ADHS in Bewerbungsunterlagen erwähnen?

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Supagrobi20

ADHS in Bewerbungsunterlagen erwähnen?

Beitragvon Supagrobi20 » 25. Juli 2014 18:15

Hallo Community,

sollte ich beim Vorstellungsgespräch erwähnen, dass ich ADHS habe? Ich fürchte, wenn mein zukünftiger AG das nicht weiß, würde ich am Arbeitsplatz wieder mal Probleme bekommen.

Welcher Beruf wäre für ADHS-ler geeignet?

Im Voraus Danke für Eure Tipps.

Supagrobi
graffiti
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Re: ADHS in Bewerbungsunterlagen erwähnen?

Beitragvon graffiti » 25. Juli 2014 18:34

in den unterlagen würde ich es auf keinen fall erwähnen, wenn du die stelle haben willst.
im vorstellungsgespräch auch nicht - also ich würde es nicht tun.

ich weiß nicht, was es dir bringen sollte, wenn dein chef / deine chefin von deinem adhs wissen (selbst wenn sie eine ahnung davon haben + nicht nur glauben, das sei eine modediagnose für ganz stinkfaule, für hypochonder oder das seien doch alles psychos).

die anforderungen, die ein betrieb stellt, ändern sich nicht dadurch, daß die verantwortlichen um dein adhs wissen.
mit den anforderungen wirst du so oder so zurecht kommen müssen.

bringt es dir nicht weit mehr, mit einem therapeuten an deinen macken zu arbeiten?
dann kannst du dir auch von vornherein mehr zutrauen.
bin ich froh, daß ich mir diese nachdenk-zigarette nicht angezündet habe, als ich die gasleitung abgemäht habe :icon_mrgreen:<br />oder: alles wird gut.
Weil
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Re: ADHS in Bewerbungsunterlagen erwähnen?

Beitragvon Weil » 25. Juli 2014 19:03

Welcher Beruf wäre für ADHS-ler geeignet?

Falsche Frage!
Welcher Beruf ist für mich geeignet, musst du dich fragen.
Was kannst du, wo liegen deine Stärken, deine Talente, deine Interessen?
Welche Vorbildung hast du?

Schöpfe deine Möglichkeiten aus, tue was du kannst. Trau dir was zu, häng dich rein in etwas, was dich erfüllt. Werde Spezialist auf deinem Gebiet.

Die Frage, ob du deinem AG dein AD(H)S offenbarst ist, scheint mir eher ein Hintertürchen zu sein, dass du dir offenhalten willst.
Aber AD(H)S ist kein Freibrief für Fehler und Probleme. Die machen übrigens Nichtbetroffene auch.  :breitgrinse1:
Supagrobi20

Re: ADHS in Bewerbungsunterlagen erwähnen?

Beitragvon Supagrobi20 » 25. Juli 2014 21:38

Danke für Eure Meinungen und Tipps. Wenn sie auch danach klingen, als hätte ich meine Fragen nicht ernst gemeint.  :jodel:

Es ist doch durchaus denkbar, dass der Beruf, den ich gelernt habe, garnicht zu mir - also meinem ADHS - passt. Beispiel: Ich habe die Ausbildung zum Software-Entwickler gemacht. Die war hammerhart. Meine Programme funktionierten auch schonmal. Jetzt soll ich mich als Software-Entwickler in einer großen Firma bewerben. Wäre das nicht mein Genickbruch? Wäre ein Beruf, der für mich abwechslungsreich ist und meine Kreativität fordert, nicht besser?

Aber Du hast Recht. Ich sollte mir die Frage stellen: Was interessiert mich? Was will ich? Und dann ran an die Bulletten!  :sofort:

Grüße
Supagrobi
No User
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Re: ADHS in Bewerbungsunterlagen erwähnen?

Beitragvon No User » 25. Juli 2014 22:59

Ja, ich habe mich auch gefragt, ob das dein Ernst sein soll.

Hast du irgendwann vergessen, was "Bewerbung" heißt? Für dich zu WERBEN! Oder hast du schon mal Werbung für irgendwas gesehen, die die Macken und Nachteile des Produktes hervorhebt?

Der Personaler will von dir wissen, warum du gerade in dieser Firma arbeiten willst und erwartet von dir davon überzeugt zu werden, dass genau DU der einzig Allerbeste für die ausgeschriebene Stelle bist.

