Diagnosemaschinerie? Ich bin verwirrt...leider lang

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Alex10121978
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Diagnosemaschinerie? Ich bin verwirrt...leider lang

Beitrag von Alex10121978 » 2. Dezember 2015 16:08

Hallo zusammen.

Ich bin bei meiner Recherche im Internet auf dieses Forum gestoßen und möchte mich an Euch wenden, da ich grade sehr verwirrt bin. Zur Erklärung muss ich ein wenig ausholen... Mein Sohn, wird im kommenden Februar 6, ist ein nettes aufgewecktes Kerlchen, recht wild, sehr kommunikativ, temperamentvoll und genau richtig wie er ist. Er hat aber ein kleines Problem, welches sich in den letzten Monaten manifestiert hat... Er nässt tagsüber ein.

So wirklich trocken war er tagsüber noch nie, es gab und gibt immer mal wieder Unfälle. Anfang des Jahres (er war grade 5) habe ich dann mal unseren Kinderarzt angesprochen, da es mir nun doch ein wenig "zu lange" dauerte mit dem trocken werden. Der Arzt meinte, es wäre alles noch im Rahmen, es gibt halt Jungs bei denen es länger dauert. Er hat aber trotzdem einige Untersuchungen durchgeführt um organische Schäden auszuschließen. Alles war ok. Wir sollen ihn häufiger an die Toilettengänge erinnern und ggf. ein Belohnungssystem aufstellen. Dies haben wir gemacht. Allerdings wurde es u. E. eher schlechter als besser... Alles reden half nicht. er sagte er muss nicht zur Toilette, hat sich mit Händen und Füßen gesträubt und 5 Minuten später war die Hose nass... Mittlwerweile können wir immer häufiger beobachten, dass er sich den Drang wegdrückt.... Seit einigen Wochen leidet er selbst immer mehr unter der Tatsache "nasse Hose" und wir haben viel mit ihm gesprochen und natürlich auch untereinander. Um ihm zu helfen, haben wir einen Termin in einer Kinderpsychiatrischen Praxis vereinbart, welche als Schwerpunkt auch das Einnässen behandelt. So, und dieser Termin war heute und hat mich tendenziell sehr verunsichert und verwirrt...

Der Termin sah so aus, dass wir mit dem Arzt am Besprechungstisch saßen, dieser mich viele viele Dinge gefragt wie er mein Sohn charakterlich ist, welche "Auffälligkeiten" es gibt, usw. . Sohnemann saß unbeteiligt daneben... 5 Minuten, dann wurde ihm langweilig. Erst fing er an zu kaspern, dann zu quengeln... Dann fing er an sich mit sich selbst zu beschäftigen, "haute" sich dreimal vor den Kopf und versuchte mit aller Macht unsere Aufmerksamkeit zu bekommen. Wie er halt so ist...

Eine Diagnose konnte er natürlich noch nicht stellen. Ich hab jetzt nochmal 3 Termine für einige Tests. Die werden so in Richtung Aufmerksamkeit, Konzentration gehen. ADHS steht ein Stück weit im Raum, Asberger auch... Wirklich gesprochen hat der Arzt mit ihm nicht. Der "Verdacht" Asberger kam wohl so zustande, dass ich erzählt habem, das der Mini oft so eine "Art Beschallung" braucht. Er hört halt beim spielen gerne Hörspiele oder Musik. Daraufhin meinte der Doc, dass das für ihn keine Beschallung ist, sondern ein vorgegebener Rhythmus den er braucht. Er hat sich halt im Gespräch drei/viermal leicht vor den Kopf gehauen und sich geräuspert (er ist erkältet und hat ein wenig Husten). Was wir als "tick" abtun oder als Geräusche machen werten, könnte auch dieser Rhythmus sein den er braucht und sich selbst macht... Ich weiß gar nicht was ich davon halten soll. Ja, er macht oft, fast immer irgendwelche Geräusche beim spielen, aber diese sind auch passend zum Spiel. Also Autos machen halt brumm brumm...usw.

