Berufe für Asperger

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Diamon
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Berufe für Asperger

Beitragvon Diamon » 1. August 2014 18:21

Hallöchen  :winken:

Vorneweg: Wer nicht die ganze Geschichte lesen will, dann bitte nur den letzten Abschnitt lesen, das ist die Eigentliche Frage, ist nun leider etwas länger geworden, aus Erfahrung weis ich das gerade von ADSler wie wir ja fast alle sind kürzere Beiträge eher gelesen werden aber leider sind ADSler ja auch dafür bekannt weit auszuholen wie ich  :upsi: :breitgrinse1:

Sohnemann kommt nun nach den Ferien in die 10 Klasse einer privaten Realschule, seit einem Jahr zermartern wir unser Hirn wie es nach der Schule weitergehen soll, leider scheint das Junior wenig zu interessieren oder er schiebt es lieber beiseite statt selbst Aktiv zu werden, auch das er mal in ein ein paar Berufe mit einem Praktikum hereinschnuppert, will er nicht aktiv werden, er müsste sich ja auch dafür Bewerben, es gibt immer ausreden:
-ich muss jetzt zum Schach
-jetzt geh ich gleich Fußball spielen
- ich muss lernen/Hausaufgaben machen
-Fußball kommt im TV
manchmal muss er auch gar nichts machen und erfindet etwas, Eigeninitiative kommt so gut wie gar nicht von ihm, nur wieder willig setzt er sich mal mit mir hin und wir stöbern in der Berufswelt, irgendwie scheint nie das richtige dabei zu sein  :icon_rolleyes:, dabei müsste er sich in manchen Firmen jetzt schon bewerben für eine Lehrstelle für 2015

Wir würden ihm helfen und ihn unterstützen, aber ein bisschen sollte schon auch von ihm kommen, eigenes Geld zu verdienen ist für ihn kein Anreiz, er braucht keins, sein Taschengeld gammelt auf dem Konto, er kauft sich selten was und hat auch sonst nicht so viele Interessen, außer halt Fußball und Schach, Mode, Musik is ihm egal...
Er hat seine kleine Welt.

Von der Schule aus hat er mal ein Praktikum als Industriemechaniker gemacht, hat ihm so ganz gut gefallen, aber dabei blieb es, als Kind mal mit Fischertechnik gespielt, aber sonst interessierte ihn Technisches im und um den Haushalt wenig, Reparaturen was Helfen im Haushalt is au nich sein Ding, er hat in Technik zwar ne 2 aber das er so richtig Spaß dran hat ,hab ich noch nichts von gemerkt.

Der Test vom Berufeuniversum brachte uns auf Uhrmacher, das haben wir auf verschiedenen Berufemessen mal genauer unter die Lupe genommen, durfte da auch mal ne Uhr zerlegen und wieder zusammen bauen und wir nahmen Infos mit, waren auch bei der Berufsschule, als Tag der offenen Tür war, ich hab mehrere Adressen rausgesucht, wo er mal Praktikum machen könnte, er hat nicht bei einer angerufen und auch nichts weiter unternommen. jetzt will er auch nicht mehr.

Er will evtl die Schule weitermachen, aber ich denke das er sich einen Beruf sucht wofür er kein Abi braucht, außerdem bräuchte er ne zweite Fremdsprache, er tut sich aber mit Englisch schon so schwer, und um weiter zu machen wäre es schon gut die Richtung zu wissen, seine gründe sind aber nur, das er auf der Schule bleiben möchte, weil er sich da wohl fühlt, Lehrer und einige Freunde die auch weiter machen wollen dort hat ...

Er is gut in Mathe und wie gesagt in Technik, in den meisten anderen Fächer hat er ne drei außer in Englisch ne 4, er kommuniziert nicht gerne mit Leuten, außer die die er kennt und da geht's dann nur um Fußball und Schach

Ich denke immer , irgendwas im Büro oder am PC wäre gut, wo er Mathe braucht, ich kenn mich da überhaupt nicht aus, oder viele Berufsnamen sagen mir überhaupt nichts und er kann sich auch wenig darunter vorstellen. und rein vom einlesen kommen wir auch nicht weiter, Büro und PC hört sich für ihn erst mal langweilig an., dabei kann er auch ewig am PC sitzen oder beim Schachspiel  :grübel:

Nun hat er sich 2 Schnuppertage vom Firmensommer rausgesucht, er war also beim Schnuppern auf dem Finanzamt, da denke ich noch das könnte passen, ihm hats tatsächlich gefallen, allerdings berichtete er auch vom Fußballtunier, Tischtennis, Sport die dort unter den Mittarbeitern zum Ausgleich gemacht werden, aber auch noch andres, ich denke es könnte passen, zumal er unter den Schachspielern einen Steuerberater kennt denn er nun sogar nach einem Praktikum gefragt hat keimt bei mir wieder Hoffnung...

So, nun hab ich zu viel erzählt, ich wusste nur nicht wo anfangen... :kk:

Könnt ihr mir noch ein paar Berufe nennen die geeignet sind für Asperger?
Oder ein paar Tipps wie wir das Richtige finden, ich bin auch dankbar über Bewerbungstipps, vor allem beim Vorstellungsgespräch sehe ich Probleme, weil seine Unsicherheit schnell als Desinteresse gewertet werden könnte und von ihm wahrscheinlich selten eigene Fragen kommen, wie unterstützt man solche Jugendliche? Ich bin ja selber nicht redegewant, aber auch Asperger müssen doch Chancen im Berufsleben haben.
Vielleicht kann auch jemand eigene Erfahrungen als- oder mit Asperger im Beruf  Schildern, ich freu mich über alles was weiter helfen könnte.

LG
Diamon  :winken:
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Wölfin
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Re: Berufe für Asperger

Beitragvon Wölfin » 1. August 2014 19:28

Hallo Diamon,

ich vermute, dein Sohn steckt in einem ähnlichen Dilemma, wie ich es ähnlich regelmäßig erlebe: Kommende Veränderungen werden aufgeschoben/ignoriert.
Ich habe keine Asperger-Diagnose, nur schon lange immer wieder den Verdacht.

