Studium kurz vorm Ende und doch ...

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phoenix88
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Studium kurz vorm Ende und doch ...

Beitrag von phoenix88 » 28. Januar 2014 20:24

Hallo allerseits,
da das mein erster Beitrag ist, möchte ich erstmal kurz einige Worte zu meiner Person verlieren.
Ich bin 25, habe ADHS und habe eine ziemlich schlimme Depression hinter mir. Ich studiere auf Lehramt und stehe kurz vor meinem Staatsexamen.
Nun ist es bei mir leider jedoch so, dass ich aufgrund von Selbstzweifeln und einem bunten Gedankenkarussel in Null Komma Nix absolut zugenebelt und unkonzentriert bin. Ich vermute, dass ich mich selbst Stresse und dieser Stress mich dann blockiert. So komme ich, mit einem Auge lachend, mit dem anderen weinend, komplett um jedes Lernen. Ich weiß, dass ich (auch ohne Medikinet) leistungsfähig genug bin, da ich bis vor der Depression fast alle Prüfungen (mit gewissen Leistungsdruck im Nacken, ja ich bin stinkfaul  :breitgrinse1:) halbwegs gut bestanden habe. Doch jetzt bringt mir der Leistungsdruck nichts, sondern schwächt mich noch mehr :811:
Jetzt bekomme ich, sobald ich mich wieder selbst blockiere, nichtmal mehr die einfachsten Informationen in den Kopf.
Einen Termin beim Fachspezialisten kriege ich frühstens im halben Jahr.
Mit Medikinet wird das leider nichts ... das wird jede Menge unverarbeiteter Kram sein, der doch ganz gerne mal wieder zwischendurch an die Oberfläche kommt  :breitgrinse1: Dass ich mir keinen Stress machen soll, ist leider leichter gesagt als getan. Wer durch die Depression wieder zuhause einziehen musste, will langsam fertig werden  :grübel:
Gibt es unter euch welche, die so etwas ähnliches schon einmal erlebt haben oder vll. den einen oder anderen Rat für mich haben?
:zwink:
Liebe Grüße
Phoenix
Zuletzt geändert von phoenix88 am 28. Januar 2014 20:35, insgesamt 1-mal geändert.
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SiraMad
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Re: Studium kurz vorm Ende und doch ...

Beitrag von SiraMad » 28. Januar 2014 20:46

Hallo phoenix88

Ich habe noch keine Diagnose, stehe diesbezüglich noch ganz am Anfang. Daher weiss ich nicht ob dir mein Beitrag wirklich weiterhilft. Ich habe öfters depressive Verstimmungen, andere sprechen gerne von Depressionen. Ich mag ja dieses Wort nicht so gerne :811:

Da ich es kenne durch diese Verstimmung keinen Zugang mehr zum eigenen Potential zu haben, kann ich ein wenig mit dir mitfühlen. Da ich mittlerweile weiss, dass wie ich auf bestimmte schulische Situationen reagiere, versuche ich mir schon viel im Voraus die richtige Hilfe zu holen. Dies ist ja leider bei dir nicht mehr möglich. Ich selbst habe mich in dieser Situation an meinen Hausarzt gewandt. Bei ihm bekomme ich immer sehr schnell einen Termin und für einen kurzen Zeitraum kann auch er mir helfen. Ist dies vielleicht eine Möglichkeit? Ich habe auch schon medikamentöse Behandlungen mit Antidepressiva hinter mir. Dies muss natürlich genau abgesprochen und angeschaut werden. Diese Tabletten kann mir auch mein Hausarzt verschreiben und sie haben mir jeweils für den Übergang zur Therapie sehr geholfen. Aber wie immer bei Medikamenten wirklich gut abklären... Weisst du ja sicherlich alles.

Übrigens hilft mir auch Akupunktur (schreibt man das so?) während dem Prüfungsstress inkl. emotionalen Balast sehr geholfen. Vielleicht ist dies auch eine Möglichkeit für dich?

Und evtl. könntest du ja eine Lerngemeinschaft bilden? Mit jemandem den du gut kennst und dich so von deinen negativen Gedanken abhalten kann?

Liebe Grüsse
Zuletzt geändert von SiraMad am 28. Januar 2014 20:48, insgesamt 1-mal geändert.
phoenix88
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Re: Studium kurz vorm Ende und doch ...

