Alternativen zu Ritalin

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Falschparker
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Re: Alternativen zu Ritalin

Beitrag von Falschparker » 12. November 2018 18:13

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Hallo Mauerblümchen,

nein, nicht zweimal, du hast sechsmal geschrieben, und das in uralten Threads, deren Teilnehmer fast alle nicht mehr hier sind. Eigentlich reicht es, eine Frage einmal zu stellen, findest du nicht?

Herzlich willkommen im Anderswelt-Forum! :willkommen:

Schreib doch gerne etwas ausführlicher, also wer ist "wir"- du, dein Kind, wenn Kind dann Mädchen oder Junge, und dann welche Erfahrungen habt ihr gemacht und warum siehst du Ritalin als harte Medikation und möchtest davon weg?

Nein, es gibt keine nennenswerten Alternativen zu Medikamenten wie Methylphenidat (Ritalin), Amfetamin, Strattera oder Intuniv. Was nicht heißt dass jede(r) Betroffene lebenslang Medikamente braucht. Aber alle Ernährungsumstellungen, Omegas und sonstigen bringen in aller Regel nicht mehr als den Placeboeffekt (der bei allen Mitteln bis zu 30 % ausmacht- das ist ja nicht nichts ;) ).

Erfolgversprechender sind nichtmedikamentöse Maßnahmen wie Elterntraining, Absprachen mit Lehrern, Verhaltenstherapien im weitesten Sinne, und alle diese Maßnahmen wirken häufig erst richtig in Kombination mit Medikamenten.

Also wenn dein Kind von Medikamenten profitiert, bleibt besser dabei, du tust deinem Kind keinen Gefallen durch vorzeitiges Absetzen, und auch geizen kann ein Fehler sein- ADHS hat man/frau auch nachmittags, an Wochenenden und in den Ferien, und die Behandlung sollte auch die Freizeit abdecken. Und wenn dein Kind Nebenwirkungen hat, kann man die oft durch eine Änderung der Dosis oder des Einnahmerythmus (!) beheben, und wenn das nichts bringt durch eine Änderung des Wirkstoffes.

Dass eine ausgewogene Ernährung mit Vollkorngetreide, Kartoffeln, Gemüse und nicht zu viel Süßkram immer eine gute Sache ist, ist dir vermutlich schon bekannt.

Viele Grüße und alles Gute
Falschparker
Elchi
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Re: Alternativen zu Ritalin

Beitrag von Elchi » 12. November 2018 18:27

Zu dem Omega-x Geschichten kann ich nicht viel beitragen, außer, dass es bei uns nicht funktioniert hat. Aber ich habe etwas zu Thema Ernährungsumstellung zu bieten:

Meine Mutter hatte bei meinem Bruder vor 35 Jahren eine Phosphatfreie Diät ausprobiert. Damals hatte sie noch nichts von Ritalin gehört, auch kein Arzt hat jemals darauf hingewiesen.
Diese Phosphat-Diät wurde damals von der sogenannten Phosphatliga propagiert, es gab sogar Bücher zum Thema, mit endlosen Listen, was alles nicht gegessen werden darf.

Funktioniert hat das damals eine Zeit lang mal ganz gut. Mein Bruder war noch klein genug, Essenstechnisch "unter Kontrolle" zu sein. Es gab unheimlich viele Einschränkungen, meine Mutter hat, angefangen vom Brotbacken, alles selbst zubereitet (aber nicht mit Backmischungen ;) ). Ein Diätfehler und die ADHS-Symptome waren direkt wieder da. Bis es gewirkt hat (auch nach den Diätfehlern) dauerte es ca. 2 Wochen.
Das macht das alles schon wenig Alltgstauglich, aber das größte Problem ist, dass so viele "Verbote" bestehen, dass an eine ausgewogene Ernährung nicht zu denken ist. Wenn man das wirklich über eine längere Zeit durchführen würde, wären Mangelerscheinungen nicht zu vermeiden.