Irgendwas im Büro und mit PC... hat er sich mal mit Software-Entwicklung befasst? Man muss logisch denken (wie beim Schach, was ich auch gerne spiele) und wenn man gut in Mathe ist, hilft es definitiv (Grafische Darstellungen sind viel Rechnerei). Englisch sollte man können, weil die wirklich gute Fachliteratur noch nicht übersetzt wurde und weil die Dokumentation oft auch nur in Englisch zu finden oder grottenschlecht übersetzt ist (Qt und MFC fallen mir spontan ein). Ich hatte in der 11. Klasse übrigens nur eine schlechte 4 in Englisch... man lernt es tatsächlich, wenn man es braucht.
Man hat nur selten Kundenkontakt, wenn überhaupt, dann per Mail oder per Telefon. In manchen Firmen entfällt sogar das, man bleibt komplett im Hintergrund.

Mir macht der Beruf großen Spaß, ich darf den ganzen Tag aus kleinen Puzzleteilen tolle Sachen bauen und wenn es nicht funktioniert, gilt es ein Logikrätsel zu lösen. Ich sitze eigentlich den ganzen Tag am PC, ab und zu gibt es mal eine Besprechung.

Meine offizielle Berufsbezeichnung ist "Technische Assistentin für Informatik", mir reichte der Realschulabschluss.
Allerdings ist es heute oft so, dass jemand mit abgeschlossenem Studium gesucht wird, es ist nicht leicht, was zu finden. Vielleicht schafft es dein Sohn ja noch bis zum Fachiabitur?
An Programmiersprachen nutze ich überwiegend C++ mit MFC oder Qt. Java ist auch oft gefragt.

In der Ausbildung kam eigentlich alles dran, was mit PCs zu tun hat. Man kann sich dann immer noch entscheiden, lieber Systemadministrator oder was auch immer zu werden.

Ich arbeite in einer Firma, wo nicht nur Software geschrieben wird. Wir stellen auch Hardware her, spezielle Geräte für ihre Aufgabe genau angepasst. Und da man von Kunden nicht erwarten kann, dass sie das selbst zusammen bauen und anschließen, gibt es auch Leute, die das machen. Da ist alles dabei, vom Zusammenschrauben über das Verkabeln und natürlich Tests, bis hin zur Inbetriebnahme beim Kunden (auch außerhalb von Deutschland, aber selten).

Mein Freund hat eine Asperger-Diagnose und hat früher als Auto-Mechaniker oder so ähnlich gearbeitet. Was er genau gelernt hat, weiß ich nicht. Er hat aber erzählt, dass er mal was mit Motorentests und so gemacht hat.

Falls du noch Fragen zu meinem Beruf hast, immer her damit. :ja1:

Oh... die Tipps zum Bewerbungsgespräch hatte ich voll vergessen: Man muss nicht unbedingt Fragen stellen, man sollte aber interessiert zuhören, wenn der andere spricht. Du kannst ja mit ihm üben, wie man so aussieht, dass man interessiert wirkt.
Wenn man gefragt wird, ob man Fragen hat, sollte man wenigstens einen Moment überzeugend nachdenken, bevor man verneint. Ich wüsste nicht, was man so allgemein als Frage raten kann. Mir sind selbst nie welche eingefallen.

Ich hoffe, ich konnte helfen. :winken:
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Diamon
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Re: Berufe für Asperger

Beitragvon Diamon » 1. August 2014 21:16

Hallo Wölfin,

das hört sich schon mal richtig gut an - Vielen Dank-  :froi1:

leider verstehe ich von PC und die ganzen Abkürzungen wie Qt, MFC... wirklich gar nichts, das ist für mich schon eine Fremdsprache, das was Du aber beschreibst könnte aber für ihn tatsächlich interessant sein. Das mit Englisch ist so eine Sache, er hat leider null Interesse an der Sprache, verweigert das reden auf Englisch ganz, weil er es nicht richtig aussprechen kann traut er sich auch nicht Englisch zu sprechen, da komm ich mit Übung macht den Meister auch nicht mehr weiter, ich kann ja selbst kein Englisch weil es mir da ähnlich geht, ich denke aber er versteht schon mehr als das er dann Umsetzen kann, aber wenn das Interesse fehlt denkt er auch nicht groß daran ans freiwillige Üben, wie z.B Englische Texte zu lesen und nachzuschlagen wenn er was nicht weiß, ,also das Textverständnis zu verbessern, was mit Übung schon möglich wäre.

Mit Fachabitur ist dann wohl das Technische Gymnasium gemeint oder? Was für Noten bräuchte er den damit sie ihn nehmen? Und was für ein Studium ist das ? und Wo kann ich noch mehr über den Beruf "Technischer Assistent für Informatik " erfahren, ich denke ich Google mal, aber wenn Du zufällig  nen Link weist der gut ist , währe das super.

Was macht Dein Freund den Heute? nur so interessehalber, wenn Du das sagen möchtest

Das mit dem Gespräch müssen wir noch üben, leider bin ich darin kein großer Lehrer, habe selber immer das Gefühl mich da falsch zu verhalten, und meine eigene Gesichtsmimik verwirrt andere  da auch öfter- ich denke ich bin da auch ein Aspie

Es ist nur Schade das die Zeit drängt und ich eigentlich gerne noch mindestens 2 Jahre Zeit hätte, damit er ausprobieren kann was passt, wobei wir ja zwei Jahre hatten und es ist auch nicht viel passiert  :icon_rolleyes:

Vielen  Dank noch mal  :top: , ich hätte die frage schon früher einstellen sollen

LG
Diamon
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Re: Berufe für Asperger

Beitragvon Wölfin » 1. August 2014 22:49

Hallo Diamon!

Mit den Abkürzungen musst du nichts anfangen können, das sind Bibliotheken, die ich nutze... fertige Bausteine, die man beim Programmieren nutzen kann.
Ich kann nach dem Beruf auch nur googeln: http://de.wikipedia.org/wiki/Technische ... Informatik
Ich bin damals in diese Ausbildung geraten, weil ich die 11. Klasse nicht geschafft hätte und mein Bruder war zufällig an einer Schule, wo man den Beruf (u.a.) lernen kann. Er hat dort seinen Techniker gemacht. Ich habe von klein auf an viel Zeit am Computer verbracht und es war das Einzige, wofür ich mich interessierte, was ich realistisch gesehen zum Beruf machen konnte. Astronomie und theoretische Physik... dafür hätte ich wohl studieren müssen. :kk:
Ich sehe gerade, der Beruf scheint einen neuen Namen zu haben. Das ist die Seite "meiner" Schule: http://www.teutloff.de/nordwest/bildung ... stent.html

Fachabitur bekommt man soweit ich weiß nach der 11. Klasse (oder wenn ich Deutsch gemacht hätte, nach meiner Ausbildung) und dann kann man an der Fachhochschule studieren.

