Medikamente im Studium?!

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lenilein
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Medikamente im Studium?!

Beitragvon lenilein » 15. April 2015 19:56

Hallo
seit einiger Zeit geistert mir ein Gedanke im Kopf herum. Wie geht es nach der Schule weiter? Also ich weiß, dass ich Studieren möchte. Ich weiß auch, was ich wo studieren möchte und habe einen Plan, wie ich das machen will. Irgendwann kam mir dann auch der Gedanke, wie es mit den AD(H)S-Medikamenten weitergehen soll. Ich frage mich, ob ich sie brauche oder nicht. Eigentlich wäre ich sehr froh, wenn ich sie nicht mehr brauchen würde. Ich habe schon überlegt, ob ich es erst ohne probieren sollte und dann später wieder welche nehmen würde. Aber ich kenne mich auch zu gut und würde vermutlich, wenn ich wieder Probleme bekomme total an mir Zweifeln und wahrscheinlich gar nicht auf die Idee kommen, dass die Medikamente wieder helfen können. Ich merke auch nicht unbedingt jeden Tag, ob ich die Tabletten genommen habe oder nicht. Ich merke das meistens erst, wenn ich vergangene Tage reflektiere...
Auf der anderen Seite will ich in einer anderen Stadt studieren und je nach dem wie es läuft ausziehen...
Hinzukommt, dass ich jetzt schon 18 bin und ich irgendwann einen neuen Psychiater brauche. Das mag jetzt vielleicht ziemlich blöd klingen, aber dadurch, dass die Diagnose erst eine Zweitmeinung war und man als Kind keine wirklich behandelbedürftige Probleme sah, habe ich Angst, dass ich keinen Psychiater mehr finden kann, der mir die Medikamente verschreibt, obwohl sie ja offensichtlich helfen und ich gehe auch wirklich stark davon aus AD(H)S zu haben...

Ihr habt alle eure Erfahrungen gemacht. Ich würde mich über jeden Tipp und über jeden Rat freuen!
Ich weiß auch, dass ich mir komische Gedanken mache, aber irgendwie brauchte ich heute mal eine Pause vom Lernen und habe an die Zukunft gedacht... irgendwann kamen dann auch diese Gedanken dabei raus  :108:

LG lenilein  :winken:
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Re: Medikamente im Studium?!

Beitragvon laetitia » 15. April 2015 20:18

Bei uns an der Uni sind die Semester relativ kurz, heisst, drei Monate Vorlesungen/Seminare und dann lange Semesterferien. Wenn das in Deutschland auch so ist, könntest du die Medis in den Semesterferien mal weglassen und dann sehen wie es läuft. Wenn du dann noch eine Seminararbeit schreiben musst, wirst du, denke ich, schnell merken, ob es ohne Medis geht.

Mir bereitet es im Moment grosse Mühe, bei der Sache zu bleiben und ich bin froh, nur eine Vorlesung gebucht zu haben. Ich hoffe, dass ich es bald mit den Medis probieren kann und bis zum Herbstsemester die für mich richtige Dosierung gefunden zu haben.

Das Studium braucht eine grosse Menge an Selbstdisziplin, Selbstverantwortung und Organisation. Wenn dir das ohne Medis schwer fällt, würde ich es nicht darauf an kommen lassen. Man hat den Faden rasch verloren.
Zuletzt geändert von laetitia am 15. April 2015 20:18, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Medikamente im Studium?!

Beitragvon Falschparker » 15. April 2015 20:34

Hallo Lenilein,

warum möchtest du denn die Medis absetzen? Du nimmst sie doch erst relativ kurze Zeit?

Dass man den positiven Nutzen des Medikamentes manchmal erst im Rückblick bemerkt, ist ja normal. Aber ich denke schon, dass es dir auffiele, wenn du sie nicht mehr nähmest, vor allem dann wenn Sachen schief gehen.

