ADHS und öffentlicher Dienst

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Eichhörnchen6
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ADHS und öffentlicher Dienst

Beitragvon Eichhörnchen6 » 11. Mai 2012 20:57

Hallo Zusammen,

Ich bin letzten Herbst knapp an einem totalen Burn- Out vorbeigeschrammt (vordergründig wegen neuem, sich als untragbar für mich erweisendem Chef)
Als ich mich bei einer lieben Freundin ausheulte, meinte sie unter anderem, ich könnte gut ADHS haben. Die Psychologin bei der ich dann war, hat das bestätigt und behandelt mich seitdem auch.

Ich habe wegen dem Chef die Notbremse gezogen und auf die neue Stelle (auf die ich mich selber beworben hatte  :icon_eek:) verzichtet und um Rückversetzung in meinen alten Arbeitsbereich gebeten. Das hat auch erstmal geklappt und ich war heilfroh, das ich wieder sehr frei arbeiten konnte und ich als Mensch und meine Arbeit wieder anerkannt wurde.

Dann kam die Abteilungsleitung auf die absurde ( und nebenbei bemerkt: sachlich unsinnige) Idee, mich zum  Personalausgleich in einen anderen Aufgabenbereich zu versetzen. Der Vorgesetzte dort wäre nun leider auch gar nicht gegangen, dort hätte ich mich auch nie hinbeworben, so daß ich dieser Versetzung widersprochen habe.
Ich habe in dem Gespräch so argumentiert, dass ich wegen der Sache oben in psychologischer Behandlung bin, ich ihre Unterstützung brauche, ich zur Stabilisierung meines Zustandes das mir bekannte Arbeitsfeld und mir bekannte, mich wertschätzende Kollegen brauche und deshalb die Versetzung einfach nicht geht. Die Diagnose ADHS habe ich nicht erwähnt, weil ich Angst habe, dass ich in die "Bekloppt- Schublade" gesteckt werde, und da nie wieder rauskomme.

Beim ersten Gespräch war der Abteilungsleiter und sein Vertreter auch sehr betroffen und es fielen Aussagen wie: "Mensch, hätten wir gewußt, wie schlecht es ihnen geht, hätten wir anders entschieden", aber auch schon "Mmh, das können wir jetzt nicht mehr ändern, wir verlieren sonst unser Gesicht gegenüber den anderen Mitarbeitern." "Wir warten erstmal das neue Jahr, dann wird es ihnen sicherlich schon besser gehen." Ich habe gleich darauf hingewiesen, das es sicher länger dauern wird, bis ich mich neu sortiert habe. Dieses Gespräch war für mich ein Volltreffer ins Kontor, der kleine Schritt, den ich bis dahin in der Therapie gemacht hatte, war natürlich völlig futsch. Ich habe wieder keine Nacht mehr richtig geschlafen, weiter abgenommen und fühlte mich mit dieser neuen Unsicherheit völlig ohnmächtig.

Neues Jahr, nächstes Gespräch, "Ihnen gehts doch wieder gut, man merkt ihnen gar nichts an, wir wollen sie zum 01.02. versetzen". Ich habe wieder abgelehnt, Begründung siehe oben.Erst völlige Ratlosigkeit seitens der Abt.- Leitung, dann Drohung, wenn sie nicht..., dann lassen wir ihre Dienstfähigkeit durch den Amtsarzt überprüfen! Wollen sie das? Ich habe geantwortet, dass ihnen das wohl zustünde, aber mir die Frage erlaubt, was sie sich davon versprechen würden. Die Antwort war, sie müssten das, weil sie sonst ihrer Fürsorgepflicht als Dienstherr nicht nachkommen würden.Hätte ich im Anschluß an dieses Gespräch nicht 4 Wochen Urlaub gehabt, ich hätte mich krankschreiben lassen müssen, so fertig war ich.

