ursachen. Eine sehr häufige mögliche Ursache kann Schilddrüsenunterfunktion sein, eine andere häufige mögliche Ursache kann Diabetes2 sein. Schieb es nicht auf die lange Bank, der Ursache für Deine Müdigkeit auf den Grund zu gehen! Eine erfolgreiche Behandlung erhöht Deine Lebensqualität um einiges. Ich kann Dir ganz sicher sagen, dass dann auch der Gedankenfluss besser funktioniert. Man ist einfach geistig wacher.
Zuletzt geändert von Hanghuhn am 13. Juni 2015 09:23, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Neuer Job wieder nach der Probezeit futsch und das bei einem guten Arbeitgeber

Beitragvon Sheherazade » 13. Juni 2015 12:13

Du hast ja schon so einige wertvolle Hinweise bekommen, von mir komt dann nur noch eine Anmerkung.

[quote="Belmont"]
Zu den Leuten, die ich nett fand bzw auf gleicher Augenhöhe war konnte ich reden. Aber eben nicht mit Leuten, die dümmer waren als ich oder eben die genormt waren.
[/quote]

Deine Überheblichkeit passt nicht zu deinen Leistungen - das nennt man dann wohl Selbstüberschätzung. Ganz offensichtlich machen die "dümmeren und genormten" Leute ihren Job gut genug für den Chef.
Sohn *2003 - Autist mit komorbider ADHS
Sohn *2001 - ADS
2 Töchter *1998 und * 1989
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Re: Neuer Job wieder nach der Probezeit futsch und das bei einem guten Arbeitgeber

Beitragvon Belmont » 13. Juni 2015 12:44

Okay vielen Dank erstmal so für die Infos. Ich habe nach meinem Studium 2 Vollzeitstellen gehabt und diese sind nach 6 Monaten futsch. Glaubt ihr, dass ich noch eine Chance habe. Ich glaube es nicht mehr und bin gerade sehr verzweifelt
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Re: Neuer Job wieder nach der Probezeit futsch und das bei einem guten Arbeitgeber

Beitragvon laetitia » 13. Juni 2015 13:14

Natürlich hast du noch eine Chance. Nur...du musst etwas härter daran arbeiten. Wenn die Einstellung stimmt und du motiviert bist, dann wirst du auch eine Chance bekommen. Kann einfach sein, dass du erst mal etwas zurück stecken musst in deinen Ansprüchen.

Ich habe seit fünf Jahren einen Job, der nicht unbedingt die geistige Herausforderung darstellt, die ich mir wünsche. Aber ich habe durch meinen Durchhaltewillen an diesem Job nun die Chance, ein Studium zu machen und mein Leben ganz selbst zu finanzieren. Das kann ich aber nur, weil ich auch mal unten durch gehe und bereit war, einen Job anzunehmen, für den ich eigentlich überqualifiziert bin. Ausserdem nicht gleich beim ersten, auch nicht beim zweiten oder dritten Anschiss gleich was neues suchte, sondern die Krise durch stand und weiter machte. Und jetzt habe ich sogar die Möglichkeit, ab und zu für unsere Firmenzeitung, die an über 1000 Personen geht einen Bericht zu schreiben...weil ich auch soziale Kontakte pflegte mit allen möglichen Leuten da. Wenn du auch mal mit Leuten redest, von denen du das Gefühl hast, sie wären dümmer als du, wirst du feststellen, dass auch die manchmal gar nicht so dumm sind...und viel mehr in ihnen steckt, als du ihnen ansiehst. Ausserdem kann es gut sein, dass genau solche Menschen dann eine Tür zu etwas öffnen, was genau für dich ist.

Dass man Chancen serviert bekommt, kommt sicher vor, aber in aller Regel muss man sich Chancen erarbeiten. Und wenn man an seinen Chancen arbeitet, dann kommen auch die Chancen, die einen serviert werden...weil du dann die richtige Einstellung hast. Wenn du bereit bist, dafür auch was zu tun, dann hast du immer eine Chance.

Also Kopf hoch! Wir haben alle schon mal was verkackt. Wichtig ist jetzt: Was lernst du daraus?
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Re: Neuer Job wieder nach der Probezeit futsch und das bei einem guten Arbeitgeber

Beitragvon Belmont » 13. Juni 2015 15:22

Kennt ihr das Gütesiegel für Unternehmen Great Place to work?


das war eigentlich ein guter Arbeitgeber, wo die Organisation, der Chef, alles gut und dann die Sache, die passierte......OH Mann
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Re: Neuer Job wieder nach der Probezeit futsch und das bei einem guten Arbeitgeber

