Was soll nur aus mir werden ?!?

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Conscript1991
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Was soll nur aus mir werden ?!?

Beitrag von Conscript1991 » 30. Dezember 2018 18:21

Hallo zusammen !

Ich habe ja im Sommer diesen Jahres die Diagnose bekommen und war echt guter Dinge, da mit dieser neue Perspektiven und
Behandlungsmöglichkeiten ergeben hatten, doch mittlerweile sieht es doch alles anders aus als gedacht.

Das Metylphenidat hilft zwar immer noch, bzw. ohne geht fast gar nichts, was Antrieb und Motivation angeht, andererseits hab ich
das Gefühl, dass die Nebenwirkungen überwiegen. Es macht mich oft sehr unruhig, nervös und stärkt vermutlich auch meine Ängste.
Die Wirkung hält meist nur zwei bis drei Stunden der Rebound dafür sehr lange. Ich nehme schon morgens und mittags Tabletten aber
bin dann auch schnell überdreht bzw. die benötigte Dosis scheint zu schwanken zwischen zu wenig an schlechten Tagen und zu viel an guten Tagen.

Mein Arzt scheint auch überfragt. Zumindest kommt von ihm nicht viel. Das war eigentlich schon immer so. Er wirkt eher kalt, distanziert und autoritär. Ich habe ihm letztens eine halbe Stunde berichtet wie ich jeden Tag leide. Ich hab das Gefühl ich bin entweder zwanghaft auf der Suche nach etwas, das mir etwas geben könnte was mir anscheinend fehlt, oder ich bin auf der Flucht
vor ewas, meist meinen eigenen Gefühlen, denn ich weiß wie viel Macht diese haben und wie beängstigent sie sein können.

In meiner Stadt gibt es EINEN Arzt der auf ADHS bei Erwachsenen spezialisiert ist und genau dieser Arzt nimmt nur Privatpatienten.

Die Ärzte in der Klinik in der ich hier schon zwei mal war wollen mich immer in eine Medizinische Reha schicken. Die haben mich von vornherein aufgegeben. Das hieße aber ich muss 8 Monate in ein stationäres Umfeld in einer anderen Stadt, was ich eigentlich ungern möchte. Zudem weiß ich nicht ob es was bringt, denn auch diese einrichtung ist nicht auf ADHS spezialisiert und es geht
eher darum mich in die Arbeitswelt zu integrieren.

Mein Therapeut gibt selbst zu, dass er sich mit ADHS nicht sonderlich gut auskennt und psychoanalytisch fundierte tiefenpsychologische Therapie wird ja immer als wirkungslos bei ADHS beschrieben. Allerdings will ich ihn als wichtige Bezugsperson
auch nicht verlieren und er sagt selbst auch, dass ja auch komorbide Störungen da sind die man durchaus mit dieser Therapieform
behandeln kann.

Ich bin jetzt schon über ein Jahr in einer Rehamaßnahme beim Jobcenter und habe da auch eine super Stelle bekommen, in der ich nach eigenem Interesse Beiträge verfassen kann, wie den, den ich hier neulich im Forum gepostet hatte. Aber selbst diese Arbeit wird von den Höhen und Tiefen meiner Stimmung überfrachtet und ich schaffe es oft immer weniger zur Arbeit.

Die für mich zuständige Sozialpädagogin innerhalb dieser Rehamaßnahme spricht schon davon, ob ich überhaupt arbeitsfähig bin. Aber mit 27 und ohne Ausbildung in die Frührente wäre katastrophal und würde mir auch nicht gut tun.

Es gibt ausserdem hier in der Stadt eine Agentur für psychologisches Coaching, die sich auf ADHS spezialisiert haben und sowohl Berufsberatung als auch Begleitung machen. Jedoch sind die Kosten dafür um die 700.- Euro. Das kann ich unmöglich bezahlen.

Ich weiß einfach nicht mehr was das richtige für mich ist und wer mir wirklich helfen kann. Ich habe langsam das Gefühl ich bin wirklich nicht arbeitsfähig weil ich mehr und mehr die hoffnung verliere aber irgendwie will ich mich immer noch nicht aufgeben.

Hat hier vielleicht irgendwer noch irgendeine Idee was in meinem Fall helfen könnte eine Perspektive zu finden ?
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Raupi
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Re: Was soll nur aus mir werden ?!?

Beitrag von Raupi » 30. Dezember 2018 22:50

Also auf jeden Fall hast du einen so tollen Artikel geschrieben, das passt doch bestimmt zu irgendeinem Job...?!
LG, Raupi

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Anders
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Re: Was soll nur aus mir werden ?!?

