Studium und Prokrastination - Coaching? Selbsthilfe? Ghostwriter?

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marsipulami
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Studium und Prokrastination - Coaching? Selbsthilfe? Ghostwriter?

Beitrag von marsipulami » 4. Oktober 2019 14:03

Hallo zusammen,

ich bin jetzt 59 Jahre alt, komme frisch aus der Reha und möchte nun mein nebenberufliches Studium beenden.
Ich studiere seit 2013. Anfangs ging es relativ fix mit den Prüfungen. Präsentationen waren der Horror, ich hab das nur 2 x ausprobiert und mir so die schlechtesten Benotungen kassiert. Ein Rhetorik-Modul brachte den selbstbewußtlosen Hintergrund zutage, aber nur Übung macht bekanntlich den Meister. So dachte ich... Schriftliche Prüfungen habe ich einige mit Mitstudierenden zusammen geschrieben, die an meiner "Detailverliebtheit" schier verzweifelt sind, aber wegen beruflichem Background (Ergotherapeut, Krankenpflege) sehr gut gegensteuern konnten. Das war eine sehr gute Erfahrung!

Jetzt aktuell: Mir fehlen noch 2 Hausarbeiten und die Bachelorarbeit.

Dinge, die mir sehr schwer fallen:
- kontinuierliches Arbeiten - Zeitstruktur
- viel zu sehr ins Detail gehen - Verzetteln im Thema - 7 geforderte Seiten, und ich bin erst beim 2. Kapitel nach 7 Seiten
- keine Mitstudierenden mehr (alle fertig oder ebenfalls abgebrochen)
- Kontakt zu Profs ist sehr nett und unterstützend - will das aber nicht überstrapazieren und dann wiederholt (!!) keine Ergebnisse abliefern

- Bachelorthesis - noch nichts konkretes, Lieblingsthema ist besonders aufwendig und anspruchsvoll, die letzte Idee ist Ghostwriter suchen :roll:

Meine Fragen:
Hat schon mal jemand ADHS-Coaching in Anspruch genommen wegen so einer einmaligen Aufgabe?
Gibt es hier "Lern-Motivation-Aufschieberitis-Verzettelung"-Mitstreiter, mit denen eine Selbsthilfe-Gruppe möglich wäre? ist das eine gute Idee? Oder bringt das auch nichts?

Es gibt ein Buch "Heute fang ich wirklich an!" (https://books.google.de/books/about/Heu ... edir_esc=y) , was ich mir besorgt hatte. Ich finde aber, der Papierkram, der dadurch entsteht, ist echt massiv viel... Praktisch ist anders?

Wo hakt es? Habt Ihr noch Erfahrungen oder Ideen, die mich weiter bringen könnten?

Liebe Grüße
marsi
ULBRE
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Re: Studium und Prokrastination - Coaching? Selbsthilfe? Ghostwriter?

Beitrag von ULBRE » 4. Oktober 2019 14:30

Hallo Marsi,

da gibt es einiges was man/ Du tun könnte(st).
Um das richtige zu finden, hätte ich ein paar Fragen vorab:

Bist Du medikamentös gut eingestellt ?
Was nimmst Du, und wie ?

Was machst Du ausserhalb der Medis ?

Hast Du auch Lernprobleme (z.B: machst Du Fehler immer wieder, obwohl Du eigentlich weisst, dass es so nicht hinhaut) oder ist es nur die Antriebs-/Motivations-/Geduld-/Prokrastinationsschiene, die Dir Schwierigkeiten beim Studium bereitet ?

Hast Du Schlafprobleme ?

Viele Grüße

UlBre
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marsipulami
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Re: Studium und Prokrastination - Coaching? Selbsthilfe? Ghostwriter?

