Alternativen zu Ritalin

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Penelopixe
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Alternativen zu Ritalin

Beitragvon Penelopixe » 30. November 2010 10:53

Hallo und gleich eine Frage,

weiß jemand, ob es auch Alternativen gibt zu Ritalin, die etwas weniger "hart" sind? Ich bin da mmer etwas skeptisch, zumal eine Freundin mir sagte, sie habe mit Homöopathie oder irgendwas Pflanzlichem bei ihrem Sohn es immerhin geschaft, dass er sich in der Schule und bei den hausaufgaben besser konzentriert.


Danke im Voraus
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Gartenlust
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Re: Alternativen zu Ritalin

Beitragvon Gartenlust » 30. November 2010 10:58

Hallo und herzlich willkommen!

Beim Datencrash sind sicherlich viele Kommentare zu diesem Thema verlorengegangen, es sind aber auch reichlich Kommentare übergeblieben. Nutze mal die Suchfunktion (z. B. Homöopathie). Dann wirst du fündig.
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Pünny
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Re: Alternativen zu Ritalin

Beitragvon Pünny » 30. November 2010 11:04

Hallo :winken:

hmmm,also ich wollte das auch schon mal versuchen,allerdings war mir die Zeit,bis homöopathie endlich wirkt zu lange.Die Zeit konnten wir uns nicht leisten,weil seine schulischen Leistungen rapide schlechter geworden waren.Und ausserdem ist das nicht grade eine billige Angelegenheit.
Unser Sohn bekommt Amphetaminsulfat.Bei ihm sind die Nebenwirkungen nicht ganz so extrem und der Reboundeffekt ist auch nicht so krass als wie mit MPH.

LG

Pünny
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Re: Alternativen zu Ritalin

Beitragvon Penelopixe » 30. November 2010 14:01

Danke für die Info, ich bin da etwas geduldig, zumal es beim Sohnemann noch nicht so schlimm ist. Insofern ist mir so ein doch starkes Medikament noch zu früh. Wenn Homöopathie oder was Pflanzliches hilft, ist doch wohl besser, obwohl ich gehört habe, dass pflanzliche Präparate auch Nebenwirkungen haben können. Wer da noch einen Tip hat, dem sei Dank. Ich suche aber auch noch kräftig.
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Re: Alternativen zu Ritalin

Beitragvon nixe » 30. November 2010 15:28

Phytomedizin, das heißt pflanzliche Medizin, verwendet pflanzliche Substanzen. Im Prinzip genauso Chemie wie "normale" Präparate, d.h. es können sowohl Wirkungen als auch Nebenwirkungen auftreten. Bloß ist der Wirkstoff irgendwann mal irgendwo als Pflanze gewachsen, zumindest der Ausgangsrohstoff.

Mir ist kein pflanzliches Präparat bekannt, daß eine dem MPH vergleichbare Wirkung bei ADS entfalten würde.

Homöopathie dagegen verzichtet auf die Verwendung von Substanzen, es kann daher weder eine kausal bedingte Wirkung durch ein bestimmtes Mittel, noch eine Nebenwirkung auftreten. Der Placeboeffekt ist eine tolle Sache, kann man aber auch finanziell günstiger erzielen. Bisher konnte in keiner wissenschaftlich haltbaren Studie der Nutzen von Homöopathie bei der Behandlung von ADS oder irgendeiner anderen Krankheit nachgewiesen werden. 

Ganz allgemein würde ich dazu raten, die Frage nüchtern zu betrachten. Es gibt keine moralische Dimension von Wirkstoffen.
Es kommt schlicht darauf an, was wem in welcher Dosis gut hilft und nicht, welcher Name auf dem Etikett steht.
Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar. (Ingeborg Bachmann)
Falschparker
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Re: Alternativen zu Ritalin

Beitragvon Falschparker » 1. Dezember 2010 11:58

Liebe Penelopixe,

herzlich willkommen im Forum!

Es gibt eine Menge nichtmedikamentöse Maßnahmen, die man auch ohne Ritalin einsetzen kann (und die mit ebenso wichtig sind!). Elterntrainining, Gruppentherapien, Absprachen mit den Lehrern usw. Auf gute Ernährung, genug Flüssigkeit und genug Schlaf zu achten ist auch nie ein Fehler. Manche Betroffene kommen durchaus ohne Medis klar.