Meine persönliche Meinung ist, dass man einer Stoffwechselstörung im Gehirn, die so ausgeprägt ist, dass sie einen im Alltag einschränkt, nur mit "harter Medikation" wirklich beikommen kann. Die Dosis mag mit dem Alter abnehmen, aber die ganzen Alternativen halte ich für nicht Zielführend.
Komischerweise hört man nie davon, dass jemand z.B. eine Diabeteserkrankung ohne "harte Medikation" in Form von Insulin (das bei Anwendung bei Gesunden durchaus schnell tödlich wirken kann, im Gegensatz zu Ritalin) behandeln will. Machbar wäre das; der "Entdecker" der Krankheit hatte einen an Diabetes erkrankten Sohn, war selbst Arzt und rettete seinem Sohn durch eine Zuckerfreie Diät (was er noch alles nicht durfte, weiß ich nicht) das Leben, da damals noch kein Insulin zur Behandlung zur Verfügung stand. Aber von dieser Art der Behandlung hört man heute nichts mehr. Wahrscheinlich, weil Insulin eben nicht so böse ist, wie Ritalin :roll:

LG
Elchi
mauerblümchen79
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Re: Alternativen zu Ritalin

Beitrag von mauerblümchen79 » 12. November 2018 18:29

Falschparker hat geschrieben:
12. November 2018 18:13
Hallo Mauerblümchen,

nein, nicht zweimal, du hast sechsmal geschrieben, und das in uralten Threads, deren Teilnehmer fast alle nicht mehr hier sind. Eigentlich reicht es, eine Frage einmal zu stellen, findest du nicht?

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Nein, es gibt keine nennenswerten Alternativen zu Medikamenten wie Methylphenidat (Ritalin), Amfetamin, Strattera oder Intuniv. Was nicht heißt dass jede(r) Betroffene lebenslang Medikamente braucht. Aber alle Ernährungsumstellungen, Omegas und sonstigen bringen in aller Regel nicht mehr als den Placeboeffekt (der bei allen Mitteln bis zu 30 % ausmacht- das ist ja nicht nichts ;) ).

Erfolgversprechender sind nichtmedikamentöse Maßnahmen wie Elterntraining, Absprachen mit Lehrern, Verhaltenstherapien im weitesten Sinne, und alle diese Maßnahmen wirken häufig erst richtig in Kombination mit Medikamenten.

Also wenn dein Kind von Medikamenten profitiert, bleibt besser dabei, du tust deinem Kind keinen Gefallen durch vorzeitiges Absetzen, und auch geizen kann ein Fehler sein- ADHS hat man/frau auch nachmittags, an Wochenenden und in den Ferien, und die Behandlung sollte auch die Freizeit abdecken. Und wenn dein Kind Nebenwirkungen hat, kann man die oft durch eine Änderung der Dosis oder des Einnahmerythmus (!) beheben, und wenn das nichts bringt durch eine Änderung des Wirkstoffes.

Dass eine ausgewogene Ernährung mit Vollkorngetreide, Kartoffeln, Gemüse und nicht zu viel Süßkram immer eine gute Sache ist, ist dir vermutlich schon bekannt.

Viele Grüße und alles Gute
Falschparker
Danke erstmal für deine Antwort!

Tut mir leid, dass ich so viel schreibe, aber bin sehr um eine hilfreiche Antwort bemüht und dachte ich klappere gleich mal alles ab...

Also zu unserer Lage: unser Sohn ist jetzt 7 Jahre und ADHS wurde bei ihm erst vor kurzem diagnostiziert. Seit circa 3 Monaten machen wir nun die Therapie mit Ritalin. Seit einiger Zeit beobachten wir, dass er weniger isst und manchmal schlecht schläft. Habe mich jetzt viel zu dem Thema schlau gemacht und gelesen, dass eine Behandlung mit Ritalin einen Menschen sehr verändern kann. Davor haben wir natürlich Angst...

Jetzt sind wir auf der Suche nach einer Alternative zu Ritalin. Natürlich wollen wir das nicht gleich ausprobieren, sondern uns erstmal schlau machen (fragen kostet ja nichts).

Nochmal, das mit den vielen Beiträgen tut mir leid..

Liebe Grüße
Christiane
Raupi
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Re: Alternativen zu Ritalin

Beitrag von Raupi » 12. November 2018 18:37

Also wir haben mit Homöopathie die Emotionen und einige Randsymptome positiv beeinflussen können. Aber die gesamten Probleme waren viel zu schwerwiegend.

Insofern ist meine Einsicht die, dass bei ganz leichter Ausprägung da vielleicht mit Homöopathie etwas gemacht werden kann. Aber es muss ein erfahrener Homöopath sein.