Beitrag von marsipulami » 4. Oktober 2019 15:16

Hallo und danke für die schnelle Nachfrage :wink:
ULBRE hat geschrieben:
4. Oktober 2019 14:30
Hallo Marsi,
da gibt es einiges was man/ Du tun könnte(st).
Um das richtige zu finden, hätte ich ein paar Fragen vorab:
ULBRE hat geschrieben:
4. Oktober 2019 14:30
Bist Du medikamentös gut eingestellt ?
Was nimmst Du, und wie ?
Ich denke ja. Seit einiger Zeit denke ich darüber nach, zusätzlich ein AntiDepressiva zu nehmen. Die Empfehlung kam im Dezember von meiner Psych. Ich wollte aber die Reha abwarten.
Seit etwa 2014:
Ritalin 20-0-0 Dabei vergesse ich morgens die Einnahme, so wie heute und es schleudert mich dann nur so durch den Tag...
ULBRE hat geschrieben:
4. Oktober 2019 14:30
Was machst Du ausserhalb der Medis ?
Im Moment bin ich ja noch arbeitssuchend. Ich mache 1 x Woche Gruppentherapie als Anschluss an die Reha (psyRENA) mit relativ unstabiler Teilnehmerzusammensetzung ohne Schwerpunkte. Sport habe ich noch nicht wieder angefangen - es kommt irgendwie immer etwas dazwischen. ThaiChi-Kurs muss ich ändern. dito. Meditation morgens und abends mache ich einigermaßen häufig (je 30 Min angeleitete Meditation über spotify)
ULBRE hat geschrieben:
4. Oktober 2019 14:30
Hast Du auch Lernprobleme (z.B: machst Du Fehler immer wieder, obwohl Du eigentlich weisst, dass es so nicht hinhaut) oder ist es nur die Antriebs-/Motivations-/Geduld-/Prokrastinationsschiene, die Dir Schwierigkeiten beim Studium bereitet ?
Lernen?? hm...
Ich mache alles, nur nicht das, was ich mir vorgenommen hatte. Timer, Kalender, Tomato-App oder nette Freunde sind leider keine Hilfe mehr. Ich war letztens in der EinÖde am Meer, da konnte ich dann 3 Stunden lesen-schreiben-lesen-schreiben... und danach Spazierengehen und alles loslassen - das hat sich sehr gut und "erfolgreich" und zufrieden angefühlt. Ähnlich war das ja auch in der Reha.
ULBRE hat geschrieben:
4. Oktober 2019 14:30
Hast Du Schlafprobleme ?
nein, eher nicht. Aber Entspannungsprobleme sind wieder da (siehe auch hier https://adxs.org/neurologische-aspekte- ... stination/)

Das blöde ist, dass ich so viele Methoden kenne und eigentlich ja weiss, wie es gehen könnte (Kopf) und trotzdem nicht gebacken kriege...(Bauch)
Ergo: Ich zieh nichts durch... verirre mich in einem völlig undisziplinierten Kindergartenverhalten! Irgendwas BLOCKIERT und ich krieg es nicht zu fassen!

LG
marsi
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Re: Studium und Prokrastination - Coaching? Selbsthilfe? Ghostwriter?

Beitrag von ULBRE » 4. Oktober 2019 16:20

Hallo Marsi,

Danke für die Info.
Ritalin - unretaridert oder retardiert ?

Erstens:
Unretardiertes wirkt 2 1/2 bis 3 Stunden, retardiertes vielleicht 5 bis 6.
Selbst bei letzterem ist Dein nachmittag unmedikamentiert.
Das ist schon mal der erste Bug und klingt nach nem Doc der ansonsten eher Schulkinde behandelt, und das eher schlecht: als ob es reichen würde, wenn die Kids die Schule überstehen...
Dass Du Nachmittags nichts mehr lernen kannst wundert also nicht.

