Medis sind aufs Herz geschlagen...

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merjabora
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Medis sind aufs Herz geschlagen...

Beitragvon merjabora » 12. Januar 2016 08:02

Hallo,

unser Sohn hat erst Mehtylp. bekommen, welches so stark auf die QT-Kurve geschlagen ist, dass es abgesetzt wurde. Nach weiteren Versuchen mit Attentin und Elvanse mussten wir nun die komplette Medikamentengabe einstellen.
Was soll ich sagen... seit ein paar Wochen sind die EKG`s nun auch wieder in Ordnung. Ein Glück.

Aber natürlich geht es in der Schule immer weiter abwärts. Vom Sozialen und vom Schulischen ausgesehen.

Meine Frage an euch: habt ihr mit anderen Dingen Erfolge erzielen können?

Unsere Sohn geht unterstützend zum Neurofeedback, was mittlerweile zu Erfolgen im alleinigen Lernen und Konzentrieren geführt  hat, aber in einer Klasse von 30 Kindern hilft das nicht, das sind einfach zu viele.
Jetzt ist die Schule an uns herangetreten, dass sie einen Termin beim Schulpsychologen machen möchten, da unser Sohn sich komplett verweigert, abkapselt... und auch oft aus der Schule mit Erbrechen, Kopfschmerzen... kommt. Das haben wir soweit alles abklären lassen, es ist gesundheitlich alles ok. Aber natürlich kann man sich in seine Lage der Überforderung hineinversetzte. Wir bringen ihn jetzt immer zur Schule und holen ihn ab, da allein die Busfahrsituation schlimm für ihn ist.

LG

Ramona
Eule
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Re: Medis sind aufs Herz geschlagen...

Beitragvon Eule » 12. Januar 2016 10:00

Es liest sich ein bisschen als hätte dein Junior Schwierigkeiten mit Reizfilterung/Wahrnehmung und dadurch heftigen Stress in Gruppensituationen.

Spielt da womöglich nicht nur eine Reizfilterschwäche, sondern auch Mobbing durch Mitschüler oder andere Leute im Bus eine Rolle?

Ich glaube nicht dass es über die allgemeinen Regeln zu "gesunder Ernährung" hinaus "Präparate" gibt die bei ADHS unterstützend wirken können, schon gar nicht wenn die Auswirkungen offensichtlich heftig sind.

Das was du schilderst, klingt nach einer Reaktion auf eine Reaktion des Umfelds. Also sowas wie:
1. ADHSler verhält sich aufgrund seiner Reizüberflutung oder weil er nur die Hälft des releanten mitkriegt "komisch"
2. Umfeld reagiert mit Meckern, runtermachen, verspotten
3. ADHSler versteht nicht warum die anderen ihn angreifen und nicht ok finden, reagiert mit Verteidigung, Gegenangriff, oder Rückzug, Selbstzweifel, Unsicherheit
4. Teufelskreis, da das Interaktionsmuster für beide Seiten den eigentlich falschen Eindruck bestätigt bzw besonders bei Mobbing den Mobbern ein Machtgefühl gibt und die Verunsicherung / Angst des Gemobbten verstärkt.

Aus meiner Sicht wäre da sowas wie ein Selbstsicherheits- oder Selbstbehauptungstraining eine Idee - sowas wird für Kinder und Jugendliche meist im Zusammenhang mit Gewalt- oder Drogenprävention angeboten.

Auch ein Sozialkompetenz-Training oder eine Verhaltenstherapie könnten in dieser Richtung helfen.

Allerdings bleibt bei all diesen Dingen die Frage ob er ohne Medis aus solchen Ansätzen was mitnehmen kann, da bis auf die Verhaltenstherapie alles mindestens in einer Kleingruppe stattfindet. Und auch eine VT ist in diesem Zusammenhang nicht absolut zwingend Einzeltherapie.

Was mir zu den Medi-Versuchen noch einfällt: Falsche Dosierung, sprich zu hoch? Oder trat das Herzproblem schon bei niedrigster Dosierung auf? Ist es vorstellbar dass die Dosis zügig (weniger als 1 Woche bei einer Dosis geblieben) gesteigert wurde weil es keine oder zu wenig wahrnehmbare Wirkung gab, so dass der erste festgestellte Effekt eben ein unerwünschter war? Zumindest bei MPH sagt man dass Patienten mit Ängsten weniger davon profitieren als welche bei denen das kein Thema ist.
merjabora
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Re: Medis sind aufs Herz geschlagen...

Beitragvon merjabora » 12. Januar 2016 12:17

Nein, die Dosis war in allen Fällen immer sehr niedrig und schön langsam eingeschlichen. Das war ja auch so eine komische Sache, dass die ersten Wochen erst alles gut ging und dannn fing das mit Herz erst wieder an.

Jetzt ist alles weg. AUch der Kardiologe hat alles an Unterscuhungen gemacht. Alles in Ordnung und kein Fehler, den er vielleicht von Geburt an hätte...

Morgen haben wir erst einmal wieder einen Termin bei seinem Psychologen.
Eule
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Re: Medis sind aufs Herz geschlagen...

