Sollte mein Sohn einen Test machen?

Erwachsene u. Kinder
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nick99
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Sollte mein Sohn einen Test machen?

Beitragvon nick99 » 19. Juni 2017 14:03

Hallo Zusammen,

ich habe bei meinem Sohn , 12 Jahre, viele Male sein Verhalten nicht nachvollziehen können. Deswegen suche ich Rat.

Er ist
* nicht hyperaktiv, idR eher ruhig, schüchtern, häufig verträumt
* mit Kindern, die er kennt nicht schüchtern sondern eher für jeden Blödsinn zu haben
* stört häufig den Unterricht um Aufmerksamkeit zu erregen denke ich
* hört häufig nicht zu bzw vergisst Dinge, die man ihm wiederholt gesagt hat. Man muss Vieles viele Male Wiederholen und schimpfen damit des klappt
* einfache Aufforderungen wie hilf im Garten, deck den Tisch, gehe im Supermakrt einkaufen macht er ohne problemlos und kommt dann ganz "happy" zurück und sagt, er sei fertig.
* geht aufs Gymnasium, Noten in den Nebenfächern durchnittlich 3, Hauptfächern 4-5
* nach entsprechenden Gesprächen und Sanktionen viel besser in der Schule geworden, leider nur für kurze Zeit, dann wieder in das alte Muster jedoch ohne den Unterricht zu stören, wirkt laut Lehrern häufig abwesend
* Hausaufgaben und Vorbereitungen werden ohne Kontrolle und "Druck" gemacht, aber nur halbherzig. Mit Druck geht es viel besser, jedoch schleichen sich dann auch Flüchtigkeitsfehler ein, wo man sich manchmal nur " and den Kopf" packen kann oder Sachen werden vergessen obwohl er sie vorher wirklich konnte!
* emotionales und empatisches Kind, er spürt wenn es einem nicht gut geht und ist sehr mitfühlend und lieb
* Soziale Kontakte neben der Schule kaum. Geht zum 2x/ Woche zum Tischtennis, macht ihm Spass, jeodch machmal hat er keine Lust drauf
* hat 2-4 Kopfschmerzen
* Kontakte zu anderen Kindern neben der Schule/Sport eher über PC beim gemeimsamen PC-Spielen
* Mutter und Vater( ich bin der Vater) seit 10 Jahren getrenntlebend.

Ich habe das Gefühl, das er sich häufig nicht richtig konzentrieren kann. Aber das auch nur phasenweise. Es kann dann mal 2 Wochen alles gut sein, dann aber wieder bekommt er 2 Wochen nichts verinnerlicht.
Kann das ADS sein? Oder ist er einfach nur ein "normaler" Junge, der fault ist, wenn er keinen nötigen Druck bekommt?
Ich habe in den letzten Tagen viel über ADS und ADHS gelesen.
ADHS meine ich ausschlissen zu können, weil er weder zapallig, hyperaktiv ist.
ADS- typisch soll sein