Beitrag von Anders » 30. Dezember 2018 23:30

Hallo Conscript1991,

In so einigem was du bis jetzt so geschrieben hast, finde ich mich selber wieder..
Seit ich vor ca.drei Jahren die Diagnose bekam, hat es mich wiederholt gefühlsmässig von rechts nach links- und wieder zurück gekrempelt.. von 'oh no, jetzt habe ich es schwarz auf weiß- ich bin behindert' :shock: nach 'gut endlich eine Erklärung für vieles zu haben, und daran jetzt arbeiten zu können', dann aber immer wieder unterbrochen von Medikations- fails, die jedes mal die Hoffnungslosigkeit in mir hervorkramten.. :? a'la 'F*ck, jetzt arbeite ich daran, aber es kann mir wohl doch nichts helfen' .. diese innere Leere hat mich, besonders wenn ich alleine war, völlig gelähmt, und den Eindruck 'zu nichts nütze' zu sein weiter ausgebaut.. obwohl ich mich eigentlich als durchweg Positiven Menschen bezeichnen würde!
Ich habe die letzten 3 Jahre verschiedene Mph Präperate in Kombination mit Wiederaufnahmehemmern (Venlafaxin,Fluoxetin usw. aber alle schnell wieder abgesetzt..) ausprobiert, und bin dann eine Weile bei Ritalin adult+Elontril geblieben. Die Kombi hat mir in manchen Lebensbereichen zwar sehr geholfen, aber ähnlich wie bei dir, sind die Antriebslosigkeit und die innere Leere/Hoffnungslosigkeit geblieben. Mal mehr, mal weniger Präsent- da waren sie irgendwie immer. Deswegen bin ich vor ein paar Wochen (mit einem 'kurzen' Umweg über Strattera) zu Elvanse gewechselt, mit bis jetzt sehr erfreulichem Ergebnis.(Zuversicht!)
Gerade in punkto Antrieb und Hoffnungslosigkeit, für mich, im Vergleich zu Mph das potentere Medikament! Ich finde, besonders bei einer persistierenden Dystemie, oder leichteren depressiven Episoden, absolut einen Versuch wert.. leider sehen viele Ärzte und auch die Krankenkassen das (noch) anders..
Was ich damit sagen will: Du hast die Diagnose jetzt seit einem halben Jahr. Bis man das für sich richtige Medikament, UND die für einen passende Dosierung gefunden hat, kann es schon eine Weile dauern. Lass dich von den Rückschlägen, die dieser Weg für jeden bereithält, nicht allzusehr verunsichern! ..dieses Auf und Ab haben hier wohl schon viele durch. :D :) :| :( :evil: :roll:
Ich rate dir, in einem etwas größeren Radius, nach einem auf AD(H)S spezialisierten Arzt zu suchen! Ich fahre auch für jeden Besuch fast eine Stunde (ein Weg), aber das ist es absolut Wert!
Ein gutes Arzt- Patientenverhältnis halte ich für unbezahlbar..

Einen wirklichen Tip , eine Perspektive betreffend, habe ich leider nicht für dich.. weil mich selbst die gleiche Frage (was soll nur aus mir..) umtreibt!! :roll: aber: aufgeben ist halt keine Option ;)

Ich wünsch dir was,

Liebe Grüße, Ande
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Re: Was soll nur aus mir werden ?!?

Beitrag von Theorist » 31. Dezember 2018 11:04

Ich würde dazu raten die 700 zu sparen nachdem du vllt dir das ganze testweise (muss ja passen auch) ansehen konntest. Oder vllt helfen Coaching Bücher.

Ich finde deine sozialpädagogin etwas demotivierend. Vllt bist du arbeitsfähig aber bei etwas was dir passt. Vllt fragst du da nach ob ihr gemeinsam n Plan machen könnt dass du was austesten kannst.
Diese Welt ist ständig durch zwei Dinge bedroht: durch Ordnung und Unordnung. (Paul Valery)
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Raupi
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Re: Was soll nur aus mir werden ?!?

Beitrag von Raupi » 31. Dezember 2018 16:35

Hier gibt es eine Möglichkeit, an einem Online Selbsthilfeprogramm teilzunehmen:

https://www.selbsthilfe-programm.de/

Kostet 10 Euro pro Monat und ist monatlich kündbar.

Vielleicht hilft es ja... ich wollte es eigentlich mal ausprobieren, weiß aber nicht, ob ich dringender das Burnout Programm dort brauche oder eher das ADHS Programm... wollte vorher noch mal nachfragen.
LG, Raupi

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Stefan SRO
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Re: Was soll nur aus mir werden ?!?

