Frage zu Fragebögen - Wenig Erinnerung an Kindheit

Erwachsene u. Kinder
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Nope
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Frage zu Fragebögen - Wenig Erinnerung an Kindheit

Beitragvon Nope » 20. September 2015 16:13

Ich muss mal unbedingt was fragen. Gestern habe ich die Fragebögen für mein Diagnoseverfahren bekommen. Da ist auch ein Blatt mit 25 Fragen dabei, in denen es um die Zeit zwischen dem 8.-10. Lebensjahr geht.  Ich habe riesige Probleme damit, diese Fragen zu beantworten weil ich an diese Zeit extrem wenig Erinnerung habe.
Da wird zum Beispiel gefragt:

Waren Sie verträumt und unaufmerksam?
Hatten Sie ein geringes Selbstwertgefühl beziehungsweise eine niedrige Selbsteinschätzung?
Hatten Sie Angst die Selbstbeherrschung zu verlieren?
Hatten Sie die Tendenz, unvernünftig zu sein oder unvernünftig zu handeln?

Ich frage mich natürlich jetzt, müsste ich mich an diese Dinge erinnern?  Oder vielleicht bedeutet das ja auch, dass in diesem Alter einfach nichts auffälliges gewesen ist und ich alle Fragen mit Nein beantworten müsste. Beziehungsweise ist es erlaubt, dass ich meine Mutter danach frage? Oder wie seht Ihr das? 
Ich meine, für die Angehörigen gibt es ja schließlich noch einen eigenen Fragebogen. Aber ich fürchte, alleine kann ich dieses Blatt nicht beantworten.
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Hanghuhn
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Re: Frage zu Fragebögen - Wenig Erinnerung an Kindheit

Beitragvon Hanghuhn » 20. September 2015 16:59

Wenn Du Deinen Angehörigen extra Fragebögen gegeben hast, musst Du Deinen Fragebogen allein bearbeiten. Wenn Du Dich da an nichts erinnern kannst, dann war aus Deiner Sicht auch nichts Besonderes. Vielleicht sehen das ja Deine Eltern ganz anders als Du, dann können sie das ja auf ihrem Fragebogen vermerken.

Vielleicht solltest Du die 25 Fragen erst mal auf Dich wirken lassen. Das heißt nicht, dass Du Dir etwas aus den Fingern saugen musst. Wenn Deine Erinnerung so schlecht ist, versuchst Du einfach mal, Dich an Deine Grundschulklasse zu erinnerm, ob Dir da jemand auf die Füße gerteten ist, oder ob Du jemandem auf die Füße getreten bist (das merkt man sich schlechter). Lass den Fragebogen einfach auf dem Tisch liegen, bis kurz bevor Du ihn abgeben musst!
LG Hanghuhn
Falschparker
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Re: Frage zu Fragebögen - Wenig Erinnerung an Kindheit

Beitragvon Falschparker » 20. September 2015 17:14

Hm, es kommt häufig vor dass sich ADHS-ler schlecht an ihre Kindheit erinnern können. Das muss nicht heißen dass nichts war.

Von daher empfehle ich anders als Hanghuhn, durchaus Eltern oder Geschwister zu fragen, falls es diese (noch) gibt.

Der Angehörigenfragebogen bezieht sich doch in der Regel auf die gegenwärtige Situation?

Es ist natürlich schwerer, solche Fragen allgemein zu beantworten oder sich konkrete Situationen in Erinnerung zu rufen. Also musstest du als Kind häufig zum Schulhausmeister oder zum Fundbüro, weil du Dinge verloren hast? Warst du in Mitschülergruppen eher integriert oder eher der Einzelgänger? Gab es Unfälle oder Beinahe-Unfälle? War dein Zimmer auch immer unaufgeräumt?