Die Betroffenen sind unkonzentriert bei Routineaufgaben und im Alltag, sie können ihre Daueraufmerksamkeit nicht aufrecht halten, ermüden und langweilen sich schnell.
Sie haben alle eine diskrete motorische Unruhe, sind immer mit den Händen oder Füßen in Bewegung, aber dabei weniger auffällig als die Hyperaktiven.
Sie sind ständig ablenkt, da ihr Gehirn viel zu viel Informationen aufnimmt.
Stellt man ihnen Fragen, finden sie nicht schnell die passende Antwort, was ihre Mitarbeit in der Schule erschwert.
Sie können sich mit Worten nicht schnell genug und sozial angepasst verteidigen, sie reagieren deshalb mit Rückzug und Kränkung.
Sie fühlen sich schnell angegriffen und reagieren besonders unter Stress überschießend (zu empfindlich, zu impulsiv), was andere verunsichert und nicht verstanden wird.
Sie haben motorische Probleme beim Schreiben, drücken zu sehr auf, können Linien nicht einhalten, ihre Buchstaben und Zahlen sind eckig, ihr Schriftbild unharmonisch, Druckschreibschrift gelingt ihnen besser.
Die Verarbeitung von Informationen erfolgt langsam und ungenau, da die dazu notwendigen Nervenbahnen nicht auseichend entwickelt sind.
Handlungsabläufe und Lerninhalte automatisieren sich deutlich mühsamer.
Ihr Arbeitsgedächtnis ist schnell überlastet, deshalb werden Informationen zwar gehört, aber nicht abgespeichert und somit wieder vergessen.
Sie haben immer viele Gedanken und Bilder im Kopf und verfügen über eine blühende Phantasie, weshalb sie leicht in ihre eigene Gedankenwelt abgleiten.
Sie haben einen großen Gerechtigkeitssinn und sind sehr hilfsbereit.
Sie können sich aber auch sehr gut konzentrieren, wenn etwas für sie spannend und interessant ist, dann vergessen sie alles um sich herum und können sich stundenlang dieser Beschäftigung hingeben (z.B. Spielen mit Legosteinen und Puppen).
Für gefühlsbetonte Informationen haben sie ein „Elefantengedächtnis“.
Sie sind sehr sensibel, gefühlsmäßig labil und weinen leicht.
Sie regen sich schnell über Kleinigkeiten auf, sind schnell gekränkt und fühlen sich dann gleich ungeliebt und missverstanden.
Sie machen stundenlang Hausaufgaben, ihr Arbeitstempo ist viel zu langsam.
Sie entwickeln schnell Versagensängste und Schuldgefühle.
Sie können Menschen und Situationen gut durchschauen.
Sie können sehr gut kreativ denken, dadurch finden sie in kritischen Situationen schnell die besten Lösungen.
Sie haben ein „Schwarz-Weiß-Denken“, ihre Stimmung schwankt schnell zwischen „himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt“.

Ich habe die Punkte unterstrichen, die mir bei meinm Sohn aufgefallen sind. Vieles Davon trifft eher nicht zu.
Darüber hinaus hatte ich gelesen, dass Sanktionen eher nicht zielführend bei ADS-Kindern sein sollten. Ich habe hier jedoch auch gemischte Erfahrungen gemacht. Teils zielführend auch wenn nicht immer von langer Dauer, teils nicht zielführend.

Hat jemand einen Rat?

Grüsse Nick
Falschparker
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Re: Sollte mein Sohn einen Test machen?

Beitragvon Falschparker » 19. Juni 2017 15:31

Ja: Besser spät als nie.

Ganz herzlich willkommen im Andersweltforum! :willkommen:
laetitia
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Re: Sollte mein Sohn einen Test machen?

Beitragvon laetitia » 19. Juni 2017 21:43

Hi Nick

Würde auch eine Abklärung anraten, aber dein Sohn müsste auch daran interessiert sein (ist nur meine Meinung).

Es gibt natürlich auch andere Gründe, für geistige Abwesenheit und Unkonzentriertheit etc. Faulheit denke ich aber ist meistens ausgeschlossen oder sagen wir es so, hat meistens tieferliegende Gründe. Ich selber wurde als Kind und Jugendliche immer wieder als Faul bezeichnet von meinen Eltern. Und als Erwachsene machte ich mir immer Vorwürfe für mein Unvermögen, meine Wohnung in Ordnung zu halten und regelmässig den Haushalt zu machen. Leider hat sich das noch nicht gebessert...aber ich muss mich nicht mehr als faul abwerten...das nützt nämlich sowieso nichts.

Mir war auch immer bewusst, dass ich besser hätte sein können in der Schule (obwohl ich in der Oberstufe sehr gute Noten hatte), wenn ich mehr investieren würde...aber das klappte einfach nicht, da hatte ich eine innere Bremse...die habe ich immernoch...und das liess mich ein bisschen minimalistisch werden. Denn wenn man ständig gegen den inneren Druck ankämpfen muss, ist das anstrengend, dann sucht man sich Wege, irgendwie anders durchs Leben zu kommen. Daher war halt immer alles auf den letzten Drücker und möglichst ins Kurzzeitgedächtnis rein...solange ich damit meine Prüfungen schaffte, wozu dann mehr tun? Irgendwann geht diese Strategie aber halt nicht mehr auf...dennoch, ich habe dadurch gelernt, effiziente Strategien zu finden, um ein Ziel zu erreichen... :lol:

Auf jeden Fall ist es sicher nicht falsch, der Sache auf den Grund zu gehen, damit er auch Hilfe bekommt, sofern er die braucht. Auch wenn es nicht ADS sein sollte. Irgendwie will es ja nicht ganz...so dass es dir auffällt und du dir Gedanken machst.