Beitrag von Stefan SRO » 3. Januar 2019 12:45

ich meine Du wärst in der selben Selbsthilfegruppe wie ich.
Sowohl auf ein Mitgl. (fängt mit F an) dort passen Deine Probleme zu fast 100% als auch einige meiner tief innen verwurzelten Ängste passen zu Deinem Text.

Bzgl. der unregelmäßgen Wirkung der Med habe ich ebenfalls massive Probleme. Es scheint mir, als würde die Retardierung extrem unzuverlässig des MPH frei setzen.
Auch scheint es an meiner körperlichen Betätigung zu hängen, wie schnell der Rebound kommt und wie tief es "in den Keller" geht.

Die "Findungs- und Verzweiflungsphase" hatte ich in etwa in Deinem Alter, wobei ich damals von ADS nix wusste.

Da wir Begeisterung zur Selbststeuerung benötigen, kann ich Dir nur raten, ein Hobby zum Beruf zu machen. Das ist zwar auch mir nicht gelungen aber ich habe im priv. Bereich diverse "Berufungen" die mich antreiben.

Vlt. könnte man auch noch mal beim Medikament ansetzen? Genau da scheitere ich gerade in gleicher Form wie Du am behandelnden Arzt. Meine im Tagebuch notierten Beobachtungen über mich selbst nimmt er nicht zum Anlass, mir das von mir vermutete Med. zu verschreiben.
"Mein Hirn kann nicht still sitzen..."
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Re: Was soll nur aus mir werden ?!?

Beitrag von Conscript1991 » 4. Januar 2019 12:34

Also ich war eigentlich erst einmal in einer Selbsthilfegruppe in meiner Stadt zu Gast. Und ich fange auch nicht mit F an. Zumindest nicht der Vorname

Ich bin mir aber gar nicht mehr so sicher ob ich überhaupt ADHS Medikamente nehmen sollte. Zumindest das Metylphenidat Vertrage ich überhaupt nicht. Hab es jetzt zwei Tage nicht genommen und fühle mich viel besser. Viel ruhiger, weniger Geübeln und Ängste, weniger depressiv. Dafür aber auch wieder Antriebsloser, leerer und träger. Trotzdem genieße ich irgendwo die innere Ruhe die plötzlich da ist. Ich bin natürlich nicht tiefenentspannt aber im Gegensatz zu den letzten Wochen mit Medikinet ist es hundertfach entspannter. Auch dieses nervöse, verzweifelte, hilflose, hysterische innere Grübeln scheint besser.

Außerdem scheint es nicht gut mit Lithium zusammen zupassen. Es hat schon beim ersten einnehmen die Lithiumwerte beeinflusst und die Nebenwirkungen wie extremes Schwitzen, Haarausfall und entzündliche Akne sind seitdem ich beides nehme extrem schlimmer geworden. Der Apotheker meinte, dass er so große entzündete Pickel bzw. Abszesse noch nie gesehen hat. Grundsätzlich leidet scheinbar die Haut sehr unter meinen Medikamenten. Schon mit diversen SSRI und SNRI hatte ich Probleme wie Fingernagel große Aphten und Geschwüre im Mund bei denen selbst Haus- Und Zahnärzte gestaunt haben. Ausserdem hatte ich jahrelang juckende, offene und nässende Wunden am Körper, die bei höheren Dosierungen zunahmen. Die sind mittlerweile seit längerer Zeit zum Glück verschwunden....
CarlC
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Re: Was soll nur aus mir werden ?!?

Beitrag von CarlC » 11. Mai 2019 13:07

Hallo,
mache eine ADHS REHA in Bad Bevensen. Die lassen dich die Medis deiner Wahl ausprobieren wenns irgend geht. Dein Arzt vor Ort kann dann seine Rezepte nach den Empfehlungen der Klink ausstellen.
Viel Erfolg
CarlC
Overthesky
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Re: Was soll nur aus mir werden ?!?

Beitrag von Overthesky » 11. Mai 2019 17:47

auch hier verlinke ich auf diesen Artikel: https://www.karriere.de/sinnsuche-nicht ... 37364.html , was ist schlimm daran, Dödeljobs zu machen? Was habe ich davon, wenn ich viel Geld verdiene, aber jeden Tag unglücklich bin... das ist alles in dem Artikel thematisiert... daher als Input für Interessierte...
Malve
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Re: Was soll nur aus mir werden ?!?