Andererseits wage ich zu behaupten, dass so schwache Ausprägungen, die tatsächlich befriedigend mit Homöopathie in den Griff zu bekommen sind, wahrscheinlich zu schwach ausgeprägt sind, um die Diagnose ADHS überhaupt zu bekommen.

Ich glaube immer noch total an die hilfreiche Kraft der Homöopathie in vielen Bereichen und bin unserem homöopathischen Arzt unendlich dankbar für seine Hilfe bei vielen Krisen und Nöten. Aber gegenwärtig bin ich der Überzeugung, dass manifeste psychiatrische Probleme, die tatsächlich eine psychiatrische Diagnose rechtfertigen, wohl doch nicht mit Homöopathie alleine in den Griff zu bekommen sind. Das wäre zu schön um wahr zu sein.
Zuletzt geändert von Raupi am 12. November 2018 18:39, insgesamt 1-mal geändert.
LG, Raupi
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Re: Alternativen zu Ritalin

Beitrag von Elchi » 12. November 2018 18:39

Da möchte ich jetzt mal ganz vorsichtig zu bemerken: Ritain SOLL doch Veränderungen bringen, warum nimmt man es sonst?

Dass Euer Sohn weniger isst, kann gut sein. Das ist eine der Nebenwirkungen von Methylphenidat. Aber normalerweise nur während der Wirkdauer. Ich habe das bei meinem Sohn auch beobachtet. Also habe ich für ihn zwar normal mitgekocht, aber wenn er keinen Hunger hatte, habe ich seine Portion eben in den Kühlschrank gepackt. Er hat sich dann bedient, wenn die Wirkung nachgelassen hat. Der Hunger war bei ihm nur zu anderen Zeiten, aber nicht "weg".
Seine Ärztin hat mir damals auch den Tipp gegeben, sehr "geschmacksaffin" für ihn zu kochen (also gerne häufiger die Lieblingsspeisen, auch wenn das vielleicht nicht so gesund wie ungeliebtes Gemüse ist ;) )
mauerblümchen79
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Re: Alternativen zu Ritalin

Beitrag von mauerblümchen79 » 12. November 2018 18:47

Elchi hat geschrieben:
12. November 2018 18:39
Da möchte ich jetzt mal ganz vorsichtig zu bemerken: Ritain SOLL doch Veränderungen bringen, warum nimmt man es sonst?

Dass Euer Sohn weniger isst, kann gut sein. Das ist eine der Nebenwirkungen von Methylphenidat. Aber normalerweise nur während der Wirkdauer. Ich habe das bei meinem Sohn auch beobachtet. Also habe ich für ihn zwar normal mitgekocht, aber wenn er keinen Hunger hatte, habe ich seine Portion eben in den Kühlschrank gepackt. Er hat sich dann bedient, wenn die Wirkung nachgelassen hat. Der Hunger war bei ihm nur zu anderen Zeiten, aber nicht "weg".
Seine Ärztin hat mir damals auch den Tipp gegeben, sehr "geschmacksaffin" für ihn zu kochen (also gerne häufiger die Lieblingsspeisen, auch wenn das vielleicht nicht so gesund wie ungeliebtes Gemüse ist ;) )
Natürlich soll es Veränderungen bringen, aber eben nicht in der eigentlichen Persönlichkeit - so weit ist es ja auch noch gar nicht, aber wir wollen uns da lieber zu früh als zu spät informieren. Was Homöopathie angeht: ich bin zwar offen für neues, jedoch nicht, wenn es nicht wissenschaftlich gestützt ist. So weit ich weiß, ist das hier nicht der Fall, auch wenn ich respektiere, dass es bei euch geholfen hat.