Zweitens:
Mittel der ersten Wahl bei Erwachsenen ist inzwischen Elvanse (Amphetaminmedikament).
Die Effektstärke ist etwas höher und die Nebenwirkungen sind geringer.
MPH ist nur noch bei Kindern und Jugendlichen erste Wahl.
Elvanse (Elvanse adult ist identisches Zeug, nur anders verpackt und anders dosiert) wirkt 10 bis 12 Stunden, damit wäre dann auch die Ganztagesabdeckung gegeben.

Bei AD(H)S sind aufgrund der Stressbelastung die neuroptrophen Faktoren (BDNF und co) verringert. Die braucht es aber für die Neuroplastizität, und die ist das Grundmodell von lernen (Ausbildung neuer Synapsen).

Meditation und TaiChi sind prima als Achtsamkeitstraining, um das Gleichgewicht von denken und fühlen wieder herzustellen (wieder mehr fühlen)

Aerober Sport ist super gegen Stimmungsprobleme und erhöht die Stressresistenz.
Sinnvoll wären 4 x 30 Minuten / Woche joggen - oder so was ähnliches.


Einöde hilft ? Klar, die Reizüberflutung geht runter.
Kannst Du in Deinem Alltag die Reizüberflutung reduzieren ?

Prokrastination ist das häufigste Symptom bei AD(H)SD - häufiger als Aufmerksamkeitsprobleme oder Hyperaktivität.
Wird besser, wenn Du vernünftig einmedikamentiert bist.

Wie ist es denn Vormittags, also in den Stunden nach der Ritalineinnahme ? Läuft es da rund oder nur besser ?
Gegebenenfalls ist die Dosis einfach zu niedrig...

So viel mal als erste Ideen

Viele Grüße

UlBre
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marsipulami
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Re: Studium und Prokrastination - Coaching? Selbsthilfe? Ghostwriter?

Beitrag von marsipulami » 4. Oktober 2019 19:03

Hallo UlBre,

das Ritalin ist adult 20 mit veränderter Wirkstofffreisetzung
Der Doc hatte anfangs mal 20-10-0 angesagt und ich hab die 10 mittags gar nicht gemerkt, bzw. das hat sich eher kontraproduktiv (müde irgendwie) angefühlt. Deswegen hab ich das dann wieder sein lassen.

Am Dienstag nächste Woche will ich mit der (neuen) Psych in der Ambulanz über das weitere Vorgehen / Reha-erfolg etc. sprechen... Genau dafür sind Deine / Eure Ideen im Moment sehr gut.
1. Medikament wechseln??
2. Dosis ändern
3. Einzeltherapie? Aber die Suche ist auch wieder extrem laaaangwierig und ich hab das jetzt schon 3 mal durch mit fast NULL erfolg.
4. Tagesklinik mit "Innerem Kind"-Arbeit in der Nachbarstadt
Kannst Du in Deinem Alltag die Reizüberflutung reduzieren ?
In meiner Umgebung zu Hause lenkt mich :!: EIGENTLICH :!: gar nichts ab, außer der Haushalt, der Briefträger, die Katzen, die ungespülte Tasse im Treppenhaus von gestern ... (ihr wollt jetzt wirklich keine Liste :lol: )
Alle sind arbeiten oder in ihrem eigenen Zimmer (Wohngemeinschaft) und / oder stören mich nicht - wenn mein Schild "I am eating my daily frog!" an der Tür hängt.

Generell bin ich thematisch in so Sachen drin wie Eltern pflegen, erwachsenes Kind aus dem Eltern- bzw. Mutterhaus heraus begleiten, Arbeitsamt + Jobsuche ... also kleine Zeitfresserchen, die ich nicht "im Griff" habe.
Wird besser, wenn Du vernünftig einmedikamentiert bist.
Das lässt hoffen!!
Wie ist es denn Vormittags, also in den Stunden nach der Ritalineinnahme ? Läuft es da rund oder nur besser ?
Ich muss mich zwingen - und hab den Eindruck schon wieder in die Depression reinzurutschen....
Mit Ritalin geht aber das Dranbleiben - Sitzenbleiben - Detailverliebtsein (Fokussierung auf facebook-Einträge :oops: ...) viel eher als ohne. Ich vergleiche das mit einer Fahrt von A nach B über Autobahn (Ritalin) oder über die Dörfer (ohne Ritalin).

