ADHS? 4,5 jähriger Wirbelwind!

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Persenthilea
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ADHS? 4,5 jähriger Wirbelwind!

Beitrag von Persenthilea » 19. Mai 2015 22:18

Guten Abend zusammen,

ich habe mich eben schon drüben vorgestellt und hoffe, dass ich nun das richtige Forum gefunden habe. Falls nein, verschiebt das Thema doch bitte, falls möglich :)

Warum hab ich mich angemeldet?

Unsere mittlerweile 4 1/2 jährige Tochter war schon immer ein ziemlicher Wirbelwind, wobei ich sagen muss, dass sie sich in den ersten 2 Lebensjahren relativ normal entwickelt hat. Zwar konnte sie erst mit 18 Monaten laufen, aber ansonsten war sie weder ein Schreikind noch sonst ein Spätzünder. Sie war immer sehr aktiv, lief mir ständig weg, ohne überhaupt auf mich zu achten.

Auch im Kindergarten (ab 2 Jahre, 10 Monate) gehörte sie immer zu den sehr aktiven Kindern, die Regeln nicht akzeptieren und ständig umherlaufen. Ich muss dazu sagen, dass die Wahl des Kindergartens im Nachhinein betrachtet nicht optimal war. Dort herrschten kaum Regeln; es entwickelte sich immer mehr zu einem gänzlich offenen Konzept. Für die Erzieherinnen war sie einfach, wie sie ist und man hat sie kaum zum Einhalten der wenigen vorhandenen Regeln angehalten. Sie durfte sich den ganzen Tag (außer zu den Speisezeiten) frei im Kiga bewegen.

Im letzten Sommer fand dann ein Elterngespräch im Kiga statt, in dem uns ein Förderbedarf eröffnet wurde. Sie sei mit vielen Kindern und hoher Lautstärke schnell überfordert und "verloren", man müsse ihr immer positiv begegnen (also nicht schimpfen, sondern sie lieber von unerwünschten Verhaltensweisen ablenken  :Frag:). Man empfahl uns eine Ergotherapie.

Etwas überfragt machte ich mich kurz danach auf den Weg zum Kinderarzt. Ende vom Lied; für sie sei sie eine normal entwickelte (damals noch) Vierjährige. Okay, also kein Handlungsbedarf.

Im Winter war dann die U8 bei der anderen Kinderarztin der Gemeinschaftspraxis. Obwohl die Kleine alles recht gut mitgemacht hat, stellte die Ärztin einen Entwicklungsrückstand von 6-12 Monaten ( :icon_eek:) fest. Im UHeft steht jedoch lediglich "Entwicklungsverzögerung leicht (grob- und feinmechanisch). Das das Gesagte mit dem UHeft so gar nicht übereinstimmte, ließ mich wieder mit Fragezeichen zurück.

Daraufhin habe ich mich selbst aufgemacht und habe zunächst bei der Frühförderung vorgestellt. Dort ergab sich ein Entwicklungsrückstand von 5 Monaten (durchschnittlich, errechnet aus diversen Tests). Eine Wiedervorstellung empfohlen, wenn sich in den nächsten 6 Monaten nichts ändert.

Das reichte mir nicht, denn hier zu Hause ging es mit unter richtig rund. Sie kann nicht still sitzen, kann sich auf nichts konzentrieren, will mit nichts spielen oder mit etwas zu Anspruchsvollem (Puzzle ab 5 zum Beispiel, welche ich dann sofort aussortiert habe). Sie ärgert ihren Bruder (15,5 Monate) ständig, er kann keinen Schritt ohne sie machen. Sie rennt ihm hinterher, schubst. So geht es auch außerhalb mit anderen Kindern. Sie bedrängt sie regelrecht.

Ich habe mich dann noch mit einer Erziehungsberatungsstelle in Verbindung gesetzt. Habe alles feinsäuberlich aufgeschrieben, weil ich in Gesprächen dazu neige, Wichtiges zu vergessen. Oder aber ich bin so auf die Kinder fokussiert, dass ich kaum nen ganzen Satz zu Ende sprechen kann. Das Erstgespräch sollte dann auch in einer Art Turnhalle stattfinden. Mit zwei Heilpädagoginnen und mit uns Eltern und beiden Kindern. Ich habe sie dort auch einfach mal machen lassen, was sie eben tut. Nämlich einfach an alle Schränke gehen, hochklettern, das ganze Programm.