Alles kann, nichts muss... Eigentlich sollten die uns doch nur Tipps geben wegen des Einnässens... Ich bin völlig durcheinander....

Ja, er ist ein kleiner Tornado, aber in diese Richtung haben wir noch nie gedacht...

Welche Tests kommen da auf uns zu? Was wird jetzt überhaupt mit ihm gemacht, gibt es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen AD(H)S und Einnässen? Alles Fragen die mir durch den Kopf gehen, auf die mir keiner eine Antwort geben kann...

Ich hoffe ich bin hier bei Euch richtig und habe nicht zu weit ausgeholt.

Vielen Dank schonmal vorab und liebe Grüße,

Alex
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Menolly
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Re: Diagnosemaschinerie? Ich bin verwirrt...leider lang

Beitrag von Menolly » 2. Dezember 2015 16:36

Hallo Alex,
:w2:
ja, den Zusammenhang gibt es tatsächlich. Das hat auch viel mit der eigenen Körperwahrnehmung zu tun.
Ich zB. hab bis zu meinem 7 Lebensjahr hin und wieder die Hose nass gehabt, einfach, weil ich das nicht wirklich gemerkt habe das ich aufs Klo muss.

Mach dir aber jetzt nicht zu viele Sorgen.  :wu:
Erst einmal wird ein Konzentrationstest gemacht, und je nach dem wie gut die Praxis ausgestattet ist, ein EEG.
Für euch Eltern und den Kindergarten noch Fragebögen.

Ansonsten kannst du dich erst einmal hier quer lesen, und bei Fragen werden wir dir gerne weiter helfen.

Liebe Grüße
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Alex10121978
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Re: Diagnosemaschinerie? Ich bin verwirrt...leider lang

Beitrag von Alex10121978 » 2. Dezember 2015 16:43

Hallo Menolly,

vielen Dank für Deine Antwort. Das mit der Körperwahrnehmung habe ich mir schon gedacht... Wobei er ja merkt das er zur Toilette muss... Er will einfach seine Tätigkeit dafür nicht unterbrechen... Sagt er auch so ganz klar...Er kann sich auch super konzentrieren. Siet dem Sommer lernt er Gitarre spielen. Alles ohne Probleme. Er "liest" Bücher, er spielt ganz viel mit verschiedenen Dingen, hat eine bühende Phantasie, alles gut. Dieser "Verdacht" hat mich echt eiskalt erwischt und ich da ich mit dem Thema noch in keiner Weise Berührungspunkte habe, habe ich auch ehrlich gesagt Angst vor dem was auf mich zukommen könnte...  :Frag:

LG,

Alex
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Re: Diagnosemaschinerie? Ich bin verwirrt...leider lang

Beitrag von Menolly » 2. Dezember 2015 16:59

Na ja, auch AD(H)Sler können sich super Konzentrieren, wenn es etwas wirklich Spannendes ist.
Und ja, genau so war das bei mir auch mit dem nicht aufs Klo gehen, und dann wars zu spät.

Ich würde jetzt nicht so sehr das Asperger hochziehen an deiner stelle.
Warte doch erst einmal ab, was bei den Tests heraus kommt. Danach wisst ihr ja auch erst wo es lang gehen kann.
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Alex10121978
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Re: Diagnosemaschinerie? Ich bin verwirrt...leider lang

Beitrag von Alex10121978 » 2. Dezember 2015 17:18

Wie gesagt, ich habe null Brührungspunkte und über AD(H)S weiß ich nur das was man eben so hört. Ich möchte auch niemandem zu nahe treten mit meinem Unwissen. Seht es mir bitte nach, sollte ich doch einmal mit Vorurteilen zu kämpfen habe...  :upsi:
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Menolly
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Re: Diagnosemaschinerie? Ich bin verwirrt...leider lang

Beitrag von Menolly » 2. Dezember 2015 17:24

Alles gut.  :wu:

Deshalb sage ich ja, erst mal tief Luft holen, und gucken was bei den Tests heraus kommt.