Wenn dein Sohn Englisch grundlegend kann, dann wird er es lernen, wenn er es braucht. Ich lerne auch nur, was ich brauche und wenn ich den Grund dafür einsehe. Und zum Lesen von Fachbüchern muss man ja nicht sprechen. :breitgrinse1:

Ich bin eigentlich kein Freund dieser "... in 21 Tagen"-Bücher, aber wenn es kostenlos ist...: http://mediainformatik.de/ftp/homes/gue ... 0Tagen.pdf
Wenn du deinen Sohn ärgern willst, gib ihm erst das: http://www.cs.uah.edu/~rcoleman/Common/ ... UMMIES.pdf :breitgrinse1:

LG
Wölfin
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Re: Berufe für Asperger

Beitragvon Diamon » 3. August 2014 20:18

Danke Wölfin,

ich hab mich schon ein bisschen eingelesen, Sohnemann will sich nicht so recht drauf einlassen, ihn schreckt das Englisch schon mal ab, ich muss schauen das ich ihn nicht gleich überforder, immerhin interessiert er sich grad fürs Finanzamt und kümmert sich darum  ein Praktikum zu bekommen, wir werden wohl erst mal das abchecken, und wenn es  dann doch nichts werden sollte oder nachdem Praktikum, haben wir noch eine andere Möglichkeit .

Mich würde aber schon auch noch interessieren was so andere Asperger für Berufe haben und wie sie darauf und dazu gekommen sind, oder andere Erfahrungen beim Bewerben  :ja1:

LG
Diamon  :winken:
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Re: Berufe für Asperger

Beitragvon Diamon » 7. August 2014 12:49

manchmal ergibt sich so eins zum andern, Sohnemann war heute im Steuerbüro bei seinem Bekannten, er wurde dort rumgeführt und kann nächste Woche sein Praktikum dort anfangen, er bekam gleich nen Plan und Infomaterial zur Ausbildung mit  , ich freue mich total das das nun so fix ging  :froi1: , ganz ohne förmliche Bewerbung und abwarten ob sich was ergibt und ganz ohne Zwang und Druck, etwas falsch zu machen, er ist mit ihm vertraut und Sohnemann kann mit Sicherheit lockerer dran gehen und da er ihn schon viele Jahre kennt weis er auch wie Junjor tickt, zumindest ist Schach schon mal ein großes Plus  :top: er kann sich konzentrieren und er hat Ausdauer schon oft bewiesen  :top:

Für mich hört sich das alles sehr trocken an, wie Schach auch ich versteh ja nichts davon aber irgendwie passt bis jetzt alles, wenn es ihm dann Spaß macht, dann ist es genau das richtige, er konnte immer schon gut auswendig lernen, den ganzen Paragrafengramm bekommt er dann könnt ich mir vorstellen auch hin und Englisch is ist nicht wichtig, haben sie auf dem Finanzamt gesagt, also passt alles soweit erst  mal  :froi1: :froi1:

Zum Technischen Assistenten für Informatik stimmts in sofern abgesehen vom Englisch  nicht ganz überein, das er sich für Computer und seine Funktionen bis jetzt auch nicht so auseinander gesetzt hat, eine Bekannte meinte das die ,die das machen schon als Kind am Computer tüfteln und Programme usw erstellen, da fehlts Interesse auch irgendwie ,ich glaub er is eher nicht praktisch veranlagt und ein Techniker, er müsste da bei null anfangen und ich weiß nicht ob das Sinn macht, und ob er da mit anderen mithalten kann die schon viel mehr Wissen mitbringen, was meinst Du Wölfin ?

Wie auch immer jetzt schauen wir mal was dieses Praktikum so bringt
LG
Diamon  :winken:
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Wölfin
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Re: Berufe für Asperger

Beitragvon Wölfin » 7. August 2014 22:39

[quote="Diamon"]
Zum Technischen Assistenten für Informatik stimmts in sofern abgesehen vom Englisch  nicht ganz überein, das er sich für Computer und seine Funktionen bis jetzt auch nicht so auseinander gesetzt hat, eine Bekannte meinte das die ,die das machen schon als Kind am Computer tüfteln und Programme usw erstellen, da fehlts Interesse auch irgendwie ,ich glaub er is eher nicht praktisch veranlagt und ein Techniker, er müsste da bei null anfangen und ich weiß nicht ob das Sinn macht, und ob er da mit anderen mithalten kann die schon viel mehr Wissen mitbringen, was meinst Du Wölfin ?[/quote]Ich bin nicht ganz sicher... :grübel:

Ich hatte in der 11. Klasse in Informatik eine 2- und ich weiß bis heute nicht, wie ich das geschafft habe, denn Programmieren habe ich einfach nicht kapiert. Ich fand es total blöd.
Zu Beginn meiner Ausbildung konnte ich eine Soundkarte nicht von einer Grafikkarte unterscheiden... okay, mit viel Nachdenken ging es dann doch. :upsi:

Warum ich mich trotzdem in die Ausbildung gewagt habe? Ich hatte keine Wahl, das war das, wo ich mir die besten Chancen ausgerechnet habe.
Aber nicht, weil ich es konnte, sondern weil es mich irgendwie interessiert hat - und das von klein auf an.