Eine Alternative zu Stimulanzien (Ritalin, Amfetamin) gibt es nicht. Stimulanzien sind erste Wahl (wenn es um Medikamente geht), und das aus gutem Grund. Weil alles Andere schlechter wirkt und mehr Nebenwirkungen hat. Wenn die nicht wirken, gibt es Alternativen (Strattera u. a.). Aber erst dann.

Wie kommst du darauf, Ritalin sei "hart" oder "doch stark"? Methylphenidat gilt doch als nebenwirkungsarm und bewährt. Lass dich mal nicht verunsichern von der (leider verbreiteten) Anti-Propaganda.

Hart ist die AD(H)S selbst, jedenfalls wenn sie nicht oder unzureichend behandelt wird. Die "Nebenwirkungen" einer Nicht-Behandlung können sehr schlimm sein- viel größere Unfallgefahr, schulisches oder berufliches Versagen, geringes Selbstbewusstsein, Suchtkrankheiten, instabile Partnerschaften.

Wie gesagt, nicht Jede/r braucht Medikamente. Aber wenn, dann auch wirksame! Das Geld und die Zeit für pflanzliche oder homöopathische "Alternativen" kannst du sparen.

Mein Sohn nimmt Methylphenidat, seit er fünf ist, ich selbst seit ich 38 bin, und wir haben sehr positive Erfahrungen gemacht.

Viele Grüße und alles Gute  :winken:
Falschparker
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papillonindigo
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Re: Alternativen zu Ritalin

Beitragvon papillonindigo » 1. Dezember 2010 17:54

Hallo Penelopix,

Bevor ich mit MPH angefangen hatte und auch weil ich angst davon hatte, habe ich mit eine gingkopreparat probiert. Es hat bei mich gut gewirkt und jetzt nehme ich weiter zu D-amphetamin (naja, gingko war doch bei mich nicht genug).

Ich hatre auch joanniskraut probiert, aber ich merkte nur eine wirkung bei die stimmung, gar nicht bei die konzentration. Mein arzt hat mich gesagt dass er einige patienten hat die mit der kombination gingko+joanniskraut gut zu recht kommen.

Ich finde auch gingko wirkt nicht genau wie MPH: es tut die hirndurchblutung fördern und dadurch ist die konzentration besser. Ich finde, MPH hilft ehe dass der hirn nicht nur "besser" funktionniert aber auch etwa "normaler".

lg
:vier: So geht es mir beim Rebound oder nach einem langen Stadtbummel
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Re: Alternativen zu Ritalin

Beitragvon Liz33 » 1. September 2014 02:32

Hallo Penelopix,

ich selbst wollte kein Ritalin mehr nehmen, weil es mir zu viel Spaß und Kreativität genommen hat. Ein Bekannter griff stattdessen zu Kanabis... das war für mich ausgeschlossen. Kurz gesagt: Ritalin und Co sind für mich (und auch für andere) ausgeschlossen, da die Nebenwirkungen zu sehr in das eingreifen, was mich ausmacht. Es gibt einige Alternativen, aber auch die sind nicht immer ohne Nebenwirkungen. Ich habe für mich einen guten Weg gefunden, der ohne zwar ein paar Änderungen in meinem Alltag erforder hat, aber sonst keine negativen Folgen oder Nebenwirkungen hatte.
Es gibt ja unglaublich viele und lange Diskussionen über die Ursachen von ADHS. Einige sind sehr plausibel und es konnten tatsächlich enige Zusammenhänge zwischen z.B. Ernährung und ADHS/ADS festgestellt werden.
Dazu gibt es noch eine Reihe Ratschläge, die es bei mir in Summe gebracht haben.
Ein Lohnenswertes Video dazu ist: [youtube]JsjRSfHAUXk[/youtube]
Was hats bei mir gebracht:
- Verzicht auf übermäßig viel Süßes (Zucker in all seinen Formen)
- Verzicht auf künstiche Inhaltsstoffe, wie Lebensmittelfarbe (wichtig bei Hyperaktivität!)
- Produkte mit Omega 3, Helmkraut und L-Theanin (http://de.wikipedia.org/wiki/Theanin) --> LTO3 kann ich sehr empfehlen: http://diagnoseadhs.de/adhs-und-ads-natuerlich-behandeln-mit-lto3/ (Inhaltsstoffe mit medizinischer Wirkung, aber auch Nahrungsergänzung, als Basis für den Körper, damit der Botenstoffhaushalt im Körper alles hat, was er braucht)
- Natur und Sport (10 Minuten in der Natur an der frischen Luft bewirken wunder! Ich gehe übrigens joggen)