Ja, das ist erst mal ein "Schock" aber vielleicht ist es ja auch gut, das der Arzt alles abklären will.
Deine Aufregung kann auch jeder hier verstehen, deshalb kannst du hier auch deine Fragen stellen ohne falsche scheu.  :ja1:
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Re: Diagnosemaschinerie? Ich bin verwirrt...leider lang

Beitrag von Falschparker » 2. Dezember 2015 23:21

Hallo Alex (Alexander oder Alexandra?),

das ist aber eine wirkliche Chance dass ihr gleich an diesen Psychiater geraten seid, bevor lange erfolglos an dem Symptom herumgedoktort wird.

Vergiss einfach alles "was man so hört". Über kaum eine Störung wird so viel Unsinn verbreitet wie über ADHS, und zwar auch von eigentlich seriösen Medien wie FAZ, öffentlich-rechtliche Sender, Stern usw. Natürlich gibt es auch sehr gute Artikel und Sendungen, aber das ist schwer zu unterscheiden für Außenstehende.

Einer der verbreitetsten Irrtümer ist der, dass ADHS-ler immer unkonzentriert seien. Und ein anderer der, dass Aktivität gleich als Krankheit gewertet wird. Ich sehe da eine gewisse Abwehr in deinem Satz ist ein nettes aufgewecktes Kerlchen, recht wild, sehr kommunikativ, temperamentvoll und genau richtig wie er ist.

Dein Kleiner ist so richtig wie er ist, selbstverständlich. Und das auch wenn er ADHS haben sollte.

Leider können ADHS-Betroffene das nicht steuern, wann sie aufgeweckt und wild sein wollen oder nicht. Die Stopptaste ist ein Stück weit kaputt, die Selbst- und Fremdwahrnehmung sowieso. Ich erinnere mich gut an verschiedene Momente meiner Kindheit, ich war keineswegs immer fröhlich wenn ich wild und albern war, ich fühlte mich meist ziemlich schlecht dabei, jedenfalls hinterher.

Herzlich willkommen in diesem Forum! Ich bin sehr gespannt wie es bei euch weitergeht!  :wu:

Mein großer Sohn ist übrigens 20, ich selbst 49, und wir haben beide ADHS. Bei seinem kleinen Bruder (3) kann man noch nichts sicher sagen, aber es scheint in diese Richtung zu gehen.

Viele Grüße
Falschparker
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Re: Diagnosemaschinerie? Ich bin verwirrt...leider lang

Beitrag von Alex10121978 » 3. Dezember 2015 13:43

Hallo Falschparker,

vielen Dank für Deine Antwort. "Alex" steht für Alexandra...  :winken:

Ja Du hast recht. Ein Stück "Abwehr" ist wohl wirklich dabei. Eben weil man immer "was hört". Ich gebe gerne zu, dass ich da nicht frei von Vorurteilen bin. Grade weil ich keine Ahnung habe. Ich weiß nicht, was ADHS wirklich bedeutet. Bei dieser Diagnose sehe ich vor meinem geistigen Auge meist völlig durchdrehende Kinder die völlig erziehungsresistent sind und im Grunde machen was sie wollen...  :schäm:

Für mich ist mein Kleiner einfach ein lebenslustiges wissbegieriges Bengelchen, dass gerne tobt, gerne spielt, auch mal laut ist, sich durchaus aber auch leise in seinem Zimmer beschäftigen kann. Er hat viele Freunde, ist in 2 Vereinen, erkennt Regeln an (natürlich die einen mehr, andere findet er doof, hält sich aber meistens trotzdem daran).

Er freut sich auf die Schule, fragt immer mehr nach, was man dort lernt, findet Bücher toll. Im Kiga gab es noch nie Probleme, er ist gern gesehener Gast bei seinen Freunden und deren Eltern, usw. usf.

Weißt Du, mich verwirrt einfach, dass jemand, der ihn grade mal 40 Minuten gesehen hat, solch einen Verdacht hat. Also, wie kommt er darauf? Was hätte ein Kind, bei dem dieser Verdacht nicht aufkommt, anders gemacht? Weißt Du was ich meine?