...
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Re: Studium und Prokrastination - Coaching? Selbsthilfe? Ghostwriter?

Beitrag von ULBRE » 5. Oktober 2019 00:06

Hi,

klingt alles ganz logisch.

Hast Du mal höher dosiert als 20 als Einzeldosis ?
Falls nein, würde ich mal 25-15-0, antesten, und die Einzeldosen weiter erhöhen, bis es mal drei Dosissteigerungen hintereinander schlechter wurde.
Ja, fühlt sich scheisse an - ist aber ein Invest in Deine Zukunft, das sich tausendfach auszahlt...


Wenn Du 20-10-0 aufgeschrieben bekommen hast, aber nur 20.0-0 nimmst ist also nicht der Doc das Problem,sondern der Patient.
Das ist gut, dann musst Du da nicht weg...

Ich würde trotzdem primär auf einer Verschreibung des Mittels der ersten Wahl bestehen (als Patient hast Du darauf einen Anspruch).
Und dann Elvanse gaaaanz laaangsaaaaam und geduldig (falls unbekannt: nachlesen, so was gibt es. Kann man aber auch faken, indem man sich einfach während der Eindosierung so verhält als hätte man welche, und stur dem Eindosierungsplan folgt... *grins*) eindosieren.
Dann musst Du nur einmal am Tag was nehmen und kannst den Verlauf wesentlich besser vergleichen.

Starte mit einmal 10 mg morgens (wahrscheinlich merkst Du nix - macht nix, aber Dein Körper kann sich an das Zeug gewöhnen, was Du merkst, indem Du einfach keine / weniger Nebenwirkungen kriegst).
Wenn 2 Tage lang völlig ok, recht schnell auf 15 und dann auf 20 hochgehen.
Ab da solltest Du mindestens 4 bis 5 Tage auf einer Stufe bleiben und dann jeweils in 5mg-Schritten hochgehen.

Kapseln dazu öffnen und hier im Forum zur Aufteilung nachlesen.
Docs haben meist nix dagegen, wenn man langsamer macht als möglich.
Du kannst aber Nachteile haben, wenn Du schneller machst als nötig.

Wenn Du das durchgezogen hast und bei 40 oder 50 oder 60 mg / Tag deutlich zuviel hast, hast Du Deine ideale Dosis gefunden.
Herzliche Glückwunsch !

Dann klappts auch mit dem Studium.
(Wahrscheinlichkeit dafür: ich schätze mal 70 bis 80 %.)
Garantie ? Keine. Aber Lotto hat schlechtere Quoten, und das spielen Millionen, jede Woche...

Und die Superzahl gibts auch noch: Elvanse wirkt deutlich antidepressiver als MPH.
Angemessen hohe Dosierung erhöht Antrieb und Stimmung, bis zu normalen Werte.

Viel Erfolg ! Und berichte mal :-)

VG

UlBre
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Elwirra
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Re: Studium und Prokrastination - Coaching? Selbsthilfe? Ghostwriter?

Beitrag von Elwirra » 5. Oktober 2019 07:26

marsipulami hat geschrieben:
4. Oktober 2019 15:16

Das blöde ist, dass ich so viele Methoden kenne und eigentlich ja weiss, wie es gehen könnte (Kopf) und trotzdem nicht gebacken kriege...(Bauch)

LG
marsi
Oh ja manchmal sieht man vor lauter Methoden die einfachsten Möglichkeiten nicht mehr, oder sie wecken in einem nicht mehr die Motivation, die diese zu Beginn weckten.

So wie es sich anhört, scheinst du aber trotzdem im ganzen Gewusel dein Leben noch irgendwie hinzubekommen.
Was bringst du an Fägihkieten mit, dass es dir trotzdem gelingt ?