Nun, dies ist mein Weg und ich kann nur allen empfehlen es mal zu versuchen. Vergesst aber nicht, dass Tips von mir und anderen, die Erfahrungen gesammelt haben, nicht immer einen Arzt ersetzen können. Sobald es in Richtung Depressionen geht, wartet keine Sekunde und sucht einen Arzt auf. Dieser mag nichts über gute alternative Wege zu Ritalin wissen, weil er daran nichts verdienen würde, aber er kann eingreifen, wenn es wirklich ernst wird. Und das eine schließt das andere nicht aus. Manchmal ist ein Weg etwas länger.

Herzliche Grüße und alles Gute,

Liz
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Re: Alternativen zu Ritalin

Beitragvon No User » 1. September 2014 19:05

Für das oben verlinkte Video muss man einige Zeit mitbringen, das lohnt sich aber. Ich sehe dort einen kritischen Blick auf den Umgang mit der AD(H)S und ihrer Diagnostik, der aber sehr sachlich ist und viele nachdenkenswerte und nachvollziehbare Aspekte enthält. Hat mir wider Erwarten sehr gut gefallen. Mag sein, dass dies bei aller Internationalität der zitierten Studien vor allem amerikanische Auswüchse der Problematik beleuchtet. Dennoch sollten wir auch in Deutschland aufpassen, da sich auch hier vergleichbare Fehlentwicklungen andeuten, wenn auch m.E. (noch?) nicht in diesem Umfang.

Mir gefällt sein Blick auf die Vielfalt möglicher Ursachen für den Anstieg der Diagnosen und Medikationen. Das unterscheidet ihn deutlich von der üblichen eindimensionalen Ritalinkritik.

Die gezeigten Beispiele erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, müssen den Anstieg nicht allein erklären. Sie bedeuten auch weder, dass die Mehrzahl der Diagnosen deshalb falsch sei (wobei falschpositive Diagnosen durchaus ein bedeutendes Teilproblem sind) und sprechen auch nicht der Medikation ihre therapeutische Bedeutung ab. Aber natürlich kann Stimulanzienmedikation nicht DIE Standardantwort für alle AD(H)S-Diagnosen sein, schon gar nicht allein. So war das nie gedacht, manchmal scheint aber die Entwicklung in diese Richtung zu gehen.

Es wird auch die Frage tangiert, wie damit umgegangen wird, wenn erhebliche Nebenwirkungen auftreten. Nehmen wir zum Beispiel ein Kind, das unter Medikation an Fröhlichkeit und Kreativität verliert. M.E. eine schwerwiegende Nebenwirkung, von der zum Glück die meisten so behandelten verschont bleiben. Doch wenn sie auftritt, wird die offensichtlich unverträgliche Medikation dann zuverlässig abgesetzt? Oder wird hier vielleicht öfter das Kinderlachen dem Schulerfolg geopfert, wenn das Medikament so teils-teils wirkt, also für den Schulalltag durchaus zu helfen scheint, "nur" sonst die Lebensqualität ungünstig beeinflusst?

Die Erkenntnis ist auch nicht neu: Wenn man sich die enttäuschende (Langzeit-)Studienlage anschaut, besonders wenn hier statt einer wirklich multimodalen Therapie die Medikation allein angeschaut wird, wird deutlich, dass wir uns im Vergleich zur Medikation deutlich mehr über die nichtmedikamentösen Therapiebestandteile, über schulische Maßnahmen, Förderung und Erziehung unterhalten müssten.

Was ich allerdings kritisch sehe: Braucht es wirklich erst AD(H)S, um an völlig normale gesunde Lebensweise erinnert zu werden, die eigentlich selbstverständlich sein sollte, insbesondere, wenn man Kinder hat??? Braucht man AD(H)S, um die Süßigkeiten auf ein verträgliches Maß zu reduzieren? Um einen Bogen um schädliche Farbstoffe, Pestizide usw. zu machen? Um auf ausgewogene Ernährung zu achten? Auf Bewegung an frischer Luft? Was ist da aus den Fugen geraten???