Und wenn du dich an den Schulstoff nicht mehr erinnerst, kann das durchaus daran liegen dass du schon damals geträumt hast.
Zuletzt geändert von Falschparker am 20. September 2015 17:19, insgesamt 1-mal geändert.
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Nope
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Re: Frage zu Fragebögen - Wenig Erinnerung an Kindheit

Beitragvon Nope » 20. September 2015 17:21

Dank für eure Antworten. Es gibt einmal einen Bogen für Angehörige.  Da geht es um die gegenwärtige Situation und den lasse ich meinen Freund ausfüllen. Es gibt aber auch noch einen für die Eltern. Und der bezieht sich auf die Kindheit.
Oder kann es auch wichtig sein für die Diagnosestellung, dass man sich eben an nix erinnern kann? Dann wäre es ja eine Verfälschung, wenn ich mithilfe meiner Mutter diesen Fragebogen ausfüllen würde.
Auf jeden Fall steht da drauf, dass man sämtliche Fragen beantworten soll und keine auslassen soll. 
Eule
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Re: Frage zu Fragebögen - Wenig Erinnerung an Kindheit

Beitragvon Eule » 20. September 2015 17:22

Fotoalbum aus der Kinderzeit ausgraben und durchblättern, versuchen dich an deine Grundschulzeit zu erinnern, Schulzeugnisse durchsehen... Manchmal fällt einem was ein wenn man diese längst vergangenen Dinge wieder sieht.

WENN du deine Eltern oder Geschwister fragst, dann frag eher nach Anekdoten als nach den im Fragebogen gesuchten Eigenschaften. Was hab ich angestellt, hab ich euch geärgert, genervt, wenn ja wie/womit, wer war eigentlich mein bester Freund, mein blödester Mitschüler... Wenn du als Kind in dem Alter öfter bei den Großeltern warst und die noch fragen kannst ist das auch eine gute Möglichkeit, die Erinnerung an diese Zeit ein bißchen zu wecken. Einfach einen Klön-Abend oder -nachmittag draus machen, der hoffentlich deiner Erinnerung auf die Sprünge hilft... Und dann später zuhause mit den aufgefrischten Erinnerungen an den Fragebogen gehen.
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Re: Frage zu Fragebögen - Wenig Erinnerung an Kindheit

Beitragvon Nope » 20. September 2015 17:57

Ich frage mal meine Oma ob die noch was erzählen kann. Meine Mutter habe ich schon mehrmals ausgequetscht aber sie kann sich leider auch an kaum was erinnern. Seltsam eigentlich, weil man sich doch eigentlich an solche typischen Macken bzw. Eigenschaften der Kinder erinnern sollte...

Ich werde mal weiter überlegen
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Re: Frage zu Fragebögen - Wenig Erinnerung an Kindheit

Beitragvon lenilein » 20. September 2015 18:11

Ich denke vielleicht können auch alte Schulzeugnisse weiterhelfen. In den ersten Jahren wurde da ja noch viel verhalten usw. berichtet.

Ansonsten würde ich mal einen Bruder/Schwester fragen, falls du einen/ eine hast
bin ich außergewöhnlich, bin ich anders, bin ich besonders, nein ich bin einfach ich jeder, der das nicht so sieht, der ist es nicht!
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Re: Frage zu Fragebögen - Wenig Erinnerung an Kindheit

Beitragvon ADHDgoesto11 » 21. September 2015 10:18

[quote=&quot;lenilein&quot;]
Ich denke vielleicht können auch alte Schulzeugnisse weiterhelfen.
[/quote]

Manchmal helfen diese alten Zeugnisse erschreckend gut. Besonders wenn Sätze wie "X könnte es besser, wenn er/sie sich mehr konzentrieren würde." oder ähnliches drinstehen.

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Re: Frage zu Fragebögen - Wenig Erinnerung an Kindheit

Beitragvon Kaina » 21. September 2015 10:30

Also ich würde in jedem Fall angeben, dass ich über diesen Zeitraum extrem wenig Erinnerungen habe.
Das kann u. U. ein Hinweis sein, denn starke Erinnerungslücken zu einem speziellen Zeitraum können viele Ursachen haben.

Andere fragen? Nun, jeder hat dich durch seine eigene Brille wahrgenommen.
Wenn du ganz verschiedene Leute fragst (Eltern, Geschwister, Freunde), wirst du wahrscheinlich feststellen, wie unterschiedlich du 'rüberkamst.
Aber was in dir selbst los war, können sie dir kaum sagen.