Beitrag von phoenix88 » 28. Januar 2014 21:01

Hallo SiraMad,
danke für die schnelle Antwort. Das mit den Ärzten habe ich während der Depression schon zu Hauf gehabt ;-) Antidepressiva haben bei mir leider (Paroxetin, Mirtazapin, Opipramol, Johanniskraut) den Nachteil, dass ich dadurch völlig benebelt und schläfrig bin.Lerngruppen laufen nebenher auch, aber ich bin leider ein Einzellerner  :breitgrinse1: Akkupunktur ist da vielleicht schon ein guter Tipp, ich mache derzeit Entspannungsübungen und die bringen mich recht schnell wieder in einen fitten Zustand, aber mein toller Kopf hat die Angewohnheit, dass das nicht lange anhält ;-)
Ich wünsche dir alles Gute, lass es nie so weit kommen sondern schau immer lachend in die Zukunft  :breitgrinse1:
Eule
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Re: Studium kurz vorm Ende und doch ...

Beitrag von Eule » 28. Januar 2014 22:06

Ich weiß, dass ich (auch ohne Medikinet) leistungsfähig genug bin, da ich bis vor der Depression fast alle Prüfungen (mit gewissen Leistungsdruck im Nacken, ja ich bin stinkfaul  :breitgrinse1:) halbwegs gut bestanden habe. Doch jetzt bringt mir der Leistungsdruck nichts, sondern schwächt mich noch mehr :811:
Jetzt bekomme ich, sobald ich mich wieder selbst blockiere, nichtmal mehr die einfachsten Informationen in den Kopf.
Einen Termin beim Fachspezialisten kriege ich frühstens im halben Jahr.
Mit Medikinet wird das leider nichts ... das wird jede Menge unverarbeiteter Kram sein, der doch ganz gerne mal wieder zwischendurch an die Oberfläche kommt 
Klingt für mich etwas wirr.

Nimmst du aktuell Medikinet oder nicht?

Wenn ja: Hast du den Eindruck das bringt sowieso nix? => Ist möglich, es kann sein daß du nach deinem Depri-Absturz eine neue Dosis brauchst.

Wenn nein: Willst du es wieder nehmen, aber es scheitert am erst so spät möglichen Facharzttermin? Oder lehnst du es ab weil du überzeugt bist es auch "ohne" zu können?

Was auch immer der Fall ist:

Wenns am Termin klemmt: Arztsuche hier im Forum nutzen, nach weiteren Fachärzten suchen, die für dich in erreichbarer Entfernung sind, telefonieren und versuchen dort einen früheren Termin zu kriegen. Wenn es alte Berichte mit der Diagnose oder/und früherer Medi-Dosis gibt können die helfen bei einem neuen Behandler das Verfahren zu beschleunigen. Vielleicht hilft auch dringlich machen bei dem Arzt wo du ein halbes Jahr warten sollst - evtl Hilfe von der psychologischen Studienberatung erbitten um die Dringlichkeit zu erklären?

Wenn du die Medikation ablehnst: Warum willst du dir ausgerechnet nach einem Depri-Absturz, durch den du offensichtlich komplett dekompensiert hast auf die Unterstützung von Medikamenten, die dir helfen könnten, deine Selbstorganisation, deine gefühlsregulation etc wieder auf ein Vor-Absturz-Level zu bringen verzichten? Falscher Stolz?

Wenn die Medikation zwar vorhanden ist aber nicht hilft: Arzt konsultieren, Dosisanpassung besprechen. Vielleicht auch eine Kombination aus Antidepressivum und MPH bis du dich weiter stabilisiert hast?

Und zum schluß: was ist unverarbeiteter Kram? Für mich klingt das was du beschreibst nach typischer ADHS-Gefühlsachterbahn, die dann zu Gedankenkreisen, Hilflosigkeit, Scheixx-Gefühlen und Handlungsunfähigkeit führt. Das ist ADHS wie aus dem Bilderbuch.