Klar musst du da auch auf die Frage nach deinen Schwächen vorbereitet sein. Das heißt aber doch nicht, dass er von dir wissen will, dass du Haarausfall, Pickel, Mundgeruch oder ADHS hast. Nee, hierfür brauchst du zur konkreten Stelle passend eine harmlose Macke, die am besten auf der anderen Seite der Medaille sogar ihre Vorteile hat. Z.B. Ungeduld oder Perfektionismus.

Eigentlich ist es eine Frechheit, dem potentiellen Arbeitgeber im Vorstellungsgespräch so eine Diagnose unter die Nase zu reiben. Was soll er damit anfangen? Dich aus Mitleid einstellen? Oder aus Angst, man könnte ihm Diskriminierung von Behinderten vorwerfen? Oder soll er endlich erkennen, dass du, wie ich deinen Sätzen entnehme, dich gar nicht bewerben WILLST, sondern nur SOLLST, also seine Zeit verschwendest?

Warum "sollst" du dich bewerben? Fürs Jobcenter? Oder für wen?

Du hast deine hammerharte Ausbildung doch abgeschlossen. Also hast du das doch drauf. Meinst du, es gibt keine kreativen Software-Entwickler und keine Abwechslung in Softwareentwicklungsprojekten und dem ganzen Drumherum von Support beim Kunden, Verkauf, Beratung usw.? Irgendwas muss doch mal zu dem Entschluss geführt haben, diese Ausbildung zu machen. Ich kann dir schon mal sagen, dass in der SE überdurchschnittlich viele ADHS'ler arbeiten.

Nein, das muss dich nicht für den Rest deines Lebens auf eine Branche und Tätigkeit festtackern. Das ist ein freies Land. Du musst dir diese Freiheit aber auch etwas kosten lassen, denn jetzt erst noch eine andere Ausbildung oder Arbeiten in einem Tätigkeitsfeld, für das du nicht qualifiziert bist, hat auch so seine Nachteile, da musst du genau wissen, warum du das trotzdem willst. Ich weiß da, wovon ich rede.

LG
Steffchen
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Re: ADHS in Bewerbungsunterlagen erwähnen?

Beitragvon Brummilator » 25. Juli 2014 23:01

Also , am besten Du wirst Chef.

Ohne Scherz. Russell Barkley sagte mal in einem Vortrag dass unter uns viele Selbständige sind.
hat ja einige Vorteile . Keinen Chef, keine Kollegen, oder wenn dann nur Untergebene. Du mußt arbeiten, sonst kein Geld. Du kannst Dir alles selbst einteilen, Zeit Ort etc. und Dir Hilfe anheuern- Steuerberater, Sekretärin, Buchhalter.....
Genau das alles kann sich aber auch ins Gegenteil verkehren.

Aber viele denken sowas auch nicht komplett durch, können das gar nicht eben wegen ADHS. Wird schon werden, darum kümmern wir uns dann... Finanzamt- was ist das ? Krankenkasse? wieso Beiträge bezahlen ? Versicherungen? Handelskammer? Amt für dies, Amt für das, Gesundheitsamt Baurechtsamt blabla

B
Weil
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Re: ADHS in Bewerbungsunterlagen erwähnen?

Beitragvon Weil » 26. Juli 2014 00:05

Ich habe die Ausbildung zum Software-Entwickler gemacht. Die war hammerhart. Meine Programme funktionierten auch schonmal. Jetzt soll ich mich als Software-Entwickler in einer großen Firma bewerben. Wäre das nicht mein Genickbruch? Wäre ein Beruf, der für mich abwechslungsreich ist und meine Kreativität fordert, nicht besser?

Nun, deine Programme sollten schon funktionieren, wenn du Geld für deine Arbeit willst. :811:

Grundsätzlich halte ich diesen Beruf für kreativ und abwechslungsreich. Hier geht es doch darum, Probleme zu lösen, sich den richtigen Weg einfallen zu lassen, flexibel zu reagieren und das ganze auch mit Kollegen und Kunden zu kommunizieren.

Und es gibt sehr unterschiedliche Gebiete und Branchen, große Applikationen oder kleine Anwendungen, große Unternehmen, wo du nur Code nach Anweisung eingibst oder kleine Betriebe, wo du für den kompletten IT-Bereich zuständig und für deine Projekte von Anfang bis Ende verantwortlich bist.  Oder du machst auf selbständiger Basis Webseiten oder Apps oder Plug-Ins für irgendwas.