Hinzukommt, dass ich jetzt schon 18 bin und ich irgendwann einen neuen Psychiater brauche. Das mag jetzt vielleicht ziemlich blöd klingen, aber dadurch, dass die Diagnose erst eine Zweitmeinung war und man als Kind keine wirklich behandelbedürftige Probleme sah, habe ich Angst, dass ich keinen Psychiater mehr finden kann, der mir die Medikamente verschreibt, obwohl sie ja offensichtlich helfen und ich gehe auch wirklich stark davon aus AD(H)S zu haben...


Dann lass dir möglichst bald (also nicht erst wenn es z. B. durch Wohnortwechsel dringend wird) einen aktuellen Bericht deines Kinderpsychiaters geben. Daran kann dann auch ein Erwachsenenpsychiater anknüpfen, ohne dass er nochmal alle Tests wiederholen muss.

Deine Diagnose war zwar eine Zweitmeinung, aber wird ja auch durch die Medikamentenwirkung bekräftigt. Ich glaube kaum, dass das ein neuer Arzt groß anzweifeln würde. Außer, er (oder sie) zweifelt ADHS aus Prinzip an, aber das wäre dann sowieso der (oder die) Falsche.

Soweit ich weiß behandeln manche Kinder- und Jugendpsychiater noch bis 21. Wenn du einen Bericht hast, der die aktuelle laufende Medikation enthält, kannst du damit auch zu einem Allgemeinarzt (weibliche wieder mitgemeint) in deinem Studienort gehen, der die Medis weiterverordnet, dann brauchst du dort nicht unbedingt einen Facharzt.

@Laetitia: Medikament in den Semesterferien weglassen finde ich eine nicht so gute Idee. Einfach weil wir ADHS auch im Privatleben haben und nicht nur in Schule/Studium/Beruf. Betroffene die schon Jahre Medis nehmen und wissen was sie tun können das natürlich machen. Da sich das Medikament sehr positiv auf meine Ehe, das Zusammensein mit meinen Kindern oder das Auto fahren auswirkt, käme das für mich absolut nicht in Frage.

Einen Zeitpunkt gibt es für euch Frauen natürlich, wo ihr leider Methylphenidat absetzen müsst- wenn ihr schwanger seid. Dann habt ihr hoffentlich einen Mann oder Freund um euch, der Tollpatschigkeit und Launen erträgt.  :811:
Zuletzt geändert von Falschparker am 15. April 2015 20:37, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Medikamente im Studium?!

Beitragvon laetitia » 15. April 2015 20:45

@ Falschparker

War ja auch mehr als Versuch gemeint, so im Sinn von einem Reality-Check...den ich eher in einer unterrichtsfreien Zeit vornehmen würde, als mitten in der Prüfungszeit oder so. Dass ADHS auch das Privatleben beeinflusst, ist mir klar :).

Ich kenne eben auch Leute, die nehmen nur Medis, wenn sie wichtige Sachen oder Projekte zu erledigen haben. Ob das Gescheit ist, sei dahin gestellt.
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Re: Medikamente im Studium?!

Beitragvon lenilein » 16. April 2015 00:08

Danke schon mal für eure Antworten!

Ich mag es nicht jeden Tag Medikamente nehmen zu müssen. Ich weiß, dass ich da eigentlich nicht jammern sollte, weil es Menschen gibt, die viel mehr Medikamente nehmen müssen und ohne ganz schön aufgeschmissen wären...

Du kennst doch bestimmt diesen Vergleich, dass man sagt ein Kurzsichtiger trägt auch eine Brille, so kann auch ein ADHSler sein Hilfmittel nehmen.

Ich trage auch keine Brille, obwohl ich eigentlich eine bräuchte. Der Grund ist der selbe: es nervt mich und ich sehe doof mit Brille aus, aber das ist nur ein untergeordneter Grund.