Ich war beim Amtsarzt und hatte das Glück, das dieser nicht nur mal was von ADHS gehört hat und mich mit meinem Problem sehr ernst genommen hat. Er hat natürlich auch gefragt, was ich selbst zur Verbesserung der Situation beitrage (Behandlung u. a. mit Medis bei der Psychologin, Psychotherapie). Im Gutachten stand, das ich aus ärztlicher Sicht momentan nicht versetzt werden kann.
Im darauffolgenden Personalgespräch hatte ich deutlich das Gefühl, daß der Abteilungsleiter mit diesem Ergebnis nicht gerechnet hatte. Dieses Ergebnis wäre ihm zuwenig begründet, er würde ein Zweitgutachten anfordern. Ich hatte außerdem das Gefühl, das es nicht mehr um den Personalausgleich, um mich und meine Probleme, sondern nur noch um um die Frage geht, wer kann (und darf) hier über wen wie bestimmen. Wieder dasselbe: wochenlang nicht schlafen können, weil die Gedanken im Kreis fahren, das was ich zugenommen hatte, wieder abgenommen...Diese Ohnmacht, das Gefühl, daß die einen solange weichkochen wollen, bis man endlich sagt, na gut, ich machs doch, ich hab mir meine Probleme nur eingebildet  :neiiin: :smilie_wut_122: :zorni: (für wie blöd halten die einen eigentlich?)
Das Zweitgutachten ist noch nicht da, wobei ich denke, das da dasselbe drinsteht wie im Ersten.


Die Frage ist: Was fällt meinen Herren Abteilungsleitern als nächstes ein? Wer hat schon mal solche oder ähnliche Erfahrungen gemacht und kann mir einen Rat geben, wie ich weiter damit umgehen soll? Die Gleichstellungsbeauftragte ist mit im Boot, der Personalrat weiß Bescheid, konnte aber auch nichts bewirken. Bei der Personalberatungstelle war ich auch schon....Oh Mann, ich kann nicht mehr, null Verständnis, nur ihre scheiß "Autorität" wahren!
Achso, mein direkter Vorgesetzter ist ein Goldstück,er weiß auch komplett bescheid, kommt aber gegen den Abteilungsleiter auch nicht an.

Im Moment völlig fertige Grüße
Eichhörchen6


Edit: Ich habe deinen Beitrag zur besseren Lesbarkeit in Absätze geteilt. Liebe Grüße, Sandiris
Zuletzt geändert von Eichhörnchen6 am 11. Mai 2012 22:43, insgesamt 1-mal geändert.
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Falschparker
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Re: ADHS und öffentlicher Dienst

Beitragvon Falschparker » 12. Mai 2012 00:11

Nein, diese Situation kenne ich nicht, ich bin sehr froh selbstständig zu sein. Das hat andere Nachteile, aber nicht solche.

Ich habe mich beim Lesen gefragt: Musst du ein Zweitgutachten überhaupt akzeptieren? Die können doch nicht so lange begutachten, bis das (ihnen) Passende rauskommt?

Und welche Vorschläge hättest du denn, um das objektive Problem (falls vorhanden), also dass als "Personalausgleich" jemand woanders hinmuss? Gibt es da eine andere Person, die im Gegensatz zu dir vielleicht ganz glücklich wäre?

Öffentlicher Dienst heißt nicht Beamter, oder? D. h. du könntest dir auch was Anderes suchen, ohne Ansprüche zu verlieren? (Dass das u. Umst. schwierig ist ist klar.)
<><
Einstein

Re: ADHS und öffentlicher Dienst

Beitragvon Einstein » 12. Mai 2012 07:05

Hallo Eichhörnchen6,

ich habe auch ADHS, bin auch im ö.D., hatte aber zum Glück noch keinen derart hässlichen Chef!

Mir sind bei Deinem Fall zwei Fragen/Anregungen in den Sinn gekommen:

Du schreibst: "Die Psychologin bei der ich dann war, hat das bestätigt"

Hat es denn nie eine richtige Diagnostik gegeben? Wie kann eine Psychologin ADHS "bestätigen"? Du solltest auf jeden Fall eine leitlinenkonforme Diagnose erstellen lassen, die ist dann auch vor Deinem Chef belastbar! Augenscheindiagnosen taugen nichts! Ich habe damals extra in einer auf ADHS spezialisierten Uni-Klinik eine leitlinienkonforme Diagnose erstellen lassen.