Du hast eine Ausbildung, die dir sehr breite Möglichkeiten zur Entfaltung gibt.

Aber du musst es wollen, musst gut sein wollen, dich engagieren und zeigen, was in dir steckt.
Einen Sonderstatus wirst du nirgends bekommen, es sei denn du bist besonders gut und erarbeitest dir Privilegien.

Es wird dir in jedem anderen Beruf genauso gehen, mach dir da keine Illusionen. 

Wie steffchen ist mir auch aufgefallen, dass du die Formulierung "ich soll mich bewerben" gewählt hast. Bedeutet das, dass du die Bewerbung nur halbherzig verfolgst, möglicherweise die Ausbildung nicht aus Überzeugung und Begeisterung begonnen hast?

Vielleicht stehst du dir auch nur selbst im Weg, hast vor allem deine Schwächen im Auge.
Dann gleiche mal deine Stärken mit den Möglichkeiten ab, die dieser Beruf dir bietet, da findet sich sicher etwas, das dir zusagt und dich motiviert.

Jetzt etwas völlig anderes anzufangen wird dich genau dahin führen, wo du jetzt stehst.
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Duncore
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Re: ADHS in Bewerbungsunterlagen erwähnen?

Beitragvon Duncore » 26. Juli 2014 09:29

Beantworte nur fragen die dir gestellt werden ..wenn du explizit drauf angesprochen wirst. .dann ja. .aber steh dazu.

Ich bin gelernter Steinmetz und kunstbildhauer- Kaufmann groß und aussenhandel...war kinderanimateur und und und. ..
Jetzt bin ich 10 Jahre als cutter tätig beim Fernsehen. .da war ich quereinsteiger und bin im leben nicht drauf gekommen, das es das richtige für mich ist. .
Ich und Technik:-D
Ist auch heute noch so. .
Madmartin
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Re: ADHS in Bewerbungsunterlagen erwähnen?

Beitragvon Madmartin » 28. Juli 2014 21:57

[quote=&quot;graffiti&quot;]
in den unterlagen würde ich es auf keinen fall erwähnen, wenn du die stelle haben willst.
im vorstellungsgespräch auch nicht - also ich würde es nicht tun.
...
[/quote]

Contra! :smilie_wut_122:

Ich bitte erstmal um Entschuldigung für diesen harten Querschlag.
AD(H)Sler, Borderliner und Psychopathen sind nicht normal. Punkt. :stop:
Wir sind anders und leben in eigenen Gesetzen.
Wir, wie die Psychopathen, können Dinge, die Normale nicht können,
und es gibt Dinge, wo AD(H)S-Menschen schlichtweg zu blöde sind.
Um es brutal und ehrlich auszudrücken.

70% von uns haben mit derzeitigen Berufswelt erhebliche Schwierigkeiten.
Als ich damals, vor gut 20 Jahren, ernsthaft Karriere machen wollte,
ist mein Verhalten stets auf Kritik gestoßen und wurde noch dazu mit
Spott gelegt. Und Warum?
Weil man damals von ADS keinen Plan hatte.
Die kamen sich durch mein sonderbares Verhalten verarscht vor.
Deswegen.

Wer im Berufsleben auf Dauer bestehen möchte,
muss Spitzenleistung bringen. Über ADS aufzuklären ist daher Grundvoraussetzung,
sonst kann das unangenehme Überraschungen geben.

Wer sich zur Schwäche bekennt gewinnt Stärke.

Gruß Madmartin :ja1:
Besser hypoaktiv als gar nicht aktiv.
No User
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Re: ADHS in Bewerbungsunterlagen erwähnen?

Beitragvon No User » 29. Juli 2014 00:14

Madmartin, soll das jetzt heißen, dass du ausgerechnet das Vorstellungsgespräch für die passende Gelegenheit hältst, deinen potentiellen Arbeitgeber über deine Diagnosen aufzuklären?

Wann hattest du das letzte Mal in einem Vorstellungsgespräch mit dieser Strategie Erfolg (Ich meine den Erfolg, die Stelle dann auch zu bekommen)?