Was den Druck anbelangt, ja, unter Druck arbeitet ein ADS-ler besser. Aber nur solange der Druck nicht zu gross ist. Ausserdem kann man sich gewöhnen und dann klappts unter Umständen auch nicht mehr.
Meine Eltern hatten damals, als ich in der fünften Klasse war und eigentlich hätte die vierte repetieren sollen einen sogenannten Verstärkerplan. Mein Hauptproblem war, dass ich ewig brauchte um selbstständig auf meinem Zimmer meine Hausaufgaben zu lösen. Ich musste deshalb meine Aufgaben aufschreiben und die Lehrerin notierte die Zeit, die dafür aufgewendet werden sollte. Wenn mir das gelang, bekam ich eine Belohnung. Das half mir damals. Ich weiss allerdings nicht, ob das bei einem Jugendlichen auch noch funktioniert. Ausserdem scheint er auch sonst etwas im Rückstand zu sein.

Wie ist das mit den Kopfschmerzen zu verstehen? 2 bis 4 Tage die Woche? Dem sollte man vielleicht auch mal nachgehen.
War er schon immer verträumt?
nick99
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Re: Sollte mein Sohn einen Test machen?

Beitragvon nick99 » 21. Juni 2017 13:30

@ laetitia

Vielen Dank für deine Antwort/das schildern deiner eigenen Erfahrungen.

Zu deinen Fragen:
* 2-4/ Monat ( sorry ! )
* Ja, im Prinzip schon immer. Mal mehr mal weniger


"Ausserdem scheint er auch sonst etwas im Rückstand zu sein." -> Wie meinst du das? Beziehst du das auf die fehlenden sozialen Kontakte?

Grüsse Nick
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Re: Sollte mein Sohn einen Test machen?

Beitragvon BAE2705 » 26. Juni 2017 12:43

Hallo,

auch ich tendiere dazu das abklären zu lassen. Wenn Du den Eindruck hast, Dein Sohn würde können wollen (wow - 3 Hilfsverben hintereinander) aber es nicht aufs Papier/den Tisch/ über die Lippen bringt wird er Interesse daran haben, zu wissen woher das kommt.

Mein Sohn wurde oft als intelligent aber "faul und widerspenstig" eingeschätzt. Ihm hat es bereits geholfen, zu wissen was die Ursache ist (die Behandlung danach allerdings noch sehr viel mehr). Erst als die Ursache gefunden war, ließ der Druck nach, Und erst als der Druck nach ließ, konnte er vieles im Sozialverhalten aufarbeiten und (ganz langsam) aus dem Schneckenhaus rauskommen in den er sich wegen der vielen Anfeindungen/Spitzen verkrochen hatte.

Lasst es abklären (Exfrau gehört auch mit ins Boot)!

LG BAE
laetitia
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Re: Sollte mein Sohn einen Test machen?

Beitragvon laetitia » 27. Juni 2017 11:28

nick99 hat geschrieben:@ laetitia

Vielen Dank für deine Antwort/das schildern deiner eigenen Erfahrungen.

Zu deinen Fragen:
* 2-4/ Monat ( sorry ! )
* Ja, im Prinzip schon immer. Mal mehr mal weniger


"Ausserdem scheint er auch sonst etwas im Rückstand zu sein." -> Wie meinst du das? Beziehst du das auf die fehlenden sozialen Kontakte?

Grüsse Nick


Hi Nick

Sorry meine verspätete Antwort. Wir hatten die letzten zwei Wochen Semesterprüfungen und am Wochenende war ich am Southside.

Also dein Sohn hat 2 bis 4 mal im Monat Kopfweh?

Das mit dem Rückstand meinte ich auf die allgemeine schulische Situation bezogen. Kann man aber auch auf die sozialen Kontakte beziehen...wobei ich das so sicher nicht beurteilen kann, das weisst du besser, du erlebst ihn ja...ich lese hier nur, was du schilderst.

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