@Ulbre bezüglich Medikation
Unabhängig zu Elvanse

Wenn Ritailin Adult mit der zweiten gabe zu müde macht ?
Kann es sein das es vielleicht kurzfristig überdosiert ist ? Ritalin Adult steigt ja laut Grafik zum Ende hin noch mal stark an. Ich fühlte mich mich z.B. Ritalin Adul z.B zum Ende hin überdosiert.?

@Marsi..
Was waren deine Einname Zeiten?

Und könntest du Unretradierets Bekommen um gezielter die Dosis zu ertasten ?
„An alle die behaupten, sie wüssten wie der Hase läuft:.......... "Er hoppelt!“ ;)
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Raupi
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Re: Studium und Prokrastination - Coaching? Selbsthilfe? Ghostwriter?

Beitrag von Raupi » 5. Oktober 2019 10:36

... ja und Elvanse ist noch gleichmäßiger...
LG, Raupi

"Wait, have I been talking to myself this whole time? Well, that's embarrassing."
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Re: Studium und Prokrastination - Coaching? Selbsthilfe? Ghostwriter?

Beitrag von ULBRE » 5. Oktober 2019 17:20

Hallo Elwirra,

Marsi schreib, dass er bei 10 mg Nachmittags müde sei, die 20 mg morgens tun aber...
Da würde ich mal vermuten, dass die 10 zu wenig sind, zumal es für MPH nicht gerade typisch ist, müde zu machen.
Aber es gibt es ja immer mal wieder, dass bei einer Dosis negative Symptome auftauchen, die bei einer höheren Dosierung wieder verschwinden.

Die andere Variante ist, dass das konkrete MPH-Präparat nicht vertragen wird.
AD(H)S-betroffene sind ja fast immer auch hochsensibel und reagieren daher sehr feinsinnig auf unterschiedliche Präparate.
Ich kenne es, dass die einen auf Präparat 1 aggressiv und auf Präparat 2 super ansprechen und bei anderen ist es genau andersherum. Dabei ist Aggressivität nur ein beliebiges Beispiel.
Wer mit seinem MPH nicht total gut zurecht kommt sollte immer noch ein paar andere durchprobieren, ob sie besser tun.
Ist ne langwierige Testerei, ja, aber ich glaube, das lohnt sich....

LG

UlBre
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Elwirra
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Re: Studium und Prokrastination - Coaching? Selbsthilfe? Ghostwriter?

Beitrag von Elwirra » 5. Oktober 2019 17:52

Ja da hast du recht, ich hab ja auch schon so meine Erfahrungen mit den MPH Präparaten gemacht ;)
„An alle die behaupten, sie wüssten wie der Hase läuft:.......... "Er hoppelt!“ ;)
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marsipulami
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Re: Studium und Prokrastination - Coaching? Selbsthilfe? Ghostwriter?

Beitrag von marsipulami » 5. Oktober 2019 18:05

Hallo zusammen,

es gibt sehr gute Neuigkeiten!

1. Ich bin beglückt über das vorsichtige Anbahnen einer "Lern-Und Hausaufgaben-Gemeinschaft" (mehr verrate ich noch nicht). :jubeln:

2. Hat es sich ergeben, dass sich ZUFÄLLIG ein Freund wieder eingefunden hat, der mein Problem vor Jahren schon mal "bearbeitet" hatte - leider wegen der Widerwilligkeiten meines Inneren und Äußeren sehr fruchtlos.
Er gab mir gestern Abend evtl. entscheidende Tipps zur praktischen Umsetzung!
...der steht jetzt hinter mir!! :aufsmaul:

Dazu später mal mehr. Lieber als PN.