Beitrag von Malve » 12. Mai 2019 18:41

Overthesky hat geschrieben:
11. Mai 2019 17:47
auch hier verlinke ich auf diesen Artikel: https://www.karriere.de/sinnsuche-nicht ... 37364.html , was ist schlimm daran, Dödeljobs zu machen? Was habe ich davon, wenn ich viel Geld verdiene, aber jeden Tag unglücklich bin... das ist alles in dem Artikel thematisiert... daher als Input für Interessierte...
Mir ist sofort ein Lied eines großartigen Künstlers dazu eingefallen:
https://www.youtube.com/watch?v=YmKcIN9GeeA
Mensch muss nicht erst werden, und nach immer Größerem streben. Manchmal ist auch einfach die Aussicht "genug".

Wir leben in einer Gesellschaft in der Lohnarbeit einen hohen Stellenwert hat, viele definieren sich über ihre Arbeit.

"Hallo, und wer bist du?"
- die meisten nennen als zweites gleich ihren Job.

Arbeit ist mehr als Lohnarbeit, aber diese wird meistens überhaupt nicht gewürdigt.

Beruf kommt eigentlich von Berufung.
Was sind denn deine Interessen? Hobbies? Passion und Leidenschaft?

Mach dir nicht so einen Stress und kümmer dich erstmal um dich und deine Gesundheit.

Ich bin übrigens neu hier und freue mich hierher gefunden zu haben.
Herzliche Grüße
ULBRE
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Re: Was soll nur aus mir werden ?!?

Beitrag von ULBRE » 12. Mai 2019 21:59

Moin Malve, welcome.

Das einzige, was an Dödeljobs (für AD(H)Sler) schlimm sein könnte, wäre, wenn man nicht mag, was man macht.
AD(H)S funktioniert nun mal so, dass nur das, was man wirklich mag, auch wirklich gut gemacht wird (meist besser als von Nichtbetroffenen).
Blöd allerdings, dass man für manche richtig interessanten Dinge vorher lang und schmutzig Zeug tun muss, das einen nervt und langweilt. Dann entweder durchbeissen (Leben, Ponyhof undsoweiterundsoweiter) oder was anders suchen, was einen interessiert und leichter erreichbar ist.

Ach doch, es kommt noch was zweites hinzu: AD(H)Sler sind extrem stressempfindlich.
Überlastung führt zu Burnout und Unterforderung führt zu Boreout. Beides ist gleich gefährlich, denn beides macht kaputt. UNd da AD(H)Sler hier besonderes anfällig sind, lohnt es sich, darauf zu achten....

DrückedieDaumen

UlBre
„Wenn ein unordentlicher Schreibtisch einen unordentlichen Geist repräsentiert, was bedeutet dann ein leerer Schreibtisch ?“ Albert Einstein
Ich hab einen eher wissensorientierten Schreibstil. Als eine Stimme im Chor find ich das ganz ok. Mehr soll das auch nicht sein.
Overthesky
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Re: Was soll nur aus mir werden ?!?

Beitrag von Overthesky » 13. Mai 2019 18:59

@ Malve: das Lied hab ich gehört :-)

noch was zur Ergänzung:
Salutogenese als Pendant zur Pathogenese : https://de.wikipedia.org/wiki/Salutogenese

und noch was: Was ist der stärkste Trieb des Menschen? Antwort: Arterhaltung (das ist auch von Evolutionsbiologen wissenschaftlich nachgewiesen) … aber eben gerade nicht die Selbsterhaltung … im Prinzip so ähnlich wie die Lachse , die sich den wilden Bach oder Fluss stromaufwärts kämpfen und dann, nachdem sie all ihre Kräfte verbraucht haben, nach dem Laichen sterben... oder wie das Männchen von der Schwarzen Witwe , das nach der Paarung gefressen wird von der Schwarzen Witwe . Arterhaltung ist sehr oft im Widerspruch zur Selbsterhaltung... was hat meine Oma gesagt: ihre schönsten Jahre wären die "Busierzeit" mit meinem Opa gewesen... heute sagt man zu Busierzeit de facto "Rush Hour des Lebens" , evolutionsbiologisch ist die Rush Hour des Lebens die Balzphase , da wo man fit und maximal leistungsfähig ist... nach der Balzphase kommt irgendwann der Nestbau und dann ist man de facto nicht mehr für sich selber da, sondern in Wahrheit für andere, für die Nachkommen... und nach dem Nestbau geht es in Wahrheit sehr oft bergab, was die persönliche Lebensqualität angeht und was die freie Entfaltung eigener Neigungen , Interessen, Bedürfnisse etc. angeht... die Männer werden fett und bierbäuchig etc... und jetzt aber zum Zusammenhang mit Arbeit und ADHS , weshalb tut man sich das an mit Karriere und Arbeit mit hohem Einkommen , de facto vor allem, um den stärksten Trieb des Menschen befriedigen zu können: Arterhaltung ,... und auch damit assoziierte Dinge wie Status, Ansehen etc. haben indirekt damit zu tun auch...