Sollte man nicht sowieso bewusst schauen, was (auch hinsichtlich Ernährung) einem Kind gut tut und was nicht? Auch in Hinsicht auf Unverträglichkeiten, Allergien u.ä. Soll eine künstliche Nahrungsergänzung weniger einzelner Stoffe wie mehrfach ungesättigter Fettsäuren, die eigentlich in ausgewogener Ernährung enthalten sein sollten wirklich die Antwort sein? Oder schaut man lieber mal, was z.B. mediterrane Küche in dieser Beziehung besser macht?

Dann benötigt es auch keine besondere Geistesleistung, auf die Idee zu kommen, Stoffe, die nachweislich auch bei ganz durchschnittlichen Menschen unabhängig von ADHS Hyperaktivität fördern, zu vermeiden, wenn das Kind sowieso schon hyperaktiv genug ist.

Ich teile nicht Dr. Newmarks sehr kritische Sicht auf seine Berufskollegen, wie sie auch von Liz33 vertreten wird. Ärzte sind auch nur Menschen. Sie sind beeinflussbar, aber nun auch nicht alle pauschal nur am Geld interessiert. Außerdem ist es auch ökonomischer Blödsinn zu glauben, man könne an "alternativen Wegen" nicht oder wenigstens nicht mehr als an Ritalin und Co. verdienen. Solche Sprüche gehören ins Reich der Märchen und Legenden, mit der Praxis der Gesundheitsbranche haben sie nichts zu tun.

Wenn ich aber an meinen letzten Amerikaaufenthalte denke -übrigens in krassem Gegensatz zu meinem letzten Italienaufenthalt-, dann weiß ich auch, wem man ganz dringend Nachhilfe in Fragen gesunder Ernährung verordnen sollte. Ich erkenne auch an, dass es auch in Deutschland Familien gibt, deren Kinder andere Veränderungen nötiger hätten als nun ausgerechnet eine Stimulanzienmedikation. Das betrifft neben Ernährung, Bewegung und Schlaf unter anderem auch ein abartiges Verhältnis zur Mediennutzung der Kinder.

Wer seinen Kindern so ein amerikanisches Frühstück wie im Vortrag beschrieben antut, der ist sowieso kaum noch zu retten. Natürlich ist absolut nachvollziehbar, was so etwas mit dem Blutzuckerspiegel anrichtet und welche Folgen das hat. Von so einem Level das Wahnsinns ausgehend verstehe ich dann sogar die "tollen" Diät-Empfehlungen als "Ritalin-Alternative".

In einer düsteren Vision muss ich allerdings auch sagen: Wenn das so weiter geht, dass immer mehr Familien das nicht mehr auf die Reihe bringen, müssen wir wohl eines Tages auch das Frühstück verpflichtend an die Ganztagesbetreuung verlegen, damit die Kinder wenigstens eine vernünftige Ernährungsbasis für Aufmerksamkeit am Schulvormittag bekommen. Und wenn die Kids in ihren Familien mehr Games zocken als dass sie ihr notwendiges Maß an gesundem Schlaf finden würden, wären sie besser in Internaten untergebracht. Ich hoffe allerdings, dass es nie so weit kommt, dass das die Norm werden würde und hätte lieber, dass die Familie wieder ihrer Bedeutung als Basis der Gesellschaft gerecht wird.

Ich könnte mir sogar noch vorstellen, einem warum-auch-immer erhöhten und mit normalen, gesunden Lebensmitteln schwer zu deckenden Bedarf an bestimmten Nähstoffen mit Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) zu begegnen. Ich sehe darin allerdings die große Gefahr, dass dies als Beruhigungspille den Fokus von der mühsameren bewussten und ausgewogenen Ernährung nehmen könnten und wir am Ende bei Fastfood + NEM landen. Gute Lebensmittel enthalten aber Vitalstoffe in einer Vielfalt und erst recht in Kombinationen, die wir längst nicht überblicken und der Ersatz einzelner Stoffe daraus kann diese Vielfalt niemals ersetzen.

Dr. Newmark geht auf eine Vielfalt möglicher Interventionen ein und verschweigt ggf. auch nicht Schwächen entsprechender Studien zur Wirksamkeit dieser Maßnahmen. Mir gefällt sein entspannter Umgang damit, sehr individuell zu schauen, was davon in Kombination mit weiteren Maßnahmen im Einzelfall hilfreich sein könnte.