Wie ergibt sich aus geforderter Spitzenleistung ADS-Outing als Grundvoraussetzung? Wie soll es deine Leistung verbessern?

LG
Steffchen
graffiti
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Re: ADHS in Bewerbungsunterlagen erwähnen?

Beitragvon graffiti » 29. Juli 2014 06:35

@madmartin:
Contra! smilie_wut_122
Ich bitte erstmal um Entschuldigung für diesen harten Querschlag.

wieso?
du hast eine andere meinung.
ist ja ok.

meine meinung:
1. ich habe keinen anerkannten behinderungsgrad wegen adhs
--> ich befinde mich im normalo-bewerberpool
--> ich kann nicht auf karitative vergünstigungen zählen
[EDIT: gemeint (und politisch korrekter) ist:
ich möchte nicht auf karitative vergünstigungen zählen.
ich hatte einmal mitleid-status in einem betrieb nach langem krankenstand ... und es war furchtbar.
ich kann nicht auf quoten-vergünstigungen zählen, wenn ich mich ohne anerkannten behinderungsgrad bewerbe.]
--> mein potenzieller arbeitgeber würde mich nicht mehr besonders ernst nehmen, wenn ich von anfang an sage: du, hör mal, bei mir gibts da ne menge einschränkungen, auf die müßtest du rücksicht nehmen, wenn du mich schon so dringend haben willst  :icon_eek:
--> will er nämlich nicht. er will eine arbeitskraft, mit der er möglichst wenig gedöns hat

2. jeder arbeitnehmer bringt irgendeine form von gedöns mit
--> mein gedöns kenne ich
--> meine aufgabe ist es, damit umgehen zu können (nicht die meines arbeitgebers)
--> womit genau ich da umgehen muß, geht nun keinen was an - ich möchte mich ja nicht zur zielscheibe von negativer erwartungshaltung machen
Zuletzt geändert von graffiti am 29. Juli 2014 08:13, insgesamt 1-mal geändert.
bin ich froh, daß ich mir diese nachdenk-zigarette nicht angezündet habe, als ich die gasleitung abgemäht habe :icon_mrgreen:<br />oder: alles wird gut.
huschwusch

Re: ADHS in Bewerbungsunterlagen erwähnen?

Beitragvon huschwusch » 29. Juli 2014 08:25

[quote=&quot;Madmartin&quot;]
AD(H)Sler, Borderliner und Psychopathen sind nicht normal. Punkt. :stop:
Wir sind anders und leben in eigenen Gesetzen.
Wir, wie die Psychopathen, können Dinge, die Normale nicht können,
[/quote]
Vorsicht mit den Begriffen, Leute mit ADHS sind keine Psychopathen!

Dass Menschen mit ADHS manchmal (aber keinesfalls immer, nicht mal meistens) Dinge können, die sog. Normale nicht können, wird schon stimmen. In der Regel aber ist die Diagnose ADHS mit einem Übergewicht an Defiziten im Lebensalltag verbunden. Eine Krankheitsdiagnose für etwas, das mir mehr Vor- als Nachteile beschert, wäre ja wohl auch ziemlich widersinnig.
graffiti
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Re: ADHS in Bewerbungsunterlagen erwähnen?

Beitragvon graffiti » 29. Juli 2014 08:37

Vorsicht mit den Begriffen, Leute mit ADHS sind keine Psychopathen!

danke.
ich unterschreibe den antrag  :top:

auch wenn ich mich im hausgebrauch öfter mal selber als "bekloppt" bezeichne, ist es etwas anderes, das öffentlich + offiziell zu tun ... und "psychopath" ist nun noch einen ganzen zacken schärfer.
ich halte es nicht für hilfreich, bei einem störungsbild, das soundso schon schwer zu (be)greifen ist, unangemessene / falsche vorurteile und aburteilungen auch noch selber zu bedienen.
bin ich froh, daß ich mir diese nachdenk-zigarette nicht angezündet habe, als ich die gasleitung abgemäht habe :icon_mrgreen:<br />oder: alles wird gut.
ripley
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Re: ADHS in Bewerbungsunterlagen erwähnen?

