ICD 10 Schlüssel F94 -F98

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Putte
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ICD 10 Schlüssel F94 -F98

Beitragvon Putte » 15. November 2007 17:17

         
F94.-  Störungen sozialer Funktionen mit Beginn in der Kindheit und Jugend 
  Es handelt sich um eine etwas heterogene Gruppe von Störungen, mit Abweichungen in der sozialen Funktionsfähigkeit und Beginn in der Entwicklungszeit. Anders als die tief greifenden Entwicklungsstörungen sind sie jedoch nicht primär durch eine offensichtliche konstitutionelle soziale Beeinträchtigung oder Defizite in allen Bereichen sozialer Funktionen charakterisiert. In vielen Fällen spielen schwerwiegende Milieuschäden oder Deprivationen eine vermutlich entscheidende Rolle in der Ätiologie. 
F94.0    Elektiver Mutismus 
  Dieser ist durch eine deutliche, emotional bedingte Selektivität des Sprechens charakterisiert, so dass das Kind in einigen Situationen spricht, in anderen definierbaren Situationen jedoch nicht. Diese Störung ist üblicherweise mit besonderen Persönlichkeitsmerkmalen wie Sozialangst, Rückzug, Empfindsamkeit oder Widerstand verbunden. 
  Selektiver Mutismus

  Exkl.:  Passagerer Mutismus als Teil einer Störung mit Trennungsangst bei jungen Kindern ( F93.0 )
Schizophrenie ( F20.- )
Tiefgreifende Entwicklungsstörungen ( F84.- )
Umschriebene Entwicklungsstörungen des Sprechens und der Sprache ( F80.- )

F94.1   Reaktive Bindungsstörung des Kindesalters 
  Diese tritt in den ersten fünf Lebensjahren auf und ist durch anhaltende Auffälligkeiten im sozialen Beziehungsmuster des Kindes charakterisiert. Diese sind von einer emotionalen Störung begleitet und reagieren auf Wechsel in den Milieuverhältnissen. Die Symptome bestehen aus Furchtsamkeit und Übervorsichtigkeit, eingeschränkten sozialen Interaktionen mit Gleichaltrigen, gegen sich selbst oder andere gerichteten Aggressionen, Unglücklichsein und in einigen Fällen Wachstumsverzögerung. Das Syndrom tritt wahrscheinlich als direkte Folge schwerer elterlicher Vernachlässigung, Missbrauch oder schwerer Misshandlung auf. 
  Soll eine begleitende Gedeih- oder Wachstumsstörung angegeben werden, ist eine zusätzliche Schlüsselnummer zu benutzen. 
  Exkl.:  Asperger-Syndrom ( F84.5 )
Bindungsstörung des Kindesalters mit Enthemmung ( F94.2 )
Missbrauch von Personen ( T74.- )
Normvariation im Muster der selektiven Bindung
Psychosoziale Probleme infolge von sexueller oder körperlicher Misshandlung im Kindesalter ( Z61 )

F94.2   Bindungsstörung des Kindesalters mit Enthemmung 
  Ein spezifisches abnormes soziales Funktionsmuster, das während der ersten fünf Lebensjahre auftritt mit einer Tendenz, trotz deutlicher Änderungen in den Milieubedingungen zu persistieren. Dieses kann z.B. in diffusem, nichtselektivem Bindungsverhalten bestehen, in aufmerksamkeitssuchendem und wahllos freundlichem Verhalten und kaum modulierten Interaktionen mit Gleichaltrigen; je nach Umständen kommen auch emotionale und Verhaltensstörungen vor. 
  Gefühlsarme Psychopathie
Hospitalismus

  Exkl.:  Asperger-Syndrom ( F84.5 )
Hyperkinetische Störungen ( F90.- )
Leichter Hospitalismus bei Kindern ( F43.2 )
Reaktive Bindungsstörung des Kindesalters ( F94.1 )

F94.8   Sonstige Störungen sozialer Funktionen mit Beginn in der Kindheit 
F94.9    Störung sozialer Funktionen mit Beginn in der Kindheit, nicht näher bezeichnet 