Ich habe selbst gemerkt, dass sich die zwei Pädagoginnen ob der Heftigkeit immer wieder Blicke zugeworfen haben. Natürlich habe ich erwähnt, dass ich sie das "volle Ausmaß" sehen lassen wollte und normalerweise längst eingeschritten wäre. Dabei muss ich sagen, dass sie nichts mutwillig zerstört. ABer es gibt oft "Schäden" durch Tollpatschigkeit oder Überschwinglichkeit.

Jedenfalls wurde dort zu einem Kindergartenwechsel geraten. Eine Heilpädagogin war auch vor Ort und hat sich alles angesehen. Von sportlicher Aktivität wie Sportverein etc. hat man uns zunächst abgeraten, weil sie durch ihr Verhalten schnell zum "Klassenclown" würde, der dann ständig ausgeschimpft würde (weil wir überlegt haben, dass es vielleicht einfach nur überschüssige Energie ist und Sport dann vielleicht gut wäre).

Der Kindergartenwechsel ist dann zum 1.5. erfolgt. Leider streiken die Einrichtungen aber bekannterweise schon seit letzter Woche Montag, so dass sie nur 4 Tage in die Einrichtung gehen konnte.

Zeitgleich haben wir vor 9 Wochen eine Ergotherapie begonnen. Einen Kurzbericht bekomme ich nach jeder Einheit, aber einen vorläufigen GEsamtbericht erst in der nächsten Woche.

Untersuchungen in der Pädaudiologie und der Sehschule (inkl. Optometrist) waren übrigens ohne Befund. Dr. Robby Sacher hat ebenfalls ein Auge auf sie; dort sind wir im Juni wieder. In der bisher einzigen Untersuchung erwähnte er am Rande einen so genannten "Angelman"-Autismus. Wenn ich das aber google, komme ich bis auf die optischen Auffälligkeiten (hellblonde Haare, hellblaue Augen) aber eher zufällig auf passende Symptome.

Ich fasse nochmal kurz zusammen:

Auffälligkeiten
- ständig unruhig
- kann sich nicht konzentrieren
- sehr sprunghaft
- keine tiefen Freundschaften
- bedrängt (insbesondere kleinere) Kinder
- geht über Tische und Bänke
- hält sich nicht an Regeln bzw. versteht Konsequenzen nicht
- man muss sie bei einer Aufforderung immer wieder erinnern (z.B. Schuhe anziehen)
- rennt draußen ständig weg und
- ist sich Gefahren nicht bewusst (z.B. läuft sie einfach über die Straße, wenn gegenüber etwas interessant ist)

Andererseits
- schläft sie nachts gut und schläft auch gut ein (mit Einschlafbegleitung, diese ist aber von uns gewünscht)
- kann auch mal mit ihr ins Kino gehen, das hält sie ohne Probleme ohne Aufstehen oder Herumzappeln aus
- Bücher vorlesen klappt auch liegend im Bett
- sitzt sie auch gern mal vor ihrem Malbuch und malt oder klebt Sticker ein.

Ich habe bestimmt noch Dinge vergessen, die ich aber noch hinzufügen möchte, wenn sie mir einfallen.


Die Diplompsychologin in der Pädaudiologie erklärte mir, dass man Kinder zwar erst zu Schulbeginn testen kann, ein Test aber auch schon ab 5 möglich sei. Im Endeffekt würde die Therapie aber auch nicht anders laufen, als jetzt. Sprich Ergotherapie.

Ich würde mich sehr gern mal mit jemandem treffen, dessen Mädchen ADHS hat. Ich möchte so gern wissen, wie sich Kinder mit dieser Diagnose im Kleinkindalter verhalten haben. Durch ihr Verhalten sind wir ziemlich isoliert, was mich wirklich sehr traurig macht. Viele (und damit meine ich auch teilweise die Familie) sind mit ihr überfordert und sagen mir, ich müsste da härter durchgreifen. Daher meide ich alle Besuche, die Probleme bereiten können. Häufig teilen wir uns auf; der eine mit der Kleinen, der andere mit dem Kleinen. Einzeln lassen sie sich nämlich recht gut bändigen. Aber wir sind ja eine Familie und nicht zwei Eltern mit zwei Kindern  :schäm:

Diagnostisch habe ich wohl alles abgeklärt, was möglich ist. Abgesehen vom SPZ.