Beitragvon Eule » 12. Januar 2016 13:35

"Erst alles gut und mit steigender Dosis Nebenwirkungen" ist eine so ungenaue Beschreibung dass darunter zweierlei verstehbar ist:

Möglichkeit 1: "naja, es hilft in niedriger Dosis ein winziges bisschen, aber das bringt noch nicht genug, also wird nachgelegt, vielleicht gibt es eine weitere kleine Verbesserung, aber bevor die Verbesserung wirklich nennenswert ist kommen inakzeptable Nebenwirkungen.
mögliche Erklärung dazu: Entweder tatsächlich sehr geringe Wirkung, oder falsche Vorstellungen / Erwartungen an die Wirkung, Schwierigkeiten eine Wirkung gerade bei einem Kind als Elternteil zu erkennen und einzuordnen, dadurch unbeabsichtigt falsche Info an den Arzt der aufgrunddessen eine nicht geeignete Dosisanpassung veranlasst, bis es schließlich zu den Nebenwirkungen kommt.

Das Thema ist schwierig, ich habe mir bei Beginn meiner eigenen Einstellung mit MPH als Erwachsene auch einiges anders vorgestellt als es dann war. Es gibt dabei leider nicht unbedingt einen überwältigenden Wow-Effekt, als wäre ein Schalter umgelegt und plötzlich läuft es. Oft sind es kleine Details die an einer Stelle Entlastung schaffen, so dass Veränderung möglich wird. Die Frage woran eine Medi-Wirkung erkannt werden kann wird hier im Forum sowohl von Eltern deren Kinder gerade eingestellt werden http://www.adhs-anderswelt.de/http://lo ... .php?f=5.0 als auch von Betroffenen Erwachsenen http://www.adhs-anderswelt.de/http://lo ... .php?f=1.0 sehr häufig gestellt, ich hoffe du hast da während oder vor dem Einstellversuchen bei deinem Sohn mal mitgelesen um eine Vorstellung von der Wirkung zu bekommen.

Ich bin z.B. sehr geräuschempfindlich, und muss daher z.B. in einem Cafe oder einem Großraumbüro viel Energie dafür verwenden die Gespräche von Leuten an anderen Tischen, Telefonate von Kollegen 5 Plätze weiter oder Umgebungsgeräusche wie vorbeifahrenden Verkehr trotz geschlossener Fenster, Computerlüftern, tropfendes Wasser vom regennassen Dach oder aus dem undichten Wasserhahn im Bad am anderen Ende der Wohnung auszublenden. Mit Medis fällt mir das Ausblenden und filtern leichter, also wird der Klönschnack im Cafe angenehmer, ich schaffe es besser am Thema und meinen Gesprächspartnern dran zu bleiben, ich kann im Büro schneller eine Mail schreiben weil ich nicht mehr gedanklich dem Telefonierenden Kollegen statt meinem eigenen Schreiben folge, oder rege mich im Fall des nicht abstellbaren Verkehrsgeräuschs eben nicht auch noch drüber auf und binde damit noch mehr meiner "Arbeitsspeicherkapazität" in Dingen, die gar nicht die eigentliche Aufgabe sind.

Möglichkeit 2: Unter "alles gut" ist "Keine Nebenwirkung oder unerwünschte Wirkung" zu verstehen. Leider gibt es jedoch auch keine positive Wirkung, bis irgendwann mit steigender Dosis als erster und einziger Effekt die Herzprobleme auftraten.

Das kann es tatsächlich geben - nennt man non-responder. Ist aber nach meinen Informationen extrem selten, erst recht dann wenn Medikamente mit unterschiedlichen Wirkstoffen ALLE keine Wirkung zeigen.

In diesem Fall könnte auch ein nochmaliges Suchen nach anderen (organischen) Erklärungen als ADHS für das Verhalten deines Kindes sinnvoll sein. Da wäre mein erster "Verdächtiger" die Schilddrüse, da sowohl Unterfunktion als auch Überfunktion sowie Hashimoto so einiges an ADHS-ähnlichen Symptomen verursachen. Daher gehört eine ausführliche Abklärung ob es möglicherweise eine "Fehlfunktion" der Schilddrüse gibt sowie bei auffälligen Werten eine medikamentöse Korrektur derselben auf jeden Fall zu einer guten ADHS-Diagnostik dazu. Natürlich kann man auch eine Schilddrüse die "rumspinnt" UND ADHS haben, so dass ein Teil der Symptome auch wenn die SD-Werte mit passenden Medis im mittleren Normbereich landen weiterhin besteht. Um die kann man sich dann ggf doch nochmal aus dem ADHS-Blickwinkel kümmern, und vielleicht klappt das dann auch nur mit Therapie oder mit einer so niedrigen Dosis ADHS-Medis dass keine Nebenwirkungen auftreten.
Elchi
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Re: Medis sind aufs Herz geschlagen...

Beitragvon Elchi » 12. Januar 2016 14:26

[quote="Eule"]
...sowie bei auffälligen Werten eine medikamentöse Korrektur derselben auf jeden Fall zu einer guten ADHS-Diagnostik dazu.
[/quote]

Dazu würde ich gerne ergänzen, dass die Werte nicht unbedingt für den Arzt "auffälig" sein müssen, um Probleme mit der Schilddrüse zu haben. Meine Tochter hat Hashi, aber noch nie Werte außerhalb der Referenzwerte gehabt.
Zum Glück haben wir einen Arzt gefunden, der sie wegen ihrer eindeutigen Symptome (und einer leicht echoarmen SD) auf Medis eingestellt hat.
Dieser Arzt war aber erst der 7. oder 8. Wir hatte auch Ärzte dabei, die der Meinung waren "in dem Alter hat man noch nichts an der Schilddrüse" und gleich mal jede Untersuchung abgelehnt haben.

Da heißt es also hartnäckig bleiben, bis die Abklärung wirklich umfangreich gemacht wurde (also nicht nur TSH-Wert).

LG
Elchi

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