         
F95.-  Ticstörungen 
  Syndrome, bei denen das vorwiegende Symptom ein Tic ist. Ein Tic ist eine unwillkürliche, rasche, wiederholte, nichtrhythmische Bewegung meist umschriebener Muskelgruppen oder eine Lautproduktion, die plötzlich einsetzt und keinem erkennbaren Zweck dient. Normalerweise werden Tics als nicht willkürlich beeinflussbar erlebt, sie können jedoch meist für unterschiedlich lange Zeiträume unterdrückt werden. Belastungen können sie verstärken, während des Schlafens verschwinden sie. Häufige einfache motorische Tics sind Blinzeln, Kopfwerfen, Schulterzucken und Grimassieren. Häufige einfache vokale Tics sind z.B. Räuspern, Bellen, Schnüffeln und Zischen. Komplexe Tics sind Sich-selbst-schlagen sowie Springen und Hüpfen. Komplexe vokale Tics sind die Wiederholung bestimmter Wörter und manchmal der Gebrauch sozial unangebrachter, oft obszöner Wörter (Koprolalie) und die Wiederholung eigener Laute oder Wörter (Palilalie). 
F95.0   Vorübergehende Ticstörung 
  Sie erfüllt die allgemeinen Kriterien für eine Ticstörung, jedoch halten die Tics nicht länger als 12 Monate an. Die Tics sind häufig Blinzeln, Grimassieren oder Kopfschütteln. 
F95.1   Chronische motorische oder vokale Ticstörung 
  Sie erfüllt die allgemeinen Kriterien für eine Ticstörung, wobei motorische oder vokale Tics, jedoch nicht beide zugleich, einzeln, meist jedoch multipel, auftreten und länger als ein Jahr andauern. 
F95.2    Kombinierte vokale und multiple motorische Tics [Tourette-Syndrom] 
  Eine Form der Ticstörung, bei der gegenwärtig oder in der Vergangenheit multiple motorische Tics und ein oder mehrere vokale Tics vorgekommen sind, die aber nicht notwendigerweise gleichzeitig auftreten müssen. Die Störung verschlechtert sich meist während der Adoleszenz und neigt dazu, bis in das Erwachsenenalter anzuhalten. Die vokalen Tics sind häufig multipel mit explosiven repetitiven Vokalisationen, Räuspern und Grunzen und Gebrauch von obszönen Wörtern oder Phrasen. Manchmal besteht eine begleitende gestische Echopraxie, die ebenfalls obszöner Natur sein kann (Kopropraxie). 
F95.8   Sonstige Ticstörungen 
F95.9    Ticstörung, nicht näher bezeichnet 
  Tic o.n.A.



         
F98.-   Andere Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend 
  Dieser heterogenen Gruppe von Störungen ist der Beginn in der Kindheit gemeinsam, sonst unterscheiden sie sich jedoch in vieler Hinsicht. Einige der Störungen repräsentieren gut definierte Syndrome, andere sind jedoch nicht mehr als Symptomkomplexe, die hier aber wegen ihrer Häufigkeit und ihrer sozialen Folgen und weil sie anderen Syndromen nicht zugeordnet werden können, aufgeführt werden. 
  Exkl.:  Emotional bedingte Schlafstörungen ( F51.- )
Geschlechtsidentitätsstörung des Kindesalters ( F64.2 )
Kleine-Levin-Syndrom ( G47.8 )
Perioden von Atemanhalten ( R06.88 )
Zwangsstörung ( F42.- )

F98.0    Nichtorganische Enuresis 
  Diese Störung ist charakterisiert durch unwillkürlichen Harnabgang am Tag und in der Nacht, untypisch für das Entwicklungsalter. Sie ist nicht Folge einer mangelnden Blasenkontrolle aufgrund einer neurologischen Krankheit, epileptischer Anfälle oder einer strukturellen Anomalie der ableitenden Harnwege. Die Enuresis kann von Geburt an bestehen oder nach einer Periode bereits erworbener Blasenkontrolle aufgetreten sein. Die Enuresis kann von einer schweren emotionalen oder Verhaltensstörung begleitet werden. 
  Funktionelle Enuresis
Nichtorganische primäre oder sekundäre Enuresis
Nichtorganische Harninkontinenz
Psychogene Enuresis

  Exkl.:  Enuresis o.n.A. ( R32 )

F98.1    Nichtorganische Enkopresis 
  Wiederholtes willkürliches oder unwillkürliches Absetzen von Faeces normaler oder fast normaler Konsistenz an Stellen, die im soziokulturellen Umfeld des Betroffenen nicht dafür vorgesehen sind. Die Störung kann eine abnorme Verlängerung der normalen infantilen Inkontinenz darstellen oder einen Kontinenzverlust nach bereits vorhandener Darmkontrolle, oder es kann sich um ein absichtliches Absetzen von Stuhl an dafür nicht vorgesehenen Stellen trotz normaler physiologischer Darmkontrolle handeln. Das Zustandsbild kann als monosymptomatische Störung auftreten oder als Teil einer umfassenderen Störung, besonders einer emotionalen Störung (F93.-) oder einer Störung des Sozialverhaltens (F91.-). 
  Funktionelle Enkopresis
Nichtorganische Stuhlinkontinenz
Psychogene Enkopresis

  Soll die Ursache einer eventuell gleichzeitig bestehenden Obstipation angegeben werden, ist eine zusätzliche Schlüsselnummer zu benutzen. 
  Exkl.:  Enkopresis o.n.A. ( R15 )