Zu Medis:
In der kommenden Woche ist mein erster Termin nach der Reha bei der (neuen) Ärztin. Dort werde ich das Elwanse- / Ritalin- / AntiDepressiva- Gedöns ansprechen. Neu deshalb: Sie ist die Nachfolgerin meiner "Diagnostikerin" und ich kenne sie noch gar nicht gut. Bin gespannt, ob wir uns verstehen werden.
Ich werde Eure Einwände und Ideen dort einbringen.

Frage an die Dienstälteren hier:
Gäbe es eine Möglichkeit zu einem internen Forumsbereich für diese Lerngruppe??

@Elwirra:
So wie es sich anhört, scheinst du aber trotzdem im ganzen Gewusel dein Leben noch irgendwie hinzubekommen.
Was bringst du an Fägihkieten mit, dass es dir trotzdem gelingt ?
naja... das erkenne ich erst jetzt nach der Reha wirklich an, was ich da so alles kann und wer ich so bin. (Dieses "Selbstbewußtlos" ist so grandios Sch...! Auch eine "Selbstwirksamkeitserwartung" befand sich auf den Nullpunkt!) Meine Fähigkeiten? :verlegen: Das kann ich immer noch nicht so benennen... Ich bin neugierig und wohl auch ziemlich intelligent :oops: Daher habe ich beruflich z.B. Weiterbildungen gemacht oder auch in der praktischen Arbeit (Job und Familie) alles Wissen/Können ins Boot geschmissen ... Meinen Ausbildungsberuf mutigerweise und richtigerweise aufgegeben! War aber auch über 10 Jahre mit eigenem Betrieb selbstständig... Das innere Gefühl dazu - diese Sicherheit, dass ich RICHTIG bin / oder Zutrauen zu meinen Fähigkeiten / da arbeite ich noch immer dran ... Aber auch damit bin ich nicht alleine. Persönlichkeitsentwicklung hat ja Hochkonjunktur!! ( ... allein 6 Titel in der Oktober-Bestsellerliste: https://www.spiegel.de/kultur/literatur ... 53537.html)

ganz liebe dankbare Grüße
Marsi
ULBRE
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Re: Studium und Prokrastination - Coaching? Selbsthilfe? Ghostwriter?

Beitrag von ULBRE » 5. Oktober 2019 22:02

Selbstbewusstlos ?
Du weisst doch einiges über Dich ?

Das Problem mit dem Selbstvertrauen löst sich bei AD(H)S mit eiere vernünftigen Eindosierung ebenfalls zu einem guten Teil:
https://adxs.org/symptome-von-adhs/vert ... s-symptom/
Das ist nämlich viel weniger "erfahrungsgetrieben" und deutlich mehr "neurotransmittervermittelt" als man meinen könnte.

Viele Grüße und viel Erfolg :-)

UlBre
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Falschparker
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Re: Studium und Prokrastination - Coaching? Selbsthilfe? Ghostwriter?

Beitrag von Falschparker » 5. Oktober 2019 22:49

Ulbre, du hast recht mit den Medikamenten, einerseits. Ohne Medis fällt mir das Arbeiten auch schwerer, ich schweife leichter ab, und mitunter merke ich gar nicht was ich so mache. :lol:

Von daher, gute Medikamenteneinstellung über den Tag ist schon wichtig.

Aaber: Gegen das Aufschieben helfen die Medis bei mir fast gar nicht! :(

Da hilft letzlich nur extremer Termindruck. Und das ist natürlich unbefriedigend.

Marsupilami, es gibt in deiner Stadt vielleicht eine Ergotherapeutin die sich mit ADHS beschäftigt? Die hatte vielleicht noch keinen Erwachsenen, aber es gibt ja immer ein erstes Mal.

Die dann bereit wäre zu ein paar Ortsterminen bei dir?

Nur so eine Idee. Ich habe das auch noch nicht ausprobiert.
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Re: Studium und Prokrastination - Coaching? Selbsthilfe? Ghostwriter?