Beitragvon Hanghuhn » 13. Juni 2015 19:50

[quote="Belmont"]
Kennt ihr das Gütesiegel für Unternehmen Great Place to work?
[/quote]
Ja, das bedeutet, dass die Firma nach einem gewissen Ranking (?) zu den beliebtesten Arbeitgebern in einem gewissen Bereich / Bundesland / Jahr gehört. Das bedeutet aber nicht, dass es sich bei anderen Arbeitgebern nicht lohnen würde zu arbeiten. Es bedeutet auch nicht, dass bei Deiner jetzigen Firma ALLES stimmt. Ein Beispiel ist der Umgang mit der flexiblen Arbeitszeit. Deinem Chef hätte auch auffallen müssen, dass Dir nicht klar ist, dass Du früher erscheinen solltest. So etwas ist mit einem kurzen Gespräch erledigt. Da muss Dein Chef gar keinen dicken Hals bekommen.

Du scheinst zu befürchten, es bei einem besonders guten und toleranten Arbeitgeber verkackt zu haben. Da kann ich Dich beruhigen. Du bist noch jung. Evtl. "Verfehlungen" werden Dir eher nachgesehen als "alten Hasen", die eigentlich wissen müssten, wie Projekte beim Kunden funktionieren. Wichtig ist jetzt, die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Du musst deswegen nicht zum speichelleckenden Schleimer mutieren.

Auch wenn Du bei Deiner jetzigen Arbeitsstelle keine Chance mehr siehst, nutz die restliche Zeit bis zu Deinem Weggang als Übung! Dir kann nicht mehr viel Schlimmeres passieren, eigentlich gar nichts. Sei entspannt! Erschein immer pünktlich mit gebügelten Hemden ohne Krümelei. Sei freundlich, auch wenn Dir nicht unbedingt danach ist! Es ist Übungsterrain.

Das mit der Müdigkeit musst Du ernst nehmen. Wenn Du das Gefühl hast, oft kaputt und abgeschlagen zu sein, geh zum Arzt! Du wirst hinterher bereuen, diesbezüglich nicht schon früher etwas unternommen zu haben. Dein Müdigkeitsproblem könnte schon Bestandteil Deines Gesamtproblems sein. Da wäre es doch angebracht, erst einmal die Grundlage für ein gutes Funktionieren des Körpers zu schaffen. Du schriebst, dass Du etwas übergewichtig bist. DIe Ursache oder eine der Ursachen könnte eine SD-Unterfunktion sein. Hier im Forum haben schon mehrere Leute von ihren Erfahrungen mit dieser Krankheit berichtet. Die Änderungen gehen schleichend einher, deshalb kommt man selbst nicht auf die Idee, dass da etwas krankhaft sein könnte. Aber auch wenn Dein Übergewicht keine krankhafte Ursache hat, kann es selbst die Ursache für eine beginnende Diabetes2 sein.
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Re: Neuer Job wieder nach der Probezeit futsch und das bei einem guten Arbeitgeber

Beitragvon Belmont » 13. Juni 2015 23:43

Ich bin nie zum Arzt, weil ich nur im Kopf habe: Arbeiten, Arbeiten, Arbeiten. Ich habe ein Studienkredit, den ich abbezahlen muss. Da schaue ich, dass ich schleunigst immer in einem Beschäftigungsverhältnis stehe. Ich weiß, dass ich bzgl. der Gesundheit ein Aortenklappeninsuffizienz habe. Ich war im Krankenhaus 2 Tage, da ich morgens immer mit Kopfschmerzen aufwache. Weiterhin wurde eine Fettleber festgestellt. Ich fühle mich seit der Kündigung, die ich am Freitag erhielt völlig müde, niedergeschlagen, erschöpft, kaputt. Ich bin gerade bei meinen Eltern und ich weiß nicht wie es weiter geht.

Wenn ich mich weiterbewerbe und ich EINGELADEN werden sollte, was sage ich: Okay bei der ersten Stelle sage ich mir wurde gekündigt, weil eben keine Projekte anstanden und dies stimmt ja auch so. Die Stelle in der Schweiz waren 6 Monate. Danach wieder die Stelle, die mir ja am Freitag gekündigt wurde, wieder nach 6 Monaten. Was soll ich sagen: Mir wurde wieder gekündigt? Und warum aus welchem Grund: Wieder betriebsbedingt? Das kauft mir doch keiner ab und jeder Personaler denkt sich, dass da was faul ist. Also werde ich die Stelle dann doch nicht bekommen. Jemand sagte zu mir: Naja sieh zu, dass du in den ersten oder 2 Job mindestens 2 Jahre bleibt. Nicht immer wieder wechseln. Es könnte mir unterstellt werden, dass ich nicht weiß was ich will.