F98.2   Fütterstörung im frühen Kindesalter 
  Eine Fütterstörung mit unterschiedlicher Symptomatik, die gewöhnlich für das Kleinkindalter und frühe Kindesalter spezifisch ist. Im allgemeinen umfasst die Nahrungsverweigerung extrem wählerisches Essverhalten bei angemessenem Nahrungsangebot und einer einigermaßen kompetenten Betreuungsperson in Abwesenheit einer organischen Krankheit. Begleitend kann Rumination - d.h. wiederholtes Heraufwürgen von Nahrung ohne Übelkeit oder eine gastrointestinale Krankheit - vorhanden sein. 
  Rumination im Kleinkindalter

  Exkl.:  Anorexia nervosa und andere Essstörungen ( F50.- )
Fütterprobleme bei Neugeborenen ( P92.- )
Fütterschwierigkeiten und Betreuungsfehler ( R63.3 )
Pica im Kleinkind- oder Kindesalter ( F98.3 )

F98.3   Pica im Kindesalter 
  Anhaltender Verzehr nicht essbarer Substanzen wie Erde, Farbschnipsel usw.. Sie kann als eines von vielen Symptomen einer umfassenderen psychischen Störung wie Autismus auftreten oder sie kann als relativ isolierte psychopathologische Auffälligkeit vorkommen; nur das letztere wird hier kodiert. Das Phänomen ist bei intelligenzgeminderten Kindern am häufigsten. Wenn eine solche Intelligenzminderung vorliegt, ist als Hauptdiagnose eine Kodierung unter F70-F79 zu verwenden. 
F98.4    Stereotype Bewegungsstörungen 
  Willkürliche, wiederholte, stereotype, nicht funktionale und oft rhythmische Bewegungen, die nicht Teil einer anderen psychischen oder neurologischen Krankheit sind. Wenn solche Bewegungen als Symptome einer anderen Störung vorkommen, soll nur die übergreifende Störung kodiert werden. Nichtselbstbeschädigende Bewegungen sind z.B.: Körperschaukeln, Kopfschaukeln, Haarezupfen, Haaredrehen, Fingerschnipsgewohnheiten und Händeklatschen. Stereotype Selbstbeschädigungen sind z.B.: Wiederholtes Kopfanschlagen, Ins-Gesicht-schlagen, In-die-Augen-bohren und Beißen in Hände, Lippen oder andere Körperpartien. Alle stereotypen Bewegungsstörungen treten am häufigsten in Verbindung mit Intelligenzminderung auf; wenn dies der Fall ist, sind beide Störungen zu kodieren.

Wenn das Bohren in den Augen bei einem Kind mit visueller Behinderung auftritt, soll beides kodiert werden: das Bohren in den Augen mit F98.4 und die Sehstörung mit der Kodierung der entsprechenden somatischen Störung.

  Stereotypie/abnorme Gewohnheit

  Exkl.:  Abnorme unwillkürliche Bewegungen ( R25.- )
Bewegungsstörungen organischer Ursache ( G20-G25 )
Daumenlutschen ( F98.8 )
Nägelbeißen ( F98.8 )
Nasebohren ( F98.8 )
Stereotypien als Teil einer umfassenderen psychischen Störung ( F00-F95 )
Ticstörungen ( F95.- )
Trichotillomanie ( F63.3 )

F98.5   Stottern [Stammeln] 
  Hierbei ist das Sprechen durch häufige Wiederholung oder Dehnung von Lauten, Silben oder Wörtern, oder durch häufiges Zögern und Innehalten, das den rhythmischen Sprechfluss unterbricht, gekennzeichnet. Es soll als Störung nur klassifiziert werden, wenn die Sprechflüssigkeit deutlich beeinträchtigt ist. 
  Exkl.:  Poltern ( F98.6 )
Ticstörungen ( F95.- )

F98.6   Poltern 
  Eine hohe Sprechgeschwindigkeit mit Störung der Sprechflüssigkeit, jedoch ohne Wiederholungen oder Zögern, von einem Schweregrad, der zu einer beeinträchtigten Sprechverständlichkeit führt. Das Sprechen ist unregelmäßig und unrhythmisch, mit schnellen, ruckartigen Anläufen, die gewöhnlich zu einem fehlerhaften Satzmuster führen. 
  Exkl.:  Stottern ( F98.5 )
Ticstörungen ( F95.- )

F98.8   Sonstige näher bezeichnete Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend 
  Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität
Daumenlutschen
Exzessive Masturbation
Nägelkauen
Nasebohren

F98.9   Nicht näher bezeichnete Verhaltens- oder emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend 
Zuletzt geändert von Putte am 15. November 2007 18:51, insgesamt 1-mal geändert.
Manchmal möchte ich Gott fragen, warum er Hunger, Krieg und Armut zuläßt, obwohl er etwas dagegen tun könnte....
Doch dann fürchte ich er könnte mich das selbe fragen....

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