Ich kann auch nicht genau sagen, warum ich so genervt von den Medikamenten ich muss auch zusätzlich noch Eisen nehmen, das finde ich nicht ganz so schreklich.
Es nervt mich auch total, dass ständig irgendwelche Vorurteile über das Thema AD(H)S umherkreisen. Ich weiß nicht, ob ihr das wisst, aber bei vielen Jugendlichen wird auch öfters gesagt, "Das ist voll das ADS-Kind!", gemeint ist ein Jugendlicher, der (oder die) sehr nach Aufmerksamkeit bettelt oder andere nervt.
Hinzu kommen Vorurteile gegen die Medikamente. Nett war, als uns mal ein Lehrer kurz vor einer Klausur eine Stunde erzählt hat, dass wir nicht anfangen sollten, die Tabletten zu nehmen, die "diese Zappelphillipe" nehmen. Es ist laut diesem Lehrer scheinbar ein Trend sich mit Medikamenten vor dem Abi zu "dopen"  :icon_rolleyes:
Ich saß da dann eine Stunde und durfte mir anhören, wie schlecht diese ganzen Tabletten und so seien... also auch für die Kinder mit ADHS seien die ja nicht...  :aufsmaul_2:


Davon abgesehen kann ich mich mit der Vorstellung nicht anfreunden mein Lebenlang Medikamente zu nehmen...


Die Idee mit den Ferien ist an sich nicht schlecht, wobei ich die Medikamente auch sonst häufig nicht am Wochenende oder in den Ferien nehme. Ich bin dann zwar manchmal ein bisschen "durch den Wind" aber das ist mir manchmal echt lieber als Medikamente zu nehmen

Irgendwie ärger ich mich grade darüber, dass mich das so stresst und ich nicht mals weiß wieso...

(Wobei ich auch zugeben muss, dass es grade sehr spontane EIngebungen sind, vielleicht verlagere ich grade einfach nur meinen Abistress  :Frag:

ich bin gespant, ob ihr noch ein paar Ideen habt. Ich melde mich auch auf jeden Fall noch mal zurück, vor allem, wenn ich die Klausuren hinter mir habe  :ichboss:

LG eine etwas gestresste und von sich selbst verwirrte lenilein  :winken:
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Re: Medikamente im Studium?!

Beitragvon Polished_Steel » 16. April 2015 10:58

Oops, hätte besser erstmal die eigentliche Frage richtig lesen sollen anstatt hier nen Roman zu schreiben :)
Kann nur insgesamt raten, probier es halt einmal aus sobald du dein Studium begonnen hast - bei mir liegt der Unterschied recht klar auf der Hand, ob ich mit oder ohne Medikament in der Vorlesung erscheine - ich wurde in der letzten Zeit vor Beginn der Behandlung richtiggehend aggressiv, da mich die Didaktik meiner Dozenten ziemlich überfordert bzw. einfach nicht zu mir passt. Gibt für mich fast nichts schlimmeres als in ner Vorlesung zu sitzen, den Vortrag eigentlich verstehen zu wollen (und das Gefühl zu haben, das verstehen zu müssen), aber es klappt einfach nicht. Das ist in der Beziehung vielleicht ein bisschen anders als an der Schule, sowohl vom Stoff her als auch von der Erwartung an sich selbst.
Kann gut sein, dass das bei dir anders oder besser ist, dann kann man da ja sicher in Absprache mit dem Doc ne entsprechende Regelung finden (bspw. an bestimmten Tagen keine Medis oder verringerte Dosis), aber ganz absetzen in so ner neuen, herausfordernden Situation wie nem Studienbeginn wäre wohl erstmal ne ziemlich schlechte Idee.

Und die Vorurteile... naja, das ist sicher auch ne Frage der Reife des Umfelds. Im Studium bist du eigentlich sehr schnell nur noch mit 20+jährigen im Kontakt, da legen sich derartige Sprüche erfahrungsgemäß bald und werden durch studiengangspezifische Sticheleien ersetzt :).

Christian
Zuletzt geändert von Polished_Steel am 16. April 2015 11:26, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Medikamente im Studium?!