Du schreibst, dass Du oft müde bist. Wenn es Dir passiert, dass Du ungewollt einschläfst, könnte das auch krankhaft sein. Da gibt es viele mögliche Ursachen. Eine sehr häufige mögliche Ursache kann Schilddrüsenunterfunktion sein, eine andere häufige mögliche Ursache kann Diabetes2 sein. Schieb es nicht auf die lange Bank, der Ursache für Deine Müdigkeit auf den Grund zu gehen! Eine erfolgreiche Behandlung erhöht Deine Lebensqualität um einiges.


uch wenn Du bei Deiner jetzigen Arbeitsstelle keine Chance mehr siehst, nutz die restliche Zeit bis zu Deinem Weggang als Übung! Dir kann nicht mehr viel Schlimmeres passieren, eigentlich gar nichts. Sei entspannt! Erschein immer pünktlich mit gebügelten Hemden ohne Krümelei. Sei freundlich, auch wenn Dir nicht unbedingt danach ist! Es ist Übungsterrain.


Ich habe 10 Tage Urlaub. Ich habe ja schon alles abgegeben, also Schlüssel, Laptop, Handy

Ne anhand von meinen Blutwerten war mein Zuckerwert relativ normal.


Mir fällt noch auf, was mir der Chef sagte:

  • Motivation war nicht 100% da
  • Ich wäre polterig,unbeholfen und sozial gehemmt

Was ist polterig sein?


Ich habe übrigens am Freitag ja meinen Chef gefragt, ob ich wieder eingestellt werden könnte. Oder ob ich nen Praktikum machen könnte. Er antwortete, der Drop ist gelutscht. Keine Chance also.


Im Übrigen bin ich jetzt 32 und ich will nicht wieder zu meinen Eltern ziehen. Welche Frau findet das schön? Bisher war so immer der Kreislauf:

1. Bewerben am PC und ich sitze bei meinen Eltern
2. Stelle bekommen durch Glück.
3. Stelle angetreten und dann gab es Probleme
4. Kündigung nach 6 Monaten
5. Zurückziehen zu Eltern

und wieder zu Punkt 1.
und wieder...
und wieder...


Andere Freunde habe ne eigene Wohnung. Ich bisher nie. Ich sitze dann meistens die Zeit in Hotels oder Ferienapartments, weil ich ja hoffe ich komme dann doch durch die 6 Monate. Einmal war ich 1 Jahr beschäftigt, wohnte aber 1 Jahr bei Vermietern in einem Ferienapartment, weil ich Angst habe: Mir wird gekündigt....

Wie findet ihr das, findet ihr das nicht auch traurig? :baw:
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Re: Neuer Job wieder nach der Probezeit futsch und das bei einem guten Arbeitgeber

Beitragvon Hanghuhn » 14. Juni 2015 11:51

[quote="Belmont"]
Wie findet ihr das, findet ihr das nicht auch traurig? :baw:
[/quote]
Ja, ich heul jetzt aber nicht mit.

Zu Deinen Vorstellungsgesprächen kann ich Dir leider keinen Rat geben. Ich bin selbst nicht gut darin (ist gelogen, ich bin darin einfach grottenschlecht). Theoretisch weiß ich nur das: Nicht lügen und alles beschönigen, was nur irgend geht. Wenn 's geht, Peinliches weglassen oder wenigstens nur antippen. Nicht von vornherein in Verteidigung für irgendwas gehen, das macht misstrauisch. Die Personaler picken sich schon sowieso genug Schwachstellen heraus. Nach meiner Erfahrung sind das oft nicht die Dinge, die man selbst als Schwachstelle empfindet.

Hast Du selbst den Willen, den Kredit für Dein Studium so schnell wie möglich zurück zu zahlen? Oder sitzt Dir tatsächlich schon jemand deswegen im Nacken? Du klingst so fokusiert darauf, das so schnell wie möglich von der Backe zu haben. Musst Du auch bezahlen, wenn Du arbeitslos bist? Kannst Du Dir das Geld bei Deinen Eltern leihen? Bei denen hast Du evtl. mehr Zeit zum Rückzahlen.

Mal was anderes. Nimmst Du Medikamente für ADS? Was Du so schreibst, klingt nahezu durchweg nach unbehandelter ADS.

Bei Dir stand ziemlich viel auf dem Spiel. Du hast Dich auf die Aufgaben gestürzt, die Du zu erledigen hast, und hast andere Dinge außer Acht gelassen, die auch wichtig sind, einschl. Deine Gesundheit. Ich will nicht auf Dir 'rumhacken. Du wirkst unbehandelt. Kannst Du keine Medis nehmen? Umso wichtiger wäre es dann, wenigstens eine Therapie zu machen.