Ich würde mich freuen, wenn ich mich mit euch austauschen könnte, denn ich bin teilweise echt verzweifelt. Aktuell recht häufig, weil ich den ganzen Vormittag/Mittag im Kindergartenstreik mit beiden Kindern allein bewältigen muss, bis mein Mann nach Hause kommt.

Vielen Dank im Voraus und viele liebe Grüße
P.
Falschparker
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Re: ADHS? 4,5 jähriger Wirbelwind!

Beitrag von Falschparker » 20. Mai 2015 15:56

Eine Diagnose ob ADHS ja oder nein kann über das Forum natürlich niemand stellen, aber die Symptome die du beschreibst sind ausgesprochen typisch. ADHS-ler sind übrigens nicht ständig unkonzentriert, sie können ihre Aufmerksamkeit aber nicht bzw. viel weniger beeinflussen, die ist stark motivationsabhängig. Daher ist es nicht verwunderlich, dass es mit ihren Büchern oder Malbüchern gut klappt.

Nein, du musst dich nicht schämen dass ihr euch öfters aufteilt wenn ihr so euren Kindern besser gerecht werden könnt. Macht euch bitte keinen Stress mit so Klischees wie "Wir sind ja eine Familie".

[quote="Persenthilea"]Ich würde mich sehr gern mal mit jemandem treffen, dessen Mädchen ADHS hat. Ich möchte so gern wissen, wie sich Kinder mit dieser Diagnose im Kleinkindalter verhalten haben.[/quote]

Jungs mit Träumerchen-ADS und Mädchen mit hyperaktiver ADHS sind eben noch exotischer. Aber es gibt sie natürlich.

[quote="Persenthilea"]Die Diplompsychologin in der Pädaudiologie erklärte mir, dass man Kinder zwar erst zu Schulbeginn testen kann, ein Test aber auch schon ab 5 möglich sei. Im Endeffekt würde die Therapie aber auch nicht anders laufen, als jetzt. Sprich Ergotherapie.[/quote]

Das stimmt nicht. Kinder mit 4 oder spätestens 5 kann man schon relativ zuverlässig diagnostizieren und auch medikamentös behandeln. Wobei natürlich und zu Recht die Ärzte um so zurückhaltender sind, je jünger das Kind ist.

Ihr müsst gucken, wie groß bei euch und eurer Tochter der Leidensdruck ist. Es hat keinen Zweck, sich fertig zu machen, nur weil eine Altersgrenze im Einzelfall nicht erreicht ist. Unser großer Sohn (heute 19) bekam Methylphenidat seit er fünfeinviertel war, und es hat ihm sofort sehr gut getan, es war ein Segen für ihn und uns. Er war sehr hyperaktiv damals, zusätzlich war das Leben mit ihm noch erschwert durch seine geistige Behinderung, die sprachliche Verständigung unmöglich machte (und noch heute macht).

Unser kleiner Sohn ist 2 3/4, also zwischen euren beiden Kindern, und da ist es noch zu früh, eine Aussage zu treffen. Sehr lebhaft und wenig frustrationstolerant ist er allerdings auch.

Was du so oder so machen kannst (und solltest) ist dich über den Umgang mit ADHS-Kindern zu informieren. Kennst du die Bücher von Cordula Neuhaus? Und gibt es in eurer Gegend eine ADHS-Elterngruppe?

Viele Grüße und alles Gute  :winken:
Falschparker
Zuletzt geändert von Falschparker am 20. Mai 2015 15:58, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: ADHS? 4,5 jähriger Wirbelwind!

Beitrag von Falschparker » 29. Mai 2015 17:53

Hallo Persenthilea,

was ist denn hier in der Kommunikation schief gelaufen? Ich finde es schade dass du dich nicht mehr meldest.  :baw:
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