Wenn Du vor Deinem Chef -weitgehend- Ruhe haben willst solltest Du überlegen, ob Du nicht selbst in die Offensive gehst und eine Schwerbehinderung beantragst. Mit einer ADHS-Diagnose steht Dir normalerweise ein Grad der Schwerbehinderung von 50 % zu. Dann wärest Du nahezu unkündbar, Dein Chef könnte die Diagnose nicht mehr anzweifeln und du hättest noch weiteren Schutz am Arbeitsplatz.
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ChaosBienchen
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Re: ADHS und öffentlicher Dienst

Beitragvon ChaosBienchen » 12. Mai 2012 16:54

Also, wo bekommt man denn bitte auf ADHS 50 %????

Laut Aussage einer Ärztin, bekäme man 5 % und ich glaube, dass man vielleicht mal an 30% denken kann, wenn man sehr großes Glück hat...

Es wäre natürlich eine Hilfe für Dich, wenn Du über die Schwerbehindertenvertretung Ünterstützung bekommen könntest, starte da auf jden Fall mal einen Versuch!
Der VdK kann dir ja im Falle eines Widerspruches unter die Arme greifen - die sind dort ziemlich kompetent :-)

Ich frage mich allerdings auch, ob ein Zweitgutachten so einfach vom AG gefordert werden kann.
Wie steht denn der Betriebsrat zu dieser Aussage?
Evtl. findest du ja auch bei der Gewerkschaft Hilfe?

In jedem Fall wünsche ich Dir, dass es bald ruhiger wird auf deiner Arbeit :-)
Falschparker
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Re: ADHS und öffentlicher Dienst

Beitragvon Falschparker » 12. Mai 2012 23:35

Hallo Einstein,

ich ging schon davon aus, dass Eichhörnchen eine Diagnose hat, sie (oder er?) bekommt schließlich auch Medikamente. Die Begriffe "Psychologin" und "Psychiaterin" werden in diesem Forum manchmal sehr diffus gebraucht, da habe ich mich schon dran gewöhnt. Manche Psychologen arbeiten ja auch mit Ärzten zusammen, die dann die Rezepte ausstellen.

5 % sind etwas wenig, 50 % eher unrealistisch, außer es gibt schon massive Folgeprobleme. Aber mit 30 ist man ja schon einem Schwerbehinderten "gleichgestellt".
<><
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Re: ADHS und öffentlicher Dienst

Beitragvon Stefan Maier » 13. Mai 2012 14:13

50% Schwerbehinderung bei ADHS sind unrealistisch. Das bekommt man nur bei voller Erwerbsunfähigkeit, diese liegt bei mir aufgrund von psychosomatischen Beschwerden vor.

20% Behinderung bei ADHS sind realistisch. Das reich aber nicht mal zu einem Gleichstellungsantrag. Den kann man erst ab 30% stellen.

Wie man auf 50% bei ADHS und voller Erwerbsfähigkeit kommen soll hätte ich mal gerne gewusst.  :Frag:
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ChaosBienchen
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Re: ADHS und öffentlicher Dienst

Beitragvon ChaosBienchen » 13. Mai 2012 18:40

Na ja, 30% sollte man schon bekommen - Widerspruch allerdings wahrscheinlich.

Zudem kommt ADHS ja selten allein...der Bericht des behandelnden Arztes gibt da sicher noch etwas her, damit man 30% begründen kann.

Ist aber im Grunde ein Witz, dass man nicht besser geschützt wird, schließlich kann unser ADHS das Leben sehr erschweren und gerade in beruflicher Hinsicht ist ein Entkommen kaum möglich.
Ich finde, dass ADHS einen Anspruch auf mindestens 30% grundsätzlich begründen sollte!!!
Nur meine Meinung....wer es in Anspruch nimmt oder nicht, bleibt dabei ganz aussen vor.