Beitragvon ripley » 29. Juli 2014 10:32

Für einen Job als Software-Entwickler würde ich auch nicht allzuviel über ADHS sagen. Und erst recht nicht schreiben. Was man aber machen KANN: Im Vorstellungsgespräch "ADHS-typische" Stärken bzw. Schwächen (soweit zutreffend und sinnvol i.S. der Bewerbung) anzugeben. Viele ADHSler denken z.B. sehr "breit" (nicht iim Sinne von zugedröhnt, sondern im Sinne von "viele Dinge vernetzend"), das kann hilfreich sein. Auf der anderen Seite nützt es gar nichts, soch als super gelassenen Menschen darzustellen, wenn man nun mal dank ADHS häufiger intensive und laute Dialoge mit seinem Rechner führt ...

Letztlich aber kommt es eben auch darauf an, WOFÜR man sich bewirbt. Junior etwa hat sich für ein Praktikum in einer sozialen Einrichtung mit explizitem Verweis auf sein eigenes ADHS beworben. Schriftlich UND im Gespräch. Und hat sich u.a. damit so gut verkauft, dass er den Platz bekommen hat, obwohl er eigentlich als Praktikant für diese Einrichtung zu "jung" war. Seine Bewerbungs-Argumentation war u.a. darauf ausgerichtet, dass er sich WEGEN eigener Betroffenheit eben auch gut in das Klientel der Einrichtung versetzen kann. Was kaum von der Hand zu weisen ist ...
graffiti
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Re: ADHS in Bewerbungsunterlagen erwähnen?

Beitragvon graffiti » 29. Juli 2014 14:47

Was man aber machen KANN: Im Vorstellungsgespräch "ADHS-typische" Stärken bzw. Schwächen (soweit zutreffend und sinnvol i.S. der Bewerbung) anzugeben.

stärken auf jeden fall ... aber schwächen gehören einfach nicht in eine bewerbung + ins vorstellungsgespräch auch nur praktisch bereits bearbeitete oder unwichtige schwächen + die nur auf anfrage.

ich finde das nicht sinnvoll, aber man kann sich eine sofortige absage ausrechnen, wenn man in der bewerbung schon auf schwächen hinweist ... außer man findet zufällig den über-personaler / den über-chef (und auf dessen vorhandensein möchte ich mich nicht verlassen).

der fall deines sohnes:
einem praktikanten würde ich evtl. auch dazu raten, in einem so speziellen fall auf sein adhs zu verweisen.
das kann man sich als betrieb schon mal anschauen ... und ganz nebenbei können da vorurteile abgebaut werden.
bei einer bewerbung um eine bezahlte stelle, in der verantwortung übernommen werden muß, aber nicht.
auch nicht in einer sozialen einrichtung.

kann sein, daß ich bundesweit nicht auf dem neuesten stand bin, aber bei uns in der provinz läuft es nach wie vor so.
es ist für mich auch nicht logisch nachvollziehbar, wieso ein betrieb jemandem den vorzug geben soll, der ein kann-funktionieren-kann-auch-nicht-funktionieren-kandidat ist.
klar ist in der realität jeder bewerber so ein kandidat, aber man sucht sich doch nicht freiwillig jemanden aus, bei dem es von vornherein schon kompliziert klingt (außer der komplizierte hat irgendwelche spezialfähigkeiten, die gebraucht werden + die sonst kein anderer hat).
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Re: ADHS in Bewerbungsunterlagen erwähnen?

Beitragvon Falschparker » 29. Juli 2014 15:23

[quote=&quot;Supagrobi20&quot;]
Es ist doch durchaus denkbar, dass der Beruf, den ich gelernt habe, garnicht zu mir - also meinem ADHS - passt. Beispiel: Ich habe die Ausbildung zum Software-Entwickler gemacht. Die war hammerhart. Meine Programme funktionierten auch schonmal. Jetzt soll ich mich als Software-Entwickler in einer großen Firma bewerben. Wäre das nicht mein Genickbruch? Wäre ein Beruf, der für mich abwechslungsreich ist und meine Kreativität fordert, nicht besser?[/quote]

Ob eine Tätigkeit als Software-Entwickler für dich (!) abwechslungsreich und kreativ ist, musst du schon selbst wissen. 

Ich muss da an das Hörspiel "Das zwölfte Level" denken, kennst du das?  :zwink:
http://www.youtube.com/watch?v=HkAHbuwOBic
<><
ripley
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Re: ADHS in Bewerbungsunterlagen erwähnen?

