Wie mit Konzentrationsproblemen im Beruf umgehen?

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Herausforderer
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Wie mit Konzentrationsproblemen im Beruf umgehen?

Beitrag von Herausforderer » 12. August 2018 19:58

Hallo Leute,

ich möchte mit euch über meinen Umgang mit meinen Konzentrationsproblemen in meinem Beruf diskutieren. Ich arbeite seit fast drei Jahren in als Planungsingenieur (Fachbereich Telekommunikation) in einem Ingenieurbüro. Wir arbeiten praktisch ausschließlich für die Deutsche Bahn. Nach einer Probezeit von einem Jahr hat man mir einen unbefristeten Arbeitsvertrag ausgestellt. Soweit so gut.

Leider machen mir meine Konzentrationsprobleme auch in meinem Beruf zu schaffen. Im Bezug darauf ist mein Beruf Fluch und Segen zugleich.

In meinem Beruf muss ich buchstäblich bergeweise Vorschriften, Normen und Richtlinien beachten. Es ist weitgehend vorgeschrieben wie eine Planung auszusehen hat und wie ich die Anlagen planen muss bzw. was erlaubt ist und was nicht. Für meine Planungen gibt es praktisch immer feste Termine und meine Vorgesetzten sind auch immer hinterher dass wir möglichst zügig arbeiten. Das ist für einen ADHSler eigentlich gut, denn so entsteht Struktur die einem Orientierung gibt.
Leider verlangen die Vorschriften und die Komplexität der Aufgaben sowie die Menge an Regeln die es zu beachten gilt verlangen eine Akkurates die mit einer Konzentrationsschwäche nur bedingt zu leisten ist bzw. es wird schwerer angemessene Arbeit abzuliefern. Dazu kommt noch, dass ich abgesehen von den Terminen auch nicht unbegrenzt Zeit habe um meine Aufgaben zu erledigen. Wir bekommen nur ein bestimmtes Kontingent an Stunden zugeteilt mit denen wir Arbeiten müssen. Daher habe ich auch nicht ewig viel Zeit Fehler auszugleichen.

Ich bin wegen der Probleme die aus meiner Konzentrationsschwäche folgen bereits von meinen Vorgesetzten kritisiert worden, da ich bei einem relativ großen Projekt keine all zu gute Figur gemacht habe. Ich möchte nicht austesten, wie lang der Geduldsfaden meiner Chefs ist. Daher möchte ich, so gut es geht, versuchen mit meinen Konzentrationsproblemen klar zu kommen.

Ich habe mir bereits einige Methoden zurechtgelegt, unter anderem arbeite ich mit Listen, Terminkalendern und Outlookaufgaben. Das klappt alles noch nicht perfekt aber es wird langsam. Womit ich die größten Schwierigkeiten habe sind Aufgaben, die ungeplant auf mich zu kommen. Mir gelingt es nicht immer da noch einen brauchbaren Ablauf hinzubekommen.
Auch was das erstellen der Planungen angeht klappt nicht immer alles, vor allem arbeite ich nicht effektiv genug (Bemerkung vom Chef). Was diesen Punkten angeht werde ich mich gezielt mit Themen aus den Planungen beschäftigen mit denen ich bisher gesonderte Probleme habe. Hoffentlich beschleunigt dass meine zukünftige Arbeit.

Ich habe mir auf die Liste mit Tipps durchgelesen die hier hinterlegt ist: http://www.adhs-anderswelt.de/viewtopic ... 76&t=48815

Da ist auch einiges interessantes dabei.

Ich würde mich gerne mit Leuten austauschen die einen ähnlichen Beruf haben. Wie kommt ihr mit eure Berufen klar?

Grüße Herausforderer.
Stefan SRO
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Re: Wie mit Konzentrationsproblemen im Beruf umgehen?

Beitrag von Stefan SRO » 13. August 2018 09:17

"...bergeweise Vorschriften, Normen und Richtlinien beachten..." Dito. (Energieversorgung)
Ich bin sehr optisch orientiert und habe mir Blätter mit den wichtigsten Gesetzen, Verordnungen, Vorschriften, zu den jeweiligen Themen zusammen gestellt. Beim Überfliegen raste ich dann recht gut ein, wenn ich zum Text eine Assoziation habe.


"...Listen, Terminkalendern und Outlookaufgaben..."
Den Kalender meines Siemens S25 hatte ich 1998 damals schon exzessiv genutzt und natürlich sind die neuen Geräte mit Outlookverknüpfung ein wahrer Segen. Leider schaffe ich es hin und wieder, beim Eintragen Fehler rein zu basteln.
Zettel gehen bei mir gar nicht! Der Termin muss selbst aktiv sein. Auch ToDo-Listen mit Terminen bringen mir was.

"...arbeite ich nicht effektiv genug..."
Das begleitet mich schon mein ganzes Leben und war schon bei Vater und Großvater so. Immer wieder zwischen parallelen Themen springen und wieder einlesen. Zwar hat es auch gute Seiten, da ich dank meines "optischen Gehirns" an Themen denke die andere ignorieren ( Bypässe, Leerrohre, etc.) Das geht zwar an der Richtlinie oder so vorbei. Aber meist vermeidet man schon ein Jahr später schon die Kosten, um einen Durchbruch zu machen oder wieder auf zu buddeln.

Von der Leitung eines aktuellen Projektes lasse ich mich demnächst entbinden. Da ist mir des Risiko für eine Schaden durch meine Fehler zu hoch.
Ach ja, meine direkten Bürokollegen sind informiert und wenig überrascht. Das Thema ist ihnen global bekannt und wir verteilen die Aufgaben "passend". Die wollen mich nicht missen, da wir AD(H)S-ler bzw. ich als Person eben doch Gaben haben, die sie her geben wollen.

Deinen Link lese ich später mal.
VG
Stefan
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Re: Wie mit Konzentrationsproblemen im Beruf umgehen?

Beitrag von Herausforderer » 13. August 2018 21:47

Wie ich sehe geht es nicht nur mir so.

Besonders der letzte Punkt den du angesprochen hast nervt mich am meisten. Leider gibt es nicht viel was man da tun kann. Ich hatte erst heute dies bezüglich ein Gespräch mit meinen Vorgesetzten. Allerdings eines, dass ich selbst angestoßen habe.

Eine Frage die sich mir allerdings auch stellt ist, wie soll es in meinem Berufsleben weitergehen?

Ich meine damit ich bin noch jung und es gibt noch viele Möglichkeiten für mich. Doch was sind realistische Ziele für mich?
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