Beitragvon lenilein » 16. April 2015 16:00

Hallo Christian vielen Dank erst mal für deine Erfahrungen

Oops, hätte besser erstmal die eigentliche Frage richtig lesen sollen anstatt hier nen Roman zu schreiben :)
Kann nur insgesamt raten, probier es halt einmal aus sobald du dein Studium begonnen hast - bei mir liegt der Unterschied recht klar auf der Hand, ob ich mit oder ohne Medikament in der Vorlesung erscheine - ich wurde in der letzten Zeit vor Beginn der Behandlung richtiggehend aggressiv, da mich die Didaktik meiner Dozenten ziemlich überfordert bzw. einfach nicht zu mir passt. Gibt für mich fast nichts schlimmeres als in ner Vorlesung zu sitzen, den Vortrag eigentlich verstehen zu wollen (und das Gefühl zu haben, das verstehen zu müssen), aber es klappt einfach nicht. Das ist in der Beziehung vielleicht ein bisschen anders als an der Schule, sowohl vom Stoff her als auch von der Erwartung an sich selbst.
Kann gut sein, dass das bei dir anders oder besser ist, dann kann man da ja sicher in Absprache mit dem Doc ne entsprechende Regelung finden (bspw. an bestimmten Tagen keine Medis oder verringerte Dosis), aber ganz absetzen in so ner neuen, herausfordernden Situation wie nem Studienbeginn wäre wohl erstmal ne ziemlich schlechte Idee


Das einmalige Ausprobieren ist eine Idee wert, aber ich weiß nicht, wie schnell ich das merken würde. Ich frage mich eben auch wirklich, ob ich sie im Studium brauche. Immerhin will ich das studieren, was ich liebe und wo ich schon immer gute Leistungen erbringen konnte, weil ich großes Interesse habe.  Ich würde mich auch nur wirklich ärgern, wenn ich es mir selber schwerer mache, als nötig.

Und die Vorurteile... naja, das ist sicher auch ne Frage der Reife des Umfelds. Im Studium bist du eigentlich sehr schnell nur noch mit 20+jährigen im Kontakt, da legen sich derartige Sprüche erfahrungsgemäß bald und werden durch studiengangspezifische Sticheleien ersetzt :).


Das ist denke ehrlich gesagt nicht wirklich, dass es eine Reife-Sache ist. Es ist ja auch nicht so, dass ich selber beldeidgt/geneckt/was auch immer werde, sondern der Begriff AD(H)S einfach falsch verwendet wird.
Außerdem nerven mich auch so diese Vorurteile, die bei so kursieren.
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Re: Medikamente im Studium?!

Beitragvon Polished_Steel » 16. April 2015 18:35

Hi, also genau was du sagst waren für mich persönlich halt die besten Argumente, um mit ner medikamentösen Behandlung anzufangen - hab nach nem ersten Versuch mit Maschinenbau ein klassisches Interessefach studiert (Geschichte), mich dabei gut reingehängt, nebenbei noch größere Nebenjobs gerissen, war mehrere Jahre quasi der persönliche Hiwi vom Prof meines Interessegebietes, hab zusätzliche, recht fordernde Qualifikationen gemacht wie Altgriechisch, lateinische Inschriften-, Urkunden- und Handschriften-Kurse, aber bin halt dank der Verzettel-Neigung nicht von der Stelle gekommen - hab bspw. eine besonders blöde Einführungs-Vorlesung aus dem ersten Semester fürs Nebenfach echt dreimal besuchen müssen (d.h. in drei Semestern belegt, nicht "dreimal hingegangen"), weil ich es echt mit der Unruhe im Hörsaal und der Vortragsweise vom Prof nicht ausgehalten hab, aber es letztlich dank Anwesenheitspflicht doch absitzen musste. Zwischendrin waren dann natürlich die Aufgaben im Nebenjob wichtiger als Anmeldefristen, mit ein bisschen was um die Ohren verpeilt man mal ne wichtige Aufgabe für ein Modul und muss das dann im nächsten Jahr nochmal belegen, und so weiter. Mein rein persönlicher Eindruck ist, man fängt sich mit ner unbehandelten ADHS schon ziemlich leicht ne heftige Studienzeitverlängerung mit unnötig schlechten Noten ein, und das wird auf die Dauer echt etwas frustrierend - grade wenn man eigentlich mit Interesse und Neigung dabei ist und einem die typischen "wozu soll ich das denn lernen, das kommt doch sicher nicht in der Prüfung dran"-Kommilitonen plötzlich alle davonstudieren. Ich für meinen Teil bin an der Situation echt verzweifelt und hab mich letztlich dafür entschlossen, mit Geschichte nach dem Bachelor nicht weiterzumachen (als harmlosere Alternative zu den durchaus sonst grassierenden Ideen), hab jetzt nochmal ein technisch-naturwissenschaftliches Studium angefangen und da ging es bei mir erschreckenderweise garnicht mehr voran - deswegen jetzt der Beginn mit Ritalin, und da merk ich grade echt was mir quasi die letzten Jahre verstellt war.