Du scheinst schon Erfahrung mit Ernährungsumstellungen zu haben. Kennst du dich auch mit dem Thema Omega-Fettsäuren/Mikronährstoffe aus?
Falschparker
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Re: Alternativen zu Ritalin

Beitrag von Falschparker » 12. November 2018 18:56

mauerblümchen79 hat geschrieben:
12. November 2018 18:29
unser Sohn ist jetzt 7 Jahre und ADHS wurde bei ihm erst vor kurzem diagnostiziert. Seit circa 3 Monaten machen wir nun die Therapie mit Ritalin. Seit einiger Zeit beobachten wir, dass er weniger isst und manchmal schlecht schläft. Habe mich jetzt viel zu dem Thema schlau gemacht und gelesen, dass eine Behandlung mit Ritalin einen Menschen sehr verändern kann. Davor haben wir natürlich Angst...
Ja sicher, aber das wollt ihr doch dass das Medikament etwas ändert, sonst nähme er es ja nicht? 8-)

Sorry, ich weiß natürlich was du meinst. Ritalin ist ein Triggerthema, und es gibt ungezählte Internetseiten und viele so genannte Experten, die Schreckensgeschichten verbreiten. Vergiss das bitte und halt dich an die Leute, die wirklich Bescheid wissen!

Kurzfristige Nebenwirkungen gibt es natürlich, dazu komme ich gleich. Die so genannten schleichenden Langzeitwirkungen sind wie Loch Ness: Viele sprechen davon, kaum jemand hat sie gesehen. Na gut, mein Schwager kannte mal einen, der einen kannte...

Nein, Stimulanzien sind gut erforscht, werden seit Jahrzehnten angewandt und sind sehr sicher. Klar, mit bestimmten Herzkrankheiten oder Leberstörungen etc. sollte man damit vorsichtig sein, aber deswegen werden ja vorher Blutuntersuchungen und EKG gemacht. Als Ergebnis sind die Kinder die das Medikament kriegen gesünder als die ohne, weil vielleicht etwas entdeckt wird, was sonst keiner bemerkt hätte. ;)

Appitminderung ist sehr häufig. Habe ich auch. Das heißt, man sollte in den Zeiten wenn das Medikament nicht gerade wirkt mehr essen, also morgens und abends. Pizza oder Bratkartoffeln zum Frühstück ist gar nicht so abwegig in ADHS-Familien. Und zwischendurch öfter etwas anbieten, also von früh bis abends gar nichts essen ist auch schlecht, dann droht Unterzuckerung.

Schlafstörungen können auftreten, wenn das Medikament zu spät gegeben wird, oder zu früh. Hört sich paradox an, aber ich will sagen wenn das Medikament gerade nachlässt, ist der Betroffene besonders hibbelig, und wenn das mit der Schlafenszeit zusammen fällt, kann es ein Problem geben. Es wird empfohlen Kindern spätestens um 16:00 die letzte Dosis zu geben- das gilt für unretardierte Tabletten, Retardkapseln sollte man nach 13:00/14:00 nicht mehr nehmen. Und jetzt kommt das scheinbar Paradoxe: Manche Kinder oder Erwachsene (mein großer Sohn z. B.) können prima schlafen, wenn sie kurz vor dem Zubettgehen, also vielleicht 19:00, noch etwas (oft reicht eine Vierteltablette/2,5 mg) noch etwas bekommen!

Schön wäre, wenn ihr einen erfahrenen und geduldigen Arzt (weibliche mitgemeint) habt, denn die Dosierung ist nicht einfach. Eine falsche Dosis oder ein falscher (oft zu langer) Einnahmeintervall hat schon viele Leute abgeschreckt von den Medis, für die sie bei richtiger Einstellung sehr gut gewesen wären, das ist sehr schade.

Bei möglichen Nebenwirkungen muss man immer auch die Nebenwirkung einer falschen oder fehlenden Behandlung ansehen: Unbehandelte Kinder können nicht nur in der Schule versagen und viel Zoff mit Eltern und Klassenkameraden kriegen, sie sind auch durch die Unachtsamkeit viel gefährdeter, bei einem Unfall verletzt zu werden! Und diese Gefahr ist viel realer als die Schreckensgeschichten von Ritalin aus dem Internet! Von daher können die Medikamente buchstäblich Leben retten.
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Re: Alternativen zu Ritalin

Beitrag von Elchi » 12. November 2018 19:10

Nein, mit Ernährungsumstellungen habe ich keine Erfahrungen. Was ich in einem anderen Thema geschrieben habe, war die Geschichte mit dem Phosphat, die aber auch nicht wissenschaftlich untermauert ist und wohl auch heute nicht mehr propagiert wird.

Mit Homöopathie habe ich keine Erfahrung, ist nicht mein Ding.