Wir sollten eine Vereinigung gründen: mehr Rechte und Schutz für alle ADHS´ler :-)
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Re: ADHS und öffentlicher Dienst

Beitragvon Stefan Maier » 13. Mai 2012 20:02

30% nach Widerspruch, mag sein.

Bei mir sind es aktuell 50% aufgrund einer Anpassungsstörung und Panikstörung, mit voller Erwerbsminderung.

50% "nur" bei ADHS (Aufmerksamkeitsstörung) werden kaum gewährt, schon gar nicht, wenn man voll erwerbsfähig ist.

Ein Freund von mir, er hat ebenfalls eine Anpassungs- und Panikstörung und kann derzeit nicht arbeiten, hat gerade mal 20% bekommen. Ohne Gutachten läuft da nichts. Daher würde mich schon mal interessieren, wie man auf 50% bei ADHS kommen soll?
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Re: ADHS und öffentlicher Dienst

Beitragvon ChaosBienchen » 13. Mai 2012 20:25

Ja, wie man auf 50% kommen kann, möchte ich auch gerne wissen :-)
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MrsKleeblatt
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Re: ADHS und öffentlicher Dienst

Beitragvon MrsKleeblatt » 17. Mai 2012 11:25

Also ich habe 50% Behinderung (im Moment noch), wegen ADHS und weiss nicht, was ich damals noch alles angegeben habe (mir ist gesagt wurden, dass ich soviel angeben soll, wie mir einfällt. Ich würde sowieso niemals 50% bekommen...)
Allerdings muss ich etwas korrigieren: Ich bin voll erwerbsfähig. Zum Glück, denn sonst hätte ich meine Umschulung (in Vollzeit), mit der ich gerade kurz vor der Abschlussprüfung stehe, nicht machen können.

Also: Schwerbehinderung ist nicht zwingend mit Erwerbsunfähigkeit verbunden. Ich weiss nicht ganz sicher, aber ich glaube, man kann auch mit 100% Schwerbehinderung noch erwerbsfähig sein.
(Man muss sich vorstellen: Jemand der absolut blind ist oder von der Halswirbelsäule abwärts gelähmt, der kann trotzdem bestimmte Sachen noch arbeiten und dafür auch Gehalt bekommen - unter Umständen vielleicht sogar ganz gutes Gehalt.)
Zuletzt geändert von MrsKleeblatt am 17. Mai 2012 11:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: ADHS und öffentlicher Dienst

Beitragvon Stefan Maier » 18. Mai 2012 12:58

"Also: Schwerbehinderung ist nicht zwingend mit Erwerbsunfähigkeit verbunden."

Stimmt. Wenn man 3 Stunden und mehr am Tag arbeiten kann, was auch immer, dann gilt man als erwerbsfähig. Da spielt der Grad der Behinderung keine Rolle.

Ich kann das nicht, habe aber gerade mal 50% bekommen. Wie die das ermitteln? Vielleicht durch Würfeln.
Einstein

Re: ADHS und öffentlicher Dienst

Beitragvon Einstein » 18. Mai 2012 13:29

Was die Zweifel hier an 50 % Schwerbehinderung angeht so spreche ich aus Erfahrung vergleichbarer Anträge anderer ADHS-Patienten. Fast nie kommt ADHS alleine. In aller Regel liegen auch Komorbiditäten vor (Depressionen, Persönlichkeitsstörung, etc.). Ich kenne etliche ADHS-Betroffene die 50 % Schwerbehinderung erhalten haben mit Hauptgewichtung auf dem ADHS! Ähnliche Ausküfte habe ich auch vom Sozialdienst der ADHS-Schwerpunktklinik Bad Bramstedt und auch von Fachleuten von ADHS Deutschland e.V..

Es gibt von ADHS Deutschland e.V. ein neues Buch "ADHS und Recht", in dem dezidiert auf Möglichkeiten der Anerkennung als Schwerbehinderter eingegangen wird.