Beitrag von ULBRE » 6. Oktober 2019 00:09

Hallo Falschparker,

nach dem aktuellen Stand meiner Medikamentenumfrage hilft Elvanse in fast allen Symptomen besser als MPH - auch bei Prokrastination.
Ja, bei Prokrastination sind beide nicht DER Bringer (AMP 1,25, MPH 0,85), und ja, die Umfrage ist weit von einer Repräsentativität entfernt...

Der Schlüssel ist:
0 - unverändert
1 - leicht verbessert
2 - deutlich verbessert
3 - stark verbessert
4 - sehr stark verbessert

Was man aber sagen kann, ist, dass MPH bei manchen ganz gut und bei den meisten eher gar nicht bei Prokrastination hilft.
Es gibt bei beiden Medis Betroffene, die eine starke Verbesserung der Prokrastination nannten.
Wie gesagt, total unrepräsentativ...

Bei der Gelegenheit: jeder, der ein Medikament und seine Wirkung auf die AD(H)S-Symptome reporten könnte, würde mithelfen, das Rätsel ein bisschen weiter zu lüften.
https://adxs.org/medikamentenumfrage/

Herzlichen Dank !

UlBre
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Re: Studium und Prokrastination - Coaching? Selbsthilfe? Ghostwriter?

Beitrag von chaossuse » 8. Oktober 2019 00:08

Hallo marsipulami, ich würde dir gerne helfen, wenn ich nur wüsste wie...
Ich ahne, wie du dich fühlen musst. Bin momentan in einer ähnlichen Situation... Mir fehlt nur noch ein Praktikum und die Thesis.
Dazu müsste ich nur Bewerbungen schreiben, aber das verdränge ich erfolgreich jeden Tag, schon seit sehr langer Zeit. Ich hab es eigentlich schon fast aufgegeben. Und wenn ich mir das so überlege, was ich in dem Studium schon geleistet habe und es hakt einfach an so etwas... :oops: :oops:

marsipulami hat geschrieben:
4. Oktober 2019 14:03
Meine Fragen:
Hat schon mal jemand ADHS-Coaching in Anspruch genommen wegen so einer einmaligen Aufgabe?
Ich habe das Online-Coaching von Dr. Sabine Krämer angefangen, ist aber kein persönliches. Bin auch noch am Anfang. :roll: Also kann ich dir nicht sagen, ob es bei Prokrastination hilft.

marsipulami hat geschrieben:
4. Oktober 2019 14:03
Gibt es hier "Lern-Motivation-Aufschieberitis-Verzettelung"-Mitstreiter, mit denen eine Selbsthilfe-Gruppe möglich wäre? ist das eine gute Idee? Oder bringt das auch nichts?
Ich bin Mitstreiter, aber ich weiß nicht, ob ich in einer Selbsthilfegruppe hilfreich wäre. :D
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Re: Studium und Prokrastination - Coaching? Selbsthilfe? Ghostwriter?

Beitrag von marsipulami » 10. Oktober 2019 10:50

Guten Morgen,

ich hab Euch nicht vergessen, sondern lag grippig darnieder. Heute geht es wieder einigermaßen.

Zwischenergebnisse bei mir:
1. der FREUND (der mich unterstützt :aufsmaul:) ist weiter dabei: Jeden Abend Rückmeldung über die geleistete Tagesarbeit und LOB :jubeln: abholen.
2. der Termin bei der Ärztin:
a.) Sie würde Elvanse verschreiben. Hat aber Bedenken wegen der hohen Anfangsdosis, weil ich jetzt so wenig Ritalin nehme. Nächster Termin Anfang November.
b.) Sie schlägt auch eher Ergotherapie als Einzeltherapie vor, um genau dieses Problem zu lösen.
3. Ich habe eine Tipp zu der Organisationssoftware TRELLO bekommen. Die APP läuft auf allen Systemen und kann sowohl allein, mit/ohne Beobachtern oder in Gruppen genutzt werden. Derzeit nutze ich das noch alleine und ohne Beobachter.