Kann es von daher aus der anderen Richtung kommend recht leicht sagen, wie deutlich mir der Unterschied vor Augen steht. In der Schule hab ich persönlich kein Ritalin gebraucht (was sich später gerächt hat - damals war ja Ritalin noch nicht für Erwachsene zugelassen, höchstens als Fortführung einer zu Jugendzeiten begonnenen Behandlung), hab mein Abi mit minimalstem Aufwand (überhaupt welcher?) ganz ok hinbekommen, aber in der Uni wird einem so eine Schwäche in der Selbstorganisation wie ADHS schnell zum Verhängnis. Grade bei dem üblichen Chaos, das an den meisten Unis herrscht bezüglich "welchem Informationskanal kann ich vertrauen?" und "welche der drei miteinander zeitlich kollidierenden Anforderungen an mich ist eigentlich die Wichtigste?"

Christian
Zuletzt geändert von Polished_Steel am 16. April 2015 18:49, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Medikamente im Studium?!

Beitragvon laetitia » 16. April 2015 23:43

Also von den Medis kann ich vielleicht und hoffentlich ab nächster Woche berichten, hab morgen meinen vierten Termin bei der Psychologin.

Ich habe aber dieses letztes Semester angefangen mit meinem Lateinnachweis, wobei ich durch das Tempo und den akademischen Stil der Professorin und meinem wegträumen gleich von Anfang an den Faden verlor, obwohl, und ja das gibt es...mich Latein interessierte und ich mich nicht bloss weil es für meine Studienrichtung verlangt wurde in diesem Kurs befand. So entschied ich mich, nochmals von vorne zu starten in diesem Semester, was anfangs relativ gut ging, doch jetzt bin ich wieder am gleichen Punkt...ich schaffe es irgendwie nicht, die Bücher aufzutun und die Aufgaben zu machen und wenn ich es dann doch tue, drifte ich dauernd ab. Es ist echt anstrengend, auch wenn mich die Sache interessiert.

Auch die Logik Vorlesung, die ich ebenfalls aus Interesse gebucht hatte, geht eher schleppend voran. Das heisst, ich verstehe den Stoff einigermassen und weil wir wöchentlich was abgeben müssen und wir das in Gruppen bearbeiten können, welcher ich mich verpflichtet fühle und es auf youtube gutes Material gibt, welches ich ausserhalb der Vorlesung nach meinem Tempo anschauen kann, geht es. Aber es ist ebenfalls anstrengend. Die Vorstellung, so mehrere Vorlesungen pro Semester zu machen, was ich unweigerlich muss, denn ich will nicht zwanzig Jahre lang studieren, macht mir angst. Darum habe ich mich überwunden, den Termin für die Abklärung zu machen und versuche auch, meine Angst vor Medis zu rationalisieren mit der Hoffnung, dass sie mir ein entspannteres Leben ermöglichen, wo ich endlich auch beruflich und persönlich an einen Punkt gelange, an dem es mir gefällt.

Wenn du für's Abi so gute Erfahrungen gemacht hast mit den Medis, wenn ich dich wäre, würde ich erst mal mit Medis anfangen zu studieren. Warum es dir doppelt so schwer machen, als es schon ist?
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Re: Medikamente im Studium?!

Beitragvon Prinzessin04 » 17. April 2015 08:36

Du kannst natürlich dein Studium ohne MPH durchziehen... Die Frage ist bloß wie viel Frust du erträgst ;-)
Zu denken, ein Studium sei quasi "Wie Schule, nur ohne den Blödsinn, der mich eh nicht interessiert" ist ein häufiger, aber dennoch gravierender, Fehler! Zum einen gibt es auch im Studium genug Blödsinn, der nicht interessiert, aber trotzdem gemacht werden muss. Zum anderen ist das Lerntempo an der Uni überhaupt nicht mit Schule zu vergleichen.