Fazit: Mir sind eine Reihe von Fällen bekannt, in denen Menschen mit ADHS v.a. wegen dem ADHS einen Grad der Schwerbehinderung von 50 % anerkannt bekommen haben! Dies ist aus meiner Sicht bei einer stark ausgeprägten ADHS auch gerechtfertigt. Wenn diese noch -wie meist- mit Komorbiditäten einhergeht, kann man das durchaus begründen. Die Auswirkungen auf die gesamte Lebensführung sind dann immens!
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Eichhörnchen6
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Re: ADHS und öffentlicher Dienst

Beitragvon Eichhörnchen6 » 28. Mai 2012 22:34

Hallo Falschparker, Hallo Einstein,

Sorry, dass ich mich solange nicht gemeldet habe, aber das Gedankenkarussell hat mich am Antworten gehindert. Ihr wisst schon... :schäm:
Vielen Dank für Eure Antworten! :ja1:

Um Eure Fragen zu beantworten: Ja, laut Personalrat darf der Abtl. ein Zweitgutachten anfordern, wenn er eine ausführlichere Begründung haben möchte. Ein richtiges Zweitgutachten ist es also nicht im eigentlichen Sinne, eher eine "Nachbesserungsanforderung". Allerdings gebe ich dir Recht, wie oft kann so eine Nachbesserung gefordert werden??? Der Personalrat und die FB konnten mir das auch nicht beantworten, so etwas ist bei uns im Amt noch nie vorgekommen. :Frag:

Zu meiner Diagnose: Stimmt, ich habe die Begriffe Psychologe und Psychiater  verwechselt. Meine Ärztin ist auf Erwachsenen- ADHS spezialisiert und die Diagnose nach den momentan gültigen Leitlinien gestellt. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass ich diesem Chef nichts davon erzählen kann. Überspitzt gesagt denkt er etwa folgendermaßen: Wenn jemand einen Bandscheibenvorfall oder eine Blinddarmentzündung hat, ist er krank, weil man es demjenigen ansieht. Bei diesem "Psychokram" dagegen sieht man nichts, ergo ist man voll belastbar und hat zu funktionieren. Alles andere ist Drückebergerei. Deshalb hat er auch das erste Amtsarztgutachten nicht akzeptiert. Das Schlimme ist: er ist nicht verpflichtet, es zu akzeptieren :Frag:

Und welche Vorschläge hättest du denn, um das objektive Problem (falls vorhanden), also dass als "Personalausgleich" jemand woanders hinmuss? Gibt es da eine andere Person, die im Gegensatz zu dir vielleicht ganz glücklich wäre?


Mmh, außer dem Kollegen, der lautstark um Personalausgleich gebeten hat, sieht sonst keiner wirklich eine Notwendigkeit dazu. Man könnte behaupten, das sich die Abteilungsleitung über den Tisch hat ziehen lassen. Genau das kann sie aber nicht zugeben. :108: siehe Gesichtsverlust


Zu der Sache mit der Schwerbehinderung: Ich weiß nicht, ob ich damit wirklich weiterkomme. In meinem Tätigkeitsbereich würde das auf eine Frühpensionierung hinauslaufen. Das will ich nicht wirklich. Zumal ich mich mit einem verständnisvollen Vorgesetzten voll arbeitsfähig fühle (der Amtsarzt sieht das übrigens genauso) und mir mein Job (grundsätzlich) Spass macht. Er ist sehr abwechslungsreich und ich kann (an meinem jetzigen Arbeitsplatz) meine Zeit frei einteilen.

Das mit dem was anderes suchen ist genau mein Problem: Ich kann in meinem Amt nicht wechseln, weil der Flurfunk des Amtes schon "Bescheid" weiß. Ich kann zu keinem anderen Amt wechseln, weil meine Ausbildung in anderen Ämtern nicht passt. Oh Mann... :aufsmaul_2:

Ansonsten ist das Zusatzgutachten immer noch nicht da und die Herren Abteilungsleiter sind durch neue Projekte abgelenkt. Mal sehen, vielleicht haben sie das Interesse daran verloren. Ich wünsche es mir inständig.