Für mich ist die persönliche Reaktion und "Aufsicht" das, was mich (im Moment) bestärkt dran zu bleiben. Das muss auch wirklich täglich verlässlich passieren oder halt mit verabredeten Pausen.

@ULBRE + raupi + weitere
Elvanse: Hab jetzt viel drüber gelesen und hoffe sehr, dass ich es doch noch bis zur Bachelorthesis und zum Abschluss bringe
(Wahrscheinlichkeit dafür: ich schätze mal 70 bis 80 %.)
Garantie ? Keine. Aber Lotto hat schlechtere Quoten, und das spielen Millionen, jede Woche...
@Falschparker
Ergotherapie werde ich suchen... die letzten beiden Erfahrungen damit waren leider eher nicht so prickelnd (2x war die Antwort auf meine Probleme ein "Wie plane ich meinen Tag/Woche/Monat"-Einzelkurs und spürbares leichtes Genervtsein, warum ich das nicht "einfach mache")

@chaossuse
Sabine Krämer guck ich mir an https://start.selbsthilfe-programm.de/
Dazu müsste ich nur Bewerbungen schreiben, aber das verdränge ich erfolgreich jeden Tag, schon seit sehr langer Zeit. Ich hab es eigentlich schon fast aufgegeben.
Eins meiner Lieblingsablenkungsmanöver ist, anderen zu helfen, weil es so schön SOFORT-Belohnung gibt! :P Ist das bei Dir nicht so?
PN?

so... jetzt müsste ich schon eine Stunde an der Hausarbeit schreiben :roll:
Aber heute Abend zählt nur das Ergebnis :mrgreen:

Allen einen schönen Tag
Marsi
K_Punkt
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Re: Studium und Prokrastination - Coaching? Selbsthilfe? Ghostwriter?

Beitrag von K_Punkt » 10. Oktober 2019 12:02

Bin in einer ähnlichen Situation, weil such meine Abschlussarbeit seit Monaten einfach nicht von selber schreibt.
Habe von zwei Mitarbeitern aus der Uni, die mich sehr gut kennen und über mein ADS Bescheid wissen, das Angebot, nein ehr die Anweisung bekommen, mich in deren Büro zu setzen und sie würden schon dafür sorgen, dass ich endlich anfange zu schreiben.
Mir ist aber klar, dass ich in einem Büro, wo ständig Menschen mit interessanten Anliegen auftauchen, bestimmt keine Ruhe und Konzentration finden werde.
Habe daher darum gebeten, dass sie mir jeden Montag eine Aufgabe geben und diese am Freitag kontrollieren sollen.
Haben sich darauf eingelassen, mit der Drohung, dass wenn ich die Aufgabe nicht fertig habe, ich ab dem nächsten Tag im Büro sitzen muss.
Und was soll ich sagen, hab seit Dienstag schon zwei Seiten geschrieben und muss bis Freitag Mittag nur noch eine weitere.
Bin den beiden sehr dankbar und auch etwas gerührt,dass sie anscheinend mich zum richtigen Zeitpunkt am der richtigen Stelle angefasst haben.

Gruß K.
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Elwirra
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Re: Studium und Prokrastination - Coaching? Selbsthilfe? Ghostwriter?

Beitrag von Elwirra » 10. Oktober 2019 14:49

In manchen ADHS Büchern steht diese "motivationshilfe" als hilfreiche Option benannt.

Dies sollten viel mehr Therapeuten anwenden und sich nicht darauf beruhen dass man sich selber motivieren muss und sich nicht abhängig machen soll. Wir sind ja eigenständige persönlichkeiten und diese Form von Unterstützung gibt ja nur unserem Gehirn struktur und Orientierungshilfe.

Es sollte eigentlcih das Therapeutische Coaching Hilfsmittel erste Wahl werden ;-) :lol:
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