Diese Frage nach den Omegas hast Du ja nun in unzähligen Themen gestellt und vielleicht auch unterschiedliche Antworten bekommen, die jetzt möglicherweise durcheinander geraten.
Mein Vorschlag wäre, wenn Du wieder eine Frage hast, mach doch einfach ein eigenes Thema auf, mit einer passenden Überschrift und dann bekommst Du da auch passende Antworten. So wird das viel zu unübersichtlich. Viele esen wahrscheinlich auch Antworten auf Themen aus 2007 eher nicht mehr ;)

LG
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Re: Alternativen zu Ritalin

Beitrag von Elchi » 12. November 2018 19:20

Und nochmal zu den Persönlichkeitsänderungen:
Woher weißt Du denn so genau, wie die Persönlichkeit eines AD(H)Slers "in Wirklichkeit" ist?
Viele Behandelte sagen, dass sie mit Medis viel mehr "sie selbst" sind. Ich weiß nicht, wie ich das genau ausdrücken soll, wörtlich haben sie das warscheinlich nicht gessagt. Aber mein Sohn war mit Medikamenten ganz erleichtert, "doch kein Idiot zu sein".
Mein Bruder ist ohne Medis sehr viel unausgeglichener und eigentlich nicht "lebensfähig". Mit inzwischen 45 Jahren, benimmt er sich wie ein Pubertier. Erkennen kann er das nur, wenn er dann Medis genommen hat und findet sein Verhalten ohne Medis auch "daneben" (Was ihn aber nicht daran hindert, die Medis nur sehr sporadisch zu nehmen und sich auf diese Weise das Leben mit seiner eigenen Unberechenbarkeit selbst zur Hölle zu machen).
Wer kann denn schon sagen, ob die Persönlichkeit mit oder ohne Medis die "echte" ist?

Immer unter der Voraussetzung, dass die Diagose stimmt, neige ich dazu, die Persönlichkeit mit Medis als die originale Persönlichkeit zu sehen. Ohne Medis ist sie durch die Stoffwechselstörung eben "gestört".
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Re: Alternativen zu Ritalin

Beitrag von flori1994 » 12. November 2018 19:30

Elchi hat geschrieben:
12. November 2018 19:20
Und nochmal zu den Persönlichkeitsänderungen:
Woher weißt Du denn so genau, wie die Persönlichkeit eines AD(H)Slers "in Wirklichkeit" ist?
Viele Behandelte sagen, dass sie mit Medis viel mehr "sie selbst" sind. Ich weiß nicht, wie ich das genau ausdrücken soll, wörtlich haben sie das warscheinlich nicht gessagt. Aber mein Sohn war mit Medikamenten ganz erleichtert, "doch kein Idiot zu sein".
Glaub ich gerne. In der heutigen durchgetakteten Zeit ist unsere Veranlagung im Durchschnitt eher hinderlich.
Elchi hat geschrieben:
12. November 2018 19:20
Wer kann denn schon sagen, ob die Persönlichkeit mit oder ohne Medis die "echte" ist?
Immer unter der Voraussetzung, dass die Diagose stimmt, neige ich dazu, die Persönlichkeit mit Medis als die originale Persönlichkeit zu sehen. Ohne Medis ist sie durch die Stoffwechselstörung eben "gestört".
Könnte es nicht genauso andersrum sein und nur auf einer alten Evolutionsvariante beruht?
(Jedenfalls die leichten und mittleren Ausprägungen.) Ich kann zb bestimmte Dinge besser als andere, die mir früher als Jäger sehr nützlich gewesen wären. Heuzutage aber sind viele der Dinge im Büro sehr hinderlich. (Jedenfalls in den kurzen Abschitten, wo ich mal als Werksstudie ein Büro von innen sah.)

Früher fiel es evtl. einfach nicht so sehr auf, da ja zum einen eh immer Krieg war und solche Leute dann als erstes an die Front durften oder sie wurden mit Aufgaben betraut die zu ihnen passten. (Oder sie wurden kriminell und wurden zu den gefürchteten Banden und endeten am Galgen.) Davon abgesehen, dass auch die absolute Zahl viel geringer war als heute, da ja meistens nur knapp über 150mio Menschen weltweit lebten.
Furcht ist der Gegner, der einzige Gegner.