Wenn du schon in der Schule Probleme hast und das MPH dir gut hilft kann ich dir nur raten, zumindest zu Studienbeginn keine Experimente zu machen.

Ich selbst habe meine ADS-Diagnose erst mit 25 erhalten, nach massiven Problemen im Studium. Und das obwohl ich mein Abi ohne Mühe (d.h. quasi ohne Lernen) gemacht hatte (sicher nicht mit Traumnoten, aber noch im 2er-Bereich) und obwohl ich mein absolutes Traumfach (also etwas, was mich absolut interessiert) studiert habe.
Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung war ich bereits im 12.(!!) Semester, und absolut verzweifelt. Ich war am Rande einer Depression, kam oft nicht mehr aus dem Bett, oder wenn doch dann nicht mehr vom Sofa hoch. Wie viel Vorlesungen ich verpasst habe (und was das für mein Sozialleben bedeutet hat) ist furchtbar. Wodurch die Leistungen im Studium nicht besser wurden... Ein Teufelskreis!
Der Diagnose verdanke ich, dass ich mit Therapie, Coaching und MPH mein Studium doch noch erfolgreich (erfolgreich! , nicht bloß irgendwie) abschließen konnte. Am Ende habe ich 19 Semester gebraucht...

Deswegen würde ich dir empfehlen zumindest für den Studienbeginn erstmal beim MPH zu bleiben. Wenn du fachlich und sozial eine solide Basis hast kannst du nicht mehr so tief fallen, wenn du es ohne MPH probieren magst...
Hibbeliges Träumerchen

ADS-verdächtig
-> Verdacht bestätigt 06.05.2010 :-)
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Re: Medikamente im Studium?!

Beitragvon lenilein » 20. April 2015 14:47

Danke noch mal für eure Erfahrungen!

Ich denke ich warte mal ab, wie so die nächsten Wochen laufen, wenn ich im Mai mit dem Abi komplett durch bin, werde ich wohl erst mal eine Pause von den Medis machen. vielleicht kann ich dann schon besser beurteilen, ob ich sie im Studium brauchen werde oder eher nicht :)

Ich finde es einfach sehr blöd, weil ich so gerne ohne Medis leben möchte, aber auf der einen Seite weiß ich auch, wie viel sie mir bringen. Ich will mir auch selber nicht das Studium verbauen. Aber ich frage mich auch, wann ist der Zeitpunkt gekommen um auf zu hören. Im Berufsleben ist die Organisation  und Konzentration ja auch noch von großer Bedeutung...
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Re: Medikamente im Studium?!

Beitragvon Polished_Steel » 20. April 2015 15:37

Hmm, sagen wirs so - das Einzige, was ja momentan gegen die Fortführung der Medikament-Einnahme sprechen würde, scheint ja die Unangenehmheit der Vorstellung "bis an mein Lebensende Medikamente nehmen zu müssen" zu sein. Wenn noch irgendwas an Nebenwirkungen oder dazukommt, hab ichs leider überlesen, dann bitte nochmal ansprechen :).

Ich denke, vielleicht kannst du bei der unangenehmen Vorstellung nochmal klarer aufdröseln und konkretisieren, was da für dich besonders störend dran ist - beispielsweise, was für mich selbst eine zentrale Befürchtung darstellt, ist die Idee dass man ohne Medikament plötzlich nicht funktioniert, also sozusagen "abhängig" davon ist.

Wenn ich das aber für mich mal andersherum betrachte, frage ich mich: "Bin ich denn ohne Medikament wirklich unabhängiger? Ist die Möglichkeit, dass ich mal ohne Medikament dastehen könnte, für mich wirklich greifbar zu erwarten? Würde das dann zum totalen Absturz führen?" Diese konkreteren Fragen kann man sich dann viel besser mit Argumenten austreiben (kann die für mich selbst, also meinen speziellen Fall, recht gut widerlegen), als einfach nur so ein diffuses "irgendwie widerstrebt mir die Vorstellung..."