Zumindest mir ging es sehr lange so, daß andere meine Gefühle (oder besser die Reaktionen die ich daraufhin zeigte immer wieder als unangemessen wahrnahmen - also habe ich mir selber die Gefühle verboten, sie eingesperrt, bis ich irgendwann merkte, daß ich geradezu an meinen unterdrückten Gefühlen erstarrte. Bei negativen Gefühlen völlig handlungsunfähig, da ging dann wohl nur noch das "Primitivprogramm" Kampf oder Flucht... und besonders erschreckend war, daß mit dem radikalen Unterdrücken der Negativ-Gefühle auch das Ausdrücken und leben der positiven Gefühle immer schwieriger wurde, was wiederum die Negativgefühle weiter verstärkt hat - denn wenn man sich nicht freuen kann muß man doch wohl traurig sein. Ich weiß noch nicht so recht, wie ich damit besser umgehen kann - aber ich kenne immerhin mal die "Baustelle". Und ich merke deutlich, daß MPH durchaus hilft, auch meine Gefühle besser wahrzunehmen, das schwierige ist zu lernen sie auch angemessen auszudrücken um nicht wieder  wegen nicht sozialkompatiblem Verhalten anzuecken wie es mir als Kind und Erwachsene ohne das Wissen um ADHS ständig passierte.
phoenix88
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Re: Studium kurz vorm Ende und doch ...

Beitrag von phoenix88 » 29. Januar 2014 14:59

Hallo eule,
ich habe zwar fast ein Jahrzehnt kein Medikinet genommen, aber heute morgen mit 20mg gemerkt, dass es scheinbar etwas bringt, nämlich dass meine Grübelphasen reduziert werden. Ich halte jetzt erstmal Rücksprache mit meinem Facharzt und werde dann beizeiten hier berichten wie es läuft.

Wünsche euch allen viel Erfolg!

lg
phoenix88
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Re: Studium kurz vorm Ende und doch ...

Beitrag von phoenix88 » 6. August 2015 19:00

Hey allerseits,

der letzte Beitrag hier ist zwar etwas her, ich hatte aber versprochen, mich zu melden. Ich kann ja mal kurz schildern, was seit 2014 passiert ist:
Ich habe das Ganze noch ein wenig weiterlaufen lassen, bis ich irgendwann eingesehen habe, dass ich mit der festgefahrenen Situation nicht wirklich vorwärts komme. Ich habe das Studium pausiert und erst in Teilzeit, dann hauptberuflich als Fabrikarbeiter angefangen. Parallel dazu habe ich mir einen Facharzt gesucht und mit absoluter Minimaldosis gearbeitet; nur so viel, um die Konzentration bei der Arbeit zu halten (da reichen bei mir 5-10 mg Medikinet). In diesem in sich geschlossenen Mikrokosmos aus Egoisten und Hartgesottenen habe ich dann schnell gemerkt, dass meine Schonhaltung mich nicht weiterbringt. Am Anfang wurde ich öfters ausgenutzt und hatte viel mit dem ganzen zwischenmenschlichen Stress unter Kollegen zu kämpfen. Das Hierachiegefälle mit der Chefetage kam natürlich dazu.

Doch ich wurde mit jedem Tag stärker und selbstbewusster (dabei hatte ich auch Hilfe von einer Kollegin). Ich legte meine ganzen negativen Glaubenssätze ab und entwickelte eine innere Sicherheit und Ruhe. Es ist mir inzwischen absolut egal, was andere Menschen über mich denken oder ob sie mich mögen oder hassen. Ich lebe mein Leben wie ich es will und damit hat sich's ...
Ich sehe die Welt nun aus einem völlig neuen Blickwinkel und bin froh, mich in die Höhle des Löwen begeben zu haben. Jetzt steht dem Universitätsabschluss nichts mehr im Wege.

Beste Grüße und noch einmal vielen Dank für die Tipps damals.
Zuletzt geändert von phoenix88 am 6. August 2015 19:01, insgesamt 1-mal geändert.
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Alina Licht
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Re: Studium kurz vorm Ende und doch ...

Beitrag von Alina Licht » 7. August 2015 20:45

Hallo Phoenix88,
das klingt wirklich toll!!  :ja1:
Ich drücke dir ganz doll die Daumen, dass es diesmal mit der Uni klappt!  :top:
Gruß, Alina
Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann von niemandem überholt werden! ;)

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phoenix88
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Re: Studium kurz vorm Ende und doch ...

Beitrag von phoenix88 » 8. August 2015 12:00

Danke Alina. Super Spruch in deiner Signatur übrigens :top:
lg
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