Beitragvon ripley » 29. Juli 2014 16:05

[quote=&quot;graffiti&quot;]
Was man aber machen KANN: Im Vorstellungsgespräch "ADHS-typische" Stärken bzw. Schwächen (soweit zutreffend und sinnvoll i.S. der Bewerbung) anzugeben.

stärken auf jeden fall ... aber schwächen gehören einfach nicht in eine bewerbung + ins vorstellungsgespräch auch nur praktisch bereits bearbeitete oder unwichtige schwächen + die nur auf anfrage.[/quote] Je nun, wo ist jetzt der Widerspruch zu meinen Ausführungen?
Klar sagt man im Gespräch - nach Schwächen gefragt - nicht unbedingt, dass man gerne mal so austickt, dass man dem Chef dann schon mal 'nen Mülleimer überstülpt. Aber statt das ewig gleiche "ich bin bisl perfektionistisch" in den Raum zu werfen (kann das überhaupt noch ein Personaler hören, ohne Schreikrämpfe zu kriegen?), kann man ja etwas nennen, was tatsächlich zutrifft. UND nicht allzudramatisch ist.
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Re: ADHS in Bewerbungsunterlagen erwähnen?

Beitragvon No User » 29. Juli 2014 17:30

ripley, da hast du natürlich Recht und da ich selbst den Perfektionismus und die Ungeduld als Beispiele je nach Job evtl. passender "Schwächen" fürs Vorstellungsgespräch nannte, ergänze ich sicherheitshalber:

Diese Beispiele natürlich NICHT wörtlich nehmen! JEDER wörtlich genommene Bewerbungstipp, JEDE kopierte Phrase usw. ist aus Prinzip Mist, denn selbstverständlich befreien die Beispiele zur Erklärung, worum es geht, nicht von der Benutzung der eigenen Sprache und der eigenen Kreativität. Und Authentizität ist Pflicht, spätestens im Vorstellungsgespräch. (Die schriftliche Bewerbung könnte im Prinzip noch jemand anderes schreiben, aber wenn der Bewerber im Vorstellungsgespräch nicht zu ihr passt, dann war das auch für die Katz'.

LG
Steffchen
Madmartin
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Re: ADHS in Bewerbungsunterlagen erwähnen?

Beitragvon Madmartin » 30. Juli 2014 00:33

[quote=&quot;Supagrobi20&quot;]
...

Ich sollte mir die Frage stellen: Was interessiert mich? Was will ich? Und dann ran an die Bulletten!  :sofort:

Grüße
Supagrobi
[/quote]

Genau mein Reden, Supagrobi. :ja1:
Du interessierst dich für etwas und bewegst dich darauf zu.
Es ist unvermeidbar, dass du mit der Zeit immer mehr zum Profi wirst.

"Willst du Erfolg haben, erhöhe die Anzahl deiner Fehlschläge."
-Edison

Und falls es, wie bei mir, zu einem Karrierknick kommt,
kannst auch als Arbeitsloser deinen Spas haben.

@steffchen
Hier sind Anworten zu deinen Fragen.

Frage: Madmartin, soll das jetzt heißen, dass du ausgerechnet das Vorstellungsgespräch für die passende Gelegenheit hältst, deinen potentiellen Arbeitgeber über deine Diagnosen aufzuklären?
Antwort: Erstmal geht es darum, dass ein Verantwortlicher, in dem Fall ein Chef, über die Stärken und Schwächen genau bescheid wissen sollte.
            Ja, es ist wichtig andere über ADS aufzuklären, sonst werden noch mehr von uns scheitern.
            Ja, es ist die passende Gelegenheit. In der Militärgeschichte war ein U-Boot Kapitän genau deswegen so erfolgreich.
            Außerdem haben Stärken und Schwächen miteinander zu tun, so wie auf Licht Schatten fällt.

Frage:Wann hattest du das letzte Mal in einem Vorstellungsgespräch mit dieser Strategie Erfolg (Ich meine den Erfolg, die Stelle dann auch zu bekommen)?
Antwort: Fünf mal.