[quote="Belmont"]
Was ist polterig sein?
[/quote]
Ich habe etwas zu Poltern gefunden.
Ich habe noch etwas zu Poltern gefunden.
So richtig trifft beides nicht zu. Man versteht darunter grobes, flegelhaftes Verhalten, so in der Art "Elefant im Porzellanladen".
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Re: Neuer Job wieder nach der Probezeit futsch und das bei einem guten Arbeitgeber

Beitragvon Belmont » 14. Juni 2015 18:02

Ich nehme Medikenet Adult Retard.10mg. Davon so 2 -3 am Tag. Diagnose: ADS ohne H. Leichte Depression. Das war mal 2007 im KH getestet worden. Dazu nehme ich noch Venlafaxin 75mg.


Nachts grübele ich und zum Einschlafen trink ich Alkohol, sprich Bier. 1,5 L. Das war in der Zeit wo ich gearbeitet habe.  Denn manchmal kam ich völlig unausgeschlafen zur Arbeit. Ich bin dann morgens um 4 Uhr eingeschlafen und dann um 6 Uhr aufgestanden und dann konnte ich mir ja kaum was merken. Dann weiterhin auf dem Flug nach Wien sollte ich um 3 Uhr aufstehen und bin um 22:00 dafür extra ins Bett. Ich bin aber um 1:00 Uhr eingeschlafen und war völlig übermüdet. Mein Chef zu mir: Das frühe aufstehen liegt dir ja wohl nicht so...

Nein, Therapie bisher wegen ADS noch nicht gemacht
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Re: Neuer Job wieder nach der Probezeit futsch und das bei einem guten Arbeitgeber

Beitragvon Hanghuhn » 14. Juni 2015 19:40

[quote="Belmont"]
Mein Chef zu mir: Das frühe aufstehen liegt dir ja wohl nicht so...
[/quote]
Dein Chef lebt in einer heilen Welt, in der man sich beizeiten ins Bett legt, damit man früh wieder aufstehen kann. Ganz natürlich schläft man vom Zu-Bett-Gehen bis zum Aufstehen durch. Am Morgen ist man frisch und munter und kann allen Widrigkeiten des Lebens trotzen.

Du hast also an einem anderen Ort gearbeitet als Du gewohnt hast, bist jedes WE nach Hause geflogen oder gefahren. Unter solchen Bedingungen ist es natürlich schwer zu arbeiten. Nicht jeder kann in einem fremden Bett schlafen. Man hat in einer fremden Unterkunft nicht die Bequemlichkeiten, die man zu Hause hat. Man fühlt sich einfach nicht so wohl wie zu Hause. Was in Deinem Fall auch wiegt: Du kannst nicht einfach mal so wg. Deiner gesundheitlichen Probleme zum Arzt gehen.

Dass Du Alkohol zum Einschlafen nimmst, kann ich verstehen, weil Du keine Alternative siehst. Hier im Forum berichteten mehrere Mütter / Väter oder auch selbst Betroffene von ähnlichen Einschlafproblemen. Bei nicht wenigen hilft eine Minidosis Medikinet unretardiert direkt vor dem Einschlafen. Das verringert das Kopfkino, das oft die Ursache von Einschlafproblemen ist. Sprich mit Deinem Arzt darüber! Bzw. such Dir erst mal wieder einen Arzt, mit dem Du Deine Medikamenteneinstellung noch einmal überprüfst.

[quote="Belmont"]
Ich nehme Medikenet Adult Retard.10mg. Davon so 2 -3 am Tag.
[/quote]
Wann nimmst Du die letzte Tablette am Tag? Es könnte evtl. zu spät sein. Das ist natürlich davon abhängig, wann Du ins Bett gehst. Ich denke, die letzte Tablette sollte eher eine unretardierte sein.

Wir hatten ja das Thema Bewerbung. Ich rate Dir, Dich nicht wieder auf eine Stelle zu bewerben, in der Reisebereitschaft gefordert ist. Das kannst Du evtl. mit gesundheitlichen Problemen begründen. Es bringt Dir nichts, wenn Du einen solchen Job letztendlich nicht durchstehen kannst. Vielleicht steht das ja erst gar nicht zur Debatte.
Zuletzt geändert von Hanghuhn am 14. Juni 2015 19:42, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Neuer Job wieder nach der Probezeit futsch und das bei einem guten Arbeitgeber

Beitragvon Annia228 » 6. März 2016 22:10

[quote="Belmont"]
Okay vielen Dank erstmal so für die Infos. Ich habe nach meinem Studium 2 Vollzeitstellen gehabt und diese sind nach 6 Monaten futsch. Glaubt ihr, dass ich noch eine Chance habe. Ich glaube es nicht mehr und bin gerade sehr verzweifelt
[/quote]
wie kann man alles so gleichzeitig schaffen? lieber auf eine sache konzentrieren.

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