Oh man, ich merke, ich verfalle wieder in Vorurteilen, schreibe dies meiner absoluetn Unwissenheit zu.

Ich hoffe Du weißt wie ich das meine...

LG,

Alex
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Re: Diagnosemaschinerie? Ich bin verwirrt...leider lang

Beitrag von Menolly » 3. Dezember 2015 15:42

Oh je, jetzt mach dich nicht im Vorfeld verrückt.  :zwink:

Für mich ist mein Kleiner einfach ein lebenslustiges wissbegieriges Bengelchen, dass gerne tobt, gerne spielt, auch mal laut ist, sich durchaus aber auch leise in seinem Zimmer beschäftigen kann. Er hat viele Freunde, ist in 2 Vereinen, erkennt Regeln an (natürlich die einen mehr, andere findet er doof, hält sich aber meistens trotzdem daran).

Das ist doch schon mal schön.  :top:

Wie der Arzt jetzt darauf gekommen ist, können wir dir natürlich auch nicht sagen, aber am ende seit ihr es ja, die die Entscheidungen treffen.  :ja1:
Ich denke eine Ergotherapie wird deinem Kind nicht schaden, gerade in Hinblick auf das Einnässen.

Ich schätze jetzt mal, das deine Angst eher darauf beruht, das dein Kind plötzlich Medikamente nehmen soll?
Das ist aber erst einmal gar nicht vorgesehen. Und auch da, ihr habt dafür das Letzte Wort.  :ja1:

Und wer weiß, vielleicht kommt ja eine Hochbegabung heraus, da sind die Kinder auch oft schnell gelangweilt wenn sie nur rumsitzen sollen, und verhalten sich dann so wie dein Kurzer.  :ichboss:

Liebe Grüße
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Re: Diagnosemaschinerie? Ich bin verwirrt...leider lang

Beitrag von Alex10121978 » 3. Dezember 2015 19:34

Hallo Menolly,

ja ein Stück weit ist es die Angst vor potenziellen Medis. Wobei darüber ja noch gar nicht gesprochen wurde - wie auch...

Andereseits habe ich das Gefühl, dass wir gestern eine Stempel aufgedrückt bekommen haben und in eine Schublade gesteckt wurden...

Beim Mini wurde schon eine Hochbegabung festgestellt. Dies wusste der Doc gestern auch... Von daher alles für mich noch weniger verständlich.

LG,

Alex
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Re: Diagnosemaschinerie? Ich bin verwirrt...leider lang

Beitrag von Menolly » 3. Dezember 2015 19:48

Andereseits habe ich das Gefühl, dass wir gestern eine Stempel aufgedrückt bekommen haben und in eine Schublade gesteckt wurden...

hm, glaubst du, das es für die Betroffenen grundsätzlich etwas Negatives ist, diese Diagnose bekommen zu haben?

Ich denke, die Schublade hast du selber ausgesucht, eben weil du sicher nur den ganzen Blödsinn kennst, den man über diese Erkrankung hört.  :zwink:
Aber glaub mir, als Betroffener ist man einfach nur froh endlich zu wissen was los ist, und eben nicht nur Faul, Frech und Unerzogen ist, sondern das man ein Stoffwechselproblem hat.


Aber so oder so, fände ich es echt schön, wenn du dich hier über AD(H)S weiter Infomist, auch wenn es bei deinem Kind vielleicht doch nicht zutreffen sollte, einfach weil es für betroffene Eltern auch mal schön ist, wenn jemand Verständnis für ihre Sorgen, Probleme und Ängste hat.  :wu:
Und glaub mir, du wirst einige von uns im Leben kennen lernen.  :breitgrinse1:
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Re: Diagnosemaschinerie? Ich bin verwirrt...leider lang

Beitrag von Eule » 3. Dezember 2015 23:53

Vor über 25 Jahren, als ich gegen Ende meiner Schulzeit erstmals was von ADHS hörte, habe ich das so verstanden dass ADHS- Kinder diese dummen Zappelkinder seien, die über Tisch und Bänke gehen,  zu blöd auch nur einen Hauptchulabschluss zu schaffen, und obendrein rotzfrech und unerzogen.