abseits dieses Triebes Arterhaltung , der gegesätzlich ist zur längerfristigen Selbsterhaltung (die Selbsterhaltung hält evolutionär betrachtet so lange an, bis die Küken flügge sind...oder auch nur kürzer: die Lachse mit dem Laichen, die Schwarze Witwe etc.) hat der Mensch auch andere, aber evolutionär betrachtet nachrangige Triebe: auf gut deutsch: fressen, f..., fernsehen bzw. eben Selbsterhaltung auch...


Diesen ganzen Druck mit Arbeit, Karriere etc, der kommt kulturell auch , aber eben evolutionsbiologisch aus genannten Gründen... dabei werden z.B. in quasi sämtlichen Studien zu Glück und Zufriedenheit kinderlose Paare im Schnitt als zufriedener und glücklicher (mit zwar weniger hohen Peaks an Glücklichkeit, aber mit im Schnitt mehr Glücklichkeit und Zufriedenheit) gewertet bzw. "gescored"...


ich habe dies hier ausgeführt, weil der Zusammenhang evolutionäre Aspekte und Arterhaltung vs. Selbsterhaltung eine sehr große Rolle spielt, aber allzu oft nicht bewusst ist...
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Re: Was soll nur aus mir werden ?!?

Beitrag von Overthesky » 16. Mai 2019 21:19

übrigens noch was: da ja nicht wenige ADHS-Betroffene trotz ausreichender kognitiver Voraussetzungen das Abitur nicht schaffenund underachieven… https://www.google.de/search?ei=6rTdXJS ... nL4bb0KLQE …. die wirklichen Underachiever das sind "gescheiterte" Mediziner (ich betrachte mich als gescheiterter Mediziner, im Leben zu scheitern, das ist etwas ganz anderes dagegen) wie ich, BWLer und Juristen, die nach Abschluss ihres Studiums keinen Job als solche finden und als Paketboten arbeiten oder auch solche Geschichten: Dr. Biomed - arbeitslose "Elite" | 29.04.2016 16:16:11
Re: Sinnhaftigkeit des und Perspektiven nach dem BIologie/Biochemie/Biotechnologie/Molekulare Medizin-Studium
Ich kann mich den negativen Berichten hier anschließen . Mit einem Abi von 1,1 habe ich 2003 ein "sehr modernes und vielversprechendes Studium" der Biomedizin angefangen. Ich hatte damals auch eine Zulassung für Medizin, nach vielen Gesprächen mit den Profs habe ich mich jedoch wegen "Ärzteschwemme" und "hervorragenden Jobaussichten" (ich wollte forschen...) für Biomedizin entschieden.

Super Abi, Master 1,3, Promotion in nur drei Jahren. Jetzt bin ich arbeitslos bzw. studiere notgedrungen Medizin.

Hätte mir vor 13 Jahren einer die Wahrheit erzählt, wie es mit den Jobs für Biologen aussieht (als Biomediziner ist man ja nichts anderes, auch wenn die Profs und die Studiengangkoordinatoren gerne was anderes behaupten), hätte ich nie Biomedizin studiert.

Das alles ist natürlich nur meine Schuld, und dafür muss ich jetzt Zeche zahlen. Und ich bin froh einen Medizin-Studienplatz überhaupt bekommen zu haben, so habe ich zumindest eine Chance.

P.S.: Vier Doktoranden, die mit mir zusammen promovierten, sind jetzt Langzeitarbeitslose, zwei arbeiten im Vertrieb, eine im Consulting, drei sind momentan noch Postdocs.

siehe hier: https://www.studis-online.de/Fragen-Bre ... 8,page=128 , was ich damit sagen will, es ist oftmals angesichts des offenbar gewordenen Akademisierungswahn und all der gescheiterten Erwerbsbiographien, die ich seither persönlich mitbekommen habe, gar nicht so schlimm, wenn man als ADHSler das Abi nicht geschafft hat... das wollte ich hier auch noch einbringen...
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Re: Was soll nur aus mir werden ?!?

Beitrag von Overthesky » 3. Juni 2019 22:00

noch was: weshalb strebt man hauptsächlich hohe Einkommen, Wohlstand und Vermögen an: https://www.businessinsider.de/unverhei ... sor-2019-5
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