Christian

PS: Die Idee mit dem Weglassen-Experiment in der Pause ist an sich nicht verkehrt, aber erwarte dir vielleicht nicht zu viele Erkenntnisse daraus - hab meinerseits quasi mit den Semesterferien mit der Behandlung begonnen, und muss sagen der Unterschied in der Medikamentenwirkung zwischen Belastungssituation und Freizeit ist schon sehr stark - in der Freizeit war ich mit der gleichen Dosis, die wir zuvor für die Uni ermittelt hatten, quasi überdosiert und kam somit zunächst einmal eher schlechter klar als ohne Medikament. Hab mich mit meinem Doc deswegen auch entschlossen, die Dosis an arbeitsfreien Wochenenden und Ferien stark zu reduzieren. Denke mal, sowas in die Richtung wär für dich prinzipiell auch ne gute Möglichkeit, besprech das halt mit ihm, wie auch deine aktuellen Bedenken!
Zuletzt geändert von Polished_Steel am 20. April 2015 15:45, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Medikamente im Studium?!

Beitragvon laetitia » 20. April 2015 16:14

Vielleicht musst du dir die Frage stellen, wie du gerne leben möchtest.

Ich habe einen Freund in den USA der ADHS-ler ist und es ohne medis macht und zwar ziemlich gut. Aber der hat sich ein Leben eingerichtet, das ihm entgegen kommt. Sprich, er ist Promotionsmanager und arbeitet mal für die Firma, mal für eine andere, wie die Promotionen even halt so fallen. Dabei weiss er nie genau, ob und wann die nächste Promo ist, bekommt aber immer wieder Aufträge, weil er gut ist. Da das meistens kürzere Angelegenheiten sind (von einem Weekend zu ein bis sechs Wochen, wenn es hoch kommt vielleicht mal ein paar Monate), ist es ihm auch nie langweilig, weil immer wieder was neues kommt. Er kann sich also auf ein kurzes Projekt fokussieren und dann ist er wieder frei...bis spontan was neues kommt. Nebenher baut er sich zur Zeit gerade einen Camper um, mit dem er im Sommer zum Burningman-Festival fährt, hat einen minimalen Lebensstandard, heisst, er lebte lange Zeit in seinem Auto und besass nur, was in seinem Kombi platz hatte. Dafür zog er von Ort zu Ort, je nachdem, wo die nächste Promo gerade statt findet. Aber so ein Leben kann sich nicht jeder einrichten. Und in Europa sind solche "Freigeist"-Karrieren fast nicht umsetzbar.

Daher ist es die Frage, willst du dich bis ans Lebensende verpeilt durchs Leben wursteln versus willst du wenn nötig bis ans Lebensende Medis nehmen, mit der du dich auseinander setzen musst.

Vielleicht hilft dir auch die Frage danach, was du Beruflich erreichen willst, sofern du da schon eine gewisse Vorstellung hast. Also ich zum Beispiel habe mir überlegt, dass ich es ohne Medis sehr weit geschafft habe und ein Studium auch ohne schaffen könnte. Die Frage ist einfach, zu welchem Preis? Ich war schon vier mal kurz vor einem Nervenzusammenbruch und das war keine schöne Erfahrung. Insbesondere nicht, wenn dann Prüfungen auf dem Spiel stehen. Dass ich meine Uni-Reife-Prüfungen doch machen konnte, lag dann einfach daran, dass ich grundsätzlich nicht blöd bin...und wenn ich mal eine gute phase habe, auch gut aufnehme. Deshalb frage ich mich eben auch: Wenn ich es ohne Medis soweit geschafft habe...wie weit könnte ich es denn mit Medis schaffen? Das ist nicht einfach eine Luxusfrage, denn das Gefühl, ich könnte eigentlich viel mehr, das begleitet mich schon seit ich in der siebten Klasse bin. Und das ist nun schon 23 Jahre her...