Als ich 3 war, habe ich mal meine ganze Familie in Panik versetzt: Ich war weder zu sehen, noch zu hören. Das hieß "Alarmstufe rot": Entweder war ich ausgebüxt oder bewusstlos. :breitgrinse1: Okay, die dritte Möglichkeit kannten sie damals eben noch nicht: Klein Wölfin saß am C64 von ihrem großen Bruder und spielte. Aber: Niemand hatte mir den Computer eingeschaltet und ein Spiel gestartet! Man muss 3 Geräte einschalten, eine Diskette einlegen und 2 Textbefehle korrekt eingeben. Und ich konnte weder lesen noch schreiben. Ich hatte durch Beobachten gelernt, wie das geht. :ichboss:
Später saß ich stundenlang am Atari meines Bruders und habe gezeichnet, der hatte ein ganz tolles Zeichenprogramm. :wu:
Als mein Bruder den ersten PC hatte, saß ich stundenlang dabei, wenn er Fraktale berechnen lies. Pixelzeile für Pixelzeile schöne bunte Bilder... toll! :froi1:
Mit 8 Jahren bekam ich seinen Atari, habe aber nur daran gespielt. Leider gab es für den kaum Programme, weil die Firma Pleite war. Als ich ein Buch über Software-Entwicklung in die Finger bekam, wollte ich mir einfach Spiele schreiben... leider habe ich es nicht kapiert. :baw:
Mit 12 Jahren bekam ich meinen ersten PC, auch an dem wurde nur gespielt.
In der 8. Klasse hatten wir das erste Mal Unterricht am PC, aber irgendwelche Idioten hatten die Kugeln der meisten Mäuse geklaut. Wir mussten mit 5 Leuten an einem PC sitzen! Ich habe dann zu Hause im Handbuch von Windows 3.11 nachgesehen, wie man es per Tastatur bedient und hatte in der nächsten Stunde einen PC für mich alleine. :811:
Bis zu meiner Ausbildung war ich eigentlich immer nur "Benutzer", allerdings ein sehr neugieriger. Mein Bruder dämpfte meinen Forschungsdrang irgendwann, weil er zum wasweißichwievieltenmal meinen PC neu installiert hatte: "Wenn du den jetzt wieder kaputt machst, musst du ihn alleine reparieren." Also habe ich mich kaum noch was getraut. Windows 3.11 startete ja schon nicht mehr, wenn man nur das aktuelle Hintergrundbild umbenannt hat. :kk: Und weder Windows noch DOS haben es vertragen, dass ich die Systemdateien in einen Ordner "Zeug" verschoben habe. :schäm:

Die Ausbildung setzte damals keine Vorkenntnisse voraus. In der ersten Stunde kam der Lehrer rein, sah uns an den PCs rumklicken und war ratlos: Die erste Woche sollte er uns die grundlegende Bedienung beibringen. :kk:
Ich weiß nicht, ob es heute noch so krass ist, dass man in der ersten Stunde lernt, wo der PC an geht. Mittlerweise wissen das doch die meisten Leute, auch die, die sagen, dass sie keine Ahnung haben. :breitgrinse1:
Da wir auch beim Programmieren "bei 0" angefangen haben, habe ich es endlich verstanden und ab da machte es mir großen Spaß. :froi1:

Ich habe irgendwie einen Draht zu technischen Dingen. Es wird einfach alles ausprobiert, mal gucken, was das Ding so kann. Das ist auch nicht nur bei Computern so, auch andere technische Spielzeuge sind nicht vor mir sicher. Immerhin, vor Autos habe ich einen gewissen Respekt... aber um ehrlich zu sein fehlt mir da der Tastaturanschluss. :ichboss:
Mein Ex lästerte mal beim Waschmaschinenkauf: "Wir brauchen eine mit USB-Anschluss und Monitor, damit du die auch bedienen kannst." Tja, es gibt Geräte, die sind (angeblich) so einfach, die verstehe ich wohl nie. :upsi:


Aber wenn du sagst, dass er nicht praktisch bzw. technisch veranlagt ist, dann hoffe ich, dass das Praktikum ihm Spaß macht.
So wie du das beschrieben hast, bin ich da sehr optimistisch. :top:

LG
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Re: Berufe für Asperger

Beitragvon Weil » 8. August 2014 02:42

...eine Bekannte meinte das die ,die das machen schon als Kind am Computer tüfteln und Programme usw erstellen, da fehlts Interesse auch irgendwie

Wenn aber das Kind gar keine Gelegenheit bekommt, weil eben nur Spiele für den Computer da sind und ihm keiner zeigt, dass man das Ding auch programmieren kann und auch keine Programmiersprache installiert ist, wird es gar nicht auf die Idee kommen bzw Interesse entwickeln können.  So bleiben nur Internet, Chatten und Spiele, was aber oftmals nur Zeittotschlagen ist und vielleicht noch ein bissl Lernsoftware.
Aber das ist halt so, wenn die Eltern keine Ahnung davon haben und keine älteren Geschwister Vorbild sind.

Das war in der Vor-Windowszeit anders, da war es üblich, dass jedermann wenigsten ein bisschen mit BASIC oder LOGO rumprobiert hat, es gab einfach noch nicht so viele Anwendungen.

(Bei mir war es so, dass mir mein Freund nicht verraten hat, dass es höhere Programmiersprachen gibt und so hab ich als erstes Assemblemprogrammierung (hardwarenahe Programmierung, sieht ziemlich kompliziert aus) gelernt, bzw mir abgeschaut und selber beigebracht. Das war hochspannend für mich - rumspielen, ausprobieren, etwas erfinden und erschaffen und bewegen.
@Wölfin: ja genau, die Fraktale!! Das waren Zeiten, da hat die 5MB Harddisk um die 1000DM gekostet.
  :breitgrinse1:)

Die Aussage, dass man schon als Kind anfangen muss, stimmt überhaupt nicht, auch wenn Kinder mit großer Unbefangenheit, Lernbegierde und Forscherdrang an die Sache rangehen und ihnen der Zugang leicht fällt. Das muss aber nicht zu einer IT-Karriere führen.
Ich kenne einige Leute, die sind durch Kindheit und Jugend und schulischen Informatik-Unterricht völlig ohne Interesse an Computerprogrammierung gegangen und verdienen heute ihr Geld genau damit.

(Mein "erster Kontakt" war erst mit Anfang 30, hab dann mit 37 nur zum Spass nebenbei ein Informatikstudium begonnen und konnte gut mithalten. War zwar nur das Grundstudium, ich hatte ja meinen Beruf und musste dann aus Zeitmangel aussteigen, aber einen Abschluss hatte ich auch gar nicht eingeplant, es war nur zum Vergnügen.
Andererseits war es durchaus nützlich für meine beruflichen Weiterentwicklung. Fähigkeiten bedeuten  Möglichkeiten, ich habe sie genützt und immer gemacht, was ich wollte.
)

Aber jeder ist anders und jeder tickt anders, gsd. Es kann durchaus sein, dass das Steuerbüro das Richtige ist, für mich wäre es ein Graus.
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Re: Berufe für Asperger

Beitragvon Diamon » 8. August 2014 06:44

  Wenn aber das Kind gar keine Gelegenheit bekommt, weil eben nur Spiele für den Computer da sind und ihm keiner zeigt, dass man das Ding auch programmieren kann und auch keine Programmiersprache installiert ist, wird es gar nicht auf die Idee kommen bzw Interesse entwickeln können.  So bleiben nur Internet, Chatten und Spiele, was aber oftmals nur Zeittotschlagen ist und vielleicht noch ein bissl Lernsoftware.
Aber das ist halt so, wenn die Eltern keine Ahnung davon haben und keine älteren Geschwister Vorbild sind.