Sunzi (um 500 v. Chr.), »Die Kunst des Krieges«

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Re: Alternativen zu Ritalin

Beitrag von Elchi » 12. November 2018 21:41

Kannst Du diese bestimmten Dinge nur besser als andere, wenn Du keine Medis genommen hast? Welche Dinge sind das denn z. B.? Interessiert mich wirklich, ich bin "nur" Mutter eines Betroffenen, nicht selbst betroffen (jedenfalls nicht in der Art, dass ich eine Diagnose bekäme ;-) )
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Re: Alternativen zu Ritalin

Beitrag von Falschparker » 12. November 2018 22:42

Elchi hat geschrieben:
12. November 2018 19:20
Viele Behandelte sagen, dass sie mit Medis viel mehr "sie selbst" sind. Ich weiß nicht, wie ich das genau ausdrücken soll, wörtlich haben sie das warscheinlich nicht gessagt. Aber mein Sohn war mit Medikamenten ganz erleichtert, "doch kein Idiot zu sein".
Mein Bruder ist ohne Medis sehr viel unausgeglichener und eigentlich nicht "lebensfähig". Mit inzwischen 45 Jahren, benimmt er sich wie ein Pubertier. Erkennen kann er das nur, wenn er dann Medis genommen hat und findet sein Verhalten ohne Medis auch "daneben" (Was ihn aber nicht daran hindert, die Medis nur sehr sporadisch zu nehmen und sich auf diese Weise das Leben mit seiner eigenen Unberechenbarkeit selbst zur Hölle zu machen).
Hallo,

mir geht es ganz ähnlich wie Elchis Bruder. Ich bin 52 und nehme Methylphenidat/Ritalin seit 15 Jahren. Ich bin so emotional viel ausgeglichener, sozusagen mit "dickerem Fell", klarer im Kopf, habe weniger Streit mit meiner Frau und bin geduldiger mit meinen Kindern. Meine Lebensqualität ist ganz deutlich besser.

Wobei, so schlimm war es vorher auch nicht verglichen mit meiner eigenen Kindheit, als ADHS und dessen Behandlung natürlich noch unbekannt war. Zwar habe ich die Schule auch so ohne Sitzenbleiben bis zum (mäßigen) Abitur geschafft, aber ich war sehr unausgeglichen, hatte wenige Freunde und fühlte mich oft unverstanden und einsam.
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Re: Alternativen zu Ritalin

Beitrag von flori1994 » 12. November 2018 23:15

Elchi hat geschrieben:
12. November 2018 21:41
Kannst Du diese bestimmten Dinge nur besser als andere, wenn Du keine Medis genommen hast? Welche Dinge sind das denn z. B.? Interessiert mich wirklich, ich bin "nur" Mutter eines Betroffenen, nicht selbst betroffen (jedenfalls nicht in der Art, dass ich eine Diagnose bekäme ;-) )
Nun ich erkenne deutlich schneller als meine Kommilitonen worauf der Prof hinaus will. Wenn ich erstmal an etwas Spaß gefunden habe, bleibe ich auch daran und musste schon vom Chef im Studiejob erinnert werden Feierabend zu machen. Dazu bekomme ich durch den "fehlenden" Reizfilter viel mehr mit als andere. (Jaja ist ein zweischneidiges Schwert.)
Die Medis erlauben mir "lediglich" die Konzentration auf etwas fest zu lenken unabhängig ob es mich interessiert oder nicht. Das klappt so normalerweise nicht, denn ohne Medis ist die Konzentration extrem interessenabhängig.
Nehme ich die Medis nicht wird es sehr schwer in belebte Fußgängerzonen zu gehen. (War letztlich sogar am Rande eines Kollaps als ich die Medis vergaß und durch eine solche Zone musste. Fühlte sich an als wäre ich wie auf Autopilot, denn ich bekam nichts mehr mit und reagierte nur noch auf die Ampeln.)
Unterm Strich ist das Zeuch zwar nicht toll aber hilfreich.
Furcht ist der Gegner, der einzige Gegner.

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Re: Alternativen zu Ritalin

Beitrag von Stefan SRO » 13. November 2018 10:18

Hallo mauerblümchen79 ,

Ich kann mich im Wesentlichen den bisherigen Kommentaren anschließen.