Immer wenn ich irgendwo sehe, wie einer, mit dem ich zur Schule ging oder der im Gleichen Jahrgang war, eine schöne berufliche Position inne hat, dann kommt so ein trauriges Gefühl in mir auf...weil ich denke, dass ich auch soweit sein könnte und stattdessen einen langweiligen Job habe, den JEDER machen kann und für den es nicht einmal eine Ausbildung braucht. Umso dankbarer bin ich, dass ich nochmals eine Chance habe, ein Studium zu machen. Und dass ich ev. noch zum Überflieger werden könnte  :froi1:

In zwei Wochen habe ich einen Termin beim Psychiater, um mit der Einstellung zu beginnen. Der Gedanke, ev. ein Leben lang Medis zu nehmen finde ich auch nicht ganz prickelnd. Gleichzeitig habe ich mir überlegt, wenn ich dadurch endlich das Leben leben kann, das ich gern möchte und auch denke, fähig bin zu leben und nicht mehr im Chaos versinke, dann ist das eben so. Aber eben, kann ich erst sagen, wenns soweit ist.
Zuletzt geändert von laetitia am 20. April 2015 16:14, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Medikamente im Studium?!

Beitragvon lenilein » 20. April 2015 17:42

Diese ganze Sache schränkt mich ein in einem Maß, dass ich nicht mag. Ich weiß, dass es Leute gibt denen es was das angeht noch viel schlechter geht, das macht meine Klagen nicht besser. Ich muss daran denken jeden Tag die Tabletten zu nehmen, muss darüber nachdenken, ob ich sie im Urlau brauche oder nicht, ich muss drüber nach denken, wie lange die Einnahme her ist, wenn ich Alkohol trinken möchte...

Hinzukommt, dass ich mich mittlerweile zu einem überehrgeizigen Menschen entwickelt habe. Das ist an sich nicht schlecht, aber ich baue mir selber manchmal viel zu großen Druck auf und bin in vielerlei Hinsicht extrem unentspannt geworden. ich weiß nicht inwiefern ich das mit den Medis in Verbindung setzten kann, und inwieweit es wirklich negativ ist...
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Re: Medikamente im Studium?!

Beitragvon laetitia » 20. April 2015 18:15

Hm. In dem Fall finde ich, wäre ein Gespräch mit deinem Psychologen/Psychiater vielleicht angesagt.

Das mit dem Ehrgeiz kenne ich und mit dem Druck, das liegt in meiner Persönlichkeit. Die Frage ist, ob das bei dir mit den Medis zu tun hat oder in deiner Persönlichkeit liegt. Wenn es in deiner Persönlichkeit liegt, kannst du mit einem Psychologen Strategien entwickeln, um dem entgegen zu wirken. Und dann wird das Absetzen der Medis nicht wirklich was ändern, bloss den Frust vergrössern. Wenn es an den Medis liegt, sieht die Sache natürlich anders aus.
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Re: Medikamente im Studium?!

Beitragvon Falschparker » 20. April 2015 22:26

[quote=&quot;lenilein&quot;]
Diese ganze Sache schränkt mich ein in einem Maß, dass ich nicht mag. Ich weiß, dass es Leute gibt denen es was das angeht noch viel schlechter geht, das macht meine Klagen nicht besser. Ich muss daran denken jeden Tag die Tabletten zu nehmen, muss darüber nachdenken, ob ich sie im Urlau brauche oder nicht, ich muss drüber nach denken, wie lange die Einnahme her ist, wenn ich Alkohol trinken möchte...[/quote]

Ja, das ist schon leider so. Aber man kann sich daran gewöhnen.

Ich finde nur, ADHS ohne Medis schränkt viel mehr ein. Mich jedenfalls.

Das Problem mit dem Alkohol löse ich sehr einfach- ich trinke keinen mehr. Kein Nachdenken und Nachrechnen nötig. Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich früher auch nicht viel daran fand. Da es mir in den Jahren seit ich MPH nehme viel besser geht als in den Jahren vorher, vermisse ich auch nichts.

Regelmäßig Medikamente nehmen und sich darauf einstellen, ist ein hoher Preis. Den man eben zahlt wenn man sieht was man dafür bekommt.
<><
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Re: Medikamente im Studium?!

Beitragvon Wasabi » 2. Juni 2016 19:32

laetitia hat geschrieben:...


Und,wie läufts?

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