...Hm, da muss ich Weil recht geben  :upsi: , das passt wie die Faust aufs Auge, er ist der Älteste, sein Bruder versteht mit Sicherheit mehr davon, ich verstehe gar nichts, habe versucht die Kinder so lange wie möglich davon fernzuhalten, mein Mann durfte also nur in einer umfunktionierten Abstellkammer sein Büro mit PC haben, die Tür musste geschlossen sein und ein Kind hatte laaange Zeit darin überhaupt nichts verloren  :schäm: , die ersten Kontakte mit PC waren seeeehr kontrolliert in der Grundschulzeit und nur Lernprogramme, Gelegenheit etwas auszuprobieren hatte er überhaupt nicht und somit auch auch kein Interesse entwickelt, jetzt beschäftigt er sich eigentlich nur mit Spiele die was mit Fußball oder Schach zu tun haben und ist auch mal im Facebook , oder im Internet für die Schule, wie was funktioniert oder bei Problemen , kommt er dann zu Papa oder lässt vieles, z.B hatte er Monate kein Zugang ins Internet, mein Mann hats nicht hinbekommen und er hatte aber auch nicht versucht es allein zu schaffen... Immerhin er weiß weit mehr als ich  :grübel: und das ist schon viel  :schäm:  :icon_rolleyes:

Ich denke das sich da wie überall auch viel geändert hat , also das die bei null anfangen kann ich mich nicht vorstellen, naja ein bisschen mehr wie null wird vielleicht grade drin sein , es entwickelt sich ja alles weiter und wer weiß vielleicht  schlummern ja noch ungeahnte Talente in ihm wenn man sie nur entwickeln lässt und vielleicht kann ich das ganze , gerade weil ich keine Ahnung habe auch nicht richtig einschätzen  :grübel: .. ein bisschen Hoffnung hab ich da schon falls wir uns nochmal anders orientieren müssen ...

Aber jetzt bin ich erst mal froh ,das der Stein ins Rollen kam und recht zuversichtlich was das betrifft, es gibt tatsächlich Menschen die großen Spaß daran haben und ich glaube Sohni könnte dazugehören  :froi1:  :ja1:

LG
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Re: Berufe für Asperger

Beitragvon Diamon » 8. Juli 2015 13:39

....ich möchte mal hier anknüpfen, an meinen Alten Beitrag:  :icon_eek:

... ich habe mich sehr bemüht zuversichtlich zu sein, das ganze Jahr über war ich überzeugt das Sohni seinen Weg finden wird, das bin ich auch jetzt noch irgendwie, aber nun stehen wir erst mal wieder vor einem Rätsel und meine alte Angst macht sich Breit  :schäm: ...

Also Sohni, wollte sich nicht um einen Ausbildungsplatz bemühen, nach unserem Drängen hat er sich einmal Beworben, aber da er knapp über dem Notendurchschnitt der verlangt wurde war bekam er auch ne Absage, das war auf dem Finanzamt, er war davon überzeugt das er auf dieser Schule die ihm nun so gefällt bleiben möchte, dort das Wirtschaftsgymnasium macht und dann könne er immer noch diese Richtung einschlagen, das klingt erst mal gut, aber ich hätte halt noch gerne nen Plan B gehabt, falls das eben nicht klappt, doch Sohni kann sich nur auf eine Sache Konzentrieren und alles andere interessiert ihn nicht, also haben wir ihn machen lassen, Hilfe will er keine, selber was tun sieht er aber auch nicht ein .

Zu Anfang sah es gut aus, in Mathe bewegte er sich im 1er Bereich, Englisch ist seine Schwäche da Bewegte er sich im 4er Bereich und in Deutsch im 3er Bereich, also braucht er in Mathe am Schluss ne 2. Er was aber Zuversichtlich und meinte das Locker zu Schafen , in laufe des Schuljahres verschlechterte er sich geringfügig in Mathe, zuerst 1,5- 2, dann war aber auch mal ne 2,5 und ne 3 dabei,

Er hatte auch zwischendrin mit dem Führerschein angefangen und die erst Prüfung die er Überhaupt machte war dann die Schriftliche Führerscheinprüfung, er meinte sie Locker schaffen zu können, fing aber meiner Meinung nach zu spät an zu lernen , wurde plötzlich nervös, was er so gar nicht kannte und viel durch, beim zweiten mal wieder, zwischendurch hat er gar nichts getan und wieder zu spät angefangen, dann wollte er erst die Schulischen Prüfungen machen.

Englisch und Deutsch liefen wie erwartet, ausgerechnet in Mathe hatte er nen Hänger, er sagte "ein Blackout" und wurde nicht fertig, die Hoffnung war aber das er im Mündlichen mindestens ne 2,6 Bräuchte um es noch zu schaffen, die Lehrerin war absolut überzeugt, das er das locker schafft, weil er alles weiß, er war auch davon Überzeugt und wir letztendlich auch, ich hatte nur Angst das er wieder nervös wird oder die ganze Sache unterschätzt, ja so wars dann wohl auch, er wusste wohl die Antwort, aber aus seinem Mund kam was andres heraus, er wurde nicht richtig verstanden, hat zu Umständlich Erklärt und wurde immer nervöser als er das merkte, es wurde ne 3,25

Und nun  :grübel: Plan B exestiert ja nicht, es ist so ärgerlich weil ich weiß das er es kann und ich habe gehofft das Thema währe nun in den nächsten 2-3 Jahren vom Tisch, in der Zeit hatte er Zeit gehabt sich noch weiter zu endwickeln, reifer zu werden und hätte dann vielleicht eher nen Plan gehabt...

Ich finde es auch zu blöd das sich daraus eventuell ne Prüfungsangst entwickelt haben könnte, den er hatte nun mehrrere schlechte Erfahrungen.