Wenn er leidet und es Dir "hart" vor kommt, könnte die Dosis falsch sein oder zum falschen Zeitpunkt genommen, wenn nicht retardiert. So wie die falsche Dosis Insulin einen Diabetiker leiden lässt oder nachhaltig schädigt ist es bei jedem anderen wirksamen Medikament auch. Auch der gleiche Wirkstoff in anderem Medikament wirkt anders (https://www.adxs.org/)
Es könnte auch sein, dass der Rebound oder der einsetzende Rebound fehlinterpretiert wird.

Mir persönlich verschafft Ritalin adult endlich ein besseres Leben. Bin geerdeter, die Reizüberflutung nimmt ab, kann mich länger konzentrieren, Angst- oder Grübelspiralen können sich weniger aufbauen... Meine Frau attestiert mir Ausgeglichenheit.

Evtl. passt auch ein anderes Medikament besser zum Tagesablauf? https://www.adhspedia.de/wiki/Medikamente

Bei meinem Sohn (7) haben wir leider erst am Ende der ersten Klasse mit der Diagnostik begonnen. Da hatte er aber leider längst bemerkt, anders als die Anderen zu sein und leidet darunter. Im Unterricht schwingt er ständig zwischen Einstein und Holzkopf hin und her. Je nach dem wie gut ihn die Lehrer begeistern können.
Wir hatten erst gestern eine HA, da hat er (7) die Lehrerin "überlistet" indem er dem Wortlaut der Aufgabe exakt gefolgt ist und so effizienter fertig wurde als der Rest der Klasse. Da es jedoch anders aussah war die Gute erst mal massiv irritiert und konnte erst bei kritischem Lesen der eigenen Aufgabenstellung feststellen, wie richtig er lag;)
Zum Elterngespräch meinte Sie, sie hätte zwei Kinder vor sich. Eben kann er das gelernte nicht an der Tafel oder nach Aufruf widergeben, ist er aber 15 Minuten später bei der schriftlichen Aufgabe als Erster fertig und auch noch richtig.

Er leidet auch sehr unter seinem Sozialverhalten. (wegen Reizüberflutung keine Gruppen möglich)
Ich hoffe ihm wird das RICHTIGE Medikament in der RICHTIGEN Dosis irgendwann so helfen wie mir. Das er dann nicht mehr vor Kindergruppen davon rennt oder wie ein Vulkan ausbricht ist eine Veränderung. Aber eine die gewollt und in meinen Augen positiv ist.
Da ich selbst die Nebenwirkungen und Wirkungen an mir selbst erfahren musste, bin ich zuversichtlich beim Beginn der Medikation sehr einfühlsam erspüren zu können und ihm eine Schulzeit zu ermöglichen, die von weniger Leiden geprägt ist als es bei mir der Fall war.
Ach ja am Rande.
Wir haben zuhause massig an diversen Globoli im Einsatz. Alle gut beschriftet und seit seinem Säuglingsalter immer mit dabei.
Die fehlgesteuerten Botenstoffe im Frontallappen können die aber leider nicht beeinflussen.

VG
Stefan
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Re: Alternativen zu Ritalin

Beitrag von mauerblümchen79 » 13. November 2018 13:47

Hallo,

erstmal danke für die vielen hilfreichen Antworten. Die ganzen Tipps und eure Erfahrungen im Umgang mit Ritalin werden uns bestimmt helfen, werden da mal versuchen mehr drauf zu achten und geduldig dran bleiben, bis wir den richtigen Weg gefunden haben. Ich weiß die langen Antworten zu schätzen und habe mir meine Notizen gemacht!

Ich merke, dass hier die Behandlung mit Ritalin großen Zuspruch erhält - wahrscheinlich zurecht. Für mich ist das ein Grund mehr, erstmal daran fest zu halten und geduldig zu sein. Ganz klar, wir ziehen das durch. Das heißt aber für mich nicht, dass ich keine Hoffnung in andere Wege stecke, ich will zumindest am Ball bleiben und mich weiter informieren. Dafür ist mir die Sache einfach zu wichtig.

Meine Meinung zu Homöopathie kennt ihr ja schon - deshalb ist das für uns nicht relevant. Nur dieses Omega-Thema lässt mich nicht los. Angeblich soll das ja wissenschaftlich belegt sein. Habe schon mehrmals über diese Oxford-Durham-Studie gelesen ( https://www.krill-info.com/studien/stud ... durham.asp , das ist der einzige deutsche Link den ich gefunden habe, hier nochmal das Original: https://www.krill-info.com/studien/stud ... nglish.asp ).

