"Aufschieberitis" im Job oder auch: Wie manage ich eintönige Arbeiten?

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BlueTardis
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"Aufschieberitis" im Job oder auch: Wie manage ich eintönige Arbeiten?

Beitrag von BlueTardis » 9. August 2019 19:25

Hey Ho,

Ich bin erst seit ein paar Tagen dabei,
aber dachte mir, dass ich hier einfach mal nach Rat frage, da hier sicherliche viele Leute Erfahrung mit ADS (oder ADHS) im Berufsleben haben.

Ich arbeite in einem mittelgroßen Hotel als Rezeptionist.

Meine Ausbildung war ziemlich abwechslungsreich, weil ich regelmäßig zwischen den verschiedenen Abteilungen hin- und hergesprungen bin. Für ein paar Wochen an der Rezeption, dann ein paar Monate im Housekeeping, kurz im Restaurant und wieder an der Rezeption.

Ich hatte das Talent mich relativ fix in die verschiedenen Abteilungen enizuarbeiten, aber hab's nie zur Perfektion gebracht und bin auch später durch Flüchtigkeitsfehler und mangelnde Konzentration aufgefallen.

Ich habe mich immer wieder mit innovativen Ideen eingebracht und Arbeitsweisen hinterfragt die einfach etabliert waren. Gerade den eher Computer-Unerfahrenen Kollegen konnte ich so ein paar Arbeiten erleichtern (bsp. durch das Einrichten von Outlook-Signaturen und Textbausteinen) was eher gemischt gut ankam ^^

Dann war ich "Feuerwehrmann" für die verschiedenen Hotels unserer Kette.
In meiner Ausbildungszeit durfte ich in einem anderen unserer Hotels aushelfen, was super funktioniert hat.
Deshalb kam dann der Vorschlag zu dieser besonderen Stelle (die es sonst so nirgends gibt).
Ich konnte mich auch hier immer wieder schnell einarbeiten und habe mich super mit den Kollegen verstanden.

Jetzt bin ich seit knapp 2 Jahren fix in einem unserer Hotels, da ich zu meiner Freundin gezogen bin.
Allerdings merke ich so langsam, dass die Arbeit beginnt extrem eintönig zu werden.

Konnten die Kollegen früher gut verstehen, dass ich das System etc. nicht perfekt beherrsche, weil ich ja immer maximal für ein paar Monate in den Hotels war, ist dieses Verständniss jetzt wo ich tagtägich im gleichen Hotel bin so langsam aufgebraucht.

Ich merke auch, dass ich immer wieder die langwierigen Aufgaben die mir einfach zu eintönig sind, vor mir her schiebe, bis ich sie dann entweder garnicht mehr schaffe, oder dann nur flüchtig und hektisch in den letzten Minuten meiner Arbeitszeit.

Am Schlimmsten ist bsp. das Kontrollieren der Reservierungen:
Ordner mit den Reservierungen nehmen, Liste mit allen anreisenden Gästen heraussuchen und dann Schritt für Schritt jede einzelne schriftliche Reservierung abgleichen mit den Eingaben die im System hinterlegt sind.

Was ich am Beruf aber liebe ist die Komponente die immer anders ist: der Kontakt mit den Gästen.
Ich helfe super gerne, wenn ein Gast Location XY besuchen möchte und nicht weiß wie er dort hinkommt.
Oder wenn Probleme auftauchen oder irgendwo anders Hilfe benötigt wird.

Ich habe auch einen wirklich guten "großen" Chef (der nicht hier vor Ort ist, aber gelegentlich vorbei kommt), der mich immer gefördert hat und sich meine Ideen anhört und diese Wertschätzt - so habe ich auch einige Freiheiten bestimmte Sachen umzusetzen. Dazu kommt, dass ich immer wieder kleine interessante Aufgaben bekomme, bzw. unterstützt werden wenn ich mir selbst etwas suche.

Nichts desto trotz stört mich immens, dass ich es nicht schaffe diese vermeintlich einfachen Aufgaben zu erledigen. Oft schiebe ich sie den ganzen Tag vor mir her, manchmal auch auf den nächsten Tag.
Gerade wenn weniger zu tun ist, verstehen dann aber auch die Kollegen nicht, warum ich meine Aufgaben nicht erledigt bekommen habe...