(Beispiel: traf eine frühere Mitschülerin.
Sie: "ich habe dich immer um dein Selbstbewusstsein beneidet, du warst immer so cool drauf! Während Angst vor meinem eigenen Schatten hatte."  :icon_eek:
Äh??? Mir ging es umgekehrt genau so mit ihr. :grübel:)


Aber frag die Leute mal, ob es irgendwelche eher besondere Vorkommnisse in dieser Zeit gab:
- etwas womit du dich auffallen stark beschäftigt hast (immer wieder erzählt oder nachgefragt)
- Neubeginn von irgendwas (Sportverein, Musikunterricht, Schwimmen oder Fahrradfahren  lernen, etc.)
- Unfall? vllt. sogar Krankenhausaufenthalt?
- Schul- oder Klassenwechsel?
- Umzug
- Todesfälle (Verwandte? Freunde?)

Vielleicht hilft das dem eigenen Gedächtnis auf die Sprünge, auch weil du vllt. Erlebnisse nur einem anderen Zeitraum zuordnest.
"Jedes Ding hat drei Seiten, eine positive, eine negative und eine komische." (K.Valentin) 
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Re: Frage zu Fragebögen - Wenig Erinnerung an Kindheit

Beitragvon Nope » 21. September 2015 10:40

Ich danke Euch. Jetzt sehe ich ein wenig klarer.
Hab die halbe Nacht nachgedacht aber es kam nix.
Ich werde meine Oma, meinen Bruder und noch mal meine Mutter fragen. Vielleicht war ja auch nix auffälliges. Ich war jedenfalls niemand, der Stress gemacht hat oder andere Kinder aufgemischt hat.
Dann schreibe ich noch auf den Bogen als Bemerkung, dass ich mich kaum erinnern kann.

Vielen Dank noch mal für Eure guten Tips
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Re: Frage zu Fragebögen - Wenig Erinnerung an Kindheit

Beitragvon Sheldon » 24. Oktober 2015 15:13

[quote=&quot;Hanghuhn&quot;]
Wenn Du Dich da an nichts erinnern kannst, dann war aus Deiner Sicht auch nichts Besonderes.[/quote]

Das ist nicht gesagt. Ich z. B. habe unangenehme Erlebnisse schon immer extrem schnell verdrängt. Das funktioniert sehr gut und kann sogar dazu führen, dass man sich nicht mehr bewusst daran erinnern kann. Was wiederum kontraproduktiv sein kann, wenn ungelöste Konflikte unterschwellig schwelen.
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Re: Frage zu Fragebögen - Wenig Erinnerung an Kindheit

Beitragvon Nope » 25. Oktober 2015 10:43

Wer weiß. Jedenfalls sind die Fragebögen verschickt und ich werde ja sehen, wie der Inhalt bewertet wird. Hoffentlich lassen die mich nicht zuuu lange schmoren
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Re: Frage zu Fragebögen - Wenig Erinnerung an Kindheit

Beitragvon Eule » 25. Oktober 2015 11:37

Du könntest ja das Datum an dem du das ganze abgeschickt hast plus eine Woche für Postweg und dass es in der ADHS-Ambulanz/Arztpraxis/wasauchimmer auf dem richtigen Schreibtisch ankommt plus eine Woche für das Auswerten  plus 2 oder 3 Tage für eine Kontaktaufnahme der Praxis/Klinik mit dir zwecks neuem Termin oder Info wie es weitergeht rechnen - und wenn bis dahin nix passiert ist rufst du da an und fragst nach. entweder sie erklären dir dann dass sie noch nicht so weit sind und du kannst fragen wie lange es voraussichtlich noch dauern wird, du hättest das ganze dannunddann weggeschickt, oder sie sagen "Wir wollten Sie eigentlich sowieso kontaktieren, gut dass Sie anrufen, es geht jetzt soundso weiter."

Ich halte mal die Daumen dass du bald mehr weißt.
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Re: Frage zu Fragebögen - Wenig Erinnerung an Kindheit

Beitragvon Nope » 25. Oktober 2015 16:02

Danke Dir, Eule. Mir wurde ja von Anfng an gesagt, dass es etwas dauern wird.

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