Was meint ihr zu diesen "wissenschaftlichen Ansichten"?

Danke schonmal für die hilfreichen Antworten und für eure Geduld!

Liebe Grüße
Christiane
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Re: Alternativen zu Ritalin

Beitrag von flori1994 » 13. November 2018 14:56

Achso bezüglich Schule. Bei mir war es so, dass ich ursprünglich sehr viel Spaß am Lernen hatte. Mich aber lediglich nicht für Hausaufgaben begeistern konnte. Das und die sehr schlechte Schrift führte dazu, dass ich nachmittags zich hundertmal den gleichen schon lange verstandenen Inhalt immer und immer wieder aufschreiben musste bis es perfekt lesbar war. (Wurde von der Lehrerin verlangt um das Schriftbild zu verbessern.) Dazu triezten mich meine Eltern in den ersten paar Jahre die Hausaufgaben zu machen. Dauerte dann immer 6-7h. Dies hat den ganzen Spaß am Lernen zerstört. So im Nachhinein würde ich das als den falschen Weg bezeichnen.
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Re: Alternativen zu Ritalin

Beitrag von Stefan SRO » 14. November 2018 08:34

lies mal hier:
https://www.adxs.org/adhs-behandlungsmo ... =omega%203

Der Unterpunkt 1.9 geht darauf ein und es sind die Quellen verlinkt.


Übrigens ernten die "Omega-3 Fischer" gerade die Nahrungsgrundlage der Fische und Großsäuger in den Polarregionen ab. Schau´n wir mal, wann das Ökosystem dort kippt, wenn wir unserem Essen das Essen weg essen.
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Re: Alternativen zu Ritalin

Beitrag von ULBRE » 14. November 2018 15:33

Hallo,

meine Sammlung zu Behandlungsmöglichkeiten durch Ernährung bei AD(H)S findest Du hier:
https://www.adxs.org/adhs-behandlungsmo ... -bei-adhs/

Meine Sammlung zu anderen nichtmedikamentösen Behandlungsmöglichkeiten ist hier:
https://www.adxs.org/adhs-behandlungsmoeglichkeiten/

Im übrigen schliesse ich mich Falschparker an, der schrieb:
"Nein, es gibt keine nennenswerten Alternativen zu Medikamenten wie Methylphenidat (Ritalin), Amfetamin, Strattera oder Intuniv. Was nicht heißt dass jede(r) Betroffene lebenslang Medikamente braucht. Aber alle Ernährungsumstellungen, Omegas und sonstigen bringen in aller Regel nicht mehr als den Placeboeffekt (der bei allen Mitteln bis zu 30 % ausmacht- das ist ja nicht nichts ;) )."

Beste Grüsse

UlBre
„Wenn ein unordentlicher Schreibtisch einen unordentlichen Geist repräsentiert, was bedeutet dann ein leerer Schreibtisch ?“ Albert Einstein
Ich hab einen eher wissensorientierten Schreibstil. Als eine Stimme im Chor find ich das ganz ok. Mehr soll das auch nicht sein.
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Re: Alternativen zu Ritalin

Beitrag von flori1994 » 14. November 2018 15:58

ULBRE hat geschrieben:
14. November 2018 15:33
Was nicht heißt dass jede(r) Betroffene lebenslang Medikamente braucht.
So ist es. Mit Medis klappt aber vieles besser als ohne. Aber brauchen, also so das ohne der Alltag unmöglich wäre. Ne die Zeiten sind schon seit ein paar Jährchen vorbei. Von daher machen sie den Alltag einfacher und weniger energieaufreibend.
Furcht ist der Gegner, der einzige Gegner.

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Re: Alternativen zu Ritalin

Beitrag von mauerblümchen79 » 19. November 2018 16:01

ULBRE hat geschrieben:
14. November 2018 15:33
meine Sammlung zu Behandlungsmöglichkeiten durch Ernährung bei AD(H)S findest Du hier:
https://www.adxs.org/adhs-behandlungsmo ... -bei-adhs/
vielen Dank, habe hier viele neue Anreize gefunden und erst mal was zum lesen!

Liebe Grüße
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