Ich sehe nur überhaupt keinen Widerspruch seines so genannten integrativen Ansatzes zur leitliniengerechten multimodalen Therapie. Sowohl das, als auch die von ihm angemahnte Sorgfalt bei der Diagnostik ist doch exakt das, was auch in Deutschland seit Jahren in diversen Richtlinien hochoffiziell für den Umgang mit AD(H)S gefordert wird.

Das schließt alles mit ein, was auch ich immer wieder gern empfehle: Berücksichtigung der AD(H)S in Erziehungsfragen, schulische Interventionen, gesunde Ernährung (Newmark spricht hier davon, mal wieder Lebensmittel!!! zu essen anstelle hochverarbeiteter Produkte, die nur Reste von Lebensmitteln enthalten), Bewegung und Aufenthalt in der Natur, Sport, maßvoller Medienkonsum, Neurofeedback, Klärung und ggf. Behebung möglicher Mangelerscheinungen (Omega 3, Eisen, Zink, Magnesium) ... und wenn das alles nicht reicht, dann eben auch Stimulanzien. Dazu auch noch ein paar Anregungen, die mir neu waren. Baldrian hat mich dabei etwas verwundert, aber er wird aus seiner Praxis schon wissen, in welchen Fällen es von Nutzen sein kann.

Und dann ist Dr. Newmark auch ein Realist, der weiß, wo es Familien, Kinderärzten, Schulen usw. im wahren Leben an Ressourcen mangelt, um all dies in Idealform umzusetzen. Das muss ja nicht daran hindern, trotzdem entsprechende Veränderungen anzuregen.

Insgesamt also ein Video, dass seine 72 Minuten Laufzeit aufzubringen wert ist, vielen Dank für den Link, Liz.

LG
Steffchen
Zuletzt geändert von No User am 1. September 2014 19:17, insgesamt 1-mal geändert.
Falschparker
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Re: Alternativen zu Ritalin

Beitragvon Falschparker » 1. September 2014 20:31

[quote=&quot;steffchen&quot;]
Die Erkenntnis ist auch nicht neu: Wenn man sich die enttäuschende (Langzeit-)Studienlage anschaut
[/quote]

Welche Studien meinst du? Doch nicht die, die nach 18 Monaten die weitere Behandlung freistellte und sich dann wunderte, dass sich die Ergebnisse der (zunächst!) nicht medikamentös behandelten und die der behandelten anglich?

Braucht es wirklich erst AD(H)S, um an völlig normale gesunde Lebensweise erinnert zu werden, die eigentlich selbstverständlich sein sollte, insbesondere, wenn man Kinder hat??? Braucht man AD(H)S, um die Süßigkeiten auf ein verträgliches Maß zu reduzieren? Um einen Bogen um schädliche Farbstoffe, Pestizide usw. zu machen? Um auf ausgewogene Ernährung zu achten? Auf Bewegung an frischer Luft? Was ist da aus den Fugen geraten???

Sollte man nicht sowieso bewusst schauen, was (auch hinsichtlich Ernährung) einem Kind gut tut und was nicht?


Was ist das denn für eine rethorische Frage? Millionen Eltern kümmern sich sehr intensiv um eine gesunde Lebensweise und Ernährung ihrer Kinder, ob sie ADHS haben oder nicht.

Andere tun dies nicht, und werden irgendwann mit den Folgen konfrontiert.

Wenn ich aber an meinen letzten Amerikaaufenthalte denke -übrigens in krassem Gegensatz zu meinem letzten Italienaufenthalt-, dann weiß ich auch, wem man ganz dringend Nachhilfe in Fragen gesunder Ernährung verordnen sollte.


Ich war noch nie in Amerika und hüte mich vor Pauschalurteilen. Es ist sehr einfach, irgendwelche Geschichten über Gesellschaften in die Welt zu setzen, in wir so intensiven Einblick nicht haben.

Nein, das unterstelle ich jetzt nicht dir!! Ich denke eher an die Vorurteile über den Handel mit Ritalin an Schulhöfen oder die angeblich sich massenhaft dopenden amerikanischen Studenten. Lässt sich allles nicht nachprüfen von hier aus.