Drückt mir feste die Daumen!
vorsichtig optimistische Grüße
Eichhörchen6
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Re: ADHS und öffentlicher Dienst

Beitragvon Majana » 1. Juni 2012 18:03

Hallo,

[quote=&quot;MrsKleeblatt&quot;] Also: Schwerbehinderung ist nicht zwingend mit Erwerbsunfähigkeit verbunden. Ich weiss nicht ganz sicher, aber ich glaube, man kann auch mit 100% Schwerbehinderung noch erwerbsfähig sein.
(Man muss sich vorstellen: Jemand der absolut blind ist oder von der Halswirbelsäule abwärts gelähmt, der kann trotzdem bestimmte Sachen noch arbeiten und dafür auch Gehalt bekommen - unter Umständen vielleicht sogar ganz gutes Gehalt.)
[/quote]

das ist richtig! Der Grad der Behinderung (nicht Prozent!) hat nichts mit der Erwerbsfähigkeit zu tun. Es gibt Menschen, die nur einen geringen GdB haben, und erwerbsunfähig sind. Genauso geht das natürlich auch andersherum. Ich habe zum Beispiel einen GdB von 100 und bin voll erwerbsfähig im öffentlichen Dienst mit einer Vollzeitstelle.

Dir liebes Eichhörnchen wünsche ich, dass endlich Ruhe einkehrt und es dir wieder besser geht :)

LG Majana
„Lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar!“

Astrid Lindgren
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Re: ADHS und öffentlicher Dienst

Beitragvon Eichhörnchen6 » 13. Dezember 2012 23:57

Hallo Zusammen,

Hallo Zusammen,

Ich bin letzten Herbst knapp an einem totalen Burn- Out vorbeigeschrammt (vordergründig wegen neuem, sich als untragbar für mich erweisendem Chef)
Als ich mich bei einer lieben Freundin ausheulte, meinte sie unter anderem, ich könnte gut ADHS haben. Die Psychologin bei der ich dann war, hat das bestätigt und behandelt mich seitdem auch.

Ich habe wegen dem Chef die Notbremse gezogen und auf die neue Stelle (auf die ich mich selber beworben hatte  icon_eek) verzichtet und um Rückversetzung in meinen alten Arbeitsbereich gebeten. Das hat auch erstmal geklappt und ich war heilfroh, das ich wieder sehr frei arbeiten konnte und ich als Mensch und meine Arbeit wieder anerkannt wurde.

Dann kam die Abteilungsleitung auf die absurde ( und nebenbei bemerkt: sachlich unsinnige) Idee, mich zum  Personalausgleich in einen anderen Aufgabenbereich zu versetzen. Der Vorgesetzte dort wäre nun leider auch gar nicht gegangen, dort hätte ich mich auch nie hinbeworben, so daß ich dieser Versetzung widersprochen habe.
Ich habe in dem Gespräch so argumentiert, dass ich wegen der Sache oben in psychologischer Behandlung bin, ich ihre Unterstützung brauche, ich zur Stabilisierung meines Zustandes das mir bekannte Arbeitsfeld und mir bekannte, mich wertschätzende Kollegen brauche und deshalb die Versetzung einfach nicht geht. Die Diagnose ADHS habe ich nicht erwähnt, weil ich Angst habe, dass ich in die "Bekloppt- Schublade" gesteckt werde, und da nie wieder rauskomme.

Beim ersten Gespräch war der Abteilungsleiter und sein Vertreter auch sehr betroffen und es fielen Aussagen wie: "Mensch, hätten wir gewußt, wie schlecht es ihnen geht, hätten wir anders entschieden", aber auch schon "Mmh, das können wir jetzt nicht mehr ändern, wir verlieren sonst unser Gesicht gegenüber den anderen Mitarbeitern." "Wir warten erstmal das neue Jahr, dann wird es ihnen sicherlich schon besser gehen." Ich habe gleich darauf hingewiesen, das es sicher länger dauern wird, bis ich mich neu sortiert habe. Dieses Gespräch war für mich ein Volltreffer ins Kontor, der kleine Schritt, den ich bis dahin in der Therapie gemacht hatte, war natürlich völlig futsch. Ich habe wieder keine Nacht mehr richtig geschlafen, weiter abgenommen und fühlte mich mit dieser neuen Unsicherheit völlig ohnmächtig.