Frage:Wie ergibt sich aus geforderter Spitzenleistung ADS-Outing als Grundvoraussetzung? Wie soll es deine Leistung verbessern?
Antwort: Das hängt schon mal vom ADS-Typ ab. Ein Introvertierter braucht einen ruhigeren Arbeitsplatz,
            während ein wilder Hypie eher den Trubel will. Starkstruktuierte brauchen feste Regeln.
            Man sollte erkennen wo Perfektionismus einen voranbringt und wo nicht.
            Spitzenleistungen kommt durch den Hyperfokus und nur zu begrenzter, unvorhersehbarer Zeit.
            Ich habe mich durch ihn oft verfeuert und brauchte längere Pausen,
            um wieder fit zu werden.
     
            Trotzdem erklärt das noch nicht alles, den eine Strategie ist eine Summe von langfristigen Entscheidungen.


Gruß Madmartin
Besser hypoaktiv als gar nicht aktiv.
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Re: ADHS in Bewerbungsunterlagen erwähnen?

Beitragvon Weil » 30. Juli 2014 03:54

[quote=&quot;Madmartin&quot;]

Frage: Madmartin, soll das jetzt heißen, dass du ausgerechnet das Vorstellungsgespräch für die passende Gelegenheit hältst, deinen potentiellen Arbeitgeber über deine Diagnosen aufzuklären?
Antwort: Erstmal geht es darum, dass ein Verantwortlicher, in dem Fall ein Chef, über die Stärken und Schwächen genau bescheid wissen sollte.
             Ja, es ist wichtig andere über ADS aufzuklären, sonst werden noch mehr von uns scheitern.
             Ja, es ist die passende Gelegenheit. In der Militärgeschichte war ein U-Boot Kapitän genau deswegen so erfolgreich.
             Außerdem haben Stärken und Schwächen miteinander zu tun, so wie auf Licht Schatten fällt.

[/quote]
Nur, in der wirklichen Welt hat der Arbeitgeber einen Job zu vergeben, für den es eine klar umrissenen Arbeitsplatzbeschreibung gibt.

Die erste Frage die er hat ist: kannst du diesen Job?
Die zweite Frage ist: wirst du diesen Job zuverlässig und mit angemessenem Engagement ausfüllen und dich ins Firmengefüge integrieren oder gibt es mit dir voraussehbaren Ärger/Fehlzeiten/Umstand.

Wenn beide Punkte stimmig beantwortet werden können, ist es im Grunde schnurzegal, welche Stärken oder Schwächen du durch dein AD(H)S hast. Stärken oder Schwächen haben andere auch, aus welchen Gründen auch immer.
Dein AD(H)S ist schlichtweg dein Problem, es interessiert niemanden in der Arbeitswelt, warum du so bist, wie du bist. Solange es mit dem Job vereinbar oder besser noch dem Job dienlich ist, kräht kein Hahn danach.

Wenn aber schon bei der ersten Frage nach beruflichen Fähigkeiten Zweifel bestehen ( Anfänger, wenig Berufserfahrung, unsichere Antworten oder aufgeblasenes Verhalten) und dann auch noch Einschränkungen psychischer Art angegeben werden, schaut es nicht gut aus. Welcher Personaler hat schon den Einblick, was AD(H)S betrifft, weiß also oft  gar nichts mit der Ansage anzufangen und selbst wenn, warum sollte er einen unsicheren Kandiaten anstellen, der sich schon von vorneherein einen Sonderstatus aushandeln will?

Du kannst ihm noch so viel vom Pferd erzählen, von deinen Stärken und hervorragenden Charaktereigenschaften, was dann natürlich auch seine Schattenseiten hat und von Spitzenleistungen durch Hyperfokus und vom erfolgreichen U-Boot Kapitän ... blablabla -  gerade Schwätzer kommen nicht gut an.

Die Praxis zeigt dann eh sehr schnell was wirklich dahintersteckt, dafür gibt es die Probezeit.

Die Kunst ist, sich selber einzuschätzen, seine Talente zu nützen und sich gezielt die Arbeitsumgebung zu suchen (oder zu schaffen), die zu einem passt.
Wenn die nicht passt, nützt es auch überhaupt nicht, wenn man sich hinstellt und sagt: "aber ich hab AD(H)S und ich hab doch auch meine Stärken" und wenn es nicht gut läuft, zu jammern, dass die Welt, die Chefs, die Kollegen einen nicht verstehen und ungerecht/doof/böse sind.

Und wenn man durch so eine Erfahrung mal durch ist, muss man halt umdenken und nicht immer wieder gegen die gleiche Wand anrennen.

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