Was hast du eigentlich erlebt dort? Haben die Familien, bei denen du zu Gast warst, ihren Kindern lauter süßes Junkfood gegeben?  :upsi:

Um zu wissen, dass das nicht richtig ist, brauche ich doch keinen 72-Minuten-Vortrag anzuschauen.
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Re: Alternativen zu Ritalin

Beitragvon No User » 2. September 2014 01:39

Wir können uns natürlich auch lächerlich machen und jede Studie, deren Ergebnis uns nicht passt, schlechtreden. Witzigerweise haben wir die kurzfristigeren Ergebnisse der MTA-Studie zunächst bejubelt, was längerfristig dabei rauskam IST enttäuschend, wie man das nun auch drehen oder wenden mag, es sei denn, man nimmt eine geradezu religiöse Perspektive ein und akzeptiert nur noch, was man glauben will.

Man kann es sich auch ganz leicht machen und die Kritik daran aufhängen, dass die individuellen Patienten nicht auf ewig an ihre Zuteilung zu den Versuchsgruppen gebunden waren. Aber m.E. wäre das auch ethisch überhaupt nicht vertretbar, immerhin handelt es sich dabei um Menschen, echte Schicksale, keine virtuellen Versuchskaninchen. Diese Realität mag die Interpretation der Ergebnisse erschweren, dennoch bleibt enttäuschend, wenn auf längere Sicht kein Unterschied erkennbar bleibt. Aber ich lasse mal Manfred Döpfner die Ergebnisse erklären: PDF

Aber eigentlich bezog ich mich auf die Gesamtstudienlage zur langfristigen Wirkung, falls du da etwas überzeugenderes zu bieten hast, dann bitte her damit!

Dummerweise sehe ich auch in der Lebenswirklichkeit jenseits der Wissenschaft genug Fälle, die mit ihrer Dauer-Nur-Medikation nicht wirklich auf einen grünen Zweig kommen. Vielleicht sollte man da wirklich mal mehr Mühe investieren. Wie oft sind denn z.B. geeignete schulische Interventionen nur ein süßer Traum?

Die rhetorische Frage wird wohl eine rhetorische Frage gewesen sein. Ich kann es aber einfach nicht mehr hören oder lesen, wenn solche mit wie ohne AD(H)S eigentlich selbstverständlichen Dinge als Therapie oder gar als "Ritalin-Alternative" propagiert werden. Nehme ich das nur so wahr oder tauchen diese Fragen besonders gern in Zusammenhang mit AD(H)S auf, obwohl sie generell zu den Themen Kinder und Erziehung gehörten?

Natürlich habe ich nicht alle der Vereinigten Staaten besucht, um eine repräsentative Analyse US-amerikanischer Ernährungsgewohnheiten und Hüftumfänge zu erstellen. Es sind trotzdem nicht irgendwelche Geschichten vom Hörensagen, sondern es sollte mir erlaubt sein, meine Eindrücke von dort in Worte zu fassen. Und da ist einfach Fakt, dass ich nirgends sonst auf der Welt so viele ausgesprochen umfangreiche Menschen sah wie in Utah, Colorado, Wyoming, Idaho, Montana und Illinois, und zwar in Großstädten wie auf dem Land. Und das in Verbindung mit der Beobachtung, wie man sich dort Fast Food und Softdrinks in Portionsgrößen einstopft bzw. -kippt, wie wir sie in Europa nicht kennen. Das gilt beispielsweise für Pommes, Eiscreme oder Cola, so verdiente die große Coke eher die Bezeichnung "Eimer" als "Becher". Auch erschien mir dort die Bedeutung von Laufen, zu Fuß gehen überhaupt und Radfahren in Relation zum Autofahren noch viel geringer als bei uns zu sein.

Das sollte für die Vermutung reichen, dass man dort schon eine größere Dringlichkeit der Beachtung von Ernährungsfragen bezüglich ADHS erreicht hat, als dies vielleicht bei uns der Fall ist.

Natürlich lieben auch die Amerikaner ihre Kinder, auch die dicken. Und natürlich sind sie zigmillionenfach verschieden. Aber es gibt auch gesellschaftliche Phenomene, Tendenzen, Trends. Positive übrigens auch, denn inzwischen deuten einige Indikatoren darauf hin, dass McDonalds und Co. ihren Höhenflug hinter sich haben und junge Menschen sich zunehmend qualitativ hochwertigerem Essen zuwenden. Kannst du alles nachprüfen, wenn du mal hinfliegst.