Momentan kommt auch nur ein soziales Jahr in Frage, alles andre lehnt er ab und darum müsste er sich auch wieder bemühen und zwar schnellstens, aber jetzt will er erst mal nichts mehr wissen und ich habe Angst das er Garnichts macht bzw findet, es gibt genug Jugendliche die wenn sie sich erst mal an das rumgammeln gewöhnt haben kaum mehr Interesse haben sich zu bemühen außerdem gibt's dann ne Lücke in seinem Lebenslauf was es auch erschweren könnte wieder was zu finden, meine insgeheime Angst ist das er zu denen gehört die mit 40 noch bei Mama wohnen.

Phuuu nun is es raus  :icon_rolleyes:, Sohni war immer ein absolut Pflegeleichtes Kind, er hat uns bis jetzt kaum Schwierigkeiten gemacht, wenn er zu Hause ist merkt man kaum was von ihm, klar gibt gezanke zwischen den Geschwistern und er ärgert auch gerne, aber er alleine fällt kaum auf, in der Schule ist er auch kaum aufgefallen, er wurde gemobbt und hat sich nie gewehrt, er lebte/lebt immer noch in einer art Traumwelt,  hat nie den Pubertären Blödsinn der anderen mitgemacht, er macht sein Ding und wenn er weiß was er zu tun hat dann ist er zuverlässig, Zu Hause ist er faul drückt sich gekonnt  bei der Mithilfe im Haushalt, aber er ist zuverlässig bei dem ihn zu geteilten Aufgaben, Probleme hat er nur mit Sachen die Außer der Reihe sind...

Ich Schweife ab, ich wollte damit nur sagen, das jeder Ausbilder was auch immer er machen wird ihn mit Kusshand nehmen könnte, denn in seinem Aufgabenbereich wird er absolut zuverlässig sein, doch ich hab Angst das, das Ganze spätestens am Bewerbungsgespräch scheitert, da er sich oft nicht richtig ausdrücken kann vor allem wenn er nervös ist

Ich weiß nun nicht wies weiter gehen soll, was es noch für Möglichkeiten gibt und ob er sich nun ganz umorientieren muss den nen besseren Realschulabschluss kann er ja nicht mehr machen, die Noten stehen nun fest, oder kann er da immer noch  diese Laufbahn einschlagen?
Denn selbst wenn er ein Soziales Jahr macht muss es ja danach weiter gehen.

Hat da wer vielleicht ne Idee  :Frag:

Ach man, ich wünsch ihm so sehr ein geregeltes Leben, das ist das war er braucht und dann zieht er alles durch, nur der Schritt dahin ist für ihn unglaublich schwer und er is bald 18 da kann ich ihm nicht mehr soo viel dabei helfen, vor allem weil ich mich gar nicht auskenne  :baw: :baw:

Über jede Anregung würde ich mich freuen, auch wenn es nur ein Tipp is wie ich ihm Mut machen kann. :icon_rolleyes:

Liebe Grüße
Diamon
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Farah
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Re: Berufe für Asperger

Beitragvon Farah » 8. Juli 2015 15:41

Hallo Diamon  :wu:

lange nichts gehört von Dir ...

Das Wichtigste zuerst:  :bighug:

Mach dir keine Sorgen wegen seines Alters. Bei unseren Kindern dauert es eben länger, bis sie ihren Weg finden. Meiner ist jetzt 24 und scheint nach einigen Umwegen endlich soweit zu sein ... aber ich will mal ganz schnell auf Holz klopfen  :ichboss:

Wenn er immernoch Interesse für Steuersachen hat, ist Finanzamt ja nicht die einzige Anlaufstelle. Er kann sich bei allen Steuerberatern in eurer Umgebung bewerben. Das ist genau dieselbe Arbeit - nur von der anderen Seite her.  Da werden Bewerber mit Abi oder Fachabi erfahrungsgemäß immer den Realschülern vorgezogen; auch wenn der Notenschnitt nur bei 3,xx liegt. (Das Finanzamt ist da deutlich wählerischer - dort ist die Ausbildung aber auch sehr hart.)

Vielleicht kann er noch ein Praktikum bei seinem Bekannten machen, wo er das Schülerpraktikum hatte? Und diesen Mann einfach mal fragen, ob er jemanden kennt, der einen zuverlässigen Azubi sucht?

Seine Aspi-Züge können sogar ein Vorteil sein, weil der zukünfige Arbeitgeber dann sicher sein kann, dass korrekt und stoisch gearbeitet wird, wo andere schon schnell mal etwas langweilig finden können, weil zumindest bei Buchführungen sich doch irgendwann alles nur noch wiederholt ...

Eine andere Möglichkeit wäre der Weg in Richtung Buchhalter in einem Industrieunternehmen.

Also Kopf hoch, das wird schon  :ja1:

Liebe Grüße
Farah  :winken:
:biene: 2
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Sheherazade
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Re: Berufe für Asperger

Beitragvon Sheherazade » 8. Juli 2015 15:42

Kommt vielleicht ein Berufsbildungswerk für euch in Frage?

Ich habe schon seit einem Jahr Bugenhagen an erster Stelle in meiner Liste für unseren Jüngsten - wenn alle Stricke reißen.

Klick dich mal durch die Seiten, scheint mir sehr gut auf Autisten ausgerichtet zu sein.
Sohn *2003 - Autist mit komorbider ADHS
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Diamon
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Re: Berufe für Asperger

Beitragvon Diamon » 8. Juli 2015 17:48

Oh, Hallo Farah  :winke:,

...ich freue mich alte Bekannte wieder zu treffen  und es ist schön das man nach so langer Zeit wieder erkannt wird  :hug2:  :froi1:

Mach dir keine Sorgen wegen seines Alters. Bei unseren Kindern dauert es eben länger, bis sie ihren Weg finden. Meiner ist jetzt 24 und scheint nach einigen Umwegen endlich soweit zu sein ... aber ich will mal ganz schnell auf Holz klopfen  :ichboss: 


prinzipiell denke ich ja auch so, deshalb wäre ich ganz froh darüber gewesen wenn das mit der Schule geklappt hätte, dann wäre er evtl reifer gewesen und hätte noch Zeit und ich war auch sehr froh das wir endlich eine Schule gefunden hatten in der er sich wohl und Sicher fühlte, in der er so angenommen und gefördert wurde da wo seine Stärken sind, sicher wär das Wirtschaftsgymnasium nicht einfach, vorallem wenn er nur knapp darauf käme, und weil er halt in den Sprachen die größte Probleme hat und noch ne Fremdsprache braucht, aber anderseits ist es nur eine kleine Klasse in gewohnter und geschützter Umgebung mit vertraute Personen, also gute Voraussetzungen ob er letztendlich das Abi macht ist denke ich nicht so wichtig, wenn er zwei Jahre durchhält hätte er die Fachhochschulreife und könnte da weiter drauf aufbauen.