Neues Jahr, nächstes Gespräch, "Ihnen gehts doch wieder gut, man merkt ihnen gar nichts an, wir wollen sie zum 01.02. versetzen". Ich habe wieder abgelehnt, Begründung siehe oben.Erst völlige Ratlosigkeit seitens der Abt.- Leitung, dann Drohung, wenn sie nicht..., dann lassen wir ihre Dienstfähigkeit durch den Amtsarzt überprüfen! Wollen sie das? Ich habe geantwortet, dass ihnen das wohl zustünde, aber mir die Frage erlaubt, was sie sich davon versprechen würden. Die Antwort war, sie müssten das, weil sie sonst ihrer Fürsorgepflicht als Dienstherr nicht nachkommen würden.Hätte ich im Anschluß an dieses Gespräch nicht 4 Wochen Urlaub gehabt, ich hätte mich krankschreiben lassen müssen, so fertig war ich.

Ich war beim Amtsarzt und hatte das Glück, das dieser nicht nur mal was von ADHS gehört hat und mich mit meinem Problem sehr ernst genommen hat. Er hat natürlich auch gefragt, was ich selbst zur Verbesserung der Situation beitrage (Behandlung u. a. mit Medis bei der Psychologin, Psychotherapie). Im Gutachten stand, das ich aus ärztlicher Sicht momentan nicht versetzt werden kann.
Im darauffolgenden Personalgespräch hatte ich deutlich das Gefühl, daß der Abteilungsleiter mit diesem Ergebnis nicht gerechnet hatte. Dieses Ergebnis wäre ihm zuwenig begründet, er würde ein Zweitgutachten anfordern. Ich hatte außerdem das Gefühl, das es nicht mehr um den Personalausgleich, um mich und meine Probleme, sondern nur noch um um die Frage geht, wer kann (und darf) hier über wen wie bestimmen. Wieder dasselbe: wochenlang nicht schlafen können, weil die Gedanken im Kreis fahren, das was ich zugenommen hatte, wieder abgenommen...Diese Ohnmacht, das Gefühl, daß die einen solange weichkochen wollen, bis man endlich sagt, na gut, ich machs doch, ich hab mir meine Probleme nur eingebildet  :neiiin: smilie_wut_122 :zorni: (für wie blöd halten die einen eigentlich?)
Das Zweitgutachten ist noch nicht da, wobei ich denke, das da dasselbe drinsteht wie im Ersten.


Die Frage ist: Was fällt meinen Herren Abteilungsleitern als nächstes ein? Wer hat schon mal solche oder ähnliche Erfahrungen gemacht und kann mir einen Rat geben, wie ich weiter damit umgehen soll? Die Gleichstellungsbeauftragte ist mit im Boot, der Personalrat weiß Bescheid, konnte aber auch nichts bewirken. Bei der Personalberatungstelle war ich auch schon....Oh Mann, ich kann nicht mehr, null Verständnis, nur ihre scheiß "Autorität" wahren!
Achso, mein direkter Vorgesetzter ist ein Goldstück,er weiß auch komplett bescheid, kommt aber gegen den Abteilungsleiter auch nicht an.

Im Moment völlig fertige Grüße
Eichhörchen6


Hier die Fortsetzung: :108:
Das Zweitgutachten kam während meines Sommerurlaubs. Bei diesem zweiten Amtsarzttermin hat der Arzt fast einen Wutanfall gekriegt über soviel Unverfrorenheit meines Abt.-Leiters. Also stand dasselbe drin, wie im Erstgutachten. Jetzt könnte alls gut sein, dachte ich, aber weit gefehlt.