Sorry für den langen Einleitungstext - hier die Fragen:

Habt ihr einen Tipp für mich, wie ich mich zu diesen eintönigen Aufgaben motivieren kann?
Wie schaffe ich es meine Aufgaben (die ja alle anderen Kollegen auch rechtzeitig erledigen können) innerhalb der vorgesehenen Zeit zu erledigen?
Sollte ich ggf. meiner direkten Chefin von meiner ADS Diagnose (die jetzt ca. eine Woche alt ist) erzählen, damit sie etwas besser nachvollziehen kann, dass ich das nicht mit Absicht mache, wenn ich zum 1000sten Mal eine Reservierung falsch bearbeite, irgendwelche anderen Flüchtigkeitsfehler mache oder Aufgaben vergesse zu erledigen?
Habt ihr sonst noch andere Ideen?

Danke nochmal für's durch den Text kämpfen ;-)
Der Beobachter
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Re: "Aufschieberitis" im Job oder auch: Wie manage ich eintönige Arbeiten?

Beitrag von Der Beobachter » 14. August 2019 10:36

Ich bin auch in einem Betrieb beschäftigt mit verschiedenen Abteilungen. Da bin ich am liebsten auch "Springer", gibt mir am meisten Abwechslung. Wenn es richtig "brennt" (Personalengpass, viel Kundschaft) hab ich es am liebsten. Ein wenig Hektik. Aber dann bleibt bei mir der Kopf bei der Sache. Und einer nach dem anderen abarbeiten, resp. bedienen. Das ist dann das, wenn ich direkten Kundenkontakt habe. Aber auch da: Wenn ich da richtig in Fahrt bin, mag ich absolut keine Ablenkung haben - etwas, dass mich aus dem Ablauf bringt. Verstehst Du, was ich meine?

Zwischendurch gibt's dann aber auch Backoffice, mit teilweise langweilligen Routine-Arbeiten oder auch anspruchsvollere Tätigkeiten. Da ist es immer so eine Sache. Im Prinzip gehen die Routine-Tätigkeiten ja schnell. Ich probiere immer, diese Tätigkeiten am frühen Morgen zu machen. Computer aufstarten, Café holen und loslegen. Dann gibt's dann aber immer wieder SItuationen, wo man bei der Arbeit gestört wird. Sei es durch das Telefon, oder andere Mitarbeiter, die auch was wollen von mir. Das bringt einem dann auch aus dem Konzept. Was mir dann auch vielfach noch hilft ist, Outlook wieder schliessen, denn ankommende Mails sind auch Ablenkung/Störfaktoren.

Bei den anspruchsvolleren Tätigkeiten probiere ich immer, die auf den späteren Nachmittag zu verlegen. Dann sind die Störfaktoren geringer (wir erhalten externe Telefonanrufe eher am Morgen) und man kann eher dabei bleiben, ohne dass man abgelenkt wird. Hier aber auch: Keine Regel ohne Ausnahme... :lol:

Tagesplanung habe ich im Backoffice aufgehört zu machen, kann das sowieso selten erreichen und das stresst dann nur. Was mir hilft, ist eine Wochenplanung. Und eben eine gewisse Tagesstruktur, gerade auch für die langweilligen Arbeiten.
LG
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Re: "Aufschieberitis" im Job oder auch: Wie manage ich eintönige Arbeiten?

Beitrag von MiApp » 14. August 2019 12:44

Hey, sorry, ich wollte dir eigentlich antworten und habs dann vergessen..... :oops:
Naja, eigentlich kann ich dir eh keinen richtigen Ratschlag geben.... ob man den Chef informiert oder nicht ist wohl eine sehr individuelle Sache und muss gut überlegt sein.... aber das weißt du ja selber.....
Was ich nur sagen wollte ist.... ich finde es total schade, dass es nicht allgemein in der Gesellschaft und im Arbeitsleben mehr akzeptiert wird, dass es Personen gibt, die manche Dinge gut können und andere Dinge dafür vielleicht nicht so gut. Dafür gibt es ja andere Personen, bei denen das vielleicht gerade anders rum ist. Also die lieber eine ruhige, eintönige Arbeit machen, aber dafür nicht so gestresst werden wollen, wenns schnell gehen muss etc. Ich glaube insgesamt würde vieles besser funktionieren, wenn mehr auf die Stärken der einzelnen geachtet werden würde... natürlich geht es nicht immer, z.B. wenn ein Betrieb nur wenige Angestellte hat. Oder es kann auch nicht sein, dass einer dann auch noch die Hälfte der Arbeit des anderen übernimmt, denn er hat ja seine eigenen Aufgaben. So meine ich es nicht. Ich meine wirklich mehr im Sinne von gegenseitiger Hilfe bzw. Aufgabenverteilung so dass sie zu den individuellen Stärken passen....
Naja... ich hab jetzt noch die Antwort von Der Beobachter gelesen.... ich find die gut.... besser als meine sicherlich... Ähm, ja, aber der Punkt war mir wichtig.
Der Beobachter
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Re: "Aufschieberitis" im Job oder auch: Wie manage ich eintönige Arbeiten?