Nein, ich gebe die Hoffnung nicht auf das er auch durch Umwege an sein Ziel kommt  :ja1:

...schlimm finde ich  das er sich so auf gar kein Vorschlag einlassen kann, wir haben ihn z B auch auf dem Berufscollage angemeldet, dummerweise braucht er da auch den Notendurchschnitt, mein Mann hat nochmal mit der Schule Telefoniert und die sagten er soll auf jedenfall das Abschlusszeugnis einreichen, manchmal machen sie Ausnahmen, gerade weil er in Mathe sonst gut ist wäre das gar nicht so abwegig , in diese Schule will er aber auf gar keinen Fall mit der Begründung, das da alle rauchen, der ganze Pausenhof verqualmt wäre, alle unmöglich sind, das er viele die er aus früheren Schulen kennt dort sind ( die ihn auch geärgert hatten) und er dort garantiert nicht lernen könnte... geraucht wird wahrscheinlich auf jeder Berufsschule, und so gut wie jetzt wird er es wohl nicht mehr haben, aber die sind doch jetzt alle Reifer und das wichtigste ist ja das er weis was er will und sich ganz darauf konzentrieren kann, notfals die Anderen links liegen lässt ...

Und ein Schüler aus seiner jetzigen Schule meint das es auch nicht abwegig  wäre das sie ihn doch auf seiner jetzigen Schule nehmen, auch aus dem Grund, das wäre noch zu Hoffen ,also werde ich mit seiner Lehrerin nochmal Kontakt aufnehmen und nachfragen ob da noch was zu machen ist.

Als er sich Bewerben sollte, habe ich ihm eine Liste von Steuerberatern gegeben, er bekam auch Adressen von seinem Bekannten aber er hat nicht eine Bewerbung geschrieben.
Sein Bekannter hätte ihn wohl gerne genommen, aber er hatte genug Angestellte und konnte ja auch keinem einfach kündigen, er hat nur gesagt wenn sich bei ihm was ändert lässt er es ihn wissen, darauf hofft mein Sohn und hat sich schon deswegen nirgens beworben, weil er entweder da oder gar nirgens will, das hat er sich so in den Kopf gesetzt, das klingt ziemlich naiv...aber ihn von etwas was er sich in den Kopf gesetzt hat wegzubringen ist sehr schwierig...kämme es tatsächlich dazu würde sich mein Sohn voll rein hängen da bin ich mir Sicher, aber das wäre ja fast ein Lottogewinn, den ich weiß sein Bekannter weiß seine Qualitäten zu schätzen...

Über ähnliche Möglichkeiten müssten wir uns nochmal schlau machen, evtl wäre auch noch mal einen Termin bei der Berufsberatung sinnvoll  :grübel:

Danke für den Mut, wenn ich höre das andere deren Weg auch holprig war irgendwann angekommen sind, gibt das Hoffnung, man braucht halt Geduld, aber wir haben den Weg zu dieser Schule gefunden und sind sehr dankbar und glücklich über die Entwicklung die er dort erfahren durfte, das kann ihm keiner mehr nehmen auch wenn es jetzt wieder holpriger wird .

Dein Vorschlag Sheherazade finde ich auch interessant , das hört sich gut an, da werde ich mich noch schlau machen  :top:

Vielen Dank Euch zwei  :wu:
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Re: Berufe für Asperger

Beitragvon lenilein » 8. Juli 2015 20:55

Hallo Diamon,

ich hoffe ich kann dir eventuell etwas Angst/Sorgen nehmen. Ich stehe zur Zeit selber vor einer etwas ähnlichen Situation. Ich habe aktuell mein Abi gemacht, leider auch nicht so, wie ich es brauchte für meinen Wunschstudienplatz. Einen wirklichen Plan B habe ich auch nicht (ich hoffe jetzt einfach, dass es dennoch irgendwie klappt.)

Daraus resultierten viele Gespräche mit verschiedenen Partnern(Lehrer, Bekannte, Freunde, etc). Dadurch habe ich ein paar Dinge gelernt, die auch für dich eventuell interessant sein könnten:

1. mit 18 ist man noch ziemlich jung und darf auch gerne mal ein Jahr "verschwenden"

2. ist ein Jahr in dem man nichts tut auch nicht gleich verschwendet oder eine Lücke im Lebenslauf. Es muss einfach nur treffend umschrieben werden. Wenn dein Sohn sagt er will dieses Jahr noch nichts machen dann schreibt er in seinen Lebenslauf einfach, dass er ein Orientierungsjahr oder ein kulturelles Jahr gemacht hat.
Was ich damit meine: ich werde mir dieses Jahr auf jeden Fall noch ein Interrail-Ticket kaufen und durch Europa reisen. Allerdings weiß ich noch nicht genau wie lange. Auf jeden Fall werde ich so viele verschiedene Leute und verschiedene Kulturen bereisen und kennenlernen.
wenn es dann nichts mit dem Studium wird, werde ich vermutlich noch etwas ehrenamtliches machen zum Beispiel in einer Umweltschutzgruppe o.ä. und zum Schluß würde ich mich noch um ein Praktikum bemühen.

So nutze ich das Jahr und es ist nicht "leer" oder "verschwendet".

Ich weiß nicht, welche Möglichkeiten es bei euch so gibt, aber vielleicht kann dein Sohn auch etwas ehrenamtliches oder so in einem Schachclub machen?!

3. Es ist nicht schlimm oder schädlich, wenn man über Umwege da landet, wo man hinkommt.

Noch etwas zum Thema FSJ, auch da gibt es tausend Möglichkeiten zum Beispiel auch Büroarbeiten oder so. Da müsst ihr eventuell mal schauen, falls es doch ein FSJ sein sollte.

Zu guter letzt solltest du dir nicht soo viele Gedanken machen, wenn dein Sohn noch ein Jahr Zeit braucht, dann gibt ihm dieses Zeit, schaut einfach, was er (schönes) machen kann, damit er nicht nur rumhängt. Heutzutage gibt es für alles irgendwie tausend Möglichkeiten.