Den Vortrag hast du dir sicher nicht angeschaut, stimmts? Aber eine feste Meinung dazu hast du trotzdem. Mir fiel schon auf Youtube auf: Das Video zu dem interessanten und kontroversen Thema steht da schon fast acht Wochen und hat trotzdem gerade mal einen Kommentar. Aber ganz unabhängig von ADHS erreichen heute wohl kaum noch Menschen eine entsprechende Aufmerksamkeitsspanne, um sich mit einem 72minütigen Vortrag auseinanderzusetzen.

LG
Steffchen
Zuletzt geändert von No User am 2. September 2014 01:51, insgesamt 1-mal geändert.
Brummilator
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Re: Alternativen zu Ritalin

Beitragvon Brummilator » 2. September 2014 15:45

Hallo,

ich habs angesehen. Natürlich in Happen.  Aber ich find es ist den Aufwand wert.
Man merkt - der Mann redet aus der Praxis.

Von Sandford gibts auch noch anderes auf youtube- da werd ich auch mal reinsehen.

Auch den Buchtip  Transforming the difficult child finde ich gut- werd mir das mal besorgen.

B
Falschparker
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Re: Alternativen zu Ritalin

Beitragvon Falschparker » 2. September 2014 21:41

Es tut mir leid, dass ich geantwortet habe. Das ist mein ADHS-typisches Widersprechen um des Widersprechens willen.  :upsi:

Steffchen, was du in Amerika erlebt hast interessierte mich wirklich. Und ich zweifle die Authenzität deiner Eindrücke nicht an. Danke für deine Antwort, das ist durchaus erschreckend.

Religiöse Perspektive zu Studien? Nö. Man sollte immer gucken, wie bestimmte Ergebnisse entstanden sind. Und natürlich tendiere ich dazu, die Ergebnisse schlechtzureden, die mir nicht passen, ist doch klar.  :breitgrinse1:

Bspw. kürzlich zum Thema Betreuungsgeld. Ein Studienergebnis, das zu bestätigen schien, was die Kritiker vorher schon wussten. Und dann wird offenbar, dass sie auf einer Befragung beruhen, die vor Auszahlungsbeginn des Betreuungsgeldes durchgeführt wurde. Also keine Bestätigung, sondern nur eine Wiederholung.

Natürlich wäre eine Fortsetzung der MTA-Studie mit Zwang zu einer bestimmten Therapieart ethisch nicht vertretbar gewesen. Aber dann kann man die langfristigen Ergebnisse eben nicht verwenden.

Medikation ersetzt nicht schulische Interventionen oder Elternunterweisung, und überprüft werden sollte die Dosis auch regelmäßig. "Nur" Medikation zu wollen und richtig zu finden ist ja ein häufig gestreutes Vorurteil der Medikamentengegner über die Medikamentenbefürworter, aber so kennst du mich ja nicht, denke ich. 

Die Aufmerksamkeitsspanne für 72-minütige und längere Vorträge habe ich durchaus. Interessieren tut mich der Vortrag leider auch nach deiner Beschreibung nicht. Er mag durchaus auch für mich aufschlussreich sein und differenzierter als man zuerst denkt, aber ich möchte ihn nicht ansehen, tut mir leid. Ich behaupte dann auch nicht ihn beurteilen zu können, okay?  :wu:
Zuletzt geändert von Falschparker am 2. September 2014 21:49, insgesamt 1-mal geändert.
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Erich
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Re: Alternativen zu Ritalin

Beitragvon Erich » 22. Februar 2016 11:39

Hallo Zusammen,

ich muss gestehen ich habe aufgrund der Informationsmenge nicht alles durchgelesen und nur überflogen, also bitte ich schon mal um Verzeihung, wenn die folgende Frage schon geklärt worden ist:

Hat jemand hier jetzt schon mal diese alternativ Medikamente wie das LOT3 ( /werbung? ) ausprobiert?

Ich weiß und kenne die Alternativen ohne Medikamente und weiß was man alles machen kann, komme auch gut ohne Tablette aus, aber es gibt Situationen im Leben wo man doch mehr benötigt.

Würde mich über Antworten freuen.

Viele Grüße

Ich frage mich wirklich so langsam, was du mit den ganzen Links vor hast? Menolly
Zuletzt geändert von Erich am 22. Februar 2016 12:23, insgesamt 1-mal geändert.

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