"Amtsärztliche Gutachten seien nicht verbindlich, er würde immer noch darüber nachdenken, mich trotz der Gutachten zu versetzen"  und "Es wäre ihm sehr wichtig, dass er in dieser Sache sein Gesicht (gegenüber wem eigentlich?)wahrt indem die Versetzung so bald wie möglich über die Bühne geht."so mein Abteilungsleiter.
Daraufhin habe ich ihm gesagt, dass sich in meiner PT immer deutlicher herauskristallisieren würde, dass der Chef an der mir zugedachten Stelle sehr wahrscheinlich nie gehen wird. Darauf mein Abt. Leiter: Also für ihn sei die "Geschichte" erst dann abgeschlossen, wenn ich irgendwohin versetzt sei. :aufsmaul_2:Von irgendwelchen sachlichen Notwendigkeiten war keine Rede mehr!

Das war Anfang Oktober. Nach diesem Gespräch war ich völlig am Boden zerstört. Null Konzentrationsvermögen (mit Medis!) zunehmend Rückenschmerzen und keine Chance, länger als 2- 3 Stunden zu schlafen vor lauter Gedankenknödel.

Zu meinem Glück hat mein direkter Chef die Situation früher erkannt als ich und mich nach hause geschickt.

Jetzt bin ich seit 8 Wochen krankgeschrieben und weiß noch nicht wirklich, wie es weitergehen soll. :baw:

immer noch völlig fertige Grüße
Eichhörnchen.
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Re: ADHS und öffentlicher Dienst

Beitragvon Eichhörnchen6 » 2. Oktober 2017 15:03

Es geschehen noch Zeichen und Wunder!

Nach fünfeinhalb Jahren, in denen es im Wesentlichen so weiterging wie oben beschrieben ( im Rückblick: wie habe ich das bloß ausgehalten :shock: ?) und für mich eigentlich nur noch die Frühpensionierung aus gesundheitlichen Gründen in Frage kam, passierte Folgendes:

Die Abteilungsleiterin der Verwaltung ließ mich fragen, ob ich mir vorstellen könnte, zu ihr zu wechseln und den Bereich Arbeitsschutz zu verstärken. Sie bräuchte dringend jemanden mit technischer Ausbildung, da ihr aufgefallen war, dass die Verwaltung keinen Draht zu den technischen Abteilungen aufbauen konnte.

Jetzt bin ich seit einiger Zeit dort, meine Arbeit wird geschätzt und macht mir Spass und ich bin sogar letzten Herbst im Krankenstand befördert worden!

Es dauerte einige Monate, bis ich wieder Vertrauen in Vorgesetzte gefasst hatte. Genau das wurde mir aber von meiner neuen Sachgebietsleiterin zugestanden, obwohl sie nichts über meine "Spezialverdrahtung" weiß.

Uff! Mir ist ein Felsbrocken vom Herzen gefallen!

Mit erleichterten Grüßen
Eichhörnchen6
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Re: ADHS und öffentlicher Dienst

Beitragvon Gutemiene » 5. November 2017 20:04

Liebes Eichhorn,

das ist eine sehr gute NAchricht und wenn man das Vorangegangene liest, kann man sich gar nicht genug mit dir freuen.

Falls du trotzdem die Schwerbehinderung anstrebst (ein paar Urlaubstage mehr im Jahr sind ja nicht zu verachten), kannst du dich gerne per p-Nachricht an mich wenden. So einfach ist es nämlich nicht mit den Behinderungsgraden.

Viel Erfolg weiterhin und stabile Gesundheit!
"Mach' GUTEMIENE zum Besenspiel" :lol:
Murmel
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Re: ADHS und öffentlicher Dienst

Beitragvon Murmel » 6. November 2017 18:23

Hallo Eichhorn,

das liest sich ja ganz toll. Dann hat sich für dich ja doch noch alles zum Guten gewendet.
Über einen Schwerbehindertenausweis kannst du ja immer noch nachdenken. Ab einem GdB von 50 kommst du in den
Genuss von weiteren Vorteilen, mehr Urlaub, Kündigungsschutz. Mehr Urlaub bekommst du allerdings nicht bei einer
Gleichstellung.

LG Murmel

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