Ich hoffe, dass dir meine Gedanken irgendwie weiterhelfen können. Ich denke manchmal sieht eine Situation auswegsloser aus, als sie eigentlich ist.

Liebe Grüße
lenilein   :winken:
Zuletzt geändert von lenilein am 8. Juli 2015 20:56, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Berufe für Asperger

Beitragvon Diamon » 8. Juli 2015 22:17

Hallo Lenilein  :winken:,

Danke für Deine Antwort, es ist beruhigend zu lesen wie andere darüber denken und Du bist auch noch in einer ähnlichen Situation...

noch vorneweg, inzwischen hat sich die Lehrerin bei mir gemeldet und ihr Mitgefühl ausgedrückt, wie leid es ihr tut für ihn, sie war sich absolut sicher und sie hätte es ihm von Herzen gegönnt, und natürlich hätte er es verdient, sie hat seinen schockierten Gesichtsausdruck vor Augen als er merkte, das, es nichts mehr wird... ja mit der Schule ist nichts mehr zu machen- Leider  :baw:

Nun müssen wir schauen wies weiter geht, Ich denke nicht das er reisen will, noch dazu fehlt es am nötigen Kleingeld , und ich denke auch nicht das er was machen wird was mit vielen Menschen zu tun hat, es sei den es handelt sich um Fußball oder Schach, Schachtrainer währe sein Traumberuf, aber ich glaube nicht das sich damit was machen lässt, beides sind meiner Meinung nach Freizeitbeschäftigungen.

Im Schachclub ist er tätig, das nimmt er sehr ernst, er ist dort Schriftführer, wird wohl ab nächstes Jahr die Schach AG der Grundschule übernehmen und er Trainiert die Jüngsten, er möchte nun noch seinen Trainerschein machen, das wird er in diesem Jahr mit Sicherheit in Angriff nehmen, aber ein Soziales Jahr kann man sicher nicht daraus machen, aber es ist schon was , besser als nichts  :ja1:

Deine Gedanken helfen mir auf jeden Fall, irgendwas wird sich finden und das Jahr lässt sich sicher auch dafür nutzen um sich um die Dinge zu kümmern die durch die ganze Lernerrei zu kurz gekommen sind, Orientierungsjahr hört sich schon besser an da hast Du recht.

Ich wünsche Dir alles Gute für Dein Orientierungs- und Kulturellem Jahr  :top:, währe schön mal zu hören wie es Dir ergangen ist

Liebe Grüße
Diamon  :zwink:
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Re: Berufe für Asperger

Beitragvon lenilein » 9. Juli 2015 21:31

es freut mich, wenn ich dir etwas helfen konnte. Es ist doch auch gut, wenn er etwas macht. Wer weiß, was sich da noch draus entwickeln wird.

Noch ein Gedanke, den ich gestern schon erwähnen wollte. Ich glaube bis Sonntag ist in Hannover noch die IdeenExpo. Das ist so die ideale Messe für Schüler/innen, weil viele Berufe, vor allem aus dem MINT-Bereich vorgestellt werden und vieles ausprobiert werden kann. Vielleicht lohnt es sich da mal hinzufahren.

Und danke für deine Wünsche. ich bin gespannt, was sich bei mir so ergibt, ich hoffe ja immer noch, dass ich noch einen Platz an der Uni bekomme.
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Re: Berufe für Asperger

Beitragvon Diamon » 25. Juli 2015 22:09

Hallo  :winken:

...wollte noch kurz mitteilen, das Sohni aufs Berufscollege darf, sie nehmen ihn trotzdem auf  :top:

darüber bin ich jetzt echt froh, weil das mit dem sozialen Jahr gestaltete sich schwierig, das was ihn vielleicht interessiert hat, war schon alles vergeben und den Rest wollte er nicht, ins Ausland oder weiter weg kam für ihn auch nicht in frage, inzwischen ist er wohl auch ganz froh das das Thema vom Tisch ist... und ist damit einverstanden, zumindest braucht er nun keine zweite Fremdsprache und wird sich im allgemeinen leichter tun als auf dem Beruflichen Gymnasium und Fachhochschulreife hat er dann auch, also stehen ihm Möglichkeiten offen die er dann Wählen kann.  :top:

Inzwischen war Abschlussfeier auf seiner Schule, der Abschied viel sowohl Sohni als auch uns als Familie schwer, ein Abschnitt ist nun geschafft, wir Blicken auf zwei endspannte Schuljahre zurück , nun tun sich neue Wege auf aber das was wir alle dort erfahren haben kann uns keiner mehr nehmen, so viel Menschlichkeit, soviel Persönlichkeit wie in  einer große Familie gibt es selten auf einer Schule und wir sind wahnsinnig Dankbar das wir da aufgenommen wurden, ernst genommen wurden und Hilfe bekamen, wie so viele andere, und nun müssen wir alle schweren Herzens das hinter uns lassen  :höch:   :baw: :baw:

...Aber so ist das Leben und auch dieser Schritt ist wichtig für was neues und ich bin sicher das Sohni drauf aufbauen kann mit seinem neu gewonnenem  Selbstvertrauen.
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Re: Berufe für Asperger

Beitragvon Farah » 26. Juli 2015 14:44

Hallo Diamon,

das freut mich wirklich sehr für euch!  :froi1:

Weiterhin alles Gute für Deinen Sohn (und natürlich die ganze Familie  :ja1: )

Farah  :winken:
:biene: 2
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Re: Berufe für Asperger

Beitragvon Kaina » 27. Juli 2015 17:25

[quote="Diamon"]
...wollte noch kurz mitteilen, das Sohni aufs Berufscollege darf, sie nehmen ihn trotzdem auf  :top:
[/quote]
:top:  :froi1:  :top:


(Dass ihr der Schule nachtrauert, kann ich gut verstehen. Ging uns mit Sohn Nr. 2 ähnlich.
Aber schön ist, dass euer Sohn von dort Positives mitnimmt und ihm die Schule gut getan hat  :ja1:)
"Jedes Ding hat drei Seiten, eine positive, eine negative und eine komische." (K.Valentin) 
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Re: Berufe für Asperger

Beitragvon Diamon » 29. Juli 2015 19:53

Danke Euch  :wu:

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