Ich hätte mir NIE vorstellen können dass ich genau diese Störung haben könnte, schließlich war ich schlau, auf dem besten Wege ein Bombenabi zu bauen, und rumzappeln war schon gar nicht meins.

Hat dann auch noch schlappe 20 Jahre nach dem Abi gedauert, bis ich auch nur den Hauch einer Ahnung hatte dass meine sozialen und beruflichen Schwierigkeiten, Stimmungsshwankungen, meine Desorganisation bei Haushalt, Papierkram, Terminen, meine spontanen Handlungen und Sprüche mit denen ich mir auch immer mal wieder viel Ärger eingehandelt habe, und auch die wiederholten Depri-Abstürze eben Symptome und Folgen des unerkannten und demzufolge auch unbehandelten  ADHS waren.

An Dingen zu scheitern von denen Nomalos sagen dass da doch schon ein 13jähriger kann, und dass esdaher bei einem Menschen mit 18 oder noch älter der noch dazu sehr intelligent ist selbsterständlich vorauszusetzen sei dass er das weiß und kann war frustierend. Umso mehr weil mir dann entweder meine Intelligenz abgesprochen wurde, oder unterstellt wurde ich sei faul oder täte es aus Vorsatz um andere zu provozieren nicht oder auf die falsche Art.

Dass ich begeistert ein 300 Seiten Fachbuch zu einem mich interessierenden Thema in krzester Zeit lesen und auch inhaltlich wiedergeben und mit diesem Wissen weiterarbeiten kann, aber es nur selten schaffe pünklich um Uhrzeit X zu einem Termin oder einer Verabredung zu erscheinen, weil ich erst am 100m vom Haus geparkten Auto fetstelle dass ich irgendwas benötigtes liegen lassen habe und nochmal zurück muss, 10 Minuten nach dem Gegenstand suche und dann die ohnehin knapp gerechnete Anfahrtszeit auch noch durch die unerwartet lange Parkplatzsuche am Zielort  endgültig gesprengt wird versteht kaum jemand. Vor allem wenn es nicht nur einmal, sondern immer wieder in Variationen passiert. Da ist die Vermutung ich sei an dem Termin oder dem Menschen nicht interessiert, oder gar dass die Verspätung Ausdruck mangelnden Respekts für den Gsprächspartner sei, inklusive der entsprechenden Konsequenzen meiner Gsprächspartner recht schnell zur Hand.

Inzwischen weiß ich dass ADHS absolut nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun hat - im Gegenteil.

Es gibt Studien, nach denen ADHSler signifikant häufiger als NichtADHSler einen IQ im Bereich überdurchschnittlich intelligent bis hochbegabt haben. Allerdings sind große Teile dieses Potentials ständig damit ausgelastet die Schwierigkeiten die aus Reizfilterschwäche (also Ablenkbareit durch Geräusche,Gespräche anderer Leute in Kassenzimmer oder Cafe, aus dem Augenwinkel wahrgenommene Bewegungen etc), Schwierigkeiten zu entscheiden was jetzt am wichtigsten ist und daraufhin konsequent sich auf dieses wichtige zu konzentrieren, auch Ungeduld und die Tendenz die Flinte ins Korn zu werfen im Zaum zu halten wenn man beim Machen erkennt dass man beim Planen einen Schritt übersehen hat oder dass das ganze langsamer von der Hand geht als gedacht sind typisch. Bis hin zu wütendem herumwerfen oder lautstarkem  Verfluchen der blöden Dinge die obwohl man überzeugt ist verstanden zu haben wie es geht eben nicht so wollen wie man sich das wünscht.

Und schwupps, da isser, der böse impulsgesteuerte unbeherrschte ADHSler der sich ohne es zu wollen ins soziale Abseits schießt.

ADHS hat viele Facetten, und wenn man es weiß, und daher gute Bewältigungsstratgien und falls nötig auch Medikamente nutzt, kann man seine intelligenz, Kreativität und Spontanität auch nutzen statt sich an den Stolperfallen abzuarbeiten.
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