Beitrag von Der Beobachter » 14. August 2019 13:31

MiApp hat geschrieben:
14. August 2019 12:44
Hey, sorry, ich wollte dir eigentlich antworten und habs dann vergessen..... :oops:
Hihi, das ging mir auch so. Hab den Beitrag auch am Wochenende gelesen, keine Zeit gehabt, gleich zu antworten und dann wieder vergessen...
MiApp hat geschrieben:
14. August 2019 12:44
Ich glaube insgesamt würde vieles besser funktionieren, wenn mehr auf die Stärken der einzelnen geachtet werden würde... natürlich geht es nicht immer, z.B. wenn ein Betrieb nur wenige Angestellte hat. Oder es kann auch nicht sein, dass einer dann auch noch die Hälfte der Arbeit des anderen übernimmt, denn er hat ja seine eigenen Aufgaben. So meine ich es nicht. Ich meine wirklich mehr im Sinne von gegenseitiger Hilfe bzw. Aufgabenverteilung so dass sie zu den individuellen Stärken passen....
Naja... ich hab jetzt noch die Antwort von Der Beobachter gelesen.... ich find die gut.... besser als meine sicherlich... Ähm, ja, aber der Punkt war mir wichtig.
Deine Antwort ist auch gut, sie ergänzt nämlich bestens meine! ;) Muss dazu sagen, ich habe auch eine Vorgesetzten-Funktion inne. Dh. ich probiere schon seit langem, meine Mitarbeiter ein wenig nach ihren Fähigkeiten einzusetzen. Ich mache das eigentlich schon immer so und vertrete auch diese Meinung gegenüber meinen Vorgesetzten. Meine Erfahrung ist aber, dass die nicht immer meiner Meinung sind - so nach dem Motto: Der Mitarbeiter muss doch alles können. Finde ich eben nicht und ich handle dann danach. Ich werde jedenfalls, zumindest von meinen Mitarbeitern, sehr geschätzt. Und ich ecke dann dafür bei meinen Vorgesetzten an, wenn ich meine MItarbeiter verteidige. Aber egal, ich fahre so gut damit.
LG
Max
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Re: "Aufschieberitis" im Job oder auch: Wie manage ich eintönige Arbeiten?

Beitrag von EinMax » 14. August 2019 19:55

MiApp hat geschrieben:
14. August 2019 12:44
Ich glaube insgesamt würde vieles besser funktionieren, wenn mehr auf die Stärken der einzelnen geachtet werden würde... natürlich geht es nicht immer, z.B. wenn ein Betrieb nur wenige Angestellte hat.
Ich habe gehört, gerade in kleinen Betrieben haben die Chefs oft ein genaues Auge auf die jeweiligen Stärken der einzelnen Mitarbeiter. Müssen natürlich die Stärken sein, die gerade gebraucht werden, und manche Betriebe sind tatsächlich so klein, dass alle irgendwie alles machen müssen.

Was die langweiligen Routineaufgaben angeht: Mein Chef empfiehlt immer, die morgens oder vor oder nach der Mittagspause zu machen, wenn wir noch nicht oder nicht mehr mit irgendwas gebannt befasst sind. Klappt bei mir nur bedingt. Manchmal brauche ich einfach was Spannendes zum Einstieg, und das hält mich dann auch meist bis mittags gebannt. Manchmal werde ich früher mit einem Abschnitt fertig, dann kann ich gut noch für eine halbe Stunde was anderes machen. Ist sowieso immer gut, was "anderes" zu haben, auf das man zur Not umsteigen kann.

Vielleicht hilft auch, was ich während meiner Jobsuche gemacht habe: Ich musste laut Jobcenter jeden Monat fünf Bewerbungen schreiben. War nicht so gedacht, aber irgendwie lioef es immer darauf hinaus, dass ich alle fünf in den letzten ein, zwei Tagen des Monats geschrieben habe. Nachdem (mir) klar war, dass sich das auch nicht mehr ändert, habe ich ein Projekt draus gemacht, mit Anfang (Jobbörsen abklappern, die guten Angebote bookmarken), Mitte (schreiben, oft in fünf parallel offenen Browserfenstern) und Schluss (Bericht fürs Jobcenter). Ging viel leichter. Routine kann ich nicht so, aber Projekte, die kann ich.
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